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Als der Farmer die alte deutsche Blockbautechnik belächelte – bis er auf der Baustelle verstummte

imageAm Samstag, dem 9. Juni 1945, kam in Nebraska der Hagel, kurz nach 4. Holger Mortensen stand auf der Weide und sah die Wolke über den Mais ziehen. Unten war sie grün. Dann kam der Sturm und die Hagelkörner schlugen ins Gras wie Schrot. “Wilma, die Kühe zur Scheune!” Wilma Kincaid, sein Knecht, lief mit dem Hut über dem Kopf.

 18 Milchkühe und sechs Kälber drängten sich am Zaun, die Köpfe tief, die Augen weiß. Mortensen schlug der ersten auf die Flanke. Die Herde setzte sich in Bewegung, schwer gegen den Wind. Da hörte er es vor sich. Ein Knacken, wie wenn ein Ast bricht, nur länger. Er sah auf. Die Scheune kippte. Die Pfosten gaben nach, einer nach dem anderen, und das Dach ging langsam zu Boden, mit allem, was darunter lag.

 Das Heu vom Vorjahr und der erste Schnitt, das Futter für den Winter. Staub walte über den Hof und der Hagel trommelte auf die Bretter. Noch 2 Minuten und die Herde hätte darunter gestanden. Die Kühe blieben stehen. Sie standen im Hagel und sahen auf das, was ihr Dach gewesen war. Mortensen hatte diese Scheune selbst gebaut, im Jahr 38.

 Gesägte Bretter, gerade Kanten, alles im Lot. Er war 54 und stolz auf jede Latte. So baute man in Nebraska. Das nannte er richtiges Bauen. Am Montag lehnte Ferlin Lindgren am Zaun, der Nachbar. Seine Scheune war aus Ziegeln, das Dach aus Blech. “Sechs Kühe kann ich nehmen”, sagte er. [räuspern] “Mehr nicht, bis zum ersten Schnee.

 Dann brauche ich meinen Platz selbst.” Mortensen antwortete nicht. Am Dienstag fuhr Mortensen nach Grand Island, zum Holzhändler. Mr. Cleary stand hinter dem Tresen, 57, die Brille auf der Stirn. “Bretter?” “Holger, Holz ist knapp. Wer bestellt, kommt auf die Liste. Und Zimmerleute findest du auch keine. Die bauen Baracken für die Armee.

 “Und wann bin ich dran?” Cleary blätterte. “Vor dem Winter kommt nichts. Die Sägewerke stehen und die Liste ist lang. Im Winter liegt mein Vieh im Schnee. Dann flick, was du hast.” Mortensen fuhr heim und ging um die Trümmer herum. Ein Teil der Dachbretter war heil. Daraus konnte er ein Dach machen.

 Aber wohin damit, wenn keine Wände da waren? Für den Mais und das Aufräumen hatte der Landkreis ihm Männer zugesagt. In Hall County fehlten die Arbeiter. Schon im Vorjahr hatten die Farmer sich zusammengetan und deutsche Kriegsgefangene angefordert. Anfang Juli hielt der Lastwagen auf dem Hof. Der Wachsoldat hieß Maynard Tullis, 37, Gefreiter.

 Er war Milchfahrer aus Iowa und zählte alles zweimal. Er zählte die Werkzeuge, die Mortensen ihm aus dem Schuppen reichte. Morgens aus, abends ein. Fehlte eins, bekam er den Ärger. Die beiden Gefangenen trugen graue Arbeitskleidung, das PW in weißer Farbe auf dem Rücken und an den Hosenbeinen. Detlef Hellwig, 32, war Schlosser aus Kassel. Er konnte jedes Eisen biegen.

Von Holz verstand er nichts. Der andere hieß Benedikt Fottner. Benedikt war 26, Zimmerergeselle aus Hinterbichl in der Jachenau, einem Tal in Oberbayern. Beim Vater hatte er gelernt, mit 14 schon. Man zog ihn ein und weil man Zimmerer für Brücken und Unterstände brauchte, kam er zu den Pionieren.

 Im Dezember schrieb die Mutter, Michel sei gefallen. Mitte Januar fiel er selbst den Amerikanern in die Hände, in den Ardennen, im [räuspern] Schnee. Von der Küste brachte ihn ein Schiff nach New York. Die Schiffe fuhren ohnehin leer zurück und Amerika brauchte Arbeiter. Das Foto durfte er behalten. Das Haus in Hinterbichl, der Vater vor der Tür.

Michel hatte es aufgenommen, darum war er selbst nicht darauf. Dann fuhr ihn ein Zug tagelang nach Westen ins Lager bei Atlanta in Nebraska. Im Frühsommer verlegte man Männer nach Grand Island in eine alte Schule mitten in der Stadt, weil die Farmer dort Arbeiter angefordert hatten. Von dort fuhr man sie zu den Farmern.

 Ingeborg Mortensen, 52, stellte morgens eine Kanne Kaffee und ein Brot auf ein Brett am Zaun und ging ins Haus zurück. Umgang mit Gefangenen war strafbar. An ihrem Tisch hatte keiner Platz. Die ersten Tage räumten sie die Scheune. Sie zogen die heilen Bretter aus dem Schutt und stapelten sie. Das nasse Heu schleppten sie auf die Wiese, damit es trocknete.

Benedikt trug und schwieg, aber er sah sich die Pfosten an. Dünn wie Zaunlatten und keine Strebe stand schräg dazwischen. Als der Sturm kam, hatte nichts dagegen gehalten. Am vierten Tag gingen er und Wilmer zum Bach, Tullis zehn Schritte hinter ihnen. Das Bett war trocken. Aber am Ufer, auf Mortensens Land, stand ein Hain Pappeln, über 60, gerade gewachsen, unten dicker als zwei Männerarme. “Pappeln”, sagte Wilmer.

Seine Großmutter war aus Hessen gewesen. Er verstand die Hälfte, wenn man langsam sprach. “Weiches Zeug, nicht mal als Brennholz taugt es.” “Zum Bauen”, sagte Benedikt. Wilmer sah ihn an. Stamm auf Stamm. Benedikt legte die Hände übereinander. “Blockbau. Bei uns zu Hause baut man so. Mein Vater ist Zimmermeister.

 Die Stube im Haus meiner Eltern ist aus Balken.” Wilmer sagte lange nichts. Als Junge hatte er drüben am Fluss eine Blockhütte gesehen. Es war warm darin gewesen, auch im Januar. “Sag das dem Boss”, sagte er. “Ich bin Gefangener. Ich sage dem Boss nichts.” “Dann sag es mir. Ich sag es ihm.” Am Abend stand Wilmer vor Mortensen auf dem Hof.

 Tullis stand drei Schritte entfernt und sah Wilmer sagte es, so gut er konnte. Mortensen lachte kurz. Stämme aus Pappeln. Er schüttelte den Kopf. Das ist Siedlerkram, Wilmer. Mein Vater hat so gebaut, als er kam und nichts anderes hatte. Er hat sich dafür geschämt. Ich bin in so einem Haus aufgewachsen. Im Winter pfeift der Wind durch jede Fuge.

Ich habe mit Brettern gebaut. Die Bretter liegen im Schutt. Pappel ist Müll. Sie reißt, sie fault, sie verzieht sich. Wilmer gab es weiter. Benedikt nickte. Das stimmte alles. Darum kein Nagel, sagte er. Dübel aus Hartholz. Die Wand nicht auf die Erde, sondern hoch auf Zedernholz. Und ein Dach, das über die Wand reicht, damit kein Regen drankommt.

 Wer sagt das? fragte Mortensen. Sein Vater, der ist Zimmermeister. Dann soll sein Vater herkommen. Cleary hat nichts vor dem Winter, sagte Wilmer. Mortensen sah auf den Trümmerhaufen, auf die Weide, auf die Kühe im nassen Gras. Er presste die Lippen zusammen. Wir fragen den Captain. Sagt er nein, ist die Sache erledigt. Zwei Tage später kam Captain Whitcomb im Jeep 43, Offizier im Zweiglager.

 Er ging um den Schutt, sah auf die Pappeln und hörte Mortensen zu. Eine Axt ist eine Waffe, sagte er dann. In der Hand eines Gefangenen sagen die Regeln nein. Ich glaube nicht, dass es hält. Aber ich habe 24 Stück Vieh ohne Dach, sagte Mortensen. Cleary liefert nichts vor dem Winter. Wollen Sie mir im Winter erklären, was mit den Kühen ist? Whitcomb schwieg. Dann fragte er Wilmer.

Wie lange? Wilmer gab es weiter. Bis Oktober, sagte Benedikt. Mit zwei Männern und einem Beil. Axt und Beil, sagte Whitcomb zu Mortensen. Nur für diese Bäume, nur bis der Stall steht. Tullis zählt sie aus und ein. Der Mann arbeitet nie allein. Es sind Ihre Werkzeuge. Fällt ihm ein Baum auf den Fuß, schreibe ich den Bericht und sie erklären ihn. Er stieg in den Jeep.

In vier Wochen sehe ich nach, sagte er. Im Juli fällten sie vier Pappeln am Tag. Benedikt wählte die geradesten, ohne Knick und ohne Drall, unten 30 bis 35 cm dick. Hellwig zog an der Säge, Tullis saß auf dem Zaun, das Gewehr auf den Knien. Benedikt hätte sie im Winter geschlagen, wie sein Vater. Aber der Winter war fern und im [räuspern] Sommer geht die Rinde leicht ab.

 Sie zogen sie in langen Streifen herunter und die nackten Stämme lagen hell und feucht im Gras. Habt ihr ein Breitbeil? fragte Benedikt. Wilma gab es weiter. Mortensen sah lange zum Schuppen. Es hängt da, sagte er. Mein Vater hat es gebraucht. Das Breitbeil hing am Nagel, rot vor Rost. Mortensen nahm es herunter und gab es Tullis.

 Tullis zählte es ab und trug es zu Benedikt. Der brauchte einen Vormittag, um den Rost abzuschleifen. Am Abend rieb er die Schneide mit Öl ein, wischte sie trocken und gab sie Tullis zurück, bevor der Wagen fuhr. Wozu der Aufwand? fragte Hellwig. Ein Beil hängt man nie nass auf, sagte Benedikt. Sagt mein Vater. Es ist nicht deins. Eben darum.

 Mortensen stand am Schuppen und hatte es gesehen. Als die Stämme in einer Reihe im Gras lagen, kam er mit dem Hut im Nacken zu Wilma. Sag ihm, das ist grünes Holz. Es schwindet. Es reißt. Man baut mit Trockenem. Wilma gab es weiter. Es schwindet, ja, sagte Benedikt. Wilma übersetzte. Dann nimm trockenes Holz.

 Haben wir trockenes? fragte Benedikt. Bis zum Winter? Mortensen sah auf die Stämme. Dann ging er weg. Im August hauten sie die Stämme zu. Benedikt stand auf dem Stamm und schlug das Beil schräg hinein. Kerbe an Kerbe, dann glättete er. Oben eine ebene Fläche, unten eine ebene Fläche, 16 cm hoch, die Seiten rund. Die Späne lagen knöchelhoch.

 Mitte August hörte Wilma im Radio, dass auch Japan aufgegeben hatte. Er drehte es ab und ging zurück an die Arbeit. Hellwig schärfte jeden Abend die Säge nach, ohne dass es jemand verlangte. Mortensen sah ihm von der Tür des Schuppens aus zu. Der Deutsche stand auf dem Stamm, die Beine breit, das Beil im Schwung. Er kannte das Bild von einem alten Foto im Flur. Er ging ins Haus zurück.

Das Fundament goss Mortensen selbst. Mit Wilma Pfeiler aus Beton in einer Reihe um den ganzen Bau. Darauf kam der Fußbaum, ein Rahmen aus Zedernbalken vom Windschutzstreifen. Zedernholz fault auch im Boden nicht so schnell. Mortensen rechnete jeden Abend nach, ein Dach vor dem ersten Schnee, nicht später.

 Ende August legte Benedikt den ersten Stamm auf den Fußbaum. Stamm auf Stamm. An den Ecken schnitt er Kerben, damit jeder in den nächsten Griff. Die Enden standen über. Zwischen jeder Reihe kam Werk, Hanffasern in Teer getränkt. Mortensen hatte vier Rollen im Laden gekauft und gezahlt, ohne zu fragen, wofür.

 Mit einem flachen Eisen trieb Benedikt es in die Fuge. Alle zwei Reihen bohrte er ein Loch durch zwei Stämme und schlug einen Dübel aus Hartholz hinein. Von Reihe zu Reihe wuchs die Wand. Zu dritt rollten sie jeden Stamm hinauf. Hellwig am Seil, Wilma am unteren Ende, Benedikt oben. Er legte ihn auf, hob ihn wieder ab, wenn er nicht saß und hieb nach.

 Nach zwei Wochen reichte die Wand Benedikt bis an die Brust. Mortensen kam am Donnerstag und sah in die Fugen. “Mörtel”, sagte er. “Das ist ein Sieb. Zement hinein, dann ist es dicht.” Wilma übersetzte. Benedikt schüttelte den Kopf. “Moos oder Werk, aber kein Mörtel. Die Wand bewegt sich. Mörtel ist hart. Er reißt.

 Sie bewegt sich nicht. Das Holz arbeitet, sagte Benedikt. Mortensen ging wortlos zum Haus zurück. Bei der Tür fragte Benedikt über Wilmer, ob er über dem Rahmen eine Fuge offen lassen dürfe. Mortensen zuckte mit den Schultern. Er glaubte nicht an die Wand. Der Pfosten stand fest im Fußbaum. Die Stämme stießen nur an ihn und konnten daran hinabgleiten.

 Über dem Türrahmen blieb eine Fuge offen. 12 cm hoch, nur mit losem Werk gestopft. “Lass Luft über der Tür”, sagte Benedikt zu Wilmer. “Mein Vater lässt sie überall. 12 cm Loch über meiner Tür”, sagte Mortensen. “Die Wand sinkt”, sagte Benedikt. “Dann wird sie dicht.” Wilmer gab es weiter. “Sie sinkt?”, fragte Mortensen. “Jeden Tag ein Stück”, sagte Benedikt.

“Bis das Gewicht auf ihr liegt und das Holz trocken ist. Dann liegt Stamm dicht auf Stamm. Und ohne die Luft über der Tür?” “Dann klemmt die Tür und im Fenster bricht das Glas.” Am Samstag, dem 15. September, standen die Wände. Mortensen ging mit einer Kerze um den Bau. Im Eck, wo zwei Stämme sich kreuzten, fiel Licht durch die Fuge, ein dünner Streifen.

 Die Flamme neigte sich zur Wand hin. “Ein Sieb”, sagte er. “Ich habe es gesagt.” Benedikt sah auf die Flamme. “Sag ihm, die Wand braucht Zeit”, sagte Benedikt zu Wilmer. In der Woche darauf deckten sie das Dach mit den Brettern der alten Scheune. Diesmal nagelte Mortensen selbst, Brett für Brett.

 Die Bretter kamen doppelt aufs Gebälk und auf den Boden darunter das Heu. Das Gewicht drückte die Stämme zusammen. Die Kühe blieben auf der Weide. “Erst, wenn ich weiß, dass er hält”, sagte Mortensen. Benedikt fragte über Wilmer, ob er den Pfosten anritzen dürfe. Mortensen nickte. Am Samstag darauf schnitt er mit der Säge einen Strich quer in den Türpfosten, genau auf die Höhe der obersten Reihe.

 “Wozu?” fragte Wilma. “Damit man sieht, was die Wand tut. Im Oktober wurde die Luft trocken und die Stämme rissen. Lange Risse, nicht tief, entlang der Fasern. Das sei bei Pappel normal”, sagte Benedikt. Mortensen hörte es nicht. Er sah nur die Risse und er sah den Strich im Pfosten. Die oberste Reihe lag darunter, 4 cm tiefer.

 Am Montag, dem 15. Oktober, ging ein scharfer Wind. Lindgren hielt mit dem Wagen am Zaun und sah auf die Risse. “Holger!” rief er. “Wilma erzählt, dein Stall sackt jeden Tag ein Stück. Bald brauchst du keinen mehr.” Er lachte. “Kauf dir ein Blechdach und hör auf damit.” Mortensen sagte nichts. Er sah auf den Strich. Am Nachmittag kam er mit dem schwersten Hammer, einer Dose Nägel und Bandeisen aus dem Schuppen.

 “Ich nagle Band über die Fugen, von oben bis unten. Dann ist Ruhe.” “Kein Nagel hält, wo das Holz sich bewegt”, sagte Benedikt. Wilma übersetzte. “Dann nehme ich mehr.” An der Nordwand, wo keine Tür war, schlug er ein Band senkrecht über die Reihen, von der Oberkante bis zum Fußbaum. Acht Nägel. Der Pappelstamm nahm sie, einen nach dem anderen.

 “Du sagst, kein Nagel hält”, sagte er zu Wilma. “Siehst du? Er hält.” “Heute”, sagte Benedikt leise zu Wilma. Wilma übersetzte es nicht. “Und die Südwand mit der Tür?” fragte Wilma. Mortensen sah nicht auf. “Bis zum ersten harten Frost. Dann nagle ich den Rest.” In der Nacht sah Wilma vom Haus aus ein Licht im Stall. Mortensen stand mit der Laterne vor der Nordwand und sah auf die Nägel.

 Er stand lange dort. Dann ging das Licht aus. Benedikt lag in dieser Nacht auf der Pritsche in der alten Schule und nahm das Foto aus der Tasche. Der Vater stand vor vor Haus, die Hände in den Hosentaschen, als hätte er alle Zeit. “Das Holz arbeitet”, hatte er immer gesagt. Mehr hatte er nie erklärt. Im November kam noch einmal der Sommer.

Dann drehte der Wind und in der Nacht fiel ein Hauch Schnee, kaum genug für Spuren. Am Samstag, dem 10. November, kam Mortensen früh. In der rechten den Hammer, in der linken die Dose mit den Nägeln. Das war der erste harte Frost. Jetzt war er an der Reihe. Wilma stand schon im Stall, in der Nordwestecke, dort, wo im September das Licht durchgekommen war. Er hielt die Kerze.

Draußen blies der Wind aus Norden, kalt und stetig. Die Flamme stand gerade. Mortensen nahm ihm die Kerze ab. Er führte sie am Eck entlang, an den Fugen darüber, hinunter bis zum Fußbaum. Die Flamme rührte sich nicht. Zwischen den Stämmen lag das Werk als dunkle Linie, nirgends ein Streifen Licht. Dann ging er zur Tür.

 Er hielt die Kerze an die Fuge darüber. Sie war nur noch halb so hoch. Wilma hielt den Zollstock daran. 6 cm. Am Pfosten saß der Strich vom September. Die oberste Reihe lag darunter. “Sie ist gesunken”, sagte Wilma. “Jeden Tag ein Stück.” Mortensen antwortete nicht. Der Hammer hing in Mortensens Hand. Die Dose auch. Die Flamme stand. Er ging zur Nordwand.

 Die Nägel saßen schief. Drei hatte das Holz losgelassen und das Band hing wellig an der Wand. Er setzte die Hammerklaue an und zog sie, einen nach dem anderen. Sie kamen mit einem Zug. Er legte sie in die Dose und machte den Deckel zu. In der Tür stand Benedikt, Tullis hinter ihm. Mortensen sah ihn an.

 “Wie lange sinkt sie noch?” Wilma übersetzte. “Weiter”, sagte Benedikt. “Im Winter langsamer. Sie braucht die Luft über der Tür noch.” Mortensen nickte. “Lass sie offen”, sagte er zu Wilma. Dann ging er an Benedikt vorbei und trug Hammer und Dose zurück in den Schuppen. Am Abend trieben er und Wilma die Kühe in den Stall. 18 Kühe, sechs Kälber.

Ihr Atem stand als Dampf unter dem Dach. An der Innenwand lag kein Reif. Am Morgen kam Lindgren an den Zaun und sah den Dampf aus der Tür. Er sagte nichts und fuhr weiter. Das Lager in Grand Island löste man im November auf. Die Rüstungsfabriken schlossen. Amerika brauchte die Männer nicht mehr.

 Viele schickte man nicht nach Hause, sondern nach Frankreich, wo Arbeiter für den Wiederaufbau fehlten. So kam Benedikt im Jahr darauf dorthin. Im Herbst 47 ließ man ihn gehen, denn die Amerikaner hatten Frankreich gedrängt, alle freizulassen. In Nebraska blieb das Beil zurück. Am letzten Morgen stand die Kanne wie immer auf dem Brett am Zaun.

 Und der Lastwagen stand schon im Hof. Hellwig saß schon hinten. Tullis hatte die Werkzeuge noch einmal gezählt. Axt, Säge, Bohrer, das flache Eisen, das Beil. Alles lag in der Kiste. Mortensen kam aus dem Schuppen und nahm das Beil heraus. Er nahm den Lappen und das Öl, die auf der Bank lagen, wo Benedikt sie jeden Abend hingelegt hatte.

 Er rieb die Schneide ein und wischte sie trocken. Dann hängte er es an den Nagel. Benedikt saß auf der Ladefläche, den Rücken zum Hof. Er sah es nicht. Ein Beil hängt man nie nass auf. So hatte es Bartholomäus Fortner in Hinterbüchel jeden Abend getan, bis der Sohn es auch tat. Das Beil hing trocken am Nagel.

 Alle Kühe kamen durch den Winter, die Kälber auch. Die Stalltür ging jeden Morgen leicht auf.

 

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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