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Eine völlig verrückte Geschichte: der Fall der Familie Troadec T

Eine völlig verrückte Geschichte: der Fall der Familie Troadec

In jener kalten Februarnacht des Jahres 2017 schlief die ruhige französische Kleinstadt Orvao, tief und fest. Niemand ahnte, dass ich hinter den Mauern eines zweistückigen Hauses eine Szene abspielte, die einem Albtraum aus dem schrecklichsten Horrorfilm glich. Die Familie Troadeck führte ein ganz gewöhnliches, geregeltes Leben.

Sie schmiedete Pläne, bereitete das Abendessen zu und machte sich für Uni und Arbeit bereit. Keiner von ihnen ahnte, dass direkt unter ihren Fenstern ein Mann stand, der den Atem anhielt und ein Stethoskop in den Händen hielt. Er fing jedes Rascheln und jeden Atemzug im Inneren des Hauses auf, getrieben von erstickender Paranoia und blinder Wut.

In seinem Kopf brannte nur ein einziger wahnsinniger Gedanke. Danach verschwanden vier Menschen spurlos. Sie hinterließen nur eine unheimliche Sauberkeit und ein Geheimnis, das vermutlich nie gegeben hatte. Or ist eine dieser typischen kleinen Städte Frankreichs. Es ist ein überschaubarer Ort, in dem etwa 25000 Menschen leben.

 In solchen Orten ist es in der Regel ruhig und es geschieht nichts ungewöhnliches, schon gar nichts Kriminelles, das die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf sich ziehen könnte. Doch heute soll es um Menschen gehen, die in allen Schlagzeilen und Berichten Frankreichs auftauchten. Die Familie Troadeck wohnte in einem kleinen Vorort unweit von Nord.

 Ihr kleines Haus lag in einer Sackgasse am Stadtrand. Das Oberhaupt der Familie war Pascal. Seine Frau hieß Brigit. Die beiden waren gleich alt. Im Jahr 2017 wurden beide 49 Jahre alt. Zum Zeitpunkt der Ereignisse waren sie bereits fast ein Viertel Jahrhundert verheiratet. Ihre Familien lebten seit mehreren Generationen hier und diese Beständigkeit spielte Brigitte und Pascal einen bösen Streich.

Der Mann arbeitete bei einem Energieunternehmen, das nur wenige Straßen von seinem Zuhause entfernt lag. Seine Frau war in der Steuerbehörde von N tätig. beide genossen einen guten Ruf, weil sie zuverlässig und verantwortungsbewusst waren. Das Paar hatte zwei Kinder. Sebastian war im Jahr 2017 Jahre alt.

 Charlotte war das jüngere Kind und 18 Jahre alt. Beide waren Studenten. Mein Name ist Lukas Falkner. Sie sehen den Kanal Fokusfall. Danke, daß Sie meinen Content schauen. Ich freue mich über Ihr Abo und Like. Viel Spaß beim Zuschauen. Die Familie war ruhig und friedlich. Die Troadex verstanden sich gut mit der ganzen Nachbarschaft und pflegten auch ausgezeichnete Beziehungen zu ihren Verwandten.

  Der größte Teil der Verwandtschaft lebte in benachbarten Vororten. Man stand nicht nur ständig in Kontakt, sondern traf sich auch zu Familienessen. Pascal hatte zwei Schwestern, die mit ihren Ehemännern in Landerna lebten. Die Entfernung dorthin betrug mehr als 200 km.

 Die Frauen waren in einer großen Familie aufgewachsen und waren es deshalb gewohnt, mit allen in Verbindung zu bleiben. Sie telefonierten fast täglich, um Neuigkeiten und Sorgen auszutauschen. Am 20. Februar 2017 machten sich die Verwandten Sorgen, denn Brigitte und Pascal hatten sich seit mehreren Tagen nicht gemeldet. Das erschien seltsam, denn üblicherweise lagen zwischen den Anrufen höchstens ein oder zwei Tage.

 Zuerst dachte die jüngere Schwester von Pascal: “Ihre Verwandten seien einfach unterwegs. Mehrere Versuche, sie zu erreichen, blieben erfolglos, doch es waren Werktage, und so ging sie weiter ihren Angelegenheiten nach, in der Hoffnung bald mit ihnen zu sprechen. Es verging noch ein Tag, aber die Lage änderte sich nicht.

 Dann nahm sie Kontakt zu ihrer älteren Schwester namens Lidi auf, die ihr dieselbe Geschichte erzählte. Ihren Worten zufolge hatte sie seit fast einer Woche nichts von ihrem Bruder und seiner Familie gehört. Gemeinsam gingen die Frauen der Sache nach und stellten schnell fest, dass in den sozialen Netzwerken die ganze Zeit über keines der Familienmitglieder aktiv gewesen war.

 Dann riefen die Schwestern bei den Arbeitgebern an. So erfuhren sie, dass weder Brigitte noch ihr Mann seit mehreren Tagen zur Arbeit erschienen waren. Noch beunruhigender war, dass auch die Kinder nicht in ihren Universitäten aufgetaucht waren. Natürlich hätten sie nicht einfach so die Arbeit oder das Studium schwänzen können.

 Als den Frauen klar wurde, dass die Lage wirklich beängstigend aussah, wandten sie sich an die Polizei und meldeten die Familie als vermisst. Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine ganze Woche vergangen, in der keiner der Vermissten ein Lebenszeichen von sich gegeben hatte. Deshalb nahmen die Polizisten die Anzeige sehr ernst und fuhren sofort zum Haus der Familie, um nach dem Rechten zu sehen.

 Am Ort angekommen, sahen sie sich das Haus von außen an und blickten in den Hof. Trotz Klingeln und Klopfens öffnete niemand die Tür. Die Streifenbeamten bemerkten im Inneren keinerlei Anzeichen von Aktivität. Vor dem Haus standen die Autos aller Familienmitglieder mit Ausnahme eines kleinen Peugeot, der Sebastian gehörte.

Am 23. Februar 2017 brachen die Polizisten in den Abendstunden die verschlossene Tür auf und betraten das Familienhaus. Zuerst fiel ihnen auf, daß es bis dahin keinerlei Beschädigungen an Türen und Fenstern gegeben hatte. Auf dem rauen Garagenboden fanden sich burgunder rote Flecken, Spritzer und Spuren, die an eine durchschleifen verwischte Blutspur erinnerten.

 Auch die übrigen Flecken sahen aus wie Blut und zwar wie gründlich abgewischtes. Offenbar hatte man versucht, es wegzuwaschen, es wegen der Unebenheit des Bodens aber nicht vollständig geschafft. Die Beamten gingen weiter durch das Haus und stellten fest, dass es darin sehr kalt war. Es stellte sich heraus, dass der Strom abgestellt war, weshalb auch die Heizung nicht lief.

 Die Harseligkeiten der Bewohner lagen in allen Zimmern. Es sah aus, als hätten sich die Familienmitglieder einfach in Luft aufgelöst und sogar unentbehrliche Dinge zurückgelassen. In der Trommel der Waschmaschine befand sich frisch gewaschene Kleidung. Auf allen Betten fehlte die Bettwäsche und in der Spüle stand ungespültes Geschirr.

Es schien, als hätten sie das Haus in Eile verlassen. Aber warum? Brigitte war immer sehr ordentlich und reinlich gewesen. Sie hätte das Haus niemals verlassen, ohne wenigstens das Geschirrt zu spülen. Überall gab es kleine Spuren, die an Blut erinnerten, dass man wegzuwaschen versucht hatte. Später bestätigte eine Untersuchung mit Luminol all das.

 In fast jedem Zimmer war Blut zurückgeblieben. Es war weit mehr, als bei der Tötung eines einzelnen Menschen zurückbleibt. Es wirkte, als hätten verletzte Menschen versucht zu fliehen und sich verzweifelt gewehrt. Sofort kamen Zweifel auf, ob man überhaupt jemanden lebend finden würde. Doch es war noch immer unklar, was hier genau geschehen war.

 Bemerkenswert war, daß aus dem Haus so gut wie nichts von Wert fehlte, abgesehen von einem Computer. Weitaus teurere Gegenstände lagen unberührt an ihrem Platz. Der Gedanke an einen Raub erschien in jedem Fall unhaltbar. Die Familie war nicht reich. Pascal hatte Jahrzehnte harter Arbeit gebraucht, um sich seinen langgehegten Traum zu erfüllen und einen gebrauchten Audi zu kaufen.

 Sie hatten keine Feinde, alle kannten die Troadex als ein sehr ruhiges Paar. Sie gerieten nie in Streit und wurden auch nicht verfolgt. Es brauchte irgendeine Information. Deshalb überprüfte man die Bankkonten aller vier sowie die Aufzeichnungen ihrer Telefongespräche. Dabei stellte sich heraus, dass die letzte Aktivität in der Nacht vom 16.

auf den 17. Februar stattgefunden hatte. Weitere Überprüfungen lieferten den ersten Namen auf der Liste der Verdächtigen. Wie sich zeigte, hatte Sebastian psychische Probleme, die bereits im Jahr 2013 festgehalten worden waren. In einem Internetforum und unter Mitschülern hatte er verbreitet, dass er in seiner Schule ein Blutbad anrichten wolle.

 Zum Glück hielt der junge Mann seine Drohungen nicht ein, obwohl er mehreren Leuten erklärt hatte, er werde kommen und die ganze Klasse erschießen. Nach einer Überprüfung wurde er sogar zur Behandlung in eine Klinik eingewiesen. Auch das Auto wies auf ihn hin. Sein Wagen war das einzige verschwundene Fahrzeug der ganzen Familie. Die Ermittler brachten diese beiden Umstände sofort miteinander in Verbindung, weshalb Sebastian als Verdächtiger in einem mutmaßlichen Dreifachmord galt.

 Der Fall wurde von Anfang an zu einem Aufsehen erregenden. Die Polizisten begannen nach dem jungen Mann zu suchen und die Journalisten verbreiteten Informationen über ihn als Täter. Seine Aktivitäten im Internet wurden nun gründlicher überprüft. Die Detektive fanden sofort seine Korrespondenz auf mehreren Seiten in den sozialen Netzwerken.

 Der junge Mann hatte sich wiederholt wenig schmeichelhaft über seine Familienmitglieder geäußert, besonders über seinen Vater. Danach verbreitete die Polizei die Informationen noch aktiver. Sebastian wurde zur Fandung ausgeschrieben und die drei übrigen Familienmitglieder galten als vermisst. Dennoch glaubten die übrigen Verwandten nicht, daß der junge Mann dazu fähig gewesen sein könnte.

 Niemand bestritt, daß er eine schwierige Jugend gehabt hatte. Er hatte psychische Auffälligkeiten, kam mit allen Problemen jedoch zurecht und galt als vorbildlicher Student. Sogar die Schule hatte er mit Bestnoten abgeschlossen. Die Vermutung, er sei gemobbt worden, bestätigte sich nicht. Sebastian war das genaue Gegenteil eines typischen Täters, der in einem schwierigen Umfeld aufgewachsen und schon als Kind aggressiv gewesen wäre.

 Er hatte viele Freunde, die ihn als guten verlässlichen Menschen kannten, der seine Familie liebte. Vielleicht äußerte er sich wegen alltäglicher Meinungsverschiedenheiten einmal negativ, doch niemand glaubte, dass er seinen Angehörigen etwas antun könnte, sodass im Haus Spuren einer Gewalttat zurückgeblieben wären. Die Suche nach der Familie ging in jedem Fall weiter.

 Lange Zeit blieb Sebastian der Hauptverdächtige im Fall des Verschwindens seiner Familie, vielleicht sogar eines Verbrechens an ihr. Zehn Tage nach der Anzeige der Schwester gab es am März eine unerwartete Wendung. Etwa 250 km vom Haus der Familie Troadeck entfernt wurden verbrannte Gegenstände mit Blutspuren gefunden. Bei der Überprüfung entdeckten die Polizisten Sebastians Auto, in dem noch einige Dinge aus dem Haus lagen.

 Rund um diesen Ort begannen Suchtrups zu arbeiten, darunter Hundeführer mit speziell ausgebildeten Spürrunden. Trotzdem fand sich keine Spur von einem der Vermissten. Sogar Taucher wurden eingesetzt und untersuchten die umliegenden Gewässer, aber auch sie fanden nichts. Die Kriminaltechniker konzentrierten sich auf das zurückgelassene Fahrzeug und stießen darin auf noch verdächtigere Spuren.

 Im Kofferraum und auf der Rückbank fand sich Blut von Mitgliedern der Familie Troadeck. Am Lenkrad und am Rückspiegel entdeckte man dagegen einige verwischte Tropfen, die keinem von ihnen gehörten. Die weitere Auswertung führte die Ermittler zu einem Mann namens Hüber Kuissa. Er arbeitete als Ingenieur auf einer Werft.

 Hber war der Ehemann von Lidi, einer der Schwestern, die sich an die Polizei gewandt und das Verschwinden der Familie gemeldet hatten. Natürlich rückte der Mann damit in den Fokus der Ermittler und sie wollten mit ihm sprechen. Als die Ermittler Hüber trafen, stritt er alles ab. Er erklärte, sein Blut könne zufällig im Auto seiner Verwandten zurückgeblieben sein, denn er habe sie kurz zuvor nach einer Feier im Haus der Familie nach Hause gefahren.

Dabei habe er sich in seiner Garage leicht verletzt und deshalb den Innenraum verschmutzt. Um eine mögliche Beteiligung des Mannes zu beweisen, beschlossen die Polizisten, eine weitere Blutspur mit ihm abzugleichen. Auch im Haus der Vermissten war ein Profil gefunden worden, das nicht den mutmaßlichen Opfern gehörte.

 Der Abgleich brachte ein Ergebnis. In der Küche der Troadex fanden sich einige kleine Blutstropfen auf zerbrochenem Glas. Die Scherben waren zudem frisch. Vermutlich war das Glas bei einem Handgemenge zu Bruch gegangen, als die Ehele und ihre Kinder versuchten, den Eindringling zu vertreiben. Diese kleinen Spuren, die von Huberts zufälliger Verletzung stammten, verbandten ihn mit dem Tatort und mit dem Zeitpunkt, zu dem die Familienmitglieder ums Leben gekommen waren.

 Die Vermissten hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon so lange bei niemandem gemeldet, dass man nicht mehr damit rechnete, sie lebend wiederzusehen. Deshalb verdächtigte man den Verwandten für den Tod der Familie verantwortlich zu sein. Der Mann wurde erneut verhört. Man setzte ihn unter Druck und verwies auf die Blutstropfen und die zeitlichen Abläufer.

 Eine Weile leistete Hubert Widerstand, doch es war offensichtlich, dass das vergeudete Zeit war. Nach wenigen Stunden im Gespräch mit den Ermittlern brach er zusammen. Zum Zeitpunkt des Verschwindens der Familie war Hubert Kauisan 46 Jahre alt. Er war das jüngste Kind seiner Familie und wuchs in Plugernau auf. Sein Vater war ein angesehener Mann, hatte eine Laufbahn bei Militär gemacht und einen hohen Rang erreicht.

 Die Mutter dagegen war das genaue Gegenteil. Man kannte sie als unausgeglichene, streitsüchtige Frau. Sie hatte Probleme mit Alkohol. Wegen ihres Verhaltens wurde oft über sie geredet und man hielt sie für keine gute Mutter und Ehefrau. Viele glaubten, dass sie ihre Wut an den Kindern ausließ und sie schlug. Das strenge Familienoberhaupt goß mit verboten und Strafen nur noch Öl ins Feuer.

Mit 16 Jahren verließ Hubert die Schule. Ein Hochschulstudium strebte er nicht an. Stattdessen begann der junge Mann zu arbeiten und wurde Gehilfe eines Kesselschmieds. Er war klug, wenn auch verschlossen und wenig gesprächig, aber ruhig genug, um keine Schwierigkeiten zu machen. Lidi Troadeek, die Schwester von Pascal, lernte Hubert Mitte der 2000er Jahre kennen.

 Sie fanden über eine Internetseite zueinander und kamen sich schnell näher. Daraus wurde eine stabile, feste Beziehung. Bald beschloß das Paar ein Kind zu bekommen, doch danach begannen die Probleme. Im Jahr 2012 entschied Hubert die Arbeitsstelle zu wechseln und wollte sich nun um die technische Wartung atomgetriebener U-Boote kümmern.

 Dabei ergab sich ein großes Problem. Schon im Kesselraum war es immer sehr laut gewesen und das hatte ihn belastet. Am neuen Arbeitsplatz wurde es noch schlimmer. Der Mann klagte, er habe sein ganzes Leben lang starken und schrillen Lärm nicht ertragen. Mit dem Alter setzte ihm das immer mehr zu.

 Er dachte sogar daran, den Job zu wechseln, aber auf den U-Booten wurde gut bezahlt. Bis zuletzt hielt Hubert an dieser Stelle fest, denn er war der einzige Verdiener der Familie, während seine Frau in Elternzeit war und sich um den Sohn kümmerte. Nach Huberts eigenen Angaben belastete ihn der Lärm anfangs nur körperlich, wirkte sich dann aber allmählich auch auf die Psyche aus.

 Mit der Zeit führte das alles zur Erschöpfung, weshalb er sich krank schreiben ließ und danach Urlaub nahm. Doch die Lage änderte sich nicht. Etwa 3 Jahre arbeitete Hubert dort und in dieser Zeit verschlechterte sich sein Zustand nur noch. Der Mann behauptete, gerade seine Reaktion auf den Lärm habe zu einer Zwangsvorstellung geführt.

 Er glaubte felsenfest, dass die Tordecks Gold versteckten. Zunächst suchte Hubert nur nach Stille und Ruhe. Dafür kaufte er sogar ein abgelegenes Haus. Es lag außerhalb der Stadt und zwar so, dass man mit dem Auto kaum hinkam. So sehr wollte er dem ständigen Lärm entkommen, der ihn umgab. Mehrere Monate verbrachte er dort, krank geschrieben und versuchte, einen Nervenzusammenbruch zu überwinden.

Danach kehrte er sogar zur Arbeit zurück. Es schien, als hätte sich alles normalisiert. Doch der Mann litt wieder unter dem Lärm und die Situation wiederholte sich. In seine eigenartige Abschottung zog er auch seine Frau und seinen Sohn hinein. Als das Paar fernaber Blicke lebte, ging das Kind nicht mehr zur Schule.

 Für Erziehung und Bildung sorgte Lidi. Beim Verhör unternahm der Mann einen letzten Versuch, die Spuren seiner DNA im Haus der Tadeex zu erklären und blieb bei seiner ursprünglichen Geschichte. Doch man durchschaute ihn schnell. Hubert behauptete, er sei erst vor kurzem bei Pascal und Brigitte zu Besuch gewesen, aber das war gelogen.

 Der letzte freundschaftliche Besuch hatte im März 2014 stattgefunden. Seitdem war er wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Paar nicht mehr dort gewesen. Als die Polizisten ihn auf die offensichtliche Lüge hinwiesen, verlor der Verdächtige die Fassung und begann die Wahrheit zu sagen. Sein Verhalten änderte sich plötzlich grundlegend.

 Er erklärte, die Troadex seien in Wirklichkeit nicht die, für die sie sich ausgeben, denn sie hätten Goldbarren gestohlen. Zunächst verstanden die Ermittler gar nicht, wovon die Rede war, doch Hubert schilderte sein Geständnis sehr ausführlich. Seiner Ansicht nach hatte Pascal Gold gefunden, dass sein Vater Pierre versteckt hatte.

 Es handelte sich um Barren, die schon im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen waren, als man sie vor den Nationalsozialisten in Sicherheit bringen wollte. Obwohl der Mann etwa drei Autostunden von Pascal und den übrigen Familienmitgliedern entfernt wohnte, wurde er diese Zwangsvorstellung nicht los und begann regelmäßig herzukommen.

Hubert tat das, um zu spionieren und benutzte sogar ein Stethoskop, um Gespräche durch die Wand mitzuhören. Stundenlang versteckte er sich in den Büschen unweites Hauses der Familie Troadeck, beobachtete sie, machte sich Notizen und lauschte. Später gelang es ihm, den Schlüssel zum Haus zu entwenden und nachzumachen, um dort einzudringen und alles gründlich zu durchsuchen, sobald sich die Gelegenheit bot, dies in Ruhe und Allein zu tun.

Hubert behauptete, er habe niemanden töten wollen. Er habe nur Dokumente finden wollen, die die Existenz des Goldes belegten, um seiner Frau Gerechtigkeit zu verschaffen. Zuerst wollte der Mann abwarten, bis das Paar mit den Kindern irgendwohin verreist. Doch die Zwangsvorstellung ließ ihm zu lange keine Ruhe. In der Nacht vom 16.

auf den 17. Februar 2017 beschloss Hubert entschlossen zu handeln. Wieder einmal setzte er sich in sein Auto und fuhr zum Haus der Verwandten seiner Frau. Diesmal war ihm klar, dass ihm die Zeit davon lief und so drang er ein, um die Goldbarren zu finden. Nach Ansicht des Eindringlings hatte Pascal das Gold nicht nur vor seiner Schwester verheimlicht, er wollte es jetzt auch noch ausgeben.

Stichhaltig begründen konnte Hubert diese Schlussfolgerung allerdings nicht. Sie klang wie ein Hirngespinst. Im Haus der Familie Tradeck begann er jedenfalls die Räume zu durchsuchen, ging dabei aber so unvorsichtig vor, daß es Lärm gab. Der Krach eines herabgefallenen Gegenstandes weckte alle im Haus.

 Das Licht war aus, weil der Täter den Strom vorher abgestellt hatte. Vermutlich konnten Pascal und Brigitte gar nicht erkennen, mit wem sie es zu tun hatten. Sie wollten nur, dass der Fremde verschwindet und sie in Ruhe lässt. Die Lage spitzte sich zu. Der Einbrecher fürchtete, entlaft zu werden und beschloss sich zu wehren.

 Pascal kam mit einem Brecheisen in der Hand nach unten. Hubert schlug ihn zunächst mit der Faust und riss ihm dann das Brecheisen aus der Hand. Der Hausherr versuchte sich zu wehren und nach einem anderen Werkzeug zu greifen, doch es gelang ihm nicht. Hubert tötete den Mann und ging danach auf dessen Frau los. Als die Kinder von den Schreien und dem Lärm aufwachten, hatten ihre Eltern bereits tödliche Verletzungen erlitten.

 Bruder und Schwester liefen in das Wohnzimmer, wo der Kampf stattfand. Zuerst traf es Charlotte, dann ihren Bruder. Auch danach hörte Hubert nicht auf. Er wollte sichergehen, dass keines der Opfer überlebt hatte und ging mit dem Brecheisen weiter gewaltsam vor. Mehr müssen wir über diese Minuten nicht wissen.

 Seine Schilderung bestätigte, was die Ermittler ohnehin schon wussten. Die Menge an Blut im Haus der Tradex war so groß, dass die Familie dies nicht überleben konnte und an Ort und Stelle gestorben sein musste. Auf irgendeine Weise hatte der Täter es geschafft, vier Menschen ohne fremde Hilfe zu töten. Doch sein perfider Plan hatte damit erst begonnen.

 Danach durchsuchte Hubert das gesamte Haus, fand die Goldbarren aber nicht. Von der Vorstellung, dass es sie gab, wollte er nicht abrücken. Nun glaubte er, sie seien umversteckt oder während eines der Familienurlaube ins Ausland gebracht worden. Enttäuscht wusch er sich die Hände und verließ den Ort des Blutbarts. Er ließ die getötete Familie zurück, fuhr zu seiner Frau und erzählte ihr alles.

 Erstaunlicherweise nahm sie das als gegeben hin und erklärte sich sogar bereit, dabei zu helfen, die Leichen ihrer Verwandten zu beseitigen. Als die Polizei später mit Lidi sprach, gestand die Frau, dass sie nicht einmal daran gedacht hatte, ihren Mann anzuzeigen. Sie war überzeugt, dass er im Recht war.

 Sie glaubte ihrem Mann blind, der ihr eingeredet hatte, Pascal sei ein Dieb, der das Familiengold gestohlen habe. Die Frau half beim Transport der Toten und wusch die blutige Kleidung ihres Mannes. Anschließend kaufte sie feste Müllsäcke. Hubert hatte also eine Komplizin, doch die Ermittler waren der Ansicht, dass sie angesichts ihrer Kaltblütigkeit weit mehr getan hatte, als nur beim Aufräumen zu helfen.

war schwer vorstellbar, dass er allein mit vier Menschen auf einmal fertig geworden war. Laut Huberts Aussage und dem Geständnis der Frau fuhr Lidi ihren Mann zum Haus ihres Bruders. Danach nahm er Sebastians Auto, Lut die Leichen ein und transportierte sie im Kofferraum und auf der Rückbank.

 Der Täter fuhr zu einem Haus auf dem Land. Dort brachte er die Toten in den hinteren Teil des Hofes und dann in ein Wirtschaftsgebäude, in dem alles Nötige vorhanden war. Er wollte alles so einrichten, dass ihr gemeinsames Leben in keiner Weise mit diesem Grauen in Verbindung gebracht werden konnte. Hubert brauchte mehrere Tage, um die vier Leichen zu zerlegen.

 Damals war er krank geschrieben und konnte sich deshalb fast ununterbrochen damit beschäftigen, ohne von der Arbeit abgelenkt zu werden. Zusätzlich verbrannte er die Überreste. Seine Tätigkeit blieb unbemerkt, weil das Familienhaus so abgeschieden und weit entfernt lag. Den größten Teil der Leichen konnte er bis zur Unkenntlichkeit verbrennen, aber nicht alles.

 Was sich nicht vernichten ließ, warf er einfach in das dichte Brombergestrüpp, das rund um das abgelegene Haus des Paares wucherte. Er hoffte, wilde Tiere würden die Überreste fressen und man würde sie nie finden. Als die Ermittler ihn fragten, warum er die wehrlose Frau und die Kinder töten musste, antwortete Hubert zynisch: Brigitte, Sebastian und Charlotte seien dem Vater zu Hilfe gelaufen.

 Er habe sie als unerwünschte Zeugen beseitigt, damit sie nicht die Polizei rufen konnten. Nach seinem Geständnis zeigte Hubert der Polizei, wo sich die Überreste befanden. Um das dichte Brombergestrüpp und alle anderen Orte, von denen Hubert erzählt hatte zu durchsuchen, brauchte es weitere Tage und dutzende Polizisten. Insgesamt wurden 379 Teile von Körpern, Haut und Knochen gefunden, die größtenteils bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren.

  Doch das war nur ein kleiner Rest von vier Menschen. Brecheisen, die Tatwaffe, wurde nie gefunden. Selbst nach seinem Geständnis beharrte Hubert darauf, dass die Suche nach dem Gold der Gold für den Überfall gewesen sei. Er zog nicht einmal in Betracht, dass Pascal nichts gefunden haben könnte. Er war überzeugt, dass dieser die entdeckten Goldbarren für sich behalten und nicht mit seiner Schwester geteilt hatte.

Das beschäftigte Hubert sehr, denn Pascal hatte seiner Schwester angeblich einen Teil des Erbes vorenthalten, der gereicht hätte, um all ihre finanziellen Probleme zu lösen. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, dass Pierre, der Vater von Pascal und Lidi, das Gold gefunden und irgendwo in den Wänden des Hauses versteckt hatte.

Seiner Meinung nach hatte der Schwiegervater nur seiner Frau Ren von den Barren erzählt. Pierre selbst starb im Jahr 2009 und seine Frau bestätigte die Vermutungen des Schwiegersohns nie. Ren berichtete, dass Hubert sie schon einmal mit solchen Fragen angesprochen habe, um herauszufinden, wo das Gold liege.

 Die Frau nahm die Sache jedoch mit Humor. Sie wies alle Anschuldigungen zurück und erklärte, sie habe überhaupt keine Ahnung, wovon er rede. Sie erlaubte ihm sogar ihr Haus zu durchsuchen und alle Barren mitzunehmen, falls er welche finden sollte. Natürlich fand er nichts und ging mit leeren Händen. Doch das Gespräch mit der Schwiegermutter brachte keine Besserung.

Sein Warn verging nicht. Etwa ab 2014 begann er, den Bruder seiner Frau zu verdächtigen, alles gefunden und für sich behalten zu haben. Bemerkenswert ist, dass Hubert selbst nach vier Toten keine überzeugenden Argumente für den Diebstahl der Barren nennen konnte. In Wahrheit hatte sein Warn einen historischen Hintergrund.

Tatsächlich wurde während des Zweiten Weltkriegs Gold durch die Stadt transportiert. Die Bank de France brachte ihre Bestände im Jahr 1940 in Sicherheit, als die Deutschen bereits in das Land eingedrungen waren. Diesen Angaben zufolge wurden rund 700 Tonnen Gold verlagert und einige Dutzend Kilogramm gingen beim Transport verloren.

Alle Versuche diese Barren zu finden, blieben erfolglos. Seit Hubert sich eingeredet hatte, Pascal habe die Barren gefunden und das Gold an sich genommen, verschlechterte sich die Stimmung in der Familie spürbar. Früher hatten gemeinsame Feiern Freude bereitet, nun kam es zum Bruch. Hubert versuchte den Diebstahl des Goldes zu beweisen, doch das gelang ihm nur in seiner überhitzten Fantasie.

 Seine Frau war jedoch leicht zu beeinflußen. Deshalb konnte er sie von seinen Hirngespinsten überzeugen. Sie nahm sogar mehrmals an Familientreffen teil und versteckte ein Diktiergerät in ihrer Kleidung. Die Frau wollte Gespräche aufzeichnen, um das Gold zu finden. Als die Wahrheit über diesen WN den übrigen Familienmitgliedern bekannt wurde, waren alle fassungslos, denn sie verstanden nicht, wie man überhaupt auf so etwas kommen konnte.

 Pascal war ein einfacher, bescheidener Arbeiter, der sich mit 50 Jahren gerade einmal einen gebrauchten Audi leisten konnte. Dass er mit irgendwelchen Goldbarren gepralt oder Luxus betrieben hätte, kam nicht in Frage. Die Überprüfungen ergaben, dass die Opfer weder konnten noch nennenswerte Ersparnisse besaßen. Die psychiatrischen Gutachten hingegen zeigten, dass Hubert alle Anzeichen eines Warns auf.

 Seine Überzeugung beruhte dabei nicht auf Halluzinationen, sondern auf der Deutung, daß die Familie von Lidis Bruder auf ihre und seine Kosten reich geworden sei, weil sie mehrmals im Ausland Urlaub gemacht hatte. All das näherte nur seine Paranoia. In den letzten Lebensjahren lief es finanziell bei der Familie Tradek tatsächlich besser als zuvor.

 Sie konnten sich sogar eine Reise nach Barcelona leisten. Das alles verstärkte Huberts Überzeugung. Sie hätten das Gold gefunden. Menschen, die das getötete Paar wirklich gut kannten, waren jedoch der Meinung, dass die beiden einfach hart gearbeitet, Geld gespart und sich gegenseitig unterstützt hatten. Psychiatrische Gutachten bestätigten bei Hubert Auffälligkeiten, die jedoch nicht so schwerwiegend waren, dass man ihn für schuld unfähig erklären konnte.

 Man entschied, dass er vor Gericht gestellt werden durfte. Dafür sprach auch die Gründlichkeit, mit der er die Spuren beseitigt hatte. Der Mann stand mehr als vier Jahre nach dem Mord an der Familie Tredeck vor Gericht. Die Geschworenen waren erschüttert über das Ausmaß seiner Grausamkeit. Selbst bei den Ermittlungen war nur ein winziger Teil der sterblichen Überreste gefunden worden.

 Alle Mitglieder der Familie wurden in geschlossenen Sergen beigesetzt. Sorgfältige Überprüfungen widerlegten den WN des Täters vollständig. Hubert blieb jedoch überzeugt, dass er keine andere Wahl gehabt hatte, als loszugehen und das erfundene Gold zu suchen. Der Staatsanwalt erklärte, Hubert sei nachts mit einem Werkzeug in das Haus der Familie gekommen und zwar mit Absicht, um ihnen das Leben zu nehmen und danach in aller Ruhe das Haus zu durchsuchen.

 Das Beweise kaltblütiges Kalkül. Am Ende der Verhandlung entschuldigte sich der fünfzeig-jährige Hubert bei allen Angehörigen, auch bei den Opfern. Einer lebenslangen Haft entging er. Der Mann wurde zu dreig Jahren Gefängnis verurteilt. Die Verteidigung hatte versucht, eine Schuldunfähigkeit geltend zu machen.

 Das Gericht befand jedoch, dass seine Fähigkeit, das eigene Handeln nüchtern einzuschätzen, nur teilweise beeinträchtigt gewesen sei. Seine Ehefrau Lidi wurde ebenfalls zur Verantwortung gezogen und zwar wegen Beihilfe zur Beseitigung der Leichen und zur Vernichtung von Beweisen. Dafür erhielt die Frau dre Jahre Freiheitsstrafe, von denen eines zur Bewährung ausgesetzt wurde.

 Inzwischen ist sie wieder auf freiem Fuß, meidet aber die Aufmerksamkeit der Presse. Wenige Monate nach der Verurteilung beider ließ sich das Paar offiziell scheiden. Ihr Sohn kam in eine Pflegefamilie und lebt bis heute unter einem anderen Namen. Hubert selbst behielt sich das Recht vor, nach Verbüßung der Hälfte der Strafe eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung zu beantragen.

Rechnet man die Untersuchungshaft mit ein, bedeutet das, dass er im Jahr 2032 die Möglichkeit haben wird, freizukommen. Als im Gerichtssaal die jahrelangen Streitigkeiten endlich verstummten und die schweren Türen der Gefängnisarchive den Fall der Familie Tredeck für immer schlossen, legte sich über die stillen Gassen von Orva eine dröhnende, klingende Lehre.

Die Kriminaltechniker hatten wochenlang die Asche auf dem abgelegenen Bauernhof durchsiebt, um den trauernden Verwandten wenigstens einen kleinen Teil dessen zurückzugeben, was einmal eine innige liebevolle Familie gewesen war. Am Ende fanden vier Menschen ihre Ruhe in geschlossenen Sergen. Kein noch so strenges Urteil der Welt kann wieder gut machen, was dieser Mann getan hat, getrieben von blinder Ganoia.

Diese Geschichte hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. Vier Menschen leben mit all ihren Zukunftsplänen, den Studentäumen der Kinder und der stillen familiären Geborgenheit wurden rücksichtslos ausgelöscht. Und wofür? Für das Trugbild eines Goldschatzes, das nur im kranten Verstand des Mörders existierte.

 Wie soll man noch Vertrauen in diese Welt finden, wenn man weiß, dass an einem ganz gewöhnlichen Wochentagabend der verborgene, beängstigende Warn eines anderen Menschen das eigene sichere Zuhause in eine tödliche Falle verwandeln kann. Sie haben den Kanal Fokusfall gesehen.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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