Ganz Griechenland in Tränen T
Ganz Griechenland in Tränen
Das Leben von Liana Lazaru endete auf dem Höhepunkt. Sie war gerade einmal 27 Jahre alt. Sie zog ihre dreijährige Tochter groß und schmiedete Pläne für die Zukunft. Alles änderte sich im Juni 2017, als ein Notruf aus dem ruhigen Ort Ticho einging. Schwere Verletzungen, eine dringende Einlieferung ins Krankenhaus und lange Wochen zwischen Leben und Tod.
Lianas Tragödie erschütterte das ganze Land und drückte erneut die Frage in den Mittelpunkt, wie schutzlos Frauen gegenüber plötzlicher Gewalt sind. In diesem Bericht rekonstruieren wir den Ablauf jener tragischen Ereignisse und erfahren, welchen Preis ihre Familie zahlen musste, um Lianas Andenken vor Gericht zu verteidigen.
In Griechenland gibt es ein kleines Dorf namens Agios Spiridonos. Es ist einer von vielen Orten im Land, an denen ein ruhiges und beschauliches Leben herrscht. Die Einwohnerzahl ist dort sehr gering und alle kennen sich gut. Doch selbst die engsten Nachbarn ahnen oft nicht, was hinter verschlossenen Türen geschieht.

Liana Lazaru war eine typische Bewohnerin von Agios Spiridonos. Sie wurde im Jahr 1990 in einer ganz normalen Familie geboren. Wer ihre Eltern und sie selbst kannte, wußte, wie offen und lebensfroh sie war. Für Liana stand die Familie immer an erster Stelle. Sie träumte davon, den richtigen Partner zu finden und Kinder zu bekommen.
Doch zuerst wollte sie eine gute Ausbildung abschließen und auf eigenen Beinen stehen. Mein Name ist Lukas Falkner. Sie sehen den Kanal Fokusfall. Danke, daß sie meinen Content schauen. Ich freue mich über Ihr Abo und Like. Viel Spaß beim Zuschauen. Nachdem Liana das College beendet hatte, konzentrierte sie sich auf ihre Arbeit.
Ein wichtiger Schritt war der Erwerb einer eigenen Wohnung. Gleichzeitig suchte sie nach einem Partner, mit dem sie eine Beziehung aufbauen konnte. Doch die Dinge verliefen nicht so reibungslos, wie sie es sich erhofft hatte. Später änderte sich die Situation. Nach mehreren gescheiterten Versuchen lernte sie ihren späteren Ehemann kennen.
Er war sieben Jahre älter und lebte in der Nachbarstadt. Als ihre Beziehung sich entwickelte, zog Liana zu ihm und bald darauf heirateten sie. Im Jahr 2015 kam ihre Tochter zur Welt. Für Liana war das die Erfüllung eines großen Traums. Sie widmete sich ganz der Erziehung des Kindes, während ihr Mann arbeitete und für die Familie sorgte.
Von außen wirkte er wie ein vorbildlicher Familienvater und liebevoller Ehemann. Doch auch er hatte seine Geheimnisse. Im Jahr 2017 wurde der Mann wegen schwerwiegender rechtlicher Probleme festgenommen. Er wurde als Mitglied einer Bande gefasst, die Raubüberfälle und Diebstäle beging. Das war ein großer Schock für Liana, die nun allein mit ihrer dreijährigen Tochter da stand.
Glücklicherweise wurde ihr Mann bald wieder freigelassen, da es nicht genügend eindeutige Beweise für eine Haft gab. Dennoch stand er weiter unter Beobachtung der Behörden. Das blieb nicht ohne Folgen. Als ihr Mann zurückkehrte, schien es als ob weder Liana noch die Tochter sich darüber freuten.
Im Gespräch mit Freunden und Verwandten betonte Liana immer wieder, dass ihr Mann einen wechselhaften Charakter hatte. Er konnte ohne ersichtlichen Grund wütend werden und seine Ausbrüche wurden zunehmend beängstigend. Die junge Frau war überzeugt, dass seine rechtlichen Probleme mit seinem Verhalten zusammenhingen und alles andere nur Ausreden waren.
Am 12. Juni 2017 wollte Lianas Tante ihre Nichte und deren Tochter besuchen. Die Frauen hatten sich verabredet, doch zur vereinbarten Zeit meldete sich niemand. Die Tante versuchte mehrmals ihre Nichte telefonisch zu erreichen, doch das Handy blieb stumm. Zunächst war sie etwas verärgert über diese Unzuverlässigkeit und widmete sich ihren alltäglichen Aufgaben.
Später erzählte sie ihrer Schwester Lianas Mutter davon, die ebenfalls überrascht war und sich Sorgen machte, warum ihre Tochter den ganzen Tag nicht antwortete. Daraufhin beschlossen Lianas Eltern der Sache nachzugehen. Es stellte sich heraus, dass niemand die junge Mutter am 12. Juni gesehen hatte. Die Besorgnis wuchs.
Doch außer der Tante war niemand in der Nähe des Hauses. Deshalb bat man sie persönlich vorbeizukommen. Das führte schließlich zu einem Notruf. Mit einer Stimme, die vor Schrecken und Verzweiflung zitterte, berichtete Lianas Tante der Einsatzleitstelle von einem blutigen Geschehen. Sie schrie auf, sammelte sich dann so gut sie konnte und rief den Rettungsdienst an.
Kurz darauf trafen Polizei und Krankenwagen am Haus ein. Schnell wurde klar, dass Liana schwere Kopfverletzungen erlitten hatte. Sie hatte viele Stunden ohne medizinische Hilfe in ihrem Haus verbracht, was die Situation verschärfte. Erstaunlicherweise war sie noch am Leben. Der Rettungswagen brachte die verletzte Frau eilig ins nächstbelegene Krankenhaus.
Die Fahrt war lang, da die Verletzungen zu schwer für die Ausstattung der näheren Kliniken waren. Nur im benachbarten Ort gab es die notwendigen Geräte. Trotz der Entfernung wurde Liana noch lebend auf den Operationstisch gelegt. Sie weigerte sich aufzugeben und kämpfte um ihr Leben. Währenddessen sicherte die Polizei das Tatorthaus und begann mit der Suche nach dem Täter.
Da das Verbrechen am Stadtrand geschah, vermuteten die Ermittler zunächst einen missglückten Raubüberfall. Doch aus dem Haus fehlte nichts, was diese Theorie unglaubwürdig machte. Die Nachbarn hatten nichts ungewöhnliches bemerkt. Sie erzählten eine ähnliche Geschichte. Eine junge Frau mit Tochter war erst vor wenigen Wochen in die Gegend gezogen und hatte sich gerade erst eingelebt.
Die Nachbarn wussten nichts von Lianas privaten Problemen und hatten keinen Hinweis, wer sie angegriffen haben könnte. Die Ermittler erhielten Unterstützung von Lianas Familie. Im Gespräch mit ihrem engsten Umfeld, besonders mit der Tante, die den Notruf abgesetzt hatte, stellte sich heraus, dass der wahrscheinlichste Täter ihr Ehemann war, mit dem sie sich kurz vor der Scheidung befand.
Als man versuchte ihn zu finden, stellte sich heraus, dass er mehrere Wohnorte hatte, da mehrere Verwandte in seiner Heimat lebten. Doch an keinem dieser Orte konnte er angetroffen werden. Es war klar, dass er untergetaucht war. Während die Suche andauerte, befragten die Ermittler Freunde und Bekannte von Liana, überprüften ihre Social Media Profile und Datenträger soweit möglich.
Auch gegen den Hauptverdächtigen liefen Ermittlungen. Seine kriminelle Vergangenheit bestätigte die Verdachtsmomente. Er war in mehrere Fälle verwickelt, einige davon mit körperlicher Gewalt verbunden. Es wurde deutlich, daß er nicht nur auf der Flucht war, sondern auch eine Gefahr für die Gesellschaft darstellte.
Die Polizei begann das Gebiet im und um das Dorf systematisch abzusuchen. Wegen begrenzter Ressourcen wurden zusätzliche Einsatzkräfte aus Nachbarorten hinzugezogen. Das führte schnell zum Erfolg. Der Verdächtige wurde wenige Stunden nach Beginn der Suchaktion am Ortsrand gefasst. Er hatte bereits einige Sachen für die Flucht vorbereitet und wollte offenbar den Behörden entkommen.
Doch man konnte ihn rechtzeitig stoppen. Bei der Festnahme leistete der Mann keinen Widerstand. Er wurde sofort zur Polizeistation gebracht, um befragt zu werden. Inzwischen lag Liana auf der Intensivstation des Krankenhauses. Sechs heftige Schläge mit einem schweren Gegenstand hatten ihr schwerste Verletzungen zugefügt.
Ihr Gehirn war ebenso beschädigt wie ihr Nacken, der mehrere schwere Treffer abbekommen hatte. Die Ärzte führten eine Intubation durch. Sie hielten die Überlebenschancen für gering. Sie zögerten den Eltern von Liana die ganze Wahrheit zu sagen, während diese nur noch auf ein Wunder hofften. Einige Tage auf der Intensivstation vergingen, bis tatsächlich ein Wunder geschah.
Liana bewies erneut, dass sie nicht bereit war, so einfach aufzugeben. Ihr Zustand stabilisierte sich. Bald wurde sie von der Intensivstation auf eine normale Station verlegt. In diesem Abschnitt begann sich ihr Zustand allmählich zu bessern. Die Ärzte betrachteten dies als ein wahres Wunder und die Angehörigen der Verstorbenen waren überzeugt, dass ihre Gebete erhört worden waren.
Weniger als eine Woche nach der Verlegung wurde Liana jedoch von einem zufälligen Virus getroffen. Sie infizierte sich mit einer Krankheit, die zu einem raschen Seeverlust führte. Kurz darauf wurde die junge Frau erneut auf die Intensivstation verlegt. Dort verschlechterte sich ihr Zustand noch schneller.
Trotz aller Bemühungen, ihr Leben zu retten, blieb jede Hilfe erfolglos und bald darauf verstarb sie. Sie hatte so lange um ihr Leben gekämpft, dass ihre Kräfte schließlich versagten. Zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass Lianas Ehemann keinerlei Reue darüber empfand, dass er der Mutter seiner dreijährigen Tochter das Leben genommen hatte.
Das Schicksal des Mädchens kümmerte ihn ebenfalls nicht. Er erkundigte sich nicht einmal danach, wohin das Kind nach der Hospitalisierung seiner Mutter gebracht worden war. Statt Mitgefühl zeigte er sofort ein kalkuliertes Bemühen, sein eigenes Ansehen zu verbessern und sich der Verantwortung zu entziehen. Während seiner Vernehmung bei der Polizei stellte sich der Mann als psychisch krank da.
Er behauptete schon lange an psychischen Problemen zu leiden und sich überhaupt nicht daran erinnern zu können, wie es zu dem Angriff auf seine Frau gekommen sei. Immer wieder änderte er seine Aussagen, die mit der Zeit immer merkwürdigere Details enthielten. Die Ermittler kamen bald zu dem Schluss, dass dies absichtlich geschah, um eine psychische Erkrankung vorzutäuschen.
Doch seine Worte allein reichten nicht aus. Es mußte eine Untersuchung erfolgen, um seine geistige Gesundheit zu bestätigen oder auszuschließen. Obwohl bei dem Verdächtigen in seinem Leben nie psychische Auffälligkeiten festgestellt worden waren, blieben diese Behauptungen nicht unbeachtet. Nach ausführlichen Gesprächen wurde entschieden, ihn statt in ein reguläres Gefängnis in eine psychiatrische Klinik zu überstellen, um ihn dort rund um die Uhr von Fachleuten beobachten zu lassen.
Drei Monate lang wurde er untersucht und getestet, bis ein offizielles Gutachten über seinen Zustand vorlag. Dabei wurden tatsächlich einige leichte psychische Störungen festgestellt, doch eine Schizophrenie lag definitiv nicht vor. Die vorhandenen Beschwerden konnten nicht als Ursache für den Angriff auf die Frau gelten.
Die Ärzte kamen zu dem Schluss, dass er sich beim Töten der Mutter seines Kindes seiner Handlungen bewusst gewesen sei. Das bedeutete, dass er schuldfähig war und vor Gericht gestellt werden konnte. Daraufhin fanden sich weitere indirekte Beweise. Unmittelbar nach dem Auszug der Ehefrau aus ihrem gemeinsamen Haus tauchten im Browser des Mannes immer beunruhigendere Suchanfragen auf.
Er interessierte sich für Mord und die Strafen für Gewaltverbrechen in Griechenland. Dabei zeigte er wenig Interesse daran, wie man Spuren verwischen könnte, denn er setzte auf eine Flucht. Zum Glück unterschätzte er die Effektivität der Polizei und handelte zu langsam. Die Beweislage gegen ihn war erdrückend.
Am Tatort wurde eine blutverschmierte Axt gefunden, auf der sich Blut und Gewebereste von Liana befanden. An dem Griff waren seine Fingerabdrücke gesichert worden. Die Blutspuren am Tatort wurden sorgfältig analysiert. Die große Verteilung der Spritzer deutete auf eine deutliche Brutalität, Hass und einen persönlichen Beweggrund hin.
Noch mehr Informationen lieferten die Familienmitglieder der Verstorbenen. Alle wussten genau, dass Liana jahrelang unter der Gewalt ihres Mannes gelitten hatte. Sie war entsetzt, als der Ehemann seine Abneigung auch auf die kleine Tochter übertrug. Dank der engen Zusammenarbeit der Familie mit der Polizei konnte allmählich das erschreckende Bild des gemeinsamen Lebens mit dem Mann rekonstruiert werden, einschließlich der Tage vor dem Angliff.
Leider war Liana diejenige, die am besten wußte, wie schwer es war, mit der Energie ihres Mannes umzugehen. Während der Ehe war sie mehrfach Opfer seiner Aggressionen geworden. Nach außen wirkten diese Vorfälle wie gewöhnliche Streitigkeiten, doch in Wirklichkeit verbargit vor ihrem Umfeld. Ihr Mann war von Anfang an sehr aggressiv und eifersüchtig.
Immer wieder kam es zu Wutausbrüchen, die er nicht kontrollieren konnte. Anfangs beschränkte sich sein Verhalten auf emotionale Gewalt. Doch nach der Geburt der Tochter verschlechterte sich die Lage. Wie viele Opfer häuslicher Gewalt versuchte auch Liana einfach zu ertragen und zu vergeben. Sie glaubte, dass die Geburt des Kindes etwas verändern könnte. Doch das war ein Irrtum.
Als ihr Mann sie zum ersten Mal körperlich angriff, war das für sie ein Schock. Sie war solche Behandlung aus ihrer Familie nicht gewohnt, doch sie befand sich bereits unter dem Einfluss eines Manipulators. Es gelang ihm mühelos, ihren Willen zu brechen und sie emotional zu kontrollieren. Als sie versuchte mehr Freiheit zu erlangen, wurde sein Verhalten noch grausamer.
Der Ehemann konnte ohne erkennbaren Grund ausrasten, schlug seine Frau und zeigte keinerlei Reue oder Mitgefühl. Er versuchte nicht einmal sie mit Versprechen zu beruhigen, dass es das letzte Mal sei. Im Gegenteil, er betrachtete Liana als sein Eigentum, das kein Widerspruchsrecht hatte. Die Mutter der Verstorbenen erlebte die Grausamkeit ihres Schwiegersohns mit, der sich nicht scheute, Liana sogar vor ihr zu schlagen.
Auf Nachfragen antwortete er stets: “Sie ist meine Frau.” Für den Tyrannen war das eine Rechtfertigung für die Verletzungen an Händen und Gesicht seiner Frau. Die Angehörigen der Verstorbenen versuchten wiederholt, ihr zu helfen. Sie boten Unterstützung an und rieten ihr, die Polizei einzuschalten. Doch sie fürchtete, dass die Polizei sie nicht schützen könne und dass eine Anzeige die Situation nur verschlimmern würde.
Natürlich führte die Straflosigkeit zu einer weiteren Verschärfung der Lage. Der Mann wurde noch aggressiver und grausamer. Es schien als könne es nicht schlimmer werden. Doch bald richtete sich seine Gewalt auch gegen die gemeinsame Tochter. Das Mädchen war kaum laufen gelernt, als er seine Wut erstmals an ihr ausließ.

Als die Mutter versuchte das Kind zu schützen, erhielt sie eine heftige Abfuhr. Danach suchte Liana erneut das Gespräch mit ihrer Familie. Sie wollte einen Ausweg aus diesem Albtraum finden. Bis zum Jahr 2017 hatte ihr Mann nicht nur wieder Probleme mit dem Gesetz, sondern Liana war auch so erschöpft von der Gewalt in der Ehe, dass sie die Beziehung offiziell beenden wollte.
Einzig die Angst hielt sie zurück. Später erinnerte sich die Frau oft an den Moment, in dem ihre Geduld zu Ende war. Kaum hatte sie erklärt, dass sie die Scheidung einreichen wolle, brach ihr Mann erneut in Wut aus. Das alles geschah, als Liana gerade die Badewanne füllte, um ihre Tochter zu baden. Der Mann nutzte die Gelegenheit.
In einem Anfall von Aggression packte er sie am Hals und versuchte sie zu ertränken. Auf wundersame Weise gelang es ihr, sich aus seinem tödlichen Griff zu befreien und um Hilfe zu rufen. Das brutale Verhalten ihres Mannes bestärkte sie nur darin, die Beziehung endgültig zu beenden. Doch sie erkannte, dass ihre eigene Sicherheit nun ernsthaft bedroht war. Er hatte eine Grenze überschritten.
Die junge Mutter fürchtete nicht nur um sich, sondern auch um ihre Tochter. Deshalb zog sie als erstes aus dem gemeinsamen Zuhause aus. In den folgenden Wochen hatte sie kaum Kontakt zu ihrem Mann. Das gab ihr die Zuversicht, dass er sie in Ruhe lassen würde und keine Verfolgung begann. Sie reichte die Scheidung ein und lebte weiterhin fern von ihm.
Liana sprach viel über die Probleme in ihrer Ehe mit Freunden und Verwandten. In dieser Zeit suchte sie Unterstützung. So erfuhren viele erstmals, welche schweren Prüfungen auf den zarten Schultern von Liana lasteten. Angesichts der Gewalt gegenüber dem Kind wollte sie dem Mann kein Recht geben, mit der Tochter Kontakt zu haben.
Sie sah ihm keinen liebevollen und fürsorglichen Vater. Außerdem fürchtete sie, dass er, wenn er Rache suchte, leichter an sie herankommen würde, wenn er weiterhin Kontakt zum Kind hatte. Die Frau war sich nicht sicher, ob er ihr vergeben hatte und sie einfach in Ruhe lassen würde. Diese Einschätzung erwies sich als falsch.
Tatsächlich betrachtete der Ehemann Lianas Wunsch, sich von ihn zu lösen, als Verrat. Schon zuvor war er überzeugt gewesen, dass sie ihn mehrfach betrogen hatte, obwohl das nicht stimmte. Nun war er sicher und sprach mehrfach mit Freunden darüber, wie sehr er sich Rache wünschte. Leider nahmen die meisten diese Äußerungen nicht ernst.
Bemerkenswert ist, dass die Angehörigen der Verstorbenen den Worten des Mannes nicht glaubten und sogar eine Überprüfung forderten, ob jemand aus seinem näheren Umfeld an der Tat beteiligt gewesen sein könnte. Diese Untersuchungen bestätigten jedoch keine Beteiligung dritter. Während Liana um ihr Leben kämpfte, wurde ihr Ehemann wegen versuchten Mordes angeklagt.
Nach dem Tod der Frau verschlechterte sich seine Lage erheblich. Die Anklage wurde von einem milderen Tatbestand auf vorsätzlichen Mord geändert. Nun wurde eine Rekonstruktion der Ereignisse erstellt. An einem heißen Tag im Juni 2017 blieb Liana mit ihrer Tochter in einem gemieteten Haus. Dorthin war sie gezogen, nachdem das Scheidungsverfahren mit ihrem Mann eingeleitet worden war und sie sich bereits eingelebt hatte.
Um sich zu schützen, gab Liana ihre neue Adresse nicht bekannt. Obwohl der Ex-Mann nicht als Doorker aufgefallen war, bestand keine Sicherheit und deshalb wussten nur Ängste Freunde und Familienmitglieder von ihrem Aufenthaltsort. Trotzdem wich die Gefahr nicht von ihr. Während dieser Zeit beobachtete der Ehemann sie genau und konnte ihren Weg bis zum Haus am Stadtrand verfolgen.
Aufgrund der überschaubaren Größe des Ortes war das nicht schwer. Gleichzeitig arbeitete er an einem Plan vor Ort. Alles geschah so vorsichtig, dass Lianas Wachsamkeit getäuscht werden konnte. In den vergangenen Monaten gab es nur wenige Begegnungen, was Liana sehr erleichterte. Sie glaubte, je seltener sie ihrem Ex-Mann begegnete, desto schneller würde er sich beruhigen.
Auch sie selbst mußte sich emotional wieder stabilisieren. Sie ahnte nichts von der drohenden Gefahr. Der 12. Juni unterschied sich von anderen Tagen dadurch, dass der Ehemann ohne Einladung zu Liana kam und nicht zufällig dort war. Der Mann schlich vorsichtig auf das Grundstück und blieb unbemerkt. Er hatte eine Axt dabei.
Im Haus der Ehefrau griff der Täter sie sofort an, sobald sich eine Gelegenheit bot. Zuerst schlug er ihr mit dem Stiel der Axt auf den Kopf, woraufhin Liana sofort zu Boden fiel. Das Blut reichte dem Angreifer jedoch nicht, um sich zu beruhigen. Er hörte nicht auf und setzte die Schläge fort.
Insgesamt versetzte er ihr sechs Schläge gegen Kopf und Gesicht. Noch schlimmer war, daß all dies vor den Augen ihrer dreijährigen Tochter geschah. Nach dem letzten Schlag lag Liana blutüberströmt auf dem Boden ihres Hauses, während ihr Ex-Mann floh. Er rief keine Hilfe. Die folgenden Stunden verbrachte Liana eingesperrt mit ihrer kleinen Tochter.
Sie verlor immer wieder das Bewusstsein und kam zurück, konnte aber nicht zum Telefon gelangen, um Hilfe zu rufen. Wegen der schweren Verletzungen war sie handlungsunfähig. Es blieb nur die Hoffnung auf Zufall. Gegen 21 Uhr kam Lianas Tante zu ihr nach Hause, um sie zu besuchen und zu überprüfen, warum das Telefon den ganzen Tag nicht erreichbar war.
Als die Tante das Haus betrat, rief sie zuerst ihre Nichte beim Namen. Es herrschte Stille, die plötzlich vom Weinen des Kindes unterbrochen wurde. Doch sonst antwortete niemand. In der Küche sah sie als erstes die blutverschmierten Wände und den Boden. Viana lag neben ihrer Tochter auf dem Boden und die Szenerie erinnerte an einen Horrorfilm.
Das Schlimmste war, daß der Angriff vor den Augen des kleinen Kindes stattfand, das nicht verstehen konnte, warum die Mutter nicht aufstand. Wie es der schwer verletzten Frau gelang, bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes so viele Stunden zu überleben, blieb ein Rätsel. Es schien ein Wunder, doch das Wunder blieb aus.
Leider konnte sie den Folgen des Angriffs nicht entkommen. Nach einer Untersuchung in einer psychiatrischen Klinik konnte der Mann vor eine Geschworenen Jury treten. Sein Fall wurde vor einem gemischten Geschworenen Gericht verhandelt. Im Mai 2018 begannen die Anhörungen. Am ersten Verhandlungstag war der Gerichtssaal voll mit Verwandten und Freunden der Verstorbenen, die Gerechtigkeit suchten.
Sie erinnerten sich gut an die wunderbare Liana, die von ihrem Ehemann so schwer verletzt worden war, dass sie in einem geschlossenen Sag aufbewahrt werden musste. Auf der Seite der Anklage traten zahlreiche Zeugen auf, um die Schrecken zu schildern, die Liana und ihre kleine Tochter während des Zusammenlebens mit dem Angeklagten erlitten hatten.
Sie erinnerten sich genau daran, wie eifersüchtig er war, wie er seine Frau wegen unbegründeter Vorwürfe eingesperrt hielt und wie er die Tochter misshandelte. Der Mann hatte seine Angehörigin so eingeschüchtert, dass die Frau bis zuletzt bereit war, alles zu ertragen und aus Angst vor dem Tod nicht zur Polizei zu gehen.
Es wurde angenommen, dass mehrere Motive hinter dem Angriff steckten. Erstens konnte der gewalttätige Besitzer nicht ertragen, dass die Frau jemand anderem gehören könnte. Zweitens war er zu geizig, um für sein Kind zu sorgen und fürchtete deshalb Unterhaltszahlungen. Als der Angeklagte zu Wort kam, entschuldigte er sich zunächst bei Lianas Familie, doch niemand nahm seine Worte ernst.
Alle waren überzeugt, daß er nur versuchte, seine Strafe zu mildern und sich besser darzustellen. Auch sein Anwalt versuchte dasselbe. Die Verteidigung berief sich auf psychische Probleme. Trotz aller Bemühungen von Täter und Anwalt gelang es nicht, die Unzurechnungsfähigkeit geltend zu machen. Er wurde schuldig gesprochen wegen vorsätzlichen Mordes in einem klaren Geisteszustand.
Keine der mildernden Umstände, die der Anwalt während der Verhandlung anführte, wurden berücksichtigt. Er erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Dieses Urteil brachte der Familie von Liana große Erleichterung. Sie waren sich sicher, dass Liana nicht das einzige Opfer des häuslichen Gewalttäters bleiben würde, wenn man ihn nicht hinter Gitter brachte.
Doch der Angeklagte gab nicht so leicht auf, denn im griechischen Justizsystem enden Verfahren selten mit dem Urteil der ersten Instanz. Er hatte nur noch eine Chance. Der Mann, der bereits zuvor versuchte, Schlupflöcher zu finden und seine Schuld zu mindern, nutzte diese Möglichkeit. Einige Jahre später stand er vor dem Berufungsgericht, wo die letzte Phase seines Kampfes um Freiheit begann.
Die Verteidigung konzentrierte sich darauf, die lebenslange Haftstrafe zu mildern. Es bestand sogar die Hoffnung auf vorzeitige Haftentlassung. Diese Versuche schockierten Lianas Familie, die mehrfach mit Medien sprach und betonte, dass der Täter sein Leben im Gefängnis verbringen sollte. Sie wollten nicht, dass er jemals freikommt, da danach jede Frau gefährdet wäre.
Für Lianas ältere Eltern, die plötzlich die Betreuung der verweisten Enkelin übernommen hatten, war die erneute Gerichtsverhandlung eine Hölle. Sie mussten die grausamen Details vom Tod ihrer Tochter erneut anhören. Lianas Vater sagte später: “Wir sind es leid, ständig in Angst zu leben, dass dieser Mann freikommt.
Wir wollen einfach nur unsere Enkelin in Frieden großziehen.” Es bestand noch die Möglichkeit, dass die Verteidigung das Gericht umstimmen könnte. und mildernde Umstände berücksichtigt würden. Die Angehörigen der Opfer kamen erneut in den Gerichtssaal, um zu verhindern, dass der Täter einer gerechten Strafe entgeht. Doch die Familie mußte sich keine Sorgen machen.
Nach erneuter Prüfung aller Beweise kam das Gericht erneut zu dem Schluss, daß keine Nachsicht möglich sei. Der Täter wurde wieder schuldig gesprochen. Keine mildernden Umstände wurden anerkannt. Das ursprüngliche Urteil blieb bestehen. Die lebenslange Haftstrafe gilt weiterhin. Unmittelbar nach dem Angriff stellte sich die Frage nach dem Schicksal des gemeinsamen Kindes von Täter und Opfer.
Die Familie des Täters versuchte das Sorgerecht zu erlangen, doch das Gericht entschied, dass die Großeltern mütterlicherseits die Betreuung übernehmen sollten. Zum Zeitpunkt der Berufungsverhandlung war das Mädchen bereits 8 Jahre alt und lebte weiterhin bei ihren Verwandten, die alles taten, um ihr ein Leben ohne Angst und Gewalt zu ermöglichen.
Das einzige, was sie ihr nicht geben konnten, war ihre Mutter fast 8 Jahre lang. Es hat so lange gedauert, bis im Fall von Liana Lazar endgültig ein Schlussstrich gezogen werden konnte, fast 8 Jahre stiller, zermürbender Schmerz für ihre betagten Eltern. Jedes Mal, wenn sie den Gerichtssal betraten, mussten sie diesen schrecklichen Junitag immer wieder durchleben.
Sie sahen die nüchternen Berichte der Gerichtsmediziner, zählten diese sechs verhängnisvollen Schläge und beobachteten, wie die Verteidigung versuchte, juristische Schlupflöcher zu finden, um die Freiheit dessen wiederherzustellen, der kaltblütig das Leben einer 27-jährigen Frau genommen hatte. Die Justiz zeigte schließlich eine seltene Härte.
Die lebenslange Freiheitsstrafe blieb bestehen. Das Gesetz schützte das Andenken an Liana. Doch brachte dieses Urteil wirklich Frieden in ihr zu Hause. Heute wächst Lianas kleine Tochter heran. Sie ist umgeben von der Liebe ihrer Großeltern, geht zur Schule, schmiedet Pläne für die Zukunft und erinnert sich kaum noch an jenen schrecklichen Tag, an dem ihre Welt zusammenbrach.
Die wird aufwachsen mit dem Wissen, dass ihre Mutter ein helles und gutes Wesen war, dessen Leben viel zu früh endete. Doch die Wunde, die diese Familie erlitten hat, wird niemals ganz heilen. Die Welle der Gewalt, die hinter den verschlossenen Türen eines ganz gewöhnlichen Hauses ausgebrochen ist, hat ein Leben genommen und das Schicksal von drei Generationen für immer verändert.
Die Geschichte von Liana Lazar erinnert uns daran, wie zerbrechlich das menschliche Leben angesichts plötzlicher Aggression ist. Das Gesetz hat eine lebenslange Strafe verhängt und juristisch ist dieser Kampf gewonnen. Aber wie misst man die Tiefe der seelischen Wunde eines Kindes, das zum Zeugen des schlimmsten Albtraums seines Lebens wurde? Und wie lange dauert es, bis aus der bedrückenden Stille eines Hauses wieder Normalität wird? Sie haben den Kanal Fokusfall gesehen.