Als der Farmer die alte deutsche Schweißtechnik belächelte – bis die Naht im Lehm nicht brach
Es knackte in der ersten Furche. Ein kurzer, trockener Laut, wie ein Ast im Frost. Dann stand der Plug. Der Traktor schoss ein Stück vor und blieb stehen. Die Räder warfen schwarzen Lehm nach hinten. Ingwald Rustellte den Motor ab. Es wurde sehr still auf dem Feld. Zwischen Flugbalken und Zugöse lag die Zugstange, ein Flacheisen gut zwei Finger breit und einen halben Finger dick.
Sie war quer durchgerissen. Die beiden Enden hingen im Dreck. Es war Ende Mai 1945 auf einer Farm östlich von Mohadhead, Minnesota. Das Land lag flach bis zum Horizont. In den Furchen stand Wasser. Der Weizen, die Gerste und die Kartoffeln hätten längst in der Erde sein müssen. Die Aussah war schon spät.
Der Krieg in Europa war seit drei Wochen vorbei. Für die Gefangenen änderte das nichts. Amerika brauchte ihre Arbeit und Heimfahrten gab es noch nicht. Rustat war 59. Er hatte 160 Akers und kein Korn davon war geseht. Und ohne diesen Pflug, mit dem er seit dem Winter rechnete, wurde es auch nichts mehr.
Für den alten Pflug führte kein Händler mehr Teile. Eine Kette hatte Rust schon probiert. Sie zog den Pflug aus der Furche, schief und flach. Der alte Pflug wollte eine starre Stange. Der Schmied im Ort hatte seinen Laden im Winter zugemacht. Am Zaun stand ein alter Mann und sah herüber. Arne Tollefson 72, der Nachbar. Seine Söhne waren beim Heer.
Er hatte vierzig Akris und niemanden, der sie pflügte. Rustat hatte ihm versprochen, den Pflug danach auch über sein Land zu fahren. Erst die eigenen Ecker, dann die vom Nachbarn. Jetzt hing beides an einem gebrochenen Stück Eisen. Es war nicht das erste Mal. Schon vorgestern war die Stange gebrochen und gestern hatte Rust Wern Ganderson aus der Stadt geholt, den Schweißer aus Mohadhead.
51 Jahre alt, ein Gerät auf der Ladefläche, eine Maske vor dem Gesicht. Ganderson setzte die Stange mit dem elektrischen Bogen zusammen. Er klopfte mit der Faust darauf. “Das hält ein Leben lang”, sagte er. Ruster zahlte ihn aus und spannte heute früh an. Im ersten Gang riss die naht wieder auf. Der Tag gestern war verloren. Das Geld auch.
Ganderson hatte beim Abschied die Achseln gezuckt. Am Eisen liege es nicht an ihm. Seitdem sagte Rustat zu allem, was alt war und nach Schmiede roch, nur einen Satz. Das ist was für Großväter. Auf dem Feld standen sieben Männer in grauem Arbeitszeug. Quer über jeden Rücken war PW gemalt und noch einmal auf jedes Hosenbein.
Kriegsgefangene, Deutsche. Sie warteten auf den Befehl, wohin sie als nächstes gehen sollten. Einer von ihnen sah die Bruchstelle an. Er sah sie schon, seit der Pflug stand. Er hieß Hubert Wirz. Er war dreig Jahre alt, mager, mit breiten Händen [räuspern] und kurzem Haar. Die Hände hatten ihn verraten, lange bevor er den Mund aufmachte.
Hubert kam aus einem Dorf bei Schleiden in der Nordeifel. Sein Vater Nikolaus war dort der Dorfschmied. Die Schmiede stand am Ende der Gasse und Hubert war in ihrwachsen. Schon als Kind hatte er den Blasebalk getreten. Mit zwölf hielt er die Zange. Die Eifel ist altes Eisenland. Ein Schmied in der Eifel war nichts Besonderes. Er war Alltag.
Dann kam der Krieg und Hubert wurde Soldat. Ein einfacher Soldat ohne Rang. Am 21. Oktober 1944 fiel Achen. Die Stadt war zu 85% zerstört. Hubert war einer von mehr als 5000 Männern, die dort in Gefangenschaft gingen. Er hob die Hände und ließ die Waffe fallen. Über Sammellager im Westen ging es an die Küste.
Dort lagen die Frachter, die Nachschub nach Europa gebracht hatten. Sie fuhren leer zurück. Man füllte sie mit Gefangenen. In einem dieser Schiffe kam Hubert über den Atlantik in einen Hafen an der Ostküste. Dann ging es im Zug nach Iowa ins Hauptlager Algona und von Algona Mohad. Dort fehlten Hände. Die Männer der Gegend waren im Krieg.
Die Pfarmer baten die Regierung um Arbeiter für die Saat. Die Regierung schickte Gefangene und stellte den Farmann vierzig Cent und Mann in Rechnung. Der Gefangene selbst bekam zehn Cent in Gutscheinen für die Lagerkantine. Ein Zweiglager lag in einem alten Zwiebelspeicher am Rand der Stadt mit Stacheldraht darum.
Hubert besaß nichts, keine Zange, kein Messer, kein Geld. Was er in der Hand hielt, gehörte dem Farmer und wurde am Abend gezählt. Nun stand er auf Rustats Feld und sah auf zwei Stücke Eisen im Lehen. In der Mittagspause trug der Knecht die Teile zum Zaun. Er hieß Arlo Fenske, 46 Jahre alt, vom Herr ausgemustert. Arlo konnte kein Wort Deutsch.
Hubert hatte im Lager drei Wörter Englisch gelernt. Mit Fire, Iron, Hammer und beiden Händen kamen sie durch. Hubert ging neben den Teilen in die Hocke. Er fasste sie nicht an. Er sah auf die Bruchfläche, faserig, mit langen grauen Strähnen darin. Dort, wo das Eisen noch heil war, kein feines glitzerndes Korn, altes Eisen. Der Wachsoldat sah ihm zu.
Corporal Dwight Ostrander Bäcker aus Douh. Auf dem linken Ohr war er taub, seit ihm vor Jahren ein Ofen geplatzt war. Deshalb stand er hier und nicht in Europa. Er sprach nur Englisch. Zahlen und Befehle verstand Hubert nach Monaten längst. Arlo sagte Hubert leise, die Stange, ist die schon einmal geschweißt? Gestern, sagte Arlo mit Strom.
Der Bogen schmilzt das Eisen auf und die alte Schlacke sammelt sich in der Naht. Beim Ziehen reißt es genau dort, im Feuer bleibt das Eisen fest und der Hammer drückt die Schlacke aus der Naht. Arlo sah ihn an. Und du? Mein Vater hat so etwas im Feuer geschmiedet. Hubert suchte das Wort: Feierwelt. Man macht beide Enden weiß, dann schlägt man sie zusammen.
Nur Sand dazu, sonst nichts. Eisen auf Eisen. Das macht heute keiner mehr. Es macht noch einer. Alo schwieg. Dann nahm er die Kappe ab und kratzte sich am Kopf. Ich sag es ihm, aber der lachte dich aus. Er ging über das Feld. Er ging langsam. Wer als Gefangene Farmer eine Idee brachte, war schnell ein Mann, der sich zu wichtig nahm.
Rust stand beim Traktor, die Hände in die Hüften. Hubert sah aus der Ferne, wie Arlo sprach. Rust hörte zu und schüttelte schon beim ersten Satz den Kopf. Er sagte etwas. Hubert sah, wie er den Kopf noch einmal schüttelte, stärker. Er wusste, was auf dem Spiel stand. Ein Gefangener, dessen Reparatur rissß, galt schnell als einer, der es mit Absicht getan hatte.
Dann schrieb Ostrander einen Bericht. Dann kam Tollevson den Zaun entlang. Er sprach kurz mit Rust und deutete auf sein Land. Rustat antwortete nicht gleich. Er sah auf den Pflug, dann auf den Himmel, dann auf die Gefangenen. Arlo kam zurück. Er sagt: “Ein Versuch, ein Tag. Wenn es reißt, gehst du zurück zum Sehen mit den anderen und das Feuer.
Tollevson hat einen Schuppen neben seiner Scheune. Da stand die Schmiede von seinem Bruder Sigurt. Der ist seit 1938 tot. Seitdem ist sie kalt. Marlo senkte die Stimme. Den Schlüssel gibt der Alte. Sein Land braucht denselben Flug. Und Ostrander? Fragte Hubert. Der geht mit, der zählt alles. Du kriegst nichts in die Hand, was du nicht zurückgibst.
Hubert senkte den Blick. Am Nachmittag fuhr der Lastwagen mit Ostrander, mit Arlo, mit Hubert und den beiden Hälften der Stange zu Tollefsons Hof. Die anderen sechs blieben mit einem zweiten Posten am Feldrand. Der Schuppen stand hinter der Scheune, ein niedriger Bau aus grauen Brettern. Tollefson schloss ihn selbst auf.
Die Tür klemmte. Drinnen roch es nach kaltem Rauch und nach Staub. Da stand sie. Eine Esse aus Ziegeln, ein Handgebläse mit Kurbel, der Riemen hart und rissig, ein Amboss, alt und schwer, mit einer Kante, die von Jahrzehnten Hammerschlag blank war. An der Wand hingen Zangen, auf dem Brett lagen ein Handhammer und ein schwerer Vorschlaghammer.
Auf dem Boden stand ein Eimer mit Sand halb gefüllt. Ostrander blieb in der Tür stehen. “Ich zähle”, sagte er. “Hammer klein, hammergroß, Zange, Zange, Zange. Drei, alles bleibt hier. Nichts geht in die Tasche. Wenn die Sonne den Schuppenfürst berührt, ist Schluss. Arlo sagte Ostrander. Feuer. Arlo kurbelte das Gebläse.
Tollevson legte Kohle nach mit zitternden Händen. Früher hatte er seinem Bruder das Gebläse gekurbelt. Seit 7 Jahren nicht mehr. Die Ess hustete, qualmte. Dann stand die erste Flamme. Hubert wartete. Ostrander gab das Zeichen. Erst dann nahm er die Zange. Er legte die beiden Hälften auf den Ambos. Er nahm den Handhammer und klopfte einmal leicht darauf, wie sein Vater es getan hatte. Dann hörte er hin.
Hör erst hin, dann schau. Das war der Satz aus der Schmiede in der Eifel. Wenn ein Stück auf den Ambos kam, schlug der Vater einmal leicht darauf und lauschte. Erst danach sah er hin. Das Eisen klang trocken und dumpf. Die Schlacke saß tief im Metall. Er konnte sie nicht ganz herausholen, nur an der Naht herausquetschen. Er schob die Enden ins Feuer, bis sie gelb glühten. Zuerst das Stauchen.
Er schlug sie an, bis sie dicker wurden. Wer die Enden gleich spitz schlägt, hat danach zu wenig Eisen in der Naht, noch einmal ins Feuer. Dann das Schäften. Er schlug beide Enden zu einem langen Keil aus. Das eine Ende mit der Schräge nach oben, das andere nach unten, so daß sie sich faßen wie zwei Hände wieder ins Feuer nebeneinander.
Arlo kurbelte, das Feuer sang, die Farbe wanderte. Erst dunkelrot, dann orange, dann gelb. Noch nicht, sagte Hubert. Ostrander sah auf die Uhr und dann auf den Himmel. Er sagte nichts, die Enden wurden weiß. Kleine Funken sprangen davon, hell wie Sterne. Das Eisen glänzte nass. Jetzt Hubert zog sie heraus und streute Sand aus dem Eimer auf die glühenden Enden, den feinen trockenen Sand vom Hof.
Der Sand verband sich mit dem Zunder und lief wie Schweiß davon. Das Eisen darunter lag blank. Er legte die Enden übereinander, die Keile ineinander. Das untere Stück lag auf einem Holzbock neben dem Amboss. Das obere hielt er mit der Zange. Ein Mann allein konnte nicht halten und schlagen. Ostrander sah es. Fenske, an den Hammer.
Der Gefangene zeigt dir wohin. Alo hob den großen Hammer. Hubert tippte mit dem Handhammer auf die Stelle, wo er treffen sollte. Arlo schlug. Dann wieder vom Zentrum nach außen. Die Funken sprüht gegen die Wand. Hubert mußte zweimal ins Feuer zurück, zweimal weiß, zweimal Sand, zweimal schlagen, bis das Flacheisen fast wieder so dick war wie vorher.
Eine Spur dicker durfte es bleiben, dünner nie. Dann stellte er die Stange zum Abkühlen an die Wand, aufrecht, an der Luft, nicht ins Wasser. Die Naht sollte langsam kalt werden und sich setzen. Das Licht im Schuppen wurde gelb. Ostrander zählte die Werkzeuge. Hammer, klein, Hammer, groß. Drei Zang. Als das Eisen kalt genug war, nahm Hubert den Handhammer und klopfte einmal leicht auf die Stange, dicht neben der Naht, dann auf die Naht selbst, dann auf die andere Seite.
Es klang hell, gleichmäßig. Ein einziger Ton vom einen Ende zum anderen. Sein Vater hatte das so gesagt. Zwei Stücke, die ein Ton sind, sind ein Stück. Wenn sie zwei Töne geben, sind es zwei Stücke, die nur nebeneinander liegen. Es war ein Ton. Hubert gab die Stange nicht aus der Hand. Er sah Ostrander an. Ostrander sah ihn an.
Heute Abend nicht, sagte der Wachsoldat. Der Lastwagen fährt gleich und Rust pflügt nicht im Dunkeln. Morgen früh. Rust entscheidet. Er schloss die Stange im Schuppen ein. Am nächsten Morgen, kaum war der Tau von den Furchen, holte Ostrander sie wieder heraus. Der Pflug stand schon auf dem Feld.
Die Stange saß dort, wo sie hingehörte, zwischen Balken und Öse, ein Stück dunkles Eisen mit einer kaum sichtbaren Verdickung in der Mitte. Wer nicht genau hinsah, sah nichts. Rust kletterte auf den Traktor. Er sagte nichts zu Hubert und sah ihn auch nicht an. Er fuhr an. Hubert sah es vom Feldrand mit den anderen. Der Pflug bis in die Erde.
Der Leben hier ist schwer. Die Leute nennen ihn Gumbo. Wenn er nass ist, wird er C wie Teig und klebt an allem. Er klebte an der Schar. Er klebte am Streichblech, centimeter dick. Und mit jedem Meter wurde der Pflug schwerer. Der Traktor zog. Alles was er zog ging durch die Zugstange. Der erste Gang war lang.
Die Zugstange gab keinen laut. Im zweiten Gang hing der Lehm an den Rädern. Der Traktor stöhnte. Die Stange blieb still. Im dritten Gang sackte der Pflug in eine nasse Senke. Die Räder gruben sich ein. Hubert hörte auf zu atmen. Die Stange sang einmal tief wie eine gespannte Seite. Dann zog sie weiter.
Am Ende des Feldes hielt Rustat an. Rustat stieg ab. Er ging um den Flug herum. Der Lehm klebte auch an der Stange. Er wischte ihn mit dem Daumen ab. Dann stieg er wieder auf den Traktor. Nächste Runde, sagte er zu Arlo, mehr nicht und fuhr weiter. Auf der Landstraße am Feld hielt ein Lastwagen. Wn Ganderson saß am Steuer auf dem Weg zu einem anderen Hof.
Er bremste, als er den Pflug sah. Die Furche hinter ihm war glatt, nichts brach. Er fuhr weiter. Am Abend lagen zwölf Akres hinter ihnen, so viel wie sonst in zwei Tagen. Zwei Wochen zog der Pflug von Sonnenaufgang bis zum Dunkel über Rustatsland und die Stange hielt in jeder Runde. Die Gefangenen eckten und sehten hinter dem Flug.
Ostranda zählte sie. Der Himmel blieb trocken. Zum ersten Mal seit Wochen trocknete die oberste Schicht ab und wurde hell hinter den Rädern. Dann kam der Pflug auf Tollevsons Acres. Der alte Mann stand am Feldrand, die Mütze in der Hand. Er sah zu, wie die Furche wuchs. Er sagte nichts. Er stand dort, bis die Sonne unterging.
Seine Söhne hätten hier laufen sollen mit dem Pflug, so wie jedes Jahr. Nun liefen Gefangene hinter dem Traktor her und sähten. Der Alte sah nicht weg. Am Ende des letzten Ganges blieb Tolfson am Flug stehen. Er bückte sich, soweit ihm sein Rücken das erlaubte, und fuhr mit dem Finger über die Verdickung in der Stange. Er sah auch den Leben an seinem Finger.
“Wie macht er das?”, fragte er Arlo: “Mein Bruder hat das nie so gemacht.” “Er hört es am Klang”, sagte Arlo. “Sein Vater hat es ihm beigebracht.” “Am Klang”, sagte Tolfson. Er sagte es noch einmal langsam, als wollte er es nicht verlieren. Dann ging er zu seinem Schuppen. Er schloss ihn nicht ab.
Er ließ die Tür einen Spalt offen und auf dem Brett drinnen lag der kleine Hammer, den sein Bruder gehabt hatte. Frisch abgewischt. Rustat sagte nie ein Wort über die Naht, nicht an diesem Abend, nicht in der Woche danach. Die Gefangenen säht weiter. Hubert ging zurück in die Reihe der anderen, mit den anderen auf die Ladefläche und abends zurück in den Zwiebelspeicher.
Das war der Handel gewesen, ein Versuch, ein Tag. Ob der Pflug hielt, weil die Naht gut war oder weil der Boden gnädig war, fragte niemand. Aber die Furchen waren gerade und Arlo zeigte in einer Pause auf die Stange und sagte zu Hubert: “Feierwelt, ich merke mir das.” Hubert dachte in diesen Wochen oft an die Schmiede in der Eifel.
Er wusste nicht, ob sie noch stand. Die Gegend um Schleiden war im Winter zur Front geworden. Er hatte nur die Stange, die er nicht mitnehmen durfte und die Hände, die er nicht abgeben mußte. Im Herbst fuhr man die Gefangenen von Mohad zurück nach Algona. Der alte Speicher taugte nicht für den Winter. Im Februar 1946 wurde das Hauptlager aufgelöst.
Nach Hause ging es für die meisten noch nicht. Amerika schickte seine Gefangenen nach Europa, aber nicht in die Heimat. Ein Teil wurde an England übergeben. Dort fehlten Arbeiter auf dem Land. Das Schiff legte in Liverpool an und dort erfuhr Hubert, dass er bleiben würde. Er kam auf einen Hof und arbeitete dort in der Landwirtschaft fast zwei Jahre lang.
Zäune, Gräben, Rüben. Ob er Hufe beschlagen oder Eisen schweißen konnte, fragte dort niemand. Im März bekam er den Entlassungsschein unterschrieben von einem Captain, den er nie gesehen hatte. Zwei Tage Zug, einer davon durch Achen. Er stieg nicht aus. Im Dorf fehlten Dächer. Das Dach der Wirz war geflickt.
Hubert ging die Gasse hinunter zwischen Schutt und Mauern bis ans Ende. Das Tor zur Schmiede stand offen. Die Schmiede war kalt. Der Ambos stand auf seinem Block. Der Blasebalk hing zerrissen von der Esse. Nikolaus Wirz saß auf einem Hocker neben der Tür. Er war seine Hände zitterten. Die Zange konnte er nicht mehr halten.
Er sah auf, als der Schatten in die Tür fiel. Er sagte nur: “Ah.” Mehr sagten sie an diesem Abend nicht. Der Vater aß, was Hubert aus dem Rucksack zog und sah dabei auf die kalte Esse. Er fragte nur, ob die Hände noch wußten, wo das Eisen weiß wird. “Sie wissen es”, sagte Hubert. “Mhr wollte der Vater nicht hören.
Im Dorf sprach sich das in einer Nacht herum. Am dritten Tag kam der Nachbar mit einem Kettenglied, quer gerissen. Er legte es dem Alten in den Schoß. Ein Glied aus der Zugkette seines Karrens bei der Arbeit am Hang aufgesprungen. Nikolaus sah nicht Hubert an, er sah auf die Esse. Kannst du das noch? Hubert pflegte den Blasebalk mit einem Stück Leder.
Er legte Kohle auf, trat den Balk und wartete. Das Feuer ging an. Dunkelrot, orange, gelb. Er schob die Enden hinein, schäftete sie, wartete auf das Weiß. Sand, Hammer, noch einmal ins Feuer, noch einmal schlagen. Dann legte er das Glied auf den Ambos und wartete, bis es kalt war. Der Vater stand auf, er ging hin. Er sah es nicht an.
Er nahm den kleinen Hammer und klopfte einmal leicht darauf, nur ebenso, dass man es kaum hörte. Er lauschte, seine Lippen bewegten sich, ohne dass ein Wort kam. Und dann sagte er leise: “Zwei Stücke, ein Ton.