Die Nachbarin aus der Hölle – der Fall Marina Johansson T
Die Nachbarin aus der Hölle – der Fall Marina Johansson

Am 27. Juli 2010 schlief die kleine schwedische Stadt Sickar unter dem sanften Rauschen der Kiefern ein. Marina Johanson, 30 Jahre alt, schloss die Türen ihres Hauses ab, ohne zu ahnen, dass sie über ihrem eigenen Grab lebte. Am nächsten Morgen erschien Marina nicht bei der Arbeit. Ihr Telefon blieb stumm. Die eintreffende Polizei fand das Schlafzimmer in perfekter Ordnung vor.
lediglich kaum sichtbare, verwischte braune Flecken auf dem Boden. Die Frau selbst war spurlos verschwunden. Alle Hinweise deuteten auf eine Person hin, doch das schwedische Justizsystem stieß auf eine Wand des Schweigens. Kein Körper, kein Fall. Der Verdächtige wurde freigesprochen und verließ das Gericht mit einem Lächeln im Gesicht.
Das Rechtssystem mußte seine Ohnmacht eingestehen, doch sie wußten nicht, daß zwei Jahre später gewöhnliche Freiwillige bei einem Spaziergang im örtlichen Wald zufällig ein Geheimnis enthüllen würden, das den obersten Gerichtshof des Landes zu einem beispiellosen Schritt in der Geschichte der schwedischen Kriminalistik veranlassen sollte.
Marina Johanson wurde in dem kleinen schwedischen Ort Sikeröt geboren. Schon als Kind zeigte sie eine kreative Ader. Mit der Zeit wuchs sie ihre Begeisterung für Fotografie und Sport. Nach dem Schulabschluss begann Marina ihre Karriere und schaffte es, ihre beiden Interessen zu verbinden. Sie fotografierte Eiskunstlauf.
In ihrer Freizeit widmete sie sich nicht nur der Fotografie, sondern auch verschiedenen Sportarten, unter anderem Wasserski. Marina war überzeugt, dass man nur durch eigene sportliche Betätigung verstehen könne, wie man den perfekten Moment für ein Foto einfängt. Diese Hobbys halfen ihr auch, Beziehungen aufzubauen.
Während eines Trainings lernte sie einen Mann namens Frederick Svenson kennen. Im Gegensatz zu Marina war er nicht besonders ehrgeizig, doch seine aktive Lebenseinstellung zog sie an. Nach einigen gemeinsamen Trainingseinheiten begannen sie sich zu treffen. Marina seh in ihm jedoch keinen festen Lebenspartner, wie sie ihren Eltern und ihrer Schwester immer wieder gestand.
Mein Name ist Lukas Falkner. Sie sehen den Kanal Fokusfall. Danke, dass Sie meinen Content schauen. Ich freue mich über Ihr Abo und Like. Viel Spaß beim Zuschauen. Je länger die Beziehung dauerte, desto deutlicher wurde, dass ihre Charaktere zu verschieden waren. Frederick war kein manipulativer oder harter Mensch.
Im Gegenteil, es schien als fehle ihm jegliche Motivation und Ambition. Das wurde besonders offensichtlich, als sie zusammenzogen. Marinas Arbeit lief gut genug, um mit familiärer Unterstützung ein eigenes Haus am Stadtrand von Secaret zu kaufen. Als Frederick einzog, störte sie zunehmend, dass er keine Arbeit hatte und ständig versprach, sich zu ändern.
Versprechen, die er am nächsten Tag schon wieder vergaß. Trotzdem gelang es ihm immer wieder, Marina zu beruhigen und sie davon zu überzeugen, dass sich bald alles ändern würde. Frederick kannte ihre Schwächen und nutzte sie, um auf ihre Kosten zu leben. Mit der Zeit sehnte sich Marina nach Freiheit von der Beziehung, die sich erschöpft hatte.
Ende 2010 war sie 30 Jahre alt und glaubte, mehr Chancen zu haben, wenn sie sich von Frederick trennte. Sie fasste sich ein Herz und sprach mit ihm offen darüber. Frederick reagierte überraschend ruhig, nutzte den Moment aber, um Mitleid zu erregen. Er überzeugte Marina, ihm noch etwas Zeit zu geben, um eine Arbeit und eine neue Wohnung zu finden.
Marina stellte ihm den Keller zur Verfügung, der genug Platz für ein Bett und einen Schreibtisch bot. Doch trotz aller Versprechen fand er keine Arbeit und zahlte nicht einmal Miete. Es war mehr eine Form von Wohltätigkeit. Familienangehörige fragten Marina immer wieder, warum sie ihn nicht rausschmiß. Sie antwortete stets, dass sie ihn einfach nur bedauerte.
Frederik störte sie nicht. In dieser Zeit ging Marina sogar auf Dates, um einen neuen Partner zu finden. Tatsächlich verbesserten sich die Beziehungen zu Frederick in dieser Phase sogar. Er half ihr im Haushalt. Bei kleinen Reparaturen und in der Freizeit besuchten sie gemeinsam ihre Eltern, die in der Nähe in Gothborg lebten. So war es auch Ende Juli 2010.
Am Abend des 26. Juli besuchten Marina und ihr Mitbewohner die Eltern. Die Gruppe verbrachte den Abend zusammen, aß zu Abend, sprach über Zukunftspläne und die Renovierung des Familienhauses, bei der Frederick helfen wollte. Spät am Abend entschied Marina nach Hause zurückzukehren, natürlich zusammen mit Frederick.
Sie verabschiedeten sich von den Verwandten und fuhren ruhig los. Die Strecke war kurz und Marina versprach, ihre Eltern anzurufen, sobald sie zu Hause angekommen war. Doch trotz einer halben Stunde Wartezeit kam kein Anruf. Es war so spät, dass beide dachten, Marina sei einfach müde und sofort eingeschlafen. Die Eltern wollten am nächsten Morgen Kontakt aufnehmen und alles besprechen, denn sie hatten gemeinsame Pläne für den Tag.
Am nächsten Morgen rief Marinas Schwester an, mit der sie sich treffen wollte. Sie versuchte Marina wegen der Uhrzeit zu erreichen, doch ohne Erfolg. Daraufhin überprüfte sie die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken und stellte fest, dass Marina seit dem Vorabend nicht online gewesen war. Das war ungewöhnlich, denn normalerweise nutzte sie ihr Handy ständig.
Die Schwester wartete einige Stunden ohne in Panik zu geraten. Nach weiteren vergeblichen Versuchen erhielt sie schließlich eine Nachricht von Marina. Darin schrieb diese, daß sie in die Stadt Linköping gefahren sei und erst in einigen Tagen zurückkehren werde. Das verwirrte die Situation noch mehr, zumal Marina weiterhin Anrufe ignorierte.
Auch die Eltern wurden wach und machten sich Sorgen, als sie von der Nachricht erfuhren. Die Mutter konnte nicht glauben, dass Marina die Nachricht selbst geschrieben hatte. Erstens hatte niemand von einer geplanten Reise gehört, obwohl sie eng verbunden waren und sich regelmäßig über Pläne austauschten.
Zweitens passte eine so spontane Entscheidung nicht zu Marina, besonders nach dem Besuch bei den Verwandten, der mehrfach besprochen worden war. Drittens fiel allen auf, dass der Stil der Nachricht nicht dem von Marina entsprach. Trotz aller Bemühungen gelang es der Familie nicht, Marina zu erreichen. Es gab keine neuen Aktivitäten in den sozialen Medien, keine Nachrichten und sie erschien auch nicht zur Arbeit, was völlig untypisch für sie war.
Die Lage wurde immer besorgniserregender und die Familie fuhr zu Marinas Haus. Dort fanden sie weder sie noch ihr Auto vor. Stattdessen trafen sie Frederick an. Er bestätigte, daß Marina früh am Morgen beschlossen hatte, in die größere Stadt Link Köping zu fahren. Die Entscheidung sei ihr unterwegs gekommen, deshalb wusste niemand davon.
Auf die Frage, was Marina dort vorhatte, konnte er nicht antworten, vermutete aber, dass sie jemanden treffen wollte und ihn nicht einweihen wollte. Sicherheitshalber riefen Mutter und Schwester alle Bekannten, Freunde und Kollegen an. Doch niemand wußte, wo Marina war oder warum sie nach Link Köping gefahren sein könnte.
Die Familie wandte sich an die Polizei und meldete das Verschwinden, doch die Beamten reagierten zurückhaltend. In Schweden sind schwere Verbrechen selten und Marina war eine erwachsene Frau, die erst kurz vermisst wurde. Sie könnte bei Freunden oder auf eigene Initiative verreist sein. Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit, um die Polizei zu einer aktiven Suche zu bewegen.
Zunächst überprüften die Ermittler Marinas Handy und Internetaktivitäten. Tatsächlich wurde ihr Telefon kurz außerhalb der Stadt registriert, allerdings weit entfernt von Linköping. Die letzte Aktivität war eine Bargeldabhebung in der Nacht. Wenige Stunden, nachdem Marina ihre Eltern verlassen hatte. Das geschah kurz bevor sie ihr Haus erreichen sollte.
Frederick berichtete, dass Marina mit ihm zusammen nach Hause gekommen war, aber sofort wieder gegangen sei und ihn an der Tür zurückgelassen hatte. Von da an verlor sich ihre Spur. Frederick war die letzte bekannte Person, die Marina lebend gesehen hatte. Bereits am ersten Tag besuchten die Ermittler das Haus der Vermissten.
Sie wurden von Frederick empfangen, der erneut die merkwürdige Geschichte über die Nachbarstadt erzählte. Er selbst lebte weiterhin ruhig im Haus seiner ehemaligen Freundin und bewohnte nach wie vor den Kellerraum. Diese Nachbarschaft wirkte eigenartig. Doch sowohl Marinas Familie als auch mehrere Nachbarn bestätigten, daß sie Frederick freiwillig erlaubt hatte, dort zu wohnen, bis er wieder auf eigenen Beinen stehen könne.
Obwohl das Paar sich getrennt hatte, lebte der Mann schon etwa ein halbes Jahr dort. In dieser Zeit hatte er mehrfach versucht, eine Arbeit zu finden. Doch nirgendwo hielt er länger als ein paar Wochen durch. Frederick erzählte, dass seine ehemalige Freundin ihm finanziell half und ihm das Wohnen erlaubte. auch ohne dass er etwas zum Haushalt beitrug.
Die Durchsuchung des Kellerraums brachte nichts Verdächtiges zutage. Es war ein gewöhnlicher Raum mit minimaler Ausstattung. Alles, was sich ein arbeitsloser Mensch leisten konnte, dem eine freundliche Freundin unter die Arme griff. Der Rest des Hauses war ebenso gewöhnlich. Es gab keine Spuren von Einbruch, Kampf oder etwas beunruhigendem.
Die Tür zum Schlafzimmer, in dem Marina wohnte, war verschlossen. Frederick schien den Ermittlern aktiv zu helfen, doch in seinem Verhalten war eine gewisse Nervosität spürbar, die sich sogar verstärkte, als die Detektive das Schlafzimmer betraten. Dennoch fanden sie dort nichts Außergewöhnliches, ebenso wenig in den anderen Räumen.
Alles sah so aus, als wäre die junge Frau tatsächlich spontan auf eine weite Reise gegangen. Viele ihrer Alltagsgegenstände fehlten im Haus, darunter auch ihre Dokumente. Ebenso war kein Auto vorhanden, was für die Ermittler ein starkes Argument für Fredericks Geschichte war. Doch etwas in dieser Erzählung wirkte irritierend. Erfahrene Ermittler bemerkten sofort eine Eigenart.
Vom Teppich im Schlafzimmer roch es nach frischem Waschmittel und Eisen. Beim genaueren Hinsehen entdeckten sie kaum sichtbare braune Flecken. Frederick behauptete nicht zu wissen, woher diese Flecken stammten. Vielleicht hatte Marina kürzlich Nasenbluten gehabt. Danach traten weitere merkwürdige Details zutage.
Marina hatte ihrer Schwester von ihrem eigenen Telefon ausgeschrieben, dass sie sich in einer bestimmten Stadt befinde und es ihr gut gehe. Das wirkte alles sehr zweifelhaft. Die Familie wollte sich vergewissern, daß Marina selbst diese Nachrichten schrieb und sie ihre Stimme hören, um Verdachtsmomente auszuschließen. Doch ihr Handy blieb ausgeschaltet und sie ging nicht ans Telefon.
In dieser Situation gab es nur eine Möglichkeit herauszufinden, ob sie wirklich diejenige war, die schrieb. Die Überprüfung zeigte, dass das Handy nicht in der angegebenen Stadt geortet wurde, sondern wesentlich näher an ihrem Zuhause. Natürlich bedeutete das nicht automatisch ein Verbrechen. Die junge Frau konnte absichtlich täuschen und lügen.
Um sicher zu sein, musste alles genau überprüft werden. Die Polizei arbeitete unter dem ständigen Druck von Marinas Familie. Mutter, Vater und Schwester wollten keine Zeit verlieren. Vielleicht brauchte Marina dringend Hilfe und die Zeit verstrich nutzlos. Die Ermittler beschlossen, die Banansaktionen der Vermissten genauer zu untersuchen.
Sie fanden sogar einen Geldautomaten, an dem kurz vor ihrem Verschwinden Bargeld abgehoben wurde. Leider funktionierte die Videochung nicht und wegen der späten Stunde waren keine Zeugen oder Passanten vor Ort. Es war nur klar, dass jemand mehrere tausend Kronen vom Konto abgehoben hatte, vermutlich nachdem Marina bereits verschwunden war.
Vor dem Haus stand kein Auto. Die Überprüfungen ergaben, dass das Fahrzeug das Gebiet ihrer Heimatstadt nicht verlassen hatte. Die Ermittler suchten nach Zeugen. Ein Nachbar berichtete, er habe Marina spät in der Nacht mit ihrem Auto nach Hause kommen sehen. Frederick begleitete sie, doch ihr Verhalten wirkte unauffällig. Beide gingen ruhig ins Haus.
Später hörte der Zeuge Motoreng, doch als er zum Fenster sah, war das Auto bereits weg. Im Haus brannte kein Licht. Wer am Steuer saß, konnte der Nachbar nicht sagen. Die Ermittler interessierten sich für Fredericks Beziehung zu Marina, doch niemand berichtete von einer toxischen Verbindung.

Die beiden hatten sich schon lange vor dem Verschwinden getrennt. Marina hatte Frederick nicht aus Mitleid im Haus behalten. Er bereitete ihr keine größeren Probleme und störte nicht. Als die Polizei mit der Familie sprach, nannten Mutter und Schwester Frederick als einzige Person, mit der Marina Schwierigkeiten gehabt hatte. Ihre Beziehung war von Anfang an nicht ganz gesund, aber ohne Gewalt.
Nach Ansicht der Eltern und mehrerer Zeugen war Frederick nicht gewalttätig oder kontrollierend. Doch bald fühlte Marina eine belastende Atmosphäre, die von ihm ausging. Als sie sich trennte, zeigte er kein aggressives Verhalten, sondern nahm die Trennung ruhig hin. Konflikte nach der Trennung waren selten und ohne körperliche Auseinandersetzungen.
Frederick hatte keine Vorstrafen wegen Gewalt. Die Situation änderte sich etwas, als Marina begann, sich mit anderen zu treffen. Frederick zeigte mehrmals Eifersuchtszenen, doch sie erstattete keine Anzeige, da sie hoffte, die Lage würde sich beruhigen. Das tat sie auch. Frederick wurde ruhiger und Marina dachte, die schwierigen Zeiten seien vorbei.
Sie wollte einfach ihr Leben weiterführen. Nach einigen Tagen Suchaaktion, an der Hunderte Freiwillige beteiligt waren, fanden sich keine Spuren von Marina. Ihr Weg endete abrupt, als hätte sie die Stadt nie verlassen. Selbst gründliche Durchsuchungen ihres Eigentums brachten keine Hinweise. Die Ermittler konnten nicht sagen, was mit ihr geschehen war.
Trotz Verdachtsmomenten gegen Frederick beteuerte er seine Unschuld und beteiligte sich aktiv an der Suche. Er verwies ständig auf sein Alibi, das sogar glaubhaft klang. Frederick erklärte, er sei sofort nach seiner Ankunft schlafen gegangen und habe wegen Schlafproblemen Beruhigungsmittel genommen, weshalb er nichts mitbekommen habe.
Bestätigen konnte das nur die Hausbesitzerin, die jedoch nicht auffindbar war. Die Ermittlungen stockten schnell. Gegen Frederick gab es keine Beweise, doch er blieb Verdächtiger. Besonders sein Verhalten fiel auf, da es den Eindruck erweckte, er verheimliche etwas. Je länger die Suche dauerte und je mehr man mit ihm sprach, desto mehr Widersprüche tauchten in seiner Geschichte auf.
Seine Erzählung war unbedeutend, änderte sich aber, was verdächtig wirkte. Die Ermittler hatten viele Theorien, die die Situation erklären könnten, von einer möglichen Abhängigkeit Marinas, die sie zur Flucht getrieben haben könnte bis hin zu psychischen Problemen. Doch all das wurde von der Familie bestritten. Marina war immer verantwortungsbewusst und engagiert gewesen.
Es gab keinen Grund, ihr Leben und ihre Arbeit aufzugeben, zumal sie gerade erst begannen, wieder Freiheit zu spüren und ihr Privatleben zu ordnen. Alle investierten Ressourcen und Anstrengungen blieben erfolglos. Hunderte Freiwillige und Polizisten konnten nichts finden, das auf Marinas Verbleib hindeutete. Wochen vergingen ohne jegliche Spur von Aktivität.
Sie schrieb nicht mehr, rief nicht an und benutzte keine Bankkarte. Das verstärkte nur die Überzeugung, dass sie nicht mehr am Leben war. Die Ermittler und ihre Angehörigen waren sich sicher, die Wahrheit zu kennen. Sie hielten Frederick weiterhin für schuldig, doch Beweise gab es nicht. Unter dem Druck der Familie wurde Frederick schließlich wegen Mordverdachts an seiner Ex-Freundin verhaftet.
Trotz seiner merkwürdigen Verhaltensweisen erwies er sich als zäher Gegner. Während der stundenlangen Verhöre gestand er nichts. Allerdings zeigten sich deutliche Veränderungen in seinen Aussagen. Er wirkte nervös und verwirrt. Den Hauptverdächtigen hielten die Behörden so lange wie möglich in Haft, während Kriminaltechniker das Haus nach Beweisen durchsuchten.
Doch es wurde absolut nichts gefunden. Kein Tatort, keine Tatwaffe, keine Leiche. Nicht einmal der Tod Marinas konnte bewiesen werden. Frederick schien tatsächlich ein passender Verdächtiger zu sein. Er gab offen zu, dass er nur deshalb in Marinas Haus geblieben war, weil er schlichtwg keinen anderen Ort hatte. Der Mann hatte keine Einkommensquelle, doch es machte keinen Sinn, die ehemalige Freundin auszurauben.
Sie besaß kaum Wertgegenstände und aus dem Haus fehlte nichts. Lebendig war sie für den Untermieter viel wertvoller, da sie zu den wenigen Menschen gehörte, die ihn unterstützten. Die Ermittler versuchten nachzuweisen, dass er Geld vom Konto der ehemaligen Freundin abgehoben hatte. Doch auch das gelang nicht.
Keine Kamera hatte ihn dabei aufgenommen. Es gab viele Diskussionen um die mögliche Tatwaffe. Ein Verwandter von Marina hatte eine Pistole registriert, die ihr zur Selbstverteidigung überlassen worden war. Sie bewahrte die Waffe zu Hause auf, da sie viel Zeit allein verbrachte. Die Pistole lag seit mehreren Jahren in einem kleinen Safe im Schlafzimmer.
Frederick gab zu, die Waffe mehrmals gesehen zu haben, versicherte jedoch keinen Zugang dazu gehabt zu haben und nicht zu wissen, wo der Schlüssel lag. Weder die Untersuchung des Saves noch eine gründliche Durchsuchung des Hauses führten zum Auffinden der Pistole. Die Staatsanwaltschaft fasste alle Informationen zusammen und war bereit für die Gerichtsverhandlung.
Offensichtlich basierte der Fall nur auf Indizien, sodass ein harter Kampf bevorstand. Frederick wurde des Mordes an Marina Johansson beschuldigt. Er gestand nicht und die Verteidigung hatte noch mehr Argumente. Ohne Leiche war die Anklage kaum haltbar. Das Gericht sprach ihn frei, da selbst der Tod der Frau bezweifelt wurde.
Der Mann wurde freigelassen, doch die Staatsanwaltschaft bestand auf einer Berufungsverhandlung. Dort wurden alle Anklagen endgültig fallen gelassen. Frederick zog aus, denn das Haus, das Marina gehörte, fiel an ihre Familie zurück und wurde bald zum Verkauf angeboten. Über sechs Monate blieb unklar, was mit der Besitzerin geschehen war und wer daran beteiligt sein könnte.
Der Hauptverdächtige zog in eine andere Stadt und brach jeden Kontakt zu Familie und Freunden der Verstorbenen ab. Das Haus wurde erst im Januar des Jahres 2011 verkauft. Die neuen Bewohner hatten von der Geschichte der früheren Besitzerin gehört und wollten die alten Sachen loswerden, die seit der Untersuchung unangetastet geblieben waren.
Sie begannen mit der Reinigung im Schlafzimmer. Als sie die Matratze umdrehten, auf der die Frau einst geschlafen hatte, entdeckten sie etwas Beunruhigendes. Auf der Unterseite war ein großes dunkles Fleck, der an Blut erinnerte. Das Paar meldete den Fund sofort der Polizei. Das Haus, das fast ein halbes Jahr versiegelt gewesen war, wurde von Ermittlern besucht.
Sie untersuchten die Matratze und fanden Spuren, die nicht nur optisch untersucht werden konnten. Die gesamte Bettwäsche wurde ins Labor geschickt. Die Ergebnisse waren erschreckend und beseitigten endgültig alle Zweifel am Schicksal der Frau. Es wurde Blut von Marina gefunden in einer Menge, die nur auf den Tod hindeuten konnte.
Neben dem Fleck entdeckten sie ein Loch, das wie ein Einschuss wirkte. Wie die Ermittler diesen offensichtlichen Hinweis bei der ersten Untersuchung übersehen konnten, blieb ein Rätsel. Eine erneute Durchsuchung des Hauses brachte weitere Erkenntnisse. Neben dem übersehenen Fleck fand man auch das Einschussloch in der Wand. Das größte Problem war, dass die Polizei diese Spuren bei der ersten Untersuchung des verschwundenen Mädchens übersehen hatte.
Zudem hatten in der Zwischenzeit dutzende Menschen das Haus betreten, was die Beweislage weiter erschwerte. Die erneuten Ermittlungen deuteten wieder auf Frederick hin. Die Beweise blieben zwar indirekt, doch der Schleier über Marinas Schicksal begann sich zu lüften. Es entstand ein neues Problem. Obwohl die Familie Johanson auf eine Wiederaufnahme des Prozesses drängte, war es im Land äußerst selten, eine Entscheidung, die bereits in der Berufung bestätigt worden war, noch einmal zu überprüfen.
Um Erfolg zu haben, musste man etwas wesentlich belastenderes vorlegen als den Blutfleck. Idealerweise sollte die Leiche oder zumindest die Tatwaffe gefunden werden. Die Staatsanwaltschaft begann mit dem Nachweis, dass in Marinas Haus geschossen worden war. Vermutlich wurde sie in ihrem Schlafzimmer überfallen und erschossen.
Aus der Wand, in der das Einschussloch war, wurde eine Kugel geborgen. Die Untersuchung ergab, dass sie aus einer Pistole mit dem gleichen Kaliber stammte wie die Waffe, die Marina besaß. Das Schicksal ihres Körpers blieb jedoch unklar. Die Analyse der Standortdaten von Frederick’s Handy zeigte mehrere Orte auf der Karte.
Bei der ersten Untersuchung hatten die Ermittler dort keine Beweise finden können und auch die erneute Prüfung blieb erfolglos. Wegen dieses Fehlers und der daraus resultierenden Misserfolge wurde die Polizei scharf kritisiert. Trotz öffentlichem Druck änderte sich wenig, denn die Leiche der Frau blieb verschwunden.
Die Geschichte erhielt landesweite Aufmerksamkeit. Hunderte Freiwillige beteiligten sich an der Suche. Ihr Fokus lag weiterhin auf der Gerechtigkeit. Mit jedem Monat wuchs die Zahl der Helfer und spezialisierten Organisationen, doch alle blieben erfolglos. Die Situation änderte sich erst, als sich die schwedische Organisation Miss People der Suche anschloss.
Diese Gruppe beschäftigte sich mit der Suche nach vermissten und unterstützte Ermittlungen, war im Land aber noch neu. Der Fall Marina Johansson wurde ihre erste große Herausforderung. Miss People organisierte die Suche gründlich. Dank ihrer Bemühungen wurde Marina fast zwei Jahre nach ihrem Tod endlich gefunden.
Im April 2012 stieß eine Suchgruppe auf einen großen Plastikbeutel. Er lag in der Nähe von Marinas Haus in einem bewaldeten, schwerzugänglichen Gebiet. Das Auffinden des Beutels war nicht einfach. Beim Öffnen entdeckten sie menschliche Überreste und einige Gegenstände, die die Familie Johanson als Marinas zugehörig identifizierte.
Nach fast zwei Jahren blieben nur noch skelettierte Überreste. Um daraus wertvolle Informationen zu gewinnen, waren umfangreiche Untersuchungen nötig. Zuerst wurde die Verstorbene identifiziert. Dann stellte man fest, dass Marina an einer Schussverletzung gestorben war. Die Kugel durchdrang ihren Kopf, während sie in ihrem Bett lag.
Wahrscheinlich wurde sie überrascht, als sie schlief. Genauere Angaben waren schwierig. Bekannt war, dass die Kugel den Knochen durchschlug und in der Wand unterhalb des Bettniveaus stecken blieb, was die Suche nach dem Einschussloch erschwerte. Nun wusste die Familie Johanson mit Gewissheit, dass Marina tot war. Sie wollten Gerechtigkeit.
Ein großes Problem war, dass Frederick weiterhin der einzige Verdächtige war, aber bereits von zwei Gerichten freigesprochen worden war. Gesetzlich durfte er nicht erneut vor Gericht gestellt werden, doch die neuen Erkenntnisse aus medizinischen und ballistischen Gutachten gaben Anlass, ihn des Mordes anzuklagen.
Frederick bestritt weiterhin seine Schuld. Sein Verteidiger betonte, dass sein Mandant praktisch von seiner ehemaligen Freundin lebte und daher wenig Interesse daran gehabt hätte, ihr zu schaden und die Unterstützung zu verlieren. Außerdem wies er darauf hin, dass die Tatwaffe nie gefunden wurde. Nur sie hätte den Täter und das Opfer unwiderlegbar verbinden können.
Obwohl solche Fälle in Schweden äußerst selten sind, erkannte das oberste Gericht ihn als schuldig an. Frederick wurde zu sech Jahren Haft verurteilt. Im April 2014 trat er seine Strafe an. Er gestand den Mord an seiner ehemaligen Freundin nicht, doch ihre Familie ist überzeugt, dass Gerechtigkeit gesiegt hat. Marina wurde auf einem kleinen Friedhof in Speakerrow beigesetzt.
An diesem Tag regnete es in Schweden genauso sanft und gleichmäßig wie in der Nacht ihres Todes. Nach vier Jahren voller Albträume, Gerichtsverhandlungen und unerträglichem Schweigen konnte ihre Familie endlich zusammenkommen, sich an ihrem Grab umarmen und gemeinsam weinen. Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Das Unrecht wurde für sechzehn lange Jahre hinter Stahlgittern eingesperrt.
Doch in den Herzen der Angehörigen blieb ein bitter kalter Schatten zurück. Wir sind es gewohnt zu glauben, dass das Gesetz ein unerschütterlicher Schutzschild ist. Doch in dieser Geschichte bekam dieser Schild einen Riss. Ein ganzes Jahr lang lebte der Täter unter normalen Menschen, ging dieselben Straßen entlang, kaufte in denselben Supermärkten ein und lächelte, wohlwissend, dass er das System überlistet hatte.
Die Justiz wäre machtlos geblieben, wenn nicht außergewöhnliche Menschen eingegriffen hätten. Sie haben Marinas Namen zurückgebracht und ihren Angehörigen Frieden geschenkt. Frederick Svenson wird früher oder später wieder frei sein. Er wird sich erneut in der Menge verlieren, eine Wohnung beziehen oder vielleicht in einem Keller Unterschlupf finden.
Und wenn man diese Geschichte betrachtet, stellt sich unweigerlich eine beunruhigende Frage. Wie viele scheinbar perfekte, makellos, saubere Fassaden verbergen gerade jetzt schreckliche Geheimnisse, während ihre Besitzer der Welt versichern, dass ihre Liebsten einfach in der Nacht verschwunden sind. Sie haben den Kanal Fokusfall gesehen.
Danke fürs Zuschauen und einen schönen Tag.