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So etwas gab es noch nie – der Fall Stefania Albertani T

So etwas gab es noch nie – der Fall Stefania Albertani  

Ein Sommerabend im Jahr 2009 in einer ruhigen italienischen Stadt schien vollkommen friedlich, bis am Stadtrand plötzlich ein Feuer ausbrach. Im Inneren der lodernden Flammen entdeckten die Feuerwehrleute etwas, das für immer die Illusion des Wohlergehens einer angesehenen Familie zerstören sollte. In den folgenden Monaten ereignete sich im Haus der Familie eine Reihe von unheimlichen und unerklärlichen Vorfällen.

 Die Mutter litt plötzlich unter Atemnotanfällen, der Vater war in seltsame Unfälle verwickelt und ein dichter Nebel aus Lügen umhüllte alle Beteiligten, geschickt gesponnen von einem Täter, der ohne jeden Anflug von Reue vorging. Es schien, als hätte er jegliches menschliche Mitgefühl verloren. Doch als seine Maske schließlich fiel und die Ermittler ihn auf frischer Tat ertappten, wurde klar, dass dieser Fall weit über ein gewöhnliches Verbrechen hinausging.

 Die Ursache für seine erschreckende Kaltblütigkeit lag nicht in einer schweren Kindheit oder bloßer Harabier, sondern tief im Inneren seines Körpers, an einem Ort, den die italienische Justiz bisher nie zu erforschen gewagt hatte. Stefania Albertani wurde am 9. Mai des Jahres 1983 in der Provinz Komo in Italien geboren.

Gemeinsam mit ihrer Familie lebte sie in der Kleinstadt Cheremeda. Ihre Mutter hieß Alma, ihr Vater Luigi. Neben Stefania hatten die Eltern noch zwei weitere Kinder, den älteren Sohn Silvano und die mittlere Tochter Maria Rosa. Mein Name ist Lukas Falkner. Sie sehen den Kanal Fokusfall. Danke, daß Sie meinen Content schauen.

 Ich freue mich über Ihr Abo und Like. Viel Spaß beim Zuschauen. Die Familie Albertani war wohlhabend. Sie konnten sich ein komfortables Leben leisten, da sie ein Bauunternehmen besaßen. Es war zwar ein kleines Unternehmen, aber ausreichend profitabel, sodass es der Familie an nichts fehlte. Auf den ersten Blick wirkte die Familie eng verbunden.

 Doch nach Stefania Geburt wuchs die Spannung zwischen den Eltern. Das lag zum Teil an ihrer hohen Arbeitsbelastung. Die Ehele arbeiteten viel, waren oft müde, häufig nicht zu Hause und hatten wenig Kontakt zueinander. Selbst die Kinder fühlten sich manchmal einsam. Der Familienvater Luigi galt als klassischer Familienmensch, zuverlässig, entschlossen und mit einem Großteil seiner Zeit der Karriere gewidmet.

 Alma hingegen war eine Frau mit festen Überzeugungen, zurückhaltend, aber sehr eifersüchtig. Ob sie tatsächlich einen Grund hatte, ihrem Mann Untreue zu unterstellen, ist nicht sicher. Doch sie war überzeugt davon, dass Luigi sie betrog. Vor diesem Hintergrund kam es häufig zu Streitigkeiten in der Familie, die meist von Alma ausgelöst wurden und unter denen die Kinder oft litten.

 Besonders die jüngste Tochter nahm die innerfamiliären Konflikte sehr schwer auf. In der Schulzeit glaubte Stefania, dass ihre Mutter an einer Depression litt, doch Alma leugnete jegliche psychischen Probleme Vehement. Für sie war das Thema psychische Gesundheit ein Tabu. Diese konservative Haltung beeinflusste die ganze Familie stark.

 Viele Familienmitglieder bemerkten, dass Alma ernsthafte Schwierigkeiten hatte. Sie durchlebte eine schwere Zeit und zeigte kaum Zuneigung zu den Kindern. Als Stefania eingeschult wurde, war ihre Mutter von ihren eigenen Problemen, vor allem mit Luigi, völlig überwältigt. Mit der Zeit wurde Stefania müde, die stillen Leiden ihrer Mutter weiter mitzuerleben.

Sie wuchs heran und begann offener mit ihr zu sprechen. Doch die meisten Gespräche drehten sich darum, dass Alma sich beklagte, während Stefania ihre Mutter passiv und unfähig empfand, etwas zu ändern. Sie war der Meinung, Alma solle sich entweder beruhigen oder die Scheidung einreichen, um weder sich selbst noch die anderen Familienmitglieder weiter zu belasten.

 Nach solchen Gesprächen zog sich Alman noch mehr zurück. Stefania entfernte sich mit der Zeit immer mehr von ihrer Mutter. Stattdessen suchte sie Nähe zu ihrer Schwester Maria Rosa. Maria Rosa war etwas älter und ersetzte ihr in vielerlei Hinsicht die Mutter. In schwierigen Zeiten übernahm sie einen Großteil der Hausarbeit, kümmerte sich auch um die jüngeren Geschwister.

 Meist holte sie Stefania von der Schule ab und unterstützte sie beim Lernen. Trotz häufiger Streitigkeiten mit ihren Geschwistern war Stefania von klein auf zurückhaltend. Sie hatte wenige Freunde und hatte oft Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen. Sie mochte die Schule nicht und fühlte sich unter anderen Kindern unwohl.

 Das Mädchen baute eine Mauer um sich auf und schottete sich von der Außenwelt ab, während die Eltern ihre persönlichen Probleme weiter austrugen. So ging es bis zur Scheidung der Eltern. Wahrscheinlich führte dies dazu, dass bei der jüngsten Tochter psychische Probleme noch stärker zum Vorschein kamen.

 Im Alter von 9 Jahren entwickelte Stefania eine Form von Essstörung, die Bulimie genannt wird. Bis zur Pubertät wog sie etwa 130 kg. Bulimie ist eine Essstörung, bei der Betroffene einen starken Drang zu essen verspüren, aber nicht in der Lage sind, diesen Impuls zu kontrollieren. Es handelt sich um unkontrollierbare Anfälle, gefolgt von Schuldgefühlen, Scham, Enttäuschung und dem Wunsch, die Fehler zu korrigieren.

Deshalb schwankt die betroffene Person ständig zwischen Extremen, Hungeranfällen, dem Wunsch Erbrechen herbeizuführen oder übermäßiger körperlicher Betätigung. Dieses Verhalten wiederholt sich in einem Teufelskreis, aus dem es schwer ist, allein herauszukommen. Im Gespräch mit Vertrauten beschrieb Stefania ihre Bulimie als einen Versuch, die innere Lehre zu füllen, die sie empfand.

 Das verschärfte ihre Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen noch weiter. Sie mochte nicht nur die Schule nicht, sie fühlte sich regelrecht fehl am Platz. Wegen ihres Übergewichts schämte sie sich so sehr für ihren Körper, dass sie das Haus kaum noch verlassen wollte. Noch schwerer wog die Verschlechterung ihres Verhältnisses zu Maria Rosa.

Stefania sah in ihrer Schwester ein Vorbild, konnte aber nicht ertragen, wie unterschiedlich sie waren. Maria Rosa war diszipliniert, zielstrebig und schlank. Sie ging regelmäßig ins Fitnessstudio und achtete auf ihre Figur. Was für sie leicht schien, war für Stefania kaum möglich. Die Schwestern entfernten sich voneinander, was durch die Trennung der Eltern noch verstärkt wurde.

 Nun half nur noch der Kontakt zum Vater Stefania sich zu halten. Auf seinen Wunsch hin besuchte sie sogar eine Privatschule, die sie mit Auszeichnung abschloss. Dies wurde zu einem Stolz für sie. Ein weiterer Wendepunkt kam, als Maria Rosa, der Familie mitteilte, dass sie ausziehen wolle. Sie plante in eine kleine Mietwohnung mit ihren Katzen zu ziehen.

Für Stefania war diese Nachricht sehr schmerzhaft. Sie träumte davon, allein zu leben, konnte es sich aber nicht erlauben. Stefania nutzte ihren Schulabschluss oft als Argument gegen ihre Schwester. Bei Streitigkeiten nannte sie Maria Rosa dumm und ungebildet, weil diese nach der achten Klasse die Schule abgebrochen hatte, keinen Abschluss besaß und in einer Fabrik in ihrer Stadt arbeitete.

Später gestand die ältere Schwester, dass ihr Wunsch allein zu wohnen, vor allem aus Erschöpfung über den ständigen negativen Umgang mit Stefania resultierte. Im Jahr 2004 erlitt Luigi einen Herzinfarkt, der nicht sein erster war. Das brachte ihn dazu, mehr auf sich und seine Familie zu achten. Unerwartet näherten sich Luigi und Alma wieder an und ihre Beziehung bekam neuen Schwung.

Auch die Stimmung im Haus wurde deutlich positiver. Außerdem dachte Luigi angesichts seiner gesundheitlichen Lage über den Ruhestand nach. Natürlich musste jemand das Familienunternehmen weiterführen. Sein Sohn Silvano, der als Bauleiter tätig war, schien ihm jedoch nicht geeignet für die Position des Geschäftsführers.

Maria Rosa arbeitete in einer Schuhfabrik und war mit ihrer Situation zufrieden. Sie wollte nichts ändern. Nach reiflicher Überlegung entschied Luigi das Unternehmen seiner Tochter Stefania anzubieten, die zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt war. So erhielt sie die Mehrheit der Anteile an der Baufirma, während die restlichen 49% an ihren älteren Bruder gingen.

 Obwohl Stefania die geeignetste der Geschwister für die Geschäftsführung war, fehlten ihr die nötige Erfahrung und das Wissen. Innerhalb kürzester Zeit führten mehrere Fehlentscheidungen, die Stefania traf, dazu, dass das Familienunternehmen Verluste machte. Dennoch war sie völlig von dieser Tätigkeit eingenommen.

 Sie war fest entschlossen, alles wieder in Ordnung zu bringen. Leider half ihr dieser Einsatz nicht. Bis zum Jahr 2007 mußte die Familie das Haus verkaufen, das gleichzeitig als Geschäftszentrale und teilweise als Lager diente. Diese Maßnahme war notwendig, um die aufgelaufenen Schulden zu begleichen. Bemerkenswert ist, dass Maria Rosa während all dieser Jahre für sich selbst sorgte.

 Sie bat ihre Eltern nie um finanzielle Unterstützung, obwohl sie nur eine bescheidene Arbeit hatte. Wahrscheinlich war dies der Grund, warum die Eltern ihr einen Teil des Geldes aus dem Immobilienverkauf zukommen lassen wollten. Für sie bedeutete das viel, denn Maria Rosa träumte schon lange davon, ihre eigene Wohnung zu kaufen und keine Miete mehr zahlen zu müssen.

 Das Geld, das ihre Eltern ihr schenken wollten, sollte dafür ausreichen. Diese Entscheidung der Eltern traf Stefania wie ein Schlag. Sie war der Ansicht, dass das Geld dazu verwendet werden müsse, ihre eigenen Probleme zu lösen. Verzweifelt kämpfte sie darum, den Schaden für die Familie so gering wie möglich zu halten.

Am 12. Mai 2009 konnten die Angehörigen schon seit dem frühen Morgen die 38-jährige Maria Rosa nicht erreichen. Sie ging nicht ans Telefon und ihre Nachrichten blieben ungelesen. Selbst als Mutter und Vater zu ihr nach Hause fuhren, um persönlich nachzufragen, öffnete niemand die Tür. Die Eltern waren bereits dabei, die Polizei zu informieren und das Verschwinden ihrer ältesten Tochter zu melden, als sie am Abend desselben Tages einen Brief von ihr erhielten.

 Der Brief war am Computer geschrieben und von Maria Rosa unterschrieben. Darin gestand sie, eine größere Summe Geld von der Familie gestohlen zu haben und übernahm die volle Verantwortung für die Insolvenz des Unternehmens. Sie zeigte Reue und erklärte, daß sie für eine Weile aus der Stadt weggehen wolle, um über das Geschehene nachzudenken, sich auszuruhen und das gestohlene Geld zu genießen.

 Am nächsten Morgen kam ein weiterer Brief, ähnlich dem ersten, ebenfalls am Computer geschrieben und mit der Unterschrift von Maria Rosa versehen. Das wirkte sehr merkwürdig. Die Eltern konnten kaum glauben, dass ihre älteste Tochter so gehandelt haben sollte. Kurz darauf schickte sie von ihrer Nummer mehrere SMS mit ähnlichem Inhalt, ignorierte jedoch weiterhin alle Anrufe.

Die einzige Person, die diesen Briefen und Nachrichten blind vertraute, war Stefania. Sie überzeugte die ganze Familie davon, daß sie von einer nahehenden Person verraten worden sein und dass es besser sei, Maria Rosa schnell aus ihrem Leben zu streichen, um einfach weitermachen zu können.

  Die weiteren Ereignisse nahmen einen noch seltsameren Verlauf. Zwei Monate nach dem Verschwinden von Maria Rosa am 8. Juli wandte sich Stefania an die Polizei, jedoch nicht, um das Verschwinden ihrer Schwester zu melden, sondern um sie des Veruntreuens und Betrugs zu beschuldigen. In ihrer Anzeige behauptete Stefania, dass etwa 100.

000 Euro unterschlagen worden sein und dass die junge Frau verschwunden sei, was der Familie einen enormen finanziellen Schaden zugefügt habe. Als Beweis legte sie den angeblichen Entschuldigungsbrief ihrer Schwester vor, indem diese den Diebstahl gestand und schrieb, sie wolle aus der Stadt weggehen, um allein zu sein und nicht gesucht zu werden.

 Die Polizei begann bereits mit der Suche, jedoch ohne Erfolg. Bald richteten die Ermittler ihr Augenmerk auf Stefania, die ihre Verwandte beschuldigte, aber aus unerklärlichen Gründen zwei Monate wartete, bevor sie dies tat. Ihr Verhalten erschien merkwürdig. Die Unstimmigkeiten waren so auffällig, dass die Ordnungskräfte eine Untersuchung einleiteten.

 Die Ermittler konzentrierten sich sofort auf familiäre und finanzielle Angelegenheiten. So fanden sie heraus, dass etwa einen Monat nach Maria Rosas Verschwinden rund 3000 € von ihrer Karte abgehoben wurden. Außerdem hatte sie mehrmals das Guthaben von Stefanias Telefon mit 10 € aufgeladen. Gespräche mit Post- und Bankmitarbeitern ergaben, dass Stefania nicht ihre eigene Karte, sondern das Zahlungsmittel ihrer Schwester benutzte.

 Die Ermittler überprüften die Standortdaten von Maria Rosas Handy, die mit denen von Stefanias Telefon übereinstimmten, genau zu den Zeiten, als die Familie die merkwürdigen SMS erhielt. Zusätzlich wurden die Briefe von Maria Rosa einer Handschriftenanalyse unterzogen. Das Ergebnis zeigte, dass die Briefe mit der Handschrift von Stefania unterschrieben waren.

 Sofort wurden gegen sie Verdachtsmomente eroben und die Ermittlungen begannen, da sie als verantwortlich für das angebliche Verschwinden ihrer Schwester galt. Im Rahmen der Untersuchung wurde ein Durchsuchungsbefehl für das Haus der Familie erlassen. Am 14. Juli trafen die Ordnungskräfte auf dem beschlagnahmten Grundstück ein.

 Die Kontrolle war zunächst fast routinemäßig, bis die Polizisten viele große Plastikplanen bemerkten, die einen großen Teil des Hofes bedeckten. Rundherum waren sie mit Steinen und Ziegeln beschwert. Zunächst schien alles normal. Doch je näher die Polizisten kamen, desto stärker wurde der Geruch von verwesendem Fleisch. Als sie die Plastikplanen anhoben, fanden sie verkohlte menschliche Überreste.

Die anschließende gerichtsmedizinische Untersuchung bestätigte, dass es sich um die sterblichen Überreste von Maria Rosa handelte. Nachbarn erinnerten sich sofort an eine merkwürdige Beobachtung. Im Mai hatten sie dichten Rauch im hinteren Hof der Familie gesehen. Auf die Frage, was brenne, antwortete Stefania mit ruhiger Stimme: “Keine Sorge, ich verbrenne Dokumente, die sich nach der Insolvenz angesammelt haben.

” Laut Experten starb Maria Rosa in den ersten Wochen des Mai. Das genaue Datum war aufgrund des Verwesungsgrades schwer festzustellen, ebenso wie die Todesursache. Es fanden sich keine Hinweise auf ein gewaltsames Ende, doch in den Geweben wurden Spuren bestimmter Substanzen entdeckt.

 Dem Gutachten zufolge wurde der Körper von Maria Rosa mit Benzin übergossen und angezündet, während sie auf dem Rücken lag. Genau an dem Ort, an dem später die Überreste gefunden wurden. Das Feuer wirkte etwa 20 Minuten lang auf den Körper ein. Danach blieb er dort zur Verwesung zurück. Obwohl Spuren von Substanzen gefunden wurden, schien es unwahrscheinlich, daß diese direkt die Todesursache waren.

Aufgrund ihres Inhalts könnten sie jedoch die motorischen Fähigkeiten von Maria Rosa beeinträchtigt haben. Zu diesem Zeitpunkt war es nicht möglich, jemanden anzuklagen, weshalb die Ermittlungen weiterliefen. Bald stellte sich heraus, dass Stefania für alle finanziellen Probleme der Familie verantwortlich war.

 Es wurde klar, dass sie versuchte, ihre Fehler auf Maria Rosa abzuwälzen, selbst nach dem Tod ihrer Schwester. Bei der Durchsuchung von Stefanias Auto fanden die Ermittler Dokumente von Maria Rosa, Kleidungsreste und sogar ihre Spenderkarte, mit der sie Blut gespendet hatte. Außerdem wurden mehrere Briefe gefunden, die am Computer geschrieben waren.

 Einige davon waren mit Maria Rosas Unterschrift versehen, andere mit der von Silvana. Auf dem Grundstück entdeckte die Polizei Benzinkanister mit Stefanias Fingerabdrücken sowie Werkzeuge, mit denen sie versucht hatte, ein Grab im Hof auszuheben. Die Hauptverdächtige hatte zahlreiche Dokumente gefälscht, um ihre Lügen zu untermauern.

 Die Überprüfung der Standortdaten der Handys der Schwestern bestätigte, dass sie am späten Abend des 11. Mai gemeinsam im Bereich des beschlagnahmten Familienhauses waren, etwa bis 21 Uhr. Seit diesem Zeitpunkt wurde niemand mehr lebend gesehen. Die Ermittlungen zeigten, dass Stefania ab dem Jahr 2004 nicht nur das Geschäft schlecht leitete, sondern auch aktiv Geld ausgab und zwar weitaus mehr, als sie sich leisten konnte.

 Die Situation eskalierte wie ein Schneeball. Die Lage wurde so ernst, dass Luigi beschloss, das Haus zu verpfenden, um den Familienbetrieb zu retten. Er ahnte nicht, dass die angesammelten Probleme auf Stefanias pathologischem Lügen basierten. Die Tochter hatte sich eine völlig erfundene Welt erschaffen, in der sie seit ihrer Jugend lebte.

 Leider schenkte die Familie diesen Problemen nicht genug Aufmerksamkeit. Der familiäre Konflikt entfachte erneut mit voller Kraft. Da Mutter und Vater sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatten, waren nun Stefania und Silvana aktiv beteiligt. Silvana warf ihrer Schwester vor, Firmengelder für persönliche Zwecke veruntreut zu haben, während Stefania die Fehler von Silvana als Hauptproblem ansah.

 Die ineffiziente Unternehmensführung dauerte drei Jahre an, bevor die Familie Albertani gezwungen war, Insolvenz anzumelden. Stefania musste von vorne anfangen. Dabei hatte sie Schwierigkeiten, eine feste Anstellung zu finden und fand nur gelegentliche geringfügige Nebenjobs. Mehrfach zeigte sich ihre Neigung zur pathologischen Unwahrheit.

 So wurde sie beispielsweise als beratende Architektin in einem anderen Bauunternehmen der Stadt tätig und brachte dieses fast durch gefälschte Berichte und nachteilige Geschäfte zum Scheitern. Als es um die Auszahlung eines Teils des Erlöses aus dem Verkauf des Hauses von Maria Rosa ging, versuchte Stefania den Verkauf zu verhindern.

 Sie handelte weiterhin gegen ihre Schwester, obwohl Maria Rosa ihre Familie die ganze Zeit über unterstützte. Zwar konnte sie keine finanzielle Stütze sein, doch war sie stets bereit zu helfen. Selbst Stefania gewährte sie Zugang zu ihrem persönlichen Bankkonto, auf dem bescheidene Ersparnisse lagen. Trotz dieser Großzügigkeit gab Stefania das Geld bedenkenlos aus.

 Für ihre Fehler machte sie weiterhin andere verantwortlich, besonders Maria Rosa. Es war ihr gleichgültig, dass diese zu jener Zeit mit eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Inzwischen hatte Maria Rosa eine Beziehung mit einem Mann begonnen, der bereits Familie und Kinder hatte. So entstand ein Liebesdreieck. Leider war er nicht bereit, sich von seiner Ehefrau zu trennen oder eine Beziehung mit Maria Rosa einzugehen.

Als sie schwanger wurde, zwang er sie zu einem Schwangerschaftsabbruch. Die junge Frau durchlebte somit eine sehr schwere, emotionale Zeit. Stefanias Verhalten blieb trotz seiner destruktiven Art von ihrer Familie unbemerkt. Man vertraute ihr. Luigi, der Vater, übertrug sogar seiner jüngsten Tochter den Verkauf des Familienhauses.

Da Stefania jedoch die Transaktion verhindern wollte, begann sie ein Netz aus Lügen zu spinnen. Ihr Hauptziel war es, Zeit zu gewinnen. Sie erfand falsche Kunden und neue Geschichten. Die Situation eskalierte so weit, dass sogar die Buchhalterin, mit der sie zusammenarbeitete, bemerkte, dass ein Problem den Verkauf des Hauses verhinderte und dass dieses Problem von Stefania ausging.

 Letztlich kündigte die Buchhalterin, was einen weiteren Schritt zum Untergang des Unternehmens bedeutete. Als alleinige Geschäftsinhaberin unternahm Stefania alles, um den Verdacht von sich abzulenken. Sie erfand einen angeblichen Anwalt, der angeblich Interesse am Kauf des Hauses hatte. Dieser fiktive Charakter sollte das Familienhaus für gutes Geld erwerben.

 Doch immer wieder erschien er nicht zu den Terminen oder ließ Treffen ausfallen. Stefania zog so die Zeit in die Länge. Aufgrund der ständigen Verzögerungen verschob sich auch der Kauf einer Wohnung von Maria Rosa. Der Käufer sollte das Geld unmittelbar nach dem Verkauf des Familienhauses erhalten. Als die Transaktion scheiterte, übte er Druck auf Stefania aus und versuchte sogar Kontakt zu ihrem Vater aufzunehmen.

 Die Lügen gingen so weit, dass Stefania ihm schroff verbot, ihre Eltern zu kontaktieren und behauptete, diese seien bereits verstorben. Tatsächlich hatte sie Angst, dass ihre Täuschung aufliegen könnte. Um dies zu verhindern, überzeugte sie ihre Eltern aus dem gemeinsamen Haus in eine andere Wohnung umzuziehen. Nach Rekonstruktion der Ereignisse überzeugte Stefania am 11.

 Mai ihre Schwester, sie zu einem Treffen mit dem erfundenen Anwalt zu begleiten. Wie genau ist nicht bekannt. Doch offenbar gab sie ihrer Schwester Substanzen, möglicherweise durch das Getränk gemischt und hielt Maria Rosa so in einem veränderten Bewusstseinszustand. Erstaunlicherweise starb Maria Rosa nicht sofort.

 Stefania betäubte sie mit diesen Mitteln im beschlagnahmten Familienhaus bis zum Abend des 13. Mai. Der Konflikt zwischen den Schwestern entbrannte, als Maria Rosa Stefania der Lügen überführte. Sie hatte ihr schon lange nicht mehr geglaubt, erkannte nun alle Täuschungen und forderte ein Ende. In einem Wutanfall aus Angst vor Enthüllung griff Stefania ihre ältere Schwester an, die sich noch im benebelten Zustand befand und somit ein leichtes Ziel war.

 Nachdem Maria Rosa das Bewusstsein verloren hatte, begann Stefania sie zu würgen, zog sie in den hinteren Teil des Gartens, übergoss sie mit Benzin und setzte sie in Brand. Die Verdächtige gestand nichts. Um weitere Beweise zu sammeln, wurde die gesamte Familie Albertani überwacht. Dies erwies sich als nicht nur sinnvoll, sondern lebenswichtig.

Am 7. Oktober 2009 begab sich Stefania mit ihren Eltern zum Amt, um einen Antrag auf staatliches Wohnen zu stellen. Die älteren Eltern blieben im Auto, während die Tochter das Gebäude betrat. Kaum war sie um die Ecke verschwunden, bemerkten die Eltern einen starken Geruch nach Benzin und stiegen aus.

 Vor dem Auto fanden sie einen brennbaren Lappen, der in den offenen Tank gesteckt worden war. Die Mutter und der Vater waren schockiert, daß jemand versucht hatte, das Auto in Brand zu setzen, während sie darin saßen und verdächtigten ihre Tochter. Stefania bestritt alles, doch offensichtlich kam niemand sonst für diesen Anschlag in Frage.

 Nach einer Durchsuchung der Familienküche entdeckten die Ermittler Interessantes. In Tee und Suppe, die Stefania für ihre Eltern zubereitet hatte, fanden Experten Spuren derselben Psychotropensubstanzen, mit denen ihre Schwester vergiftet worden war. Dabei versuchte Stefania systematisch ihre Eltern glauben zu machen, sie würden den Verstand verlieren, Fakten verwechseln und seien Selbstschuld an allem.

 Die Ermittler werteten auch Notrufe und die Untersuchung nach einem Autounfall ihres Vaters aus. Dabei stellte sich heraus, dass der Mann beim Aufprall gegen eine Wand nicht aus Unachtsamkeit handelte. In seinem Blut wurden hohe Mengen an Beruhigungsmitteln gefunden. Er überlebte den Unfall nur knapp. Am selben Tag gegen 13 Uhr beschuldigte Alma die Mutter erstmals offen ihre Tochter und machte sie für alle Familienprobleme verantwortlich.

In diesem Moment fühlte Stefania dasselbe wie bei Maria Rosa. Nach der Anschuldigung griff sie ihre Mutter an und begann sie zu würgen. Die Frau schrie und war dem Tod nah. Dank der im Haus installierten Überwachung reagierten die Polizisten sofort. Als sie das Haus stürmten, stand Alma bereits in Flammen.

 Es gelang sie zu retten. Mit schweren Verbrennungen wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Später überlebte sie und Stefania wurde umgehend festgenommen. Im Polizeirevier verhielt sich Stefania weiterhin völlig ruhig. Trotz erdrückender Beweise leugnete sie sowohl den Mord an ihrer Schwester als auch den Anschlag auf ihre Mutter.

 Dies funktionierte bis einmal zu Bewusstsein kam und alles ausführlich schilderte. Danach blieb Stefania nichts anderes übrig, als den Anschlag auf ihre Mutter und anschließend den Mord an ihrer Schwester zu gestehen. Von Anfang an behauptete sie, alles sei Folge psychischer Probleme gewesen. Laut ihrer Aussage habe sie kurz nach dem Entzünden des Körpers einen Moment der Klarheit gehabt und Maria Rosa gelöscht.

Doch dann habe ihr böses alter Ego die Oberhand gewonnen. Sie habe den Körper erneut in Brand gesetzt und zusätzlich brennbare Flüssigkeit verwendet. Als das Feuer erloschen war, bedeckte Stefania die verkohlten Überreste mit Plastik und ließ sie auf dem Gelände des alten Familienhauses zurück. Angesichts des Ausmaßes der Tat wurde beschlossen, den psychischen Zustand der Verdächtigen zu prüfen.

 Die Expertenmeinungen gingen auseinander, weshalb die Verteidigung eine umfassende neurobiologische Begutachtung beantragte. Der Fall der Familie Albertani war der erste in Europa, bei dem zur Analyse des kriminellen Profils nicht nur klassische Psychiatrie, sondern auch Neurobiologie mit einer umfassenden Analyse der Gehirnfunktionen eingesetzt wurde.

 Nach Ansicht der Experten war Stefania zum Zeitpunkt der Tat teilweise nicht in der Lage, das Geschehen zu erkennen oder ihr Verhalten zu kontrollieren. Es wurden mehrere Untersuchungen durchgeführt, die letzte im Januar 2010. Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass Stefania unter einem pathologischen Zustand handelte.

 Die offizielle Begutachtung diagnostizierte bei ihr Anzeichen einer hysterischen Störung und einer dissoziativen Störung. Die Anklage versuchte die Verteidigung der Schuldfähigkeit anzufechten, indem sie argumentierte, dass die Zustände, in denen sich Stefania befand, nicht schwerwiegend genug gewesen sein, um ihr Denken und Bewusstsein maßgeblich zu beeinflussen.

Es war sogar notwendig, eine Magnetresonanztomographie durchzuführen, um das Gericht von der Fehlerhaftigkeit dieser Behauptung zu überzeugen. Zum Zeitpunkt des Prozessbeginns wurde das Mädchen als voll schuldfähig eingestuft, weshalb ihr eine lebenslange Freiheitsstrafe mit einer Mindestdauer von 30 Jahren drohte.

Im Verlauf der Prozessvorbereitung stellte sich heraus, dass Stefania im Juni 2009 versucht hatte, ihr Leben freiwillig zu beenden, indem sie eine große Menge Medikamente einnahm. Sie überlebte jedoch. Wenige Tage später versuchte sie dasselbe mit ihrem Vater Luigi, indem sie ihm ähnliche Medikamente ins Essen mischte.

 Er wurde sogar ins Krankenhaus eingeliefert und in seinem Blut wurde eine sehr hohe Medikamentenkonzentration festgestellt. Dennoch vermutete niemand, dass Stefania zu solchen Taten fähig war, weshalb der Vorfall einfach ignoriert wurde. Die Anklage betrachtete sie als vollständig schuldfähig. Stefania erinnerte sich genau an alle Daten, rekonstruierte die zeitliche Abfolge der Ereignisse Minuten genau, verhaspelte sich nicht in ihren Worten und war sich vollkommen bewusst, dass sie ein Verbrechen begangen hatte.

Eine Schizophrenie, Halluzinationen oder Psychosen wurden bei ihr nicht diagnostiziert. Stefania fehlte einfach die Empathie. Die Staatsanwaltschaft plante für das Mädchen eine lebenslange Freiheitsstrafe zu erwirken. Am 20. Mai 2011 wurde Stefania Albertani zu 20 Jahren Haft sowie zu 3 Jahren verpflichtender psychiatrischer Behandlung verurteilt.

Dieser Fall war der erste in der Geschichte Italiens, bei dem die Neurowissenschaften eine Strafmilderung für einen Straftäter ermöglichten. Bei Stefania wurden schwerwiegende Störungen festgestellt, die mit Anomalien und Entwicklungsstörungen in Hirnregionen zusammenhingen, die für die Kontrolle aggressiven Verhaltens und impulsiver Handlungen verantwortlich sind.

 All dies wurde einer Form geistiger Beeinträchtigung gleichgesetzt. Daraufhin nutzte ihr Anwalt diese Erkenntnisse, um bei der Berufung eine Strafmilderung zu erreichen. Dennoch bestätigte das Berufungsgericht das Urteil. F Jahre nach dem Tod ihrer Schwester trat Stefania Albertani in einer Fernsehübertragung auf. Sie hatte mehrere Rehabilitationsprogramme durchlaufen und erzählte die Geschichte mit großer Klarheit und vielen Details.

Stefania erkannte die Schwere ihrer Taten tiefgründig und behauptete weiterhin, dass die Morde und alle anderen Vergehen vom bösen Alter Ego begangen worden sein. Stefania befindet sich noch immer im Gefängnis und erhält weiterhin Psychotherapie. In ihrem letzten Interview erklärte sie, daß sie ohne zu zögern ihr Leben für Maria Rosa gegeben hätte, damit diese leben kann.

 Doch kann man einer Täterin wirklich glauben? Der Name Stefania wird für immer in den Lehrbüchern der Kriminologie und des Neurorechts stehen als der Name einer Frau, deren Urteil durch die Wissenschaft verändert wurde. Doch hinter den nüchternen Zeilen dieses juristischen Präzfalls verbirgt sich eine erschütternde Lehre. Die Eltern, die Stefania großgezogen hatten, verloren plötzlich ihre älteste Tochter und entkamen nur knapp dem Tod durch die Jüngere.

 Sie brachte dieses Urteil keine Erleichterung, denn keine medizinische Dokumentation kann die Wunden heilen, die durch das Verrat des nächsthenden Menschen entstanden sind. Der Fall der Familie Albertani öffnete eine beängstigende Büchse der Pandora und teilte die Welt in ein davor und danach. Wenn Grausamkeit in Millimetern fehlender grauer Substanz gemessen werden kann und die Tötungslust durch ein angeborenes Kriegergehen erklärt wird, wo bleiben wir dann selbst in diesem ganzen? War Stefania ein kaltblütiges, berechnendes Monster, das die Höchstrafe

verdient? Oder war sie nur ein fehlerhaftes biologisches System eingesperrt im Käfig ihres eigenen Körpers und dem Gewaltpotenzial ihrer Geburt ausgeliefert? Was denken Sie? Ist es gerechtfertigt, ein Urteil zu mildern, wenn die Natur den Täter so geschaffen hat? Sie haben den Kanal Fokus Fall gesehen.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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