“Vom Team nicht akzeptiert”: Sind GNTM-Curvys benachteiligt? – Ty
“Vom Team nicht akzeptiert”: Der schockierende GNTM-Skandal um Curvy-Models und die bittere Wahrheit hinter der glitzernden Body-Positivity-Fassade
Article: In der schillernden, oftmals unerbittlichen und gnadenlos harten Welt der internationalen High Fashion, und ganz besonders im grellen Scheinwerferlicht der deutschen Erfolgs-Castingshow “Germany’s Next Topmodel” (GNTM), schien über ein ganzes Jahrzehnt lang ein eisernes, ungeschriebenes Gesetz zu herrschen: Nur wer sich in die berüchtigte “Size Zero” hungert und die utopischen Idealmaße der Laufstege erfüllt, hat eine reelle Chance auf den begehrten Titel, das glamouröse Magazin-Cover und die extrem lukrativen Werbeverträge. Die weltberühmte Model-Mama Heidi Klum, eine unbestrittene und einflussreiche Ikone der Branche, diktierte Jahr für Jahr die strengen Maße, die junge Mädchen und Frauen vor den heimischen Bildschirmen landauf, landab als das absolute und unumstößliche Maß aller Dinge ansahen. Wer nicht passte, wurde aussortiert – so einfach und grausam war die Realität.
Doch der Wind in der modernen Gesellschaft hat sich im Laufe der letzten Jahre massiv gedreht. Die verzweifelten und wütenden Rufe nach mehr Diversität, echter Body Positivity, realistischen Körperbildern und der längst überfälligen Repräsentation von Frauen abseits des Magerwahns wurden lauter, unüberhörbar und schließlich so unglaublich mächtig, dass auch ein kommerzieller Gigant der Fernsehlandschaft wie GNTM schlichtweg nicht mehr wegschauen konnte. Plötzlich erstrahlte die beliebte Sendung in einem neuen, scheinbar inklusiven und toleranten Licht. “Diversity” wurde nicht nur zum neuen Buzzword der Modeindustrie, sondern auch zum lautstarken Aushängeschild der Show. Plötzlich zogen Curvy-Models in die luxuriösen Model-Villen ein, und die Nation jubelte. Auf den ersten Blick wirkte all das wie ein triumphaler Sieg für Millionen von Frauen, die sich jahrelang von der elitären Modeindustrie ignoriert, herabgesetzt und an den gesellschaftlichen Rand gedrängt fühlten. Doch wie viel von dieser glänzenden, perfekt inszenierten Body-Positivity-Fassade entspringt einer echten Überzeugung, und wie viel davon ist lediglich ein kalt kalkuliertes Marketinginstrument, um Quoten zu generieren und Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen? Ein brisanter und zutiefst erschütternder Blick hinter die Kulissen der Produktion, schonungslos enthüllt durch die Aussagen einer ehemaligen Kandidatin, offenbart nun eine toxische Realität, die so gar nicht zu dem bunten, toleranten Image passen will, das GNTM so leidenschaftlich gerne nach außen hin inszeniert.
Um die heutige Situation in ihrer vollen Dramatik zu verstehen, muss man einen Blick auf die Anfänge dieser vermeintlichen Revolution werfen. Es war das Jahr 2018, als die Produktion von GNTM das erste Mal stolz verkündete, die starren Grenzen der Kleidergrößen aufzubrechen und “Plus-Size”- beziehungsweise Curvy-Models zur Sendung einzuladen. Ein vermeintlich historischer Moment für das deutsche Fernsehen. Den viel beachteten Anfang machte damals die Kandidatin Pia Riegel. Doch die Euphorie des Publikums wich schnell einer spürbaren Irritation und teilweise beißendem Spott im Netz. Der Grund? Pia trug damals eine reguläre Konfektionsgröße 36. Für den durchschnittlichen Zuschauer, der tagtäglich auf der Straße Frauen in unterschiedlichsten Formen und Größen sieht, hatte dieses Maß schlichtweg nichts, aber auch gar nichts mit “Curvy” zu tun. Es war vielmehr die normale Durchschnittsgröße einer schlanken, jungen Frau. Diese Diskrepanz zeigte bereits damals auf schmerzhafte Weise, wie tief die extrem gestörte Wahrnehmung von Körpern in der Modeindustrie verwurzelt war. Wer nicht untergewichtig ist, gilt in dieser künstlichen Blase bereits als “üppig”.
Erst in den darauffolgenden Staffeln schien die Show langsam aus diesen Fehlern zu lernen und authentischere Schritte zu wagen. Die Kandidatin Julia Helm zog in den Wettbewerb ein und bewies mit ihren wunderschönen, echten Rundungen, dass Schönheit keine Frage des Maßbandes ist. Sie kämpfte sich mit viel Charisma und Talent bis auf den zehnten Platz vor und bereitete den Boden für die nachfolgenden Generationen an Models, die nicht in die klassischen 90-60-90 Schablonen passten. Die Narrative der Show veränderte sich merklich. Kurven wurden nun vor der Kamera gefeiert, die Models für ihren Mut gelobt, und das Publikum honorierte diese längst überfällige Entwicklung mit stehenden Ovationen auf den Social-Media-Plattformen.
In der aktuellen Staffel scheint dieser Prozess der vermeintlichen Inklusion seinen absoluten Höhepunkt erreicht zu haben. Eine Kandidatin ist aus dem Format mittlerweile gar nicht mehr wegzudenken: Dascha Carriero. Die gebürtige Ukrainerin ist nicht nur ein bildschönes Model mit atemberaubenden Kurven, sondern auch eine absolute Naturgewalt. Sie mausert sich Woche für Woche mit ihrem unerschütterlichen Selbstbewusstsein, ihrer mitreißenden, unkomplizierten Art und ihrem ansteckenden Lachen zu einem der großen Lieblinge der gesamten Staffel – und nicht zuletzt zu einer der erklärten Favoritinnen von Chef-Jurorin Heidi Klum höchstpersönlich. Dascha läuft über die Catwalks, als gehöre ihr die Welt, sie posiert bei den Fotoshootings mit einer Leidenschaft, die viele der zierlicheren Konkurrentinnen in den Schatten stellt, und sie verkörpert genau jene starke, unabhängige und körperstolze Frau, nach der sich die Modebranche immer so lautstark sehnt. Alles scheint perfekt. Die Fernsehzuschauer bekommen eine empowernde Show geliefert, in der endlich alle Körperformen zelebriert werden. Doch hinter den dicken Wänden der Produktionsstudios, fernab der schmeichelhaften Ausleuchtung und der sorgfältig geschnittenen Fernsehbilder, sieht die Realität der Curvy-Models oft deutlich düsterer aus.
Genau diese dunkle Seite der Medaille hat nun die ehemalige GNTM-Kandidatin Johanna Höpfner in einem exklusiven und hochemotionalen Interview mit dem Promi-Magazin Promiflash schonungslos ans Licht gebracht. Johanna nahm im Jahr 2020 als Curvy-Model an der Sendung teil. Sie betrat die Show mit der großen Hoffnung, sich selbst zu beweisen, jungen Mädchen ein Vorbild zu sein und die Modebranche ein Stück weit toleranter zu machen. Doch was sie dort erlebte, war ein systematischer, täglicher Kampf, der tiefe seelische Wunden hinterließ. Sie erhebt nun erhebliche und äußerst schwerwiegende Vorwürfe gegen die gesamte Produktion und zeichnet das Bild eines Arbeitsumfeldes, in dem Curvy-Models zwar vor der Kamera als revolutionäres Aushängeschild herhalten dürfen, hinter der Kamera jedoch wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden.
Der absolute Kern des Problems, so enthüllt Johanna, waren die Kleidergrößen. Man sollte meinen, dass eine riesige, millionenschwere Fernsehproduktion, die gezielt Curvy-Models castet und in den Mittelpunkt ihrer Werbekampagnen stellt, auch logistisch auf diese Frauen vorbereitet ist. Doch die Realität war ein täglicher Albtraum für die junge Frau. “Also die Klamottengrößen waren sowohl in meiner Staffel als auch wahrscheinlich in Daschas Staffel ein sehr, sehr großes Thema”, erklärt Johanna mit einer Mischung aus Resignation und aufsteigender Wut. Sie beschreibt eindringlich die zermürbenden, kräftezehrenden Auseinandersetzungen hinter den Kulissen. “Ich weiß nicht, wie oft ich mit den Stylisten diskutieren musste, das kann man irgendwie vielfach nicht fassen.” Diese Aussage lässt tief blicken. Anstatt sich in Ruhe mental auf anspruchsvolle Fotoshootings oder wichtige Catwalk-Walks vorbereiten zu können, mussten die Curvy-Models einen emotionalen Spießrutenlauf durchleben, nur um ein Kleidungsstück zu finden, das ihren Körper nicht abschnürt oder sie unvorteilhaft entstellt.
Obwohl sämtliche Mitarbeiter, von den Redakteuren bis hin zu den verantwortlichen Stylisten und Designern, ganz genau wussten, dass Johanna als Curvy-Model nicht die gleiche zierliche Größe trägt wie ein Großteil ihrer spindeldürren Mitstreiterinnen, bekam sie immer und immer wieder viel zu kleine Outfits vorgesetzt. Es wurde ihr Kleidung gereicht, die rein physikalisch nicht passen konnte. Die psychologischen Auswirkungen einer solchen permanenten Zurückweisung und Fehlbehandlung auf eine junge, ambitionierte Frau sind verheerend. “Ich habe mich teilweise nicht so akzeptiert gefühlt von einem großen Teil des ganzen Teams, weil die Klamotten halt nie hundert Prozent gepasst haben”, gesteht Johanna. In diesen Worten schwingt ein tiefes Gefühl der Ausgrenzung mit. Man wird eingeladen, um anders zu sein, aber man wird vom eigenen Team dafür bestraft, nicht der Norm zu entsprechen. Es vermittelt den Models das toxische Gefühl, ein Störfaktor zu sein, ein logistisches Problem, das man irgendwie in eine viel zu kleine Schablone quetschen muss, damit das Bild am Ende des Tages doch wieder halbwegs der klassischen Mode-Illusion entspricht.
Doch dieser Mangel an Vorbereitung, Respekt und professioneller Ausstattung passierte Johanna bedauerlicherweise nicht nur direkt am Set der Show, sondern setzte sich wie ein roter Faden fort und erreichte seinen traurigen Höhepunkt auch bei den externen Kunden und den so wichtigen Castings der Staffel. Sie erinnert sich im Interview noch ganz genau an ein konkretes, besonders schmerzhaftes und traumatisches Beispiel, das exemplarisch für die Doppelmoral der gesamten Industrie steht. Johanna wurde als Kandidatin ganz offiziell und gezielt zu einem wichtigen Casting für einen namhaften Kunden eingeladen. Das Set-up war klar definiert: Die jungen Frauen mussten sich für die Präsentation beim Kunden selbst stylen und sich aus einem bereitgestellten Fundus ihr perfektes Outfit zusammensuchen. Voller Tatendrang und Vorfreude trat Johanna an die Kleiderstangen heran – nur um mit einer vernichtenden Realität konfrontiert zu werden. Obwohl sie vom Kunden explizit und persönlich zu diesem Termin eingeladen worden war, und obwohl ihre genauen Körpermaße selbstverständlich längst im Vorfeld in der sedcard bekannt gegeben wurden, gab es für sie schlicht und ergreifend absolut nichts zum Anziehen. Nicht ein einziges Teil auf der Kleiderstange entsprach ihrer Größe.
“Im großen Casting meiner Staffel zum Beispiel mussten wir uns ja stylen und unser Outfit zusammensuchen. Das gab es für mich nicht”, schildert Johanna die demütigende Situation. Man muss sich die absolute Absurdität und Grausamkeit dieses Moments auf der Zunge zergehen lassen. Ein Model wird unter den Augen der laufenden Kameras, der strengen Jury und der knallharten Konkurrentinnen in eine Aufgabe geschickt, die sie von vornherein unmöglich lösen kann, weil ihr die grundlegendsten Arbeitsmaterialien – nämlich passende Kleidung – mutwillig verwehrt werden. Die emotionale Reaktion darauf ist mehr als verständlich. “Und da kommt man sich schon so ein bisschen verarscht vor. Warum soll ich hierher kommen, wenn ihr wisst, ich komme, dann besorgt doch bitte irgendwas in die Richtung”, rechnet sie ab. Es ist eine Erfahrung, die das Model als schlichtweg unangenehm, absolut unprofessionell und für beide Seiten völlig nicht zielführend beschreibt. Es wirft unweigerlich die Frage auf, ob solche Situationen vielleicht sogar bewusst einkalkuliert wurden, um das Drama für die Kameras zu erhöhen, oder ob es schlichtweg an einer grenzenlosen Arroganz und Ignoranz der beteiligten Agenturen lag. Beide Erklärungsansätze werfen ein verheerendes Licht auf die Produktionsbedingungen.
Aus diesen tiefen Verletzungen und der fortwährenden Frustration heraus, hat Johanna nun einen sehr konkreten, unmissverständlichen Appell an das gesamte Team von GNTM und an die Entscheidungsträger der Modeindustrie gerichtet. Es ist eine Forderung, die eigentlich eine völlige Selbstverständlichkeit in einem professionellen Arbeitsumfeld sein sollte: “Woran das GNTM-Team auf jeden Fall arbeiten muss, ist: Wenn man weiß, da kommt ein Curvy-Model, dass die Sachen auch passen. Und nicht, dass die immer ein bisschen kleiner sind und man sagt ‘Ja, es wird schon’. Nein, es wird nicht schon!” Mit diesen starken Worten prangert sie diese berüchtigte “Das passt schon irgendwie”-Mentalität an. Kleidung, die zu eng ist, schneidet ein, verändert die Haltung des Models, zerstört das Selbstbewusstsein und ruiniert letztendlich auch das visuelle Endprodukt. Ein Model kann nur dann eine Top-Leistung erbringen, frei vor der Kamera agieren und dem Kunden das perfekte Bild liefern, wenn es sich in seiner Haut und in seiner Kleidung absolut wohl und sicher fühlt. Wer Curvy-Models bucht, muss verdammt noch mal auch Curvy-Fashion am Set haben. Punkt. Alles andere ist scheinheilige Token-Politik, bei der Menschen als reine Requisiten für ein progressives Image missbraucht werden.
Ob es dem aktuellen Shooting-Star Dascha Carriero in der laufenden Staffel hinter verschlossenen Türen ganz ähnlich ergeht wie damals Johanna, sei vorerst dahingestellt. Vor den Kameras lässt sich die taffe Abiturientin jedenfalls nichts anmerken, und genau davon ist auch Johanna übrigens total begeistert. Sie verfolgt den Weg ihrer “Nachfolgerin” mit großem Respekt und fiebert bei jeder Folge mit. Tatsächlich ist Johanna so beeindruckt von Daschas Stärke, dass sie sich über einen finalen Sieg der gebürtigen Ukrainerin bei GNTM aus tiefstem Herzen freuen würde. Immerhin stünde ein solcher Sieg nicht nur für einen weiteren Stern am Modelhimmel, sondern er wäre ein monumentales Signal, ein dringend benötigtes Beben in der gesamten deutschen Fernseh- und Modelandschaft. Er stünde für weit mehr als nur eine weitere Siegerin in der mittlerweile schier unendlichen Geschichte der Sendung.
“Ich glaube, es wäre natürlich ein wahnsinniges Statement, wenn jemand als Minderheit gewinnt, zum Beispiel gerade ein Curvy-Model”, reflektiert Johanna über die gesellschaftliche Relevanz eines solchen Triumphs. Es ist genau das Statement, von dem Heidi Klum selbst in letzter Zeit häufig in der Öffentlichkeit betont hat, dass sie es sich von Herzen wünschen würde. Sie habe, so die Model-Mama erst kürzlich in einem Interview, die perfekte Kandidatin für diesen historischen Moment gerade direkt vor sich stehen. “Es wäre natürlich ein unglaubliches Statement, auch so im generellen Empfinden der Gesellschaft”, fügt Johanna hinzu und unterstreicht damit die Vorbildfunktion, die ein solches Format unweigerlich für unzählige junge Mädchen hat, die verzweifelt versuchen, sich in einer Welt voller unrealistischer Schönheitsideale zurechtzufinden.
Ob Dascha es am Ende wirklich auf das Cover der “Harper’s Bazaar” und an die Spitze des Siegertreppchens schafft, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Nach ihren bisherigen, herausragenden Top-Leistungen in fast jedem Fotoshooting und bei jedem noch so wackeligen Walk stehen ihre persönlichen Chancen auf den begehrten Titel zumindest nicht schlecht. Doch der wahre Sieg wird nicht am Finaltag im Fernsehen entschieden. Der wahre Sieg für all die Curvy-Models da draußen wird erst dann errungen sein, wenn Skandale und Enthüllungen, wie sie Johanna Höpfner nun mutig ans Licht gebracht hat, der Vergangenheit angehören. Wahre Body Positivity zeigt sich nicht darin, ein Curvy-Model vor die Kamera zu zerren und sich für seine Weltoffenheit applaudieren zu lassen. Wahre Inklusion zeigt sich in den Details, in der Arbeit hinter den Kulissen, im echten Respekt, in der Augenhöhe – und eben ganz profan darin, dass verdammt noch mal endlich genug Kleidung in den richtigen Größen auf der verdammten Kleiderstange hängt. Erst wenn das gesamte Produktionsteam, von der Chefjurorin bis hin zum letzten Stylisten, diese Menschen nicht mehr als lästige logistische Ausnahme, sondern als selbstverständlichen Teil der Mode begreift, wird die Revolution, die GNTM so gerne für sich proklamiert, auch wirklich im wahren Leben stattgefunden haben.