Der Franzose hielt die alte deutsche Holzgas-Technik für Unsinn – dann hing die ganze Ernte daran
Das Summen kam aus der Scheune, ein gleichmäßiges hohes Summen wie von einem kleinen Motor. Peter Laufenberg kannte dieses Geräusch. Er kannte es besser als jedes andere Geräusch auf der Welt. Und genau deshalb blieb er mitten auf dem Hof stehen, den Wassereimer noch in der Hand.
Das Scheunentor war zu, beide Flügel von innen verriegelt gegen den Wind. Das Summen war der Anfachlüfter eines Holzvergasers. Und ein Holzvergaser, der in einem geschlossenen Raum läuft, ist keine Maschine mehr. Er ist eine Falle. Peter ließ den Eimer fallen. Er rannte zum Tor und rüttelte daran. Nichts. Er rief: “Keine Antwort.
” Durch den Spalt zwischen den Brettern drang ein süßlicher scharfer Geruch nach verbranntem Holz. Peter trat zurück, nahm Anlauf und warf sich mit der Schulter gegen das Holz. Einmal, zweimal, beim dritten Mal splitterte der Riegel. Drinnen stand der Lastwagen, ein alter Citroën. Hinter dem Fahrerhaus ein hoher Zylinder aus Blech, daneben Rohre und Filterkästen.
Der Lüfter lief und neben dem Vorderrad lag ein Junge auf dem Boden. 16 Jahre alt, das Gesicht grau, die Augen halb offen. Lucian, der Sohn des Bauern. Peter hielt die Luft an. Er packte den Jungen unter den Armen und zog ihn über den Lehmoden hinaus, ins Licht, auf das Gras neben dem Misthaufen. Dann lief er noch einmal hinein, ohne zu atmen, und schaltete den Lüfter ab.
Draußen hustete er, bis ihm die Tränen kamen. Lucian bewegte sich, er stöhnte, er griff sich an den Kopf. “Tut Tourn”, flüsterte er. “Alles dreht sich. Reste couche”, sagte Peter. “Liegen bleiben. Sein Französisch war schlecht, aber dafür reichte es. Respir, atmen. Dann hörte er Schritte, schwere Schritte. Schnell! Marcel Guillot kam vom Feld herüber, die Sense noch über der Schulter.
Er sah das aufgebrochene Tor. Er sah seinen Sohn im Gras und er sah den deutschen Kriegsgefangenen, der neben ihm kniete. Es war anfang Juli 1947 ein Bauernhof im Norden der Nievre in Burgund, nicht weit von der Stadt Klamessie. Und in den nächsten drei Wochen würde sich auf diesem Hof entscheiden, ob eine Familie ihr Erntegeld verlor.
Marcel ließ die Sense fallen. Er stieß Peter zur Seite so hart, dass er ins Gras fiel. Dann kniete er sich neben seinen Sohn. Questütüfet, was hast du gemacht, Papa? Sagte der Junge leise. Le Bosch maortida, der Bosch hat mich da rausgeholt. Marcel antwortete nicht. Er hob den Jungen hoch und trug ihn ins Haus. Madeleine, seine Frau, kam ihnen an der Tür entgegen, eine Hand vor dem Mund.

Die Tür schloos sich. Später am Nachmittag kam Marcel wieder heraus. Er ging an Peter vorbei zur Scheune, sah sich das Tor an und den Riegel. Dann sagte er einen Satz, ohne sich umzudrehen. Le Camon. Tunituschpa, den Lastwagen fasst du nicht an. Das war alles. Kein Dank. Keine Frage, wie Peter gewusst hatte, was in der Scheune los war.
Ein Kriegsgefangener hatte keine Meinung über den Lastwagen des Hausherrn. So war die Ordnung. Nicht aus Hass. Einfach weil es so war. Peter Laufenberg war 28 Jahre alt. Er stammte aus Köln Ehrenfeld. Sein Vater hatte dort eine kleine Autowerkstatt, zwei Hebebühnen, einen Hof voller Ölflecken. Und in den späten 30er Jahren, als Benzin in Deutschland knapp und teuer wurde, bauten sie in dieser Werkstatt Lieferwagen um, die Wagen von Bäckern, von Kohlenhändlern, von Milchfahrern.
Sie bekamen einen Holzvergaser. Das System hieß Imbert. Erfunden hatte es ein Mann namens Georges Imber, geboren 1884 in einem Dorf in Lotringen, das damals zum Deutschen Reich gehörte. In Köln, nur ein paar Kilometer von der Werkstatt seines Vaters entfernt, wurden Imbertgen Generatoren zu Hundeta000usenden gebaut.
Peter hatte mit seinen ersten zerlegt. Mit 20 konnte er einen mit geschlossenen Augen einstellen. Dann kam die Einberufung. Dann der Sommer 1944, die Gefangenname irgendwo in Frankreich, die Lager der Hunger und schließlich im Jahr 1946 ein Kommando auf einem Bauernhof in Burgund.
Er schlief in einer Kammer über dem Stall. Er arbeitete vom ersten Licht bis zum letzten. Er sprach nur, wenn man ihn etwas fragte. Fast die Hälfte der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich arbeitete damals in der Landwirtschaft. Hunderttausende Männer. Sie ersetzten die Söhne, die nicht mehr heimgekommen waren. Man brauchte sie.
Man mochte sie nicht. Und in diesem Sommer brauchte Frankreich jedes Weizenkorn. Der Winter davor war bitterkalt gewesen. Der Frost hatte etwa anderthalb Millionen Hektar Weizen vernichtet. Die Ernte von 1947 würde am Ende bei rund 40 Millionen Doppelzentern liegen. Vor dem Krieg waren es 65 bis 70 gewesen. Die Brotration sank.
Anfang des Jahres 300 g pro Tag, im Mai 250. Im September sollten es nur noch zweiundert sein. In mehreren Städten gab es Unruhen. Die Behörden drängten die Bauern, ihr Getreide abzuliefern und die Genossenschaft in Klamessie hatte den Gios einen Termin gesetzt. Bis Ende Juli musste ihr Weizen auf der Waage stehen. Wer nicht lieferte, bekam kein Geld und galt als einer, der sein Getreide zurückhielt.
Drei fuhren, mit einem einzigen Lastwagen. Und dieser Lastwagen fuhr mit Holz. Benzin war in Frankreich noch immer rationiert. Auf dem Land fuhren viele Wagen deshalb weiter mit Holzgas wie im Krieg. Der Citroën der Giot hatte seinen Generator seit Jahren. Marcel war stolz darauf. Er sagte oft, das sei französische Technik.
Imber, ein Franzose. Peter sagte dazu nichts. Er fasste den Lastwagen nicht an, aber er sah ihn an. Jeden Tag. Er sah, was Marcel in den Generator schüttete. Kiefernholz, frisch und nass, noch mit Harz an der Rinde, Abfall aus dem Sägewerk. Brocken so groß wie zwei Fäuste, manche größer. Das Holz lag in einem Haufen an der Scheunenwand und wenn man es aufhob, war es schwer, schwer vom Wasser und er wusste, was los war. Nasses Holz macht nasses Gas.
Das Wasser muss erst verdampfen und dafür braucht es die Wärme, die eigentlich das Gas erzeugen soll. Das Gas wird dünn und schwach und der Teer, der nicht mehr in der Glut zerfällt, setzt sich in den Kühlern und Filtern ab. Irgendwann bekommt der Motor nicht mehr genug und am Berg, voll beladen, stirbt er.
Es war nicht die Frage, ob das passieren würde, nur wann. Aber Peter hatte keinen Weg zu Marcel. Er konnte nicht einfach an die Küchentür klopfen und dem Bauern erklären, dass er sein eigenes Holz falsch verbrannte. Ein Gefangener belehrte keinen Hausherrn, also wartete er. Drei Tage nach dem Unfall kam Lucian zu ihm in den Stall.
Der Junge war noch blass. Er lehnte sich an die Tür und sah zu, wie Peter die Kühe fütterte. “Wie hast du das gewusst?”, fragte er schließlich mit der Scheune. Peter stellte die Gabel ab. Das Geräusch, der Lüfter. “In Köln habe ich so etwas jahrelang eingebaut.” “Du Holzvergaser Imbert”, sagte Peter. “Wie eurer.” Lucian sah ihn lange an.
Dann sagte er: “Papa sagt, der Motor ist einfach alt. Der Motor ist nicht das Problem”, sagte Peter. “das Holz ist das Problem.” Er ging mit Lucian zur Scheunenwand. Er nahm zwei Stücke von Marcelles Kiefernholz und schlug sie gegeneinander, ein dumpfes, weiches Geräusch. Dann führte er ihn hinter die Scheune, unter das vorstehende Dach.
Dort auf einem alten Holzgestell halb unter Brennesseln lag ein Stapel dunkler grauer Scheite. Buche und Heinbuche, gespalten, gestapelt. Vergessen. “Das hat mein Großvater geschlagen”, sagte Lueg. “Das ist nur altes Holz.” Peter nahm zwei Scheite und schlug sie gegeneinander. Diesmal klang es hell, fast wie Glocken.
“Das ist das beste Holz auf dem ganzen Hof”, sagte er. Erklärte es Luzen ohne große Worte. Hartholz, Buche, Heinbuche, trocken, unter 20% Feuchtigkeit, nicht größer als 7 8 cm an der Kante, kleine und größere Stücke gemischt, dann bekommt der Motor sein Gas. In dieser Nacht saß Peter hinter der Scheune im Licht einer Stallaterne und sägte die Buchenscheite des Großvaters Stück für Stück.
Er spaltete sie mit dem Beil, prüfte jedes Stück mit dem Daumen gegen die Handkante. 7 cm, 8, 5. Er füllte Sack um Sack. Als er aufsah, stand Madeline am Küchenfenster. Sie hatte ihn gesehen. Sie sah ihn noch einen Moment an. Dann zog sie den Vorhang zu und sagte am nächsten Morgen kein Wort. In der zweiten Nacht kam Lucien.
Er brachte einen Schraubenschlüssel mit und eine Blechwanne. Zusammen öffneten sie im Dunkeln die Filterkästen des Zitroen draußen im Hof, wohin Lucian ihn am Abend gefahren hatte. Was herauskam, war schwarz und C. Teer, Ruß, Wasser. Lucian wirkte bei dem Geruch. “Das ist das nasse Holz”, sagte Peter. “Alles, was nicht zu Gas wird, landet hier.
” Sie reinigten die Kästen. Sie kratzten die Rohre des Kühlers aus. Dann zeigte Peter auf den Deckel des Füllschachts oben am Zylinder. Die Dichtschnur war hart und rissig. “Hier zieht er Luft”, sagte Peter. “Falsche Luft” von oben. Dann brennt das Holz schon oben im Schacht und das Gas wird schlecht.
Lucian fand im Schuppen eine neue Dichtschnur. Sie war noch in Papier eingewickelt. Sein Vater hatte sie vor zwei Jahren gekauft und nie eingesetzt. Kurz vor Morgengrauen waren sie fertig. “Papa wird es merken”, sagte er. Vielleicht, sagte Peter. Marcel merkte es nicht. Noch nicht. Zwei Wochen später war gedroschen und die erste Fuhre begann.
Die Pritsche wurde mit Weizensäcken beladen. Marcel füllte den Generator mit seinem Kiefernholz, nass, harzig, in Brocken. Der Lastwagen fuhr los. Marcel am Steuer, Lycian daneben. Zwischen dem Hof und Klamessie lag eine lange Steigung. Die Leute im Dorf nannten sie einfach Lacot, ein Schotterweg zwischen abgeernteten Feldern.
gerade und unbarmherzig. Am Fuß der Steigung zog der Motor noch. In der Mitte begann er zu stottern. Marcel trat aufs Gas. Der Motor röchelte. Er fing sich noch einmal, dann starb er. Der Lastwagen blieb stehen, voll beladen, mitten am Berg. Marcel stieg aus, öffnete die Klappe unten am Herd und stocherte in der Glut zwei Stunden lang.
Dann mussten sie die Hälfte der Säcke am Straßenrand abladen, damit der Wagen den Rest schaffte. Es dauerte zwei Tage, bis die erste Fuhre vollständig in Klamessie war. Zwei Tage, die sie nicht hatten. Und am Abend des zweiten Tages stand Marcel im Hof vor den Filterkästen. Er hatte sie aufgemacht. Er hatte gesehen, dass jemand sie gereinigt hatte, gründlicher als er es je getan hatte.
Er kam in den Stall. Peter stand auf. Setor, warst du das? Peter sah an Marcel vorbei. Lucian stand in der Stalltür. Ja, sagte Peter. Jet, dünne Pass Itouché, ich habe dir gesagt, du fasst ihn nicht an. Marcels Stimme war ruhig. Das war schlimmer, als wenn er geschrienen hätte. Enor, sagte er. Ejet jetic dich zurück ins Lager. Zurück ins Lager.
Das hieß Stacheldraht statt Stall, Suppe statt Brot und vielleicht eine andere Arbeit, eine schlimmere. Noch immer räumten deutsche Gefangene in Frankreich Minen. Marcel ging in der Tür blieb er vor seinem Sohn stehen. Lucian sah ihm in die Augen. Er wollte etwas sagen. Das sah man. Aber er sagte es nicht.
Noch nicht. Die Tage wurden knapp. Es blieben noch zwei Fuhen und bis zum Termin der Genossenschaft blieben noch vier Tage. Peter hielt sich vom Lastwagen fern, aber vorm Morgengrauen. Am Tag der zweiten Fuh klopfte es an seine Kammertür. Lucian, zeig mir, wie man ihn richtig anlässt. sagte der Junge, nur zeigen. Du faßt nichts an, ich mache es.
Peter sah ihn lange an, dann stand er auf. Sie gingen hinaus in den Hof. Lucian hatte den Lastwagen am Abend schon draußen stehen lassen, im Freien, unter dem grauen Himmel. Peter erklärte, Lucian arbeitete. Zuerst den Füllschacht lehren, das nasse Kiefernholz heraus, dann unten eine Schicht Holzkohle in den Herd, damit die Glut schnell entsteht.
Darauf die Buche des Großvaters aus den Jutesäcken, kleine und größere Stücke gemischt, den Deckel mit der neuen Dichtschnur schließen, anzünden, den Lüfter laufen lassen. “Draußen”, sagte Peter, “Imer nur draußen.” “Nie im Schuppen, nie?” Nach ein paar Minuten ließ Peter Lucian den kleinen Prüfhahn am Gasrohr öffnen und ein Streichholz daran halten.
Zuerst flackerte nur etwas, dann brannte es, eine ruhige, stetige Flamme. “Jetzt”, sagte Peter, “jetzt hat er Gas.” Lucian kurbelte. Der Motor sprang beim zweiten Mal an. Er lief ruhig, gleichmäßig. Lucienne hörte zu mit offenem Mund, als hätte er diesen Motor noch nie gehört. Dann sagte Peter noch etwas: “Am Berg nicht warten, bis er langsamer wird.
Vorher zurückschalten, unten schon. Die Drehzahl nicht fallen lassen. Mit Holzgas hat ein Motor weniger Kraft als mit Benzin. Wenn er einmal unten ist, kommt er nicht mehr hoch.” Am Morgen stand Marcel im Hof und sah den Lastwagen, der schon draußen lief. Neben dem Rad stand ein Jutesack, graue trockene Buche. Er sah Lucien am Steuer.
“Quesk, was ist das?” “Das Holz von Großvater”, sagte Lucia. “Ich habe es gesägt. Das stimmte nicht.” Aber Marcel fragte nicht weiter. Marcel sah zu Peter hinüber, der am anderen Ende des Hofes Säcke flickte. Peter sah nicht auf. Marcel sagte nichts. Er stieg auf den Beifahrersitz.
Die Säcke wurden geladen, voll bis an die Bordwand. Peter half beim Aufladen wie immer. Und als der letzte Sack oben war, sagte Lucian laut, ohne seinen Vater anzusehen. Ilvian Avecnu, er kommt mit. Pur de Charger, fügte er hinzu. Abladen. Marcel zögerte, dann zuckte er mit den Schultern. Ein Gefangener, der Säcke trug, war ein Gefangener, der Säcke trug.
Peter kletterte hinten auf die Pritsche zwischen die Weizensäcke. Sie fuhren los, dann kam die Steigung. Lantan schaltete zurück am Fuß der Steigung früh, viel früher, als sein Vater es je getan hatte. Quest Fe rief Marcel ilcorch er zieht doch noch Lucian antwortete nicht. Er hielt das Gaspedal ruhig.
Der Motor brummte in einem tieferen Ton gleichmäßig. Sie fuhren in die Steigung hinein. Der Wagen wurde langsamer, langsamer. Peter hielt sich an der Bordwand fest. In der Mitte der Steigung, genau dort, wo sie vor ein paar Tagen liegen geblieben waren, sank die Drehzahl. Der Motor stockte einen Atemzug lang. Peter hörte es. Marcel hörte es. Marcel griff zur Handbremse.
Läss! Rief Lucian lässe Papa lass Papa. Er schaltete noch einmal zurück in den kleinsten Gang. Der Motor heolte kurz auf, dann fing er sich. Er zog langsam, schwer im Schritttempo, aber er zog Meter um Meter. Die Säcke knarrten auf der Pritsche. Der Generator summte. Peter schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, war der Wagen oben.
Der Weg wurde flach. Vor ihnen lag das Tal und irgendwo darin die Dächer von Klammetzi. Im Fahrerhaus sagte keiner ein Wort. In der Genossenschaft rollte der Citroën auf die Waage. Ein Mann mit einem Klemmbrett schrieb die Zahl auf. Dann halfen Peter und Lucien beim Abladen. Sack um Sack, während Marcel mit dem Mann im Büro verschwand.
Am nächsten Tag die dritte fuhre, wieder mit der Buche des Großvaters, wieder die Steigung. Diesmal stockte der Motor nicht einmal. Der Weizen der Gios stand einen Tag vor dem Termin vollständig auf der Waage in Klamzi. An diesem Abend kam Marcel in den Stall. Peter stand auf wie immer. Marcel sah ihn an.
Er öffnete den Mund und Peter wartete. Auf ein Wort. Irgendein Wort. Demar tufus le Predü sagte Marcel. Morgen mähst du die untere Wiese. Dann ging er. Peter blieb stehen. Er lachte leise, ohne Freude und ohne Bitterkeit. Er hatte nichts anderes erwartet. Marcel Gillot hatte seinen Sohn verloren geglaubt in einer Scheune voller Gas.
Er hatte fast sein Erntegeld verloren. Dass ihm dabei ausgerechnet ein Deutscher geholfen hatte, verzieh sich einen Mann wie Marcel nicht so einfach, vielleicht nie, aber etwas anderes hatte sich verändert. Am nächsten Morgen stand Lucian hinter der Scheune. Neben ihm lag Marcels Kiefernholz, der ganze Haufen. Lucian stapelte ihn um, auf ein Gestell aus alten Balken hoch vom Boden mit Luft dazwischen, damit er trocknen konnte.
Sech Monate würde das dauern für nächstes Jahr”, sagte er, als Peter vorbeikam. “Und im Winter schlage ich Buche.” Und von diesem Tag an sagte Lucian nicht mehr “Le Bosch”, er sagte Peter. Er kam abends in den Stall und fragte, wie ein Holzvergaser funktioniert. “Warum Buche besser brennt als Kiefer, wie es in Köln aussieht.
” Peter erzählte. Madeleine stellte manchmal einen Teller Suppe Meer auf den Tisch. Im Herbst 1947 kam Lucian mit einem Blattpapier in den Stall. Frankreich bot den deutschen Kriegsgefangenen in diesem Jahr etwas Neues an. Wer wollte, konnte bleiben. Nicht mehr als Gefangener, sondern als freier Arbeiter mit Vertrag, mit Lohn.
Travailleur Libre, so hieß das. Am Ende blieben etwa 30.000 Deutsche für immer in Frankreich. Papa unterschreibt, sagte Lucian. Er braucht einen Knecht. Das hat er selbst gesagt. Dann leiser. Ich habe ihn gefragt. Nicht eher mich. Peter nahm das Blatt. Er dachte an Köln, an seine Mutter, deren seltene Briefe er auswendig kannte.
Und er dachte an diesen Jungen, grau im Gesicht, auf dem Lehmboden einer Scheune. “Ich muss nach Hause”, sagte er schließlich. “Meine Mutter wartet.” Len nickte. Er hatte es gewusst. Im Frühjahr 1948 stand Peter Laufenberg am Hoftor einen Pappkoffer in der Hand, auf dem Weg zum Zug. Marcel war auf dem Feld. Er kam nicht herüber.
Er hob nicht einmal die Hand. Luci kam. Er drückte Peter etwas in die Hand. Ein Stück Buchenholz, grau, trocken, 7 cm an der Kante, genau nachgemessen. “Damit du nicht vergisst, wie es klingt”, sagte er. Peter schlug es gegen den Pfosten des Hoftors. Es klang hell, fast wie eine Glocke. Dann ging er.
Der Holzvergaser verschwand in den folgenden Jahren von den Straßen. Das Benzin kam zurück und in Köln schloss die Imberfabrik 1952 ihre Tore. Aber auf einem Hof im Norden der Nièvre stapelte Lucian Guillot sein Holz noch viele Jahre lang auf ein Gestell aus alten Balken hoch vom Boden mit Luft dazwischen. Und wenn jemand fragte, warum, sagte er nur: “Das hat mir ein Deutscher beigebracht.
” Sein Vater sagte so etwas nie. Kein einziges Mal. Ah.