Agentenmord in Deutschland? | Der Fall Christoph Bulwin T
Agentenmord in Deutschland? | Der Fall Christoph Bulwin

Es ist der 15. Juli 2011, kurz vor 16 Uhr. Für viele Menschen im Stadtkern von Hannover ist damit der Feierabend eingeleutet. Im zentralen Stadtsal Karlenberger Neustadt sind an diesem Sommernachmittag viele Menschen unterwegs. Der Einweg von der Arbeit, dem Rückweg vom Schultag oder vielleicht auf dem Weg in die nah gelegene Innenstadt für ein paar Einkäufe.
Auch ein Mann mit einem Regenschirm ist unterwegs. Es ist zwar Juli, aber es ist ein bewölkter Tag. Ab und an kommen ein paar Regentropfen runter. Der Mann hat einen zusammengeklappten Schirm der einen Hand und mit der anderen telefoniert er. Er geht eine unauffällige Hinterstraße entlang. Dort ist nicht so viel los wie auf der anderen Seite der Häuserfram.
Hier laufen an diesem Nachmittag nur ganz vereinzelt Leute, ein paar Anwohner oder Leute aus einem der umliegenden Büros. Trotzdem läuft der Mann ganz dicht an einem anderen Passanten vorbei. Dabei berührt er ihn im Vorbeigehen mit der Spitze seines Regenschirms. Einige Monate später wird genau dieser Passant durch diesen Kontakt mit dem Regenschirm sterben.
Ich habe mir als Challenge gestellt zeichnen zu lernen und dabei kann man gut nebenher was hören. Da kommt Bugbeat ins Spiel. Mittlerweile gibt es da mehr als eine Million Tizel und da ist immer was Gutes dabei. Ich lade mir die Hörbücher auch immer runter, da kann ich das Handy auf Flugmodus stellen und werde nicht von Nachrichten, E-Mails oder was auch immer gestört.
Und gleichzeitig spart man natürlich noch Datenvolumen, wenn man unterwegs ist. Und immer wenn ich euch Bookbeat vorstelle, habe ich einen Buchtipp für euch. Bei soigem Wetter habe ich immer richtig Lust, mir ein Krimi zu packen, um nicht einzukuscheln. Dieses Mal habe ich mir das Forsthaus von Marika Knightz geschnappt.
Darin geht’s um die Journalistin Katharina, die zusammen mit ihrem Mann einen Neuanfang in einem Forsthaus beginnt. Dabei findet sie heraus, dass die Vorbesitzerin einen Mord begangen hat an ihrem eigenen Mann. Sie fängt an zu recherchieren und stößt auf Infos, die bisher mit dem Mord nicht in Verbindung gebracht wurden.
Wirklich interessant und perfekt für die Jahreszeit. Sollte euch das Buch nicht zusagen, könnt ihr natürlich auch einfach auf Bookbeat durch die verschiedenen Genres stöbern, einen Titel gezielt suchen oder euch etwas vorschlagen lassen. Und mit dem Promocode Insolito könnt ihr Bookbeat für zwei Monate kostenlos testen und in so viele Hörbücher reinhören, wie ihr möchtet.
Die Auswahl ist wirklich riesig. Den Link dazu findet ihr auch in der Infobox. Einfach drauf klicken und loshören. So und jetzt zum heutigen Video. Christoph Bulwin ist 40 Jahre alt. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von 3 und 6 Jahren. Und eigentlich ist er im positivsten aller Sinne ein ganz normaler Typ.
Gemeinsam mit seiner Familie hat er sich in Zelle niedergelassen und er spielt im Verein Tischtennis. Zur Arbeit pendelt er mit dem Auto ins etwa 50 km gelegene Hannover, denn Christoph ist Softwareentwickler und Datenbanadministrator bei der IGBCE oder um es ganz genau zu sagen, bei der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie und Energie.
Die Gewerkschaft vertritt die Interessen von Beschäftigten in genau diesen Bereichen. Christoph arbeitet dort wie gesagt als Ieler und hat bei der Gewerkschaft also einen ganz normalen Bürojob. Am Freitag dem 15. Juli 2011 macht sich Christoph nach seinem Feierabend auf den Weg zu seinem Auto. Er parkt meistens ein paar Gminuten von seinem Büro entfernt und verlässt das Gebäude über den Hinterausgang.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sieht er einen Mann, der ihm irgendwie aufhälllt. Da ist Christoph auch nicht der einzige. Mehrere Zeugen werden sich später an diesen Typen erinnern. Er trägt eine Basecap und eine Sonnenbrille, hält einen Regenschirm in der Hand und telefoniert. Eigentlich also eine ganz unauffällige Szene, aber dieser Mann fällt eben trotzdem irgendwie auf.
Manchmal hat man das ja einfach, dass der Blick an irgendwas oder irgendwem hängen bleibt, wenn man unterwegs ist. Christoph Bulwin scheint sich jedenfalls nichts weiter zu denken. Er setzt seinen Weg zu seinem Auto fort. Er geht die Fischerstraße runter Richtung Morwegs Gasse zur Unterführung Bremeram, bis er in seiner linken Gesäßhälfte auf einmal von einem stechenden Schmerz überrascht wird.
Als er sich umdreht, sieht er den Typen von eben, den mit der Sonnenbrille, der Base Cap und dem Regenschirm. Und diesen Regenschirm hat der Kerl ihm gerade im Vorbeigehen geradewegs in die Seite gerammt. Er setzt sofort ein brennender Schmerz ein. Nach einem kurzen Schock entscheidet sich Christof dazu, die Verfolgung aufzunehmen.
Er kann den Mann einholen und es kommt zu einem kleinen Gerangel. Doch der Typ mit dem Schirm kann abhauen. Er läuft Richtung Jägerstraße weg. Christoph hat es nur noch geschafft, etwas von der Spitze des Schirms abzureißen. Eine kleine Röhre, in der eine Spritze mit einem Rest heller Flüssigkeit steckt. Sie ist zur Zahnung mit schwarzem Klebeband umwickelt, womit diese Spritze an der Spitze des Regenschirms befestigt war.
Und diese Spritze hat der Unbekannte dem 40-jährigen gerade Unvermittelten den Hintern gestochen. Weil die Sache mehr als komisch ist, ruft Christoph die Polizei und kommt vorsorglich in ein nahgelegenes Krankenhaus. Wer weiß, was ihm da gerade von einem komplett Fremden initiiert wurde. In der Klinik wird eine Routineuntersuchung gemacht und man nimmt dem 40jährigen Blut ab, um zu schauen, was in dieser Spritze gewesen sein könnte.
Die Ärzte vermuten erstmal, Christoph könnte mit der Spritze Drogen verpasst bekommen haben. Sein Zustand bleibt über den Nachtmittag im Krankenhaus hinweg, aber stabil. Bis auf den Schreck und die Verwirrung geht es ihm soweit gut. Alles scheint ganz normal. Drogen sind es also doch nicht. Deshalb heißt es jetzt erstmal warten auf die Laborergebnisse.
Vielleicht habt ihr schon mal von Fällen gehört, in denen Menschen absichtlich versucht haben, andere Leute durch Spritzen mit dem HIV Virus zu infizieren. Solche Fälle sind selten, aber dass einem ein Fremder mit einem Regenschirm auf offener Straße eine Spritze verpasst, ja auch. Also lässt sich Christoph Medikamente zur HIV Prophylaxe geben für den Fall der Fälle.
Damit wird der Familienvater dann auch schon wieder nach Hause entlassen. Der Zwischenfall mit dem Regenschirm und der Spritze ist mehr als schräg, aber eine akute Gefahr scheint nicht zu bestehen. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung gegen Unbekannt und geht zwei Tage später mit einem Zeugenaufruf raus.
Zudem versucht natürlich auch die Polizei herauszufinden, was Christoph da jetzt überhaupt gespritzt wurde. Zu Hause angekommen geht es Christoph dann doch nicht mehr so gut. Er hat mit schwerer Übelkeit zu kämpfen, aber der Arzt im Krankenhaus hat ihn schon vor den starken Nebenwirkungen der HIV Prophylaxe gewandt.
Christoph entscheidet sich deshalb dazu, das Medikament wieder abzusetzen. Danach geht es übers Wochenende auch wieder Berg auf. Zwei Tage nach dem merkwürdigen Zwischenfall ist Christoph scheinbar wieder top fit. Der Schreck sitzt noch und natürlich wartet Christoph noch auf mehr Infos von der Polizei, die aber auf sich warten lassen, denn die Ermittler zappen noch immer im Dunkeln.
Die Restflüssigkeit, die Christoph und die ersten alarmierten Polizisten noch in der Spritze gesehen haben, hat sich nach ein paar Tagen verflüchtigt. Das passiert bei einigen chemischen Verbindung durch die Veränderung der Umgebungstemperatur. Das macht die Untersuchung natürlich schwierig. Ansonsten geht es Christoph jedoch eigentlich genauso gut wie immer bis zum 22. Juli.
Eine Woche nach der Sache mit dem Regenschirm geht es Christoph nämlich plötzlich richtig schlecht. Es geht vermeintlich harmlos los. Übelkeit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Fieber ist alles nicht schön, hat aber jeder mal. Doch bei Christoph wird alles so schlimm, dass er am 23 wieder ins Krankenhaus muss.
Es kommt auch noch ein schwerer Ausschlag dazu, bei dem sich sogar seine Haut abschält. Während eine Woche zuvor noch alles okay aussah, werden dort nun erhöhte Entzündungswerte gemessen. Dass die von den HIV Medikamenten kommen, ist ausgeschlossen. Er wird zwar stationär aufgenommen, doch der Zustand des 40-jährigen verschlechtert sich weiter rapide.
Er kann sich nicht mehr selbständig bewegen oder sprechen. Anfang August fällt er ins Wachkummer. Zu diesem Zeitpunkt ist der Angriff mit der Regenschirmspritze etwa 6 Wochen her. Erst um diese Zeit herumgeben Christophs blutwerter Ausschluss darüber, was in der Spritze gewesen sein könnte. Jeder Mensch hat eine kleine Menge Quacksilber in sich. Es kommt z.B.
durch Nahrung in den Körper, besonders beim Verzehr von Fisch oder durch veralterte Amalgamzahnfüllung. Da reden wir aber von ganz kleinen Mengen. Pro Liter Blut hat der Durchschnittsmensch um die 2 Mikrogramm Qucksilber in sich. Bei Christoph Bullwin sind es 6 Wochen nach dem Regenschirmzwischenfall 4200 Mikrogramm.
Seine Queckselberbelastung ist also um das mehr als 2000fache zu hoch. Damit ist erst jetzt klar, was hier passiert. Christoph Bulwin wurde vergiftet und sein Körper kämpft gerade im Krankenhaus gegen genau diese Vergiftung an. Die Ermittler gehen nun davon aus, dass in der Spritze, die Christoph abreicht wurde, Dil Quecksilber gewesen ist.
Bei so etwas ist eigentlich höchste Eile geboten. In Christophs Fall liegt die Vergiftung aber schon Wochen zurück und das bedeutet leider nichts Gutes für seine Prognose. Im Frühjahr 2012 verbessert sich der Zustand des Familienvaters nach schrecklichen Monaten wenigstens ein bisschen.
Er ist soweit stabil, dass er in eine Reae Einrichtung verlegt werden kann. Doch auch dort muss er rund um die Uhr betreut werden und ist ein Vollpflegefall. Am 9. Mai 2012 verstirbt Christophin 10 Tage vor seinem 41. Geburtstag und etwa 10 Monate nach dem Pixer mit dem Regenschir. Letztendlich ist er in einem epileptischen Anfall gestorben nach vielen Komplikationen durch die Quecksilbergiftung.
Wer auch immer Christoph auf offener Straße mit dem Regenschirm angezippt hat, er ist für seinen qualvollen Tod verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun nicht mehr wegen Körperverletzung, sondern wegen eines mutmaßlichen Tötungsdelikts. Die Mordkommission steigt ebenfalls in den Fall ein. Dank der Aufmerksamkeit von Christoph Bulwin selbst gibt es eine ausführliche Beschreibung des Täters.
Christoph hat den Mann direkt nach der Tat 2011 wie Volk beschrieben. Etwa 40 bis 50 Jahre alt und zwischen 1,75 und 1,85 m groß. Sehr schlanke Statur, eher hachend auch hagere Gesichtszüge und markante Wangenknochen. Im Gesicht leicht gebräunt und mit sehr trockener Haut. Dazu fast schon pockennig. Auf jeden Fall leichte Narben wie nach einer abgeheilten Akne.
Schmale Lippen, dunkelblonde bis hellbraune kurze Haare. Auf der rechten Wange hatte er außerdem ein großes beig farbenes Pflaster. Bekleidet war der Mann mit einer Base Cap mit weißer Schrift und Sonnenbrille. Außerdem mit einer verwaschenen hellblauen Jeanshose und einer schwarz glänzenden Lederjacke mit bunt an den Ärmeln und an der Gürtellinie.
Und natürlich hatte er den schwarzen Regenschirm dabei. Also, wenn man das so sagen kann, ist das wahrscheinlich eine der besten bzw. Weise ausführlichsten Täterbeschreibung, von denen ich hier gehört habe. Das sollte eigentlich erst einmal Mut machen, zumal auch andere Zeugen den Mann gesehen haben und sich die Beschreibung decken.
Klar ist für die Ermittler, der Zer muss sich gut mit Chemie ausgekannt haben. Die Metilquacksilber ist nichts, wo man einfach so rankommen kann. Noch dazu ist die Substanz echt gefährlich, schon beim Einatmen. Man kann den mit Zielquack selber theoretisch auch selbst herstellen, aber auch dazu braucht man Skills, die man sich nicht mal ebenso durch ein Buch oder das Internet aneignen kann.
Und die einzelnen Bestandteile muss man sich auch erstmal besorgen dürfen. Das geht nämlich nur, wenn man ein berechtigtes Forschungsinteresse nachweist und seine Daten hinterlegt. Zumindest in Europa und in den USA sind die Richtlinien da sehr streng. Der Zäter muss nicht nur gewusst haben, wie er daankommt, sondern auch wie er damit umgehen muss, ohne sich selbst zu gefährden, während er die Spritze präpariert.
Schon eine Minidosis kann fatale Auswirkungen haben. 1996 hatte z.B. die Chemikerin Karen Wetterhan einen Laborunfall. Wetterhan war eine US-amerikanische Forscherin und absolute Chorifä auf ihrem Gebiet. Sie hat insbesondere zum Einfluss von Schwermetallen auf die menschliche Gesundheit geforscht und deshalb mit Stoffen gearbeitet, um die selbst viele ihrer Kollegen einen großen Bogen gemacht haben.
Und das aus gutem Grund, wie die Geschichte von Karen Wetterin selbst zeigt. Sie hat im Labor nur einen einzigen Tropfen Döilquacksilber auf ihren Latexhandschuh abbekommen. Sie hat den Handschuh danach sofort entsorgt. Doch weil der Handschuh wohl ein klein wenig porös war, wurde das Quecksilber trotzdem von ihrer Haut absorbiert.
Wie gesagt, ein einziger Tropfen durch einen Handschuh. Und Monate später war Karen Wetterhand tot nach einer ähnlichen gesundheitlichen Odyssee wie Christophi. Mit der Herstellung, Beschaffung und der Präparierung des Tatwerkzeugs hat sich der Zäter auch selbst in Gefahr gebracht. Aber wie hat er das hinbekommen und vor allem warum? Ein Ansatz wäre, dass Christophs Arbeitgeber sich ja auch um Betriebe mit Bezug zur Chemiebranche gekümmert hat.
Die Polizei hält deshalb für möglich, dass das Verbrechen an Christoph eine Art Racheakt gewesen sein könnte. Vielleicht von jemanden, der sich von der IGBCE im Stich gelassen gefühlt hat. Es muss also gar nicht sein, dass die Tat speziell Christoph Bulwin gegolten hat, sondern der Gewerkschaft als Institution und dass Christoph einfach das Pech hatte, dem Täter im falschen Moment zu begegnen.
Zu dieser Option kommen wir im nächsten Kapitel aber noch mal genau. 2013 stellt die Polizei die Ermittlung erst einmal ohne Ergebnis ein. Die Spuren sind einfach ausermittelt. Man hat sich sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld von Christoph gründlich umgesehen. Man hat die Daten von allen bei Giftzentralen gemeldeten Fällen abgeglichen.
Einen potenziellen Zet hat man dabei jedoch nicht finden können. Nicht einmal Hinweise auf mögliche Feinde oder Konflikte in Christophs privaten Leben. Wie anfangs gesagt, Christoph Bulwin war ein im allerpositivsten Sinne ganz normaler Mann und trotzdem wurde er auf offener Straße angegriffen. Bis heute weiß niemand warum.
mit nur einer Ausnahme, dem Zäter. Der Fall Christophulvin gilt auch heute noch als ungelöst. Es gibt verschiedene Theorien dazu, was passiert sein könnte. Wir wollen uns im folgenden mal die gängigsten Thesen angucken und schauen, wo die Ermittlung heute steht. Denn in den letzten paar Jahren haben sich tatsächlich noch ein paar Sachen ergeben, aber alles der Reihe nach.
Es klingt erstmal ein bisschen absurd, aber die Polizei muss natürlich in alle Richtung ermitteln und so wird früh in Erwegung gezogen, ob sich Christoph die Quecksilbervergiftung nicht selbst zugefügt haben könnte. Er soll vor der Vergiftung wohl über Angstzustände und Zukunftssorgen geklagt haben. Zudem hatte er eine Lebensversicherung, die in etwa zum Tatzeitpunkt in Kraft getreten ist.

Er hat die Lebensversicherung 2008 abgeschlossen und darin gab es eine Klausel, dass es ab da 3 Jahre dauern würde, bis die Versicherung todesfall Geld auszahlen würde. Allerdings muss ich persönlich sagen, dass ich den Zeitpunkt für den Versicherungsabschluss ziemlich logisch finde, denn das jüngere Kind von Christoph war zum Zeitpunkt der Vergiftung ja 3 Jahre alt.
Wenn er sich folglich etwa zum Zeitpunkt der Geburt des zweiten Kindes um eine Lebensversicherung gekümmert hat, finde ich das nicht weiter verdächtig. Etwas rätselhafter ist da eher eine DNA Spur am Klebeband, die die Polizei 2011 feststellt. Damit war das Röhchen mit der Spritze ja am Regenschirm befestigt. Christoph hat dieses Konstrukt abgerissen und später der Polizei gezeigt.
Klar also, dass da den Arschburen von ihm dran sind. Allerdings befinden sich auch welche an der Innenseite des Klebebands und das würde dafür sprechen, dass Christoph die Tatwaffe selbst gebaut hat. Die Polizei geht eine Zeit lang sogar wirklich davon aus, denn auch im Auto von Christoph befinden sich Rückstände von Qucksilber. Allerdings soll Christoph auch gesagt haben, dass er die Spritze nach dem ersten Schreck in seinen Wagen geworfen hat.
Er hat sich ja dann erstmal selbst um den Kontakt zur Polizei gekümmert und telefoniert. Es ist also logisch, dass er die Spritze irgendwo abgelegt hat. Das würde die Rückstände also erklären. Zunächst halten es die Ermittler trotz aller Eventualitäten sogar für sehr plausibel, dass Christophulvin sich selbst vergiftet hat.
Das ist womöglich einer der Gründe dafür, weshalb die Ermittlung 2013 eingestellt wurden und keine Funkzellenauswertung erfolgte, denn laut Christoph telefonierte der Täter ja. Hätte man sich direkt im Juli 2011 darum gekümmert, hätte man mit dieser Info vielleicht wenigstens den Verdächtigen Kreis minimieren können. Doch das ist eben nicht passiert.
Mindestens aus heutiger Sicht spricht aber sehr vieles gegen diese Freitothese. Es ist ja so, dass der Tatverdächtige von mehreren Zeugen gesehen und beschrieben worden ist, nicht nur von Christoph selbst. Und die Zeugen haben alle hervorgehoben, dass der Mann einen Regenschirm bei sich hatte.
Alles spricht dafür, dass es diesen Mann und damit auch den Täter wirklich gegeben hat. Und ich glaube, nachdem was ihr heute über Quecksilber gehört habt, ist klar, was für ein Leid die Substanz verursacht. Das weiß auch jeder, der sich so weit mit der Substanz beschäftigt, dass er sie in seinen Besitz bringt. Es ist ein langsamer, qualvoller Tod mit unfassbaren Schmerzen über Monate oder sogar Jahre hinweg.
Dass sich irgendjemand das freiwillig antut, ist eigentlich wirklich unvorstellbar. Klar, man könnte argumentieren, dass Christoph eine Art und Substanz gewählt hätte, die nicht auf einen Selbstmord deutet, damit die Versicherung auch zahlt. Aber das wirkt schon sehr weit hergeholt. Und viel wichtiger, 2023 werden die Beweismittel noch einmal neu auf DNA Spuren untersucht.
Und das ist auch gut so, denn jetzt stellt sich heraus, die DNA am Klebeband ist überhaupt nicht von Christoph. Leider ist dazu nichts genaueres bekannt. Es kann aber z.B. sein, dass 2011 eine Mischpur oder ein zu kleiner DNA Abschnitt zu der Falschbewertung geführt hat. Die Freitotzese ist damit jedenfalls so gut wie erledigt.
Christoph war ja auch ein Ezieler, kein Chemiker, auch wenn er bei der Gewerkschaft gearbeitet hat. Das hätte ihn aber wohl trotzdem nicht dazu berechtigt und schon gar nicht befähigt, an das Zeug heranzukommen oder es herzustellen. Wie ihr eben gehört habt, waren die Ermittlung eigentlich seit 2013 eingestellt.
Trotzdem gab es 10 Jahre später noch mal eine Neuauswertung. Das liegt vor allem an einem Fall, der den Cold Case Christoph Bulvin wieder hochgeholt hat, der Fall des sogenannten Pausenbrotmörders. Zwischen 2016 und 2018 ereignen sich in Bielefeld nämlich Verbrechen, die einige Parallelen zum Mord an Christoph Bulwin aufweisen.
Nicht nur aufgrund der relativen örtlichen Nähe zu Hannover. In diesem Zeitraum vergiftet einen Mann namens Klaus Od die Pausenbrote und Getränke seiner Arbeitskollegen wiederholt mit verschiedenen Substanzen, unter anderem auch mit dem Ziel Quckschel. Ein Arbeitskollege ist infolg dessen sogar gestorben. Das ist so selten, dass ein möglicher Zusammenhang zwischen den Fällen überprüft wird.
Täter Klaus O hatte in seinem Keller ein kleines Labor eingerichtet und dort alles zur Vergiftung seiner Kollegen hergestellt. Der Täter wurde mittlerweile zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Aber auch danach arbeitete die Mordkommission noch weitere Verdachtsfälle ab, die mit Klaus Ohen Verbindung stehen könnten.
Das waren ganze 21 Fälle und einer davon ist eben der Fall Christophin. Ein Zusammenhang ist bis heute nicht nachgewiesen worden. Trotzdem führen die Ermittlung rund um den Pausenbrotmörder dazu, dass auch die Ermittlung im Fall Christoph Bulwin wieder aufgenommen werden und damit auch zu den neuen DNA Untersuchung, die die Freitottheorie eigentlich vom Tisch räumen.
Und noch etwas kommt bei dieser Untersuchung raus. Es befinden sich mindestens zwei weitere männliche den Arschbohen an der Spritze. Es könnte darauf hinweisen, dass der Täter nicht allein gehandelt hat, sondern Hilfe hatte. Keine der beiden DNA Spuren passt übrigens zum Pausenbrot Mörder Klaus O. In einem Podcast aus 2024 schließt die zuständige Kommissarin einen Zusammenhang trotzdem nicht komplett aus.
Der Fall Christoph Bulwin wird 2022 sogar bei Aktenzeichen XY ungelöst vorgestellt. Nach der Sendung gehen gut 300 Hinweise bei der Polizei ein. In Teilbereichen wurden diese Spuren auch 2024 immer noch ausgewertet. Es wurden wohl auch konkrete Namen genannt. Mit der Falldarstellung gibt es auch noch weitere Ergänzung zu dem mutmaßlichen Täter.
Imenspielfilm ist es so dargestellt, dass ein Mann in der Nähe des Hinterausgangs der IGBCE herumlungert und eine Spaziergängerin anspricht oder eher anmeckert wegen ihres Hundes. Der Mann spricht Deutsch ohne Akzent oder Dialekt und beschwert sich darüber, dass der Hund der Zeugin an den Straßenrand gepinkelt hat. Er sagt, wenn er als Mensch das machen würde, würde sich doch auch jeder beschweren.
Kein Wunder also, dass er der Zeuge noch gut im Gedächtnis ist. Sie sieht den Mann seit Ende Juni 2011 immer mal wieder dort und die Polizei geht davon aus, dass es sich bei diesem Mann um den Täter handelt. Das würde implizieren, dass der Täter das Büro der IGBCE und vielleicht auch die Gewohnheiten von Christoph wohl gründlich ausgekundschaftet hat und zwar ganze zwei bis drei Wochen bevor sich die Tat ereignet hat.
Und das wiederum spricht eigentlich gegen eine andere Theorie, nämlich die, dass Christoph eigentlich gar nicht das eigentliche Ziel der Attacke gewesen ist. Wie gesagt, wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die Polizei richtig liegt und der Täter über längere Zeit alles observiert hat, wirkt das eher unwahrscheinlich.
Aber eigentlich so auf den ersten Blick macht eine Verwechslung doch eigentlich mehr Sinn als alles andere, oder nicht? Die Polizei konnte ja einfach gar keine Anhaltspunkte für irgendwelche Konflikte in Christophs Leben finden, weder beruflich noch privat. Die einzige Verbindung zwischen einem Angriff auf Christoph mit einer chemischen Substanz und Christoph selbst ist trotzdem sein Arbeitgeber.
Christoph hat ja für die IGBCE gearbeitet, wenn auch nur als Softwareentwickler und Datenbankadministrator. Aber die Polizei hält es für möglich, dass der Täter irgendwann mal von der IGBCE generell enttäuscht wurde, z.B. Spiel, weil ihm vielleicht nach einer Kündigung oder sogar einem Arbeitsunfall nicht von der Gewerkschaft geholfen wurde, wie er hofft und dass er deshalb am Konzern Rache nehmen wollte, nicht an einer bestimmten Person und dass Christoph dementsprechend einfach nur unfassbares Pech hatte, dass es ihn
erwischt hat. Eigentlich denkt man jetzt, es könnte ganz easy sein, einfach alle Fälle und Klienten der IGBCE durchleuchten, aber die Gewerkschaft hat etwa 630.000 Mitglieder und vertritt 4000 Betrieb. Die Polizei arbeitet sich zwar Stück für Stück durch die Daten, aber so etwas dauert bei so einer Menge natürlich.
Deshalb ist es auch sinnvoll, sich mit anderen Theorien zu beschäftigen, auch wenn die erst einmal abenteuerlich klingen mögen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich klang der Fall direkt einzigartig. Das ist er aber tatsächlich gar nicht und das fällt auch den Ermittlern auf. Viele Jahre zuvor, 1978, gab es nämlich einen nicht unähnlichen Fall in London.
Damals wurde dem bulgarischen regimkritischen Schriftsteller Georgi Makov eine Regenschirmspritze ins Bein verpasst. Nicht mit Qucksilber, sondern mit dem Pflanzengift Risi. Markov stand an der Bushaltestelle Waterloop Bridge mitten in der Stadt und dann wurde ihm der Regenscheir mit einer präparierten Spritze ins Bein gestoßen.
Markow starb nur vier Tage später. Die Tat soll vom Geheimdienst verübt worden sein, der im Auftrag der bulgarischen Regierung handelte. Es ist laut der Polizei nicht ausgeschlossen, dass es auch in unserem Fall aus Hannover eine Verbindung zu Geheimdiensten gibt. Allerdings gilt das laut Ermittlern eher als unwahrscheinlich.
Fest steht, auch wenn es diesen ähnlichen bulgarischen bzw. englischen Fall gibt, in Deutschland ist der Fall Christophulien absolut einzigartig. So etwas ist nie zuvor und auch danach nie wieder passiert. Und bis heute rätseln alle darüber, weshalb es gerade dann ausgerechnet den unauffälligen Familienvater getroffen hat.
Es gibt sogar die Theorie, er könnte sich im Darknet herumgetrieben haben und dort in dubiose Machenschaften verwickelt worden sein. Allerdings basiert dieser Ansatz nur darauf, dass sich Christoph als Softwareentwickler gut mit Computern ausgekrannt hat. Darüber hinaus gibt es dafür keine Anhaltspunkte. Wie so vieles in diesem Fall ist das reine Spekulation.
Dadurch, dass Christoph Bulvi noch die Spritze vom Regenschirm abreißen konnte, hat man wenigstens die Täterdhner. Und das bedeutet, dass die Chance trotz allem gut ist, dass der Täter noch gefasst werden kann, auch wenn seit dem rätselhaften Regenschirm Mod schon bald 15 Jahre vergangen sind. An dieser Stelle möchte ich den Hinterbliebenen mein Beileid ausdrücken und Ihnen alles Gute wünschen und vor allem natürlich, dass dieses Verbrechen doch noch aufgeklärt werden kann.
Ich fand es wirklich heftig, dass die Polizei ein Freitod ursprünglich für so wahrscheinlich gehalten hat. Die Argumente dafür kommen mir nämlich echt schwammig vor. Wie seht ihr das Ganze? Und habt ihr vielleicht damals sogar von diesem Fall mitbekommen? Die Vorstellung, dass so etwas mitten in Deutschland passiert, ist wirklich heftig und das auf offener Straße mitten am Tag.
Ich hoffe wirklich, dass dieser Fall noch aufgeklärt werden kann. Die Beschreibung des Täters ist so präzise, dass ich eigentlich denke, dass dieser Typ irgendwo irgendwem aufgefallen sein muss und ich hoffe, dass genau das ihn irgendwann überführen wird. Zeilt eure Gedanken zu dem Fall gerne den Kommentar. Ganz nebenbei unterstützt ihr so den Kanal auch, denn jegliche Interaktion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Video Leuten vorgeschlagen wird, die in Solito noch nicht abonniert haben.
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Hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen. Bis dahin, ciao Leute