Das falsche Taxi | Der Fall Katharina & Peter ...

Das falsche Taxi | Der Fall Katharina & Peter T

Das falsche Taxi | Der Fall Katharina & Peter 

Wir schreiben das Jahr 2006. Ein junges Paar befindet sich auf einer sechs monatigen Weltreise. Momentan sind sie in Bolivien am Titi Kakase und wollen als nächstes die Stadt Lapas erkunden. Sie halten regelmäßig per E-Mail Kontakt zu ihren Familien, doch dieser Kontakt bricht am 24. Januar 2006 plötzlich ab.

Ich [Musik] [Musik] begrüße euch zu einer neuen Reise ohne Wiederkehr. Ich hoffe, es geht euch allen gut. Ist ja schon weilchen her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Danke, dass ihr noch da seid. Ich kann gerne am Ende des Videos noch kurz drauf eingehen. Das Wichtigste an dieser Stelle, es geht ab jetzt hier wieder regelmäßig weiter, bedeutet alle drei Wochen, also grob einmal im Monat.

 Das ist so eine Frequenz, die ich einhalten kann. Für alle, die neu sind, das hier ist ein Kanal, der sich mit Menschen beschäftigt, die auf Reisen verschwunden sind oder ermordet wurden. Falls du also neu bist, herzlich willkommen. Ihr habt lange genug gewartet, deswegen kommen wir direkt zum heutigen Fall. Der wurde mir von zwei verschiedenen Personen vorgeschlagen.

Bitte schreibt mir doch immer dazu, ob ich euren Namen nennen darf, weil es würde ich gerne machen, aber ich weiß halt nicht bis jetzt, ob es gewünscht ist. Und dieser Wunsch kommt von unseren Nachbarn in Österreich in beiden Fällen. Ich kannte den Fall vorher nicht, bin also durch den ersten Vorschlag darauf aufmerksam geworden.

 Das war ungefähr im November letztes Jahr. Und der zweite Vorschlag kam so um Ostern rum dieses Jahr. Da war ich schon in der Recherche drin und habe eigentlich gedacht, nach so einer langen Pause muss ein richtig langer Fall kommen. Letztendlich habe ich aber entschieden, das Wichtigste ist, dass es überhaupt erstmal wieder weitergeht.

Und als kurzer Disclaimer noch, alle Informationen in diesem Video sind aus freizugänglichen Quellen im Internet und werden von mir als Video zusammengefasst. Alle Quellen findet ihr wie immer unter dem Link in der Videobeschreibung. Wir begeben uns heute zunächst in eine meiner drei Lieblingsstädte, nämlich nach Wien, denn dort beginnt die Reise von Katharina und Peter.

 Katharina, die am 8. Juni 1980 geboren wurde und ihr Freund Peter, der am 16. September 1977 das Licht der Welt erblickte, sind im Jahr 2005 entsprechend 25 und 28 Jahre alt. Leider gibt es kaum öffentliche Informationen über das Leben der beiden. Ihr wisst, dass ich gern so viel wie möglich über die Menschen und ihr Leben erfahre und nicht nur, wie sie gestorben sind. Das war hier leider kaum möglich.

Zumindest wissen wir aber, daß Katharina aus Salzburg stammt. Peter und Katharina seit mehreren Jahren ein Paar sind, beide in der Hauptstadt Österreich studiert haben und dass hinter Peter ein paar anstrengende Monate liegen, denn er hat gerade promoviert, also sein Doktortitel erworben an einem Forschungsinstitut für molekulare Pathologie.

Er hat sich also auf die Diagnose von Krankheiten spezialisiert. Katharina hat gewartet, bis er damit fertig ist, denn seit langem ist es der Traum beider, die Welt zu bereißen. Jetzt Ende 2005 ist endlich die Zeit gekommen, andere Kulturen kennenzulernen und ein bisschen Abstand zum Alltag zu bekommen, bevor sie in ihre beruflichen Karrieren starten.

Sie haben Geld gespart, die Route seit Monaten geplant, sich akribisch darauf vorbereitet, was sie alles auf ihrer Reise durch die verschiedenen Länder brauchen und ihre Rucksäcke entsprechend gepackt. Neugierig und voller Vorfreude starten Katharina und Peter ihre Reise am 16. November 2005 am Flughafen in Wien.

Sie haben ein gutes halbes Jahr für die Reise eingeplant, denn im Mai 2006 wollen sie wieder zurück in Wien sein. Wo genau ihre Reise startet ist unbekannt, aber die grobe Route lautet entlang der Küste Südamerikas, um dann von Santiago de Chile aus nach Sydney in Australien zu fliegen. Das wissen wir, weil beide regelmäßig Kontakt mit ihren Familien halten.

 Sie schreiben E-Mails und erzählen, was sie erleben und was als nächstes ansteht. Auch Fotos finden ihren Weg zurück in die Heimat. Eins z.B. von einem beliebten Fotospot am Strand der Kleinstadtes in Ecuador, das direkt an der Pazifikküste liegt. Auf einem weiteren Foto sieht man beide eng umschlungen und barfuß im Sand sitzend, wie sie lächelnd dem Sonnenuntergang entgegenblicken.

Am 24. Januar 2006, abends kurz nach 7:30 Ortszeit schreiben Sie eine Mail an Ihre Familie. Es wird die letzte E-Mail sein. Sie berichten, dass Sie gerade in Kopacabana sind? Nein, nicht der berühmte Strand in Brasilien, sondern eine Kleinstadt in Bolivien. Wie die Ermittler später herausfinden werden, sind Katharina und Peter kurz zuvor per Schiff von Puno in Peru nach Bolivien eingereist, weil sie auf direktem Wege die Insel Isla de Soll besuchen wollten.

 Das ist so besonders, weil die Grenze zwischen Peru und Bolivien direkt durch den Titi Kakase verläuft, der im übrigen auch das Antenmeer genannt wird. Denn für alle, die es seit ihrer letzten Geographieunterrichtsstunde vergessen haben, liegt der Titi Kakase auf rund 3800 m Höhe und ist damit der höchstgelegene kommerziell schiffbare See der Erde.

In den Landschaften rundherum gibt es viele Überbleibsel früherer Kulturen. Die Isla del Soll, die Sonneninsel, zu der Katharina und Peter von Peru aus übersetzen, soll der Ursprung der Inker Kultur sein. Genau aus den genannten Gründen kommen jährlich Millionen von Touristen dorthin, so auch Katharina und Peter.

Hier in Kopacabana wollen sie nun zwei Nächte bleiben. Das Hostel ist bereits bezahlt. Wie ein schlechtes Omen ließ sich jedoch das, was Peter in genau jener letzten Mail schreibt. Zitat: “Heute sind wir in Bolivien angekommen in Kopabana. Hier ist alles in Ordnung. Die Menschen hier sind definitiv keine Gefahr für andere. Ganz im Gegenteil.

 Heute gab es Feierlichkeiten und alle waren gut gelaunt. Ich glaube, diese Entführung finden in Kolumbien statt und zwar nur in einigen wenigen Regionen dort. Die Sache ist die, Südamerika ist ein großer Kontinent, daher hören wir eine Menge Dinge. Aber an den meisten Orten wollen die Menschen einfach nur in Frieden leben. Zitat Ende.

Seine Worte sind die Antwort auf eine Mainer Mutter, die sich sorgt, dass es in Lateinamerika zu gefährlich ist. Für alle, die sich wie ich für landestypische Dinge interessieren, habe ich mal gegoogelt, ob es am 24.01. ein bestimmtes Fest in Bolivien gibt, da Peter ja genau an diesem Tag von Feierlichkeiten berichtet.

 Und tatsächlich gibt es die Feria de las Alasitas, das Fest des Überflusses. Ursprünglich nur in Laass zebriert, wird es überall in Bolivien gefeiert und gehört mittlerweile zu einem der wichtigsten Feste im Land. Zwei Tage später, am Donnerstag den 26. Januar 2006, kurz nach dem Mittagessen steigen Katharina und Peter in einen kleinen Bus, der sie nach Lapas bringen soll.

 Das ist eigentlich nur 150 km entfernt. Die reine Fahrzeit liegt jedoch bei ca. Stunden. Das liegt vor allem an der serpentinenartigen Strecke, die vom Titi Kakase über das Gebirge führt. Denn mit bis zu 4100 Höhlenmetern ist Lapas unter den Top fünf der höchstgelegenen Städte der Welt und hat sogar innerhalb der Stadt einen Höhenunterschied von 1000 m.

Katharina und Peter kommen am frühen Abend in Lapas an. Sie steigen am Busbahnhof naahhe des Zentralfriedhofs aus und werden späteren Zeugen nach dort auch gesehen. Eine Woche später, es ist Anfang Februar. Die Familien haben nichts mehr von Katharina oder Peter gehört. Die letzte E-Mail ist vom 24.

 Januar und auf neue E-Mails antwortet das Panis und es gibt auch keine andere Möglichkeit mit ihnen in Kontakt zu treten. Unruhe wächst. Man versucht sich damit zu beruhigen, daß sie vielleicht keinen Zugang zum Internet haben. Spätestens am Flughafen in Santiago de Chile, wo sie am 6. Februar sein sollen, um ihren Flug nach Sydney in Australien anzutreten, sollten sie ihre E-Mails jedoch beantworten können.

 Die Familien können also nur abwarten. Als am 6. Februar 2006 keine E-Mail kommt und die Familien sich am Tag darauf bei der Fluggesellschaft melden, erfahren sie, dass weder Katharina noch Peter das Flugzeug bestiegen haben. Allen Familienangehörigen ist somit schlagartig klar, dass ihnen etwas passiert sein muss. Sie melden die beiden als vermisst und prüfen als erstes die Kontobewegungen, denn Peter und Katharina waren vorsichtig, haben kein Bargeld mit sich herumgetragen, sondern nur Geld mit ihren Kreditkarten abgehoben, wenn sie wirklich Bargeld brauchten.

Durch die Überprüfung stellen die Familien fest, dass seit dem 26. Januar jeden Tag der Maximalbetrag von beiden Konten abgehoben wurde und zwar in Lapas. Wie man später herausfinden wird, nur zwei Stunden, nachdem ihr Kleinbus in Lapas angekommen ist. Auf den ersten Blick noch nichts ungewöhnliches, bis auf die Tatsache, dass so viel Geld auf einmal abgehoben wurde und das auch noch von beiden konnten.

Kurz darauf ändern sich auch die Abhebe nach Lapas ist es die Stadt Oruro, dann die Hauptstadt Sugre und seit dem 3. Februar wurde täglich der Maximalbetrag in Kotabamba abgehoben. Schaut man sich diese Route an, sieht man, dass diese Städte keineswegs auf dem Weg zum Flughafen in Santiago de Chile liegen. Außerdem, wozu brauchen Katharina und Peter seit dem 26.

 Januar täglich so viel Geld? Der Maximalbetrag richtet sich übrigens nach dem Betrag, den man in Bolivien täglich abheben darf und das sind umgerechnet 450$, sprich 365 €. Bei zwei Konten sind das 730 € pro Tag. Die Familien schaffen es, die Banken davon zu überzeugen, dass Peter und Katharina nicht mehr im Besitz ihrer Karten sein können und lassen diese am 8. Februar 2006 sperren.

Das sind genau 14 Tage nach Ankunft in Lapas am 26.01. Natürlich ist auch die Polizei in Österreich inzwischen eingeschaltet, die ihre Kollegen in Bolivien kontaktiert. Aber irgendwie kommen kaum Informationen in Österreich an. Die Familien setzen alles daran, die Beamten in Österreich davon zu überzeugen, selbst nach Bolivien zu reisen, um vor Ort mitzuhelfen.

Weitere zwei Wochen später, am 21. Februar 2006, treffen endlich zwei österreichische Kriminalbeamte in Lap. Vielleicht zufällig schreibt die Außenministerin Österreichs genau an diesem Tag einen Brief an ihren Amtskollegen in Bolivien, indem sie ihn bittet, alles zu unternehmen, um Katharina und Peter zu finden.

Offensichtlich werden im Hintergrund die Aufnahmen der Überwachungskameras an den betreffenden Bankautomaten ausgewertet, denn am 2. März 2006 tauchen plötzlich Bilder der Überwachungskameras in einer österreichischen Zeitung auf, die zwei Personen zeigen, die mit den Karten Geld abheben. Auf den abgedruckten Fotos sind aber nicht Katharina und Peter zu sehen, sondern zwei fremde Männer.

Mit diesen Fotos wird nun öffentlich nach den abgebildeten Personen gefandet. Zurück in Österreich versuchen die Familien ebenfalls alles in ihrer Macht stehende, um herauszufinden, was mit ihren Kindern geschehen ist. Sie starten eine Internetseite, auf der sie am 8. März folgendes posten. Zitat: “Für Hinweise und Informationen, die dazu führen, dass wir Peter und Katharina finden, wurde eine Belohnung von 6000 US-Dollar ausgesetzt.

Alle Hinweise werden vertraulich behandelt. Wir wollen unsere Kinder, Bruder, Schwester finden. Wir sind nicht interessiert an der Verfolgung der Täter. Zitat: Ende. Dieser Aufruf wird zudem in mehreren Foren geteilt, was dazu führt, dass sich andere Touristen melden und ihre Erfahrungen in Bolivien schildern, doch dazu später mehr.

Außerdem engagieren die Familien ein Privatmittl, einen Profi namens Chelik Magnus. Helik stammt aus Israel und macht sich seit dreig Jahren, stand auf die Suche nach vermissten Menschen und das vor allem in Regionen, in die niemand reisen will, weil es einfach zu gefährlich ist. Es gibt fast nichts, was Relig schon gesehen hat.

 Von Wasserleichen über abgetrennte Körperteile, verschüttete Lawinopfer und so weiter. Er war einer der ersten, die nach dem Tsunami in Thailand 2004 vor Ort war, um Vermisste aufzuspüren. Im Laufe der Jahre hat er sich ein Team von 40 Personen aufgebaut. davon sind Rescue Teammitglieder, darunter Drohnenspezialisten, Digitalsporanalysten, Unterwasserspezialisten, Menschen, die sich an Bergen und Kletscherschluchten herabseilen.

Kurz Experten für jede mögliche Extremsituation. Warum er sich mit 70 Jahren immer noch in Gefahrenzon begibt, wird er gefragt. Hören wir uns die Antwort von ihm selbst an. If I can help, I will help. I can’t say no to any mother. I don’t know how to say no. I feel myself coming search for son boy.

 I feel like my own son. I got no hesitation all. Er sagt außerdem noch etwas sehr bemerkenswertes in diesem Video, nämlich auf die Frage, warum er sein Leben riskiert, um nicht nur Vermisste aufzuspüren, sondern auch Menschen, die wissentlich nicht mehr am Leben sind. Er antwortet Zitat: “Es geht nicht um die verstorbene Person, es geht um die lebenden Angehörigen.

 Denn solange der die Verstorbene nicht gefunden ist, stirbt die Person für die Familien jeden Morgen aufs Neue.” Zitat Ende. Und dieser Mann macht sich schließlich im Auftrag der Familien auf den Weg nach Bolivien, um Katharina und Peter zu finden. Dieser Einsatz wird von den Familien selbst bezahlt. Wie viel genau wissen wir nicht, aber im Internet findet sich, dass ein Einsatz von Hilik und seinem Team grundsätzlich rund 20.000 USDL kostet.

Am 10. März 2006 dann der Schock. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf die bolivianische Polizei, dass die Leichen von Peter und Katharina nahe der Ortschaft Kalamarka gefunden wurden. Aber noch am selben Tag meldet sich der Vater von Peter und dementiert diese Nachricht.

 Er erklärt, daß die beiden gefundenen Überreste laut Zustand der Leichen bereits seit mindestens 18 Monaten tot sein müssen und es sich somit nicht um Peter und Katharina handeln kann. Am 13. März dann wieder neue Nachrichten. Die bolivianische Polizei hat drei Mitglieder einer Bande festgenommen, die mutmaßlich mit dem Verschwinden von Peter und Katharina zu tun haben sollen.

Mittlerweile ist es sech Wochen her, dass die Familien etwas von ihren Kindern gehört haben. Unterdessen wird bekannt, dass ein weiterer Tourist vermisst wird. Dieses Mal von einer Familie aus Spanien. Es handelt sich um Rafael Ernandes, der vor kurzem erst zu seiner Freundin nach Schweden gezogen ist. Er ist allein im Urlaub in Bolivien, aber seit dem 18.

 Januar 2006 hat keiner mehr etwas von ihm gehört. In seiner letzten Nachricht an seine Freundin steht, dass er mit dem Kleinbus auf dem Weg nach La ist. Hört sich bekannt an, oder? Es klingt so, als ob das Verschwinden von allen dreien, also Katharina, Peter und Rafael systematisch ist und irgendwas mit der Fahrt im Kleinbus nach Lapas zu tun hat.

Tatsächlich findet die bolivianische Polizei heraus, daß die drei festgenommenen zu einer Bande von 30 bis 35 Menschen gehören, die regelmäßig Touristen entführen und es auf deren Bank und Kreditkarten abgesehen haben. Meist sind es jedoch sogenannte Expressentführungen. Bedeutet, der Tourist wird gekidnappt, bedroht, bis er die PIN verrätt.

 Dann wird das Geld abgehoben, der Maximalbetrag natürlich und kurz darauf wird der Tourist an irgendeiner Straßenecke wieder ausgesetzt. Das Ganze spielt sich innerhalb weniger Minuten bis maximal einer Stunde ab, deswegen auch die Bezeichnung Expressentführung. Bei Peter und Katharina ist es leider nicht der Fall, sonst wären sie nach der ersten Abhebung wieder aufgetaucht.

Die Ermittlungen durch die Befragung der festgenommenen Männer ergeben, dass Katharina und Peter auf den Taxirrick hereingefallen sind. Kurz nach ihrer Ankunft am Busbahnhof in Lapas müssen beide in ein falsches Taxi eingestiegen sein. Dieser Trick ist allgemein in Lateinamerika weit verbreitet, findet also nicht nur in Bolivien statt.

Die Masche ist wie folgt. Nachdem man in das falsche Taxi eingestiegen ist, steigt ein weiterer vermeintlicher Tourist dazu. Frau, Mann, ganz egal. Wie gesagt, es ist eine Bande von über 30 Personen und immer die gleiche Abfolge. Manchmal werden die Touristen auch vor dem Einsteigen angesprochen, ob man sich ein Taxi teilen will.

 Die Touristen fühlen sich von anderen Touristen nicht bedroht und willigen meist ein. Und wenn nicht, steigt eben kurz darauf ein weiterer Tourist in Anführungsstrichen zufällig dazu. Wenn dann alle im Taxi unterwegs sind, gibt es plötzlich eine vermeintliche Polizeikontrolle, bei der weitere Mitglieder der Bande als Polizisten verkleidet sind und die Vergäste auf Drogen untersuchen.

Bei dem angeblichen Touristen, also der zugestiegenen Person, werden natürlich auch Drogen gefunden und dadurch müssen alle, also auch die ahnungslosen Touristen, mit aufs Revier. Dass es dieses Revier ebenfalls nicht wirklich gibt, ist klar, aber selbst dafür haben die Verbrecher ein Haus als Polizeistation inszeniert.

 Und erst im Revier wird den Touristen meist klar, was hier eigentlich vor sich geht. Doch dann ist es bereits zu spät, weil sie dort der ganzen Bande samt Waffen ausgeliefert sind. Das Haus dient dazu, die Touristen tagelang festzuhalten, um so viel Geld wie möglich abzuheben. Wir haben bereits besprochen, dass man in Bolivien pro Tag nur einen Maximalbetrag von 450 US-Dollar, 365 € abheben kann.

 Dazu muss man wissen, dass diese Summe einem halben Jahresgehalt in Bolivien entspricht. Für viele von uns sind knapp vier Euro auch viel Geld, aber natürlich nichts im Vergleich dazu, wie viel Geld es für arme Länder wie Bolivien bedeutet. Und der bolivianische Staat hat eben irgendwann festgelegt, dass man nicht mehr als ein halbes Jahresgehalt pro Tag abheben darf.

Im Fall von Katharina und Peter bedeutet das natürlich, daß sie zwei Karten haben, mit denen sie diesen Betrag abheben können. Heißt pro Tag ein ganzes Jahresgehalt. Das ist natürlich ein lukratives Geschäft für Verbrecher. Die bolivianische Polizei kann durch die Aussagen der Verdächtigen dieses Haus am 17. März ausfindig machen.

Es befindet sich im Stadtteil Mora Flores in der Nähe der Universität. Katharina und Peter wurden in einer Wohnung im ersten Stock festgehalten. Sie können im Haus falsche Uniform sicherstellen, die höchstwahrscheinlich bei der Entführung verwendet wurden. Doch wo sind Katharina und Peter? Privatermittlerig Magnus bekommt am 3.

April 2006 Zugang zu den Verdächtigen und tatsächlich schafft er es dem jüngsten erst 19-jährigen mutmaßlichen Täter ins Gewissen zu reden, bis dieser den Aufenthaltsort von Katharina und Peter bekannt gibt. Er erzählt Rilik, dass das Pärchen in den Norden der Stadt gebracht wurde, dort, wo viele Obdachlose leben und auf einem illegalen armen Friedhof namens Layamita begraben wurden.

Für alle, die zuschauen, habe ich alte Satellitenbilder vom Friedhof eingeblendet, denn mittlerweile ist der Friedhof nicht mehr illegal und die ganze Umgebung sieht auch ganz anders aus. Im Gegenzug für etwas Essen, vier Flaschen Bein und fiffolivianus haben sie zwei Obdachlose damit beauftragt, ein Grab zu schaufeln, das tief genug ist, um zwei Särge übereinander zu stapeln.

Sge ist natürlich übertrieben. Es sind einfach nur zwei primitiv zusammengeschusterte Holzkisten. Einen Tag später, am 4. April 2006 werden Katharina und Peter genau an besagter Stelle gefunden und geborgen. Beide haben Fesseln an Händen und Füßen. Die Untersuchung der Gerichtsmedizin ergibt, dass Katharina und Peter erstickt wurden.

In den spanischsprachigen Quellen dazu steht, dass sie Klebeband über dem Mund hatten. In den deutschsprachigen Quellen spricht man von Plastikt über dem Kopf. Es kann also sein, dass entweder eins von beiden oder beide Sachen zutreffen. In jedem Fall ist es eine grausame Weise zu sterben. Peter hat außerdem ein Schädeltrauma am Hinterkopf, das von einem Schlag stammen könnte.

Es ist jedoch genauso möglich, daß er auf einem Stuhl gefesselt saß und im Todeskampf mit dem Stuhl nach hinten gekippt und mit dem Kopf aufgeschlagen ist. Nach Aussagen der Verdächtigen waren sechs Menschen am Mord beteiligt und anwesend, als Peter und Katharina starben. Sie sagen außerdem, dass sie Katharina und Peter am 28.

 Januar eigentlich freilassen wollten. Im Internet stehen unterschiedliche Angaben, wann Katharina und Peter ermordet wurden. Manche Quellen sprechen sogar vom 15. bis 19. Februar. Das macht für mich aber wenig Sinn, da die Karten am 8. Februar gesperrt wurden. Warum sollten Sie Katharina und Peter also noch mehr als eine Woche festhalten? Außerdem steht auf der Internetseite, die die Familie eingerichtet hat und vor allem auf dem Grabstein der beiden. 28.

Januar 2006, also bereits zwei Tage, nachdem sie entführt wurden und der Tag, an dem die Entführer von Freilassung sprachen. Was genau passiert ist, warum sie Peter und Katharina nicht einfach gehen lassen haben wie die meisten anderen zuvor, wurde nie öffentlich bekannt. Übrigens findet Rilig Magnus auch den vermissten Spanier. Er wird am 21.

 April auf dem gleichen armen Friedhof ausgegraben. Die Ermittlungen ergeben, dass er im Erdgeschoss des gleichen Hauses wie Katharina und Peter gefangen gehalten wurde. Ob die drei voneinander wussten, ist nicht bekannt. In einer Quelle steht sogar, dass Peter, Katharina und Rafael zusammengereist sind und auch auf gemeinsam in Fotos in Kopacabana zu sehen sind, aber alle Quellen gegeneinander gecheckt, passt das von den Daten her für mich überhaupt nicht zusammen.

 Von daher ist die wahrscheinlichste Version, dass Rafael am 18. in Januar gekidnappt und in dieses Haus gebracht wurde. Solange die Karten nicht gesperrt sind, gibt es erstmal keinen Grund, die Menschen freiulassen oder eben zu töten. Den Ermittlungen zufolge wird Rafael am 30. Januar, also zwei Tage nach dem Mord an Katharina und Peter, in ein anderes Haus in Purapoda gebracht.

 Das ist ein riesiges Waldstück mit abgelegenen Häusern weit weit oben in der Stadt und dort wird er letztendlich durch drei Schüsse, einen in den Kopf sowie zwei in den Brustkorb hingerichtet. Am 30. Januar dann werden alle drei Leichen auf besagten Friedhof gebracht und von den Obdachlosen begraben. Kurz nach der Obduktion werden Peter und Katharina nach Österreich überführt.

Am Dienstag den 18. April 2006 kommen 200 trauernde auf den Wiener Zentralfriedhof. In der Bestattungshalle läuft Nothing Else Matters von Metallica und Wish You were here von Pink Floyd, während die Menschen von Katharina und Peter Abschied nehmen. Mit Rosen in den Händen sprechen die engsten Angehörigen von der Lebenslust der beiden und über das, was die beiden alles zusammen unternommen haben.

Einer spricht davon, dass Peter an Katharina den Menschen fürs Leben gefunden hatte. Genau aus dem Grund entscheiden die Familien auch, beide in einem gemeinsamen Grab zu bestatten und sie nicht zu trennen. In den Suchforen und der Internetseite von Katharina und Peter drücken die Menschen ihre Anteilnahme aus.

Weitere erzählen von ihren eigenen Erfahrungen in Bolivien, vor allem in Laas. Um sich besser vorstellen zu können, in was Katharina und Peter und auch Rafael da reingeraten sind, die eben nicht mehr erzählen können, was passiert ist, lese ich im folgenden drei Erfahrungsberichte vor. Bitte denk dran, das sind Erfahrungsberichte, die im Jahr 2006 geschrieben wurden.

 Offensichtlich gibt es diese Taximasche aber immer noch oder wieder. Dazu kommen wir gleich noch. Deswegen sollen euch die folgenden Erfahrungsberichte als Prävention dienen, damit jeder, der hier zuhört, davor gewarnt wird. Der erste Bericht stand von einer Frau namens Anke. Zitat: “Genauso ein paar waren mein Freund und ich, als wir unsere Südamerika Reise machten.

 Und obwohl unser Erlebnis in Bolivien nun schon zwei Jahre zurückliegt und ich lange nicht mehr dran gedacht habe, lief es mir kalt den Rücken runter, als ich alles hörte. Wir hätten auch sterben können, denn uns ist genau das gleiche passiert. Wir kamen mit dem Bus aus Peru über Kopacabana nach Lapas. Normalerweise halten alle Busse am Busbranhof, doch Busse aus Kopabana halten direkt im Stadtzentrum, was für Touristen viel gefährlicher ist.

 Das falsche Taxi parkte direkt hinter dem Bus. Wir fühlten uns sicher, kannten Lapt schon und wußten genau, in welches Hostel wir wollten. Bald darauf stieg der falsche Tourist ein. Dann der falsche Polizist. Dann wollten sie die Kreditkarten und Geheimnummern. Ich wollte mich weigern, doch mein Freund gab sie ihn und das hat wohl unser Leben gerettet.

 In einem einsamen Stadtteil mussten wir aussteigen. Freundlicherweise luden sie auch unsere großen Rucksäcke aus dem Kofferraum aus. Da standen wir dann ohne Kreditkarten, aber mit dem Leben, den Fotos und all unseren Sachen. Ein Taxi vorbei, ein Passagier saß drin, eine Polizistin auf dem Heimweg von der Arbeit. Auf unser Winken hielten sie sofort an und nahmen uns mit zum Busbahnhof zur Touri Info.

 Nach einer Stunde waren die Karten gesperrt. Abends im Hostel lagen wir zu zweit in einem Einzelbett und verstanden langsam, was schreckliches passiert war und was wir für ein Glück hatten. Am nächsten Tag fuhren wir zur deutschen Botschaft, deren Hilfe lediglich darin bestand, dass unsere Eltern uns anrufen konnten, um uns Geld zu schicken mit Western Union.

Wir erstatteten auch Anzeige bei der bolivianischen Touristenpolizei, die meinten, die Titterkimmen aus Peru wären längst über die Grenze und könnten nicht gefasst werden. Ab da waren wir noch vorsichtiger. Wenn möglich, stiegen wir mit anderen eindeutig echten Touristen in die Taxis, sass kein Platz mehr für zusätzliche Passagiere war.

 Wir ließen die Taxis vom Hostel unseres Vertrauens rufen und schrieben die Nummer des Radiotaxis auf. Die großen Rucksäcke waren immer auf dem Schoß. sodass wir sofort mit allem rausspringen konnten, wenn nötig. Entspannt war keine Taxifahrt mehr. Zurück in Deutschland schickte ich eine ausführliche Mail an den Bolivienreiseführer von Reisenoowhow, der während der Reise eine große Hilfe gewesen war.

Eine ausführliche Mail ging auch an das auswärtige Amt mit der Bitte, die Taxipolizistennummer bei Warnhinweisen zu erwähnen, denn die Warnhinweise hatten wir zu jedem Land vorher gelesen. Leider kam nur eine automatisierte MLA Antwort und keine weitere Reaktion. Ein Hinweis hätte vielleicht die schrecklichen Morde und Entführungen verhindert.

 Es ist unverständlich, warum die Täter ungehindert täglich weiter ihre Verbrechen ausüben können und im Jahr 2006 trotz mehrfacher Anzeigen, immer noch an genau der gleichen Stelle die Touristen entführen wie im Jahr 2004. Inzwischen, so habe ich gesehen, sind die Warnhinweise des auswärtigen Amtes für Bolivien verbessert worden, was ihrem Engagement zu verdanken ist und hoffentlich vielen Touristen furchtbare Situationen ersparen wird.

 Traurig, dass immer etwas schreckliches geschehen muß, bevor wirkt werden können. Unsere vielen bolivianischen Freunde waren sehr unglücklich darüber, was uns passiert ist und sie hatten uns immer vor der Gefahr gewarnt. In Lapas z.B. gaben sie uns die Visitenkarte von einem sicheren Taxifahrer.

 Doch in der Eile und falsch gefüllten Sicherheit nahmen wir das nächstbeste Taxi. Zitatende. Ein zweiter vorneintrag einer namentlich nicht genannten Nutzerin lautet: Zitat: “Auch. Ich reiste vergangenes Jahr mit meinem Freund durch Südamerika. Unter anderem waren wir in Bolivien. In Santa Gruß ist uns dann fast dieselbe Geschichte passiert, nur daß wir unheimliches Glück hatten.

Ich war zwar schon damals unheimlich froh über den glimpflichen Ausgang, doch wird mir erst heute richtig bewusst, wie es auch hätte ausgehen können. Auch bei uns gab es einen Pseudotouristen aus Eador, der uns schon vorher ansprach. Nachdem wir eine Weile mit ihm gesprochen hatten, kam der Polizist, der uns kontrollierte, uns zur Überprüfung unserer angeblich gefälschten Ausweise aufs Revier mitnehmen wollte.

 Er hielt ein wahrscheinlich vorher bekanntes Taxi an und schon waren wir mittendrin. Im Taxi wechselte die Situation schnell zu einer Drogendurchsuchung. Der Polizist steckte seine Nase buchstäblich in all unsere Sachen, um Kokain zu finden. All das war schon sehr merkwürdig, bis er dann die Pinnummern zu unseren Konten haben wollte, um zu überprüfen, ob wir größere Geldsummen für eventuelle Drogengeschäfte verbraucht hätten.

 Der andere Tourist gab bereitwillig seine PIN, wahrscheinlich um uns auch zum Handeln zu bewegen. Wir haben uns geweigert, verlangt zur Polizeistation zu fahren. Irgendwie fing ich an zu weinen und auf einmal ließen sie uns aussteigen. Nach kurzer Bilanz stellten wir fest, dass unser Fotoapparat fehlte. Sicherheitshalber ließen wir unsere Konten sperren.

Anscheinend war unser Polizeiteam noch nicht so abgebrüht. Wahrscheinlich merkten sie, dass ohne Gewalt nichts aus uns herauszubekommen war und wahrscheinlich nahm sie da hervorlieb mit der Kamera. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie glücklich ich bin, dies hier noch schreiben zu können. Vor allem, wie tief erschüttert bin, daß dies Menschen genau wie ich und mein Freund nicht mehr können.

 Katharina und Peter haben keinen Fehler gemacht. Sie mussten trotzdem mit ihrem Leben bezahlen. Zitat Ende. Ein letzter Vor und Eintrag, den ich euch vorlesen will, stammt von einem Mann namens Stefan, der ebenfalls von seinen Erfahrungen in Bolivien berichtet. Hier war es ein bisschen anders. Zitat: “Memla in Südamerika im letzten Jahr, Ende September bis Ende November 2005, wollte ich zusammen mit einem Freund das vergangene Jahr 2005 verarbeiten.

Wir sind in Lima gelandet und flogen von Santiago de Chile zurück. Die Reiserute führte uns natürlich auch durch Bolivien. In Cocher Bamba ist uns dann genau dasselbe passiert, wie Sie auf ihrer Homepage schildern. Es war ein Sonntagmittag und sehr warm. Wir hatten schon die Tickets zur Weiterfahrt nach SKre gebucht.

 Die Zeit bis zur Abfahrt wollten wir damit verbringen, uns die übergroße Jesustatue anzuschauen. Als wir dort angekommen waren, diskutierten wir, ob wir lieber die Salb nehmen oder hochlaufen sollten. Wir einigten uns, hochzufahren und runterzulaufen. Dann wurden wir von einem argentinischen Touristen angesprochen, der den Eingang zur Seilbahn suchte.

 Wir zeigten ihm den Weg. Plötzlich hielt ein Taxi und der Taxifahrer gab vor, nicht viel Arbeit zu haben an einem Sonntag und bot uns eine billige Fahrt nach oben an. Wir nahmen an und schon da kam es mir komisch vor, dass der Taxifahrer nicht zuließ, dass mein Kumpel vor auf dem Beifahrersitz Platz nahm.

 Nun saßen wir also zu dritt hinten und es geschah, was geschehen mußte. Der Taxifahrer nahm nicht den direkten Weg nach oben zur Statue, sondern machte einen Umweg. Irgendwo stieg dann vorne jemand zu, der uns sein Polizeiausweis zeigte und nach Drogen suchte. Er fing beim argentinischen Touristen an, um uns in Sicherheit zu wiegen.

 Richtig misstrauisch wurden wir dann, als uns der Polizist nach unseren Pins der Kreditkarten fragte. Wir gaben vor, sie nicht zu kennen und nie damit Geld zu holen, sondern nur mit den Reisechecks und bestanden darauf, zu einem Polizeirevier gebracht zu werden. Anscheinend ging der Polizist in Anführungstrichen darauf ein.

 Irgendwann gab er vor, wir wären nun am Revier angelangt und gab uns unsere Tagesrucksäcke zurück. Ich war so froh, endlich aus diesem engen Taxi aussteigen zu dürfen, daß ich nicht in meinen Rucksack schaute, ob noch alles da war, sondern lediglich nach meinem Pass schaute. Kaum waren wir aus dem Taxi ausgestiegen, gab der Fahrer Gas und sie waren weg.

 Ich konnte mir zwar noch das Kennzeichen merken, aber das hat am Schluss auch nicht geholfen. Schaden für uns beide zusammen knapp 600 €. Wir haben noch lange diskutiert, was wir falsch gemacht haben und sind zu dem Schluss gekommen, daß wir einfach nur Glück hatten. Es wäre ein leichtes gewesen, uns einfach irgendwo hinzufahren und uns dort komplett auszurauben.

 Wer weiß schon, was für Waffen der falsche argentinische Tourist in seiner Tasche hatte. Die Regierungen der südamerikanischen Länder sind alle auf den Tourismus angewiesen. Wenn diese Geschichten größere Kreise ziehen, hat das fatale Folgen für den Tourismus in diesen Ländern. Zitat Ende. So und so ähnlich lesen sich noch etliche weitere Einträge.

 Natürlich auch von Menschen, die direkt am Bankautomaten oder auf offener Straße beraubt wurden. Und das nicht nur in Bolivien, sondern allgemein in Lateinamerika, dort wo das Gefälle zwischen Arm und Reich besonders groß ist. Eine der Schlagzeilen nach dem Doppelmord lautet: Zitat: “Die Bankkarte glich einem Todesurteil. Zitat Ende.

 So sehen es auch die Eltern von Katharina und Peter und haben sich in der Folge dafür eingesetzt, daß das tägliche Abhebelimit an Geldautomaten in Bolivien auf 20 US-Dollar pro Tag heruntergesetzt wird. Das entspricht etwa einem wöchentlichen Gehalt in Bolivien. Das würde solche Entführungen natürlich weitaus weniger attraktiv machen, denn im Fall von Katharina und Peter hätte die Bande im gleichen Zeitraum von 14 Tagen nur 280 US-Dollar pro Karte und pro Person erbeutet, statt den 6300 US-Dollar pro Person. Ich habe jetzt im

Jahr 2025 natürlich online geschaut, was das aktuelle Limit ist und da steht zum einen 500 US-Dollar und zum anderen Zitat richtet sich nach der Bank im eigenen Land und dem eigens eingerichteten Abhebelimit. Zitatende. Wahrscheinlich ist es also ratsam, selbst das Abhebelimit vor einer Reise festzulegen und für die Reise auch ein extra Konto zu haben, also sowie eine kleine Reisekasse und nicht Zugriff auf das ganze Girokonto zu haben.

Experten raten, statt mit Kreditkarten mit Reisechecks zu bezahlen, die können nur am Bankschalter gegen die eigene Unterschrift eingelöst werden. Weiß ich jetzt nicht, denn gerade wenn du zu zweit unterwegs bist, kann eine Person ja festgehalten werden und die andere wird in Gewalt gezwungen, das Geld währenddessen abzuheben.

 Zumindest wird mittlerweile auf der Seite des auswärtigen Amtes vor dem organisierten Verbrechen in Bolivien gewarnt, gerade auch, was die Taximasche angeht. Das war wohl im Jahr 2006 noch nicht so, bedeutet aber gleichzeitig, dass es 20 Jahre später immer noch oder halt wieder stattfindet. Falls ihr in solche Länder reißt, schaut euch vorher an, wie alles aussieht.

 Das Internet ist der perfekte Ort, um sich vorher alle Risiken durchzulesen, sich anzuschauen, wie richtige Taxis in welchem Land aussehen. Z.B. In Bolivien sind die richtigen Taxis, die sogenannten Radiotaxis mit der Nummer oben drauf, also auf dem Dach, einem Ausweis in der Frontscheibe und so weiter. Interessanterweise, als ich den Friedhof in La gesucht habe, bin ich per Google Street VIW die Straßen abgefahren, so wie ich das immer mache, um mich mit den Gegnern vertraut zu machen und bin auf einmal in einer

Gasse stecken geblieben. Also, wo es nicht weitergeht, drehe mich also mit der Kamera um. Und was steht genau vor mir? Ein schwarzes Taxi ohne Nummer, ohne irgendwas, nur der Name Taxi. Ich sag mal so, in genau das würde ich nach dieser Recherche hier z.B. nicht einsteigen. Obwohl die Farben für Taxen dort unterschiedlich sind, ist wohl das beste Merkmal die Nummer auf dem Dach und noch ein paar andere Markierungen in der Frontscheibe.

 Aber wie gesagt, schaut euch das für euer Reiseland vorher genau an. Ich persönlich wüßte auf Anhieb auch nicht mal, wie offizielle Taxis in unseren neuen Nachbarländern aussehen. Geschweige denn weltweit. Kommen wir nun zur Strafverfolgung der Täter. Wir hatten besprochen, dass mit dem März drei Verdächtige festgenommen wurden.

 Der Jüngste davon hat ausgepackt und nicht nur die Morde gestanden, sondern auch den Kopf der 30 Mannbande genannt, nämlich Ramero Milan Fernandez. Dieser war zwar bei den Morden wohl nicht dabei, soll sie aber ein Auftrag gegeben haben. Nun gilt es also ihnen Ding festzumachen, mal wieder, denn dieser Typ ist wahrlich kein Unbekannter für die bolivianische Polizei.

 Erst im Jahr zuvor wurde er wegen der Entführung von französischen Soldaten verhaftet, kam durch einen gerichtlichen Beschluss, wenig später aber wieder auf freien Fuß. Jetzt im Jahr 2006 ist aber einiges anders, vor allem durch den neuen Präsidenten Evo Morales. Er ist der erste indigene Präsident Boliviens seit Ende Januar 2006 im Amt und er will alles anders machen, insbesondere gegen Korruption vorgehen.

Dazu gründet er im Laufe seiner Amtszeit ein eigenständiges Antikorruptionsministerium. Durch die internationale Aufmerksamkeit am Mord von insgesamt drei Touristen ist Wechsehen ohnehin nicht mehr möglich. Und Korruption ist genau das richtige Stichwort, denn es stellt sich heraus, dass ein Polizist der Sonderabteilung für schwere Kriminalfälle, die auch mit diesem Fall betraut wurden, in engem Kontakt mit dem Bandenchef stand und ihm immer wieder Informationen gegeben hat, wodurch dieser sich permanent einer

Festnahme entziehen konnte. Zudem hat ein bestimmter Staatsanwalt beide gedeckt, also Polizist und Bandenchef, sodass sie keine Strafverfolgung zu befürchten hatten. Siehe, was ich gerade erwähnt habe mit der Freilassung nach der Entführung der französischen Soldaten. Korruption ist in Bolivien und anderen südamerikanischen Ländern ein riesen Thema.

Der israelische Privatermittler Hilig Magnus sagt dazu, Zitat: “Das bolivianische System mit völlig unterbezahlten, unfassbar schlecht ausgestatteten und teilweise korrupten Polizeibeamten bietet den Verbrechern erst die geeignete Operationsbasis und die Gesetzeslage ermutigt Kriminalität sogar.” Nachdem besag der Staatsanwalt im April 2006 vom Fall Katharina und Peter abgezogen und der Polizist suspendiert wird, wird auch die komplette Polizeieinheit aufgelöst und durch eine neue Spezialeinheit der Polizei ersetzt.

Außerdem wird eine neue Staatsanwältin mit dem Fall betraut. Der Hauptverdächtige Ramiro Milan Fernandez flieht von Stadt zu Stadt und kann sich monatelang einer Festnahme entziehen. Doch am 27. August 2006 klicken endlich die Handschellen. Ironischerweise sorgt er letztendlich selbst für seine Festnahme, denn er wird auf frischer Tat ertappt, als er in der Stadt Trinidad zusammen mit seiner Ehefrau in den frühen Morgenstunden in ein Geschäft einbricht, um Handys zu stehlen.

Seine Frau, die natürlich auch zur Bande gehört sowie ein weiterer Mittäter werden ebenfalls festgenommen. Ich werfe kurz ein, dass für die folgenden Informationen, was die Prozesse und Verurteilung betrifft, bei den Quellen auf Deutsch mit unterwes spanischsprachigen Quellen. Deswegen fasse ich euch das zusammen, was ich als gesicherte Fakten festmachen konnte.

Insgesamt sind es acht Personen, denen der Prozess gemacht werden soll. Die dreier Mordbeteiligten Täter, außerdem der Kopf der Bande Ramiro Milan und seine Ehefrau, ein weiterer Komplize sowie die beiden Obdachlosen, die die Leichen verschart haben. Doch der Prozess gegen alle lässt lange auf sich warten, solange, dass zwischendrin sogar befürchtet werden muss, dass alle wieder freikommen, da man in Bolivien innerhalb einer bestimmten Frist angeklagt werden muss.

 Im August 2007 beginnt dann aber der erste Prozess. Auf der Anklagebank sitzen die zwei Totengräber und derjährige Haupttäter, der zugleich zum wichtigsten Zeugen wird. Er sagt, wie auch schon bei seiner Vernehmung ausführlich über die Morde an den drei Touristen aus und belastet seine Komplizen sowie Auftraggebers schwer. Er wird zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt, die anderen beiden Angeklagten zu nur 3 Jahren.

Ab dem 14. April 2008 stehen dann auch Bandenchef Ramiro Milan Fernandez, seine Ehefrau und sein Komplize vorgericht. Das Verfahren zieht sich bis Ende Juni, weil die Staatsanwältin plötzlich von dem Fall abgezogen wird und erst nach mehreren Interventionen wieder eingesetzt wird, also ein ständiges Hin und Her. Dann endlich am 21.

 Juni 2008 nach einer letzten 15stündigen Marathonsitzung werden die beiden männlichen Angeklagten wegen Entführung, schweren Raubes und Mordes zur in Bolivien geltenden Höchstrafe von 30 Jahren haft, ohne die Chance auf vorzeitiger Entlassung verurteilt. Die Ehefrau wird zu 15 Jahren Haft verurteilt. Auf der Anklagebank saß außerdem der Besitzer einer Kneipe, in der sich die Bandenmitglieder getroffen und die Taten geplant und besprochen haben sollen.

 Ihm konnte aber keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden und er wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Wenn ihr mitgezählt habt, sind das insgesamt sieben Personen, die vor Gericht standen. Was mit Nummer 8 geschehen ist, konnte ich leider nicht herausfinden. Gamedo Milan und der Komplize kommen ins Hochsicherheitsgefängnis Jean Chocodo, 35 km außerhalb von Lapas.

Es gilt als das sicherste Gefängnis Boliviens. Ob nach außen bewacht oder auch innerhalb, ist die Frage, denn knapp drei Jahre später, am 3. November 2011 wird Ramedo Milan 22:30 Uhr tot in seiner Zelle aufgefunden. Die Behörden sprechen von Selbstmord, da es keine Anzeichen von Gewalt gibt. Wir erfahren aber auch nicht, wie er gestorben ist.

Könnte man meinen, klar, 22:30 Uhr war allein in seiner Zelle. Wer soll es sonst gewesen sein? Aber in einem Gefängnis, wo ausschließlich Mörder einsitzen, weiß man eben nie. Interessanterweise habe ich mir ein Video über dieses Gefängnis angeschaut. eigentlich nur, weil ich hören wollte, wie die Einheimischen John Chocodo aussprechen.

Habe das Video aber dann nebenbei weiterlaufen lassen und erstens dadurch erfahren, dass die Werder 22:30 Uhr ihren letzten Rundgang machen und die Zellen abschließen. Deswegen wurde er auch genau zu diesem Zeitpunkt gefunden. Und zweitens, wer taucht auf einmal in diesem Video auf? Der Komplize, also der andere Mann, der zu dreig Jahren Haft verurteilt wurde, nicht derjährige.

Ich habe den Namen ja hier nie erwähnt, weil der Typ unwichtig ist, aber im Video stellen sie ihn eben vor und sagen, warum er dort im Gefängnis sitzt, nämlich wegen dem Mord an Katharina und Peter im Jahr 2006. Die Reportage ist von 2013. Wie gesagt, ich lass es laufen und dann rappt er da in dem Video auch noch stolz, wie er jemanden erschossen hat auf der Suche nach Geld und wie er einen Bruder getötet hat, der sich ihm in den Weg gestellt hat.

 Wer weiß, wenn er mit Bruder meint, will ich damit sagen. Fakt ist, Katharina, Peter und Rafael werden nicht seine einzigen Opfer gewesen sein. Die Frage ist und bleibt aber, warum genau diese drei sterben mussten, denn die Kreditkartenentführungen passieren bzw. passierten damals quasi täglich. Die meisten Opfer werden wieder freigelassen, die Erfahrungsberichte, die ich euch erst vorgelesen habe.

 Und auch im Jahr 2009 gab es eine Entführung, die es in die Schlagzeilen geschafft hat. Denn am 19. März 2009 wurden auf die gleiche Art und Weise zwei Schweizerinnen entführt, die ebenfalls mit dem Kleinen Bus von Kopacabana nach Lapas gereist sind. Die zwei Frauen und Jahre alt wurden genau wie Katharina und Peter in Höhe des Zentralfriedhofs von Lapas entführt und in ein Haus gebracht.

 Bei ihnen wurde aber nicht die Pin gefordert, sondern eine Lösegeldforderung an deren Familien in Höhe von 30.000 US-Dollar. Drei Tage später waren Dollar auf dem Konto der Bande und die beiden Frauen wurden unter Androhung von Mord, sollten sie irgendwas sagen, direkt am Flughafen abgesetzt, um das Land zu verlassen. Gott sei Dank.

 Natürlich hatten die Familien der beiden aber längst die Behörden involviert. Nachdem sich die Schweizerinnen direkt am Flughafen an die Polizei gewendet hatten, begann die Jagd nach den Tätern, die wiederum zwei Tage später am 24. März festgenommen wurden, überführt durch die Aufnahmen der Videokameras der Bank. Die Behörden haben nach dieser Festnahme gesagt, dass die Titter Überbleibsel der Truppe rund um Ramiro Milan sind.

 Aber wer weiß das schon? Vielleicht haben sie das auch nur gesagt, um die Bevölkerung bzw. Touristen zu beruhigen, dass jetzt wirklich alle der Gruppe gefasst sind. Das heißt aber nicht, dass es da draußen nicht etliche andere Banden gibt, die genau das gleiche abziehen. Denn wie vorhin schon angesprochen, ist es für die Kriminellen ein lukratives, einfaches und schnelles Geschäft.

Peters Vater schreibt in seiner Petition Zitat: “Alein die Bande, die Peter und Katharina entführt und ermordet hat, macht im Monat zwischen 50 und 70.000. Es braucht ja nur eine Karte und den Pincode, um risikofrei an jedem Straßeneck für lokale Verhältnisse unermessliche Beträge zu gelangen. Von Peter und Katharinas Konten konnten 14 Tage lang jeden Tag die Maximalbeträge abgehoben werden.

 Das sind insgesamt 12600 US-Dollar, obwohl Rucksacktouristen in Bolivien in diesem Zeitraum bestenfalls 100 US-Dollar zu zweit verbrauchen. Zitat Ende. Doch im Jahr 2006 haben Peters Eltern zusammen mit dem Institut für molekulare Pathologie eine Auszeichnung ins Leben gerufen, die auf 2000 € datiert ist und seitdem jedes Jahr an den vielversprechendsten Doktoranten des Instituts vergeben wird, mittlerweile also seit 19 Jahren.

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