Zwei ungeklärte Morde aus München – Die Fälle Stefan P. und Karl H. Radmiller T
Zwei ungeklärte Morde aus München – Die Fälle Stefan P. und Karl H. Radmiller
Crime Time Dein True Crime Podcast mit Lea. Hier hörst du wahre Verbrechen und vermissten Fälle aus deiner Region. Hallo und herzlich willkommen, meine Lieben, auch zu dieser neuen Folge auf meinem Kanal Leas Crime Time. Schön, dass ihr alle wieder mit dabei seid. Ich freue mich, wenn ihr diese Doppelfolge von Anfang bis zum Ende durchhört und wer mag, darf ein kostenloses Abo auf den Podcast-Portalen sowie auf YouTube abschließen.
Das würde mich sehr freuen, denn es unterstützt meine Arbeit und mich als kleine Podcasterin sehr und wer mag, darf auch gerne, um mich noch ein wenig mehr zu unterstützen, eine Kanalmitgliedschaft bei YouTube abschließen. Darüber freue ich mich auch immer sehr, da wachsen wir nämlich auch und das ist einfach nur schön zu sehen. Ja, heute habe ich eine Doppelfolge für euch gewählt.
Erstens, damit ihr etwas länger etwas zuhören habt und zweitens, weil es sich um zwei ungeklärte Morde aus derselben Stadt handelt und ich dachte, das passt recht gut, auch wenn die Opfer jetzt vom Alter relativ weit auseinander sind und die Morde schon auch ein wenig sich unterscheiden, ist ja klar, aber trotzdem ähm fand ich es gut, dass wir das einfach jetzt mal so zusammenlaufen lassen.

Ja, und auf den ersten Fall, mit dem wir beginnen, hat mich sogar jemand von euch wiedergebracht. Ich weiß leider nicht mehr, wer es war, weil ich mir das nicht immer alles mit Namen dazu aufschreibe, entschuldigt bitte. Ähm extrem viele Berichte gibt es zu diesem Mordfall auch nicht, da er in den 90er Jahren geschah, aber die Berichte, die ich finden konnte, die haben es in sich.
Das Opfer in unserer ersten Folge ist der damals erst 22-jährige Bankierssohn Stefan Pecher. Er lebte mit seiner Familie, die es wohl zu einem Wohlstand gebracht hatte, in einem Haus in Trudering-Riem, einem Stadtbezirk von München. Er absolvierte die Realschule, die mittlere Reife soll er jedoch nicht geschafft haben.
Eine Ausbildung zum Hotelkaufmann führte er nicht zu Ende. Später jobbte er in dem noblen Hotel Vier Jahreszeiten. Danach schlug sein Leben jedoch eine andere Richtung ein, eine Richtung, die sehr gefährlich für ihn werden sollte. Er soll vor Freunden im Jahr 1996 häufig von schnell verdienten Geld gesprochen haben. Freunde beschrieben den 22-Jährigen oft auch als Angeber.
Er hatte hohe Ziele, Immobiliengeschäfte in Costa Rica, ein Restaurant in München eröffnen. Eine von ihm gegründete Handelsfirma lief leider mehr schlecht als recht. Trotzdem prahlte er vor seinen Bekannten, 10.000 DM im Monat zu verdienen. Die Realität sah wohl eher so aus, dass seine Eltern ihn finanziell unterstützten und ihn kostenfrei bei sich wohnen ließen.
Er führte ohnehin einen teuren Lebensstil, Markenkleidung, teure Autos, Uhren und Goldschmuck standen auf der Tagesordnung. Doch nicht nur durch seine Eltern finanzierte er sich diesen Luxus. Freunde berichteten sogar, er habe nach einem reichen Gönner oder einer Gönnerin gesucht, quasi jemand, der ihn aushält.
Finanziell, aber homosexuell sei Stefan Pecher nicht gewesen. Diese Person, soweit bekannt, hatte er wohl aber nicht gefunden. Um an Geld zu kommen, soll er zwei Raubüberfälle auf Supermärkte begangen haben. Außerdem soll er mit Drogen gedealt haben, die er gelegentlich wohl auch selbst genommen hat.
In den Berichten ist von Ecstasy und Kokain die Rede. Aber das war noch nicht alles. Stefan soll auch mit Waffen gehandelt haben. Ihr hört schon, das war wirklich ein sehr gefährliches Feld, auf dem er sich da in so jungen Jahren schon bewegte. Zu den Waffen komme ich aber später noch mal. Zur damaligen Zeit, im Mai 1996, erzählt er seinen Freunden, dass er Ärger am Hals habe und sich bedroht fühle.
Er wollte sich deshalb sogar eine Pistole mit Schalldämpfer kaufen. Zudem besaß er einen Elektroschocker und im Kofferraum seines Sportwagens, einem Honda CRX, hatte er immer einen Baseballschläger griffbereit. Was ihm damals so große Sorgen bereitete, ist bis heute nicht geklärt. Was man jedoch weiß, kurz bevor wir zur eigentlichen Tat kommen, war er wieder an eine große Menge Geld gekommen.
Freunde haben berichtet von ca. 40.000 DM, die er einfach so mit sich herum trug. Woher das Geld stammte, weiß niemand. Am Donnerstag, den 9. Mai 1996, sollte Stefan am Abend zu einem Geschäftsessen gehen. Er lieh sich dafür sogar die Cartier-Uhr seines Vaters und nahm 600 DM mit, doch die Verabredung soll ihn wohl sitzen gelassen haben und ist nicht erschienen.
Wie man später herausfand, war wohl an diesem Abend auch ein Drogendeal geplant. Mehrere Zeugen sahen das Fahrzeug von Stefan in der Nacht auf den 10. Mai 96 zu unterschiedlichen Zeiten in der Blutenburgstraße in der Nähe des Rotkreuzplatzes in München. Man geht davon aus, dass dort wohl der Deal stattfinden sollte.
Die Blutenburgstraße und der Rotkreuzplatz sind gerade einmal 4 Minuten und 1 km mit dem Auto voneinander entfernt. Am Donnerstag gegen 23:30 Uhr fiel ein Anwohner der Blutenburgstraße 120 erstmals ein roter Sportwagen auf, der eine Tiefgaragenzufahrt blockierte. Am Freitagmorgen gegen 6 Uhr stand der Wagen immer noch dort.
Und Blutenburgstraße, wenn man sich den Fall jetzt gleich so im Ganzen anhört, ah, das passt irgendwie so zusammen, das ist so, weiß ich nicht, also Blutenburgstraße hat ja was mit Blut zu tun, finde ich schon sehr makaber im Zusammenhang mit der Tat, aber machen wir mal weiter. Ein Zeuge konnte dann damals durch die beschlagenen Scheiben sehen, dass ein Mann am Steuer saß.
Der Sicherheitsgurt des Mannes war noch angelegt, aber der Körper seitwärts gekippt. Und der Anwohner versuchte dann den Fahrer anzusprechen, weil er dachte, er schläft vielleicht, doch es rührte sich nichts und schließlich öffnet er die Beifahrertür und sah dann extrem viel Blut im Fahrzeug, auf Armaturen, Zeitschriften, Ledersitzen und selbstverständlich war der Zeuge extrem schockiert über das Bild, was ihm sich da bot und damit hatte er überhaupt nicht gerechnet und verständigte die Polizei.
Diese rückte samt Kripo an, der Tatort wurde abgesperrt und die Ermittlungen begannen. Das Bild, das sich den Beamten bot, sprach sofort für ein Tötungsdelikt. Noch im Fahrzeug fand man die Tatwaffe, wirklich sehr ungewöhnlich. Es handelte sich um ein Küchenmesser mit einer 17 cm langen Klinge, das unterhalb des Beifahrersitzes lag.
Der Griff war jedoch sorgfältig abgewischt worden. Bei der Obduktion wurde dann die ganze Grausamkeit deutlich. Der Täter hatte 20 Mal auf Stefan Pecher eingestochen, einmal sogar mitten ins Herz. Aber das war nicht alles. Auch die Kehle wurde ihm durchgeschnitten. Zudem muss er sich verzweifelt gewehrt haben, worauf Abwehrverletzungen an seinen Armen hingedeutet haben.
Die Angst also, die der 22-Jährige im Vorfeld hatte und die von seinem, ja, gefährlichen Leben herrührte, war also durchaus real. Aufgrund der enormen Brutalität und des sogenannten Übertötens ließ man auch die Option natürlich einer Beziehungstat offen, also Opfer und Täter könnten sich gekannt haben und auch Hass könnte hier eine große Rolle gespielt haben.
Oder aber man wollte in gewissen Kreisen sicher gehen, dass Stefan auch wirklich stirbt. Soweit man den Ablauf der Tat rekonstruieren konnte, dürfte die Tat am 9. Mai 1996 in der Zeit zwischen 20 und 23 Uhr verübt worden sein. Er soll auch mehrere Bekannte gehabt haben, die um den Rotkreuzplatz lebten, ob diese etwas mit der Tat zu tun hatten, ist wohl eher unwahrscheinlich, das wird wohl abgeprüft haben.
Dennoch wurde sein PKW eben häufig an diesem Abend dort gesehen. Selbstverständlich wurden Familie, Freunde, Bekannte befragt, wie üblich immer. Über 200 Hinweise gingen im Laufe der Zeit ein und es wurden auch umfangreiche Spuren gesichert, aber viele Dinge blieben ungeklärt. Z.B. ist Stefans Handy entwendet worden. Er hatte damals schon ein Handy und man könnte davon ausgehen, dass der Täter Angst hatte, dadurch eventuell aufzufliegen.
Das Mobiltelefon wurde nie wieder gefunden. Die Kriminalpolizei fand später auch die Waffen, das Thema hatte ich ja eben angerissen. Darunter befanden sich eine Maschinenpistole der Marke Ceska Modell 26, eine Beretta Pistole Modell 70, eine Handgranate und zwei Handgranaten Attrappen, eine Magazintasche mit Magazinen und Munition für beide Schusswaffen, Sturmhauben, schwarze Overalls, schusssichere Panzerwesten und eine Schließzange.
Also, das hört sich wirklich schon nicht nach einem unbedingt kleinen Kriminellen an, wenn ihr mich jetzt fragt. Diese Sachen lagerte er auch nicht im Haus seiner Eltern, sondern in einer Tasche, die er bei einem Freund deponiert hatte. Und ja, wenn man jetzt, wie gesagt, so den Inhalt hört, könnte man meinen, man hat es mit einem Schwerverbrecher zu tun, das erklärt natürlich auch die Raubüberfälle.
Mit 22 Jahren finde ich das schon, puh, ein starkes Stück. Er soll auch ein Doppelleben geführt haben, so dass seine Eltern wohl von all dem nicht wirklich was gewusst haben. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass er es zu Wohlstand bringen wollte, den sich seine Familie ja auch aufgebaut hatte, allerdings natürlich auf falschem Weg.
Am Ende hat er dies auch leider mit dem Leben bezahlt, was in diesem Alter auch noch mal tragischer ist, finde ich. Sieben Ordner umfasst in den 90er Jahren zumindest die Mordakte von Stefan Pecher und auch im Fernsehen soll mehrfach darüber berichtet worden sein, soweit mir bekannt, aber nicht bei Aktenzeichen XY.
Falls ihr da andere Informationen habt, dann lasst mich das gerne wissen. Zeitweise war auch eine Belohnung von umgerechnet 2500 Euro ausgelobt worden, also damals, glaube ich, 5000 Euro und heute 2500, irgendwie so, aber ob diese 30 Jahre später noch aktiv ist, das ist natürlich mir jetzt auch nicht bekannt. Ähm, könnte sein, könnte aber auch nicht sein.
Und der Fall dürfte nach so vielen Jahren ein Cold Case sein, der derzeit zumindest öffentlich bekannt nicht aufgerollt worden ist und eigentlich wird es ja immer der Öffentlichkeit mitgeteilt, wenn ein Fall aufgerollt wird, besonders so ein Fall, der so viele Jahre zurückliegt, wenn man sich da natürlich immer noch Hinweise erhofft.
Ob die Ermittler ab und an die Akten einsehen und eventuell an der Kleidung oder dem Messer 30 Jahre später vielleicht DNA finden konnten oder das längst untersucht wurde, vielleicht sogar, ist ebenfalls nicht bekannt, aber wäre natürlich ein sehr wertvoller Ansatz. Ja, es gibt nun leider sehr, sehr wenige Artikel über den Mord an Stefan Pecher.
Warum er sich so früh auf derartige schiefe Bahn begab, ist unklar, aber natürlich echt bedauerlich. Für ihn schien Luxus und Geld eine viel zu große Rolle zu spielen und die Tat ist äußerst brutal abgelaufen, was für eine Beziehungstat natürlich sprechen könnte, aber auch Morde im Drogenmilieu sind ähnlich grausam und ich würde nicht ausschließen, dass man ganz sicher gehen wollte, dass er auch wirklich tot ist.
Er hätte sich ja auch juristische Hilfe suchen können oder bei der Polizei Hilfe suchen können, als er so Angst gehabt hat, aber das wollte er wohl nicht und schlug da einen anderen Weg ein. Er hätte ja bestimmt auch von seiner Familie Unterstützung bekommen, zumindest sich juristisch zur Wehr zu setzen.
Vielleicht wusste das aber auch jemand und hatte Angst vor den Konsequenzen. Wer weiß das schon? Wir wissen einfach zu wenig über diesen Altfal nach 30 Jahren immer noch ungeklärt und ich hoffe, man wird irgendwann noch mal diesen Fall aufrollen, aber in dem Milieu, in dem sich dieser junge Mann bewegte, dürfte es natürlich äußerst schwierig sein, da den Täter zu finden oder jemanden überhaupt zu finden, der spricht, denke ich.
Oder was meint ihr? Kanntet ihr den Fall von Stefan Pecher? Das war nun der erste Fall in dieser Doppelfolge. Schreibt mir also gerne einen Kommentar dazu, wenn ihr mögt. Der zweite ungeklärte Mordfall aus München, wir steigen jetzt direkt wieder ein, betrifft das Opfer Karl-Heinz Radmüller. Der Fall passierte viel später und das Opfer war deutlich älter als Stefan Pecher.
Ich werde Karl-Heinz Radmüller in dieser Folge einfach immer mit Karl abkürzen. Karl lebte in Milbertshofen, einem Stadtteil von München, war 81 Jahre alt damals und lebte schon 40 Jahre in München. Er hatte sein Leben lang vorwiegend als Kellner gearbeitet, bezog daher nur eine sehr kleine Rente und lebte bescheiden in einer Einzimmerwohnung, die er aber penibel sauber hielt.
Der einzige Luxus, den er sich gönnte, war sein schwarzer Rex-Motorroller. Diesen hatte er allerdings schon längere Zeit damals erstmal nicht mehr fahren können, da er mit schweren Rheumaschüben zu kämpfen hatte, Beschwerden, die durch Therapieoptionen aber wohl langsam besser geworden sind. Karl hatte keine Partnerschaft, er war homosexuell und in manchen Kreisen war das ein Geheimnis, in seiner Familie jedoch nicht.
Gerade zu seiner Schwägerin hatte er ein sehr gutes Verhältnis und konnte mit ihr über alles sprechen. Auch zu seinen Geschwistern, die ebenfalls natürlich damals schon ein höheres Alter erreicht hatten, traf er sich regelmäßig zum Kaffeekränzchen z.B. Man plauderte und hatte einen sehr guten Draht zueinander. Eine feste Partnerschaft hatte sich Karl wohl sehr gewünscht, aber den richtigen zu finden erwies sich als schwer, wie er seiner Schwägerin immer mal wieder anvertraute. Am 18.
August 2011 traf Karl seine Familie mal wieder zum Kaffeekränzchen und nach langer Zeit fuhr er diesmal wieder mit seinem Roller dorthin. Da seine Griffähigkeiten einmal nachgelassen hatten, konnte er mittlerweile aber wieder greifen und den Roller gut fahren und war dadurch wieder etwas unabhängiger. Am 20. August 2011, so ließ sich nachvollziehen, einem Samstag, besuchte Karl auf Anraten seiner Familie den Wildpark Poing und hielt sich dort einige Zeit auf.
Er war ohnehin ein naturverbundener Mensch und es machte ihm Spaß, dort die ganzen Tiere zu beobachten. Zwei Tage später, am Montag, versuchte seine Schwägerin wiederholt, ihn auf dem Handy zu erreichen, doch er meldete sich nicht. Auch seine Geschwister hörten nichts von ihm und seine Schwester, die einen Schlüssel für die Wohnung von Karl besaß, schaute nach dem Rechten, aber er war nicht dort.
Die Räumlichkeiten waren aber wie immer und sehr aufgeräumt. Am 11. September 2011 meldeten Angehörige Karl als vermisst. Weshalb das so spät geschah, geht aus den Berichten jetzt nicht hervor. In der Folge werden Suchmaßnahmen eingeleitet und sechs Tage später, am 17. September, wurden Polizisten bei einer Routinekontrolle auf den Motorroller aufmerksam.
Bei der Überprüfung des Kennzeichens 603 GHP wurde schnell klar, dass es sich hierbei um Karls Motorroller gehandelt hat. Er war an einem Waldparkplatz an der Isar abgestellt, rund 13 km von seinem Zuhause entfernt, direkt unter der Bundesstraße 471. Im Gepäckfach fanden die Beamten seinen roten Helm, dessen Verschlussband so ein bisschen provisorisch mit Panzertape fixiert war, seine dünne beigefarbene Jacke, eine Tankquittung vom 20.
August 2011, sowie ein Flyer vom Wildpark Poing. Da man ja mittlerweile auch mit der Familie gesprochen hatte und von Karls Homosexualität wusste, waren die Ermittlern jetzt einiges klar, was auch den Roller und den Abstellort anging. Der Parkplatz ist nämlich schon seit langer Zeit bekannt als Treffpunkt für Männer, die unter sich bleiben wollen und den schnellen, anonymen Sex suchen.
Hatte sich Karl dort mit jemand getroffen? Was war passiert? Es kreisten Hubschrauber über das Gebiet, Spürhunde suchten nach Karl und Hundertschaften durchkämmten Teile des Waldes, geleitet unter anderem von Maria Reuter, einer Försterin, also sie hatte diesen Wald in meinem Überblick. Doch Karl wurde bei den Suchaktionen der Polizei zunächst nicht gefunden.

Maria Reuter konnte damals nicht ahnen, dass ausgerechnet sie eine schreckliche Entdeckung machen würde. Am 24. Oktober 2011 an einem trüben Herbsttag lief sie eine Stromtrasse entlang und schlug sich in eine Böschung und schob Zweige zur Seite, den Blick nach oben gerichtet, da sie mit einer Spraydose bewaffnet war und Bäume zum Fällen markieren musste und plötzlich stolpert sie dann.
Unter sich sah Frau Reuter dunkle, ledrige Haut, einen Fuß und dünne, nackte Beine. Sie dreht sich erschrocken weg und rief die Polizei. Am Telefon sagte sie, und daran kann sie sich noch Jahre später erinnern, “Ich habe den Radmüller”, soll sie gesagt haben. Sie war sich absolut sicher, dass es sich um Karls Leichnam gehandelt hat.
Das war übrigens auch ihre erste gefundene Leiche. Er trug nur noch ein T-Shirt, eine Unterhose und lag auf dem Rücken. Nach einem Kampf am Fundort offenbar hat es nicht ausgesehen, so ihre Einschätzung. Fast genau an dieser Stelle hatte die Polizei aber auch gesucht. Man hatte den Leichnam gerade mal um 50 m verfehlt.
Durch die lange Liegezeit war er bereits stark verwest. Die Münchner Mordkommission übernahm die Ermittlungen und zog später auch die operative Fallanalyse hinzu. Bei der Obduktion in der Rechtsmedizin München gab es keinen Zweifel mehr daran, dass Karl getötet worden war. Er soll erstochen worden sein, so geben es manche Berichte wieder, während andere Presseberichte sich mit der Todesursache bedeckt halten, da es sich um Täterwissen handelt.
Vielleicht hat man sich aber auch Jahre später dazu entschlossen, die Ursache einfach offiziell zu machen. Der Ort, an dem sein Roller abgestellt worden war, lag einen ganzen Kilometer von der Fundstelle entfernt. Man geht davon aus, dass der Täter Karl gezielt so weit in den Wald gelockt hat, weil er bereits vorgehabt hatte, ihn anzugreifen oder gar zu töten.
Einige Männer kommen täglich zu diesem Parkplatz, andere nur auf der Durchreise, was die Ermittlungen enorm erschwerte. Es gibt dort endlose Trampelpfade, die nie unterbunden wurden, da man offenbar kein Problem damit hatte, dass der Wald als Treffpunkt diente. Es handelt sich dabei um keine klassische Stricherszene. Man verständigt sich über Blicke, es geht nicht um Geld, sondern eher um Kontakte und Intimität.
Also, das ist jetzt nicht so, dass Männer sich da alle für Geld anbieten würden. So ist das da nicht. Der Münchner Flughafen ist auch nicht weit weg, der Parkplatz nah an der Autobahn, für viele ein anonymer Ort. Und mehrmals befragten die Polizisten auch Männer im Wald im Rahmen von Kontrollaktionen. Über 100 Personen würden über Wochen Tag und Nacht überprüft und dabei stießen die Beamten jedoch ja leider auf eine Mauer des Schweigens.
Da viele gezielt natürlich dorthin fuhren, um anonym zu bleiben, hatte es die Behörde schwer. Die meisten führten ein Doppelleben mit Familie und Kindern zu Hause, so die Annahme der Ermittler und immerhin fand man heraus, dass Karl diesen Platz regelmäßig seit Jahren aufgesucht hatte, allerdings wohl nie zu festen Zeiten.
Das erschwert natürlich auch wieder einiges. Immer wieder hängte man Plakate auf, die auf den Mord hinwiesen, doch der entscheidende Hinweis, der blieb aus. Verschwunden waren zudem Karls Hose, seine Schuhe, sein Portemonnaie, sowie sein Handy, ein Samsung SGH D720, damals so ein typisches Klapphandy und auch sein Schlüsselbund fehlte.
In seiner Wohnung hingegen ist nichts gestohlen worden. Man ging zeitweise von einem Raubmord aus, doch bei Karl war ja kaum was zu holen und es wurde nie bekannt, dass versucht wurde, mit seiner Bankkarte Geld abzuheben. Vielleicht sollte das Fehlen der persönlichen Gegenstände auch einfach nur verschleiern, wer das Opfer war.
Was der Täter ihm allerdings nicht abnahm, war sein Schmuck. Er trug eine goldene Kette mit zwei Kruzifix-Anhängern, ein Amulett mit seinem Sternzeichen Widder, einen Siegelring und ein Armband. Entsprechende Bilder werde ich mal versuchen, auch euch einzublenden. Was den Ermittlern damals ebenfalls im Weg stand, war die Vorratsdatenspeicherung.
Es war der Mordkommission nicht mehr möglich, alle Telefonkontakte von Karl nachzuvollziehen. Und ja, so versuchte man natürlich einiges, um irgendwie an Hinweise zu kommen, aber kam einfach nicht wirklich weiter und da die Ermittlungen irgendwann ins Stocken gerieten, stellte man den Fall schließlich in der Sendung Aktenzeichen XY ungelöst vor erstmals am 14.
Dezember 2011 als Studiofall und am 10. Oktober 2012 in der 463. Sendung sogar dann als Filmfall. Eine Belohnung von 5000 Euro wurde ausgelobt und in der Sendung erwähnt der Kriminalbeamte Peter Klinger von der Kripo München, dass man davon ausgehe, der Täter sei ortskundig gewesen und habe sich im Vorfeld mit der Tat auseinandergesetzt. Es spreche vieles für eine geplante Tat.
Auch könnte er seinen freien Tag genutzt haben. Der Mord geschah ja an einem Samstag, weil er vielleicht in der Woche keine Zeit hat. Das Motiv bleibt aber vielseitig. Sexuell motiviert, Raub oder schlicht vielleicht auch Hass auf Homosexuelle. In der Sendung wurde auch noch mal zusammengefasst, so grob, was der 81-Jährige damals getragen hatte, nämlich eine Kappe, eine helle Jacke, die sich ja aber im Roller befand, sowie Sandalen mit Klettverschluss, die jedoch verschwunden blieben, soviel ich weiß.
Damals waren viele Menschen im Wald unterwegs, weshalb man auf Zeugen hoffte, die Karl vielleicht in Begleitung des Täters gesehen haben könnten. 25 neue Hinweise gingen daraufhin ein. Einige Anrufer wollten aber auch anonym bleiben. Andere nannten Personen, mit denen Karl möglicherweise Kontakt gehabt hat.
Mittlerweile soll es zudem eine DNA-Spur des Täters geben, die jedoch bislang wohl zu keinem Treffer in der Datenbank führte. Man ging auch nach wie vor davon aus, dass die Kleidung entwendet wurde von Karl, um Spuren zu verwischen. Dass es keinen Treffer gab, ist natürlich auch extrem schade. Angesichts des Zustands der Leiche kann man jedoch froh sein, überhaupt forensische Spuren gesichert zu haben.
Leider ist auch dieser Fall ja jetzt 15 Jahre ungeklärt und ja, man muss denke ich mal immer mal wieder dran bleiben und ja, es immer wieder durch die Datenbank jagen. Vielleicht bekommt man ja irgendwann auch mal einen Treffer oder Kommissar Zufall, wie bei unserem Fall mit der Salatbar, kommt dann irgendwann doch mal ähm ja hervor.
Das wäre natürlich das Beste in so einem Fall und dass die Tat geplant war oder aus einer Situation heraus völlig aus dem Ruder lief, bleibt im Bereich des Möglichen. Sollte Karl wirklich erstochen worden sein, muss der Täter aber das Messer ja schon bewusst mitgeführt haben, sei es als Waffe oder zur eigenen Absicherung.
Gewissheit werden wir wohl zum jetzigen Zeitpunkt da erstmal nicht erlangen, aber ja, es könnte eine gewisse Tötungsabsicht natürlich schon im Raum gestanden haben. Und irgendwie haben beide Fälle heute auch was gemeinsam. Die Opfer setzten sich bewusst schon einer Gefahr aus. Stefan Pecher natürlich auf ganz andere Weise als Karl-Heinz Radmüller, aber auch in der Anonymität von Sexdates kann leider auch viel passieren.
Ich habe euch schon mehrfach hier Fälle vorgestellt, die dann zwar in der eigenen Wohnung geschehen sind, wo aber auch Männer dann eben ganz grausam grausam umgebracht worden sind und vorher eben eigentlich ein Sexdate mit jemand ähm ja verabredet hatten. Und dann ja, ist leider sowas passiert. Und ich denke, Karl-Heinz Radmüller hatte auch überhaupt nicht mit gerechnet.
Ja, aber auch im Fall von Stefan Pecher, Drogen, Waffengeschäfte sind natürlich mit großer, großer, großer Vorsicht zu genießen und beide Milieus, sei es jetzt anonyme Sexdates oder eben Waffen-Drogen-Geschäfte, sind natürlich extrem verschwiegene Milieus und diese Anonymität macht es den Ermittlern natürlich nicht gerade leichter.
Und ich bin gespannt, ob man in diesen Fällen irgendwann doch mal von Erklärung stehen wird. Es wäre ja schön, wenn wenigstens einer der Fälle, am besten natürlich beide, irgendwann aufgeklärt werden würden, aber ich glaube, im Fall von Stefan Pecher wird es noch mal schwieriger werden. Es sei denn, es war vielleicht eine Beziehungstat, eine Eifersuchtstat, dann könnte es vielleicht noch eher geschehen, dass man das klärt, aber wenn es wirklich aus dem Drogen oder Waffenmilieu, sage ich jetzt mal, Waffengeschäfte kommt, könnte das, glaube ich, sehr, sehr schwer werden,
auch jetzt 30 Jahre später, weil es hat ja sich auch scheinbar niemand irgendwie mal gemeldet und gesagt, hier, ich habe da einen Hinweis zu dem Mord an Stefan Pecher. Zumindest ist darüber öffentlich nichts bekannt. Ja, wie gesagt, ich bin gespannt, ob wir in diesen beiden Cold Cases irgendwann noch mal von neuen Ermittlungen hören werden, vom Aufrollen eines der Fälle, denn ja, in München bleiben ehrlich gesagt relativ wenige Fälle ungeklärt.
Mir fallen zwar spontan noch ein paar mehr ein, aber die bayerische Polizei ist da immer von meinem persönlichen Gefühl her viel, viel mehr noch hinterher, Fälle aufzuklären, und die haben, wenn ich das immer mal so überblicke, eine sehr hohe Rate an Aufklärungsfällen. In anderen Bundesländern sieht das teilweise anders aus.
Woran das liegt, kann ich euch nicht sagen, aber es ist so, ähm, mein Gefühl und auch das, was ich so, wenn ich jetzt aufgeklärte Fälle euch vorstelle aus Bayern immer mitbekomme, was die auch teilweise an Engagement da reinsetzen, das hätte ich mir in anderen Mordermittlungen mal gewünscht. Das habe ich immer mal wieder festgestellt, wenn ich euch aufgeklärte Fälle aus Bayern vorgestellt habe.
Ja, also das kann ich nur mal von meinem eigenen Gefühl dazu sagen. Vielleicht täusche ich mich ja auch und ihr denkt, ich spinne jetzt gerade oder so, aber mein persönliches Gefühl. Ja, ich freue mich auf jeden Fall, Lieben, wenn ihr jetzt bis zum Ende beende die heutige Doppelfolge an dieser Stelle. Würde mich aber freuen, wenn ihr, ja, einen Kommentar abgebt zu einem der Fälle.
Vielleicht kanntet ihr ja auch Stefan Pecher oder Karl-Heinz Radmiller und könnt was dazu sagen. Oder wenn mir jemand anonym etwas mitteilen möchte, z.B. zur Karl-Heinz Radmiller und dem Fall, dürft ihr das gerne per Instagram oder auch per E-Mail tun. Ich lese das immer und versuche auch zu antworten. Manches geht mir manchmal unter im Alltag, aber ich bemühe mich da sehr.
Ich habe ja auch hinter mir kein Team, wie vielleicht andere Podcaster. Das dürft ihr nicht vergessen. Ich mache das immer alles ganz alleine und habe ja auch noch ein Privatleben, bin chronisch krank. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Also, seht’s mir da bitte nach, wenn das manchmal nicht alles so klappt, äh, sofort, ähm, wie ihr euch das vielleicht wünscht, aber ich lese wirklich vieles und versuche auch zu antworten.
So, ihr Lieben, jetzt wünsche ich euch aber noch einen schönen Tag oder eine gute Nacht. Wir haben jetzt ca. 28 Minuten aufgenommen. Bin mal gespannt, wie, ähm, lang der nächste Fall wird. Könnte sein, dass der wieder etwas kürzer wird und danach dann wieder ein längerer Fall. Also, ich äh bemühe mich immer um längere Fälle, aber es gibt halt auch mal ein paar kürzere zwischendrin.
Seid mir da bitte nicht böse. So, ihr Lieben, dann bis zum nächsten Mal und, äh, ja, bleibt gesund, bleibt sicher. Eure Lia. Das war wieder eine Folge von Crimetime mit Lia, deinem True Crime Podcast. Abonniere den Podcast, um keine neuen Folgen zu verpassen.