Als der Farmer die alte deutsche Mühlradtechnik verspottete – bis sich das Holzrad im Wasser drehte
40 Säcke Mais standen in Abner Showalters Mühle und keiner davon war gemahlen. Sie standen an der Wand zugebunden, an jedem ein Zettel mit einem Namen. Die Namen gehörten Familien aus dem Tal. Sie hatten ihren Mais gebracht, wie jedes Jahr. Aus dem einen Teil sollte Mehl für das Brot werden, aus dem anderen Schrot für das Vieh im Winter.
Es waren nur die ersten. Der Rest der Ernte wartete auf den Höfen. Friert die Rinne zu, steht die Mühle bis März. Showalter hatte jedem dasselbe gesagt. Vor dem Winter ist es gemahlen. Es war Mitte Oktober 1944 im Shenando Tal in Virginia, ein paar Meilen von Timberville. Die Nächte waren schon kalt und draußen an der Mühle hing das Wasserrad schief in seinem Schacht und drehte sich nicht mehr.
Das Hochwasser vom Oktober 1942 hatte es angeschlagen. Damals stand der Fluss bei Timberwille 3 m über der Marke, bei der die Felder volllaufen. Er nahm Brücken und Straßen mit. Der Bach hinter der Mühle spaltete die Achse des Rades und riss ein Stück vom Kranz ab. Schowalter legte Eisenbänder darum. Zwei Ernten lang hielt das.
Im Spätsommer nach einem Gewitter gab es nach. Ein Stahlrad aus Pennsylvania war bestellt, zugesagt für September. Es kam nicht. Die nächste Mühle hatte mit dem eigenen Tal genug zu tun. Showalter war 61, Pharma und Müller mit kurzem Bart und Mehltaub auf den Schultern, auch jetzt, wo nichts lief. Er hatte sein Wort gegeben.
Jeder Familie einzeln. Auf seinem Feld am Bach schnitten in dieser Woche vier Männer den Mais. Graues Arbeitszeug auf dem Rücken und auf den Hosenbeinen zwei gemalte Buchstaben. PW Deutsche Kriegsgefangene aus dem Lager Timberville. Einer von ihnen hieß Wendelin Eber, 35 Jahre alt, kräftige Unterarme aus Simons Wald.
im Schwarzwald von Beruf Mühlenbauer. Im August 1944 waren die Alliierten in der Provence gelandet. Die deutschen Truppen zogen das Ronne Tal hinauf. ZNTtausende kamen nicht weit. Wendelin, einfacher Soldat des Heeres, ging mit einer Kolonne auf dem Rückzug in Gefangenschaft. Von einem Hafen am Mittelmeer ging es über den Atlantik.
Die Schiffe, die Nachschub nach Europa brachten, fuhren leer zurück. Man füllte sie mit Gefangenen. So kam Wendelin in einen Hafen in Virginia und von dort ins große Lager Campcket. Dort blieb er nicht lange. Im Shenandoal stand die Ernte, Obst und Mais und die Männer der Gegend waren eingezogen. Camp Picket unterhielt bei Timberwille ein Zweiglager für die Erntemonate, etwa 250 Mann hinter einem hohen Zaun aus Stacheldraht.
Anfang Oktober stand Wendelin dort auf der Liste. Die Regeln waren einfach. Showalter holte seine vier Männer um 8 Uhr am Tor ab mit dem eigenen Lastwagen. Er gab ihnen das Mittagessen. Bis 4 Uhr nachmittags mussten sie zurück sein. Ein Wachsoldat fuhr nicht mit, dafür hatte das Lager zu wenig Leute. Am Tor stand Sergeant Lowel Garber, grauhaig und zu alt für die Front.
Er zählte morgens 4 und nachmittags vier. Für die Arbeit gab es ein paar Cent am Tag in Lagergeld. Ein Messer besaß keiner der vier, auch kein Werkzeug. Das Maismesser gehörte Showalter und kam abends zurück an den Haken. Am dritten Tag aßen sie mittags im Gras neben der Mühle. Wendelin aß nicht gleich. Er stand am Ratschacht und sah hinunter.
Es war ein oberschlechtiges Rad. Das Wasser kam in einer hölzernen Rinne von oben und fiel in Kästen aus Brettern. Die Zellen, nicht die Strömung treibt so ein Rad. Das Gewicht des Wassers zieht es herum. Der Wellbaum war der Länge nachgerissen. Das ist die dicke Achse aus Eiche, die vom Rad bis ins Innere der Mühle reicht.
Die Eisenbänder darum waren verbogen. Der halbe Kranz lag unten im Schacht. Schalter trat neben ihn. Was gibt es da zu sehen? Wendelyin nahm einen Stock und zeichnete in den Staub, einen Kreis. acht Striche zur Mitte. Dann zeigte er auf sich. Showers Familie war vor langer Zeit aus Pennsylvania gekommen und zu Hause hatte man noch den alten deutschen Dialekt gesprochen.
Wendelins allemanisch verstand er trotzdem nur halb. Müller Mühlenbauer. Ich baue das Rad aus Holz. Schowalter lachte kurz. Ein Rad aus Holz, wie vor hundert Jahren. Und bauen soll es ein Mann, der mit einem Stock im Dreck malt. Er zeigte auf das Feld. Du schneidest Mais. Wendelin blieb stehen. Er fragte, ob es trockene Eiche gäbe. Es gab sie. In der Scheune.
Lag ein Stamm seit 11 Jahren unter Ddach. Dazu ein Stapel Bohlen. Schalter hatte das Holz einmal für ein neues Rad zurückgelegt. Es reichte für ein Rad. Für genau eines. “Bist du Meister?”, fragte Showalter. “Nein, es stimmte. Wendelin hatte beim Vater gelernt und war dre Jahre auf Wanderschaft gewesen. Zur Meisterprüfung kam es nicht mehr.
Vorher kam der Krieg.” “Dann hör zu”, sagte Showalter. Wenn einer diesen Stampfhaut, habe ich kein Rad und kein Holz mehr. Grünes Holz verzieht sich, das weiß ich selbst. Ich gebe das keinem Gefangenen, den ich seit drei Tagen kenne. Wendelin zeigte in den Schacht auf das zerbrochene alte Rad. Dann das da. ein Stück, eine Stunde.
Showalter sah ihn lange an, dann holte er eine Säge, ein Stemmeisen, einen Holzhammer und einen Bohrer aus der Mühle und legte alles ins Gras. Eine Stunde. Ich bleibe dabei. Aus zwei Stücken des alten Kranzes schnitt Wendelin eine Verbindung. Jedes Ende zur Hälfte ausgenommen, übereinander gelegt, ein Loch hindurch.
Von einem Scheid spaltete er mit dem Stämeisen einen Holznagel ab und schlug ihn ein. Er hielt Showolter das Stück hin. Der Alte zog daran. Er stemmte es über das Knie. Er schlug es gegen den Türpfosten. Es hielt. Show Alter sagte nichts. Er zählte sein Werkzeug und trug es hinein. Am nächsten Morgen sprach er am Tor mit Garber. Wendelin verstand nur wenig.
Die Männer seien für die Ernte da. sagte der Sergeant. Ohne Mühle sei die Ernte nichts wert, sagte Showalter. Gaber ging ins Büro des Captains. Als er zurückkam, durften die vier an die Mühle und alles, was eine Schneide habe, werde morgens ausgegeben und nachmittags gezählt vom Farmer selbst. “Um den 10. November wird hier geräumt”, sagte Gaber noch.
“Dann ist die Ernte vorbei und die Männer gehen zurück nach Campcket. Länger haben sie die Leute nicht. Das waren 20 Arbeitstage. Für so ein Rad braucht es mehr Werkzeug, als ein Farmer hat. Showalter fuhr zu Cli Shifflett, dem Zimmermann im Ort. Schifflet kam selbst mit. 48 Mager, ein Bleistift hinter dem Ohr. Er brachte ein Breitbeil, eine Dechsel, zwei Bohrer und einen Hobel und legte alles einzeln auf die Werkbank. Dann sah er den Stamm an.
und schüttelte den Kopf. Abner, das ist voriges Jahrhundert. Holzräder hat schon mein Vater nicht mehr gebaut. Die halten 15, 20 Jahre, dann sind sie faul. Jede Mühle, die rechnen kann, hat längst Stahl. Stahl kommt nicht, sagte Shualter. Dann warte. Sag das den Leuten mit den Säcken. Schifflet zeigte auf Wendelin.
Gegen den Mann sage ich nichts. Vielleicht kann er sägen, aber Holz auf Holz ohne Eisen im Wasser. Nass quillt es, trocken schwindet es. Das arbeitet sich los. Im Frühjahr sammelst du es aus dem Bach. Sein Werkzeug ließ er da. Aber er kam jeden zweiten Tag, zählte es nach und sah sich alles an. Die ersten vier Tage gehörten dem Wellbaum.
Wendelin spannte eine Schnur und behaute den Stamm mit dem Breitbeil. Erst auf vier Kanten, dann auf acht. Die drei anderen drehten den Stamm und räumten die Späne weg. Er arbeitete langsam. Showalter stand die meiste Zeit daneben. Bei jedem Schlag sah er auf sein Holz. Das alte Rad hatten die drei anderen in den ersten Tagen aus dem Schacht geholt, Stück für Stück.
In die Enden kamen die eisernen Zapfen vom alten Rad, auf denen sich die Achse dreht. Wendelin setzte sie ein, zog die alten Eisenringe darüber und trieb Keile nach. Um 3:30 Uhr zählte Showalter: Beil, Dechsel, Säge, drei Bohrer, Stemmeisen, Holzhammer, Hobel. Um vi zählte Garber vier Männer, dann die Arme. Acht auf jeder Seite. Wendelin stemmte für jeden Arm ein Zapfenloch in den Wellbaum, setzte die Arme ein und verkeilte sie mit Eiche.
Drei Tage. Am dritten wollte er den letzten Keil nicht über Nacht lose lassen. Er schlug ihn fest. Danach fehlte der Hobel. Er lag unter den Spännen und bis sie ihn hatten war es zehn vor. Showalter fuhr schnell. Am Tor sah Gabe auf die Uhr. 124 Uhr. Einmal sagte er zu Showalter, beim zweiten Mal geht die Gruppe auf eine andere Farm und der da, er zeigte mit dem Stift auf Wendelin.
Erklärt es dem Captain. Von da an legte Wendelin um 3 das Werkzeug hin, egal was offen war. Sechs Tage für den Kranz, zwei Ringe, einer links, einer rechts. Jeder bestand aus gebogenen Stücken, den Felgen aus den Bohlen gesägt. Den Bogen riss Wendelin mit einer Schnur und einem Nagel an.
Die Felgen griffen zur Hälfte übereinander, sowie beim Probestück. Durch jede Verbindung gingen Holznägel. Die sägte er nicht. Er spaltete sie, damit die Faser durchlief. Gesägte Nägel brechen an der Faser. Schifflet nahm einen davon und versuchte ihn zu knicken. Er legte ihn zurück. Im Trockenen hält viel, sagte er. Morgens stand jetzt Nebel über den Maisstoppeln.
Fast jeden Tag hielt ein Wagen vor der Mühle. Ein Mann stieg ab, sah nach seinem Sack, sah auf die Gefangenen im Hof und fragte Showalter etwas. Showalter gab jedes Mal dieselbe Antwort. Vor dem Winter, vier Tage für die Zellen. In die Innenseite beider Ringe hatte Wendelin Nuten gestemmt. Dahine kamen die Bodenbretter und die schrägen Schaufeln, 32 Kästen rundherum.
Zusammengesetzt wurde das Rad nicht im Hof, dafür war es zu groß, zwölf Fuß hoch und dreifuß breit. Es entstand im Schacht, Stück für Stück auf dem Wellbaum, der schon an seinem Platz lag. Die Männer standen auf dem nassen Stein und reichten sich die Teile zu. Kein Nagel aus Eisen, wo das Holz arbeitet. Am 7. November stand das Rad.
Es blieben drei Tage. Wendelin drehte es mit der Hand an. Leer, ohne Wasser. Es lief eine Runde, wurde langsam, pendelte und blieb stehen. Er band einen Lappen an die Stelle, die unten war. Er drehte noch einmal. Der Lappen kam wieder unten an. Schifflet stand oben am Rand. “Auf einer Seite schwer”, sagte er. So ein Rad läuft in Stößen, das schlägt dir die Achse aus der Auflage, bevor Weihnachten ist.
Er hatte recht und Wendelin wusste es. Showalter sah auf die Uhr. Es war 3 Wendelin legte das Werkzeug hin. Auf der Ladefläche sprach keiner. Sein Vater Ignatz baute seit 50 Jahren Räder in Simonswald. Wenn ein neues Rad zum ersten Mal hing, redete er nicht. Er legte die flache Hand auf den Kranz und ging mit eine Runde 2 3.
Wo die Hand jedesmal schwerer wurde, zog er mit dem Daumennel einen Strich. Erklärt hatte er das nie. Wendelin hatte es als Lehrling so oft gesehen, daß er nicht mehr hinsah. Der Lappen zeigte nur die schwere Seite. Welches Stück zu schwer war und wie viel weg musste, zeigte er nicht. Am 8.
November ging er mit der Hand am Kranz mit. An zwei Felgen nebeneinander wurde sie schwer. Er klopfte mit dem Knöchel darauf. Das Holz klang dichter als der Rest. Die beiden Stücke kamen aus dem unteren Ende einer Bohle nahe an der Wurzel. Dort ist Eiche am schwersten. Hobel, sagte er. Schoalter gab ihn ihm. Er nahm an der Innenseite ab, wo das Holz nichts trägt. Ein paar Züge drehen.
Der Lappen kam unten an, aber langsamer. Wieder ein paar Züge. Drehen. Nicht zu viel, sagte Showalter. Es war sein Holz. Gegen Mittag blieb der Lappen oben stehen. Beim nächsten Mal seitlich, dann jedes Mal woanders. Wendelin hängte das Lot an den Kranz, eine Schnur mit einem Stück Eisen. Das Rad stand senkrecht.
Jetzt hätte man das Wasser geben können. Wendelin hob die Hand. Noch nicht erst nass machen bis übermorgen. Showalter verstand ihn erst beim dritten Mal. Zwei Tage. Es blieben zwei Tage. Das Holz ist trocken sagte Wendelin. Er spreizte die Finger und drückte sie wieder zusammen. Es muss trinken, dann geht es zu. Showalter öffnete den Schieber an der Rinne einen Finger breit.
Das Rad banden sie mit einem Seil fest. Ein dünner Strahl fiel in die oberste Zelle und lief unten wieder heraus. Aus jeder Fuge durch den Boden, an den Schaufeln vorbei, an den Ringen hinunter. Am Nachmittag kam Schifflet. Er sah eine Weile zu. “Ein Sieb”, sagte er. “Apner, du hast dir ein Sieb bauen lassen.” Showalter sah Wendelin an, der drehte das Rad eine Viertelrunde weiter und bann es wieder fest.
Am neunten drehten sie es alle zwei Stunden weiter. Es tropfte noch. Am. November lag Nebel im Tal. Es war der letzte Tag. Am Tor sagte Gaber: “Heute pünktlich. Morgen früh stehen die Wagen nach Picket hier.” Am Schacht tropfte es nicht mehr. Wendelin fuhr mit dem Daumen über eine Fuge. Sie war zu. Er löste das Seil und stieg herauf.
Vor der Mühle standen drei Wagen wie an den meisten Tagen. Showalter ging zum Schieber. Er sah zu Wendelin hinüber. Wendelin nickte. Das Wasser kam. Es schoss durch die Rinne, fiel in die erste Zelle und füllte sie. Nichts geschah. Die zweite füllte sich. Das Rad ruckte, eine Handbreit. Dann zog das Gewicht es herum. Langsam.
Eine Zelle nach der anderen kam unter den Strahl, wurde schwer, sank und gos sich unten aus. Das Rad lief gleichmäßig ohne Stoß. Von der Achse kam kein Laut. Drinnen fing es an zu rumpeln. Showalter lief hinein. Die Arbeit am Stein war seine, nicht die des Deutschen. Er schüttete Mais in den Trichter und stellte den Stein ein, ein wenig enger, ein wenig weiter, das Ohr dicht daneben.
Wendelin blieb in der Tür stehen. Weiter hinein hatte ihn niemand gebeten. Unten am Stein kam erst Staub, dann ein dünner gelber Faden. Dann lief es. Shooter hielt die offene Hand darunter. Er schloß die Finger und öffnete sie wieder. “Warm”, sagte er. “Mehl, das warm aus dem Stein kommt, ist richtig gemahlen.
Dann läuft der Stein mit der rechten Last und im rechten Tempo. Kommt es heiß, sitzt er zu eng.” Schowalter ging mit der vollen Hand zur Tür und hielt sie den Leuten hin. Einer nach dem anderen faßte hinein. Schifflet war der letzte. Er rieb das Mehl zwischen zwei Fingern. Dann ging er hinaus und stieg in den Schacht. Er blieb lange unten.
Er legte die Hand an die Achse. Er sah an den Ringen entlang, an jeder Fuge, aus der am Vortag noch Wasser gelaufen war. Als er heraufkam, war er nass bis zu den Knien. “In fünfzehn Jahren ist es faul”, sagte er. Showalter sagte es auf seine Art nach. Halb Deutsch, halb nicht. “Ja”, sagte Wendelin. “Stahl hält länger.” “Ja.” Schifflet sah noch einmal hinunter.
“Aber es läuft”, sagte er. Er sammelte sein Werkzeug ein, zählte es und fuhr. Bis zum Mittag waren sechs Säcke gemahlen. Zum Essen saßen die vier wie immer im Gras. Showalter kam mit einem Teller aus dem Haus. Kein Blechteller wie sonst. Ein weißer mit einem Sprung am Rand vom Tisch der Familie. Darauf lag Maisbrot noch heiß aus dem ersten Mehl.
Er stellte ihn vor Wendelin hin, setzte sich auf die Stufe und aß sein eigenes Stück. Gesagt hat er nichts. Um 4 zählte Gaba vier Männer. Showalter wendete den Wagen und fuhr zurück. Am nächsten Morgen wurde das Lager geräumt. Die Ernte war vorbei und im Winter brauchte das Tal keine Gefangenen. Die Männer kamen zurück nach Camp Picket.
Die Mühle hat Wendelin nicht wiedergesehen. Im Frühjahr 1946 wurde Camp Picket gelehrt. Das Schiff fuhr nicht nach Deutschland, sondern nach Liverpool. England hatte zu wenig Leute auf den Feldern und übernahm einen Teil der Gefangenen. Wendelin zog dort Gräben und Lutho Heu mehr als ein Jahr lang. Im August 1947 stieg er in Bleibach aus dem Zug.
Nach Simons Wald fuhr keine Bahn. Er ging das Tal hinauf, gut eine Stunde zu Fuß. An den Hängen fehlte der Wald. Die französische Besatzung hatte schlagen lassen, ein Vielfaches von dem, was sonst im Jahr fiel. Im Haus waren die Mutter, seine Frau Agathe und der Junge Severin, 10 Jahre alt. Der gab ihm die Hand wie einem Fremden.
Der Vater war ein halbes Jahr zuvor gestorben, als noch Schnee lag. Vom Bruder Vincens gab es seit dem Sommer 1944 keine Nachricht. Er war im Osten vermisst. Die Kuh hatte man abgeholt und in der Werkstatt war der Platz leer, an dem der Vater sein trockenes Holz gelagert hatte. Wendelin fing in einem Sägewerk im Elstal an.
Später deckte er Scheunen und pflegte Dachstühle. Ab und zu richtete er einem Bauern das Rad, bis keiner mehr danach fragte. Die kleinen Mühlen im Tal wurden weniger. Die Meisterprüfung hat er nicht nachgeholt. Von der Gefangenschaft sprach er kaum. Um 1961, Severin war 24, sagte er bei der Arbeit einen Satz: “In Amerika habe ich einmal ein Rad gebaut.
Severin wartete. Es kam nichts mehr. Nachgefragt hat er nicht. Abner Schowalter starb 1958 mit 75. Briefe gingen keine hin und Her. In der Familie hieß das Rat noch lange das vom Deutschen. Rund 425 000 deutsche Soldaten waren in den Vereinigten Staaten in Gefangenschaft in etwa 700 Lagern. In Virginia allein waren es um die 17000.
Im Jahr nach dem Krieg wurden die Lager geräumt. Etwaus dieser Männer kamen nicht nach Hause, sondern nach England, andere nach Frankreich. Die letzten sahen ihre Dörfer erst 1948 wieder. Die meisten haben später wenig davon erzählt. Nach Abnern Showalters Tod wurde die Schreibstube der Mühle ausgeräumt.
In einer Schublade lag sein Kontobuch. Jede Zeile gleich. Das Datum, der Name der Familie, die Zahl der Säcke, dahinter eine Spalte für Bemerkungen. Sie war fast immer leer. In der ersten Zeile vom 10. November 1944 steht etwas anderes. Ein Sack Mais, der erste an diesem Tag. Und in der letzten Spalte in der Schrift des Alten, ein fremder Name. We Eberle. M.