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Jim Morrison: Was in seiner letzten Aufnahme wirklich geschah

In der Geschichte der Musik gibt es Momente, in denen die Grenze zwischen Kunst und Schicksal verschwimmt. Wenn Sie die Aufnahme von Riders on the Storm genau anhören, dann bemerken Sie etwas Schreckliches. Es existieren zwei Stimmen gleichzeitig. Eine tief müde Stimme einer Legende und ein schwaches Flüstern wie aus einer anderen Welt.

 Jim Morrison hat dieses Flüstern in einer Dezembernacht des Jahres 1970 aufgenommen, nur wenige Monate bevor er für immer auf dem Friedhof Pere Laches in Paris blieb. Er wusste nicht, dass es das letzte Mal war, dass er in einem Tonstudio stand. Oder wusste er es in Wirklichkeit? Doch heute werden wir die Zeit zurückdrehen in jene letzte beklemmende Aufnahmesitzung, um zu verstehen, warum dieses Lied nicht nur ein Musikstück, sondern ein angekündigter Abschied war.

Das Jahr 1970 war alles andere als ein glanzvolles Jahr für die vier Mitglieder der Gruppe The Doors. Im Gegenteil, es stellte ein dunkles Kapitel voller juristischem Druck, körperlicher Erschöpfung und seelischer Lehre da. Jim Morrison war zu dieser Zeit schon lange nicht mehr der stolze und unnahbare Echsenkönig mit der legendären schwarzen Lederhose und der göttlichen Schönheit, die die Bühnen der Welt in Brand gesetzt hat.

 Im Alter von nur 27 Jahren trug er bereits das schwere Aussehen eines Mannes, der viel zu viele Stürme und Krisen durchlebt hatte. Sein Gesicht war hinter einem dichten Vollbart verborgen und sein Blick wirkte oft trüb und abwesend. Anstatt in einem prunkvollen und teuren Studio im Herzen von Hollywood aufzunehmen, entschied sich die Gruppe ganz bewusst in die eigene einfache Werkstatt zurückzuziehen.

 Dies war kein glänzendes Studio, sondern lediglich ein altes, enges Büro am Santa Monica Boulevard, das man eilig umgebaut hatte. Dieser Ort besaß absolut keinen Glanz eines Weltstars mehr. Es roch dort ständig nach abgestandenem Rauch nach leeren Whiskyfaschen und nach einer beängstigenden Stille, die immer öfter zwischen den vier Musikern herrschte.

Jim saß oft stundenlang auf einem alten abgenutzten Sessel und versuchte verzweifelt, seine wahre Identität wiederzufinden. Er wollte nicht mehr als berühmter Sänger oder Sexsymbol wahrgenommen werden, sondern endlich als ein ernsthafter und wahrer Dichter. Das Publikum jener Zeit erwartete von ihm immer noch etwas Wildes und rebellisches.

 Aber Jim wandte sich innerlich einer viel leiseren und deutlich traurigeren Musik zu. Die enorme Spannung im Studio entstand damals nicht durch laute Streitigkeiten oder Geschrei, sondern durch eine traurige, stillschweigende Wahrheit, die jeder im Raum spürte. Alle Beteiligten fühlten, dass eine ganze Era unwiderruflich zu Ende ging.

 Jim hatte bereits begonnen, über seine Flucht nach Paris zu sprechen und darüber alles hinter sich zu lassen, um nur noch das einfache Leben eines einsamen Wanderers zu führen. Dieses Lied war der genaueste und ehrlichste Spiegel dieser verzweifelten Stimmung. Es begann ursprünglich als eine ganz einfache improvisierte Übung basierend auf einem alten bekannten Landhaus liegt.

 Aber unter den geschickten Händen der Gruppe verwandelte es sich Minute um Minute in einen spirituellen Blues, einen langsamen und melancholischen Tanz mit dem bereits nahenden Ende. Der entscheidende und wohl wichtigste Moment der gesamten Aufnahme fand sehr spät in einer kalten Nacht statt. Als die eigentliche Hauptaufnahme des Gesangs fast schon fertiggestellt war, verlangte Jim Morrison plötzlich nach etwas, das er zuvor in seiner gesamten Karriere nie getan hatte.

 Er wollte unbedingt eine zusätzliche geheimnisvolle Tonspur aufnehmen. Er betrat dazu das völlig dunkle Aufnahmestudio und bat die Techniker eindringlich darum, alle Lichter fast ganz auszuschalten, bis nur noch ein ganz schwacher Schein der Kontrollpulte übrig blieb. In dieser absoluten Dunkelheit begann Jim diese Worte ganz leise flüsternd über seinen eigenen zuvor aufgenommenen Hauptgesang zu legen.

 Dies ist die heute so berühmte und legendäre Flüsterspur. Wenn man diese Tonschicht isoliert und getrennt anhört, dann hört man ein tiefes Atmen und ein mühsames heisereres Flüstern wie das letzte geheime Geständnis eines Wanderers, der kurz davor steht die Herberge dieser Welt für immer zu verlassen. Als der Tastenspieler der Gruppe die erste fertige Mischung aus dem Gesang und diesem Flüstern hörte, erzählte er später oft, dass er einen echten elektrischen Schauer auf seinem gesamten Rücken spürte.

 Es war in diesem Augenblick keine reine Musik mehr, sondern es fühlte sich an als ob Jim physisch direkt neben einem Stünde und einem letzte dunkle Geheimnisse ins Ohr flüsterte, die vielleicht nur ein Sterbender wirklich verstehen kann. Der wahre Zauber dieses Liedes liegt aber auch im künstlich erzeugten Klang von endlosem Regen und fernem Donner.

 Das waren damals keine Geräusche, die man einfach aus einer fertigen Bibliothek genommen hatte. Der zuständige Toningenieur mußte stundenlang mühsam daran arbeiten, damit das elektrische Klavier von Raymond Sarek exakt wie einsame Regentropfen klang, die auf das blächerne Dach eines verlassenen Hauses fallen.

 In diesem künstlichen Klangraum wurde der Gesang von Jim absolut einsam und verlassen. Er sang in seinem Text über einen gefährlichen Mörder auf der Straße. Viele Zeitgenossen dachten, dies sei nur eine Anspielung auf die damalige zunehmende Dunkelheit in der amerikanischen Gesellschaft. Aber vielleicht war dieser Mörder auch nur der dunkle und zerstörerische Teil in Jim selbst, dem er in seinem kurzen Leben niemals wirklich entkommen konnte.

Nachdem die langwierige Aufnahme endlich fertig gestellt war, legte sich eine schwere und fast unerträgliche Stille über die gesamte Werkstatt. Niemand im Raum jubelte und niemand gratulierte den anderen zum Erfolg. Jim Morrison verließ das Studio schweigend mit seinem alten Notizbuch, das voll war mit unvollendeter Lyrik und ging einfach fort in die Nacht.

 Das war das allerletzte Mal, dass die drei verbliebenen Mitglieder der Dors ihn in seinem kreativsten und produktivsten Zustand sahen. Viele Musikexperten fragen sich bis heute, warum Jim ausgerechnet dieses melancholische Lied wählte, um seine große Karriere in Amerika symbolisch zu beenden. Wenn man ganz genau auf den Text schaut, dann erkennt man darin eine letzte versteckte Botschaft an seine langjährige Lebensgefährtin Pamela Kursen.

 Sie war die Frau, die ihn treu durch alle tiefen Abgründe und Drogenexzesse begleitet hatte. Jim verließ nur kurze Zeit später Los Angeles in Richtung Paris mit der großen Hoffnung auf inneren Frieden und Anonymität, aber ironischerweise war dies das allerletzte Lied, das er unmittelbar vor seiner Abreise im Studio hörte.

 Und es war auch das letzte Lied, das die weltweite Öffentlichkeit von ihm hörte, als er offiziell noch am Leben war. Für die ganze Generation der Zuschauer, die selbst durch die bewegten 70er Jahre gegangen sind, ist dieses Musikstück heute nicht nur ein einfacher Welterfolg, es ist ein mächtiges Symbol für das endgültige Ende einer ganzen Epoche des Friedens der freien Liebe und der vielen unerfüllten Träume dieser Zeit.

 Wenn der letzte künstliche Regen des Liedes nach fast sieben Minuten langsam verhallt, dann ist es symbolisch auch der Moment, in dem einer der größten und hellsten Leuchttürme der modernen Kultur für immer erlischt. Jim Morrison wurde endgültig zum einsamen Wanderer im Sturm, der in der Dunkelheit der Geschichte verschwand, aber sein leises Flüstern bleibt für uns ewig und beklemmend war jedes Mal, wenn draußen der echte Regen zu fallen beginnt.

 Als das Album veröffentlicht wurde, war Jim Morrison bereits in Paris. Er hat die endgültige Fassung dieses Liedes nie im Radio gehört. Er hat nie gesehen, wie es zu einer Legende wurde. Aber vielleicht war das auch nicht mehr wichtig, denn genau in jenem Moment, als er in jener Nacht in das Mikrofon flüsterte, hatte er seine Mission bereits erfüllt.

 Der Kreis aus Glanz und Schatten hat sich geschlossen. Dieses Werk ist nicht nur ein Lied, sondern ein Vermächtnis. Und Sie, was fühlen Sie jedes Mal, wenn diese Melodie erklingt? Wann haben Sie zum ersten Mal das Flüstern von Jim gehört? Bitte teilen Sie Ihre Erinnerungen mit mir in den Kommentaren. Vergessen Sie nicht auf Gefällt mir zu klicken, wenn Sie diese wehmütigen Geschichten von Glanz und Schatten lieben.

 Vielen Dank für das Zuhören und bis zum nächsten Mal bei den Geschichten über die unsterblichen Legenden.

 

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