Es war ein Moment, der die ohnehin angespannte Atmosphäre im Deutschen Bundestag auf den Siedepunkt trieb. Die Luft im Plenarsaal war zum Schneiden dick, eine unausgesprochene Anklage schwebte im Raum. Die etablierten Parteien verlangten Antworten, doch was sie von Steffen Kotré, dem energiepolitischen Sprecher der AfD-Fraktion, zu hören bekamen, glich einem politischen Erdbeben. Wer eine Verteidigungshaltung oder rechtfertigende Worte für die umstrittenen Auslandsreisen der AfD erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Kotré wich nicht einen Millimeter zurück. Stattdessen drehte er den Spieß um, nannte Namen, präsentierte ungemütliche Fakten und stellte Fragen, die auf den Regierungsbänken für betretenes Schweigen sorgten. Es war eine Rede, die den Finger gnadenlos in die tiefe Wunde der aktuellen deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik legte.

Im Zentrum der hitzigen Debatte standen die Reisen von AfD-Vertretern nach Russland, insbesondere zum internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg, sowie nach Polen. Die Altparteien nutzten dies als Steilvorlage für heftige Kritik und warfen der AfD Verrat und eine bedenkliche Nähe zu Moskau vor. Doch Kotrés Konter saß. Er erklärte unverblümt, dass die AfD genau dorthin reise, wo die Bundesregierung durch Arbeitsverweigerung glänze. „Wir machen nämlich die Geschäfte der Bundesregierung, die es eben nicht tut“, donnerte Kotré in den Saal. In Warschau habe man mit politischen Kräften gesprochen, um die anhaltenden Spannungen, etwa rund um die immer wieder aufflammenden polnischen Reparationsforderungen, diplomatisch zu entschärfen. Und in St. Petersburg ging es um nichts Geringeres als um die Sicherung der deutschen Energieversorgung – um Nord Stream, um bezahlbares Öl und Gas. Für Kotré schließt die AfD jene gefährlichen diplomatischen Lücken, die eine ideologiegetriebene Bundesregierung wissentlich hinterlässt.
Besonders brisant wurde es, als Kotré die inkonsequente und gefährliche Haltung der Bundesregierung bezüglich des Ukraine-Krieges anprangerte. Er warf der Koalition vor, eine Rhetorik der Konfrontation zu schüren, anstatt sich für Frieden einzusetzen. Die wahre Bedrohung für Deutschland, so Kotré, sei nicht Russland an sich, sondern die Ignoranz, die ideologische Verblendung und das ständige verbale Aufrüsten der eigenen Regierung. Er erinnerte daran, dass es gerade die westlichen Verbündeten wie die USA und Großbritannien waren, die im Frühjahr 2022 einem frühen Friedensschluss im Weg standen. „Der Krieg in der Ukraine ist nicht unser Krieg“, stellte er provokant fest und forderte eine umgehende Rückkehr zur echten Friedensdiplomatie.
Doch das eigentliche Schockmoment der Rede – ein Detail, das in der breiten Medienberichterstattung seltsam unterging – war Kotrés Erklärung, warum die AfD keine Gespräche in der Ukraine führt. Seine Antwort ließ viele Abgeordnete erstarren: AfD-Politiker befänden sich auf ukrainischen Feindes- oder gar Todeslisten. Die unfassbare Reaktion der Bundesregierung auf entsprechende Nachfragen: Man fühle sich dafür „nicht zuständig“. Es ist ein ungeheuerlicher Vorgang, wenn eine demokratisch gewählte Regierung die Bedrohung von Oppositionellen im Ausland mit einem Achselzucken quittiert, während sie sich gleichzeitig als moralische Instanz inszeniert.

Diese Doppelmoral zog sich wie ein roter Faden durch Kotrés Abrechnung. Er erinnerte die SPD und die Union schonungslos an ihre eigene Vergangenheit. Ministerpräsidenten wie Matthias Platzeck (SPD) oder hochrangige CDU-Vertreter wie Ronald Pofalla pflegten einst intensivste Kontakte nach Russland. Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg galt den etablierten Parteien jahrelang als das „Davos des Ostens“. Doch heute wird exakt dieses Verhalten kriminalisiert. Noch paradoxer wird es bei internationalen Vergleichen: Während Außenminister anderer Staaten ungeniert mit Personen verhandeln, die auf US-Terrorlisten stehen, wird der AfD jeder Kontakt nach Moskau als Vaterlandsverrat ausgelegt. „Merken Sie es noch? Ist das nicht doppelzüngig?“, fragte Kotré in Richtung seiner Kritiker.
Die harten Fakten geben dem AfD-Politiker indes erschreckend recht. Während sich die deutsche Regierung in eine moralische und wirtschaftliche Isolation manövriert, geht das globale Geschäft ohne uns weiter. Auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum waren über 20.000 Teilnehmer aus 140 Ländern anwesend. Sogar die USA entsandten eine offizielle Delegation, und auch Frankreich war vertreten. Nur Deutschland glänzte durch offizielle Abwesenheit. Das wirtschaftliche Vakuum, das wir hinterlassen, wird skrupellos von anderen gefüllt. Dort, wo einst stolze deutsche Marken wie Mercedes, BMW und Audi ihre neuesten Modelle präsentierten, dominieren nun chinesische Hersteller wie BYD und Haval. Die deutsche Automobilindustrie verliert einen gigantischen Markt.
Kotrés Warnung vor den Folgen dieser Verweigerungspolitik ist eindringlich. Sich aus moralischer Überheblichkeit aus dem globalen Spiel zu nehmen, sei nicht edel, sondern „einfach nur dumm“. Deutschland fügt sich selbst massiven wirtschaftlichen Schaden zu. Wir verlieren Wohlstand, Arbeitsplätze und den Anschluss an lukrative Märkte. Bemerkenswert ist zudem, dass die deutsche Wirtschaft längst erkannt hat, was die Regierung verweigert: Trotz aller Sanktionen sind laut der deutsch-russischen Auslandshandelskammer weiterhin rund 1.600 deutsche Unternehmen in Russland aktiv. Es ist also keineswegs nur die AfD, die auf wirtschaftliche Beziehungen setzt; der verbliebene Rest unserer Industrie tut es still und leise ebenfalls, um das nackte Überleben zu sichern.
Am Ende seiner Rede berief sich Kotré auf eine der angesehensten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er zitierte den ehemaligen SPD-Kanzler Helmut Schmidt: „Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute zu schießen.“ Dieser Satz, einst Konsens der deutschen Außenpolitik, scheint heute in Berlin vergessen. Die AfD, so Kotrés Fazit, wolle in Russland deutlich machen, dass nicht alle Deutschen den gefährlichen Konfrontationskurs der Ampel-Regierung mittragen.

Die Rede von Steffen Kotré war mehr als nur ein politisches Schlagabtausch. Sie war ein greller Scheinwerfer, der die eklatanten Widersprüche, die wirtschaftlichen Fehltritte und die moralische Überheblichkeit der deutschen Regierungspolitik schonungslos ausleuchtete. Sie stellt eine unbequeme Frage, der wir uns als Gesellschaft dringend stellen müssen: Dürfen wir zulassen, dass eine dogmatische Außenpolitik unseren hart erarbeiteten Wohlstand vernichtet, während der Rest der Welt längst wieder pragmatische Wege sucht? Wenn Deutschland nicht aufpasst, stehen wir am Ende nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als die großen Verlierer da.
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