Wencke Myhre: Das bewegte Leben der Musik-Ikone zwischen skandinavischem Glanz, schweren Schicksalsschlägen und dem späten Liebesglück
Die europäische Musikgeschichte kennt nur wenige Persönlichkeiten, die eine derart emotionale, von extremen Höhen und tiefen Abgründen gezeichnete Lebensreise hinter sich haben wie Wencke Myhre. Als die strahlende Norwegerin in den späten 1960er Jahren die Herzen von Millionen Fernsehzuschauern im Sturm eroberte, schien ihre Welt ein makelloses Märchen zu sein. Sie wurde als Sonnenschein des Nordens gefeiert, als unerschöpfliche Quelle von Lebensfreude und jugendlicher Leichtigkeit. Doch hinter dieser perfekt inszenierten Kulisse verbarg sich eine harte, oft unbarmherzige Realität. Als der Ruhm für die Sängerin zur emotionalen Falle wurde und jene Partnerschaften zerbrachen, die ihr einst ewige Geborgenheit versprochen hatten, glaubten viele Beobachter, Wencke Myhre sei für immer gebrochen. Mehr als ein halbes Jahrhundert später setzt die Künstlerin nun ein schier unglaubliches Zeichen gegen das Vergessen und den Lauf der Zeit: Sie blickt gelassen auf die dunkelsten Kapitel ihrer Vergangenheit zurück und verkündet überglücklich, dass sie nach jahrzehntelangen Spekulationen endlich die vollkommene Wahrheit über ihr Leben und ihre große Liebe ausgesprochen hat.
Der Grundstein für diesen eisernen, fast übermenschlichen Überlebenswillen wurde bereits in den Nachkriegsjahren in Norwegen gelegt. Am 15. Februar 1947 in Kjelsås, einem Arbeiter- und Industrieviertel von Oslo, geboren, war das Leben der kleinen Wenche von Mangelwirtschaft und strengen Wintern geprägt. Im bitteren Winter der frühen 1950er Jahre musste sie sich mit aufgerissenen Schuhsohlen durch den Schnee kämpfen und den Spott der Mitschüler über ihre zerschlissene Kleidung ertragen. Doch statt sie zu brechen, wirkten diese frühen Demütigungen wie ein Katalysator: Sie lernte früh, dass man sich im Leben keine Schwäche erlauben darf. Der musikalische Vater und ihr später als Saxophonist bekannter Bruder förderten ihr Talent, und so stand Wenche bereits mit sieben Jahren erstmals auf einer Bühne. Nach einer harten Absage in ihrer Jugend – eine Gesangslehrerin attestierte ihrer Stimme einst, sie sei zu rauchig und ungezügelt – kämpfte sie sich im Jahr 1960 beim legendären Talentwettbewerb der Zeitung „Verdens Gang“ an die Spitze. An ihrem 13. Geburtstag unterschrieb sie ihren ersten Plattenvertrag und stieg rasch zum norwegischen Wunderkind auf.
Mit dem Sprung nach Deutschland im Jahr 1966 begann ihre beispiellose internationale Karriere. Unter dem Namen Wencke Myhre eroberte sie mit Hits wie „Ein Hoch der Liebe“ und dem absoluten Jahrhundert-Gassenhauer „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ von 1970 die Herzen des deutschen Publikums. Sie wurde zum gefeierten Superstar, der zwischen Oslo und den großen Fernsehstudios pendelte. Doch der Erfolg hatte seinen Preis. Ihre erste Ehe mit dem dänischen Zahnarzt Torben Fries-Möller, geschlossen auf dem Zenit ihres Ruhms im Jahr 1969, endete nach zehn Jahren in einem zermürbenden Rosenkrieg, belastet durch die ständige Abwesenheit auf Tourneen und quälende Eifersucht. Kurz darauf trat Michael Pfleghar in ihr Leben – ein visionärer Regisseur und Medienmogul, den sie 1980 in Las Vegas heiratete. Die Ehe entwickelte sich jedoch zu einem offenen Schlachtfeld zweier starker Alphatiere, überschattet von medialen Skandalen, heftigen Boulevard-Schlachten und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch von Pfleghars Projekten. Nach der offiziellen Scheidung im Jahr 1990 folgte die größte Tragödie ihres Lebens: Am 23. Juni 1991 nahm sich Michael Pfleghar in Stuttgart das Leben. Die anschließende bösartige Kampagne einiger Boulevardmedien, die ihr die Mitschuld an der Tragödie zuschreiben wollten, verlangte ihr und ihren vier Kindern schier unmenschliche Kraft ab.
Wencke Myhre bewies jedoch einmal mehr ihren unbändigen Überlebenswillen. 1992 meldete sie sich mit der kraftvollen Hymne „Wie leben“ musikalisch zurück und strafte alle Zweifler Lügen. Nach einer weiteren, kurzぇn Ehe mit dem norwegischen Immobilien-Tycoon Arthur Buchardt, die ebenfalls an unüberbrückbaren Differenzen über ihre Karriere scheiterte, fand sie im Jahr 2000 schließlich den Mann an ihrer Seite, der ihr Halt und wahre Seelenverwandtschaft schenkte: den schwedischen Dirigenten und Komponisten Anders Elias. Doch das Schicksal hielt noch eine harte Prüfung bereit. Im Jahr 2010 wurde bei Wencke Myhre Brustkrebs diagnostiziert. Die aggressive Chemo-Therapie forderte einen schweren Tribut, doch Anders Elias wich keinen Schritt von ihrer Seite, hielt ihre Hand und gab ihr die Kraft, den Krebs zu besiegen. Völlig krebsfrei kehrte sie auf die Bühne zurück, und im Jahr 2011 ehrte sie ihr Heimatland mit einer großen Personalausstellung im Rockheim-Museum.
Auch als Anders Elias im Jahr 2024 plötzlich an schwerem Kammerflimmern erkrankte und nach einer riskanten Herzoperation um sein Leben kämpfte, stand Wencke felsenfest an seiner Seite. Nach seiner glücklichen Genesung kehrte das Paar gemeinsam auf die europäischen Bühnen zurück. Auf Berichte über angebliche Krisen reagierte die Künstlerin mit einem klaren, emotionalen Machtwort und einer tiefen Liebeserklärung an ihren Lebenspartner. Im stolzen Alter von fast 80 Jahren blickt Wencke Myhre heute auf eine unvergessliche Lebensreise zurück – umgeben von ihren Kindern und Enkelkindern, voller Lebensfreude und mit ungezähmter Energie für die kommenden Projekte. Ihre Geschichte lehrt uns, dass man Schicksalsschläge mit einem offenen Herzen und unerschütterlicher Zuversicht besiegen kann.