Ina Müller ist heute eine der unangefochtenen Königinnen der deutschen Fernsehunterhaltung. Mit ihrer Sendung „Inas Nacht“ hat sie Kultstatus erreicht, ist für ihre Schlagfertigkeit berühmt und fürchtet kaum ein Gegenüber. Doch auch eine Powerfrau wie sie hat Momente erlebt, die tiefe Wunden hinterlassen haben. In der aktuellen Folge des Podcasts „Frühstück bei Barbara“ sprach die 60-Jährige nun mit Moderatorin Barbara Schöneberger über ein Erlebnis aus ihrer Anfangszeit, das sie bis heute als „nachhaltig traumatisierend“ beschreibt: Ein Aufeinandertreffen mit Schauspiel-Star Til Schweiger in der NDR Talkshow.
Die Situation, in der sich Ina Müller damals befand, war alles andere als Routine. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch keine erfahrene Talkmasterin. Zuvor war sie für das NDR Fernsehen eher rustikal unterwegs gewesen, interviewte für „Inas Norden“ Bauern auf dem Acker und tuckerte mit dem Trecker durch die norddeutsche Tiefebene. Der Sprung in das glamouröse, aber oft auch unterkühlte Studio der NDR Talkshow war ein gewaltiger Schritt. „Ich saß ja da wie so ein armes alleingelassenes Vögelchen mit Halstuch“, erinnert sie sich heute mit einer Mischung aus Wehmut und Bitterkeit.
Ihr Gast an diesem Abend: Til Schweiger. Der Schauspieler war gekommen, um seinen Film „Wo ist Fred“ zu promoten. Müller war gut vorbereitet, hatte den Film gesehen und sich Notizen gemacht. Doch das eigentliche Problem lag in der Kommunikation hinter den Kulissen. Niemand hatte der jungen Moderatorin gesagt, dass Schweiger zu jener Zeit extrem allergisch auf Fragen zu seinem Privatleben reagierte. So standen auf ihren Moderationskarten Fragen wie: „Und was machen du und deine Frau, wenn ihr morgens ausschlaft?“ – Fragen, die in einer lockeren Talk-Atmosphäre eigentlich Standard sind, bei Schweiger jedoch auf Granit stießen.

Was folgte, war ein moderativer Albtraum. Schweiger blockte jede persönliche Frage konsequent ab. Die Stimmung im Studio kühlte merklich ab. Das Interview, das eigentlich auf 15 Minuten ausgelegt war, geriet ins Stocken und endete bereits nach qualvollen sieben Minuten. Ina Müller versuchte in ihrer Verzweiflung verzweifelt, das Gespräch an die damaligen Hauptmoderatoren Jörg Pilava und Julia Westlake abzugeben, doch die Hilfe blieb aus.
Die Frustration über das scheiternde Gespräch und die mangelnde Unterstützung entlud sich schließlich in einer Geste, die Müller heute selbst als „vielleicht ein bisschen zu aggressiv“ einstuft: Sie warf ihre Moderationskarten wütend auf den Tisch. „Ich war einfach ein bisschen sauer“, erklärt sie rückblickend. Doch der eigentliche Schock folgte erst nach der Aufzeichnung.
Anstatt der jungen Kollegin nach dem schwierigen Interview den Rücken zu stärken, passierte das Unvorstellbare: Der damalige Chef der Talkshow lief direkt auf Til Schweiger zu – und entschuldigte sich bei ihm für Ina Müller. Er entschuldigte sich dafür, wie „schlimm“ sie gewesen sei. Für Müller war dies ein Schlag ins Gesicht. In einem Moment, in dem sie Schutz und Zuspruch gebraucht hätte, wurde sie vor dem prominenten Gast bloßgestellt.

Dieses Erlebnis hat sich tief in das Gedächtnis der Moderatorin eingebrannt. Es war nicht nur das schwierige Gespräch mit einem unwilligen Gast, sondern vor allem der Verrat durch die eigene Redaktionsleitung, der die Situation traumatisch machte. Es zeigt die harten und oft unfairen Mechanismen der Medienwelt, in der junge Talente manchmal den Wölfen zum Fraß vorgeworfen werden, nur um die Befindlichkeiten der Stars zu wahren.
Heute kann Ina Müller über diese Zeit sprechen, doch die Emotionen sind auch nach fast zwei Jahrzehnten noch spürbar. Es ist die Geschichte eines „Vögelchens mit Halstuch“, das lernen musste, sich in einer harten Branche zu behaupten. Dass sie heute selbst Stars in ihrer Kneipe „Zum Schellfischposten“ ausreserveiert, ist vielleicht auch ein Resultat jener bitteren Lektionen von damals. Sie hat bewiesen, dass man aus Traumata Stärke ziehen kann – auch wenn der Weg dorthin schmerzhaft war.
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