Als der Farmer die alte deutsche Mauertechnik belächelte – bis nur die Steine ohne Mörtel standen
Die Stalltür ging nicht mehr ganz auf. Wendall Stoner zog am Griff. Einmal, zweimal. Die Tür schleifte eine Handbreit über den Boden und blieb hängen. Der Rahmen stand schief. Von außen drückte etwas dagegen. Drinnen, im Halbdunkel unter den niedrigen Balken, standen 20 Milchkühe in ihren Ständen und Kauten.
Sie wussten von nichts. Direkt neben dem Stall lief die Auffahrt zur Scheune hinauf. Eine Rampe aus Erde, so breit wie ein Heuwagen. An ihrer Seite hielt eine Mauer aus Feldsteinen die Erde fest und diese Mauer hatte einen Bauch. In der Mitte trat sie nach vorn, als hätte jemand von hinten mit der Schulter dagegen gedrückt.
Die Fugen waren mit grauem [musik] Zement verstrichen, glatt und hart, erst im Sommer gemacht. Jetzt liefen feine Risse hindurch, wie ein Spinnennetz. Nur aus diesen Rissen kam Wasser, dünn, braun. Es regnete seit fünf Tagen. Gleich an der Ecke zum Stall war ein Stück der Mauer anders. 3 m lang, kein Zement. [musik] Dunkle Spalten zwischen den Steinen.
Und aus jeder Spalte lief Wasser, klar in vielen kleinen Fäden. Dieses Stück stand gerade. Ein junger Wachsoldat sah von einem Teil der Mauer zum anderen, dann auf den deutschen Gefangenen neben ihm. Wie lange noch? Nicht mehr lange sagte der Gefangene. Die Kühe müssen raus. Sieben Wochen vorher, an einem trockenen Morgen, Anfang September rollte ein Armeelastwagen auf den Hof der Stoners, ein paar Meilen westlich von Gettisburg in Pennsylvanien.
Auf der Ladefläche saßen zehn deutsche Kriegsgefangene. Auf ihren Hemden vorn und hinten zwei große Buchstaben. PW. Der Wachsoldat hieß Lloyd Camper. Private First Class, 20 Jahre alt aus Hagerstown in Maryland, wegen seiner Augen nicht Frontdienstauglich. Er las die Namen von seiner Liste. Beim sechsten stockte er: “Kübler!” Das Ü bekam er nicht über die Lippen.
“Gott lieb”, sagte er. “Ich sage Gott lieb.” Dabei blieb es. Gottlieb Kübler war 31. Er kam aus Hessheim am Necker, einem Weindorf in Würtenberg. Wendel Stoner kam aus dem Stall. 55 Latzhose, alter Filzhut, Gummistiefel. Er musterte die zehn Männer mit schmalen Augen, aber die jungen Männer der Gegend waren eingezogen und 20 Kühe wollen zweimal am Tag gemolken werden, Krieg oder nicht.
Von der Milch lebte die Familie. Die Scheune stand in den Hang gebaut, eine Hangscheune drüben Bankbahn, [musik] genannt, wie man sie in Pennsylvanien überall sieht. Die Bauweise hatten deutsche Siedler mitgebracht. Oben Heuboden und Tenne. Dorthin fuhren die Wagen über eine Rampe aus Erde. [musik] Unten im Steinsockel der Stall mit Türen hinaus zur Weide.
Zwischen der Mauer an der Rampe und der Stallwand blieb nur ein schmaler Gang. Dort lag die Seitentür des Stalls. [musik] Im Juli hatte Stoner diese Mauer erneuert. Mit einem Maurer aus der Stadt hatte er jede Fuge mit Zement gefüllt und oben eine Kappe aus Beton gegossen. Er erzählte es jedem, der am Zaun stehen blieb. So macht man das heute.
Das hält 100 Jahre. Am zweiten Tag mistete [musik] Gottlieb den Stall aus. Mittags blieb er mit der Schubkarre an der Mauer stehen. Unter vielen Fugen hatte das Wasser über Jahrzehnte helle Streifen in die Steine gewaschen. Jeder Streifen begann oben an einer Fuge. Dort war früher Wasser herausgelaufen, [musik] Jahr für Jahr und jede dieser Fugen war jetzt voll Zement.
Gottlieb ging zu Camper. Darf ich mit dem Farmer sprechen? Worüber? Über die Mauer. Camper verstand etwas Deutsch. Seine Großmutter hatte in der Küche so gesprochen, ein altes Deutsch aus Pennsylvanien. Er zuckte mit den Schultern und rief Stoner herüber. Von da an ging jedes Wort zwischen dem Farmer und dem Gefangenen durch Camper.
Gottlib zeigte auf die hellen Streifen. Hier ist früher Wasser herausgekommen. Hinter der Mauer ist Erde. [musik] Wenn es regnet, wird die Erde nass. Das Wasser muss vorn heraus können. Jetzt kann es nicht mehr. Stoner lächelte. Er sah dabei nicht auf die Mauer, er sah [musik] auf den Gefangenen. Wasser durch eine Mauer.
Eine Mauer [musik] soll das Wasser draußen halten. Dafür ist der Zement ja da. Das Wasser ist nicht draußen sagte Gottlib. Es ist schon drin in der Rampe. Sag ihm, meinte Stoner zu Camper. Mein Großvater hat die Mauer ohne Zement gebaut, weil er keinen hatte. Ich habe welchen. Camper sah Gott lieb an. Weißt du, wovon du redest? Mein Vater baut solche Mauern seit ich denken kann.
Um Hässigheim steigen die Weinberge steil über dem Necker auf. Die Hänge sind in schmale Terrassen geteilt, gestützt von Mauern aus Muschelkalk. Die meisten wurden zwischen und 14hundert angelegt. Die Weingärtner bauten sie selbst ohne Mörtel, Stein auf Stein. Über dem Dorf ragen die Felsengärten auf, helle Kalkfelsen zwischen den Reben.
Johann Kübler war Wängerter und Weinbergmaurer. Jeden Winter ging er die Mauern ab. Was eingefallen war, setzte er neu. Schon als Kind schleppte Gott lieb ihm die Steine den Hang hinauf. Beim Setzen sagte der Vater fast nichts, nur wenn einer eine Fuge über die andere legte, eine auf zwei, zwei auf einen. Jeder Stein liegt auf zwei Steinen darunter und im Winter, vor jedem eingefallenen Stück, die Mauer muss das Wasser durchlassen.
1940 kam der Stellungsbefehl. Gottlib wurde einfacher Soldat, einer von hunderttausenden. Der Vater, damals 56 blieb in den Weinbergen. Anfang 1944 geriet Gottleb in Italien in amerikanische Gefangenschaft. Die Amerikaner brachten ihre Gefangenen über den Atlantik. In Europa fehlten Lager und Wachen und die Frachtschiffe, die Nachschub brachten, wären sonst fast leer zurückgefahren.
So ging es von Neapel aus nach Amerika. Über Fort Meet in Maryland kam er im Juni in ein Lager bei Gtysburg. Konservenfabriken und Farmen riefen nach Arbeitern und ein Farmer bekam beim Landwirtschaftsberater des Kreises zehn Mann und einen Wachsoldaten. Post von zu Hause kam selten. Im August hatte Gottlieb eine Karte vom Vater bekommen, [musik] geschrieben im März.
Eine Zeile war geschwärzt, der Rest war kurz. Die Mauer am Felsengarten ist im Winter wieder eingefallen. Ich habe sie neu gesetzt. Gotlib trug [musik] die Karte in der Hemtasche. Stoner hatte Gottlib nicht geglaubt. Jeden Morgen fuhr der Lastwagen am Hof des alten Hollinger vorbei. Auch dort eine Hangscheune mit Rampe und Mauer. Nur war diese Mauer nie angerührt worden. Moos in den Fugen.
Gott lieb seh jeden Morgen hinüber. Ende September regnete es zwei Tage lang. Am Morgen danach tropfte es aus den Fugen von Hollingers Mauer. Bei Stoner war die Mauer außen fast trocken. Aus den Fugen kam nichts. Aber innen im Stall war die Wand zur Rampe hin feucht und in der Mitte der Mauer lief ein Riss durch den Zement.
Haarfein, eine Handspanne lang. Gottlieb zeigte ihn Camper. Camper sah lange hin. Dann holte er Stoner. Stoner fuhr mit dem Daumen über den Riss. “Zement arbeitet”, sagte er. “Das setzt sich.” Aber am Abend, als der Lastwagen vom Hof fuhr, sah Gott lieb ihn noch einmal an der Mauer stehen, allein mit einer Laterne.
Am nächsten Morgen war am Ende des Risses ein Strich mit einem Nagel in den Zement geritzt. Daneben ein Datum. Stoner sagte kein Wort darüber. Vier Tage später war der Riss über den Strich hinausgewachsen. Daneben stand ein neuer Strich mit neuem Datum. Dann noch einer. Stoner lächelte nicht mehr, wenn er an der Mauer vorbeiging. Er sah auch nicht mehr hin.
Er ließ den Maurer aus der Stadt kommen. Der bohrte drei Löcher unten in den Zement. Zwei Tage lief ein wenig braunes Wasser, dann nichts mehr. Hinter den [musik] Steinen lag nur Erde, kein Schotter. Die Erde setzte die Löcher zu. Eine Woche später fragte Gottlieb Camper: “Das Stück an der Stalltür, 3 m.
Darf ich den Farmer bitten, dass ich es neu setze ohne Zement, so wie mein Vater es macht?” Wenn die Mitte kommt, drückt sie gegen die [musik] Stalltür. Dann muss wenigstens die Ecke halten, sonst kommt keiner mehr raus. Du fragst viel für einen Gefangenen. Ich frage nur. Camper ging zu Stoner.
Sie standen lange vor den Strichen im Zement. Dann kam Stoner herüber. 3 m, sagte er an der Stalltür. Nicht mehr. Wenn es nichts taugt, kommt der [musik] Maurer wieder und macht es zu. Camper stellte die Bedingungen. [musik] Das Werkzeug gehört dem Farmer. Um acht gebe ich es dir. Hebereisen, Fäustel, Meißel, Spitzhacke, Schaufel, Schubkarre, eine Schnur.
Um 5 Uhr legst du es vor mich hin, Stück für Stück. Dann kommt alles in den Schuppen und ich schließe ab. Fehlt ein Meißel, fährst du zurück ins Lager und kommst nicht wieder. Warum erlauben Sie das? Der Mais ist drin. Die anderen machen Brennholz gleich da drüben. Ich sehe euch alle von hier. Camper machte eine Pause. Und ich will wissen, wer recht hat.
Ein zweiter Gefangener durfte helfen. Ewald, ein Bäckergeselle aus Kassel. Er trug die Steine. Am ersten Tag rissen sie das alte Stück [musik] ab. Der Zement war hart. Gott lieb setzte den Meißel in die Fugen und schlug mit dem Fäustel, bis die Steine sich lösten. Dahinter war die Erde der Rampe, nicht feucht, nass.
Als Gott lieb die Hand hineinrückte, lief [musik] Wasser zwischen seinen Fingern heraus. Am zweiten Tag grub Gott lieb den Fuß aus, bis auf festen Boden. In die Grube kam eine Schicht Schotter, damit unten nichts stehen blieb und der Frost nichts hob. darauf die größten, [musik] schwersten Steine. Ewald und er wuchteten sie mit dem Hebeisen an ihren Platz.
Unten wurde die Mauer breiter als oben. Dann schlug er zwei Holzpflöcke ein und spannte die Schnur. Nicht senkrecht, schräg nach hinten zum Hang. “Warum schief?”, fragte Camper. “Nicht schief. Sie lehnt sich an.” Gott lieb zeigte es mit der flachen Hand. Auf einen Meter Höhe etwa 15 cm zurück. Dann müsste ein Stein [musik] erst berg auf, bevor er fallen kann.
Am dritten Tag kam Stona vorbei. Du legst die guten [musik] langen Steine quer, tief in den Hang. Von vorn sieht man nur das kleine Ende. “Den Rest sieht keiner”, sagte Gott lieb. Aber der Held, das waren die Bindersteine, etwa jeder [musik] dritte Stein. Wie Anker verzahnen sie die Mauer mit dem Hang.
Hinter die Steine kam keine Erde und kein Lehm, nur kleine Steine und Schotter festgestampft. Dort sammelt sich kein Wasser. Es sickert hindurch, nach unten und nach vorn. Wackelte ein Stein, keilte Gott lieb ihn [musik] von hinten mit Splittern aus. Vorn ließ er die Spalten offen. Stoner schüttelte den Kopf. Da kann man ja die Hand reinstecken.
Das Wasser auch, sagte Gott lieb. Darum. Mein Vater sagt, [musik] die Mauer muss das Wasser durchlassen. Camper sagte es Stoner auf Englisch. Am fünften Tag fehlte nur noch die Krone. Oben braucht es große, schwere Decksteine, die alles darunter zusammendrücken. Am Weidetor lag eine breite Sandsteinplatte. halb im Gras.
Gottlieb sah sie an. Dann sah er Camper an. Camper sah Stoner an. Stoner sagte nichts. Er holte den Traktor und eine Kette und zog die Platte selbst [musik] bis an die Mauer. Am sechsten Tag lag der letzte Deckstein. [musik] Unregelmäßige Steine, dunkle Spalten, leicht nach hinten gelehnt.
Daneben der Rest der Mauer, glatt und grau. Ende Oktober kam der lange Regen. Nicht heftig, aber ohne Pause. Der Lastwagen kam trotzdem. Die Gefangenen hackten Holz unter dem Vordach. Am zweiten Tag lief aus Gottliebsstück das Wasser. Aus jeder Spalte, klar und ruhig, bei Hollinger genauso. [musik] Der Rest von Stoners Mauer blieb stumm.
Am dritten Tag spannte Gottlieb mit Campers Erlaubnis die Schnur oben an der Betonkappe entlang, von einem Ende zum anderen. In der Mitte stand die Mauer vor der Schnur, eine Handbreit. Am vierten Tag waren es zwei. Die Risse wurden dichter. Jetzt kam Wasser, aber nur aus den Rissen. Braun. “Wie viel Wasser ist da hinten drin?”, fragte Camper.
“Die ganze Rampe voll”, sagte Gott lieb. “Und es kann nirgends hin. Es drückt jeden Tag mehr. Und im Winter friert es darin.” Am fünften Tag am Nachmittag zog Stona an der Stalltür. Einmal, zweimal, sie blieb hängen. Er fluchte. Gott lieb sah den schiefen Rahmen. Er sah den Bauch. Er sah die Steine in der Mitte, die sich bewegten, wenn man lange genug hinsah.
“Die Kühe müssen raus”, sagte er leise. “Jetzt bitte sagen Sie es ihm.” Ein Wachsoldat hatte mit dem Vieh eines Farmers nichts zu tun, aber Camper hatte die Schnur gesehen, die Striche, die nasse Erde am ersten Tag. Er ging zu Stoner. Mr. Stoner, die Kühe müssen aus dem Stall. Ich muss melken, Camper.
Und draußen ist Sumpf. Er hat es im September gesagt, bei langem Regen. Sehen Sie auf ihre Striche. Stoner drehte sich um. Der Riss lief eine Armlänge über den letzten Strich hinaus. Er sah auf den Türrahmen, auf den Bauch, auf die drei Meter an der Ecke, aus denen das Wasser lief. “Hinten raus”, sagte er dann alle auf die obere Weide.
Camper wandte sich an die Gefangenen. Wer mit Kühen umgehen kann, hilft. Die anderen bleiben unter dem Vordach. Keiner geht weiter als bis zum Zaun. Stoners Frau Lorraine rannte zur Weide und öffnete das Gatter. Die Tochter Nora 14 hielt die Laterne. Stoner machte die Ketten los. Gott lieb. Ewald und zwei andere führten die Tiere hinaus, eines nach dem anderen, durch die Türen auf der Talseite. Die Kühe wollten nicht.
Sie stemmten die Beine und brüllten. Nach einer Viertelstunde standen neunzehn draußen. Die letzte war Kara, die älteste, im Stand direkt an der Rampenwand. Sie legte sich hin. Stoner zog am Halfter. Gott lieb [musik] schob. Camper packte das Halfter mit. Klara stand auf. Sie ging hinaus. Stoner war noch keine zehn Schritte weit, als sie es hörten.
Ein tiefes Knirschen, dann ein Krachen, dumpf wie in einem Keller. Die Mauer gab in der Mitte nach. Ein Stück von 4 m kippte nach vorn und brach zusammen. Steine, Zementbrocken und nasse Erde rutschten gegen die Stallwand. Die klemmende Stalltür brach nach innen. Erde lief in die ersten beiden Stände bis über das Knie. Oben sackte die Rampe ab, [musik] dann war es still, nur der Regen.
Niemand war verletzt, keine Kuh. Und an der Ecke, direkt daneben, standen die 3 m gerade leicht nach hinten gelehnt. Aus jeder Spalte lief klares Wasser. Stoner ging langsam hinüber. Er legte die flache Hand auf die Steine. Das Wasser lief ihm über die Finger. Er nahm den Hut ab. The wall has to let the water through, sagte er leise.
Camper übersetzte es für Gottlieb. Die Mauer muss das Wasser durchlassen. Gott sah ihn an. Es war der Satz seines Vaters aus dem Mund eines Amerikaners. Am nächsten Morgen stand Stoner schon am Tor, als der Lastwagen kam. “Ich brauche ihn”, sagte er zu Camper und “Und den Bäcker, die ganze Mauer ohne Zement. Drei Wochen lang räumten sie die Erde aus dem Stall, setzten die Tür neu und bauten die [musik] eingestürzten vier Meter wieder auf.
Stoner arbeitete daneben. Mit einem zweiten Meißel schlug er selbst die Betonkappe ab und den Zement aus den übrigen fugen. Einmal fragte er, was man macht, wenn ein Stein wackelt. “Von hinten auskeilen”, sagte Gott lieb. “Nie von vorn.” Lorraine brachte mittags Kaffee hinaus. zuerst nur für Camper und ihren Mann.
Am dritten Tag stellte sie den Kaffetopf einfach auf die Mauer und ging. Nach der Ernte schrumpfte das Lager auf etwa 200 Mann. Der Einsatz auf Stoners Hof war zu Ende. Am letzten Nachmittag hatte Gottlieb eine Bitte. Er trug sie Camper vor. Camper trug sie Stoner vor. Stoner ging selbst in den Schuppen.
Er kam mit Meißel und Fäustel zurück und legte beides Gottlib in die Hände. Dann verschränkte er die Arme und sah zu. Gottlieb [musik] kniete sich an den großen Deckstein an der Ecke. Der Sandstein war weich, Schlag für Schlag. JK, darunter die Jahreszahl. 1944. Stoner fragte nichts. Er sah lange auf die Buchstaben. “Der bleibt da liegen”, sagte er zu Camper.
“Solange es diese Scheune gibt, sag ihm das.” Camper sagte es ihm. Stoner gab Gottlieb die Hand. Kurz wie einem Nachbarn. Im Frühjahr 1946 wurden die Lager in Amerika geräumt. Das Schiff ging zurück über den Atlantik, aber nicht nach Hause. Viele Gefangene wurden in Europa weitergereicht, [musik] zur Arbeit in Frankreich oder England. Gottlieb kam nach Frankreich.
Noch zwei Winter. Erst im Frühjahr 1948 stieg er in Besiegheim [musik] aus dem Zug, ging über den Necker nach Hässigheim und hinauf in die Weinberge. Der Vater stand an einer Mauer, älter, dünner, aber er stand. Er sah den Sohn und legte den [musik] Stein in seiner Hand nicht weg. Er reichte ihn ihm. Gott lieb setzte ihn auf zwei.
Stoner schrieb selten einmal im Jahr nach der Heuernte. über die Kühe und über Nora, die später den Hof übernahm. Johann Kübler starb im Winter 1954. Gott lieb übernahm seine Mauern. Wandel Stoner starb 10 Jahre später. Seine Familie behielt den Hof und den Stein. Lyd Camper ging heim nach Hagerstown und trug dort 30 Jahre lang die Post aus.
Er erzählte die Geschichte oft von der Stalltür, von der Kuh, die sich hingelegt hatte, von der Mauer, die das Wasser durchließ. Im Juni 1972 brachten die Reste des Hurricans Agnes Regen nach Pennsylvanien. In der Gegend fielen in wenigen Tagen 18 bis 25 cm, in York, im Nachbarkreis über 40. Als der Regen aufhörte, fuhr Camper nach Adams County. Er war jetzt grau.
Auf zwei Höfen am Weg war die Rampe abgerutscht. Die Stonerscheune stand, die Mauer stand, aus jeder Spalte lief noch Wasser und oben an der Ecke lag der große Deckstein. JK 1944 Camper machte ein Foto. Die Adresse in Hessheim hatte ihm Nora gegeben aus den alten Briefen ihres Vaters. Zu Hause schlug er ein Wörterbuch auf und schrieb auf die Rückseite einen Satz auf Deutsch in großen sorgfältigen Buchstaben.
Dann schickte er es nach Hessheim. Gottlieb Kübler war 59. Der Postbote fand ihn oben am Hang an einer Mauer über dem Necker. Er wischte sich die Hände an der Hose ab und drehte das Foto um. Die Mauer lässt das Wasser durch. Er las zweimal. Dann steckte er das Foto in die Hemdtasche dorthin, wo er einmal die Karte seines Vaters getragen hatte und nahm den nächsten Stein.
Unter ihm lief [musik] das Wasser aus den Fugen hinunter zum Fluss. Das Foto hängt heute in Hässigheim in der Küche seines Enkels. Der setzt die Mauern am Felsengarten. Die Schnur spannt er schräg. Yeah.