Er war das Gesicht, das ganze Generationen durch die seichten Gewässer des deutschen Fernsehens steuerte. Ob als charmanter Stewart, als unwiderstehlicher Frauenheld in der „Schwarzwaldklinik“ oder schließlich als Kapitän auf dem „Traumschiff“ – Sascha Hehn verkörperte über Jahrzehnte den perfekten „Sunnyboy“. Sein makelloses Lächeln und sein jungenhafter Charme machten ihn zur festen Größe im Abendprogramm. Doch nun, mit 70 Jahren, zeigt der in München geborene Schauspieler eine Seite, die so gar nicht zum Image des stets gut gelaunten Kapitäns passen will. Es ist eine Abrechnung mit einer Branche, die er heute als kälter und gnadenloser beschreibt, als es der Zuschauer vor dem Fernseher je vermutet hätte.
In einem Alter, in dem viele auf eine glanzvolle Karriere zurückblicken und die Schattenseiten der Vergangenheit ruhen lassen, hat Sascha Hehn beschlossen, die Wahrheit auszusprechen. Es geht um fünf Namen, fünf Schwergewichte der deutschen Unterhaltung, mit denen er nach eigener Aussage nie wieder ein Wort wechseln würde. Es ist keine spontane Wutrede, sondern das Ergebnis jahrelanger, stiller Beobachtung und persönlicher Enttäuschung. „Ich habe zu lange geschwiegen“, erklärt Hehn heute mit einer Ernsthaftigkeit, die man unter seinem gewohnten Lächeln selten sah.

Auf Platz 5 seiner persönlichen Liste der menschlichen Enttäuschungen steht Michaela May. Gemeinsam drehten sie zahlreiche Filme, galten nach außen hin als das perfekte TV-Duo. Doch hinter der Kamera herrschte laut Hehn eine „eisige Stille“. Er beschreibt May als kühl und kontrolliert, eine Kollegin, die Distanz als Waffe einsetzte. Besonders schmerzhaft blieb ihm ein Vorfall in Erinnerung, bei dem May den Produzenten gebeten haben soll, Hehn an einen anderen Tisch zu setzen, um ihre Mahlzeit nicht im „Schatten alter Rollenbilder“ verbringen zu müssen. Für Hehn war dies der Moment, in dem aus kollegialem Respekt reine Verachtung wurde. May wurde für ihn zum Symbol einer Branche, in der Höflichkeit nur noch als taktisches Mittel dient.
Platz 4 belegt Sky du Mont. Hier trafen zwei „Alphamänner“ aufeinander, doch laut Hehn gab es am Set nur Platz für ein Ego – das von du Mont. Hehn wirft seinem Kollegen vor, Teamgeist durch ein permanentes Kräftemessen ersetzt zu haben. Er erinnert sich an gezielte Demütigungen, etwa als du Mont ihm während eines Live-Interviews das Mikrofon entriss oder dafür sorgte, dass Hehn in der Sitzordnung nach hinten rückte. Der Tiefpunkt war ein spöttischer Kommentar über Hehns Alter und dessen „Seniorenpass fürs Traumschiff“. Was als Witz getarnt war, brannte sich bei Hehn als öffentliche Entwürdigung ein.
Nicht weniger konfliktreich war die Zusammenarbeit mit der „Königin des Herzkinos“, Christine Neubauer, die Hehn auf Platz 3 setzt. Er nennt sie die schwierigste Partnerin seiner Karriere. Hinter ihrem bekannten Lächeln habe eine unerbittliche Kontrollsucht gelauert. Hehn beschreibt Szenen, in denen Neubauer den Regisseur vor der versammelten Crew aufforderte, ihm eine „Lektion in Respekt“ zu erteilen. Ihre Eitelkeit am Set, die oft dazu führte, dass Dreharbeiten stundenlang unterbrochen wurden, nur damit sie im richtigen Licht erschien, empfand Hehn als Machtmissbrauch. „Sie wollte immer gewinnen, selbst in den Liebesszenen“, resümiert er bitter.

Auf Platz 2 findet sich eine Ikone der Volksmusik wieder: Hansi Hinterseer. Was für das Publikum wie die perfekte Harmonie zweier Publikumslieblinge wirkte, war hinter den Kulissen ein „Pulverfass“. Hehn beschreibt Hinterseer als ein „perfekt inszeniertes Produkt“, das genau wusste, wie man Kollegen manipuliert und verunsichert. Er erinnert sich an Wetten in der Maske, bei denen Hinterseer behauptete, Hehn vor laufender Kamera so aus dem Konzept bringen zu können, dass dieser sich verspreche – was ihm auch gelang. Für Hehn war Hinterseer kein Kollege, sondern ein Gegner, der den Applaus stets über den menschlichen Respekt stellte.
Die Spitze seiner Liste und damit Platz 1 belegt jedoch die Frau, mit der er einst als das „Traumpaar des deutschen Fernsehens“ gefeiert wurde: Uschi Glas. Doch der Schein trog gewaltig. Hehn wirft Glas vor, keine Partnerin, sondern eine kühle Strategin gewesen zu sein. Hinter den Kulissen habe eine regelrechte „Fehde“ getobt. Hehn beschreibt, wie Glas ihn vor der gesamten Crew wegen angeblicher Textunsicherheiten demütigte und ihren Einfluss auf die Regie nutzte, um seine Rolle systematisch an den Rand zu drängen. Besonders tief saß der Schlag, als Glas ihn intern als „Auslaufmodell“ bezeichnete, das „nicht mehr frisch genug für romantische Rollen“ sei. Für Hehn war dies der endgültige Bruch mit einer Frau, die für ihn heute das Symbol für die zerstörerische Kraft von Ruhm und Macht darstellt.
Sascha Hehns spätes Geständnis ist ein Blick hinter die Kulissen einer Welt, die von Illusionen lebt. Seine Liste ist eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass der Preis für den ewigen Glanz oft Einsamkeit und der Verrat durch vermeintliche Freunde ist. Mit 70 Jahren blickt er zurück und stellt fest, dass er zwar vieles erreicht, aber auch den Glauben an die Aufrichtigkeit seiner Branche verloren hat. Hehn steht heute aufrecht, doch sein Blick ist klarer geworden – er weiß nun, wer seine Freunde nie waren.
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