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Der Fall Sarah Heinrich T

Der Fall Sarah Heinrich  

Es beginnt oft harmlos. Ein spöttischer Blick, ein abwertender Spruch, ein heimliches Tuschen hinter dem Rücken. Mobbing. Für die einen bleibt es bei schmerzhaften Erinnerungen, für andere aber wurdt es zu einem Gefängnis ohne Ausweg. In diesem Fall hat die Ausgrenzung nicht nur ein Leben verändert, sie hat ein Leben ausgelöscht und hinterlässt eine Frage.

 Wie konnte es soweit kommen? [Musik] Träge schiebt sich die Sonne über den Horizont von Alrese und auch das 360 Seelendorf in gleißendes Licht. Es ist Dienstag, der 9. August 2016 und schon in den frühen Morgenstunden liegt eine flirrende Hitze über den redgedeckten Dächern. Die meisten Bewohner schlafen noch, als plötzlich ein durchdringender Ton die idyllische Stille zerreißt.

Die Eidresa schrecken in ihren Betten hoch. Einige fluchen, andere greifen genervt zum Telefon. Aus leidvoller Erfahrung wissen sie längst, was es bedeutet, wenn zu so früher Stunde Musik in dem Ortteil der Stadt Penzlin ertönt. Axel Ingu G. Ein Mann mit wirrem Blick und noch wirreren Gewohnheiten steht splitterfaser nackt in seinem Garten.

Die Trompete an den Lippen und die Augen auf den kleinen Gartenteich gerichtet, als wolle er den Sonnengott höchstpönlich beschwören. Wieder einmal. Wenig später treffen vier Polizisten an der ehemaligen Gaststätte ein, die G sein Zuhause nennt. Fenster und Türen stehen offen. Je näher sie dem verwitterten Gebäude kommen, desto beißender wird der Gestank, der ihnen entgegenschlägt.

Wachsam betreten die Beamten das Haus. Dicke Fliegen schwirren durch die stickige Luft. Auf dem Boden wimmelt es von krabbelnden Insekten. Überall liegt Müll und Unrad herum. Die Polizisten werfen in jeden Raum einen Blick, bis sie am Badezimmer ankommen. Vorsichtig öffnen Sie die Tür und erstachen. Hier ist der Gestank überwältigend und raubt ihnen für einen kurzen Moment den Atem.

In der Wanne klebt ein dünner Film aus eingetrockneten Blut. Direkt daneben eine rostige Sackre. Darauf ein fest verschnöes Bündel, grob eingewickelt in Decken und Plastikplan. Es sieht aus wie ein Mensch. Die Rechtsmediziner brauchen eine Weile, bis sie das Bündel aus Ges Haus behutsam geöffnet haben.

 Schließlich liegt das, was einst ein weiblicher menschlicher Körper war vor ihn. Die Verwesung hat ganze Arbeit geleistet. Die Ermittler haben bereits eine Vermutung, um wen es sich bei der Toten handeln könnte, aber eine Identifikation bloßen Augen ist unmöglich. Erst Tage später liefert ein DNA abgleich traurige Gewissheit. Es handelt sich um Ges Lebensgefährtin, die 32-jährige Sarah H.

Ein genaues Todesdatum können die Rechtsmediziner nicht mehr rekonstruieren. Die inneren Organe sind kaum noch erhalten, das Gewebe zerfein. Doch eines steht fest. Sarah ist bereits seit Wochen tot. Sarah H kommt 1984 zur Welt. Gemeinsam mit ihren Eltern lebt sie in Rheinlandfelzischen Fischbach bei Ida Oberstein.

Setz Sara denken kann, ist sie einsam. Einsamkeit ist für Sarah kein Zustand, der kommt und geht. Für sie ist es eine Konstante. Das Mädchen wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater ist herzkrank und körperlich zu angeschlagen, um arbeiten gehen zu können. Stattdessen arbeitet meine Mutter seit Ewigkeiten im SB-Barkt, Blobus Ider Oberstein und versucht die Familie über Wasser zu halten, schreibt Sarah in ihr Tagebuch.

Man sieht es Sarah an, sobald sie einen Raum betritt, dass sie aus einem Zuhause kommt, in dem das Geld nicht reicht. Ihre Kleidung ist abgetragen, die Schuhe schief gelaufen. Schon im Kindergarten spürt Sarah, dass sie nicht dazu gehört. Während andere Kinder auf dem Spielplatz Toben und Töme aus bunten Bauklötzen stapeln, sitzt Sarah oft abseits und beobachtet das Treiben mit traurigem Blick.

 Keines der anderen Kinder will mit dem Mädchen spielen. “Schon damals hatte ich Probleme, Freunde zu finden,” resumiert sie in ihrem Tagebuch. Auch in der Grundschule ändert sich nichts. Sarah gehört zu den Kindern, die liebevolle Einladungen zu ihren Geburtstagsfeiern bastin mit Glitzersternen und bunten Stiften geschrieben und die dennoch an ihrem Geburtstag allein zu Hause sitzen und niemals von anderen Kindern eingeladen werden.

Auch auf der Realschule bleibt Sara eine Außenseiterin. Die anderen machen sich über sie lustig, grenzen sie aus, tuschelen, sobald sie vorbeigeht. Die täglichen Demütigungen fressen sich tief in ihre Seele. Irgendwann hält Sara es nicht mehr aus und wechselt auf die Hauptschule in der Hoffnung, dort endlich Ruhe zu finden.

 Doch es wird schlimmer. Da ging es noch eine Ecke brutaler zu, erinnert sich Sarah später. Einmal wird sie in der Pause auf der Mädchentoilette festgehalten, nicht von ein paar, sondern von dutzenden Schülerinnen. Sarah schätzt die Anzahl zwischen 25 und 40. Ein Mädchen stirbt dir ein Stoffbeute über den Kopf und drückt zu, so fest, daß Sarah glaubt, zu erstecken.

Nach der Schule rennt sie nach Hause, hetzt durch die Straßen, verfolgt von einer johlenden Menge. Regelmäßig gab es Verfolgungshjagten. Hinter mir 10 bis 30 Schüler, erzählt Sarah. Die Lehrer sehen weg. Die Eltern sind für Sarah emotional nicht erreichbar. Sie fühlt sich ohnmächtig und alleinelassen. Sarah weiß nicht, wie es sich anfühlt, sicher zu sein.

Nach dem Hauptschulabschluss zieht Sarah in ein christliches Jugendheim und beginnt eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Ein Neuanfang, hofft sie. Doch die Hoffnung zerschlägt sich schnell. Auch hier wird sie zur Zielscheibe. Einmal schlägt eine Mitschülerin sie ins Gesicht. Immer wieder 50 bis 7 mal.

 Ich konnte mich gar nicht zur Weh setzen, sagt Sarah. Vielleicht ist es der Kummer, der Sarah 20 kg zunehmen lässt. Vielleicht ist es aber auch der Frust darüber, dass sie keinen Job findet. Vielleicht ist es auch beides. Ohne Arbeit bleibt Sarah nichts anderes übrig, als zurück zu ihren Eltern nach Fischbach zu ziehen.

 Das Haus, in das sie zurückkehrt, ist neu für sie. Ein älterer Bau, den die Eltern sich erst vor kurzem gekauft haben. Die Wände sind feucht, ein Geruch nach Moder liegt in den Räumen, der nicht verschwindet, egal wie oft man lüftet. 2008 kommt der Winter früher als sonst. Die Heizöltanks sind leer, das Konto ebenfalls. Das war das Jahr, indem meine Eltern sich keine Lieferung mehr leisten konnten.

 Winter machte ich nie, aber seitdem graut es mir regerecht davor. wird Sarah später in ihr Tagebuch schreiben. Die Eltern sind zu stolz, um sich einzugestehen, daß sie sich mit dem Kauf übernommen haben. Die Käte kriegt in alles, in die Möbel, in die Böden, in ihre Knochen. Sarah ist jetzt Mitte 20. Sie arbeitet als Teilzeitkraft in demselben Supermarkt wie ihre Mutter, wo sie waren in die Regale einräumt.

Morgens um 4 Uhr beginnt ihre Schicht. Der Verdienst liegt irgendwo zwischen 600 und 700 € im Monat. Es ist zu wenig, um sich ein Leben jenseits des Elternhauses zu finanzieren. “Seit ich denken kann, will ich hier weg”, schreibt Sara ihr Tagebuch. “Weit, weit weg. Bin nur hier, weil ich noch keinen Mann fand, der mich 5 Minuten am Stück ertragen konnte.

Nichts wünscht sie sich mehr als einen Partner an ihrer Seite, der sie aufrichtig liebt. Meistens sitzt Sarah allein in ihrem Zimmer, das mehr einem Kinderzimmer als einem einer erwachsenen Frau gleicht. Die Wände sind tapiziert mit Prostern von Johnny Dep und Lady Gaga. Im Regal sitzen ordentlich aufgereht ihre Barbies.

Ihre erste Barbie hat Sarah mit drei Jahren bekommen. Mittlerweile hat sie mehr als 160 der blonden Puppen und dazu auch ihr männliches Gegenstück kennen. Doch die junge Frau spielt nicht mehr mit ihnen. Viel lieber schreibt sie ihnen Geschichten. Er findet ihnen Namen, Gefühle, Schicksale. Ihre Favoriten heißen Ludwig und Franz Josef.

Als Deutschland über die Ehe für alle diskutiert, läßt Sarah, Ludwig und Franz Josef heiraten. In ihrem Universum ist alles möglich und alles erlaubt. Dort ist sie diejenige, die bestimmt, wer zusammen sein darf, wer liebt und wer glücklich wird. So holt Sara sich die große bunte Welt in ihr kleines kaltes Zimmer.

Es ist Anfang des Jahres 2011, als Sarah über die sozialen Netzwerke eine Nachricht erreicht. Absender ist ein TV Scout, der auf ihr Profil aufmerksam geworden ist. Hier hatte die junge Frau ein Foto von sich hochgeladen. Kurzes braunes Haar, ein sanft gerundetes Gesicht, Stupsnase, schüchternes Lächeln und grüne Augen, die hinter dicken Bringlern hervorschauen.

 Im Hintergrund ist ein Regal voller Barbiepuppen zu erkennen. Dass sie eine Sammellechaft hat, erfahren die User auf ihrem Profil. Der TV Scout erkundigt sich bei Sarah, ob sie Lust habe bei einer neuen Sat 1 Datingshow mitzumachen. Es geht um die Suche nach der großen Liebe im Fernsehen vor einem Million im Publikum. Sarah zögert nicht lange.

 Ich dachte nie im Leben, dass die mich nehmen, sagt Sarah später in einem Interview und auf einmal war ich mittend drin. Erst im Nachhinein erfährt sie, dass die Sendung schwer verliebt heißt. Eine Show, deren Titel bewusst auf das Gewicht der Kandidaten anspielt. Moderiert von Brit Hakedorn. Als die Dreharbeiten beginnen, wirkt alles seltsam inszeniert.

 Die Technik, das Personal, die geplanten Abläufer. Sarah beschreibt es später als einen transartigen Zustand. Sie hat das Gefühl, nur eine Nebenrolle in ihrem eigenen Leben zu spielen. Im Sommer 2011 wird die erste von acht Folgen ausgestrahlt. In der Sendung stellt Sara eine Frauenstimme aus dem Off den fast 3 Millionen Zuschauern vor.

Warm, aber auch ein wenig spöttisch. Sarah ist 27 und lebt in ihrer ganz eigenen Traumwelt. Ihre große Leidenschaft sind ihre 160 Barbies. Doch die Puppen können einen Mann nicht ersetzen. “In meinem Leben fehlt mir die Liebe”, sagt Sarah leise in die Kamera, während sie einer Barbie die blonden Haare kämt. Im Hintergrund ist Emilias Song I’m a big big girl in a big big world zu hören.

Wenig später klingen Dirk, ein arbeitsloser Gärtner und Bernt, ein leidenschaftlicher Legosammler an Saras Tür. Stolz zeigt Sarah den beiden jungen Männern ihre Barbysammlung. Ihre Stimme hält sich auf, als sie zu erzählen beginnt. Das sind Ludwig und Franz Josef. Sie sind schwul. Sarah lacht ihr kindliches, offenes und vertrauensvolles Lachen.

 Der Ludwig war Feuer mal hetero, erklärt sie mit ernster Miene. Der war mit der Jasmin verheiratet, aber die Jasmin liebte den Aladdin und da haben die die Scheidung eingereicht. Seitdem hat der Ludwig die Nase voll von Frauen. Was Sarah in diesem Moment aber noch nicht ahnt, sie wird wieder zur Zielscheibe, wie früher auf dem Schulhof.

 Nur dass diesmal ein Millionen Publikum dabei zusieht. Was für die Zuschauer Fernsehunterhaltung ist, wird für Sarah zur öffentlichen Demütigung. Die Menschen auf der Straße tuscheln, wenn sie an ihnen vorbeigeht. Im Supermarkt kichern die Leute hinter ihrem Rücken. Selbst in anderen Fernsehsendungen macht man sich über Sarah lustig. Stefan Rab z.B.

 der König des Spottes Hühn bei TV Total. Wenn ich bei ihr übernachten müsste, ich würde auf jeden Fall Wert darauf legen, dass das Zimmer von innen abschließbar ist. Im Netz wird es noch hässlicher. In den sozialen Netzwerken melden sich ehemalige Mitschüler von Sarah zu Wort. Die kennen wir, schreibt einer. Die haben wir schon in der Schule gemobbt.

Nur wenige Meter von Saches Etternhaus entfernt, in einer kleinen Kneipe in Fischbach wird eine Leinwand aufgestellt. Der Wirt schenkt Bier aus. Die Gäste rücken enger zusammen. Es ist Sendungstag. Jolend verfolgt das Publikum, wie Sarah und Dirk sich scheinbar näher kommen. Die Szene spielt in einer Massagepraxis.

Die Haut der beiden glänzt im Scheinwerferlicht, eingeschmiert mit flüssiger Schokolade. “Mal gucken, wie du schmeckst”, sagt Sarah. Fährt Dirk mit dem Finger über den Arm und leckt ihn ab. M delicious, sagt Sarem Ton, der wohl lass sie wirken soll. Nach der Ausstrahlung zieht eine Gruppe durch den Ort.

 Vor Saras Elternhaus bleibt sie stehen. Einer tritt vor, drückt auf die Klingel, dann noch einmal und noch einmal. Es ist 3 Uhr morgens. Drinnen geht kein Licht mehr an. Das Gelächter und Gröen draußen wird trotzdem nicht enden. Eine Journalistin veröffentlicht den Vertrag zwischen Sarah und Sal 1. Ein Dokument, das offenlegt, wie viel Kontrolle die Produktionsfirma über die Kandidaten besitzt.

Lächerliche 700 € erhält Sara für bis zu 15 Drehtage. Dafür darf sie ihr äußeres Erscheinungsbild, Zitat, ohne Zustimmung des Produzenten nicht wesentlich verändern. Außerdem verzichtet Sarah laut Vertrag mit Sat 1 auf jeglichen Rechtsschutz. Sie kann damit weder gegen einzelne Szenen noch gegen die Ausstrahlung der gesamten Sendung juristisch vorgehen.

Schwer geknebelt, statt schwer verliebt, fasst ein Zeitungsbericht das Vorgehen des Fernsehsenders zusammen. Saras Geschichte und Sat 1 fragwürdige Praktiken sorgen bundesweit für Schlagzeien. Die Empörung ist groß, zumindest für einen Moment. Plötzlich sprechen Menschen über Sarah, die sie zuvor nie wahrgenommen hätten.

Renommierte Juristen nennen den Vertrag zwischen Sarah und Sal 1 sindwidrig. Jan Böhmermann wirft der Moderatorin Brit Hagedonorn vor, Zitat: “Grenzdebile Menschen am Rand zur geistigen Behinderung fortzuführen. Und selbst Code Beck, Ministerpräsident von Riland Pfalz, scheitet sich ein. In einem Statement fordert er die Landesmedienanstalt auf, die Sendung zu prüfen.

Die Jagd nach der Zuschauerquote darf nicht dazu führen, dass Leindarsteller in entwürdigenden Situation zur Schau gestellt werden, macht Beck seinen Standpunkt klar. Über Nacht wird Sarah zur gefragten Interviewpartnerin. Ich will seit eins die Stirn bieten sagt sie in die Fernsehkameras. Diesmal nicht mit verlegener Stimme, sondern mit einem Anflug von Entschlossenheit.

Sarah berichtet, was hinter den Kulissen wirklich passiert sein soll. Nichts sei spontan gewesen. Kein Moment, echt. Jeder Satz wurde uns erst vorgesagt, enthüllt sie. Dann mussten wir nachsprechen. Der Sender weiß die Vorwürfe zurück. Alles sei freiwillig gewesen, heißt es. Alles authentisch.

 Doch Sarah bleibt bei ihrer Version. Anfang des Jahres 2012 veröffentlicht die Landesmedienanstalt ihr Urteil. Sie sieht keinen Verstoß gegen die Programmgrundsätze und keine Verletzung der Menschenbürde. Von einem Tag auf den anderen verstummt das mediale Interesse an Sarah. Die Zeit, in der sie gegen seit eins gekämpft hat, war vermutlich die beste ihres Lebens.

 Resüte eine Bekannte von Sarah später. Sarah zieht sich zurück. Wieder sitzt sie allein in ihrem kleinen Zimmer mit ihren unzähligen Barbiepoppen. In ihr Tagebuch schreibt Sarah. Meinen unerschütterlichen Glauben an die einzig wahre Liebe, die ein Leben lang hält, wollten sie mir rauben. Doch den Glauben an die Liebe können sie mir nicht nehmen. Niemals.

 Ohne Liebe gehe ich tot. Ohne Liebe kein Leben. Anfang Januar 2015 stirbt Saras Mutter. Beit darauf lernt Sarah im Internet Axe Ingog kennen. Der selbstständige Computerfachmann ist fast 20 Jahre älter als Sara. Erst vor kurzem hat ihn seine Ehefrau verlassen. Seitdem lebt er allein in dem alten Gutshof in Eres bei Brandenburg.

 fast 800 K von Fischbach entfernt. Für Sarah ist die Bekanntschaft mit G zunächst das, was sie sich immer gewünscht hat. Zum ersten Mal glaubt sie jemanden gefunden zu haben, der ihr zuhört. Sie akzeptiert, bei ihr bleibt. Auf Facebook postet Sarah ein Foto. Glücklich lächelnd sitzt sie neben einem Körbchen, darin Rosen und ihre Lieblingsbarbies.

Familienausflug ist in der Bildunterschrift zu lesen und an eine Freundin sendet sie die Worte, die alles sagen, was sie hofft. Der Achse ist der einzige, der es wirklich ernst mit mir meint. Doch was Sarah nicht weiß, zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens kommt G frisch aus der Psychiatrie. Nachdem ihn seine Frau verlassen hatte, hatte er Benzin und Wasser in den Keller geleitet und gedroht, das Haus anzuzünden.

Das Amtsgericht bei Brandenburg hatte ihn deshalb zwangs einweisen lassen. Nur zwei Wochen später wurde G allerdings wieder entlassen. Die behandelnden Ärzte atten, dass von ihm keine Eigen oder Fremdgefährdung ausgehe. Am Vormittag des 23. Dezembers 2015. Saras Mutter ist seit fast einem Jahr tot.

 Macht sich die 31-jährige gemeinsam mit G auf den Weg zum Amtsgericht Ida Oberstein. Nachdem Saras Mutter unerwartet verstorben war, hatte das Gericht der jungen Frau eine Betreuerin zur Seite gestellt. Sie soll Sara bei behördlichen Dingen helfen. Geh, gefällt das nicht. Er will, dass die Betreuung auf der Stelle endet und er will mit der Richterin sprechen sofort.

Sarah ist mittlerweile von Fischbach nachrese zu Gezogen und nun will er entscheiden, was gut für Sarah ist. Und während Axel G und Sarah im Fyer des Gerichtsgebäudes stehen, kommt zufällig der Direktor des Amtsgerichtes an ihnen vorbei. Er bemerkt die angespannte Stimmung und fragt das paar freundlich, ob er helfen könnte. Axel fixiert ihn.

 Dann fordert er mit fester Stimme: “Zeigen Sie mir erst einmal Ihren Dienstausweis.” Der Direktor zögert kurz, zückt dann aber schließlich seinen Dienstausweis. “Der gilt nicht”, sagt Gkühl. Deutschland ist eine GmbH. Es ist der Moment, in dem klar wird, mit wem man es zu tun hat. Achse G ist ein sogenannter Reichsbürger.

Reichsbürger, ein Wort, das harmlos klingt, fast altmodisch. Und doch beinhaltet es eine tiefgreifende Ablehnung des demokratischen Rechtsstaats. Sie erkennen keine Gerichte an, keine Behörden, keine Polizei. Stattdessen berufen sie sich auf Fantasiedokumente und selbster erfundene Staatsangehörigkeiten. Bevor der Direktor des Amtsgerichts überhaupt Zeit hat, sich einen Reim auf das Ganze zu machen, stimmt G plötzlich aus heiterem Himmel ein Lied an.

 Das wiederum ruft den Wachmeister des Amtsgerichtes auf dem Plan, der den wirren Besucher des Hauses verweisen will. Als Achse G nach dem Mann schlägt, eskaliert die Situation. Der Direktor alarmiert die Polizei. Ach G stürmt mit Sarah im Schlepptau hinaus freie. Eile steigen sie in einen alten silbernen Mercedes und schlagen die Türen zu. G startet den Motor.

 Ein Polizist versucht sie noch zu stoppen und stellt sich dem Wagen in den Weg. Doch G tritt aufs Gas. Der Polizist kann sich tatsächlich nur durch einen Hechtsprung zur Seite retten. Was nach außen wie ein gezieht Angriff auf einen Polizisten wirkt, wird juristisch als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte im besonders schweren Fall eingeordnet.

Keine versuchte Tötung, keine Untersuchungshaft. Geh bleibt auf freien Fuß. Nur wenige Tage später, es ist der 5. Januar 2016, steht Sarah in Eidrese am Dorfteich und schreit um Hilfe. Nachbarn hören Sarah, kommen heraus, bitten Sie ins Haus. Fast genau ein Jahr zuvor war es Axel Ges Ehefrau gewesen, die in Panik vor der Tür von Familie Krug gestanden hatte, verweint und verstört.

 Auch sie hatten die Krugs hereingebeten und auch ihr hatten sie zugehört, als sie von Schlägen, von Drohungen und dem Feuer erzählte, dass geh legen wollte. Jetzt steht an ihrer Stelle Sarah im Haus der Krugs. Sie zittert und weint. kann kaum sprechen. “Er hat mich gekidnappt”, sagt Sarah unter Tränen. Wirft sich dauernd Pillen ein.

 “Ich muss auch Pillen schlucken.” Aus leidvoller Erfahrung wissen die Nachbarn von G, was sie an ihm haben. Ärger und Unruhe in dem sonst so beschaulichen Dörfchen. Eine Zeit lang bescheide er das Dorf stundenlang mit einem tiefen Brummton aus Lautsprechern. Von seinem Gesinge, Trompetengespiele und herumgeschrei mal ganz abgesehen.

Seit die Aufträge bei dem Computerfachmann ausbleiben, wird es immer schlimmer mit ihm. Ich die beide da. Ja, die du ich gerade filme. Schön. E jam. [Musik] Energiespar. Vom Telefon der Krugs aus alarmiert Sarah die Polizei. Wenig später trifft eine Streife ein. Die Beamten nehmen Axel fest.

 Sarah bringen sie im Frauenhaus unter. Fürs erste ist sie in Sicherheit. Aber es dauert nicht lange, da ist Axe G wieder zurück in Drese. Als nichts gewesen. Die Dorfbewohner sehen ihn, wie er durch die kleine Gemeinde spaziert, Hand in Hand mit Sarah. Die gleiche Sarah, die vor wenigen Tagen noch um Hilfe rief, von Medikamenten sprach und von Entführung.

Ihre Anschuldigung hat sie inzwischen schriftlich wiederrufen. G lädt im Internet Videos hoch. Auf einem sieht man ihn am Steuer eines alten Wagens. Sarah sitzt auf dem Beifahrersitz. Sie wirkt blass, spricht kaum ein Wort. Axel G dagegen redet ununterbrochen. Man hat Sarah fürchterlich benutzt, erklärte er in die Kamera und Sarah nickt.

In einem weiteren Video spricht er schnell, aufgeregt und atemlos. Die haben das vierte Reich gegründet. Hinter unserem Rücken ruft er. Ich weiß Bescheid. Deshalb soll ich aus dem Verkehr gezogen werden. Beit darauf sucht Sarah wieder Zuflucht im Frauenhaus und kehrt kurze Zeit später wieder zur Achse zurück.

Vielleicht klammert sie sich noch an die Hoffnung, dass irgendwo in ihm doch etwas Gutes steckt. Vielleicht weiß sie auch einfach nicht, wohin sie gehen soll. Die Mutter tot, der Vater inzwischen dement, lebt in einem Pflegeheim. Es ist der 5. Juni 2016, ein warmer Sommertag, als G am See mal wieder die Kontrolle über sich verliert.

 Er schreit und fuchtelt wild mit seinen Armen in der Luft herum. Besorgte Badegäste rufen die Polizei. Ja, sie sperren mich sowieso weg, meine Tee. Ja, danke. Speich noch mal drüber. Hausfriedensbruch, illegale Hausdurchsuchung, Grundrechte. Ja, sowas die Herr, Dame. Ja, kriegen wir hin. Aktezeichen Tagebuchnummer irgendwas kriegen wir noch irgendwas Name Tagebuch Aktezeichen oder wie? Ha, die Beamten alarmieren Rettungswagen und Notärzt.

 Die Medizinerin vermutet Drogen und lässt geh in die Psychiatrie einweisen. Zwei Wochen später ist er wieder draußen. Im Internet taucht ein neues Video von ihm auf. Axel G sitzt auf einer Wiese umgeben von grasenden Rindern und spielt Gitarre. Das ist Kommunikation, Sarah. Merkst du das? Ruft der Sarah zu, die vermutlich filmt. Ja. antwortet sielos.

 Dann liegt G und vermittelt in die Kamera. Seine Stimme ist plötzlich aufgebracht. “Mich wollen sie wegsperren, die blöden Bullen”, ruft er. Dann schreien beide wie die Wahnsinnigen los. [Musik] Am nächsten Tag, es ist der 24. Juni 2016 stellt geh erneut ein verstörendes Video online. Die Szene ist bizarr und verwirrend.

 Vor einem Fenster hängt an Fäden eine Barbiepuppe mit knallpinken Haaren. Zwischen ihren Beinen Baum eine kleine Nashornfigur aus Metall. Ich hab sie nicht vergessen. Niemals, wenn ich sie vergesse. Niemals. Wer ich vergessen? Man weiß nicht, wen er meint. Doch im Nachgang wiegt es nah, daß seine Worte Sarah gelten. In derselben Nacht hört eine Nachbarin Axel Ges schlecht Stimme durch die Dunkelheit schein.

 Jetzt bin ich ganz alleine. Jetzt habe ich niemanden mehr. Holt doch die Polizei. Doch niemand wirkt mehr den Notruf. Die Nachbarn haben genug. zu oft schon sind Streifenwagen vorbeigefahren, haben G mitgenommen und bald darauf ist er wieder aufgetaucht. Wochen später, am 16. Juli 2016 meldet G sich erneut auf Facebook.

 Der Text ist wir voller Wut und Grammatikfehler. Sarah gleich BND Polizei Verfassungsschutz. Von wegen dumm und behindert, angesetzt, um mich zu zerstören. Ist so. Am 9. August 2016, eineinhalb Monate nach dem verstörenden Video mit der aufgehängten Barbie und dem Nason zwischen ihren Beinen bemerkt Axeg die Polizisten nicht.

 Sie überrumpeln ihn, während er spitterfasernackt in seinem Garten steht und Trompete spielt. Vier Mann sind nötig, um G zu überwältigen. Dener Mittlern gegenüber schildert Axe G, wie er Sara nackt ans Bett gefesselt und mit einer Peitsche immer und immer wieder auf sie eingedroschen habe. Sarah habe irgendwann das Bewusstsein verloren, sei kurz wieder zu sich gekommen, dann aber habe ihr Herz aufgehört zu schlagen.

Zu seinem Motiv sagt Gh, dass er glaube, dass Sarah den Bundesnachrichtendienst auf ihn angesetzt und ihn bestohlen bzw. seine Brille versteckt habe. Ihre Suche nach der Liebe endete im Tod, tet in die Zeitungen, als feststeht, dass die gefundene Leiche in Ges Haus Sarah ist. Die Ohne mit ihrer Asche wird nach Ider Oberstein gebracht.

Menschen, die Sara nie kannten, schreiben Beileitsbekundungen und kündigen an, zum Begräbnis kommen zu wollen. Doch ihre gesetzliche Betreuerin schiebt einem großen Auflauf bei der Beerdigung an den Riegel vor. Saras letzter Weg soll in aller Stille stattfinden. Die Oh ohne mit ihrer Asche wird in einem Ruheforst beigesetzt.

Das Gerichtsurteil gegen Axel G sorgt für Empörung in der Bevölkerung. Das Landgericht bei Brandenburg verurteilt ihn zunächst zu fünf Jahren Haft wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge gesteidiger reicht Revision gegen das Urteil ein und das mit Erfolg. Das Strafmaß für seine Mandanten wird in der zweiten Instanz drastisch gesenkt.

90 Tagessätze 15 € wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Versuchernötigung und Widerstand gegen Verstreckungsbeamte. Die Begründung, der Zustand von Saras Leiche habe keine eindeutige Aussage zur Todesursache mehr zugelassen. Es kann damit nicht belegt werden, dass die 32-jährige tatsächlich aufgrund der Feuter durch Gestorben war.

 Zudem gelte G selbst nur als vermindert schuldfähig. Noch während der Untersuchungshaft und Forensik nimmt eine Frau namens Laura Kontakt zu G auf. Sie hat von dem Fall gelesen und beginnt ihm Briefe zu schreiben. Aus Worten werden Besucher. Aus Besucher eine Beziehung. Nach seiner Entlassung ziehen die beiden zusammen in ein Fachwerkhaus nach Neustrelitz.

Sie heiraten. Die Sara glaubt Laura. So liebt sie auch gewesen sein mag, war zu labil für diesen gestandenen Mann. Doch schon bald kommt es auch zwischen Laura und G zu massiven Problemen. Als Laura sich nicht mehr zu helfen weiß, ruft sie die Polizei. Axel G, stehe ständig unter Drogen, laufe schreiend und singend durch die Wohnung.

 Meistalb nackt klagt sie gegenüber den Beamten. Termin, wenn Sie mir die Gelegenheit geben, dass ich mein Leben erstmal wieder in Ordnung bringe, was durch verschiedene Umstände äh drei Tage, zwei Tage, ein Tag. Ich möchte Sie noch mal bitten, mein Grundstück hier. Ich wohne hier in der Zirkel 60. Ich bin gemeldet hier als Bundesbürger Axel Ingru.

 Ich möchte Sie bitten, mein Grundstück zu verlassen. Ich habe nichts Unrechtes getan. Ich hoffte, dass sie ihn wieder in die Forensik bringen und er und wir zur Ruhe kommen würden, schildert Laura die Situation später in einem Interview. Aber eine Einweisung zu seinem Schutz gab es von den Ärzten nicht. Mein Mann war irgendwann tagelang unter Drogen und mental nicht erreichbar.

Nicht einmal die Nachricht, dass wir ein Kind erwarten, hat er wohl wirklich wahrgenommen. Da habe ich meine Sachen gepackt und bin zu meinen Eltern gefahren. Er sollte spüren, dass ich es ernst meine und er mit den Drogen aufhören muss. Zwei Wochen, nachdem Laura G verlassen hat, erschüttert eine Explosion das Fachwerkhaus in Neustrelitz.

Achse G erleidet schwerste Verbrennungen. Weit darauf erlegt er in einer Spezialklinik seinen Verletzungen. “Ich weiß nicht, ob ich je wieder jemanden so lieben kann”, sagt Laura nach dem Tod des Anfang 50-jährigen. Brandermittler finden heraus, Axe G hatte mit offener Flamme an einem Campingkocher hant.

 Ob die folgenschwere Explosion ein Unfall oder Absicht war, bleibt ungeklärt. Laura klag gegenüber einer Journalistin, dass sie alles verloren habe. Ihren Mann, das gemeinsame Kind durch den Stress und die Trauer, das Fachwerkhaus und all ihre Habseligkeiten. Sarah hingegen wollte nur geliebt werden. Stattdessen wurde sie ausgegrenzt, missbraucht, gefeutert und getötet.

Ihr grusomer Tod ist bis heute ungesühnt und wird es auch bleiben. Und damit willkommen in der Nachbesprechung des Falls. Also, was bleibt nach dieser Folge bei mir hängen? Erst einmal eine Abfolge von Warnzeichen, die ehrlich gesagt zu lange nebeneinander stalten, ohne dass jemand sie konsequent zusammengeführt hat.

 Wir reden hier ja nicht über einzelneskalierendes Ereignis, sondern über einen Verlauf vom frühen Mobbing über die öffentliche Bloßstellung bis zur Gewei Beziehung, in der Sarah am Ende stirbt. Und wir jetzt forensisch nicht einmal wissen, ja, was passiert ist. Es gibt nicht mal ein eindeutiges Todesdatum.

 Und das ist die bittere Ausgangslage. Mobbing ist keine Phase. Mobbing ist kein Phasenthema. Und wenn du als Kind lernst, dass du die Außenseiterin bist, der Außenseiter bist, dass man dich jagen, schlagen, ersticken darf und niemand hält die Hand dazwischen, dann verschiebt das deinen inneren Kompass. Das ist nicht irgendeine alte Wunde, die vernabb, das ist ein Grundrauschen, würde ich es jetzt mal bezeichnen.

 Und es erklärt später ein paar Dinge, die von außen so irrational wirken. warum man Zuneigung überhöht, warum man Nähe manchmal um jeden Preis halten will, auch wenn es weh tut, auch wenn es eine toxische Beziehung ist. Ja, und das entschuldigt nichts, aber es macht die Reaktion verständlicher und ich finde, das müssen wir auf jeden Fall sagen.

 Da muss man laut mitdenken. Und wo wir schon beim Thema sind, würde ich noch mal aufs Mobbing eingehen, denn was ist Mobbing überhaupt? Ja, wir hören es immer wieder, aber was ist Mobbing? Wann spricht man von Mobbing? Und wenn man von Mobbing spricht, geht’s nicht um einen einmaligen Streit. Gemeint ist eher ein wiederholtes, absichtliches Verletzen, verbal, sozial oder körperlich und zwar bei einem Machtungleichgewicht.

 Und das kann face to face passieren oder aber auch online. Und wir reden hier von ausschließen, lächerlich machen, Gerüchte streuen, Bloßstellungen in Klassenchats, Demütigungen auf Social Media, das massenhafte Weiterleiten peinlicher Bilder. Ich glaube, ich könnte gar nicht aufhören, wenn ich jetzt weitermachen würde.

 Und bei Mobbing spricht man von drei Bausteinen, die wichtig sind, um Mobbing auch zu erkennen und zwar von Wiederholung, von Absicht und von einem Machtgefälle. Für Deutschland zeigen aktuelle HBSC Daten. Das RKI rund 14% der 11 bis 15-Jährigen berichten von direkten Erfahrungen mit Mobbing in der Schule. Rund 7% berichten von Cybermobbing als Betroffene und oder Beteiligte.

Schauen wir aber mal breiter oder weiter über die Landesgrenzen hinaus nach Europa, Zentralasien. Im Schnitt berichten etwa 11% der Jugendlichen gemobbt worden zu sein. Beim Cybermobbing liegen die betroffenen Zahlen höher, rund 16%. Und global schätzt z.B. UNESCO, dass etwa ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler Mobbing erlebt hat und zwar mindestens einmal im Monat.

Für Deutschland gibt es zusätzlich aktuelle Befragungen speziell zu Cybermobbing und das Bündnis gegen Cybermobbing beziffert 2024 die Zahl betroffener Kinder und Jugendlicher auf über 2 Millionen. Basis für diese Aussage ist eine Bundesweitererhebung mit etwa 4000 Schüler und Schülerinnen. Und das ist jetzt keine amtliche Statistik, aber ein guter Pulsführer für die digitale Dimension.

Ja, Mobbing ist, wie ich ja schon gesagt habe, keine Phase, die irgendwann wieder vorübergeht. Die Folgen vom Mobbing sind auch noch Jahrzehnte nach der Schule bei vielen so präsent, als wäre es gestern gewesen. Aber zum Glück endet nicht jeder Mobbing Fall letztenendes in einem Suizid. Das Risiko und die tatsächlichen Fehlzeihen aber machen mich persönlich sehr betroffen, was das Thema angeht, denn im Jahr 2023 gab es rund 10300 Suizide, also etwa 1% aller Todesfälle.

 Bei Kindern und Jugendlichen sind Suizide selten, aber sie zielen je nach Altersgruppe zu den häufigsten nicht natürlichen Todesursachen. Das statistische Bundesamt erklärt öffentlich, dass Suizide bei unter 25-Jährigen die häufigste Todesursache ist. Und hier muss ich aber sagen, nein, natürlich kann man nicht all diese Schicksale zwingend mit dem Thema Mobbing aneinander ketten.

 Dennoch spielt das Thema Mobbing in vielen Fällen dieser Suizide eine zentrale Rolle. Wichtig, den Kontakt zur Hilfe stellen. Auch anonymen findest du in der Folgenbeschreibung. Was mich bei diesem Fall aber fassungslos macht, ist die mediale Schiene. Diese Show, die Liebe verspricht und am Ende Zuschnitt, Offtext, Schokoladenmassage und Sport liefern.

 Ganz nüchtern 700 € für bis zu 15 Drehtage. Und ganz ehrlich, denn was macht das am Tag? Also 700 € für 15 Drehtage, das sind so, was sind das? 46 € oder sowas. Und wie lange geht dann so ein Drehtag? Also, wenn ich jetzt mal überlege, wo ich jetzt schon war, ja, wo was aufgenommen wurde oder gedreht wurde, da gehen locker 8 bis 10 Stunden drauf.

 So, und jetzt lasst uns mal überlegen, was der Sender dann aber pro Folge mit den Werbeblöcken eingespielt hat und ich rechne da mit mindestens 20 bis 40.000 1000 € für die ganzen Werbeblöcke für eine Folge. Dazu kommt ja dann auch noch der Vertrag, den Sar unterschrieben hat, der Gestaltungsmacht abtritt und de facto also kein Recht freigibt, sich gegen die eigene Darstellung zu wehren.

 Was folgt, ist zwar kurze Empörung, dann das Fazit der Aufsicht, kein Verstoß gegen Programmgrundsätze, keine Verletzung der Menschenbürde. Und das Thema war wieder durch. Ich möchte mich da jetzt auch nicht einmischen. Ich weiß, solche Formate laufen gut im Fernsehen oder liefen gut. Ich weiß gar nicht, ob es solche Formate noch gibt.

 Ich weiß nicht, wenn man auch mal vergleicht, ne? Also, wenn wir von Reality Formaten z.B. besprechen, da kann ich mir nicht vorstellen, dass da ein Reality Star mit 700 € für 15 Drehtage irgendwie mitmachen würde oder irgendwie nach Thailand fliegen würde oder aber ich weiß ja nicht, wo die ganzen Shows gedreht werden, aber wenn wir das mal überlegen, ist das schon wirklich sehr sehr krass und eigentlich nur dafür, dass du dann vorgeführt wirst, dass dir dann gesagt wird, leck mal Schokolade da von dem Arm ab. Ja, dass da irgendwie so

ein Hauptaugenmerk darauf gelegt wird, dass du ganz viele Plüschtiere hast oder Barbiepuppen. Ja, und dann gibt’s da acht Folgen, die beworben werden, wo die Leute dann am Sonntag, glaube ich, lief es, wenn ich jetzt mich jetzt recht erinnere, vom Fernseher sitzen vor dem Spielfilm, der dann nachkommt und ja, also ich meine beste Sendezeit.

 Ja, wir haben ja gehört, was auch passiert ist. Also, ich meine, es sind Menschenmassen, Menschenmengen durch die Straßen gezogen, haben sich vor Haus gestellt von Saras Eltern und Sarah und einfach ja krass. Auf jeden Fall ich habe noch einen dritten Punkt, auf den ich eingehen würde und zwar die Beziehung natürlich zu Axe Ingo G, wie ich ihn jetzt mal nenne oder wie ich ihn im Fall genannt habe.

 Von außen betrachtet gibt’s ja früher Red Flags. So, er wurde zwangs eingewiesen nach einer Branddrohung. Später dann der Auftritt im Amtsgericht mit dem Reichsbürgervokabular, dann das Anzweifen staatlicher Legitimationen, die Eskalation mit dem Auto, was ja am Ende dann juristisch bei Widerstand im besonders schweren Fall landet.

 Gut, er hat jetzt keine Uha bekommen und ich sag mal vorsichtig, an dieser Stelle hätte man aber vielleicht auch spüren können, dass das Gefahrenpotenzial nicht nur theoretisch ist. Inwie weit Sarah das aber noch hätte einschätzen können, können wir ja leider nicht sagen. Ich vermute mal, dass sie da schon zu tief drin gesteckt hat.

 Ja, kurze Zeit später aber dann der Hilferuf und ich weiß, dass viele Fragen in solchen Fällen ja so reflexartig immer auftauchen, was ich ja eben jetzt auch schon ein bisschen angedeutet habe. So, warum geht sie dann eigentlich zurück zu ihm? Und ich finde, dass die ehrliche Frage ist so, welche Voraussetzungen sind denn gegeben, damit sie weggehen kann? Also ist weggehen überhaupt realistisch? War weggehen realistisch für Sarah? Ich weiß natürlich nicht, wie die Umstände waren, aber hier sind natürlich alle Laufstellen wichtig. Aber wiederum

ersetzen sie keine Wohnung. Sie ersetzen kein stabiles soziales Netz, keine finanzielle Basis, keine langfristige Begleitung, keine konsequente Gefährstrategie. Ja, und ohne das alles kippt man leider oft zurück in das Bekannte, so toxisch es ist. Ja, und das ist nicht romantisch oder irre, das ist schlicht real, kann man sagen, wenn dann noch nicht das Selbstbewusstsein da ist, um das alles durchzustehen, sich auf die Suche zu machen, ja, dann ist es natürlich noch mal schwieriger.

 Und Sarah hat ja nun auch in einem Ort gelebt, in dem sie niemanden kannte. Also klar, die Nachbarn haben ihr die Tür geöffnet, die sie haben ihr geholfen, sie haben ihr wahrscheinlich auch erzählt, was mit der Exfrau von Axe Inkog passiert ist. Trotzdem war sie allein. Was die Dynamik zwischen Axel und Sarah zusätzlich angeheizt hat, ist ja auch noch die Mischung aus Drogen, Verschwörungsnarrativen und öffentlicher Selbstinszenierung.

 Und wenn man mal überlegt, so im Dorf schlug Achse gehs Verhalten ja irgendwann in Resignation um. Also da sind dann Sätze gefallen, wie wir haben es ja oft genug gemeldet und es passiert ja nichts. Aber genau diese Müdigkeit ist dann auch gefährlich, denn sie normalisiert das Abnorme ja geradezu. Zu guter Letzt, auch wenn ich mich jetzt wiederhole, aber kommen wir noch mal kurz zum Urteil, welches Axel G letztenendlich vom Gericht erhalten hat, denn erst hat man von 5 Jahren wegen Freizberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge gesprochen,

dann die Reduktion in der Revision 90 Tagesse. Ach, 15 € also wegen Körperverletzung, versuchte Nötigung, Widerstand, keine Tötungsdelikte und verminderte Schuldfähigkeit. Also insgesamt musste er zahlen 1350 € für ein Menschenleben. Das macht ein sprachlos. Juristisch ist es die Konsequenz eben aus Beweisrecht und Schuldprinzip.

Moralisch bleibt da einfach entsetzen in meinem Kopf zurück. Und ja, beides kann gleichzeitig stimmen und genau deshalb fühlt es sich so frustrierend an. Trotzdem bei all der Struktur bleibt er ein Mensch. Sarah wollte dazu gehören in ihren eigenen Worten: “Ohne Liebe kein Leben.” Und sie sagte damit: “Ich brauche einen sicheren Platz.

” Und diesen Platz hat sie aber nie bekommen. Nicht in der Schule, nicht vor der Kamera, nicht in der Beziehung, nicht im Netz. Vielleicht ist das ja auch am Ende der eigentliche Schmerzpunkt dieser Geschichte. Wenn ihr Mobbing seht, schaut nicht weg und beim nächsten Mal früher handeln. Klingt schlicht, ist aber irgendwie schwer genug.

 Mich würde auf jeden Fall interessieren, was du denkst. Was denkst du über den Fall auch zum Thema Mobbing? Weiß ich nicht, möchtest du was loswerden? Möchtest du irgendwas teilen? Mach das gerne. Schreib mir gerne, kommentiere auf Instagram, Podimo, Apple Podcast, Spotify, schreib mir eine E-Mail, also wo auch immer du willst. Ich würde mich auf jeden Fall sehr darüber freuen, wenn ich deine Rückmeinung von dir bekomme, wenn wir da so ein bisschen zusammen drüber gehen können und ja, was einfach deine Gedanken zu dem Fall sind. Ich bedanke

mich fürs zuhören. Danke, danke, danke, dass du eigentlich auch bis jetzt noch dran geblieben bist. Sind wahrscheinlich jetzt auch nicht mehr alle, die äh die Folge angefangen haben, aber ja, vielen, vielen Dank. Danke für deinen Support, liken fürs Teilen, fürs Erzählen, dafür, dass du Tickets kaufst, um mich live zu sehen. Ja.

 Im Jahr 2026 bin ich nämlich auf Deutschland Tour und zwar bin ich im Januar zu drei Terminen in Hamburg, München und Köln und im Oktober nächsten Jahres in Berlin und Mainz. Da freue ich mich auf jeden Fall schon dich zu treffen, euch zu treffen, dich und deine Freunde zu treffen, Familie, mit wem auch immer du gerne True Cram Podcast hörst und ja, den Link dazu findest du in der Folgbeschreibung oder unter www.ware wareverbrechen.

de und noch mal, ich würde mich auf jeden Fall sehr sehr freuen, wenn du vorbeikommst, ist es ja meine allererste Live Tour mit dem Podcast. Also, ich hatte jetzt zwar schon paar Live Auftritte, aber es ist meine aller allererste Live Tour mit dem Podcast und da würde ich mich extrem drüber freuen, wenn du mich unterstützen würdest oder ihr mich unterstützen würdet.

 Ich bin jetzt schon sehr sehr aufgeregt und ich glaube ja, wenn so Hörer da sind, die den Podcast gerne hören, dann ähm wird es alles einfach irgendwie schöner. Auf jeden Fall wird’s ein cooler Abend, weil manche schon gefragt haben, also wir haben auf jeden Fall viel Zeit, also es ist keine Veranstaltung, die irgendwie nur eine Stunde geht, also wir haben viel Zeit, ich habe einen sehr intensiven Fall mit und auch danach bin ich noch da, darauf freue ich mich und ja, ich verabschiede mich jetzt von dir und bedanke mich fürs Zuhören. Wenn du

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 Wir hören uns in der nächsten Folge wieder. Bis dahin. Bleib sicher.

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