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Der Fall Jennifer Schuett I Wahre Verbrechen T

Der Fall Jennifer Schuett I Wahre Verbrechen 

Im August 1990 ist Jennifer 8 Jahre alt. Sie hat große blaue Augen und viele Sommersprossen. Zwischen den nichtsen klafft die typische Lücke eines Kindes, das gerade im Zahnwechsel ist. Die Achtjährige wohnt mit ihrer alleinerziehenden Mutter Elen in einem Apartment im Erdgeschoss innerhalb eines Wohnkomplexes in Dickens.

Das Verhältnis zwischen Jennifer und ihrer Mutter ist sehr eng und innig. Das liegt wohl vor allem daran, dass Elen die einzige Bezugsperson für Jennifer ist. Geschwister hat das Mädchen nicht. Jennifer ist ein freundliches, aber auch ein sehr ängstliches Kind. Seit sie denken kann, fürchtet sie sich vor der Dunkelheit.

Die meisten Nächte schlieft sie deshalb nicht in ihrem Kinderzimmer, sondern im Bett ihrer Mutter. So auch am Abend des 9. August 1990. Doch in dieser Nacht schläft Jennifer unruhiger als sonst. Im Schlaf strampelt sie und trifft dabei immer wieder ihre Mutter. Diese weg Jennifert deshalb auf und bittet sie ausnahmsweise in ihrem eigenen Bett zu schlafen, weil wegen der Arbeit am nächsten Morgen früh raus müsse.

Verschlafen dreht sich das Mädchen zu ihrer Mutter um und sagt: “Nur weil ich dich so lieb habe, werde ich heute Nacht in meinem Zimmer schlafen.” Jennifer steht auf, geht in ihr Zimmer und kuschelt sich in ihr eigenes Bett. Auf ihrem Nachttisch steht eine große Lampe, die wie eine Glühbirne geformt ist. Sie schaltet die Lampe ein, greift nach einem Buch und liest so lange, bis ihr vor Müdigkeit die Augen zu fallen.

Am nächsten Morgen kommt Elen in Jennifer Zimmer, um ihre Tochter zu wecken. Doch von der Achtjährigen fehlt jede Spur. Elin sucht überall nach ihrem Kind, unter dem Bett, im Kleiderschrank, einfach überall. Dann fällt ihr Blick auf das aufgebrochene Fenster im Kinderzimmer. Panisch greift Elen nach dem Telefon und wir den Notruf.

 Nur wenige Minuten später treffen die ersten Streifenbeamten ein. Die Beamten beginnen damit, die Umgebung nach der vermissten Jennifer abzusuchen. Sie durch Kammen, Vorgärten, Spielplätze, selbst in die Mülltonnen, schauen sie hinein. Währenddessen arbeiten Kriminaltechniker konzentriert im Apartment der Schütz.

 Sie stehen vor dem geöffneten Fenster in Jennifer Kinderzimmer, wo der Vorhagen noch leicht im Wind weht und sichern jede Spur und jeden möglichen Hinweis darauf, was in dieser Nacht passiert ist. Zu diesem Zeitpunkt kann sich niemand erklären, was geschehen sein könnte. Ist Jennifer vielleicht von zu Hause ausgerissen in mitten der Nacht, wo sie doch solche Angst vor der Dunkelheit hat? Elen sagt, es habe keinen Streit gegeben.

 Keinen Grund, warum Jennifer einfach weglaufen sollte. schon gar nicht um diese Uhrzeit. Und wenn sie wirklich rausgewollt hätte, warum durchs Fenster? Warum nicht durch die Wohnungstür? Jennifer ist nicht weggelaufen. Jemand hat sie entführt, mitten in der Nacht aus ihrem eigenen Kinderzimmer. Am frühen Abend des 10.

 August 1990, Jennifer wird seit rund 12 Stunden vermisst, spielt eine Gruppe von Kindern auf einem der Felder von Dickensen. Sie streifen durch das hohe Gras und genießen die letzten Sonnenstrein des Tages, als einer der Jungen plötzlich über etwas stolpert. Er hat Mühe, das Gleichgewicht zu halten, doch es gelingt ihm, sich wieder zu fangen.

 Der Junge dreht sich um. Er will wissen, was ihn zu Boden gebracht hätte. Dabei macht er eine grausame Entdeckung. Er ist nicht über einen Ast oder einen Stein gestolpert. Er ist über die nackten Füße eines blutüberströmten kleinen Mädchens gestolert. Erschrocken rennen die Freunde zurück zum Haus und informieren ihre Eltern.

 Jennifer Schütt erinnert sich später noch ganz genau an diesem Moment. In einem Interview für CBS News sagt sie: “Draußen wurde es hell und ich erinnere mich, dass ich aufblickte und Baumkronen und Wolken sahen. Ich konnte meinen Körper nicht bewegen. Ich versuchte so sehr meinen Kopf zu heben, aber ich konnte einfach nicht.

 Überall auf meinem Körper krabbelten Ameisen und bissen mich. Ich verlor immer wieder das Bewusstsein und jedes Mal, wenn ich zu mir kam, konnte ich nicht glauben, dass ich nicht gestorben war. Als ich da lag, konnte ich zur Seite schauen und durch die Grashalme und das ganze gestrüpp Autos sehen. Ich konnte nicht schreien, ich konnte meinen Kopf nicht heben, ich konnte nicht aufstehen, aber ich kann mich daran erinnern, Angst gehabt zu haben.

 Ich erinnere mich, dass ich mit dem, was passieren würde, nämlich, dass ich sterben würde, im Reinen war. Es war am frühen Abend. Draußen wurde es langsam dunkel und als ich das letzte Mal aufwachte, hörte ich Kinder spielen und ich spürte, wie etwas bei einen Fuß traf. Die Kinder hatten auf dem Feld Fang gespielt und eines von ihnen war über meinen Fuß gestolert und so wurde ich gefunden.

 Ich weiß noch, wie ich das Bewusstsein verlor und dann aufwachte, als ein Polizist neben mir kniete und sagte: “Wir haben dich gefunden. Es wird alles gut.” Und ich weiß noch, wie sie mich in den Rettungshubschrauber geschoben haben. Der Polizist, der als erstes bei dem Kind war, erinnert sich später noch genau an dem Moment, als der Rettungshubschrauber abhob, um Jennifer schnellstmöglich in eine Klinik zu bringen.

 Und er erinnert sich noch genau daran, wie er dachte, wir arbeiten an einem Mordfall. In so einem fürchterlichen Zustand befand sich die Achtjährige. Jennifer ist ganz blass. Ihr Körper ist überseht mit Bissen von Ameisen. Ihr Rücken ist über und über mit Kratzern bedeckt. Doch am schlimmsten ist der Schnitt, den der Täter hinzugefügt hat.

 Er hat dem kleinen Mädchen die Kehle von einem Ort zum anderen durchschnitten. Deshalb kann Jenfa kein Geräusch von sich geben. Sie war aufmerksam und wach, erinnert sich einer der behandelten Ärzte später. Wenn sie einen ansah, konnte man in ihren Augen sehen, dass sie große Angst hatte. In den nächsten Stunden kämpfen die Ärzte um das Leben der Achtjährigen.

 Die Schnittwunde hatte ihre Luftröhre verletzt, aber zum Glück hatte die scharfe Messerklinge keine größeren Gefäße eröffnet. Nachdem die Ärzte die Wunde vernäht haben, legen sie Jennifer einen Beatmungstobus. Nach der Operation können die Mediziner Entwarnung geben. Das kleine Mädchen schwebt nun nicht mehr in akuter Lebensgefahr.

Nach der medizinischen Untersuchung und Versorgung steht auch fest, der Täter hatte Jennifer, bevor er versuchte sie zu töten, sexuell missbraucht. Zudem hatte er sie wahrscheinlich, bevor er mit dem Messer ihre Kehle aufschnitt, so heftig gewirkt, dass ihre Augen Blut unterlaufen sind. Jennifer muss die nächsten Wochen im Krankenhaus verbringen.

 Nur die Krankenschwestern, Mutter Elen und die Ermittler dürfen in das Zimmer des kleinen Mädchens. Vor der Tür steht rund um die Uhr ein Polizist, der dafür sorgt, dass sich keine unbefugte Person Zutritt verschafft. Jennifer erinnert sich später, dass sie eine schwierige Patientin gewesen sei. Da waren viele männliche Ärzte und ich hatte Angst vor Männern.

 Ich erinnere mich, daß ich einem der Ärzte sogar in den Bauch getreten habe, weil ich ihn von mir fernhalten wollte. Unterdessen suchen Polizeibeamte das Gebiet rund um den Fundort von Jennifer ab. Etwa 400 m vom Fundort entfernt, entdecken sie mehrere Kleidungsstücke. Einige davon können Jennifer zugeordnet werden.

 Die anderen, so glauben die Ermittler, gehören ihrem Angreifer. Damit haben sie die DNA des Täters. Im Fall von Jennifer Schütt haben die Ermittler einen großen Vorteil. Zumindest scheint es auf den ersten Blick so. Die Achtjährige hat den brutalen Angriff ihres Mörders überlebt. Damit ist sie für die Kriminalbeamten ihre wichtigste Zeugin.

 Aber es gibt ein Problem. Jennifer kann aufgrund ihrer Schwierenheitsverletzung nicht sprechen. Einer der Mittler sagt gegenüber der Presse, sie kann schreiben und mit den Augenblindseln und so, aber ich weiß nicht, wie weit wir damit kommen. Jennifer kann sich bis heute an diese schreckliche Situation erinnern. Es war so frustrierend für mich, nicht sagen zu können, was ich wollte, erzählt sie.

Meistens habe ich meiner Mutter Notizen geschrieben und sie hat sie dann den Beamten draußen gegeben. Doch das behutsame Vorgehen der Ermittler Zeitwirkung. Je mehr Jennifer sich erholt, desto besser kann sie sich an die Tatnacht, vor allem aber an ihren Angreifer erinnern. Ich erinnerte mich an seinen Namen, sagt Jennifer später. Und so schrieb ich.

 Er sagte, sein Name ist Dennis. Ich erinnere mich, dass ich aufgeschrieben habe, dass Bierdosen im Auto waren und welche Zigarettenmarke er hatte. Einfach jedes kleine Detail, an das ich mich erinnern konnte. Alles, von dem ich dachte, dass es bei der Suche nach ihm helfen würde. Und so zeichnet sich nach und nach ein Bild vom Ablauf des schrecklichen Verbrechens und dem Täter.

Jennifer schlief in der Nacht vom 9. auf den 10. August 1990 in ihrem Bett über ihrem Buch ein. Sie merkte nicht, wie ein Mann das Fenster zu ihrem Kinderzimmer aufschob, [gelächter] dann ins Innere kletterte und mit ihr in der Dunkelheit verschwand. Das nächste, woran sich das Mädchen erinnert, ist, wie sie in den Armen eines fremden Mannes aufwachte, der mit ihr den Bürgersteck entlang rannte.

Sie kannte den Fremden nicht. Voller Angst versuchte Jennifer zu schreien, doch der Unbekannte hinderte sie daran, indem er ihren Mund und Nase zuhelt. Er buxierte sie auf den Beifahrersitz seines Wagens, dann setzte er sich ans Steuer und startete den Motor. Er ließ mich während der Fahrt auf seinem Schoß sitzen und hielt mich dort fest, erinnert Jennifer sich später.

 Er versuchte mich zu beruhigen und sagte mir: “Alles wird gut, ich bin ein Undercover Polizist.” Als Kind wollte ich ihm glauben, aber der Teil von mir, der gerade in der Schule etwas über Fremde gelernt hatte, der Teil von mir, der Angst vor der Dunkelheit hatte, der wusste, dass ihr etwas ganz und gar nicht stimmte.

Während der Fahrt wurde mir klar, dass ich tatsächlich entführt worden war. Ich hatte große Angst vor dem, was als nächstes passieren würde. Er fuhr auf den Parkplatz meiner Grundschule. Er sagte mir, ich sollle den Mond beobachten. Und wenn der Mond seine Farbe ändert, würde meine Mutter auf dem Parkplatz fahren und mich abholen.

Ich erinnere mich, wie ich gespannt auf die Scheinwerfer wartete, aber sie kamen nie. Ich glaube, dass er in diesem Moment versuchte, sich auf das vorzubereiten, was er wirklich vorhatte. Ich weiß noch, wie er sagte. Also, deine Mama kommt nicht und den Wagen startet. Und wir fuhren nur ein paar Blocks weit.

Es war eine Sackgasse auf einer Schotterstraße. Dann fuhr er wieder los auf ein überwuchertes Feld. Was mir durch den Kopf ging, war pure Panik. Dann hielt er mir ein Messer an die Kehle und sagte: “Mache ich dir Angst, kleines Mädchen? Mache ich dir Angst?” Dann wirkte er mich so fest er konnte und dann versuchte er mir das Genick zu brechen.

Ich war eine Zeit lang ohnmächtig. Ich wachte auf, als er mich an den Knöcheln durch dieses Feld zog. Er ließ meine Beine fallen. Ich hörte ihn weggehen. Ich hörte, wie seine Autotür zuschlug und er wegfuhr. Ich merkte, dass ich nicht schreien konnte und ich wusste nicht warum. Ich hatte gerade noch genug Kraft, um mir die rechte Hand auf den Hai zu legen.

 Und dann spülte ich diese klaffende Wunde und ich schaute auf meine Hand und sie war voller Blut. Ich war 8 Jahre alt. Er ließ mich einfach auf einem Feld zum Sterben zurück. Draußen wurde es hell und ich erinnere mich, dass ich aufblickte und Baumkron und Wolken sah. Ich konnte meinen Körper nicht bewegen. Ich versuchte so sehr meinen Kopf zu heben, aber ich konnte einfach nicht.

 Ich verlor immer wieder das Bewusstsein und jedes Mal, wenn ich zu mir kam, konnte ich nicht glauben, dass ich noch nicht gestorben war. Trotz dieses traumatischen Erlebnisses ist Jennifer in der Lage, den Mann zu beschreiben, der ihr das angetan hat. Weiß sei der Täter gewesen, kritzet sie in ihrer kindlichen Schrift auf den Notizblog.

 Er habe eine Brille getragen und ein oder zwei grüne Tattoos gehabt. Zudem habe er einen Schnurbart getragen und sei in etwa in seinen dreißigern Gefäßen. Auch an das Aussehen des Wagens des Unbekannten erinnert sich die Achtjährige. “Zwei Türen, eine bläuliche, eklige Farbe”, schreibt sie. Mit Hilfe einer Polizeizerin gelingt es sogar, ein Phantombit des Gesuchten anzufertigen.

Nach einigen Wochen ist es dann soweit. Ich glaube, ich war fast traurig, das Krankenhaus zu verlassen, sagt Jennifer. Dieser Ort war für mich zu einer Art Zufluchtsort geworden, aber ich hatte große Fortschritte gemacht. Ich habe im Krankenhaus sogar meine Stimme wieder erlangt. Ich sage gerne, dass ich seitdem nicht mehr die Klappe gehalten habe.

 Aber wer würde in diese Welt zurückkehren wollen, in der man gerade so brutal angegriffen wurde? Es war beängstigend für mich. Und dann fängt auch noch die Schule an. Ich begann pünktlich mit meinen Klassenkameraden die dritte Klasse und die Polizei war in der Schule, weil die ganze Gemeinde nervös war. Es wusste ja niemand, wer mir das angetan hatte.

Jennifer ist jetzt noch ängstlicher als zuvor. Sie kann nicht allein zu Hause bleiben, geschweige denn allein in ihrem Bett schlafen. Mutter Elen muss rund um die Uhr für sie greifbar sein. Ihre bereits zuvor erlernte Selbständigkeit hat Jennifer beinahe gänzlich verloren. Und noch etwas kommt hinzu, dass das Kind belastet.

Bei jedem Mann, der ihr begegnet, fragt sie sich, ob das ihr peiniger ist. Der Mann in der Schlange im Supermarkt vor ihr. Einfach jede männliche Person lässt Panik in ihr aufsteigen. Während Jennifer versucht wieder in den Alltag eines Kindes Fuß zu fassen, fahnet die Polizei fieberhaft nach dem Mann, der sich an einem kleinen Mädchen vergangen und anschließend versucht hatte, es zu töten.

 Es vergehen Wochen, Monate, dann Jahre. Die Ermittler haben jede Spur abgearbeitet, sind jedem Hinweis nachgegangen, aber dem Täter sind sie nicht einen Schritt näher gekommen. 10 Jahre nach dem brutalen Angriff macht Jennifer ihren Highschool Abschluss und beginnt ein Studium. Anschließend arbeitet sie als Kinderbibliothekarin in einer öffentlichen Bibliothek.

15 Jahre nach dem Mordversuch lernt sie einen jungen Mann namens Jonathan kennen. Er gibt ihr Kraft, Heid und Zuversicht und er unterstützt sie bei ihrem Vorhaben, ihren Peiniger zur Strecke zu bringen. Im Jahr 2008, also 18 Jahre später, startet die Polizei einen erneuten Versuch, den Täter hinter Gitter zu bringen.

 Sie setzen eine Gruppe neue Ermittler auf den Fall an. Bei der Arbeit an ungelösten Fällen ist die Zeit auf ihr Feind, erklärt einer der Kriminalbeamten. Menschen vergessen, Menschen ziehen weg, Menschen sterben. Wir hatten in unserem Fall jedoch einen Vorteil der Zeit, der technologische Fortschritt im DNA Bereich. Die Kriminalisten schicken Jennifers T-Shirt, ihre Unterwäsche und die Unterwäsche des Tatverdächtigen, die seiner Zeit nahe des Tatorts gefunden worden waren, in das FBI Labor in Virginia. Die Ermittler wissen, daß ihre

angeforderte DNA-untersuchung bei einem 18 Jahre alten Codecase keine Priorität hat. Sie müssen sich in Geduld üben. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schwindet auch ihr Optimismus. Mehr als ein Jahr lang müssen Sie auf das Ergebnis warten. 19 Jahre nach dem brutalen Verbrechen klingelt bei einem der Ermittler morgens um 2:30 Uhr das Telefon.

 Am anderen Ende der Leitung meldet sich ein Mitarbeiter des FBI Labores. Wir haben einen Treffer, verkündet er. Die gefundene Fremd DNA im Fall Jennifer Shit gehört zu einem Mann namens Dennis Earl Bradford. Sein Name ist Dennis, hatte Jennifer damals im Krankenhaus geschrieben. Stück für Stück fügt sich das Pulse nun zu einem vollständigen Bild zusammen.

Bradford war 1997 wegen eines ähnlichen Verbrechens in Arkenschau verurteilt worden. Er hatte eine Frau, die er in einer, der dortige Bars kennengelernt hatte, sexuell missbraucht. Anschließend versuchte er der jungen Frau mit einem Messer die Kehle aufzuschlitzen, fügte aber nur eine oberflächliche Verletzung zu.

 Dann drückte er den Kopf der Frau in einen Bachlauf, um sie zu ertränken. Doch plötzlich hielt er inner, ließ von ihr ab und flüchtete. Sein Opfer überlebte schwer traumatisiert. Bradfords DNA war nach dem sexuellen Übergriff in die nationale Datenbank eingespeist worden. Die Ermittler finden heraus, dass Bradford in Arkanscha gematet ist und seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis scheint er ein bürgerliches unauffälliges Leben zu führen.

 Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Stiefsöhne. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Schweißer. Jetzt geht es für die Kriminalisten, eine Verbindung nach Dickensonen zu schaffen. Und es dauert nicht lange, bis sie feststellen, dass Bradford in den 1990er Jahren an mindestens zwei verschiedenen Adressen in Dickensen gemeldet war.

 Eines hatten beide Wohnorte gemeinsam. Sie befanden sich in unmittelbarer Nähe zu dem Wohnkomplex, in dem Jennifer damals mit ihrer Mutter lebte. Über die Führerscheinbehörde in Texas gelingt es, den Kriminalbeamten an ein Foto von Bradford zu gelangen. Das Bild war nur wenige Monate vor dem Angriff auf Jennifer aufgenommen worden.

 Ich habe noch nie eine Phantomzeichnung gesehen, die dem tatsächlichen Verdächtigen so ähnlich ist und dann noch von einem Kind, das diese Erfahrung durchgemacht hat. Es ist unglaublich, sagt einer der Mittler. Damit haben die Kriminalisten alles, um einen Haftbefehl gegen Bradford zu beantragen. 2009, 19 Jahre nach dem Angriff auf Jennifer, nehmen Polizeibeamte den 40-jährigen während einer Verkehrskontrolle in Norst Rockfest.

Nachdem die Ermittler davon erfahren, machen sie sich sofort auf den Weg in das rund 1000 km entfernte Arkenshaw, um Bradford zu verhören. Die Kriminalisten wollen unbedingt ein Geständnis aus ihm herauskriegen. “Haben Sie schon einmal den Namen Jennifer Shit gehört?”, fragt einer der Beamten. Bradford nickt.

 Er erinnert sich an die Geschichte. Er habe damals in Dickenson die Plakate gesehen, auf denen er nach dem Täter gefahndet wurde. Er habe für das Mädchen gebetet. Der vernehmende Beamte fragt sein Gegenüber daraufhin, ob er jemals Gelegenheit hatte mit Jennifer in Kontakt zu kommen. Ja, antwortet Bradford.

 Erzählen Sie mir davon, vollerte er mit ih auf. Nein, zischt Bradford. Die Art, wie er nein sagt, lässt den Beamten aufhorchen. Sie wollen also nicht darüber reden? Wieder antwortet Bradford mit einem nachdrücklichen Nein. Gibt es dafür einen Grund? Will der Ermittler wissen, du hast deine Hausaufgaben gemacht, antwortet Bradford. Es ist für alle Beteiligten eine anstrengende und nervenaufreimende Vernehmung, bis Bradford endlich gesteht, Jennifer in jener Augustnacht aus ihrem Kinderzimmer entführt zu haben. Ich habe das kleine Mädchen

darausgebracht und sie vergeweitigt und ihr die Kehle durchgeschnitten. Ich weiß nicht, warum. Ich habe nie gewusst, warum. Viele, viele, viele Male wollte ich einfach Schluss machen, aber ich hatte nie den Mut dazu. Gesteht Bradford. Dann erzählt der 40-Jährige, dass er kurz nach seinem Angriff auf Jennifer versucht habe, sich das Leben zu nehmen.

Der Suizidversuch scheiterte und der damals 21-Jährige wurde in die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses eingeliefert. Erst jetzt erfahren die Ermittler, dass es eben jenes Krankenhaus war, in dem Jennifer zu dieser Zeit noch immer wegen ihrer schweren Verletzungen, die ihr Bradfor zugefügt hatte, behandelt wurde.

Und damit endet für Jennifer nach 19 Jahren die Jagd nach ihrem Peiniger. Weinend tritt sie vor die Fernsehkameras. Ich bin kein Opfer, sondern eine Siegerin. Not aim, but inad victorious. In den kommenden Tagen und Wochen durchb Jennifer den Albtraum nochmals. Nach der Festnahme bereitete ich mich auf den Prozess vor.

 Alle waren der Meinung, wir hätten eine solide Beweislage und würden auf lebenslang Haft plitieren, resumüert sie. Sein Anwalt sagt, er werde sich schrödig bekennen und wollte die Sache nicht länger hinauszögern. Wir wollten keinen Schwurgerichtsverfahren und so weiter. Sucht euch einen Tag aus. Wir dachten: “Wow, wie toll wäre es, den 10.

 August zu wählen, also 20 Jahre nach der abscheulichen Tat, um damit den Kreis zu schließen und die Sache abzuschließen. Ich erinnere mich, wie ich endlose Nächte durchmachte, um meine Opferaussage zu perfektionieren. Schreiben und löschen und wiederschreiben und wiederlöschen. Einfach nur versuchen, das was ich sagen wollte, zu perfektionieren.

Ich hatte dieser Person 19 Jahre lang Dinge zu sagen. Ich wollte sicherstellen, dass ich es so wieder gab, wie ich es wollte. Doch dazu soll es nicht mehr kommen. Am 10. Mai 2010 erhängt Bradford sich in seiner Zelle. Einer der Ermittler erinnert sich noch genau an dem Moment, als er Jennifer anrief und ihr mitteilen musste, was passiert war.

 Am anderen Ende der Leitung wurde nur geweint und geschrien. Sie wollte es nicht glauben. Ich konnte ihr nur sagen, dass es mir leid tut. Ich hatte das Gefühl, als ob mir alles, wofür ich so hart gearbeitet hatte, in einem Augenblick interessen wurde, sagt Jennifer über diesen Moment. Es ist der 10.

 August 2020, als Jennifer sich neben das Grab von Bradford setzt. Mit drinnen in den Augen liest sie ihre Opferaussage vor. Dann dreht sie sich zu ihrem Mann Jonathan um und sagt, ich frage mich, ob er mich hört. Und genau in diesem Moment weiß sie eine einzelne Feuerameise ins Bein. Für Jennifer ist das eine klare Antwort. Ich werte das Erzeichen Gottes, dass er mich laut und deutlich gehört hatte, sagt sie.

Der Fall Jennifer Schütt bleibt mir, denke ich, noch lange im Kopf hängen. Mehr eine Mischung aus Wut und Fassungslosigkeit, die ich auf jeden Fall empfinde und auch Bewunderung und zwar, weil Jennifer Geschichte all das einfach auch in sich trägt, finde ich das Dunkelste, was einem Menschen passieren kann, was ein Mensch tun kann und das Stärkste, was sein Mensch aus dieser Situation machen kann bzw.

dagegensetzen kann. Ja, ich habe mich auch gefragt, wie spontan diese Tat eigentlich war. Also aus was für ein Impuls heraus? Oder war die Tat überhaupt spontan? Hat er Jennifer schon öfter gesehen? Hat er sie öfter beobachtet? Ich meine, er hat nun auch in der Nähe von ihr und ihrer Mutter gelebt.

 Der Satz, den er ja gesagt hat, also er hat sie ja gefragt, ob er ihr Angst macht, der lässt mich irgendwie auch nicht los, weil er so viel über ihn verrht. Er wollte, dass sie Angst fühlt und diese totale Machtlosigkeit. Und genau das war wahrscheinlich auch sein Ziel. Er wollte sich selbst spüren, indem er jemand anderem die Kontrolle nahm. Also sprich Jennifer in dem Fall.

Solche Täter sind nicht chaotisch, würde ich sagen. Sie sind berechnend und sie wissen, was sie tun und sie genießen das Gefühl, dass jemand ihnen ausgeliefert ist. Ich finde, es wird auch klar, wie leer dieser Mensch war und wie viel innere Ohmacht da gewesen sein muss, um Macht nur durch Angst zu empfinden.

 Er zerstörte, weil er sonst nichts fühlte und das ist fast noch erschreckender als die Tat an sich. Auf der anderen Seite steht aber Jennifer. Sie war ein Kind. Sie wurde in der Nacht entführt. Sie hat irgendwie alles verloren und trotzdem hat sie einen Weg gefunden, sich mitzuteilen. Sie konnte ja nicht sprechen.

 Sie schrieb aber und allein das ist ja auch unglaublich und vor allem auch dieser Erinnerung an diesen Mann, an den Täter, die sie ähm ja auch hatte zu der Zeit, wo sie noch im Krankenhaus lag. Das schreiben wir ja auch mehr als eine Kommunikation. So, es war ein Selbstschutz. Es war eine Möglichkeit wieder handlungsfähig zu werden, auch wenn sie es vielleicht in dem Alter nicht so bewusst gemerkt hat.

Mit einem Blick von heute auf die Tat oder auf diese Umstände, kann man das aber glaube ich schon sagen, dass sie sich dadurch auf jeden Fall ein kleines Stück Handlungsfähigkeit zurückerobert hat. Es gibt einen psychologischen Begriff dafür und dieser lautet Agency. Das ist die Fähigkeit in einem Moment völliger Ohnmacht irgendeine Form von Kontrolle zurückzuerlangen.

 Und genau das hat ja Jennifer eben gemacht. Sie schreibt auf, was ihr einfällt. Sie beschreibt den Täter und sie gibt den einmittlern damit alles, was sie brauchen, um eben weiterzusuchen, um den Mann zu finden. Und ich finde, darin steckt eine unglaubliche Stärke, weil überleben ja ihn nicht nur heißt am Leben zu bleiben, es heißt die eigene Geschichte wieder in die Hand zu nehmen, selbst wenn man kaum noch Kraft dazu hat.

 Ja, und dann vergeht eben Zeit, viel Zeit. 19 Jahre, eine Ewigkeit, wenn man darauf wartet, dass jemand Verantwortung übernimmt, sprich, wenn man darauf wartet, dass dieser Täter endlich gefasst wird. In den meisten Fällen arbeitet die Zeit ja gegen einen, Beweise verschwinden und Zeugen erinnern sich nicht mehr, aber hier in diesem Fall war es anders.

 In diesem Fall war die Zeit auf der Seite von Jennifer, weil die Technik sich verändert hatte, bei denen Archspuren, die damals noch kaum eine Bedeutung hatten, Jahre später die Wahrheit erzählen konnten. Die Wahrheit verschwindet nicht, sondern wartet meist auch nur darauf, dass sie gefunden wird. Und vielleicht war das eben hier auch so, dass Jennifer all die Jahre bis zu dem Moment gewartet hat, dass die Wahrheit eine Stimme bekommt.

Genau das passierte ja dann im Jahr 2009. Dennis Bradford wird verhaftet. Er gesteht und als man ihn fragt, warum er Jennifer damals entführt hat und warum er sie zum Sterben zurückgelassen hat, sagte er, ich weiß nicht, warum ich das getan habe. Diesen Satz hört man auch sehr oft. Das ist selten die Wahrheit.

Wenn wir jetzt uns an andere Kriminalfälle erinnern, die meisten Täter wissen sehr genau, was sie getan haben. Sie wollen es n nicht sehen, sie wollen nicht darüber sprechen. Sie wollen kein Monster im übernatürlichen Sinne sein. Sie wollen Mensch bleiben. Aber letztendlich sind sie Menschen, die Kontrolle in ihrer Hand hatten oder gefühlt haben, die sie ermächtigt hat.

Und als diese Kontrolle dann vorbei war, z.B. In diesem Fall nahm er sich ja auch das Leben und auch das war eine Entscheidung aus der Macht heraus. Ein letzter Versuch, den Ausgang für sich selbst selbst zu bestimmen. Für Jennifer muss das auf jeden Fall sehr brutal gewesen sein.

 Wir haben es im Feier auch gehört. Der Polizist hat ja auch davon berichtet, wie Jennifer darauf reagiert hat, als sie gehört hat, dass Dennis Bradford sich umgebracht hat. die Jahre des Wartens, die Vorbereitung auf den Prozess und dann bleibt ihr auch nur Lehre. Es gibt keinen Urteil, es gibt irgendwie auch kein richtiges Ende, offiziell zumindest.

 Aber vielleicht war das trotzdem eine Art Abschluss, weil Jennifer auch längst gewonnen hatte. Zwar nicht vor Gericht, aber am Leben. Und dann kommt dieser Moment 20 Jahre nach der Tat. Jennifer sitzt an dem Grab ihres Peinigers. Sie liest ihre Aussage vor, also die Worte, die sie nie sprechen konnte, zumindest nicht so, dass er sie gehört hat.

 Und dann eben diese dieser Biss der Ameise, welchen sie ja als Zeichen sieht. Ja, das kann man jetzt natürlich auch wieder so sehen, wie man will, aber Jennifer spricht selbst davon. Das kann man ihr auch zugestehen und das sollte man ihr auch lassen. Man denkt auf jeden Fall an das, was sie daraus gemacht hat. Jennifer wollte kein Opfer sein.

 Sie wollte kein Opfer bleiben. Sie ist ein Beweis dafür, das überleben bedeutet, sich das eigene Leben zurückzuholen. Genau das spürt man eben auch, wenn man ihr zuhört. Sie klingt ruhig, sie kann klar über die Touch sprechen. Sie wirkt eigentlich fast friedlich, wenn man ihr auch so zuschaut bei ihren bei dem Interview.

 Und das finde ich auf jeden Fall sehr beeindruckend, weil da einfach jemand sitzt, der nicht mehr in der Dunkelheit lebt, sondern ja rausgefunden hat. Ich glaube, das ist auch irgendwo eine Botschaft, die man mitnehmen kann, dass eben selbst in den schlimmsten Zeiten, im schlimmsten Schmerz irgendwann wieder Handlung entsteht, dass die Sonne wieder rauskommt und dass man am Ende nicht nur überlebt, sondern weiterlebt, dass es weitergeht.

 Jennifer Shit hat das gemacht und das allein ist mehr als ihr Täter je geschafft hat. Ich komme nicht drum rum, einfach ähm ja auch noch mal meine Bewunderung Jennifer Schütt gegenüber Ausdruck zu verschaffen. Sie hat nicht aufgegeben nach der Wahrheit zu suchen. Sie hat nicht aufgegeben für Gerechtigkeit zu kämpfen.

 Ja, und all das ist einfach bewundernswert. Jetzt interessiert mich aber natürlich und du weißt es ähm wie deine Gedanken zu dem Fall sind. Was hast du gedacht, wo du den Fall gehört hast? Kanntest du den Fall schon? Und ja, es ist ja jetzt auch noch mal ein anderer Fall. Hier geht’s ja nicht darum, dass Menschen ihr Leben verloren haben, sondern einfach auch darum, dass Menschen was erlebt haben, eine sehr schreckliche Tat erlebt haben, die sie überlebt haben und wie sie dann auch in ihrem Leben weiter gemacht haben, wie sie weiter vorangekommen sind. Ich finde ein sehr

interessanter Ausgang. Deswegen auch bin ich sehr interessiert an deiner Meinung, an deinen Gedanken. Ich erinnere dich gerne auch daran, dass ich ab Januar auf Tour bin, auf meiner ersten Tour mit meinem Podcast Ware Verbrechen. Im Januar bin ich in den Städten Köln, München und Hamburg.

 im Oktober nächsten Jahres dann auch in Berlin und Mainz. Es gibt die Tickets schon online und ich würde mich sehr sehr freuen dich bei der Tour begrüßen zu dürfen, dich kennenzulernen, vielleicht auch im Nachhinein noch mit dir über den Fall zu sprechen, den ich dir dann präsentiere und ja vielleicht, dass wir einfach einen Crime Abend haben, den wir zusammen verbringen können im Anblick des anderen, sage ich jetzt mal.

 Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf, euch kennenzulernen. Und wenn du vielleicht auch niemanden hast, der mit dir mitkommt, hab keine Angst, ich bin da. Es sind so viele Leute da und die freuen sicherlich genauso dich auch kennenzulernen. Also komm gerne auch alleine vorbei und dann haben wir trotzdem einen wirklich sehr tollen Abend.

 Ich freue mich drauf, dich in deiner Stadt zu treffen oder bzw. in der Nähe deiner Stadt. Ja, also Tickets gibt’s im Online Verkauf oder du guckst einfach in die Folgenbeschreibung, dort gibt es einen direkten Link oder auf meiner Website www.warecast.de. de. Dort findest du auch ähm die Tickets. Ja, ich verabschiede mich jetzt von dir und bedanke mich fürs Zuhören.

Wenn du magst, dann gib dem Podcast gerne eine Bewertung auf Apple Podcast, Spotify oder dort, wo du ihm am liebsten hörst und aktiviere die Glocke, um keine neue Folge zu verpassen. Wir hören uns in der nächsten Folge wieder. Bis dahin. Bleib sicher.

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