Ein harmloser Streit, ein falscher Retter und eine mörderische Flucht: Die grausame Wahrheit hinter dem Tod von Kaylee Sawyer T
Ein harmloser Streit, ein falscher Retter und eine mörderische Flucht: Die grausame Wahrheit hinter dem Tod von Kaylee Sawyer
Es ist Sommer 2016 in der malerischen Kleinstadt Bend, Oregon. Die Straßen sind ruhig, die Menschen kennen sich, und das Leben scheint seinen beschaulichen Gang zu gehen. Doch für die 23-jährige Kaylee Sawyer endet in dieser lauen Julinacht nicht nur eine Party, sondern ihr ganzes Leben. Was als ein gewöhnlicher Beziehungsstreit beginnt, entwickelt sich zu einem der grausamsten Verbrechen in der Geschichte der Stadt und löst eine atemlose Verfolgungsjagd quer durch zwei Bundesstaaten aus.

Kaylee, eine lebensfrohe junge Frau, die als Zahnarzthelferin arbeitet, feiert am Abend des 23. Juli den Junggesellinnenabschied einer Freundin. Es wird gelacht, getanzt und getrunken. Gegen Mitternacht beschließt sie, nach Hause zu gehen. Ihr Freund Cameron, mit dem sie seit über zwei Jahren zusammenlebt, holt sie ab. Doch die Fahrt endet nicht in einer liebevollen Umarmung. Kaylee gesteht Cameron, dass sie mit einem anderen Mann getanzt hat. Es kommt zum Streit, Vorwürfe fliegen durch das Auto. Als sie an ihrer Wohnung ankommen, eskaliert die Situation weiter. Cameron geht wütend in die Wohnung, Kaylee bleibt allein im Auto zurück.
Es ist nicht unüblich, dass Kaylee nach einem Streit spazieren geht, um den Kopf freizubekommen. Sie irrt durch die dunklen Straßen, wütend, enttäuscht und auf der Suche nach einem klaren Gedanken. Doch in dieser Nacht wartet keine Erlösung in der Dunkelheit, sondern das nackte Grauen.
Ein Auto fährt langsam neben ihr her. Es ist ein Streifenwagen des Sicherheitsdienstes der nahegelegenen Highschool. Am Steuer sitzt der 31-jährige Edwin Lara, ein Mann, der in seiner Uniform Sicherheit und Vertrauen ausstrahlt. Er bietet der verzweifelten jungen Frau an, sie nach Hause zu fahren. In einer Stadt wie Bend, wo man sich aushilft, und angesichts seiner Uniform, zögert Kaylee nicht lange. Sie steigt ein – eine Entscheidung, die sie mit ihrem Leben bezahlen wird.
Kaum ist die Tür ins Schloss gefallen, offenbart Lara sein wahres Gesicht. Er wird aufdringlich, verlangt Sex. Als Kaylee sich wehrt und versucht zu fliehen, muss sie mit Entsetzen feststellen, dass sie in einer Falle sitzt. Der Wagen ist ein speziell gesichertes Fahrzeug mit Türsperren und einem Gitter, das sie von vorne trennt. Ihre Schreie verhallen in der Einsamkeit. Lara stoppt, steigt aus und würgt sie, bis sie das Bewusstsein verliert.
Er fährt mit ihr zu einem abgelegenen Parkplatz. Als Kaylee wieder zu sich kommt, beginnt der Albtraum von vorn. Lara schlägt gnadenlos auf sie ein, erst mit bloßen Händen, dann mit einem massiven Stein, bis ihr Schädel zertrümmert ist. Nachdem er sie vergewaltigt hat, entsorgt er ihren leblosen Körper kaltblütig wie Müll am Rand des Highways 126. Er deckt sie nicht einmal ab. Danach kehrt er in sein Leben zurück, beendet seine Schicht und legt sich zu seiner Frau Isabel ins Bett, als wäre nichts geschehen. Am nächsten Morgen besuchen sie gemeinsam den Gottesdienst.
Doch die Fassade des treusorgenden Ehemanns bröckelt schnell. Isabel, selbst Polizistin in Bend, wird am Montag mit dem Vermisstenfall konfrontiert. Bevor sie zur Arbeit geht, bricht Lara weinend zusammen und gesteht ihr, dass er eine Frau angefahren und ihre Leiche aus Panik versteckt habe. Isabel, zerrissen zwischen Liebe und Pflicht, spürt sofort, dass etwas nicht stimmt. Als Lara mit ihrer Dienstwaffe flieht, alarmiert sie umgehend ihre Kollegen. Im Schuppen ihres Gartens finden die Ermittler eine blutige Tasche mit Kaylees Sachen – der unfassbare Beweis für den Mord.
Während die Polizei mit Hochdruck fahndet, beginnt für Lara eine wahnwitzige Flucht. In Salem, Oregon, kidnappt er die 19-jährige Aundrea Elizabeth. Unter vorgehaltener Waffe zwingt er sie, ihn nach Kalifornien zu fahren. In einem Motel entgeht Aundrea nur knapp einer Vergewaltigung, indem sie geistesgegenwärtig behauptet, sie müsse Medikamente gegen eine Geschlechtskrankheit einnehmen – eine Lüge, die ihr womöglich das Leben rettet.

Die Flucht zieht eine blutige Spur nach sich. Lara schießt einen Fotografen nieder, stiehlt ein weiteres Auto und flieht mit einer Großmutter und ihren Enkeln als Geiseln. Während der Fahrt streamt er ein bizarres Live-Video auf Facebook, in dem er sich weinerlich entschuldigt und beteuert, kein “schlechter Mensch” zu sein – eine makabre Inszenierung, die das ganze Ausmaß seiner gestörten Psyche offenbart.
Schließlich, nach Stunden der Angst und Gewalt, stellt sich Lara der Polizei. Doch selbst dann lügt er weiter, erfindet absurde Geschichten von einem Verkehrsunfall und einer Prostituierten. Erst als ihm die Todesstrafe droht, bricht er zusammen und gesteht den wahren, ungeschönten Tathergang. Er gibt zu, dass er sein Leben lang gegen den Drang zu töten angekämpft habe. Ein Drang, der in dieser Julinacht übermächtig wurde und das Leben einer unschuldigen jungen Frau forderte.
Im Januar 2018 wird Edwin Lara zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne die Möglichkeit auf Bewährung verurteilt. Die Strafe kann den unermesslichen Verlust für Kaylees Familie nicht lindern, doch sie sorgt dafür, dass dieser Mann nie wieder in Freiheit töten wird.
Der Fall Edwin Lara ist eine erschütternde Erinnerung daran, dass das Böse oft im Gewand der Sicherheit daherkommt. Ein falscher Retter, eine kleine Entscheidung, und ein Leben wird ausgelöscht. Die Narben, die diese Nacht in Bend hinterlassen hat, werden nie ganz verheilen.