Die Auktion lachte über seinen 480-Mark-Schwimmkörper – bis seine Frau 3 Zeichen entdeckte
Am 17. Oktober 1987 wollte auf dem Gelände eines stillgelegten Hafenbetriebs bei Eckern Förde niemand den langen rostigen Staukörper haben. Im Katalog stand nur alter Schwimmkörper, Zustand unbekannt. Fast 12 m Metall, zu schwer für einen normalen Anhänger und mit mehreren zugeschweißten Öffnungen, die niemand erklären konnte.
Bei 480 Mark blieb nur noch ein Gebot übrig. Karl Petersen hob die Hand. Seine Frau Ingrid sah nicht zum Auktionator. Sie starrte auf eine Stelle unter der grauen Farbe, an der drei Zeichen durchschimmerten. U50 Karl war 71, ehemaliger Schiffsmechaniker. Ingrid war 68 und hatte früher technische Zeichnungen für eine Kel Werft angefertigt.
Sie waren nicht gekommen, um ein U-Boot zu kaufen. Eigentlich wollten sie nur eine alte Spillwinde ersteigern, die zwei Lose vorher zu teuer geworden war. Dann hatte Karl den Stahlkörper gesehen. Die meisten Interessenten gingen vorbei und rechneten nur aus, was der Transport kosten würde. Karl ging direkt zum Heck. Dort ragte ein kurzer stark vergostseter Wellenstummel aus dem Metall.
Nicht einfach durch ein eingeschweißtes Rohr, sondern durch ein sauber gearbeitetes Lagergehäuse mit einer alten Dichtung und vier symmetrisch gesetzten Befestigungspunkten. “Für einen Pongtong ziemlich viel Aufwand”, sagte er. Ingrid kniete inzwischen an der Backboardseite. Unter zwei Schichten Hafenfarbe verlief eine gerade Kante.
Sie rieb vorsichtig über eine abgeplatzte Stelle. Darunter lag ältere schwarze Farbe, darauf ein weißer Rest eines Zeichens, ein U, dahinter eine fünf, dann eine Null. Der Rest verschwand unter einer später aufgesetzten Stahlplatte. Karl Er kam herüber, sah die Stelle und sagte nichts. Der Auktionator rief 450 Mark. Ein Schrotthändler bot 460.
Karl ging auf 480. Danach hob niemand mehr die Hand. Wer ihn kaufte, musste ihn bis Montagabend abholen. Sonst durfte der Hafenbetrieb ihn für den Transport zerschneiden lassen. Genau das wollte Karl verhindern. Noch am Nachommittag organisierte Ingrid einen Tieflader. Karol bestand darauf, dass keine Kette um das Heck gelegt wurde.
Der Kranführer nahm schließlich breite Gurte und setzte den Körper langsam auf die Ladefläche. Dabei hörte Karl aus dem hinteren Drittel ein dumpfes metallisches Schlagen. Da warnen noch etwas. Am nächsten Morgen lag der Körper hinter Karls Werkstatt. Karl entfernte zuerst nur ein später angeschraubtes Schutzblech am Heck.
Darunter kam ein sauber gefertigter Durchbruch durch die eigentliche Hülle zum Vorschein. Neben der Welle saß ein kurzer Hebelarm, völlig festgerostet, aber eindeutig Teil eines alten Steuermechanismus. Ingrid legte ein Maßband über die Außenhaut und markierte jede erhaltene Bohrung auf Millimeterpapier. Nach 20 Minuten hatte sie zwei Reihen Punkte, links und rechts, fast spiegelgleich.
Sie zeichnete eine Mittellinie ein, prüfte den Abstand noch einmal und schob Karl das Blatt hin. Die gehören zusammen. Ein Schwimmkörper brauchte keine zentrale Antriebswelle. Er brauchte keinen geschützten Steuerhebel im Heck und er brauchte keine präzise gesetzten Befestigungspunkte auf beiden Seiten.

Sie [räuspern] hatten keinen Ponton gekauft, in den später ein Antrieb eingebaut worden war. Jemand hatte eine Maschine mit Antrieb genommen, ihre ursprünglichen Teile entfernt und sie danach zu einem Ponton gemacht. Wenn Sie Geschichten mögen, in denen alte Fachleute in vergessenem Metall Dinge erkennen, an denen andere vorbeigehen, abonnieren sie Rost und Geheimnisse, denn für Karl und Ingrid begann die eigentliche Frage erst jetzt.
Ingrid kratzte mit einem Holzspartel eine dicke Schicht her vom unteren Rand der Hülle. Darunter erschien keine Reparatur, sondern eine lange Reihe massiver, sauber ausgerichteter Aufnahmen. Eine zweite Reihe lag auf der anderen Seite in exakt derselben Höhe. Karl maß den Abstand, ging einige Schritte zurück und betrachtete die schmale Form des Körpers von vorn bis hinten.
Dann [räuspern] sagte er einen Satz, den Ingrid zunächst für übertrieben hielt. Da hing früher etwas außend dran. Was Karl zeigte auf die beiden langen Befestigungszonen, etwas Schweres und zwar auf beiden Seiten. Karl begann nicht mit Vermutungen, sondern mit Abständen. Ingrid hielt das Maßband, er las die Werte vor. Länge des Körpers knapp 12 m.
Größte Breite ungefähr 1,7 m. Ein einzelner Wellenabgang am Heck. Zwei lange Befestigungszonen tief an den Seiten dort, wo bei einem normalen Arbeitskörper nichts hingehörte. Ingrid übertrug alles auf Millimeterpapier. Sie zeichnete nicht den Rost, nicht die später angeschweißen Hafenstreben, sondern nur die Teile, die offensichtlich älter waren.
Nach und nach entstand die Silhouette eines sehr schmalen Fahrzeugs. Karl stand hinter ihr und sah auf die Zeichnung. “Zwei Mann”, sagte er. Ingrid blickte hoch. “Woher willst du das wissen?” Er zeigte auf den Abstand zwischen dem ehemaligen Einstieg oben und dem Heckraum. “Für mehr ist da kein Platz.” Am Nachmittag lösten sie eine kleine verschraubte Abdeckung im hinteren Bereich.
Dahinter war kein Motor mehr, nur vier alte Maschinenfundamente, eine Kupplungsaufnahme und der Verlauf der Welle. Alles war sorgfältig entfernt worden, nicht herausgerissen, nicht ausgebrannt. Jemand hatte die Maschine systematisch ausgeschlachtet. Ingrid fand an einer Halterung einen schwachen Prägestempel. Sie reinigte ihn mit Petroleum und einer Messingbürste, bis mehrere Buchstaben lesbar wurden. A E G.
Karl setzte sich auf die Werkbank. Elektrischer Antrieb. Zusätzlich zu einem Verbrennungsmotor. Wenn es das ist, was ich denke. Ja. Jetzt sprach er das Wort zum ersten Mal aus Seehund. Ingrid kannte den Namen. Kleine deutsche U-Boote aus den letzten Kriegsmonaten. Für zwei Mann gebaut, extrem eng, mit diese für die Fahrt an der Oberfläche und Elektromotor unter Wasser.
Aber eine Erinnerung war kein Beweis, also suchten sie weiter. Auf der Oberseite gab es eine ovale Zone, an der die Außenhaut anders aussah. Der Stahl war dort sauber, entlang einer alten Kontur abgetrennt und später mit einer flachen Platte verschlossen worden. Karl legte seine Hand auf den Rand. Hier saß etwas. Ingrid sah auf ihre Zeichnung.
Eine kleine Kanze. Karl nickte. Noch am selben Abend telefonierte Ingrid mit einem ehemaligen Kollegen aus Kiel. Der gab ihr die Nummer von Heinrich Foss, einem pensionierten Schiffbauingenieur, der während des Krieges als Lehrling in einer Werft begonnen hatte und später jahrzehntelang Kleinfahrzeuge begutachtet hatte.
Foss wollte zunächst keine Geschichte hören. Schicken Sie mir Maße. Ingrid nannte Länge, Breite, Position der Welle, Abstand der seitlichen Aufnahmen und die Form des ausgeschnittenen oberen Bereichs. Am anderen Ende blieb es mehrere Sekunden still. Machen Sie Fotos vom Heck. Zwei Tage später stand Heinrich Foss selbst hinter der Werkstatt.
Er war seundig, klein, mit einem dunklen Mantel und einer Aktentasche, die er nicht einmal öffnete. Er ging einmal um den Körper herum, dann ein zweites Mal am Heck blieb er stehen, er sah auf die Wellenanlage, dann auf die ehemaligen Aufnahmen an den Seiten, schließlich auf die verschlossene Öffnung oben. Woher haben Sie den Hafenauktion? Foss ging näher an die Seitenwand und strich mit zwei Fingern über eine Reihe ehemaliger Befestigungspunkte.
Das hier waren keine Träger für einen Steg. Karl sagte nichts. Fossß richtete sich auf. Das ist ein Sehund. Jetzt hatte die Vermutung einen Namen. Der Typ x7B war knapp 12 m lang, extrem schmal und für zwei Mann ausgelegt. Unter Wasser lief er elektrisch an der Oberfläche über einen kleinen Dieselmotor.
Das entscheidende aber lag außen. Zwei Torpedos, je einer an jeder Seite des Rumpfes. Genau dort, wo Karl die langen Befestigungszonen gefunden hatte. Ingrid ging sofort zurück zu der Stelle mit der alten Lackierung U50. Noch immer fehlten die letzten Ziffern. Foss erklärte, daß Seehunde tatsächlich Unnummern aus der Fünfausender Weihe getragen hatten.
Das Ragment passte also. Aber statt die Sache damit abzuschließen, machte Foss etwas anderes. Er klopfte gegen eine der groben Querstreben, die Jahre später außen angeschweißt worden waren. “Die hier gehört nicht zum Boot, das wissen wir.” Nein”, sagte Foss. “Ich meine, die wurde erst angebracht, nachdem alles militärische entfernt war.
” Karl zeigte ihn die zugeschweißen Öffnungen. Foss betrachtete die Nähe genauer. Saubere Demontage, kein Bombenschaden, kein Brack. Das änderte die Geschichte vollständig. Der Sehund war nicht irgendwo gesunken und später zufällig geborgen worden. Jemand hatte ihn nach dem Krieg bewußt entwaffnet, technische Teile ausgebaut, Öffnungen verschlossen und den Rumfäh etwas völlig anderes vorbereitet.
Ingrid begann nun nicht mehr nach der U-Bootnummer zu suchen. Sie untersuchte die späteren Schweißteile. Auf einer der Querstreben lagen mindestens drei Farbschichten übereinander. Grau, rotbraun, dann wieder grau. Unter der letzten Schicht erschien eine gelbe Ziffer. Sie legte mehr frei, ein Inventarkürze, dann eine Nummer und darunter klein eingeschlagen 1949.
Karl stand neben ihr. Vier Jahre nach Kriegsende war dieser Rumpf also noch in Deutschland gewesen. Nicht versteckt, nicht vergessen. Er war inventarisiert worden als Arbeitsgerät. Ingrid legte den Pinsel weg. Karl, ja, wenn das 1949 offiziell erfasst wurde, dann hat ihn jemand benutzt. Karl sah auf die massiven Streben, die quer über den ehemaligen U-Boot rumfliefen.
Zum ersten Mal interessierte ihn weniger, was das Fahrzeug einmal gewesen war, sondern wozu man es gemacht hatte. Ingrid notierte das Inventar kürze und begann am nächsten Morgen zu telefonieren nicht nach U-Booten, sondern nach dem Hafenbetrieb, der 1949 existiert hatte. Nach drei Anrufen landete sie bei einem ehemaligen Lagermeister in Kie, der den Namen noch kannte.
Der Betrieb war längst geschlossen, aber ein Teil seiner alten Unterlagen war in ein Kommunalarchiv gelangt. Dort fanden Karl und Ingrid zwei Tage später keinen spektakulären Geheimbericht, sondern eine unscheinbare Liste aus dem Jahr 1949. Zwischen Pumpen, Stahlträgern und ausgemusterten Schlepperteilen stand eine Position mit derselben Inventarnummer wie auf ihrem Rumpf.
Schwimmkörper, Stahl, umgebaut, mehr nicht. Kein Hinweis auf U-Boot, keine Herkunft, kein Hersteller, aber in der Spalte für den Einsatzort stand Arbeitssteg 3. Das war genug, um die Richtung zu ändern. Über einen früheren Hafenarbeiter fanden sie schließlich Wilhelm Kruse, 74 Jahre alt, der 1949 als Lehrling in genau diesem Betrieb angefangen hatte.
Als Ingrid ihm die Nummer vorlß, reagierte er nicht. Als Karl ihn wie Länge nannte, schwieg er kurz. Dann fragte er: “Der lange Stahlkörper mit den dicken Querträgern?” K setzte sich gerade hin. Sie kennen ihn kennen es zu viel. Wir haben darauf gearbeitet. Cruse erklärte, dass Untersteg drei Jahrzehntelang ein ungewöhnlich schmaler runder Stahlkörper gelegen hatte.
Für die Männer damals war er einfach der alte Schwimmkörper. Zwei massive Träger waren darüber geschweißt worden. Darauf saß die Arbeitsplattform. An diesem Steg wurden Fischerbote ausgerüstet, Pumpen gewechselt, Propeller ausgebaut und Motoren angeliefert. “Hat jemand gewusst, was das vorher war?”, fragte Ingrid.
Cruse schüttelte den Kopf, vielleicht die Alten. “Uns Lehrling hat das keiner erklärt.” Dann erinnerte er sich an etwas. Der Körper habe anfangs noch eine kleine Erhöhung oben gehabt. Später sei sie entfernt und die Öffnung flach verschlossen worden, weil sie unter dem Steg störte. Außerdem habe man in den ersten Jahren mehrmals Öl aus dem Heck abgelassen.
Karl sah Ingrid an. Das passte nicht zu einem einfachen Ponton, sondern zu einer Maschine, aus der man alles brauchbare entfernt hatte, ohne den eigentlichen Druckkörper aufzuschneiden. Zurück in der Werkstatt untersuchte Kar genau diesen Heckbereich noch einmal. Hinter der bereits geöffneten Abdeckung saß der festgerostete Hebelarm.
Bisher hatte er ihn für ein totes Reststück gehalten. Diesmal entfernte er nur verhärtetes Fett und Rost an der Achse. Dann setzte er einen kurzen Schlüssel an. Der Hebel bewegte sich. Vielleicht 3 mm. Karl stoppte sofort nicht mehr. Ingrid kniete neben ihm. Warum? Weil ich nicht weiß, was dahinter noch verbunden ist. Sie leuchteten tiefer in den engen Raum.
Hinter dem Hebel verlief eine alte Welle quer durch das Heck. Ein Ende verschwand in einem Lagerbock. Das andere führte zu einem zweiten Arm. Dazwischen fehlte eine Verbindung. Karl zeichnete mit dem Finger in die Luft. “Wenn ich hier eine gerade Stange einsetze, müsste der zweite Arm mitgehen.
” Ingrid antwortete nicht. Sie wollte ihr Papier. Eine Stunde später lagen drei Zeichnungen auf dem Tisch. Ingrid hatte die Achsen, Abstände und alten Gelenkpunkte eingetragen. Dann schob sie Karls vorgeschlagene Linie darüber. Sie traf nicht. So kann es nicht gewesen sein. Karl sah genauer hin. Sie hatte recht. Mit einer geraden Verbindung hätte der zweite Hebel in die falsche Richtung gearbeitet.
Außerdem wäre die Stange bei halbem Ausschlag gegen einen alten Verstärkungsring gestoßen. Ingrid [räuspern] zeichnete stattdessen eine gekröpfte Verbindung mit zwei versetzten Gelenkpunkten. Plötzlich passten alle alten Spuren zusammen. Nicht nur die Bohrungen, auch zwei glänzendere Stellen unter dem Rost, an denen jahrzehntelang etwas bewegt worden war.
Karls auf die Zeichnung, das war die Ruderanlenkung. Sie hatten bisher geglaubt, dass vom ursprünglichen Steuermechanismus nur einzelne Fragmente übrig waren. Tatsächlich steckte noch fast der gesamte hintere Teil im Rumpf. Nur die Verbindung war beim Umbau entfernt worden. Karl begann nicht sofort mit der Reparatur.
Erst wollte er wissen, ob die Teile wirklich aus der ursprünglichen Bauzeit stammten. An einem Lagergehäuse saß unter einer Schicht alten Fettes ein kleiner Schlagstempel. Ingrid reinigte ihn vorsichtig. eine Buchstabenzahlenkombination. Fos verglich sie später mit Unterlagen aus derselben Fertigungsgruppe und bestätigte, dass das Bauteil in die richtige Produktionsperiode passte.
Damit änderte sich die Lage ein letztes Mal. Sie hatten nicht nur einen ehemaligen Seehundrumpf. Im Hack befand sich noch ein Teil seiner originalen Steuerung und im Gegensatz zu allem anderen war dieser Teil nicht herausgerissen worden. Er war einfach steheneblieben. Karl ließ über Nacht Kriechhöl in das Lager ziehen.
Am nächsten Morgen baute er keine neue Mechanik ein. Er löste nur Schmutz, alte Fettkrusten und Rost dort, wo sich ursprünglich etwas bewegt hatte. Ingrid fertigte aus einfachem Flachstahl eine provisorische Verbindung nach ihrer Zeichnung an. keine Kopie eines unbekannten Originalteils, nur ein Teststück, um die Geometrie zu prüfen.
Sie montierten es am Nachmittag. Karl nahm den Hebel in die Hand. Ingrid stand draußen am Heck und beobachtete die alten Lagerpunkte. Langsam! Karl drückte, innen bewegte sich die Welle, draußen kam für einen Moment Spannung auf den korrodierten Gelenken. Dann stoppte alles abrupt. Kein Knall, kein Bruch, nur ein harter metallischer Anschlag.
Karl ließ sofort los. Ingrid ging einmal um das Heck herum, sah auf ihre Zeichnung und dann auf eine der groben Querstreben, die 1949 für den Arbeitssteg angeschweißt worden waren. Jetzt verstand sie, warum der Mechanismus nach wenigen Zentimetern blockierte. Nicht der Krieg hatte ihn zerstört.
Der Umbau zum Ponton hatte ihm den Weg abgeschnitten. Die Querstrebe lag genau dort, wo die alte Ruderanlenkung ihren vollen Weg gebraucht hätte. Karl kroch noch einmal unter das Heck. hielt Ingrid Zeichnung neben das Metall und Maß nach. Die Strebe war nicht Teil des Seehunds. Sie gehörte eindeutig zum Umbau von 1949. Beim Bau des Arbeitsstegs hatte niemand darauf achten müssen, ob sich ein längst stgelegter Steuermechanismus noch bewegen konnte.
Man hatte die neue Konstruktion einfach durch den Raum geführt, den früher die Anlenkung benötigt hatte. “Dann schneiden wir sie weg”, sagte Karl. Ingrid schüttelte den Kopf, nicht die ganze. Wenn sie jetzt sämtliche späteren Teile entfernten, würden sie zwar wieder etwas herstellen, das stärker wie ein U-Boot aussah. Gleichzeitig würden sie aber genau die Spuren vernichten, die erklärten, was nach dem Krieg mit ihm geschehen war.
Also markierte Ingrid nur einen schmalen Bereich der Strebe. Karl trennte dort ein Stück heraus, gerade groß genug, damit die alte Anlenkung ihren ursprünglichen Bewegungsweg zurückbekam. Die restliche Konstruktion blieb unangetastet. Danach nahm er das provisorische Verbindungsteil wieder ab. Das erste Lager ließ sich inzwischen bewegen, das zweite nicht.
Karl erwärmte nichts und schlug auf nichts ein. Er entfernte die alte Fettkruste, reinigte den Rand des Lagers und arbeitete Kriechöl hinein. Erst stunden später versuchte er es erneut. Die Welle gab nach ein paar Millimeter, dann einen Zentimeter. Mehr brauchte er zunächst nicht. Ingrid kontrollierte draußen die beiden Hebelstellungen.
Karl setzte ihre Verbindung wieder ein. Diesmal stand nichts im Weg. Bereit. Sie ging ans Heck. Karl drückte langsam gegen den alten Steuerarm. Im Inneren drehte sich die Welle. Draußen bewegte sich zunächst nur Rost. Dann ruckte einer der alten Hebel. Ingrid hob sofort die Hand. Noch einmal. Karl ging zurück in die Ausgangsstellung und drückte erneut.
Diesmal folgte der zweite Hebel. Nicht schnell, nicht weit, aber synchron. Nach fast 40 Jahren bewegte sich im Heck des ehemaligen Kleinst-Bootes wieder ein Teil jener Mechanik, mit der einmal seine Ruder angesteuert worden waren. Karre ließ los. Keiner von beiden sagte etwas.
Sie brauchten keinen laufenden Motor, keine nachgebauten Torpedos, nicht einmal eine vollständige Restaurierung. Diese wenigen Grad Bewegung reichten, denn jetzt ließ sich zeigen, dass unter den späteren Hafenumbauten nicht nur ein militärischer Stahlkörper überlebt hatte. Ein Teil seiner ursprünglichen Mechanik war noch immer dort. Heinrich Fors kam zwei Tage später erneut vorbei.
Diesmal brachte er Unterlagen mit. Er vergicht die Abstände, die Form des Hecks, den ehemaligen Einstieg, die seitlichen Aufnahmen und die erhaltenen Teile der Steuerung. Am Ende legte er seine Notizen auf den Tisch. Typ xx7 B5, sagte er. Seehund. Bei der genauen Bootsnummer blieb er vorsichtiger. Unter der Farbe war weiterhin nur ein Teil der alten Kennzeichnung lesbar.
Ingrid hatte absichtlich nicht aggressiver geschliffen. Was darunter fehlte, sollte nicht durch eine passende Zahl ersetzt werden, nur damit die Geschichte vollständiger wirkte. Sie wussten, was der Rumpf war. Das musste reichen. Die Nachricht verbreitete sich trotzdem schnell. Erst kam ein Mitarbeiter eines kleinen technischen Museums, dann ein Historiker aus Kiel.
Niemand interessierte sich besonders für die 480 Mark, die Karl bezahlt hatte. Viel interessanter war etwas anderes. An diesem Objekt lagen zwei vollkommen verschiedene Kapitel deutscher Geschichte direkt übereinander. Die ältere Schicht erzählte vom Krieg. Ein enger Zweimannkörper, gebaut für einen Diesel und Elektroantrieb mit außengetragenen Torpedos und kaum Platz für die Besatzung.
Die jüngere Schicht erzählte von 1949. von angeschweißten Trägern, grauer Hafenfarbe und einem Arbeitssteg, auf dem Männer Pumpen, Propeller und Fischereimotoren repariert hatten, ohne zu wissen, was unter ihren Füßen lag. Das Museum wollte den Rumpf übernehmen und konservieren. Ein erster Vorschlag sah vor, die späteren Streben zu entfernen und die ursprüngliche Silhouette so weit wie möglich wiederherzustellen. Karl lehnte ab.
Ingrid erklärte, warum. Wenn man alle Teile von 1949 abschnitt, würde man aus dem Fundstück wieder nur ein Kriegsobjekt machen. Dabei war gerade das nicht seine ganze Geschichte. Also blieb eine der großen Querstreben erhalten, auch ein [räuspern] Stück der grauen Hafenfarbe. Daneben wurde nur ein kleiner Bereich bis zur älteren Lackschicht freigelegt, dort wo noch immer die unvollständigen Zeichen zu erkennen waren. U50.
Monate später stand der Rumpf erstmals öffentlich in einer Halle. Keine Torpedos darunter, kein künstlich ergänzter Bootsname, keine erfundene Einsatzgeschichte. Am Heck konnte man die erhaltene Mechanik sehen. Darüber verlief der grobe Stahlträger aus der Nachkriegszeit. Karl bewegte den Steuerarm einziges Mal für die Vorführung.
Langsam setzte sich die alte Anlenkung in Bewegung. Ein Besucher fragte Ingrid, warum man diese hässliche Strebe nicht entfernt habe. Sie zeigte erst auf den Rumpf und dann auf den Träger, weil beides dazu gehört. Fast 40 Jahre lang hatten Menschen geglaubt, dieser Stahlkörper sei nichts weiter als ein Teil eines alten Arbeitsstegs.
Sie wussten nicht, dass er einmal gebaut worden war, um zwei Torpedos durch die Nordsee zu tragen. Aber vielleicht war genau das nicht die erstaunlichste Geschichte dieses Rumpfes, denn seine längste Dienstzeit begann erst, nachdem der Krieg vorbei war.