6  Mai 1757 IJ. Die Sonne kämpft sich durch den dichten Nebel, der über den Hügeln bei Prag liegt. 64 000 preußische Soldaten stehen in Formation, ihre Musketen geladen, ihre Bayonette geschärft. Vor ihnen auf den steilen Anhöhen verschanzt, wartet die kaiserliche Armee Österreichs. 60.

000 Mann hinter Erdwellen und Kanonen. Friedrich der Große sitzt auf seinem Pferd und blickt auf die feindliche Stellung. Neben ihm steht Feldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin, 72 Jahre alt. Ein Mann, der mehr Schlachten geschlagen hat, als die meisten Soldaten je sehen werden. Die beiden wissen, was kommt.

 Dies wird kein elegantes Manöver, keine raffinierte Taktik. Dies wird ein Sturm aus Blut und Eisen. Der siebenjährige Krieg tobt bereits seit einem Jahr. Preußen steht gegen eine Koalition aus Österreich, Frankreich, Russland und Sachsen. Friedrich hat keine Wahl. Er muss angreifen, muss Wien zwingen, Frieden zu schließen, bevor die übermächtige Allianz sein Königreich zermalmt. Prag ist der Schlüssel.

 Wer Prag kontrolliert, kontrolliert Böhmen. Wer Böhmen kontrolliert, kann den Krieg gewinnen. Die österreichischen Kommandeure Prinz Karl von Lotringen und Feldmarschall Brown haben ihre Position klug gewählt. Die Hügel bieten natürlichen Schutz, die Artillerie hat freies Schussfeld und zwischen den beiden Armeen erstreckt sich ein türkischer Sumpf.

 Jeder Angriff wird durch diesen Morast führen müssen, direkt in das Feuer von 100 Kanonen. Friedrich hat in der Nacht seine Armee um die österreichische Flanke herumgeführt. Ein riskantes Manöver, das seine Truppen erschöpft hat. Nun, im Morgengrauen stehen sie bereit. Der Nebel beginnt sich zu lichten. Die Österreicher entdecken die Preußen.

 Die ersten Kanonen donnern. Was in den nächsten Stunden geschehen wird, wird als eines der blutigsten Massaker des 18. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. 25 000 Männer werden sterben oder verwundet werden. Feldmarschall Schwerin wird mit der Regimentsfahne in der Hand in den Tod reiten. Die preußische Armee wird den Mythos ihrer Unbesiegbarkeit mit dem Blut ihrer besten Soldaten erkaufen.

 Dies ist die Schlacht bei Prag. Dies ist der Tag, an dem Europa erfuhr, was preußische Disziplin wirklich bedeutet. Wenn Sie historische Schlachten faszinieren, abonnieren Sie diesen Kanal, aktivieren Sie die Glocke, um keine dieser Geschichten zu verpassen. Um zu verstehen, warum 60.000 Männer auf diesen Hügeln bei Prag sterben werden, müssen wir ein Jahr zurückgehen.

1766G. Europa steht am Rand eines Krieges, der den gesamten Kontinent verschlingen wird. Preußen ist ein junges Königreich, erst seit 55 Jahren existent. Friedrich der Große regiert seit 16 Jahren und hat in dieser Zeit sein Reich durch militärische Eroberungen verdoppelt. Er hat Schlesien von Österreich genommen, die reichste Provinz der Habsburger.

 Und Maria Theresia, die Kaiserin, wird diese Demütigung niemals vergessen. Österreich, die alte Großmacht, schmiedet eine Allianz, die Preußen vernichten soll. Frankreich, die mächtigste Nation Europas, tritt bei. Russland unter Zarin Elisabeth schickt seine unerschöpflichen Armeen. Sachsen, Schweden, das Heilige römische Reich.

 Alle vereinen sich gegen den preußischen Emporkömmling. Nur Großbritannien steht an Friedrichs Seite, aber die Briten kämpfen vor allem auf See und in den Kolonien. Friedrich erkennt die Gefahr sofort. Wenn er wartet, bis seine Feinde bereit sind, wird Preußen zwischen drei Armeen zerquetscht werden. Also greift er zuerst an.

 Im August 1756G marschiert er in Sachsen ein, besiegt die sächsische Armee bei Pirner und zwingt sie zur Kapitulation. 23 000 sächsische Soldaten werden in die preußische Armee eingezogen. Sachsen selbst wird besetzt, aber dieser erste Schlag löst die Katastrophe aus. Die Koalition erklärt Preußen offiziell den Krieg.

 Drei riesige Armeen bereiten sich vor, in preußisches Territorium einzumarschieren. Aus dem Westen kommt Frankreich mit 100.000 Mann. Aus dem Osten kommt Russland mit noch mehr. Aus dem Süden kommt Österreich. Friedrich hat 200.000 Soldaten, aber er kann sie nicht teilen. Wenn er eine Front verteidigt, kollabieren die anderen. Seine einzige Chance ist Geschwindigkeit.

 Er muss seine Feinde einzeln schlagen, bevor sie sich vereinen können. Im Frühjahr 1757 trifft Friedrich eine Entscheidung, die den Krieg entscheiden könnte. Er wird nicht warten, bis die Österreicher nach Schlesien vorstoßen. Er wird nach Böhmen marschieren, direkt ins Herz der Habsburgischen Macht. Wenn er Prag nimmt, wenn er die österreichische Hauptarmee zerschlägt, könnte er Wien zwingen, aus dem Krieg auszuscheiden, bevor Frankreich und Russland richtig mobilisiert haben.

 Es ist ein gewaltiges Risiko. Böhmen ist österreichisches Kernland, gut verteidigt mit Festungen und starken Garnisonen. Die österreichische Armee dort wird von zwei erfahrenen Kommandeuren geführt. Prinzl von Lotringen, Schwager der Kaiserin, ein vorsichtiger defensiver General und Feldmarschall Maximilian Julyses von Brown, ein Ireichischen Dienst, einer der besten Taktiker Europas.

Bra hat die österreichische Armee modernisiert, ihre Artillerie verbessert, ihre Infanterie nach preußischem Vorbild trainiert. Er kennt Friedrichs Methoden. Er hat seine Taktiken studiert. Die österreichische Armee von 1757 CIE ist nicht mehr die unorganisierte Masse, die Friedrich in den früheren Kriegen geschlagen hat.

 Friedrich marschiert im April mit zwei Armeen nach Böhmen. Er selbst führt die Hauptarmee 65 000 Mann. Sein Bruder, der Herzog von Bewern, führt eine zweite Armee von 19 000 Mann. Sie sollen sich bei Prag vereinen und die österreichische Hauptarmee einkesseln. Die österreichische Armee unter Prinz Karl und Feldmarschall Brown zählt 60.

000 Mann. Sie sind gut versorgt. Gut positioniert. Brown wählt eine defensive Stellung auf den Hügeln östlich von Prag mit der Stadt im Rücken. Von hier aus kann er die preußischen Annäherungswege kontrollieren. Seine Artillerie, über 100 Kanonen, steht auf den Anhöhen und beherrscht das gesamte Gelände. Friedrich erreicht Prag am 4. Mai.

 Er sieht sofort das Problem. Die österreichische Stellung ist stark, zu stark für einen frontalen Angriff. Zwischen seiner Armee und den österreichischen Hügeln liegt ein breiter Sumpf, der jede Formation auflösen wird. Die österreichischen Kanonen werden seine Soldaten abschlachten, während sie durch den Morast warten.

 Aber Friedrich hat keine Zeit zu warten. Jede Woche, die vergeht, bringt die französische und russische Armee näher. Er muss jetzt zuschlagen, trotz der schrecklichen Bedingungen. Er entscheidet sich für einen Flankenangriff. In der Nacht zum 5. Mai führt er seine gesamte Armee um die österreichische rechte Flanke herum. Ein erschöpfender Nachtmarsch durch unwegsames Gelände.

 Die preußische Armee ist eine Maschine. Ihre Infanterie kann dreimal schneller feuern als jede andere Armee Europas. Ihre Disziplin ist legendär, aber selbst die besten Soldaten sind nur Menschen. Sie sind müde vom langen Marsch, hungrig. Durstig und sie wissen, was sie am nächsten Morgen erwartet. Am Abend des 5.

 Mai stehen 64 000 preußische Soldaten in Position, bereit für den Angriff bei Tagesanbruch. Auf der anderen Seite hinter ihren Befestigungen warten die Österreicher. Die Kanonen sind geladen, die Lunden glühen. In wenigen Stunden wird die Hölle losbrechen. Der 5. Mai 1757 EIG. Die preußische Armee hat die Nacht damit verbracht, ihre Positionen einzunehmen.

 Friedrich der Große steht mit seinen Generälen auf einem Hügel und studiert durch sein Fernrohr die österreichische Aufstellung. Was er sieht, gefällt ihm nicht. Die Österreicher haben eine nahezu perfekte Defensivposition gewählt. Ihre rechte Flanke lehnt sich an den Fluss Moldau an. Ihre linke Flanke wird durch steile bewaldete Hügel geschützt.

 In der Mitte auf den sanften Anhöhen, stehen die Hauptstreitkräfte in drei gestaffelten Linien. Die erste Linie besteht aus Infanterie hinter Erdwellen, die zweite Linie aus Cavallerie, bereit zum Gegenangriff, die dritte Linie aus Reserven und Artillerie. Feldmarshall Brown hat sein Handwerk verstanden.

 Er hat die Kanonen so positioniert, dass sie das gesamte Vorfeld bestreichen können. Zwischen der preußischen Aufmarschposition und den österreichischen Linien liegt der Sumpf. Ein breiter Streifen morastigen Geländes, durchzogen von Bächen und Tümpeln. Jede Infanterieformation, die dorthindurchmarschiert, wird ihre Ordnung verlieren.

 Friedrichsgeneräle sind skeptisch. Feldmarschall Schwerin, der älteste und erfahrenste von ihnen, spricht aus, was alle denken. Ein frontaler Angriff durch den Sumpf wäre Selbstmord. Die Soldaten würden im Morast stecken bleiben, während die österreichischen Kanonen sie zusammenschießen. Selbst wenn einige Regimenter die Hügel erreichen, wären sie so desorganisiert, dass die österreichische Kavallerie sie niedermachen würde.

 Friedrich hört zu, aber seine Entscheidung steht bereits fest. Er kann nicht warten. Seine Armee lebt von dem, was sie in Sachsen und Böhmen plündert. Jeder Tag kostet Geld. das Preußen nicht hat. Schlimmer noch, jeder Tag erlaubt es den Franzosen und Russen näher zu kommen. Wenn er Prag nicht schnell nimmt, wird er zwischen drei Armeen eingekesselt sein.

 Es gibt nur eine Möglichkeit. Er muss die österreichische rechte Flanke umgehen. Wenn er seine Armee östlich um die feindliche Stellung herumführt, kann er die Österreicher von ihrer Nachschubverbindung nach Wien abschneiden. Prinz Karl wird gezwungen sein, seine Stellung zu verlassen und zu kämpfen. Oder er wird eingeschlossen sein.

 Der Plan ist kühn, aber gefährlich. Der Marsch wird die Armee einen ganzen Tag kosten. Die Soldaten sind bereits erschöpft vom wochenlangen Feldzug. Außerdem wird die Armee während des Marsches verwundbar sein. Wenn die Österreicher den Manöver bemerken und angreifen, während die Preußen auf dem Marsch sind, könnte die gesamte Armee vernichtet werden.

 Friedrich gibt den Befehl. Am Nachmittag des 4. Mai beginnt die preußische Armee ihre Bewegung. 64 000 Mann setzen sich in Marsch. Eine endlose Kolonne von Infanterie, Kavallerie und Artillerie. Der Marsch führt durch hügeliges, teilweise bewaldetes Gelände. Die Straßen sind schlecht, die Wagen bleiben stecken, die Artillerie muss mühsam über steinige Pfade gezogen werden.

 Die österreichischen Beobachtungsposten bemerken die Bewegung. Feldmarshall Brown erkennt sofort, was Friedrich vorhat. Er schlägt Prinz Karl vor, die Preußen während des Marsches anzugreifen, sie in der Flanke zu treffen, während sie in langen verwundbaren Kolonnen marschieren. Aber Prinz Karl lehnt ab.

 Er will die defensive Position nicht aufgeben. Er glaubt, dass die preußische Armee sich erschöpfen wird und dann leichter zu schlagen sein wird. Es ist ein fataler Fehler. Brown kann seine Frustration kaum verbergen, aber er gehorcht. Die österreichische Armee bleibt in ihrer Stellung und beobachtet, wie die Preußen vorbeiziehen.

Die Nacht vom vierten zum 5. Mai ist für die preußischen Soldaten eine Tortur. Sie marschieren im Dunkeln, stolpern über Wurzeln und Steine, fluchen leise. Es gibt keine Feuer, kein warmes Essen. Friedrich will nicht, dass die Österreicher die genaue Position seiner Truppen erkennen. Die Soldaten müssen mit kalten Rationen auskommen, mit trockenem Brot und geräuchertem Fleisch.

Gegen 3 Uhr morgens erreicht die Vorhut ihre Position. Die restlichen Einheiten treffen im Morgengrauen ein. Friedrich hat seine Armee nun östlich der österreichischen Stellung konzentriert, aber die Situation ist nicht so, wie er gehofft hatte. Die Österreicher haben ihre Linie nach Osten verlängert. Ihre rechte Flanke ist nicht ungeschützt.

Brown hat während der Nacht Truppen verschoben und neue Befestigungen angelegt. Der preußische Angriff wird nun doch durch schwieriges Gelände führen müssen. Zwischen der preußischen Aufstellung und den österreichischen Linien liegen Sympfe, Bäche und steile Hänge. Die österreichischen Kanonen haben freies Schussfeld.

 Jeder Meter wird mit Blut bezahlt werden müssen. Friedrich ruft seine Generäle zusammen. Schwerin, der alte Kriegshund, sagt nichts, aber sein Gesicht spricht Bände. General von Winterfeld, Friedrichs Stabschef, schlägt vor, die Armee zurückzuziehen und eine bessere Position zu suchen. Friedrich schüttelt den Kopf. Es gibt kein zurück mehr.

 Die Armee hat zwei Tage ohne richtige Versorgung verbracht. Die Moral wird sinken, wenn er jetzt zurückweicht. Schlimmer noch, die Österreicher werden ermutigt sein. Ergibt den Angriffsbefehl. Die Schlacht wird am Morgen des 6. Mai beginnen. Die Infanterie wird in vier großen Kolonnen vorrücken.

 Die Kavallerie wird auf den Flanken folgen, bereit jeden Durchbruch auszunutzen. Die Artillerie wird so nahe wie möglich an die feindlichen Linien herangeführt werden, um die österreichischen Kanonen zu neutralisieren. Die preußischen Soldaten verbringen die letzten Stunden vor der Schlacht in nervöser Stille. Sie reinigen ihre Musketen, schärfen ihre Bayonette, beten leise.

 Viele schreiben letzte Briefe nach Hause, die sie ihren Kameraden anvertrauen. Sie wissen, was kommt. Sie haben die österreichische Stellung gesehen. Sie wissen, dass viele von ihnen den Tag nicht überleben werden. Feldmarschall Schwerin reitet durch die Linien seiner Truppen. Die Soldaten sehen ihn, den alten Mann mit dem weißen Haar, der mehr Schlachten geschlagen hat, als die meisten von ihnen Jahre alt sind.

 Seine Anwesenheit beruhigt sie. Wenn Schwerin glaubt, dass sie gewinnen können, dann werden sie gewinnen. Gegen 5 Uhr morgens beginnt der Nebel sich zu lichten. Die Sonne steigt über den Horizont. Die österreichischen Beobachter auf den Hügeln sehen plötzlich die gesamte preußische Armee vor sich aufgebaut. 64 000 Mann in perfekter Formation.

 Ihre Bayonette glitzern im Morgenlicht. Die österreichischen Trommeln schlagen Alarm. Die Soldaten eilen zu ihren Positionen. Die Kanoniere laden ihre Geschütze. Prinz Karl von Lotringen reitet zu Feldmarschall Braune. Die beiden Männer wissen, dass die Entscheidungsschlacht gekommen ist. Um 6 Uhr morgens gibt Friedrich das Signal.

Die preußischen Trommeln beginnen zu schlagen. Die ersten Kolonnen setzen sich in Bewegung. Die Schlacht bei Prag hat begonnen. 6 Uhr morgens. Die preußischen Trommeln schlagen den Marschrhythmus. 64 000 Mann setzen sich gleichzeitig in Bewegung. Eine perfekt orchestrierte Kriegsmaschinerie.

 Die ersten Kolonnen marschieren direkt auf die österreichischen Hügel zu. Ihre Gewehre geschultert, ihre Gesichter ausdruckslos. Die österreichischen Kanonier auf den Anhöhen warten. Feldmarschall Brown hat ihnen befohlen, nicht zu früh zu feuern. Sie sollen warten, bis die Preußen nah genug sind, bis jede Kugel trifft. Die Spannung ist unerträglich.

 Die Männer an den Geschützen schwitzen trotz der morgentlichen Kühle. Bei 700 m Entfernung gibt Brown das Kommando. 100 österreichische Kanonen feuern gleichzeitig. Der Donner ist ohrenbetäubend. Eine riesige Rauchwolke verhüllt die österreichischen Linien. Sekunden später schlagen die Kanonenkugeln in die preußischen Kolonnen ein.

 Die Wirkung ist verheerend. Vollkugeln pflügen durch die dichten Formationen, reißen ganze Reihen von Männern um. Ein einziger Schuss kann sechs, 7, acht Soldaten töten oder verstümmeln. Arme werden abgerissen, Köpfe zerschmettert, Leiber zerfetzt. Das Geschrei der Verwundeten mischt sich mit dem Donnern der Kanonen, aber die preußische Infanterie marschiert weiter.

Das ist ihre Stärke. Das unterscheidet sie von jeder anderen Armee Europas. Jahrelanges brutales Training hat aus diesen Männern Maschinen gemacht. Sie füllen die Lücken, schließen die Reihen, marschieren weiter. Die Trommeln schlagen unerbittlich ihren Rhythmus. Bei vier m beginnt das wahre Grauen. Die preußischen Kolonnen erreichen den Sumpf.

 Das Gelände, das auf den Karten harmlos aussah, erweist sich als Todesmoor. Der Boden ist weich, stellenweise Knie tief. Die perfekten Formationen lösen sich auf. Soldaten sinken ein, stolpern, fallen. Die schwere Ausrüstung zieht sie nach unten. Die österreichischen Kanoniere laden Kartschen, eiserne Kugeln in Blechbüchsen, die sich beim Abfeuern wie riesige Schrotflinten verhalten.

Bei dieser Entfernung verwandelt jeder Schuss einen Bereich von 20 m in eine Todeszone. Die Kathätchen zerfetzen die Preußen, die im Sumpf feststecken und sich nicht ducken können. Das erste Regiment, das den Sumpf durchen soll, ist das Infantergiment Nummer 18. 3000 Mann stark am Morgen. Sie warten in den Morast, ihre Offiziere voran.

 Die österreichischen Kanonen konzentrieren ihr Feuer auf sie. In 10 Minuten verliert das Regiment 800 Mann. Die Überlebenden kämpfen sich weiter durch den Schlamm, aber ihre Formation ist vollkommen aufgelöst. Hinter ihnen folgt das Regiment Nummer 24. Sie sehen die Toten und Verwundeten ihrer Kameraden im Sumpf liegen, aber sie marschieren trotzdem weiter.

 Die Disziplin hält. Friedrich hat seine Soldaten nicht nur trainiert zu kämpfen, er hat sie trainiert zu sterben, ohne zurückzuweichen. Aber selbst die beste Disziplin hat ihre Grenzen. Als das Regiment Nummer 24 die Mitte des Sumpfes erreicht, bricht eine neue Salve österreichischer Kartchen über sie herein.

 Hunderte fallen gleichzeitig. Die Überlebenden zögern, dann beginnen einige zurückzuweichen. Ihre Offiziere brüllen Befehle, ziehen ihre degen, drohen die Feiglinge niederzuschießen. Es hilft nichts. Das Regiment beginnt sich zurückzuziehen. Friedrich sieht durch sein Fernrohr, wie seine erste Angriffswelle zusammenbricht.

 Seine linke Flanke, die durch den Sumpf vorstoßen sollte, steckt fest. Die Regimenter sind durcheinander. Die Verwundeten blockieren den Weg. Die Überlebenden suchen Deckung hinter Erdwellen und toten Pferden. Auf der rechten Flanke sieht es etwas besser aus. Hier ist das Gelände fester, mehr Hügel und weniger Sumpf. General von Mannstein führt seine Division gegen den österreichischen linken Flügel.

 Seine Truppen erreichen die Hänge, beginnen hinaufzuklettern. Aber auch hier wartet die österreichische Artillerie. Die Kanonen sind erhöht positioniert und feuern direkt in die anstürmenden Kolonnen hinein. Mannsteins Division erleidet schreckliche Verluste, aber sie kämpft sich weiter. Die preußischen Soldaten klettern über ihre eigenen Toten, erreichen die ersten österreichischen Stellungen.

 Dort beginnt der Nahkampf. Bayonett gegen Bayonett, Kolben gegen Schädel. Die österreichische Infanterie kämpft verzweifelt, aber die Preußen sind in der Überzahl und besser trainiert im Nahkampf. Feldmarschall Brown sieht, dass seine linke Flanke unter Druck gerät. Er befiehlt seiner Reservecavallerie einzugreifen.

3000 österreichische Kyassiere, schwer gepanzerte Reiter auf gewaltigen Pferden, stürmen den Hang hinunter direkt in Mannsteins Infanterie. Die Wirkung ist katastrophal. Die preußische Infanterie, bereits erschöpft vom Angriff, kann keine Defensivformation bilden. Die österreichischen Reiter brechen durch die Linien, hauen mit ihren Säbeln auf die wehrlosen Soldaten ein.

 Mannsteins Division bricht zusammen, flieht zurück den Hang hinunter, verfolgt von den triumphierenden Kyassieren. Jetzt ist die gesamte preußische Angriffslinie in Gefahr. Die linke Flanke steckt im Sumpf fest. Die rechte Flanke ist zurückgeschlagen worden. In der Mitte haben die österreichischen Kanonen eine Zone des Todes geschaffen, durch die niemand lebend kommt.

Friedrichs gesamter Schlachtplan droht zusammenzubrechen. Die Uhr zeigt 7 Uhr morgens. Die Schlacht dauert erst eine Stunde, aber die preußische Armee hat bereits über 3000 Mann verloren. Die Verwundeten liegen überall auf dem Schlachtfeld, schreien nach Wasser, nach Hilfe, nach dem Tod.

 Die Fälscher können nicht zu ihnen gelangen, weil das österreichische Artilleriefeuer nicht aufhört. Friedrich steht auf seinem Kommandohügel und sieht seine Armee scheitern. Seine Generäle drängen ihn, den Angriff abzubrechen, die Truppen zurückzuziehen, eine neue Strategie zu entwickeln, aber Friedrich weiß, dass es kein zurückgibt. Wenn er jetzt zurückweicht, wird die Moral seiner Armee brechen.

 Die Österreicher werden ermutigt sein. Der Mythos der preußischen Unbesiegbarkeit wird zerstört. Er befiehlt, frische Truppen in den Kampf zu werfen. Die zweite Angriffswelle setzt sich in Bewegung. 20.000 Mann marschieren über das Schlachtfeld, über die Leichen ihrer Kameraden direkt in das österreichische Feuer hinein.

 Auf den österreichischen Hügeln jubeln die Soldaten. Sie sehen die Preußen zurückweichen, sehen ihre eigene Kavallerie triumphieren. Prinz Karl von Lotringen glaubt bereits an den Sieg. Er sendet einen Kurier nach Wien. mit der Nachricht, dass die preußische Armee geschlagen wird. Aber Feld Marschall Brown ist vorsichtiger. Er sieht durch sein Fernrohr, dass Friedrich neue Truppen heranbringt.

 Er sieht, dass die preußische Artillerie endlich in Stellung geht, dass preußische Kanonen beginnen, das österreichische Feuer zu erwidern. Er weiß, dass die Schlacht noch nicht entschieden ist und dann sieht er etwas, das ihn erschreckt. Auf dem preußischen rechten Flügel, wo Mannsteins Division zurückgeschlagen wurde, formiert sich eine neue Einheit.

 Es ist die Elite der preußischen Armee, die Garderegimenter unter dem Kommando von Feldmarschall Schwerin persönlich. Schwerin, der 72-jährige Veteran, hat gesehen, wie die erste Angriffswelle gescheitert ist. Er hat gesehen, wie junge Soldaten im Sumpf starben, wie ganze Regimenter zusammenbrachen und er hat eine Entscheidung getroffen.

Wenn diese Schlacht gewonnen werden soll, dann muss jemand den Soldaten zeigen, dass der Sieg möglich ist. Jemand muss vorangehen, ohne Rücksicht auf die Gefahr. Schwerin gibt den Befehl. Seine Garderegimenter setzen sich in Bewegung. 6000 der besten Soldaten Preußens marschieren direkt auf die österreichischen Hügel zu.

 Schwerin selbst reitet an ihrer Spitze, hoch aufgerichtet auf seinem Pferd, als wären die österreichischen Kanonen nur harmlose Spielzeuge. Die österreichische Artillerie konzentriert ihr gesamtes Feuer auf diese neue Bedrohung. Dutzende von Kanonen feuern gleichzeitig. Die preußische Garde erleidet schreckliche Verluste, aber sie marschiert weiter.

 Die Disziplin hält noch. Dann bei 300 m Entfernung geschieht etwas Unerwartetes. Die vordersten Kompanien der Garde beginnen zu zögern. Das Feuer ist zu intensiv, die Verluste zu hoch. Einige Soldaten bleiben stehen, suchen Deckung. Die Formation beginnt sich aufzulösen. Feldmarschall Schwerin sieht, was passiert.

 Er weiß, dass dies der kritische Moment ist. Wenn die Garde zurückweicht, ist die Schlacht verloren. Wenn sie vorstößt, gibt es noch eine Chance. Er trifft seine Entscheidung. Feldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin sieht die Angst in den Augen seiner Soldaten. Die Elite der preußischen Armee, Männer, die in 20 Schlachten gekämpft haben, zögern vor dem österreichischen Feuer.

 Er versteht sie. Das Artilleriefeuer ist mörderisch, methodisch, unerbittlich. Jede Sekunde fallen Männer. Die Schreie der Verwundeten sind ohrenbetäubend, aber Schwerin weiß, dass dieser Moment die Schlacht entscheiden wird. Wenn die Garde jetzt zurückweicht, werden alle anderen Regimenter folgen. Die gesamte preußische Armee wird in panischer Flucht auseinanderbrechen.

Friedrich wird geschlagen sein. Preußen wird verloren sein. Der alte Feldmarschall steigt vom Pferd. Seine Adjutanten starren ihn ungläubig an. Was macht er? Ein General gehört auf sein Pferd, von wo aus er die Truppen kommandieren kann. Aber Schwerin hat keinen Befehl mehr zu geben. Worte werden diese Männer nicht mehr bewegen.

Nur eine Tat kann das. Er geht zum Fahnenträger des ersten Garderegiments. Der junge Soldat hält die Regimentsfahne, das heiligste Symbol der Einheit, das blaue Tuch mit dem preußischen Adler. Schwerin nimmt ihm die Fahne aus den Händen. Der Fahnenträger will protestieren, aber die Worte bleiben ihm im Hals stecken.

 Ein Feldmarschall trägt keine Fahne. Das ist die Aufgabe eines einfachen Soldaten. Schwerin hebt die Fahne hoch über seinen Kopf. Seine Stimme durchdringt den Lärm der Schlacht. Alle braven Kerle, die ihren König lieben, folgen mir. Er dreht sich um und marschiert direkt auf die österreichischen Linien zu. Allein.

 Ein 72-jähriger Mann mit einer Fahne, der in das Feuer von 100 Kanonen geht. Die Wirkung ist elektrisch. Die Soldaten der Garde starren auf ihren Kommandeur. Schwerin, der legendäre Schwerin, der unter drei preußischen Königen gedient hat, der mehr Schlachten geschlagen hat als jeder lebende General, marschiert in den sicheren Tod und er tut es für sie, um ihnen zu zeigen, dass Mut wichtiger ist als Leben.

 Ein Leutnand brüllt: “Vorwärts, folgt dem Feldmarschall.” Die Garde setzt sich in Bewegung, nicht in perfekter Formation, nicht im Gleichschritt, sondern als Masse entschlossener Männer, die ihren Kommandeur nicht im Stich lassen werden. Sie stürmen vorwärts, schreien, ihre Bayonette gerichtet. Schwerin marschiert voran, die Fahne hoch erhoben.

 Er ist eine perfekte Zielscheibe. Jeder österreichische Kanonier auf den Hügeln kann ihn sehen. Die Offiziere der österreichischen Artillerie schreien Befehle. Die Geschütze werden auf den alten Mann mit der Fahne gerichtet. Die erste Salve verfehlt ihn knapp. Katchenkugeln zischen an seinem Kopf vorbei, schlagen neben ihm in den Boden ein.

 Schwerin marschiert weiter, ohne zu zögern, ohne sich zu ducken. Seine Augen sind auf die österreichischen Linien gerichtet, 200 m, 150 m. Die preußische Garde stürmt hinter ihm her. Sie haben ihre Furcht überwunden. Sie sehen nur noch ihren Kommandeur, den Mann, der bereit ist für sie zu sterben. Sie werden ihn nicht allein lassen. Sie werden diese Hügel nehmen oder dabei sterben.

 Die österreichischen Kanonier laden fieberhaft nach. Die preußische Garde ist zu nah, zu schnell. noch eine Salve, vielleicht zwei, dann werden die Preußen die Geschütze erreichen. Die Männer an den Kanonen schwitzen, ihre Hände zittern. Sie wissen, was passiert, wenn preußische Infanterie die Artilleriestellungen erreicht. Es gibt kein Entkommen.

 Schwerin ist jetzt 100 m von den österreichischen Linien entfernt. Die Fahne weht über seinem Kopf. Er kann die Gesichter der österreichischen Soldaten sehen, kann ihre Angst riechen. Noch 50 Schritte, 40, 30. Dann feuern fünf Kanonen gleichzeitig. Eine konzentrierte Salve direkt auf schweren. Die katschenkugeln treffen ihn mit voller Wucht.

 Fünf Kugeln durchschlagen seinen Körper. Eine trifft ihn in die Brust, eine in den Bauch, drei in Arme und Schultern. Die Wucht der Einschläge schleudert ihn rückwärts. Schwerin fällt. Die Fahne entgleitet seinen Händen, flattert zu Boden. Der alte Feldmarschall auf der Stelle tot. Sein Körper liegt im Gras, durchlöchert von österreichischen Kugeln.

 Das Blut sickert in die bömische Erde. Die preußische Garde sieht ihren Kommandeur fallen. Für einen Moment herrscht entsetztes Schweigen. Schwerin ist tot. Der unbesiegbare Schwerin, der Held von Mollwitz und hohen Friedberg, liegt tot auf dem Schlachtfeld. Dann geschieht etwas Unerwartetes. Statt zu brechen, statt zurückzuweichen, verwandelt sich das Entsetzen in rasende Wut.

Die Soldaten der Garde schreien nicht aus Angst, sondern aus Zorn. Die Österreicher haben ihren Vater getötet, den Mann, der sie durch ein Dutzend Schlachten geführt hat. Das wird nicht ungerecht bleiben. Ein junger Frich stürzt vor, hebt die gefallene Fahne auf. Für Schwer brüllt er für Preußen. Die Garde stürmt vorwärts, eine Welle aus Stahl und Hass.

 Sie haben jede Vorsicht vergessen, jede Furcht. Sie wollen nur noch eines. Die österreichischen Linien erreichen und Rache nehmen. Die österreichischen Kanoniere schaffen es noch eine Salve abzufeuern. Sie tötet weitere hundert Preußen, aber sie stoppt die Garde nicht. Die Überlebenden erreichen die Geschütze, springen über die Erdwelle, stürzen sich auf die Kanoniere.

Es ist keine Schlacht mehr. Es ist ein Massaker. Die preußischen Soldaten töten mit einer Brutalität, die selbst erfahrene Offiziere erschreckt. Sie erstechen die Kanoniere mit ihren Bayonetten, erschlagen sie mit Gewehrkolben, erdrosseln sie mit bloßen Händen. Die österreichische Artilleriebesatzung wird in Minuten vernichtet.

 20 Kanonen fallen in preußische Hände, aber die Garde stoppt nicht. Sie stürmt weiter direkt in die österreichische Infanterielinie hinein. Die österreichischen Soldaten, erschrocken von der Wildheit des Angriffs, beginnen zurückzuweichen. Ihre Offiziere brüllen Befehle, ziehen ihre Säbel, versuchen die Linie zu halten. Es hilft nichts.

 Die preußische Garde ist eine Naturgewalt. Friedrich der Große sieht durch sein Fernrohr, wie Schwerins Garde die österreichischen Linien durchbricht. Er sieht auch den leblosen Körper seines besten Generals auf dem Schlachtfeld liegen. Tränen laufen über sein Gesicht. Er hat Schwerin seit seiner Jugend gekannt, hat ihn als Mentor, als Freund, als den fähigsten General seiner Armee geschätzt.

 Aber Friedrich kann nicht trauern, nicht jetzt. Schwer ins Opfer hat die Schlacht gewendet. Die österreichische Linie ist durchbrochen. Jetzt muss er diesen Vorteil ausnutzen, bevor die Österreicher sich erholen. Er gibt den Befehl zum Generalangriff. Über das gesamte Schlachtfeld hinweg setzen sich die preußischen Regimenter in Bewegung.

 Die Truppen, die im Sumpf festsaßen, kämpfen sich mit erneuertem Mut vorwärts. Die Kavallerie auf den Flanken beginnt zu manövrieren, sucht nach Lücken in der österreichischen Verteidigung. Die Reserveregimenter marschieren auf, bereit den Durchbruch zu erweitern. Die österreichische Armee ist in Verwirrung. Ihre linke Flanke ist zusammengebrochen.

Die preußische Garde hat ein Loch in ihre Verteidigungslinie gerissen. Feldmarschall Brown versucht verzweifelt, die Lücke zu schließen. Er befiehlt seiner Reserveinfanterie die durchgebrochenen Preußen zu stoppen. Er befiehlt seiner Kavallerie einen Gegenangriff zu reiten, aber es ist zu spät.

 Schwerins Opfer hat nicht nur die preußische Garde inspiriert, sondern die gesamte Armee. 64 000 Männer haben gesehen, wie ein 72-jähriger General mit einer Fahne in der Hand in den Tod marschiert ist. Sie haben gesehen, wie er sein Leben gab, damit sie siegen können. Die preußischen Soldaten werden dieses Opfer nicht verschwenden. Sie stürmen vorwärts mit einer Entschlossenheit, die die Österreicher nie zuvor gesehen haben.

 Die Schlacht hat sich gewendet. Schwer ins Blut hat den Weg zum Sieg geebnet. Auf dem Schlachtfeld liegt der Körper des alten Feldmarschalls, die Fahne neben ihm im blutgetränkten Gras. Um ihn herum tobt die Hölle weiter, aber Schwerin ist davon befreit. Er ist in den Tod gegangen, wie er gelebt hat, an der Spitze seiner Truppen, furchtlos, seinem König und seinem Land treu bis zum letzten Atemzug.

7:30 Uhr. Schwerins Tod hat die Schlacht in eine neue Phase katapultiert. Die preußische Armee stürmt mit erneutem Fanatismus vorwärts. Jedes Regiment will das Opfer des Feldmarschalls rechen. Die österreichische Verteidigung, eben noch solide und methodisch, beginnt an mehreren Stellen gleichzeitig zu bröckeln.

 Die preußische Garde, die den ersten Durchbruch erzielt hat, kämpft sich tiefer in die österreichischen Linien. Sie haben 20 Kanonen erobert und drehen diese nun gegen ihre ehemaligen Besitzer. Preußische Kanoniere übernehmen die erbeuteten Geschütze und beginnen auf die österreichischen Reserven zu feuern. Die Wirkung ist verheerend.

 Die Österreicher haben nicht erwartet, aus dieser Richtung beschossen zu werden. Prinz Karl von Lotringen erkennt die Gefahr. Seine linke Flanke ist durchbrochen, seine Artillerie teilweise verloren. Wenn er nicht schnell handelt, wird die gesamte Armee eingekesselt werden. Er befiehlt General Lukese mit drei frischen Infanterieregimentern die Lücke zu schließen.

 9000 österreichische Soldaten marschieren direkt auf die preußische Garde zu. Die Garde ist erschöpft. Sie haben den Sumpf durcht, sind den Hügel hinaufgestürmt, haben die österreichische Artillerie im Nahkampf überrannt. Ihre Reihen sind gelichtet, ihre Munition ist knapp. Aber als sie die frischen österreichischen Regimente auf sich zukommen sehen, weichen sie nicht zurück.

 Sie formieren hastig eine Schützenlinie. und eröffnen das Feuer. Die österreichische Infanterie unter General Lukese ist gut ausgebildet und diszipliniert. Sie marschieren in perfekter Formation, ihre Gewehre geschultert, trotz des preußischen Feuers. Bei 100 m Entfernung bleiben sie stehen, richten ihre Musketen und feuern ihre erste Salve.

Hunderte von preußischen Gardisten fallen. Der Kampf wird zu einem brutalen Schusswechsel. Beide Seiten stehen sich in 200 m Entfernung gegenüber und feuern Salve um Salve aufeinander ab. Die preußische Infanterie kann schneller laden und feuern. Drei Schuss pro Minute gegen zwei der Österreicher, aber die Österreicher sind in der Überzahl und haben frische Truppen.

 Nach 20 Minuten mörderischen Feuergefechts beginnt die preußische Garde endlich zurückzuweichen. Sie haben über die Hälfte ihrer Männer verloren. Die Überlebenden sind am Ende ihrer Kräfte. General Lukese sieht seinen Vorteil und befiehlt den Bayonettangriff. Die österreichischen Regimenter stürmen vorwärts mit aufgepflanzten Bayonetten.

 Aber Friedrich hat diesen Moment vorausgesehen. Er hat frische Truppen in Reserve gehalten, genau für diese Situation. Zwei komplette Infanteriedivisionen, 12000 Mann marschieren jetzt auf, um die erschöpfte Garde zu unterstützen. Sie treffen auf die anstürmenden Österreicher in dem Moment, als diese die Garde erreichen.

 Der Zusammenprall ist gewaltig. 20.000 Männer kämpfen auf engstem Raum mit Bayonetten, Kolben und blanken Händen. Es gibt keine Taktik mehr, keine Formation, nur noch rohe Gewalt. Männer stechen aufeinander ein, erschlagen sich, ringen miteinander im Dreck. Das Gras ist rutschig vom Blut. General Lukese versucht seine Truppen zu ordnen, aber im Chaos des Nahkampfes ist jedes Kommando nutzlos.

 Seine Regimenter vermischen sich mit den Preußischen. Freund und Feind sind nicht mehr zu unterscheiden. Offiziere werden von ihren eigenen Männern niedergetrampelt. Fahnenträger verschwinden in der Masse. Nach einer halben Stunde beginnen die österreichischen Regimenter zurückzuweichen. Sie haben ihre Schlagkraft verloren. Ihre Ordnung ist zerstört.

 Die frischen preußischen Divisionen sind zahlenmäßig überlegen und besser im Nahkampf trainiert. General Lukese wird von einer Muskete getroffen, fällt schwer verwundet vom Pferd. Seine Truppen ohne Führung lösen sich auf und fliehen zurück zu den Hauptlinien. Während dieser brutale Kampf um die österreichische linke Flanke tobt, entwickelt sich die Situation in der Mitte des Schlachtfeldes.

 Hier haben die preußischen Regimenter endlich den verfluchten Sumpf überwunden. Es hat sie 2000 Mann gekostet, aber sie haben die andere Seite erreicht und beginnen die Hügel zu erklimmen. Die österreichische Verteidigung in der Mitte steht unter dem Kommando von Feldmarschall Brown persönlich.

 Er hat seine besten Truppen hier positioniert, 20.000 Mann hinter soliden Befestigungen. Als die Preußen den Hang hinaufkommen, erschöpft vom Marsch durch den Sumpf, empfängt Brownsy mit konzentriertem Musketenfeuer. Die ersten preußischen Linien werden buchstäblich niedergemäht. Ganze Kompanien verschwinden in einer einzigen Salve.

 Die Überlebenden werfen sich zu Boden, suchen Deckung hinter Felsen und Totenkameraden, aber die nächsten Wellen kommen bereits nach. Friedrich hat 20 Regimenter auf diesen Abschnitt konzentriert. Er wird die österreichische Mitte mit schierem Gewicht an Männern erdrücken. Brown erkennt, dass er nicht genug Truppen hat, um alle preußischen Angriffe abzuwehren.

 Seine linke Flanke ist bereits zusammengebrochen. Wenn jetzt auch die Mitte fällt, ist die Schlacht verloren. Er braucht Verstärkung. Er schickt einen Kurier zu Prinz Karl mit der dringenden Bitte um Reservgimente. Aber Prinz Karl hat ein eigenes Problem. Auf der österreichischen rechten Flanke am Fluss Moldau hat die preußische Kavallerie endlich einen Weg gefunden, die Verteidigung zu umgehen.

 10 000 preußische Dragoner und Kürassiere haben einen Furt im Fluss gefunden und setzen über. Sie bedrohen nun die österreichische Nachschubverbindung nach Prag. Prinzl muss eine furchtbare Entscheidung treffen. Soll er Brown in der Mitte verstärken oder seine rechte Flanke gegen die preußische Kavallerie verteidigen? Er wählt die Flanke.

 Er befiehlt vier Reservgimenter, die anrückende preußische Kavallerie zu stoppen. Brown erhält keine Verstärkung. In der Mitte intensiviert sich die Schlacht zu einem Gemetzel. Die preußischen Regimenter klettern über Berge von Leichen, ihre eigenen und die der Österreicher. Jeder Meter Boden wird dreimal erobert und wieder verloren.

 Offiziere auf beiden Seiten fallen in erschreckenden Zahlen. Ganze Bataillone werden aufgerieben und durch frische Truppen ersetzt, nur um in der nächsten Stunde dasselbe Schicksal zu erleiden. Feldmarschall Brown ist überall gleichzeitig. Er reitet entlang der Linien, ermutigt seine Soldaten, verschiebt Regimenter, um Lücken zu schließen.

 Seine Uniform ist mit Blut bespritzt. Sein Pferd hat bereits drei Wunden, aber er weicht nicht zurück. Er weiß, dass seine Männer ihn sehen müssen, dass seine Anwesenheit sie stärkt. Dann gegen 9 Uhr morgens trifft ihn eine preußische Kanonenkugel. Sie trifft sein Pferd zuerst, zerschmettert das Tier und schleudert Brown zu Boden. Der Aufprall ist brutal.

Brown versucht aufzustehen, aber sein Körper gehorcht nicht. Der Sturz hat mehrere Rippen gebrochen, innere Verletzungen verursacht, Blut sickert aus seinem Mund. Seine Adjutanten eilen herbei, heben ihn auf, tragen ihn von der Frontlinie weg. Brown protestiert, befiehlt ihnen ihn zurückzubringen, aber er ist zu schwach.

 Die Schmerzen sind unerträglich. Er verliert das Bewusstsein. Der Fall von Feldmarschall Brown ist ein Wendepunkt. Die österreichische Armee verliert ihren fähigsten Kommandeur genau in dem Moment, als sie ihn am dringendsten braucht. Prinz Karl von Lotringen ist ein anständiger Administrator, aber kein Schlachtfeldgeneral. Ohne Browns taktisches Genie beginnt die österreichische Verteidigung zu wanken.

Die preußischen Offiziere bemerken die Verwirrung in den österreichischen Linien. Die Befehle kommen langsamer. Die Manöver sind weniger koordiniert. Sie nutzen jeden Vorteil aus. Regiment um Regiment wirft sich auf die österreichischen Stellungen. Die Österreicher kämpfen verzweifelt, aber sie werden langsam zurückgedrängt.

Um 10 Uhr morgens durchbricht die preußische Infanterie endlich die österreichische Mittellinie. 5000 Preußen stürmen durch die Lücke, überrennen die Reserveartillerie, wenden sich dann nach links und rechts, um die benachbarten österreichischen Regimenter von hinten anzugreifen. Die österreichische Verteidigung kollabiert wie ein Kartenhaus.

Regimenter, die eben noch standhaft kämpften, finden sich plötzlich von allen Seiten angegriffen. Offiziere verlieren die Kontrolle über ihre Truppen. Soldaten werfen ihre Waffen weg und fliehen. Prinz Karl von Lotringen sieht, dass die Schlacht verloren ist. Seine Armee zerfällt vor seinen Augen. Er hat nur noch eine Option, einen geordneten Rückzug nach Prag, bevor die gesamte Armee eingekesselt wird.

 Er gibt den Befehl zum allgemeinen Rückzug, aber ein geordneter Rückzug ist leichter befohlen als ausgeführt. Die preußische Kavallerie hat bereits die Rückzugswege abgeschnitten. Die österreichischen Regimenter, die versuchen sich zurückzuziehen, finden sich von preußischen Reitern verfolgt.

 Der Rückzug verwandelt sich in eine Flucht. Die Flucht verwandelt sich in eine Panik. Die preußischen Dragoner reiten die fliehenden Österreicher nieder, hauen mit ihren Säbeln auf wehrlose Soldaten ein. Tausende werfen ihre Waffen weg, heben die Hände, ergeben sich. Andere versuchen, den Fluss Moldau zu durchschwimmen und ertrinken im kalten Wasser.

 Die Straßen nach Prag sind verstopft mit flüchtenden, verwundeten, umgestürzten Wagen. Friedrich der Große gibt den Befehl zur Verfolgung. Er will die österreichische Armee vernichten, nicht nur schlagen. Die gesamte preußische Armee setzt sich in Bewegung, verfolgt die fliehenden Österreicher bis zu den Mauern von Prag.

 Die Verfolgung dauert bis zum Abend. Tausende weitere Österreicher werden getötet oder gefangen genommen. Als die Dunkelheit endlich dem Gemetzel ein Ende setzt, ist die Schlacht bei Prag vorbei. Die preußische Armee hat gesiegt, aber der Preis ist schrecklich. 6 Uhr abends. Die Sonne sinkt über dem Schlachtfeld bei Prag.

 Die Kanonen schweigen endlich. Der Rauch verzieht sich langsam und enthüllt ein Bild des Grauens, das selbsterfahrene Soldaten erschüttert. Das gesamte Gelände zwischen den preußischen Ausgangsstellungen und den österreichischen Hügeln ist bedeckt mit Toten und Verwundeten. Sie liegen zu Tausenden im Sumpf, auf den Hängen, in den eroberten Stellungen, manche in ordentlichen Reihen, dort, wo ganze Kompanien durch Kartätchenfeuer niedergemäht wurden, andere in Wirrenhaufen, wo der Nahkampf getobt hat. Die Schreie der Verwundeten

erfüllen die Luft. Tausende von Männern liegen mit zerschmetterten Gliedmaßen, durchbohrten Leibern, zertrümmerten Schädeln auf dem Feld. Sie rufen nach Wasser, nach ihren Müttern, nach dem Tod. Die Fälscher versuchen zu helfen, aber es sind zu viele. Sie können nur die behandeln, die eine Überlebenschance haben. Die Zahlen sind erschreckend.

 Die preußische Armee hat 14300 Mann verloren, fast ein Viertel der gesamten Streitmacht. Einige Regimenter existieren praktisch nicht mehr. Das Infanterieregiment Nummer 18, 3000 Mann stark am Morgen, zählt noch 800 kampffähige Soldaten. Das Regiment Nummer 24 hat zwei Drittel seiner Männer verloren. Die österreichischen Verluste sind ebenfalls katastrophal.

 10700 Tote und Verwundete. Dazu kommen 5000 Gefangene, Soldaten, die während der Flucht nach Prag überrannt wurden. Über 100 Kanonen sind in preußische Hände gefallen. 90 Fahnen, das Symbol der Ehre jedes Regiments, wurden erbeutet. Feldmarschall Brown liegt in einem Bauernhaus von Militärzten umgeben. Seine inneren Verletzungen sind schwer.

Die Ärzte können wenig tun, außer ihm Opium gegen die Schmerzen zu geben. Braune weiß, dass er stirbt. Er diktiert seine letzten Befehle, seine letzten Briefe. Am 13. Juni, 5 Wochen nach der Schlacht wird er seinen Verletzungen erliegen. General Lukese ist ebenfalls schwer verwundet. Eine Muskete hat ihm die linke Schulter zerschmettert.

 Er wird überleben, aber nie wieder eine Armee führen können. Dutzende andere österreichische Offiziere sind gefallen. Die kaiserliche Armee hat nicht nur Soldaten verloren, sondern eine ganze Generation von Führern. Auf preußischer Seite ist der Verlust von Feldmarschall Schwerin der schwerste Schlag.

 Friedrich der Große reitet am Abend persönlich zu der Stelle, wo Schwerin gefallen ist. Der Körper des alten Generals liegt noch dort, wo er gestorben ist, die Fahne neben ihm. Friedrich steigt vom Pferd, kniet neben seinem toten Freund nieder. Zeugen berichten später, dass der König weinte. Friedrich, der sonst seine Emotionen streng kontrolliert, verliert für einen Moment seine Fassung.

 Schwerin war mehr als nur ein General. Er war ein Mentor, ein Vaterersatz, der Mann, der Friedrich das Kriegshandwerk gelehrt hatte. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die niemals gefüllt werden kann. Schwerin wird mit vollen militärischen Ehren begraben. Seine Leiche wird nach Preußen überführt, wo sie in der Familiengruft beigesetzt wird.

 Friedrich befiehlt, ein Monument zu errichten. Auf dem Schlachtfeld bei Prag wird ein Gedenkstein aufgestellt mit der Inschrift: “Hier fiel der tapferste Mann Preußens für seinen König.” Die gewöhnlichen Soldaten haben keinen Anspruch auf solche Ehren. Die Toten werden in Massengräbern verschart, hunderte in jeder Grube.

 Die preußischen und österreichischen Leichen werden getrennt begraben. Selbst im Tod bleiben die Armeen gespaltet. Arbeitskommandos aus beiden Armeen und aus der Prager Zivilbevölkerung arbeiten tagelang, um alle Toten zu beerdigen. Die Verwundeten erleiden oft ein schlimmeres Schicksal als die Toten. Die Medizin des 18. Jahrhunderts kennt keine Antisepsis, keine Anästhesie, außer Alkohol und Opium.

 Chirurgen amputieren zerschmetterte Gliedmaßen mit Sägen und ohne Betäubung. Die meisten Patienten sterben später an Wundfieber oder Blutvergiftung. Die preußischen Feldlazarette sind überfüllt. 10000 Verwundete liegen auf Stroh in Scheunen und Kirchen. Die Ärzte arbeiten bis zur Erschöpfung, aber sie können nicht alle retten.

 In den nächsten Wochen sterben weitere 3000 Mann an ihren Wunden. Die österreichischen Verwundeten in Prag leiden noch mehr. Die Stadt ist überfüllt mit Flüchtlingen und fliehenden Soldaten. Nahrung und Medizin werden knapp. Die Schlacht hat nicht nur Soldaten getötet. Die Zivilbevölkerung der umliegenden Dörfer hat ebenfalls gelitten.

 Viele Bauernhöfe wurden von plündernden Soldaten zerstört. Felder sind von tausenden marschierender Füße zertrampelt. Die Ernte dieses Jahres wird miserabel sein. Hunger wird folgen. Die Zahlen allein können das Ausmaß der Katastrophe nicht erfassen. 25 000 Männer tot oder verwundet in weniger als 6 Stunden.

 Das sind über 4000 Opfer pro Stunde, 70 pro Minute. In jeder einzelnen Minute der Schlacht starb oder wurde ein Mann verwundet. Das ist keine Schlacht mehr. Das ist industrialisierte Tötung. Die Nachrichten von der Schlacht verbreiten sich schnell über Europa. In Wien herrscht Schock und Trauer. Die Kaiserin Maria Theresia erfährt, dass ihre beste Armee geschlagen wurde, dass ihre fähigsten Generale tot oder verwundet sind.

 Sie weint, aber sie gibt nicht auf. Sie wird neue Armeen aufstellen, den Kampf fortsetzen. In Berlin wird der Sieg gefeiert. Kirchenglocken Leuten. Tedeum wird gesungen. Aber Friedrich feiert nicht. Er sitzt in seinem Zelt und schreibt Briefe an die Witwen gefallener Offiziere. Er weiß, dass dieser Sieg teuer erkauft wurde.

 Seine Armee hat ein Viertel ihrer Stärke verloren. Die besten Regimenter sind aufgerieben. Es wird Monate dauern, diese Verluste zu ersetzen. Die Schlacht bei Prag geht in die Geschichte ein als eine der blutigsten des 18. Jahrhunderts. Nur die Schlacht bei Borodino im Jahr 1812 wird mehr Opfer fordern. Für die Zeitgenossen ist Prag ein Schock, ein Zeichen dafür, dass der Krieg eine neue Dimension der Brutalität erreicht hat.

Die Soldaten, die überlebt haben, werden die Schlacht nie vergessen. Sie haben Dinge gesehen, die keine menschliche Seele sehen sollte. Sie haben Kameraden sterben sehen, haben selbst getötet, haben im Blut gewartet. Viele werden Albträume haben für den Rest ihres Lebens. Aber der Krieg ist nicht vorbei. Prag ist nur der Anfang.

  1. Mai 1757 OI. Einen Tag nach der Schlacht. Die Überreste der österreichischen Armee haben sich hinter die Mauern Prags geflüchtet. Prinz Karl von Lotringen hat seine geschlagenen Truppen in der Stadt versammelt. 40.000 Soldaten, erschöpft, demoralisiert, aber noch immer bewaffnet.

 Friedrich der Große steht vor einer Entscheidung. Er hat die Schlacht gewonnen, aber nicht den Krieg. Die österreichische Armee existiert noch. Wenn er sie in Prag einschließt und aushungert, könnte er den gesamten Feldzug mit einem Schlag beenden. Aber eine Belagerung wird Zeit kosten und Zeit ist sein kostbarstes Gut. Er entscheidet sich trotzdem für die Belagerung.

Die preußische Armee umstellt Prag von allen Seiten. Schützengräben werden ausgehoben, Batterien werden aufgebaut. Die schweren Belagerungsgeschütze werden herangeschafft. Massive 24 Pfunderkanonen, die Stadtmauern zertrümmern können. Die Belagerung beginnt. Jeden Tag feuern die preußischen Kanonen hunderte von Kugeln in die Stadt.

 Die Gebäude Prags werden systematisch zerstört. Kirchen, Paläste, Wohnhäuser fallen den Granaten zum Opfer. Die Zivilbevölkerung leidet entsetzlich. Tausende von Menschen sind in einer Stadt eingeschlossen, die unter konstantem Bombardement steht. Die Nahrungsvorräte in Prag schwinden schnell. 40.000 Soldaten und 100.000 Zivilisten müssen ernährt werden.

 Die Magazine sind nicht auf eine lange Belagerung vorbereitet. Nach zwei Wochen werden die Rationen gekürzt. Nach einem Monat herrscht Hunger. Aber während Friedrich Prag belagert, organisiert sich der Widerstand. Maria Theresia in Wien weigert sich, die Niederlage zu akzeptieren. Sie befiehlt Feldmarschall Down, eine Entsatzarmee zu sammeln.

 Down ist vorsichtig, methodisch, das Gegenteil von Friedrich. Er sammelt 60.000 Mann und marschiert langsam, aber stetig auf Prag zu. Friedrich erhält Berichte über Downs Annäherung. Er steht vor einem Dilemma. Wenn er Prag weiter belagert, riskiert er zwischen der Garnison und Downs Entsatzarmee eingeklemmt zu werden.

 Wenn er die Belagerung abbricht, war die Schlacht bei Prag umsonst. Er entscheidet sich down anzugreifen. Am 18. Juni 46 Tage nach der Schlacht bei Prag trifft die preußische Armee auf Downs Armee bei Colin. Es wird eine Katastrophe. Friedrich unterschätzt seinen Gegner. Down hat eine starke Defensivposition gewählt und kämpft klug.

 Die preußische Armee wird geschlagen, verliert weitere 14 000 Mann. Nach Kolin muss Friedrich die Belagerung von Prag aufgeben. Er zieht sich aus Böhmen zurück, verfolgt von den vereinten österreichischen Armeen. Der gesamte Feldzug ist gescheitert. Die Schlacht bei Prag, so blutig und teuer erkauft, hat strategisch nichts gebracht.

 Die Ironie ist bitter. 25 000 Männer starben bei Prag, damit Friedrich Böhmen erobern konnte. 46 Tage später ist er gezwungen, alles wieder aufzugeben. Schwer ins Opfer, die tausenden toten Soldaten, die monatelangen Leiden der Verwundeten, alles war umsonst. Aber in einem anderen Sinne war die Schlacht bei Prag nicht umsonst.

 Sie festigte den Mythos der preußischen Armee. Europa hatte gesehen, dass preußische Soldaten bereit waren, durch die Hölle zu marschieren und dabei nicht zurückzuweichen. Die Geschichte von Schwerins heroischem Tod verbreitete sich über den Kontinent. Sie wurde in Zeitungen gedruckt, in Salons diskutiert, in Gedichten besungen.

 Die Schlacht bewies auch, dass Österreich geschlagen werden konnte. Die kaiserliche Armee, jahrhundertelang die dominierende Macht in Mitteleuropa, war von einem relativ jungen Königreich vernichtend besiegt worden. Das verschob das Machtgleichgewicht. Preußen wurde als ernstzunehmende Großmacht anerkannt.

 Für Friedrich persönlich war Prag ein Wendepunkt. Er hatte den größten Sieg seiner Karriere errungen, aber auch seinen besten General verloren. Der Tod Schwerins zwang ihn mehr Verantwortung selbst zu übernehmen. Er konnte sich nicht mehr auf die Weisheit des alten Feldmarschalls verlassen. Die Schlacht lehrte Friedrich auch die Grenzen des Sieges.

 Man konnte die spektakulärste Schlacht gewinnen und trotzdem den Feldzug verlieren. Strategie war wichtiger als Taktik. Der siebenjährige Krieg würde noch sechs weitere Jahre dauern. Es würde Dutzende weiterer Schlachten geben. Manche würde Friedrich gewinnen, andere verlieren. Aber keine würde so blutig sein wie Prag. Keine würde so tief in das kollektive Gedächtnis eingehen.

 Die Schlacht bei Prag wurde zum Symbol für den modernen Krieg, für die schreckliche Effizienz, mit der aufgeklärte Nationen einander abschlachten konnten. Die österreichische Armee erholte sich langsam von der Niederlage. Neue Rekruten wurden ausgehoben, neue Offiziere ausgebildet. Feldmarschall Down übernahm das Kommando und führte die Armee mit größerer Vorsicht.

 Er vermiedet große Schlachten und zwang Friedrich zu einem zermürbenden Abnutzungskrieg. In Prag wurden die Schäden der Belagerung langsam repariert. Die zerstörten Gebäude wurden wieder aufgebaut. Die Toten wurden begraben und vergessen. Das Leben ging weiter, aber die Stadt würde die Narben der Schlacht noch Jahrzehnte tragen.

 Das Schlachtfeld selbst wurde zu einem düsteren Ort. Bauern, die ihre Felder bestellten, fanden noch Jahre später menschliche Knochen im Boden. Die Stelle, wo Schwerin gefallen war, wurde zu einer Pilgerstätte. Soldaten kamen, um dem Toten Helden Respekt zu erweisen. Die Schlacht bei Prag hatte Europa verändert.

 Sie hatte gezeigt, dass der siebenjährige Krieg kein gewöhnlicher Kabinettskrieg sein würde, sondern ein totaler Konflikt, in dem ganze Nationen mobilisiert wurden. Sie hatte die Tür geöffnet zu einer neuen Era der Kriegsführung, in der Schlachten nicht mehr elegant und begrenzt waren, sondern brutal und vernichtend. Die 25 000 Toten von Prag waren nur der Anfang.

 Der siebenjährige Krieg würde insgesamt über eine Million Menschenleben kosten, aber Prag blieb die blutigste Einzelschlacht, das dunkelste Kapitel in einem sehr dunklen Krieg. Die Schlacht bei Prag endete am 6. Mai 1757 Angel, aber ihre Auswirkungen halten durch die Jahrhunderte nach. Was geschah an diesem blutigen Tag auf den Hügeln bei Prag und was bedeutet es für unser Verständnis von Krieg, Führung und menschlichem Opfer? Militärhistoriker studieren die Schlacht bis heute.

 Sie analysieren Friedrichs Flankenmanöver, Brownes defensive Aufstellung, die Rolle der Artillerie, die Bedeutung des Geländes. Die Schlacht wird an Militärakademien gelehrt als Beispiel für den Übergang vom linearen Krieg. des 17. Jahrhunderts, zum totalen Krieg des 19. Aber die Schlacht bei Prag ist mehr als nur eine taktische Fallstudie.

Sie ist ein Fenster in die Seele des 18. Jahrhunderts. Eine Zeit, in der aufgeklärte Monarchen wie Friedrich philosophische Abhandlungen schrieben und gleichzeitig ztausende junger Männer in den Tod schickten. Eine Zeit, in der Ehre und Pflicht über Leben und Glück gestellt wurden. Feldmarschall Schwerins Tod verkörpert diesen Widerspruch.

 Ein 72-jähriger Mann, der ein komfortables Leben im Ruhestand hätte genießen können, entschied sich stattdessen mit einer Fahne in der Hand in den Tod zu marschieren. War das heldenhaft oder wahnsinnig? War es bewundernswert oder verschwenderisch? Die Antwort hängt davon ab, welche Werte man teilt.

 Für die preußischen Soldaten des 18. Jahrhunderts war schwer Tat der Inbegriff der Tugend. Er hatte seine Pflicht über sein Leben gestellt, hatte seinem König bis zum letzten Atemzug gedient. Seine Tat inspirierte tausende, das gleiche zu tun. Aus moderner Perspektive erscheint diese absolute Hingabe an abstrakte Konzepte wie Ehre und Pflicht fremd.

 Wir leben in einer Zeit, in der das Individuum über dem Staat steht, in der Leben kostbarer ist als Ruhm. Aber können wir die Männer von Prag nach unseren Maßstäben beurteilen? Die 25 000 Toten der Schlacht hinterließen 25 000 trauernde Familien. Witwen, die ihre Männer verloren, Kinder, die ohne Väter aufwuchsen, Mütter, die ihre Söhne begruben.

Ihr Schmerz war real, unabhängig davon, ob der Krieg gerecht war oder nicht. Und was erreichte all dieses Leiden? Strategisch fast nichts. Friedrich musste Böhmen sechs Wochen später aufgeben. Der siebenjährige Krieg tobte weitere sechs Jahre. Am Ende kehrte Europa zum Status Quo Ante zurück. Preußen behielt Schlesien, aber das hätte es auch ohne Prag behalten.

Dennoch hatte die Schlacht langfristige Auswirkungen. Sie etablierte Preußen als Großmacht, als gleichberechtigten Rivalen Österreichs. Sie zeigte der Welt, dass kleine Staaten mit überlegener Organisation und Disziplin große Reiche herausfordern konnten. Diese Lektion würde die europäische Politik für das nächste Jahrhundert prägen.

 Die Schlacht veränderte auch die Kriegsführung selbst. Die schiere Brutalität des Gemetzels bei Prag schockierte Europa. Militärtheoretiker begannen zu fragen, ob Schlachten wirklich so blutig sein mussten. Diese Debatten führten zu Reformen in Taktik und Training, zu versuchen, den Krieg humaner zu gestalten. Paradoxerweise machte der technologische Fortschritt den Krieg nur noch tödlicher.

Die Waffen, die bei Prag verwendet wurden, Musketen und glatte Kanonen, waren primitiv im Vergleich zu dem, was kommen würde. Die Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts würden Millionen töten, nicht tausende. Aber in ihrer Zeit war Prag außergewöhnlich brutal. Die Soldaten, die dort kämpften, erlebten etwas, das ihre Väter und Großväter nie erlebt hatten.

 Sie sahen den modernen Krieg in seiner rohesten Form. Was können wir heute von der Schlacht bei Prag lernen? Vielleicht, dass Mut und Opfer allein nicht ausreichen. Schwerin starb heldenhaft, aber sein Tod änderte nichts am Ausgang des Krieges. Friedrich gewann brillant, aber sein Sieg war vergänglich. Tausende starben tapfer, aber ihre Namen sind vergessen.

 Die wahre Lektion von Prag ist vielleicht die Sinnlosigkeit des Krieges selbst. 25 000 Männer starben für territoriale Gewinne, die sechs Wochen später wieder verloren gingen. Sie starben für die Ambitionen von Königin und Kaisern, nicht für ihre eigenen Träume. Die Schlacht bei Prag war ein Triumph der preußischen Waffen und ein Triumph der menschlichen Disziplin.

 Aber sie war auch eine Tragödie, ein Monument für das Leiden, dass Menschen einander zufügen können, wenn sie Ideen über Leben stellen. Die Toten von Prag haben keine Stimme mehr, aber ihr Opfer spricht zu uns über die Jahrhunderte hinweg. Es fragt uns: Was ist es wert, dafür zu sterben? Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen für Ruhm, für Ehre, für Sieg? Diese Fragen haben keine einfachen Antworten, aber sie zu stellen, die Männer von Prag zu erinnern, ihr Leiden anzuerkennen, das ist vielleicht das einzige Vermächtnis, das wirklich zählt.

Die Schlacht bei Prag endete am 6. Mai 1757 CIG, aber ihre Bedeutung endet