Als der Farmer seine Kühe sterben sah – nur der deutsche Gefangene kannte den Grund
Es ist kurz nach Mitternacht. Ende Juni 1945. Als die zweite Kuh im Stall der Familie Zentner zusammenbricht. Orwil Zentner hält die Laterne so nah an ihren Kopf, dass er die Angst in ihrem Auge sehen kann. Der Hals ist zur Seite gedreht, fast bis zur Flanke. Die Beine liegen ausgestreckt im Stroh, als hätten sie kein Gewicht mehr zu tragen.
Vor drei Tagen hatte sie gekalpt. Vor drei Stunden stand sie noch, jetzt liegt sie da wie ein umgestürzter Baum. Und im Nachbarstand liegt bereits eine zweite, genauso reglos. Zentner ruft nach seiner Frau, nach dem Nachbarn, nach irgendjemandem, der weiß, was zu tun ist. Aber der Tierarzt des Bezirks ist seit zwei Tagen unterwegs zu einem Ausbruch bei einer Herde 30 Meilen entfernt und das Telefon in der Küche klingelt ins Leere.
In der Ecke des Stalls, im Schatten der Laterne steht ein junger Mann in kakifarbener Arbeitskleidung, auf deren Rücken in großen schwarzen Buchstaben PW gemalt ist. Er hat die ganze Szene beobachtet, ohne ein Wort zu sagen. Jetzt tritt er einen Schritt vor. Das ist nicht ansteckend, sagt er auf gebrochenem Englisch. Das ist die Milch.
Zentner starrt ihn an, als hätte der Mann in einer fremden Sprache gesprochen, obwohl es fast die gleiche war. Er hat diesen deutschen Kriegsgefangenen erst vor 10ehn Tagen von der Sammelstelle in Jamesville übernommen, zusammen mit drei anderen, um die Erntearbeit zu erledigen, die ihm die eigenen Söhne nicht mehr abnehmen können, seit der eine in der Army und der andere im Pazifik ist.
Er hat ihm noch kein einziges Mal zugetraut, mehr zu wissen als er selbst. Und jetzt steht der Mann da, mitten in der schlimmsten Nacht seit Jahren und behauptet, er wisse, was mit seinem Vie nicht stimmt. Anton Berger ist 26 Jahre alt und stammt aus Obersdorf im Algu aus einer Familie, die seit Generationen im Sommer mit dem Vieh auf die Alm zieht.
Schon als Kind hat er gelernt, den Unterschied zwischen einer kranken Kuh und einer erschöpften Kuh am Klang ihres Atems zu erkennen. An der Stellung der Ohren, an der Art, wie sie den Kopf hält. Er weiß, wie es aussieht, wenn eine Kuh nach der Geburt plötzlich das Calzium im Blut verliert, weil die Milchproduktion es schneller aus dem Körper zieht, als der Körper es ersetzen kann.
Er hat es zweimal bei den eigenen Tieren der Familie gesehen und beide Male hatte sein Vater gewusst, was zu tun war. Gefangen genommen wurde Anton im Sommer 1944 in der Normandie. Während des Alliierten Vorstoßes nach der Landung ein Soldat unter Zhntausenden, die in jenen Wochen in Gefangenschaft gerieten, über den Atlantik verschifft, durch mehrere Lager gereist, landete er schließlich im Sommer 1945 im Nebenlager von Jamesville, im Rock County von Wisconsin, das dem Hauptlager Camp McCoy unterstand.
Der Krieg in Europa war seit Mai vorbei, aber die Gefangenen blieben, weil das Land ihre Arbeitskraft brauchte. besonders auf den Höfen, wo die Männer fehlten und die Ernte nicht warten konnte. Zurückgelassen hat er eine Mutter, die seit dem Winter 1944 ohne Nachricht vom Vater lebt, der an die Ostfront geschickt wurde, als die Wehrmacht auch die Männer jenseits des üblichen Alters noch einzog.
Anton war das einzige Kind, das alt genug war, um zu kämpfen und zu jung, um zurückgehalten zu werden. Bevor er einrücken musste, hatte er der Mutter noch gezeigt, wie man die Calziumlösung ansetzt für den Fall, dass eine der Kühe in seiner Abwesenheit fiele, denn ernte, dass er nicht rechtzeitig zurück sein würde, um es selbst zu tun.
Es war das letzte, was er ihr auf der Almibrachte, bevor der Zug ihn nach Westen brachte. In der Gegend, in die man ihn geschickt hatte, hätte er es kaum fremder erwarten können, und doch fühlte es sich beim ersten Anblick seltsam vertraut an. Green County, Wisconsin, wird von den Einheimischen Little Switzerland genannt.
Vor 100 Jahren kamen die ersten Siedler aus dem Kanton Glarus in der Schweiz hierher, gründeten das Dorf New Glarus und brachten ihre Käsetradition mit. Um die Jahrhundertwende gab es in der Gegend über 100 Käsereien und noch heute riecht die Luft an manchen Tagen nach Schweizer Käse und frischer Molke, so wie es zu Hause in den Sennhütten der Allguer Alm gerochen hat, nur dass hier niemand ihn als einen der ihren ansieht.
Für Orwil Zentner ist er zunächst nur der Deutsche mit dem PW auf dem Rücken. Zentners Hof liegt eine knappe Stunde Fußmarsch vom Lager entfernt. Eine mittelgroße Milchfiehfarm mit knapp 30 Kühen, die die kleine genossenschaftliche Käserei des Ortes beliefert. Orwil Zentner ist die dritte Generation seiner Familie auf diesem Land.
Nachfahre von Einwanderern aus Glarus, auch wenn er selbst kein Wort Schweizerdeutsch mehr spricht. Er hat in diesem Jahr mehr Kber gleichzeitig zur Welt kommen lassen als je zuvor, weil er wusste, dass die Milchpreise nach Kriegsende steigen würden und die Genossenschaft dringend Ware brauchte. Jetzt mitten in der Kalbe Saison fallen ihm die Kühe reihweise um, und er hat keine Erklärung dafür, außer der Angst vor einer Soluche.
In den ersten Tagen auf der Farm hatte Anton kaum mehr getan, als Zäune zu reparieren und Heu zu wenden. Zentner hatte ihm die Nähe zu den Tieren verwehrt aus Misstrauen, vielleicht auch aus einem Stolz, der nicht zulassen wollte, dass ein gefangener Feind mehr über sein eigenes Land wusste als er selbst. Doch am Abend, als die erste Kuh fiel, hatte Anton am Zaun gestanden und beobachtet, wie der Farmer und sein Nachbar hilflos versuchten, das Tier mit Zwang auf die Beine zu bringen, es an den Hörnern zu ziehen, mit Wassereimern zu übergießen.
Er hatte gesehen, wie die Kuh mit glasigem Blick und kaltem Maul da lag, und er hatte sofort gewusst, was los war. Aber er hatte geschwiegen, weil niemand ihn gefragt hatte und weil ein Wort zu viel in jenen Tagen mehr Ärger bringen konnte als nutzen. Jetzt bei der zweiten Kuh kann er nicht mehr schweigen.
“Meine Familie hat Vie in den Bergen”, sagt er, während Zentner ihn misstrauisch mustert. Ich habe das schon gesehen. Es ist der Calziummangel nach dem Kalben. Wenn man nichts tut, stirbt sie in wenigen Stunden. Und was schlägst du vor, dass wir tun, Gefangener? Fragtent scharf. Aber unter dem Ärger liegt bereits eine Spur von Verzweiflung, denn er weiß, dass er selbst keine Antwort hat.
Anton erklärt es so gut er kann mit den englischen Worten, die ihm zur Verfügung stehen, ergänzt durch Gesten. Eine Calziumlösung. Langsam unter die Haut gespritzt, keine hastige Vene, weil das Herz sonst überlastet wird. Er hat gesehen, wie sein Vater es tat. Mit einer Glasflasche, einem Schlauch und einer großen Nadel geliehen vom Tierarzt des Tals, wenn eine der eigenen Kühe nach dem Kalben so hinfiel.
Zentner hat tatsächlich ein solches Set im Schuppen. Ein Geschenk des Bezirksarztes für Notfälle, das er nie benutzt hat, weil er nie gelernt hat, wie. Es ist eine Sache, einem Gefangenen zuzuhören. Es ist eine andere, ihm die eigenen Tiere anzuvertrauen. Zentner zögert so lange, dass seine Frau Dorothy schließlich aus dem Haust tritt in Morgenmantel und Gummistiefeln und ihn fragt, worauf er noch warte, während im Stall zwei Kühe im Sterben liegen und die Genossenschaft am Ende der Woche eine Lieferung erwartet, die sie sich nicht leisten
können zu verlieren. Es ist Dorothy, die zuerst nickt. Anton kniet sich neben die erste Kuh. wärmt die Flasche mit den Händen so, wie er es seinen Vater hat tun sehen, damit die kalte Lösung dem geschwächten Kreislauf keinen zusätzlichen Schock versetzt. Er spricht leise auf Deutsch mit dem Tier, während er die Nadel unter die lockere Haut an der Flanke führt und lässt die Lösung Tropfen für Tropfen einlaufen.
Langsam, geduldig, während Zentner mit der Laterne daneben steht und jede Bewegung beobachtet. Minuten vergehen, in denen nichts geschieht, außer dem leisen Gluckern der Flasche und dem unregelmäßigen Atem des Tieres. Dann nach einer Zeit, die allen im Stall länger vorkommt, als sie tatsächlich war, beginnt die Kuh mit den Ohren zu zucken.
Der Kopf hebt sich ein wenig vom Boden. Ein Schauer läuft durch die Flanken und dann mit einem Ruck, der alle zurückspringen lässt, stemmt sie sich auf die Vorderbeine, wankt, findet den Halt und steht. Zentner sagt kein Wort. Er starrt nur auf die Kuh, dann auf Anton, dann wieder auf die Kuh. Als die zweite Behandlung ebenso wirkt, eine Stunde später bei der zweiten gefallenen Kuh, ist es Zentner selbst, der die leere Flasche in der Hand hält und sie dreht, als könnte er darin die Antwort finden, warum ein gefangener Deutscher mehr über sein eigenes Vieh wusste als
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In den folgenden Wochen ändert sich etwas zwischen den beiden Männern. Langsam, ohne große Gesten. Zentner beginnt Anton in den frühen Morgenstunden mit an die Tränke zu nehmen, ihn nach den Zeichen zu fragen, auf die man achten muss, bevor eine Kuh fällt. Die Unruhe, das leichte Zittern in den Hinterläufen, das Absinken der Körpertemperatur, dass man mit der bloßen Hand am Ohr fühlen kann.
Anton zeigt ihm, wie man das Calzium vorbeugend bei besonders gefährdeten Tieren gibt, den älteren Kühen mit der dritten oder vierten Kalbung, bei denen das Risiko am größten ist. Zentner, der nie gelernt hat, einen fremden Rat anzunehmen, lernt es jetzt Kuh für Kuh, Nacht für Nacht. Anfang Juli stellt eine dritte Kuh die beiden erneut auf die Probe.
Diesmal am helligten Tag mitten in der Feldarbeit, sass ein halbes Dutzend Nachbarn zusehen, die zur Erntehilfe gekommen sind. Diesmal zögert Zentner nicht. Er ruft selbst nach Anton, reicht ihm die Flasche, hält die Nachbarn mit einer knappen Geste zurück, als einer der Männer vorschlägt, den Tierarzt zu holen, obwohl jeder weiß, dass der frühestens am Abend kommen könnte.
Der Junge weiß, was er tut”, sagt Zentner, “hn das erste Mal, dass er vor anderen Leuten so von Anton spricht. Nicht als Gefangener, nicht als Deutscher, sondern schlicht als jemand, der weiß, was zu tun ist.” Die Nachbarn, die zunächst skeptisch die Arme verschränkt hatten, sehen zu, wie die Kuh sich nach wenigen Minuten wieder erhebt.
Und einer von ihnen, ein alter Farmer namens Iverson, fragt Anton noch am selben Nachmittag, ob er auch bei seiner eigenen Herde vorbeischauen könne gegen ein Fesper und ein wenig Tabak, denn auch er hatte im vergangenen Winter zwei Kühe an einem Leiden verloren, das er sich nie hatte erklären können.
So verbringt Anton in den Wochen danach nicht nur seine Arbeitsstunden auf Zentners Land, sondern wird mit Erlaubnis des Lagers gelegentlich zu Nachbarhöfen gerufen, wenn eine Kuh nach dem Kalben ins Stroh sinkt. Es ist eine seltsame Umkehrung, die selbst die Wachen im Lager mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. Ein Kriegsgefangener, um dessen Ratfreie amerikanische Farmer bitten, weil er etwas kann, das keiner von ihnen gelernt hat.
Zentner, der anfangs am meisten gezweifelt hatte, wird zu seinem lautesten Fürsprecher und wenn jemand im Ort noch abfällig über die Gefangenen vom Lager spricht, ist es Zentner, der ihm erzählt, was in seinem Stall geschehen ist. Es ist nicht nur die Arbeit, die sie verbindet. An einem Sonntagnachmittag, als die Genossenschaftskäserei im Ort ihre große Kupferkessel für die Käseproduktion vorbereitet, nimmt Zentner Anton mit dorthin, halb aus Neugier.
halb aus einem Gefühl, das er selbst noch nicht benennen kann. Anton steht vor den großen Kupferkesseln, in denen die Milch zu Schweizer Käse gerinnt. Und für einen Moment ist er nicht mehr auf einem Hof in Wisconsin, sondern wieder in der Sennhütte seines Vaters auf der Alm, wo seine Mutter über einem ähnlichen Kessel stand, während die Kuhglocken draußen im Nebel klangen.
Er erzählt Zentner kaum mehr als in Bruchstücken von der Alm, von den Almabtrieben im Herbst, von seinem Vater, der im Winter 1944 an die Ostfront eingezogen wurde und seitdem als vermisst gilt und von seiner Mutter, die seither allein mit den Nachbarinnen die Sennerei am Leben hält, weil das Vieh nicht warten kann, bis der Krieg vorbei ist oder bis jemand zurückkehrt.
Zentner hört zu, ohne zu unterbrechen. Er hat selbst zwei Söhne im Krieg, einen in Europa, einen im Pazifik. Und zum ersten Mal sieht er in dem Mann mit dem PW auf dem Rücken nicht den Feind, sondern jemanden, dessen Mutter genauso wartet, wie seine eigene Frau wartet, jede Woche auf einen Brief, der sagt, dass es den Söhnen gut geht.
Der Käser der Genossenschaft, ein Mann namens Hefti, dessen Großeltern selbst aus Glarus gekommen waren, hört bei diesem Besuch zufällig einen Teil von Antons Erzählung und fragt ihn danach aus mit einer Neugier, die weit über Höflichkeit hinausgeht. Er will wissen, wie man im Allguäse reift, wie lange, bei welcher Temperatur, ob man ihn wäscht oder trocken lässt.
Und Anton, der zu Hause oft genug zugesehen hat, wie seine Mutter die Leibe im Keller der Sennhütte wendete, kann mehr Antworten geben, als er selbst erwartet hätte. Für einen Nachmittag ist er nicht der Gefangene mit dem PW auf dem Rücken, sondern einfach ein junger Mann, der etwas über Käse weiß, dass ein anderer über den halben Erdball hinweg auch wissen will.
Und diese kleine beiläufige Anerkennung bleibt ihm länger im Gedächtnis, als er es Zentner je gestehen würde. Der Sommer geht weiter, die Käliger, die Milchmenge der Farm steigt, weil keine weitere Kuh an der Krankheit verloren geht. die Zentner am Anfang für eine Solche gehalten hatte. Im August, als die Genossenschaft ihre Zahlen für das Jahr zusammenstellt, ist die Zentnerfarm eine der wenigen in der Gegend, die trotz der Arbeitskräfteknappheit des Kriegsjahres keine einzige Milchkuh verloren hat.
Der Vorsitzende der Genossenschaft fragt Zentner, wie er das geschafft habe. Und Zentner, der nie ein Mann vieler Worte war, sagt nur: “Ich hatte Hilfe, auf die ich nicht gewartet hatte. Im Herbstin4 kommt die Nachricht, daß die Gefangenen des Lagers Jamesville in den folgenden Monaten nach Europa zurückgebracht werden.
Anton erfährt es an einem grauen Morgen, während er mit Zentner die letzten Kälsorgt. Es ist ein seltsamer Abschied zwischen einem Mann, der als Feind gekommen war und einem Farmer, der ihn als Feind hatte behandeln wollen, aber am Ende etwas anderes in ihm gefunden hat. Zentner drückt ihm zum Abschied kein Geld in die Hand, das wäre nicht erlaubt gewesen, sondern eine kleine Blechdose mit getrocknetem Wisconsin Käse und ein Blatt Papier mit der Adresse der Farm säuberlich in Blockbuchstaben geschrieben für den Fall, dass Anton jemals schreiben wollte. Anton kehrt im
Frühjahr 1946 nach Obersdorf zurück in ein Land, das von Hunger und Trümmern gezeichnet ist, zu einer Mutter, die ihn kaum wieder erkennt, so Hager ist er geworden und zu einer Alm, die trotz allem noch da steht, weil sie es nicht anders zugelassen hätte. Der erste Brief nach Wisconsin dauert Monate, bis er ankommt, aber er kommt an und Dorothy Zentner antwortet mit einem Päckchen, das Kaffee und Zucker enthält.
Dinge, die in Deutschland jener Jahre kaum zu bekommen sind. Es ist der Anfang eines Briefwechsels, der Jahre andauert über Hochzeiten, Geburten, gute und schlechte Erntejahre auf beiden Seiten des Atlantiks. 20 Jahre später, im Sommer 1965, steigt ein Mann mittleren Alters aus einem Flugzeug in Chicago mit einem kleinen Koffer und der gleichen vergilbten Adresse in der Tasche, die Zentner ihm einst mitgegeben hatte.
Anton Berger, inzwischen selbst Sennmeister auf der Alm seines verstorbenen Vaters, hat seine erste weite Reise seines Lebens unternommen, um die Familie zu besuchen, die einst seine Feinde hätte sein sollen. Die Fahrt von Chicago nach Green County dauert einen ganzen Tag mit dem Bus und zuletzt in einem gelenen Wagen.
Und je näher Anton der Farm kommt, desto vertrauter wirken ihm die sanften grünen Hügel, die Scheunen mit den roten Dächern, die Kirchtürme der kleinen Gemeinden, die alle noch immer ein wenig nach der alten Heimat ihrer Gründer aussehen. Sentner jetzt grauhaarig, steht auf dem Hof, den Anton vor 20 Jahren verlassen hat und für einen Moment stehen sich die beiden Männer schweigend gegenüber, bevor Zentner die Hand ausstreckt und sagt: “Willkommen zurück auf der Farm.
Im Stall stehen inzwischen andere Kühe, Töchter und Enkelinnen jener Tiere, die in jener Nacht 1945 fast gestorben wären. Zentner zeigt Anton mit sichtlichem Stolz, dass er all die Jahre über nie wieder eine Kuh an Milchfieber verloren hat, weil er die Zeichen inzwischen selbst erkennt, so wie Anton es ihm einst beigebracht hatte.
Die kleine Blechdose, in der Zentner Anton damals den Käse mitgegeben hatte, steht bis heute in der Küche der Familie, jetzt gefüllt mit den Briefen, die zwei Jahrzehntelang zwischen Wisconsin und dem Allgoy hin und hergingen. Was in einer verzweifelten Nacht begann, als ein misstrauischer Farmer und ein gefangener Soldat sich über eine sterbende Kuh gegenüberstanden, ist zu etwas geworden, das keiner von beiden für möglich gehalten hätte.
eine Freundschaft, die Krieg Ozeane und 20zig Jahre überdauert hat, getragen von nichts weiter als einer Handvoll Wissen, daß ein Vater seinem Sohn auf einer Alm im Allgitergegeben hatte und einem Farmer, der bereit war, es anzunehmen. M.