Sie ließen das Auto stehen und gingen in den Wald – dann geschah das Unfassbare! Fall Carpentier T
Sie ließen das Auto stehen und gingen in den Wald – dann geschah das Unfassbare! Fall Carpentier
Bitte nicht, wir haben Geld. Auf unserem Konto liegen 3 Millionen Dollar. Du bringst uns dieses Geld. Deiner Frau wird nichts passieren, solange du schweigst. Das heißt, du könntest mich einfach so töten. Ja, ganz leicht. In jener Nacht wusste noch niemand, dass Martin Carpentier, ein Mann, dessen Leben für die Außenwelt wie ein Sinnbild der Verlässlichkeit wirkte, soeben eine unsichtbare Grenze überschritten hatte.
Er ließ Geldbeutel und Telefon im Wagen zurück, nahm seine Töchter an die Hand und ging mit ihnen in den Wald hinein, der bald zu ihrem gemeinsamen Grab werden sollte. Während in ganz Kanada bereits die Suche nach der Familie begann, herrschte im Wald schon Stille, unterbrochen nur vom Knacken der Zweige unter den Schritten eines Mannes, der den Tod für den einzigen Ausweg hielt.
Um 21:30 Uhr im Juli 2020 ging bei der Rettungsleitstelle der Stadt Levis in Quebeck, Kanada ein beunruhigender Notruf ein. Zufällige Passanten hatten in der Nähe eines Waldes ein verlassenes Fahrzeug entdeckt, das in einen Unfall verwickelt gewesen war. Als die Polizei am Ort eintraf, fand sie einen Wagen, der von einer Böschung abgekommen und offenbar gegen einen Baum geprallt war.

Mein Name ist Lukas Falkner. Sie sehen den Kanal Fokusfall. Danke, dass Sie meinen Content schauen. Ich freue mich über Ihr Abo und Like. Viel Spaß beim Zuschauen. Die Bremsspur war kurz, als hätte der Fahrer plötzlich die Kontrolle verloren, ohne Zeit zu haben, richtig zu reagieren.
Im Innenraum lagen mehrere Kindersachen, darunter ein Kindersitz. Blut war nicht zu finden. Während die Beamten den mutmaßlichen Unfallort untersuchten und Informationen sammelten, rief bei der Leitstelle eine ältere Frau an. Sie gab an, dass ihr Schwiegersohn Martin Carpontier längst hätte kommen und ihr die Kinder zurückbringen sollen, die elfjährige Nora und die sechsjährige Romi.
Die beiden Meldungen wurden miteinander abgeglichen und schnell stellte sich heraus, dass das in der Nähe der Straße verlassene Fahrzeug tatsächlich Martin gehörte. Da in dem grauen Volkswagen Kindersachen zurückgeblieben waren, darunter ein Tablet, ein Mobiltelefon und ein angebissenes Eis, schien es, dass die Mädchen zum Zeitpunkt des Unfalls bei ihrem Vater gewesen waren.
Neben dem Wagen fand man außerdem einen von Martins Schuhen. Nun musste geklärt werden, wohin sich der Mann begeben haben könnte, was ihn dazu bewogen hatte, den Unfallort zu verlassen, obwohl offenbar niemand verletzt worden war und wo sich die Mädchen befanden. Die Lage erschien ernst. Es war möglich, daß sie geschlossene Knochenbrüche erlitten hatten, weshalb kein Blut im Fahrzeug zu sehen war, die Verletzten aber dennoch Hilfe benötigen könnten.
Zunächst wurden die umliegenden Krankenhäuser kontaktiert, doch weder Martin noch Romy noch Nora waren dort aufgetaucht. Als klar wurde, dass weder der Mann noch seine Kinder in einer Notaufnahme eingeliefert worden waren, begann man mit einer intensiven Suche im Umfeld des Fahrzeugs. Die Polizeikräfte nahmen die Arbeit noch in derselben Nacht auf.
Neben der Polizei schlossen sich auch Kräfte der Feuerwehr der Suchaktion an. Sie setzten eine Wärmebildkamera ein, konnten jedoch niemanden in der Nähe ausmachen. Um 22:45 Uhr waren bereits Hundeführer mit speziell ausgebildeten Suchhunden im Einsatz. Die Suche in der Umgebung dauerte die ganze Nacht an. Am frühen Morgen des 9.
Juli 2020, nach 7 Stunden intensiver Suchmaßnahmen fanden die Einsatzkräfte Fußspuren von großen und kleinen Füßen. Diese Spuren führten die Polizei an den Waldrand, wo sich eine kleine Jagdhütte befand. An der Tür waren deutliche Einbruchsspuren zu sehen und im Inneren herrschte ein regelrechtes Chaos. Der Eigentümer der Hütte wurde rasch gefunden und zum mutmaßlichen Tatort gerufen.
Er bestätigte, dass neben dem Einbruch auch mehrere persönliche Gegenstände gestohlen worden waren. Dazu zählten ein kleiner Klappsparten, ein Feuerzeug, ein zerlegbarer Grill und einige Küchenutensilien, allamt Gegenstände aus dem Campingbereich. Es war offensichtlich, dass Martin nach Dingen suchte, die zum Überleben notwendig waren.
Dieses merkwürdige Verhalten des Mannes gab wenig Anlass zu Optimismus. Als deutlich wurde, dass der Vermisste nach Gegenständen für den täglichen Bedarf suchte, wurden alle Eigentümer umliegender Häuser und Jagdgebiete über die Gefahr informiert. Auf einer Pressekonferenz wurde die Bevölkerung gebeten, wachsam zu bleiben und wenn möglich ihr Eigentum zu überprüfen.
Am Morgen traf Amelie Lemie, die Mutter der vermissten Mädchen, am Unfallort ein. Die Frau schloss sich der Suchmannschaft an. Sie war äußerst besorgt. Jahre vor dem Vorfall hatte sie sich von Martin getrennt und befand sich nun in einem laufenden Scheidungsverfahren. Die Frau erzählte den Polizisten, dass der Vater der Kinder an einer Erkrankung der Schilddrüse litt und regelmäßig Tabletten einnehmen musste.
Sie fürchtete, dass es ohne diese Medikamente zu Problemen bei ihm kommen könnte und die Kinder darunter leiden würden. Um die Suchaktion voranzubringen, berichtete Amelie den Ermittlern ausführlich alles, was sie über ihren ehemaligen Partner bekannt war. Martin Carpontier wurde im Jahr 1976 geboren.
Neben einem Sohn hatten seine Eltern noch zwei Töchter. Soweit bekannt war die Familie Carpontier gläubig und liebevoll. Die Eltern waren bereit, alles für ihre Kinder zu tun, um ihnen Geborgenheit, Wärme und Unterstützung zu geben. All diese Eigenschaften trug auch Martin in sich, der in dieser Atmosphäre aufwuchs. Die Bekanntschaft des Mannes mit Amelie entstand im Jahr 2008.
In dieser Zeit war die junge Frau von einem anderen Mann mit Nora schwanger. Der biologische Vater hatte sie verlassen, sobald er von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte. Martin verliebte sich sofort in Amelie. Er übernahm bereitwillig die Rolle des Vaters. Obwohl er keine biologische Verbindung zu Nora hatte, war er sogar bei ihrer Geburt anwesend.
Kurz darauf adoptierte er das Mädchen offiziell und im Jahr 2010 heiratete das Paar. Die zweite Tochter Romy kam im Jahr 2013 zur Welt. Von diesem Zeitpunkt an begannen Spannungen in der Beziehung. Zwei Jahre später, Ende Februar 2015, trennten sie sich, pflegten aber trotz der Trennung weiterhin ein herzliches Verhältnis.
Vor allem wollte der Mann den Kontakt zu den Kindern aufrech erhalten. Martin arbeitete als Bauleiter auf einer Baustelle. Man beschrieb ihn als ruhigen, verlässlichen Menschen, der andere mit Besonnenheit anzuleiten wusste. Alle, die ihn gut kannten, wussten, dass Martin ein fürsorglicher und liebevoller Vater war.
der für seine Kinder alles tun würde. Er verpasste kein wichtiges Ereignis im Leben der Mädchen und daran änderte sich auch nach der Trennung von seiner Frau nichts. Zum Zeitpunkt des Verschwindens waren Amelie und Martin bereits seit 5 Jahren getrennt, blieben aber offiziell noch Ehemann und Ehefrau. Das Sorgerecht für die Kinder teilten sie auf freiwilliger Basis.
Sie übergaben sich die Töchter gegenseitig, wenn sich die Möglichkeit ergab, das Wochenende mit ihnen zu verbringen. Begünstigt wurde das dadurch, dass ihre Wohnorte nicht weit voneinander entfernt lagen. Es war bekannt, dass Martin in seiner Freizeit gelegentlich Alkohol trank. Dennoch war er nie in kriminelle Vorfälle verwickelt gewesen und hatte sich nie aggressiv verhalten.
Erst jetzt geriet der Mann zum ersten Mal ins Visier der Polizei. Die Mutter der Kinder, Amelie, war sehr beunruhigt darüber, dass der Mann seine notwendigen Medikamente nicht bei sich hatte. Sie wusste, dass er ohne diese nicht schlafen konnte und schnell in einen depressiven Zustand geraten könnte. Nachdem die Polizei all diese Informationen erhalten hatte, kam sie zu dem Schluss, dass es sich um einen Notfall handelte.
Ein Hubschrauber wurde eingesetzt und es wurde ein Antrag gestellt, das Alarmsystem zu aktivieren. Doch in der letzten Phase kam es zu einer Verzögerung, da die Vorschriften für die Auslösung des Alarms eine Bestätigung verlangten, dass es sich um eine Kindesentführung handelte oder dass ein Minderjähriger sich in einer Situation befand, in der ihm Gefahr drohte.
Da es sich bei Martin um einen gebürtigen Kanadier handelte, den rechtmäßigen Vater beider Mädchen ohne Vorstrafen und ohne dokumentierte psychische Erkrankungen wurde entschieden, den Alarm nicht auszulösen. Man ging davon aus, dass der Vater einfach Zeit mit den Mädchen verbrachte und es für wenig sinnvoll erschien, die gesamte Öffentlichkeit zu alarmieren und sämtliche Polizeiressourcen für die Suche zu binden.
Alle drei galten weiterhin als vermisst. Polizisten und freiwillige Helfer begannen, Autofahrer an der Stadteinfahrt anzusprechen und ihnen Fotos der vermissten Personen zu zeigen. Doch all das half nichts. Niemand hatte sie gesehen. Die Familien der Mädchen und von Martin gaben an, dass er sich in letzter Zeit in einer depressiven Phase befunden habe und befürchteten deshalb, dass er für die Kinder eine Gefahr darstellen könnte.
Die Untätigkeit der Behörden veranlasste die Angehörigen, Druck auf die Polizei auszuüben und sich sogar an die Medien zu wenden, um die wahre Lage der Dinge öffentlich zu machen. Schließlich wurde gegen 15 Uhr am 9. Juli der Alarm ausgelöst. Von diesem Moment an über den Vorfall ausführlicher berichtet.
Es wurden Beschreibungen beider Mädchen sowie von Martin Carpontier verbreitet, der nun zur Fahung ausgeschrieben war. Der Mann galt als Hauptverdächtiger in der Entführung der Mädchen. Die Such und Rettungsaktion wurde fortgesetzt. Am 10. Juli begannen Freiwillige und Polizeikräfte damit, den Sektor Saint Apolin systematisch zu durchsuchen.
Die ganze Zeit über versuchte man Martin zu kontaktieren, doch er meldete sich hartnäckig weder bei seinen Angehörigen noch bei der Mutter der Kinder. Doch diese Bemühungen blieben erfolglos. Der Wechsel in dieses Gebiet geschah, nachdem sich ein zufälliger Zeuge gemeldet hatte, der berichtete, in der Nacht Kinderschreie gehört zu haben.
Dem Zeugen erschien es, als würden Kinder in Verzweiflung schreien. Der Lärm dauerte etwa 5 Minuten an. Danach wurde es still. Das klang nicht wie ein Hilferuf von Menschen, die sich zufällig im Wald verirrt hatten. Nun begann die Suchmannschaft, das Gebiet von Saint Apolin zu durchkämmen, insbesondere jenen Ort, auf den der zufällige Zeuge hingewiesen hatte.
Leider gestaltete sich das Vorankommen schwierig, denn mitten im Hochsommer war der Wald sehr dicht. Die Vegetation erschwerte es, das Gelände über größere Entfernungen zu überblicken. Selbst das Gehen zu Fuß war mühsam. All das verschärfte die Lage nur weiter. Es war offensichtlich, dass sich die beiden Kinder im Wald befanden, ohne Wasser, ohne Nahrung und dazu noch in Begleitung des Vaters, der sich ohne seine Medikamente möglicherweise nicht ganz angemessen verhalten konnte.
Trotzdem waren nicht alle davon überzeugt, dass die Kinderschreie tatsächlich von den vermissten Mädchen stammten. Man entschied, die Suchtrups zu teilen. Die erste Gruppe sollte weiterhin das Gebiet durchsuchen, indem man zuerst die Abdrücke bloßer Füße entdeckt hatte. Die anderen überprüften den Wald, auf den der Zeuge hingewiesen hatte.
Die erste Gruppe fand schließlich rasch weitere Spuren, doch diese führten nicht zu Martin und den Kindern. Am frühen Morgen des 11. Juli schlossen sich Freiwillige der Vereinigung für Such und Rettungseinsätze der Arbeit an, um bei der Suche am Boden zu helfen. Ihnen wurden sofort bestimmte Abschnitte zugewiesen und um 11:23 Uhr desselben Tages war die Suche nach den Mädchen beendet.
Als erstes wurde der Körper des jüngeren Mädchens gefunden. Rom lag auf dem Boden neben einem kleinen behelfsmäßigen Lager. Dort befand sich ein selbstgebaut Unterschlupf im Anfangsstadium der Errichtung sowie Zunder zum Entzünden eines Feuers. Die Suche wurde fortgesetzt. Und um 12 Uhr, etwa 50 m vom ersten Kind entfernt, fand man den Körper ihrer Schwester.
In der Nähe des Lagers wurde zudem ein großer Baumast mit Blutspuren gefunden. Eine Untersuchung bestätigte, dass es sich um das Blut der Mädchen handelte, während sich am anderen Ende die Fingerabdrücke ihres Vaters fanden. Die verstorbenen Kinder wurden in das rechtsmedizinische Labor gebracht. Nun musste die offizielle Identifizierung der Opfer erfolgen.
Dafür bat man Amelie um eine DNA Probe zum Abgleich. Die Frau war jedoch noch nicht darüber informiert worden, dass die Mädchen tot aufgefunden worden waren. Als der Polizeibeamter ankam, um die Proben zu entnehmen, hatte Amelie bereits einen Verdacht. Der Polizist konnte die weinnd Frau nicht belügen und gestand, dass Nora gefunden worden war.
Doch die volle Wahrheit konnte er ihr nicht sagen und er erklärte, das Mädchen sei noch am Leben und man versuche, sie wiederzubeleben. Der Grund, weshalb für die offizielle Identifizierung DNA benötigt wurde, lag im Zustand der Körper. Eine Identifizierung der Mädchen anhand des Gesichts war nicht möglich, da beide schwere Schädelhirnverletzungen mit zahlreichen Schädelbrüchen erlitten hatten.
Sie waren bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Nachdem offiziell bestätigt worden war, dass sich Romy und Nora auf dem Tisch des Gerichtsmediziners befanden, wurde Amelie darüber informiert, dass ihre Kinder gestorben waren. Nun wollten die Polizisten mit Martin sprechen, der weiterhin als flüchtig galt. Im Lager fanden sich keine Hinweise darauf, wohin sich der Mann bewegt hatte.
Ein Hubschrauber der amerikanischen Streitkräfte schloss sich der Sucher an. Alle Menschen, die in der Nähe des Suchgebiets wohnten, wurden von der Polizei befragt, in der Hoffnung, einen Zeugen zu finden, der Martin gesehen hatte. Es gingen mehrere Hinweise ein, doch Überprüfungen zeigten, dass sich die Leute geirrt und andere Obdachlose mit dem Flüchtigen verwechselt hatten.
Die Suche dauerte länger als einen Tag an, blieb jedoch erfolglos. Die Strafverfolgungsbehörden mussten das Suchgebiet mehrfach erweitern und die Einsatztrups neu organisieren. All das erforderte Zeit und Ressourcen. Zur Steigerung der Effizienz wurden Drohnen eingesetzt, die eine Überwachung aus der Luft ermöglichten.
Doch weder das noch speziell ausgebildete Suchhunde oder gar die Luftwaffe konnten helfen, den Mann zu finden. Dieser tragische Fall wurde breit in den Medien behandelt. Dadurch tauchten nur noch mehr falsche Hinweise auf. Die Polizei folgte Spuren, doch Martin entkam immer wieder im dichten Wald.
Um die Spur nicht zu verlieren, änderte die Sicherheitsbehörde ihre Taktik und stellte sämtliche Kontakte zu lokalen Fernsehsendern und Journalisten ein, zumindest bis die Suche beendet war. Für viele wirkte diese Entscheidung wie Hilflosigkeit, als sei die Polizei in eine Sackgasse geraten. Die Menschen waren empört und die Familien der Opfer übten Druck auf die Strafverfolgungsbehörden und andere staatliche Stellen aus.
Etwa eine Woche war vergangen, als Beweise gefunden wurden, dass Martin möglicherweise noch lebte. In der Nähe einer weiteren Jagdhütte wurden im Inneren Spuren entdeckt. Die Tür war auf dieselbe Weise aufgebrochen worden. Mehrere Gegenstände des täglichen Bedarfs fehlten. Unklar blieb nur, zu welchem Zeitpunkt genau der Mann hier aufgetaucht war, denn die Suchtrups hatten dieses Gebiet bereits in einer früheren Phase der Suche untersucht.
Während die Suche nach Martin fortgesetzt wurde, wurden die Körper der Kinder nach der Untersuchung beigesetzt. Am 20. Juli fand den Lis Abschiedszeremonie statt. Wegen der pandemiebedingten Beschränkungen durften an dieser Trauerfeier nur Familienmitglieder der Eltern teilnehmen. Trotz dieser Einschränkung versammelten sich mehr als 200 Menschen auf dem Parkplatz neben der Kirche, um das Andenken an Nora und Romi zu ehren.
Polizeibeamte waren bei der Beerdigung anwesend in der Hoffnung, dass Martin dort auftauchen könnte. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Er erschien nicht. Die Körper der Mädchen wurden eingeäschert und beigesetzt. Auf die Unzufriedenheit der besorgten Bürger konnten die Polizisten nur mit Ratlosigkeit reagieren.
Bis dahin war nichts brauchbares gefunden worden. Martin, den man für den Tod der Kinder verantwortlich hielt, schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Am selben Tag gegen 19 Uhr meldete sich ein weiterer Mann bei der Sicherheitsbehörde. Er erklärte, in einem der Sektoren von Sir Apollin eine männliche Leiche entdeckt zu haben.
Bei dem Zeugen handelte es sich um den Besitzer einer der Jagdhütten am Waldrand im Bereich des Such und Rettungseinsatzes. Er hatte sie lange nicht besucht. Freiwillige hatten das Gebiet in einer frühen Phase der Suche untersucht und waren danach dorthin zurückgekehrt. Als der Zeuge im Fernsehen hörte, dass sich in der Umgebung ein mutmaßlicher Täter verstecken könnte, beschloss er, dem Rat der Polizei zu folgen und sein Eigentum zu überprüfen.

Sofort konnte er das nicht umsetzen. Er befand sich in einer Nachbarstadt, fuhr aber sogleich zu seiner Hütte, sobald er zurückgekehrt war. Als er sich im Inneren befand, nahm er zuerst einen Verwesungsgeruch wahr, fand die Leiche und verständigte die Polizei. Die Streifenbeamten trafen vor Ort ein und fanden eine männliche Leiche, die bereits in Verwesung übergegangen war.
Eine weitere Überprüfung bestätigte, dass es sich um den 44-jährigen Martin handelte. Die Obduktion erbrachte keine Verletzungen oder Kampfspuren, die auf ein Verbrechen hingedeutet hätten. Es wurde bestätigt, dass er aus eigenem Willen aus dem Leben geschieden war. Der Gerichtsmediziner hob den Grad der Verwesung des Körpers hervor.
Martin hatte keinen Abschiedsbrief hinterlassen. Um den Grund zu verstehen, aus dem der Mann sich selbst und den Mädchen das Leben nahm, begannen die Ermittler sich eingehender mit den Umständen seines Lebens zu befassen. Vieles war bereits bekannt, doch die neuen Umstände zwangen dazu, erneut mit seinem engsten Umfeld zu sprechen.
Man ging davon aus, dass der Vater seine Töchter getötet und sich anschließend selbst das Leben genommen hatte. Die Familienmitglieder des Mannes hatten nicht erwartet, dass er zu etwas derartigem fähig war. Er hatte immer wie ein vorbildlicher Vater und liebevoller Familienmensch gewirkt. Bekannte von Martin erzählten, dass er nach der Trennung von seiner Frau weiterhin ein herzliches Verhältnis zu ihr und den Kindern pflegte.
Wiederholt hatte er erklärt, Angst davor zu haben, sie zu verlieren. Der Mann gab die Hoffnung nicht auf, die Beziehung mit Amelie wiederherzustellen und wollte sich nicht scheiden lassen. Sie selbst war mit dieser Situation zufrieden, zumindest in der ersten Zeit. In jeder Hinsicht war Martin ein vorbildlicher Vater. Doch genau das wurde ihm zum Verhängnis.
Der Mann liebte die Mädchen so sehr, daß seine Angst, sie durch die Scheidung von seiner Frau zu verlieren, allmählich zu einer regelrechten Besessenheit wurde. Alles verschlechterte sich etwa sech Monate vor der Tragödie, als Amelie begann, entschiedener auf eine Scheidung zu drängen und Schritte unternahm, um sich einem neuen Partner näher zu kommen.
Sie begann wieder Kontakt mit dem biologischen Vater der älteren Tochter Nora aufzunehmen. Die nahestehenden Personen von Martin bemerkten, wie stark ihn diese Situation belastete. Sie vermuteten, dass der Mann unter einer Depression litt, doch er lehnte jede Hilfe ab und führte alles auf Probleme mit der Schilddrüse zurück. Bis zum letzten Moment glaubte Martin, dass er damit allein zurechtkmen würde, doch die Lage verschlechterte sich zunehmend.
Er erzählte immer häufiger seinen Angehörigen, Freunden und sogar Kollegen bei der Arbeit, wie sehr ihn die Situation belastete. Als klar wurde, dass die Scheidung unvermeidlich war, begann Martin sich darüber zu informieren, wie er das Sorgerecht für die Kinder behalten könnte. Durch seine Internetrecherche wurde ihm nur bestätigt, dass Amelie die Möglichkeit hätte, ihm das Sorgerecht vollständig zu entziehen.
Etwas erreichen konnte er allenfalls im Verlauf des Scheidungsverfahrens. Doch dafür brauchte er einen guten Anwalt und viel Geld. Er hatte offen Angst vor einem schwierigen Verfahren, durch dass er seine Töchter verlieren könnte. Als dies allen bekannt wurde, zog sich Martin noch weiter in sich zurück, glaubte aber weiterhin an eine gerechte Lösung.
Sogar seine Mutter bemerkte im März des Jahres 2020, dass er ungewöhnlich reizbar und nervös geworden war, was sonst nicht seine Art war. Die Situation wurde zusätzlich durch die Pandemie und den darauffolgenden Lockdown verschärft. Danach begann alles wie ein Kartenhaus zusammenzubrechen. Der Baumarkt befand sich in einer Krise.
Martin konnte vorübergehend nicht arbeiten. So gerieten die Finanzen in eine Schieflage, die es ihm unmöglich machte, sich einen guten Scheidungsanwalt zu leisten. In den folgenden Monaten verlor der Mann deutlich an Gewicht, bedingt durch den Stress. Nun erfuhr er auch, dass Amelie einen neuen Mann heiraten wollte. Er konnte jetzt alles verlieren.
Das Scheidungsverfahren schien unausweichlich. All das löste in ihm Angst aus, während es keine Möglichkeit zur Beruhigung gab. Bald darauf erklärte Amelie offiziell, dass es keinen anderen Weg mehr gäbe. Sie würden nicht wieder zusammenkommen. Martins Freunde, insbesondere sein bester Freund Kevin, hörten, dass er Angst vor dem Scheidungsverfahren und dem Verlust seiner Töchter hatte.
Er wusste, dass Amelie jederzeit einfach in eine andere Stadt ziehen könnte. Ein kleiner Lichtblick war, dass die Baufirma, bei der Martin arbeitete, ihren Betrieb wieder aufnahm. Seine finanziellen Probleme wurden dadurch weniger akut. Die Geldlage begann sich zu stabilisieren. Es gab jedoch auch eine negative Seite.
Während des Lockdowns hatte sich viel Arbeit angesammelt. Der Mann war nun gezwungen, Überstunden zu machen, tagsüber und sogar nachts. Das erschöpfte ihn sehr. Der biologische Vater von Nora mit Namen Jean-Philipp erkannte in dieser Zeit seinen Fehler, die Tochter verlassen zu haben und begann immer häufiger Kontakt mit dem Mädchen zu suchen.
Alle diese Besuche fanden unter der Aufsicht von Amelie statt, wurden für Martin aber zu einer weiteren Quelle der Beunruhigung. Am 8. Juli 2020 erhielt Martin den entscheidenden Schlag. Der Mann bekam eine Mitteilung vom Anwalt seiner Frau. Am 9. Juli sollten sie sich um 14:30 Uhr treffen, um die geplante Scheidung zu besprechen.
Nichts Schlimmes stand eigentlich bevor und Amelie hatte nicht die Absicht, ihm das Sorgerecht zu entziehen. Trotzdem steigerte sich der Mann in die Angst hinein, seine Töchter zu verlieren. An diesem Tag sollte Martin die elfjährige Nora und die sechsjährige Romy zu den Großeltern bringen, wo sie mit ihrem Cousin Zeit verbringen konnten, ohne sich mit den Problemen der Eltern auseinandersetzen zu müssen.
Als Amelie Martin die Kinder übergab, damit er sie mit dem Auto hinbringen konnte, bemerkte die Frau nichts ungewöhnliches an seinem Verhalten. Er wirkte ruhig und freundlich wie immer. Martin brachte die Mädchen tatsächlich zu den Großeltern, zeigte aber keine Eile wieder abzureisen. Auch hier fiel jedoch nichts Auffälliges an seinem Verhalten auf.
Die etwas größere Anspannung als sonst ließ sich leicht mit der Nervosität vor dem bevorstehenden Scheidungsverfahren erklären. Gegen 20:30 Uhr beschloss er, die Kinder abzuholen, um mit ihnen einkaufen zu fahren. Der Mann versprach, sie spätestens um 21 Uhr zurückzubringen. Deshalb fuhren die Mädchen mit ihm mit.
Niemand erwartete etwas Schlimmes von ihm. Der weitere Ablauf der Ereignisse wurde anhand von Überwachungsaufnahmen, Beweisen und mehreren Zeugenaussagen rekonstruiert, die den Vater in Begleitung seiner Töchter in verschiedenen Geschäften gesehen hatten. Alle drei fuhren nach Levis und besuchten dort ein Cffe. Anschließend fuhren sie zu einer Tankstelle am Stadtrand.
Auf allen Aufnahmen verhielten sich die Mädchen wie gewöhnliche, glückliche Kinder, während Martin ruhig wirkte und praktisch keine Emotionen zeigte. Um 21:17 Uhr an diesem Tag nahm Martin mehrmals Kontakt zu seiner ehemaligen Frau auf und schickte ihr Textnachrichten, die rückblickend bedrohlich wirkten.
Der Kontakt brach plötzlich ab. Vermutlich verlor der Mann die Kontrolle über das Fahrzeug und kam von der Straße ab, weil er durch das Telefon abgelenkt war. Amelie bemerkte es nicht sofort, erkannte aber später, dass er sich in diesen Nachrichten offenbar von ihr verabschiedet hatte. Gegen 21:30 Uhr prallte Martin gegen einen Baum.
Allem Anschein nach war dies der entscheidende Auslöser für die darauffolgenden tragischen Ereignisse. Der Mann befand sich in einem Zustand der Depression und machte sich Sorgen um seine Kinder, weshalb er fürchtete, der Unfall könnte vor Gericht als Beweis dafür verwendet werden, dass er seine Töchter in Gefahr gebracht habe. Von diesem Moment an war der Mann überzeugt, das Sorgerecht für die Mädchen zu verlieren.
Deshalb holte er sie aus dem Auto und beschloss, sich mit ihnen im Wald zu verstecken. Es gelang dem Mann, sich mit seinen Töchtern etwa einen Tag lang zu verstecken, wobei sie sich in einem kleinen Wohnwagen und in mehreren Jagdhütten aufhielten. Vermutlich hielten sich alle drei am Nachmittag des 9.
Juli tief im Wald auf und in diesem Moment fasste er einen furchtbaren Entschluss. Martin bat die ältere Tochter Nora ein Feuer zu machen, während er angeblich Material für ein Lager zusammentragen wollte. Vermutlich nahm er Rom unter dem Vorwand mit, ihm zu helfen und führte sie weit genug weg, damit die ältere Schwester nichts hören konnte.
Hier benutzte der Mann einen dicken Ast wie eine Art Schlagwerkzeug, mit dem er seine Tochter zunächst betäubte und ihr dann mehrere Schläge auf den Kopf versetzte, die tödlich waren. Nach Einschätzung des Gerichtsmediziners starb Romy innerhalb weniger Minuten, ohne zu begreifen, was geschah. Danach kehrte Martin zu Nora zurück, die noch immer versuchte, das Feuer zu entzünden.
Auf dieselbe Weise versetzte er auch ihr mehrere tödliche Schläge auf den Kopf. Nach Einschätzung von Ermittlern und Psychiatern befand sich der Mann in diesem Moment in einem Zustand schwerster Depression und war sich seiner Taten nicht bewusst. Möglicherweise glaubte Martin seine Töchter auf diese Weise vor dem Leid zu bewahren, dass ihnen drohen würde, sollte er das Sorgerecht verlieren.
Der Mann verließ sofort den Tatort, zog sich tiefer in den Wald zurück und bewegte sich immer weiter ins Dickicht, bis er eine weitere Jagdhütte fand. Er brach dort ein, gelangte ins Innere, jedoch nicht mehr mit der Absicht, etwas zu stehlen. Dort fand er ein Seil und eine kleine Leiter, mit deren Hilfe er sich das Leben nahm.
Als Martins Leiche gefunden und der Ablauf der Ereignisse rekonstruiert war, wurden die Ermittlungen offiziell abgeschlossen. Ihr Ergebnis löste in ganz Kanada Trauer aus. Die Menschen fragten sich, ob die Polizei die Kinder und Martin hätte retten können, wenn sie nicht gezögert, sondern sofort eine Warnmeldung herausgegeben und entschlossener gehandelt hätte.
Es entstand eine breite öffentliche Debatte, die sich bis in die Fernsehsender fortsetzte. Ein offizieller Vertreter der Sicherheitsbehörde von Kebärte, man hätte nichts tun können. Doch Amelie war damit nicht einverstanden. Sie übte zusammen mit ihrer Familie erheblichen Druck auf den Minister für öffentliche Sicherheit aus.
Dies veranlasste ihn, eine öffentliche Untersuchung des Polizeihandelns einzuleiten. Diese begann am 23. März 2022. Durch diese Arbeit wurden erhebliche Lücken und Versäumnisse in den Abläufen der Sicherheitsbehörde aufgedeckt, insbesondere bei der Auslösung und Anwendung bestimmter Verfahren, die sich in diesem Fall als verhängnisvoll erweisen konnten.
Eines der zentralen Probleme war die verzögerte Einführung des Amber Alert Systems. Martin wurde zunächst nicht als Gefahr für die Kinder eingeschätzt, weshalb die Auslösung verschoben wurde. Sie erfolgte erst nach dem 15. Juli 2020 mit einer Verzögerung von mehreren Stunden. Verzögerungen traten praktisch auf jeder Ebene auf und beliefen sich auf zwei bis 4 Stunden.
Sie betrafen sowohl die Bildung von Suchtrups als auch das Vorgehen der Sicherheitsbehörde. Nach Einschätzung von Fachleuten verschaffte diese Verzögerung Martin genug Zeit für seine Flucht, den doppelten Mord und die eigene Entscheidung, sich das Leben zu nehmen. Es gelang ihm, dentrups auszuweichen und sich sogar vor Hubschraubern und Drohnen zu verbergen, indem er das Gelände, versteckte Hütten und Wohnwagen nutzte.
Fachleute erklärten, der Mann sei aufgrund seines Zustands desorientiert und niedergeschlagen gewesen und nicht in der Lage, die Situation angemessen einzuschätzen. All das verzögerte die verhängnisvolle Entscheidung, doch die Sicherheitskräfte reagierten noch langsamer. Am 24. Oktober 2023 legte der zuständige Leichenbeschauer des Bezirks, der die Körper der getöteten Kinder persönlich untersucht hatte, seinen abschließenden Bericht vor.
In dem Dokument übte er scharfe Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte in jeder Phase des Sucheinsatzes. Er analysierte sämtliche Zeitabschnitte bis auf die Minute genau, selbst die Lufttemperatur, die in der Suchregion zu jener Zeit herrschte. Der Gutachter kam zu dem Schluss, dass die Mädchen noch etwa einen Tag nach dem Unfall gelebt hatten.
Das bedeutete, dass sie bei schnellerem Handeln der Polizei hätten gerettet werden können. Auf Grundlage seiner Bewertungen wurden elf Empfehlungen entwickelt, die eingeführt wurden, um Situationen künftig präziser einzuschätzen und Sicherheitssysteme rascher auszulösen. Dazu gehörte eine vollständige Überarbeitung der Regeln für die Auslösung des Amber Alert sowie ein neues Prinzip zur Einschätzung von Personen, die mit vermissten Kindern allein geblieben sind, wie es bei Martin, Romy und Nora der Fall war.
Obwohl seine ehemalige Frau Amelie nicht beabsichtigte, Martins Sorgerecht einzuschränken und das Scheidungsverfahren ruhig verlief, entwickelte der Mann eine wahnhafte Vorstellung. Er war überzeugt, in den Scheidungsunterlagen, die er am Tag der Tragödie erhalten hatte, sei verborgen die Forderung enthalten, ihm das Recht zu nehmen, seine Kinder zu sehen.
Fachleute bezeichneten dies später als katastrophisierendes Denken. Der Unfall löste bei ihm einen Zusammenbruch aus. In seinem Bewusstsein entstand ein Tunneleffekt. Er sah den einzigen Weg, seine Töchter zu schützen und für immer mit ihnen zusammen zu bleiben in einer Form des sogenannten altruistischen Kindestötens, bei der Täter glaubt, im Interesse der Kinder zu handeln.
Die letzten Sonnenstrahlen jenes Tages glitten über die Wipfel der Herbstbäume, als die Stille des Waldes vom Schrei eines Suchenden durchbrochen wurde, den dieser nie vergessen können würde. Dort zwischen hohem Gras und sorgfältig zusammengelegten Zweigen lagen Nora und Romi, zwei kleine Pfadfinderinnen, deren letzter Ausflug in einem ewigen Schlaf endete.
Sie sahen das Feuer ihres Lagerfeuers nicht mehr und hörten nicht die Sirenen, die um Stunden zu spät kamen, und sie glaubten bis zur letzten Sekunde dem Menschen, der versprochen hatte, sie zu schützen. Martin Carpontier hatte in seinem Kopf Monster erschaffen, vor denen er seine Töchter zu retten versuchte, wurde aber am Ende selbst zu dem einzigen Monster, vor dem niemand sie mehr schützen konnte.
Der Wald von Saint Apolin bewahrt dieses Geheimnis bereits seit mehreren Jahren und erinnert uns daran, dass die tiefste Dunkelheit sich nicht im Dick des Waldes verbirgt, sondern in der Seele eines Menschen, der mit seinem eigenen Schmerz nicht zurecht kam. Die Mutter der Mädchen, Kamille, sagte später: “Ich habe keine Angst mehr vor dem Tod, denn ich weiß, wenn ich dort ankomme, werden sie auf mich warten.
” Doch eine Frage bleibt, auf die kein Bericht eines Leichenbeschauers je eine Antwort geben wird. Wie erkennt man den Moment, in dem die grenzenlose Liebe im Herzen eines nahestehenden Menschen zu einem Todesurteil wird? Und kann man seine Liebsten in einem solchen Fall überhaupt schützen? Sie haben den Kanal Fokusfall gesehen.