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Sein altes Pferd weigerte sich weiterzugehen – Dann rettete es einem Jungen das Leben

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In dieser Nacht hat der Wind den Berg geschüttelt wie einen nassen Hund. Ich habe kein Auge zugetan. Gegen drei Uhr fing es im Wald an zu krachen. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern immer wieder ein dumpfes, langes Splittern, dass ich im Bauch spürte, noch bevor es mein Ohr erreichte. Wer einmal gehört hat, wie eine hundertjährige Fichte bricht, vergisß dieses Geräusch nie.

Es klingt wie ein Schuss, auf den ein Seufzen folgt. Als es endlich hell wurde, stand ich in der Stalltür. Und der Schnee reichte mir bis über die Stiefelschäfte. Der Sturm hatte sich ausgetobt. Es war jene Stille, die nur nach einem Unwetter kommt, wenn selbst die Vögel nicht wissen, ob sie wieder anfangen dürfen.

Mein Atem hing in der Luft wie Rauch. Neben mir stand Berta und dampfte. Berta ist meine Stute, ein Schwarzwälder Fuchs, 19 Jahre alt, kastanienbraun, mit heller Mähne und einem weißen Streifen auf der Stirn, der aussieht wie ein verschütteter Tropfenmilch. Sie hat ein Kreuz wie ein Küchenschrank und mehr Geduld als jeder Mensch, den ich kenne.

An diesem Morgen aber war sie nicht geduldig. Sie zog an der Halfter, nicht zum Futter trug, nicht zur Tränke. Sie zog nach Osten über das Tal hinweg, dorthin, wo der Hang über der Landstraße so steil in den Himmel wächst, dass im Sommer die Wanderer stehen bleiben und fotografieren. Ich folgte ihrem Blick und da sah ich es.

Drüben auf halber Höhe leuchteten zwei gelbe Scheinwerfer. Sie standen schief, viel zu schief und zeigten nicht in den Wald, sondern halb in den Himmel. Es war ein Haarvester, eine Maschine von 20 Tonnen, und sie hing quer am Hang, die eine Seite tief im Schnee versunken, die andere im Leeren, wie ein Käfer, der noch nicht gemerkt hat, dass er auf dem Rücken liegt.

Unter ihm hatten sich Männer mit Seilwinden aufgestellt. In der kalten klaren Luft trug der Schall alles zu mir herüber. Das Heulen eines überdrehten Motors, das Klären von Ketten und Rufe, die immer lauter wurden und immer weniger nach Befehlen klangen. Unten am Fuß dieses Hangs verläuft die einzige Straße, die unser Dorf Hinterbach mit der Welt verbindet.

Und diese Straße, das sah ich sogar von meinem Hof aus, war verschwunden. Wo gestern noch der graue Asphaltstreifen war, lag jetzt ein Teppich aus Stämmen, Wurzeltellern und zerrissenen Kronen wild übereinander geworfen wie Streichhölzer. Hinter mir knatterte etwas den Feldweg herauf. Es war Wille Armbruster, unser Feuerwehrkommandant, auf dem Unimog der Weer, die Schneeketten klirrend.

Er sprang heraus, bevor der Motor ausgegangen war. Sein Gesicht war grau vor Müdigkeit. “Konrad”, sagte er, die Straße ist zu, in beide Richtungen. Der Hang ist voller Bruchholz und Haberstroßleute wollten mit dem Harwester hinauf. Jetzt sitzt er fest und sie holen ihn nicht heraus. Der Kran kommt nicht durch, der Bagger auch nicht.

Der Boden ist zu nass und der Hang ist zu steil. Nach oben kommt nichts, nicht einmal wir. Und was sagt Geraber Stroh? Er sagt, in drei Tagen kommt ein Seilkran aus Österreich. Willly rieb sich die Augen, aber drei Tage, das sind drei Tage, in denen das Holz dort liegt und niemand an die Menschen oben kommt. Die Familie Bränder hat ein Kind mit Fieber und der Doktor kommt nicht hinauf.

Er sah Berta an, dann sah er mich an. Ein kleines hilfloses Lächeln huschte über sein Gesicht. So ein Lächeln, wie man es hat, wenn man einen Gedanken denkt und sich dafür schämt. Er sagte nichts, aber ich hatte ihn gehört. Berta zog wieder an der Halfter und schnaubte, und ich merkte, dass meine Hand schon unterwegs war, weg von ihrer Mähne hin zu dem rostigen Nagel neben der Stalltür.

Dort hing seit vier Jahren im Staub, ohne dass ich sie angefasst hätte, die Rossglocke meines Großvaters. Messing, so groß wie meine zwei Fäuste, dunkel angelaufen mit einem Lederriemen, den drei Generationen glatt gegriffen haben. Ich hatte mir geschworen, sie nur noch einmal zu leuten. Und dieses eine Mal war schon vorbei.

Ich nahm sie vom Nagel. Sie war kalt und überraschend schwer. Als ich sie anhob, gab sie einen tiefen Ton von sich und Berta stellte beide Ohren auf, als hätte sie vier Jahre lang auf nichts anderes gewartet. Das Geräusch rollte über das verschneite Tal. Drüben auf der Straße drehten sich die Männer um, einer nach dem anderen und sahen herüber.

Was lag dort oben im Hang? Und warum zog meine alte Stute seit dem Morgengrauen daran, als wüste sie längst, was ich erst noch lernen sollte? Ich heiße Konrad Rieger, bin 64 Jahre alt und ich bin der letzte Mann im Tal, der noch mit Pferden im Wald arbeitet. Das klingt vielleicht nach einem schönen Satz. Im Dorf sagt man es anders. Im Dorf sagt man der Rosknecht.

Mein Vater Franz hat noch sechs Pferde gehabt, sechs Schwarzwälder und mit denen hat er in den Wintern das Holz aus Wäldern gezogen, in die kein Lastwagen sich getraut hätte. Ich bin zwischen ihren Hufen aufgewachsen. Als Bub dur dürfte ich die Zügel halten, wenn der Weg flach war, und den Pferdeapfeln aus dem Weg gehen, wenn er es nicht war.

Mein Vater redete nicht viel, aber wenn er mit den Pferden sprach, hörte man einen anderen Menschen. Dann wurde er weich und seine Stimme ging runter, bis sie fast in der Brust blieb. Die Pferde verstanden jedes Wort, obwohl es keine Wörter waren. Dann kamen die Maschinen, erst die Schlepper, dann die Seilwinden, später die Haarvester, die in einer Stunde mehr fällen, als mein Vater im Winter schaffte.

Ein Nachbar nach dem anderen gab auf, und das konnte man ihm nicht einmal verübeln. Ich erinnere mich noch an den Tag, als Sepenbach seine beiden Räpen verkaufte. Er hatte Tränen in den Augen und er stand mit dem Rücken zum Hof, als der Metzgerwagen rückwärts in den Hof fuhr. Das Geschier hat er an einen Altwaren Händler gegeben für den Preis von Altmetall.

Ich habe damals nichts gesagt, aber an diesem Abend habe ich mir vorgenommen, dass bei mir niemand rückwärts in den Hof fährt. Meine Frau Anneles hat das nie verlangt. Sie hat nur daagestanden, mit dem Geschiertuch in der Hand und mich angesehen. Annelies war eine kleine Frau mit sehr großen Händen und sie konnte schweigen wie ein Stein.

Wenn sie etwas sagte, war es immer das Richtige. Vor vier Jahren, in ihrem letzten Winter saß sie am Küchenfenster in eine Decke gewickelt. dünn ein Spatz und sagte eines Morgens: “Spann sie an, Konrad, ich will es noch einmal hören.” Ich verstand sofort, was sie meinte. Ich spannte Berta vor den Schlitten und fuhr dreimal um den Hof im Schritt mit der Glocke am Kommet.

Anneles hat am Fenster gelehnt und die Augen geschlossen. Sie hat geweint und gelacht, beides zugleich, und ich habe nie wieder einen Menschen so zuhören sehen. Zwei Wochen später starb sie und am Tag der Beerdigung zog Berta den Leichenwagen zum Friedhof, Schritt für Schritt mit der Glocke, die keiner leuten musste, weil sie bei jedem Schritt von allein klang.

Danach habe ich die Glocke an den Nagel gehängt. Ein Jahr später kaufte ich Funny. Sie war ein Fohlen aus dem Nachlass eines alten Züchters, der gestorben war, ohne Erben. Alle sagten: “Ich sei verrückt, ein Pferd in meinem Alter anzufangen. Heute ist Fanny 5 Jahre alt, ein großes, hübsches Tier, dunkler als Berta, mit einem Blick, der einem durch die Jacke geht.

Und sie ist das schwierigste Pferd, mit dem ich je gearbeitet habe. Sie erschrickt vor dem Kleiren einer Kette. Sie hört jedes Geräusch, sogar die, die ich nicht höre, und manchmal tritt sie aus, bevor ich weiß, warum. Im letzten Frühjahr hat sie mich gegen die Stallwand gedrückt. Zwei Rippen waren gebrochen.

Der Arzt hat gesagt, ich sle mir ein Pferd suchen, das mich nicht umbringen will. Sie will mich nicht umbringen, habe ich gesagt. Sie hört nur zu viel. Im Dorf redet man über mich mit dieser besonderen Freundlichkeit, die schlimmer ist als Sport. Beim Bäcker legt man mir ein Brot mehr in die Tüte für den armen Konrad. Der Pfarrer fragt, ob ich zurecht komme.

Und wenn ich auf dem Markt stehe mit Berta am Wagen, sehen die jungen Leute die Kutsche an wie ein Museumsstück. In der Schublade unter dem Küchenschrank liegt noch etwas, dass ich seit Jahrzehnten nicht angerührt habe. Das Notizbuch meines Großvaters in braunes Wachstuch gebunden. Johann Rie hat darin aufgeschrieben, wie man die Hänge hinter unserem Hof befährt im Schnee, im Frost, im Tauwetter.

Mein Vater hat es mir gegeben mit den Worten: “Das gehört dir, wenn du es brauchst.” Ich habe es nie gebraucht. Ich kannte ja die Hänge. Warum halte ich ein Pferd, das nichts kann? Und warum liegt dieses Buch noch immer in der Schublade? Am Abend, nachdem der Wind sich gelegt hatte, rief der Gemeinderat die Waldbesitzer in den Hirschen. Ich ging hin.

Die Gaststube war so voll, dass die Fenster beschlugen. Elf Familien teilen sich den Hang über der Landstraße, elf kleine Parzellen, jede mit ein paar hundert Fichten, die unsere Großväter gepflanzt haben. Meine eigene liegt ganz oben, direkt unterhalb meiner Wiesen, daneben die von Hedwig Meier, einer Witwe von 78 Jahren, und die von Anton Schneiderhann, der Milchbauer ist und nie Zeit hat.

Darunter die Parzellen der anderen bis hinab zur Straße. Vorne am Tisch saß Gert Haberstroh, 52, groß, breit, das Gesicht rot vom Wind. Ihm gehört das größte Forstunternehmen im Landkreis. Er ist Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung und er hat in diesem Tal mehr Arbeit vergeben als jeder andere.

Man mag ihn nicht immer, aber man braucht ihn. Neben ihm saß eine junge Frau in grüner Jacke, die ich noch nicht kannte. Lena Winterhalter 31, neu im Forstamt, mit einem Notizblock auf dem Knie und dem Blick eines Menschen, der von vorn herein misstraut. Sie sprach zuerst: “Das gefiel mir.” “Die Lage ist ernst”, sagte sie.

Wir haben nach dem Sturm ungefähr 900 Festmeter Fichte, die quer über dem Hang liegen. Sobald es im April wärmer wird, nur ein paar Tage über 16°, schwärmen die Borkenkäfer aus. Frisch gebrochenes Holz ist für sie ein gedeckter Tisch. Bis Ende April muss es aus dem Wald sein, mindestens 500 m weit weg, sonst bohren sich die Käfer auch in die stehenden Bäume.

Und dann verlieren wir nicht nur das Sturmholz, wir verlieren den ganzen Hang. Es wurde still. 900 Festmeter. Das ist ein Haufen, so groß wie das halbe Dorf. Dann stand Gerthaber Stroh auf. Er hatte eine Mappe, einen Plan und eine ruhige, sichere Stimme, bei der man gern zuhört, weil man dann nicht selbst denken muss. “Wir haben eine moderne Lösung”, sagte er. “Ein Seilkran.

” Der Turm steht an der Straße, die Seile laufen den Hang hinauf, das Holz kommt am Seil herunter, Stück für Stück, ohne dass ein Rad den Boden berührt. Der Kran ist ab Februar gebucht, aber und er hobt die Hand. Er rechnet sich nur, wenn alle mitmachen. Und die Seile brauchen oben einen festen Ankerpunkt.

Der Beste liegt auf dem Rein am oberen Ende an der Grenze zu den Wiesen von Konrad Rieer. Alle drehten die Köpfe zu mir. Der Seilkran kostet allerdings, fuhr Gert fort, und zwar mehr als das Holz nach so einem Sturm noch wert ist. Wer nicht verlieren will, tut gut daran, mir seine Parzelle zum Aufarbeitungspreis zu verpachten oder zu verkaufen. Dann nehme ich das Risiko.

Bis Mitte Januar müsst ihr euch entscheiden. Danach ist der Kran weg. Ich muss ehrlich sein, es klang vernünftig. Ich sah, wie die Leute nickten. Ich sah Hedwig Meier die Hände falten und Anton Schneiderharn auf seine Uhr schauen. Niemand wollte verkaufen, aber niemand sah einen anderen Weg. Ich stand auf.

Ich weiß nicht, was mich geritten hat. Meine Knie waren weich. Ich bringe das Holz mit Pferden raus, sagte ich. Von oben von meiner Parzelle, von Hedigs und von Antons mit Berta und Fanny. Es braucht keinen Kran und kein Rad berührt den Boden. Ich habe es bei meinem Vater gesehen. Ein paar Sekunden lang rührte sich niemand.

Dann lachte jemand hinten in der Ecke kurz durch die Nase. Dann noch einer und plötzlich lachten sie alle. Nicht böse, das war das Schlimme. Ihr erleichtert, wie man lacht, wenn ein Kind etwas Niedliches sagt. Gert Haberstroh wartete, bis es still wurde. “Konrad”, sagte er, mit Wärme, mit Verlaub, “Du hast ein Pferd, das nicht zieht und eines, das bald in Rente geht.

Ich sage das mit Respekt, aber das hier ist kein Heimatfilm.” Die Gaststube hat wieder gelacht. Ich habe mich hingesetzt und die Hände unter dem Tisch geballt, damit niemand sah, wie sie zitterten. Als ich die Runde auflöste, kam die junge Försterin an meinen Tisch. Sie setzte sich ohne Einladung. “Ich halte nichts von Nostalgie”, sagte sie gerade heraus.

“Aber ich halte etwas von Zahlen. Wie viel schaffen Sie am Tag?” “Mit zwei Pferden, wenn der Schnee hält, an die 20 Festmeter.” Sie rechnete. Auf ihren drei Parzellen liegen ungefähr 400. Das wären 20 reine Arbeitstage. Bei Schnee, Regen, Pausen und Ausfällen zwei Monate bis Ende Februar vielleicht. Sie sah mich an.

Das ist knapp, aber nicht unmöglich. Draußen vor der Tür im Schneetreiben fing Gerthaber stromig ab. Er hatte den Kragen hochgeschlagen und den Ton gewechselt, leiser, fast freundlich. Konrad, ich meine es gut. Verkauf mir deine Wiesen, die obere Wiese und den Reihen. Ich zahle dir mehr als sie wert sind, damit du endlich zur Ruhe kommst in deinem Alter.

Er sagte es zu schnell. Und während er sprach, glitt sein Blick nur für einen Atemzug zum oberen Rand des Hanges, dorthin, wo mein Rein liegt, als hätte er dort etwas verloren. Ich habe Wiesen und Wald mein Leben lang angesehen. Ich weiß, wann ein Mann Land haben will, weil er es braucht und wann, weil er es fürchtet.

“Darüber rede ich nicht”, sagte ich. Er zuckte die Schultern, lächelte und ging. Aber ich blieb im Schnee stehen und fragte mich: “Was will ein Mann mit Seilkran und Millionen Umsatz von ein paar Hektar Gras und Fels, die nicht einmal ordentliches Heu geben?” In dieser Nacht saß ich lange in der Küche. Der Ofen knackte, die Uhr tickte und in der Schublade lag das Buch. Ich zog sie auf.

Das braune Wachstuch war rissig, die Ecken abgegriffen. Es roch nach Rauch und altem Papier und ein wenig nach Pferd. Auf der ersten Seite stand in steiler Handschrift Johann Rieer Hinterbach 1931. Ich blätterte vorsichtig. Die Seiten waren eng beschrieben, mit Bleistift und mit Tinte voller Skizzen.

Der Hang von der Seite gezeichnet mit Schlangenlinien, Rückewege. Jeder hatte einen Namen. Der Schlittenweg, die hohle Eiche, der Sauha. daneben standen Zahlen, Gefälle, Tageszeiten nur im Frost, nur morgens, nur mit zwei Pferden, nie mit einem. Und dann auf der siebten oder achten Seite fand ich etwas, das mir die Haare auf den Armen aufstellte.

Mitten im Hang, an einer Stelle unterhalb meiner Wiesen, hatte mein Großvater einen Kreis gezogen mit Tinte, so fest, dass die Feder das Papier durchstoßen hatte. Daneben stand hier nicht, der Berg arbeitet. und darunter in kleineren Buchstaben mit einem Datum 14. Februar 1949. Ich lass es dreimal. Der Berg arbeitet. Was sollte das heißen? Ein Berg arbeitet nicht. Er steht da.

Aber mein Großvater war kein Mann, der Worte verschwendete. Draußen heolte der Wind in den Fichten, die noch standen. Aus dem Stall hörte ich ein leises Wir. Fanny, die auch nicht schlief. Fanny, die jedes Geräusch hört. Am nächsten Morgen ging ich zur Försterin. Sie saß im Forstamt über einer Karte mit rotem Stift und sah nicht auf.

Ich mache es, sagte ich, mit den Pferden auf meinen drei Parzellen. Und die Bedingung? Fragte Lena Winterhalter. Sagen Sie sie. Jetzt sah sie auf. Ende Februar. Wenn dahin nicht das gesamte Holz an der Straße liegt, treten Sie zurück. Dann unterschreiben sie den Vertrag mit Haerstroh und die Seile kommen auch über ihren Reih ohne Diskussion.

Ich nickte. Sie reichte mir die Hand. Sie war kalt und trocken und der Druck war fest. Ich hatte das Gefühl, dass sie gehofft hatte, ich würde ablehnen und dass sie sich trotzdem nicht darüber wunderte, dass ich es nicht tat. Hedwig Meer stimmte zu, ohne zu überlegen. Sie stand in ihrem Flur in einer Schürze, die älter war als ich, und sagte: “Mein Mann hat immer gesagt, solange Pferde in den Wald gehen, ist die Welt in Ordnung.

” Anton Schneiderhann brauchte länger. Er kratzte sich am Kinn, schaute auf den Stall, hörte die Kühe. “Ich habe keine Zeit”, sagte er, “aber ich habe auch kein Geld zum Verlieren. Mach, Konrad. zwei Unterschriften, zwei von elf. Es war wenig, aber es war ein Anfang. Auf dem Rückweg stand Gert Haberstroh vor dem Gemeindehaus mit zwei Männern, die Kaffee tranken.

Er hatte es schon gehört. Er hob die Hand, freundlich, wie man einem Kind zuwinkt, das gerade das erste Mal auf einem Fahrrad sitzt. Dann nimm im wenigstens Berta, rief er über den Platz. Die ist nicht so dumm wie die andere. Die Männer lachten. Ich hörte es noch hundert Schritte weiter. Zu Hause öffnete ich die Stalltür.

Beide Pferde sahen mich an. Berta ruhig wie immer. Fanny mit weiten Augen und zitternden Nüstern. Ich legte ihr die Hand auf die Stirn. Wir zwei sagte ich leise. Wir beide haben noch etwas zu beweisen. Sie schnaubte. Ich glaube bis heute, sie hat es verstanden. Am nächsten Morgen um 6 Uhr, noch bevor die Sonne hinter dem Berggrücken auftauchte, fuhr ich zum ersten Mal wieder in den Wald.

Man glaubt ja immer, Holzrücken mit Pferden sei romantisch. Es ist harte, kalte, nasse Arbeit. Du stehst vor Sonnenaufgang im Stall, striegelst, fütterst, schierst an und die Hände sind schon beim ersten Griff steif. Dann geht es hinauf im Schritt, den Hang entlang, die Schneeluft in der Nase und der Atem der Pferde steht wie eine Fahne neben dir.

Das Kommit liegt schwer auf Berters Schultern, die Ketten klirren leise und die Glocke, die ich diesmal am Geschier festgemacht hatte, schlägt dem gehen einen tiefen, ruhigen Takt. Zuerst muss man den Wald lesen. Wo liegt der Stamm? In welche Richtung zeigt der Wurzelt? Hängt der irgendwo fest, gespannt wie eine Bogensehne? Ein verklemmter Stamm kann dich totschlagen, wenn du ihn falsch löst.

Dann sägt man ab, entastet, lässt die Äste liegen, damit der Weg weicher wird. Dann legt man die Rückekette um den Stamm, hackt sie mit der Zange fest und dann kommt das Kommando. Ein leises Hüh, kein Schrei. Berta stemmt sich ins Geschier, die Muskeln wölben sich unter dem Fell wie Tower und der Stamm kommt erst widerwillig, dann gleitend über den Schnee, den Weg entlang, den mein Großvater vor 90 Jahren eingezeichnet hat.

Den ersten Stamm brachten wir um 9:30 Uhr an den Rand der Straße. Ich weiß es noch genau, weil ich auf die Uhr sah. Will Armbruster war mit zwei Männern dort, um den Verkehr zu regeln, der keiner war, und sie sahen zu, wie die Fichte 12 m lang hinter einem einzigen Pferd aus dem Wald kam. Keiner sagte etwas. Willly nahm seine Mütze ab, setzte sie wieder auf und tat so, als hätte er sich nur am Kopf gekratzt.

Fanny ließ sich zuerst mitlaufen, ohne Last, nur im Geschier neben Berta. Sie sollte sich an die Kette gewöhnen. Das ging zwei Tage lang gut. Am dritten Tag ging es schief. Es war ein klarer kalter Morgen und alles lief besser als ich gedacht hatte. Ich wurde leichtsinnig. Ich spannte Fanny vor einen mittleren Stamm, ganz leicht, ein Stück, das auch ein Kind hätte ziehen können.

Sie ging an, sie zog zwei, drei Schritte, dann rutschte die Kette über einen Stein und es kle, scharf, metallisch. Funny explodierte. Ich hatte nie gesehen, dass ein Pferd von dieser Größe so schnell sein kann. Sie stieg, riss das Geschier aus meinen Händen und rannte los, den Stamm hinter sich her.

10, 20, 30 m, bis er sich an einer Wurzel verhagte und sie mit voller Wucht zurückwarf. Ein Schrei, den ich in keinem Traum mehr loswerde. Sie ging zu Boden, rappelte sich auf, blutete an der Flanke und ich lag im Schnee, wo sie mich gegen den Baum geschleudert hatte und bekam keine Luft. Ein Schatten fiel über mich.

Ein Junge in oranger Arbeitsjacke mit dem Helm in der Hand und er rief nicht: “Wo tut es weh? Sondern: “Halten Sie sie. Ich habe sie. Er war schon an Fannes Kopf, bevor ich begriff, wer er war. Er packte die Zügel, redete leise auf sie ein, mit dieser tiefen Stimme, die man nicht lernt, sondern hat. Fanny zitterte, schnaubte, stand dann still.

Er hieß Jonas Haberstroh, 18 Jahre alt, Lehrling im Betrieb seines Onkels, am Steuer einer Maschine groß geworden, die so viel kostet wie mein Hof. Er stammelte, dass er knur mal gucken wollte. Er habe die Glocke gehört von der Straße aus und es sei ihm vorgekommen, als hätte er so einen Klang schon einmal gehört.

Nur wisse er nicht wo. “Dein Onkel weiß nicht, dass du hier bist”, sagte ich, als ich wieder Luft hatte. “Nein, dann bleibt das unter uns.” Er nickte und kam am nächsten Morgen wieder. Ich will nicht lügen. Die ersten Tage nach Fannes durchgehen waren die dunkelsten des Winters. Die Wunde an ihrer Flanke war nicht tief, aber sie halte langsam.

Und das Vertrauen halte noch langsamer. Wenn ich ihr den Komm auflegte, wich sie zurück. Wenn die Kette cleirte, zuckte ihr ganzes Fell. Berta zog allein weiter und sie zog schwer. 19 Jahre sind für ein Arbeitspferd ein hohes Alter. Abends hing sie im Stall mit gesenktem Kopf und zitternden Hinterbeinen und ich rieb ihr die Schultern mit Franzbrandwein ein und rechnete: 20 Festmeter am Tag, wenn alles gut geht.

An manchen Tagen schafften wir z. Dann kam der Regen. Anfang Januar schlug das Wetter um und über Nacht wurde der Schnee zu grauen Brei. Die Wege verwandelten sich in Schlamm, die Schlittenkufen sankten ein und jeder Stamm, der sonst geglitten wäre, musste jetzt gezehrt werden. Das Heu für die Pferde wurde knapp, weil sie mehr frasen, als ich gerechnet hatte, und ich musste zwei Fuhren dazu kaufen, die ich nicht hatte bezahlen wollen.

Meine Hände sprangen auf. Die Rippen, die ich im Frühling gebrochen hatte, meldeten sich bei jedem Atemzug. Und Jonas kam jeden Morgen. Zuerst hielt er sich im Wald versteckt wie ein Wild. Dann stand er am Wegrand. Dann trug er Ketten. Eines Tages, es war die 2. Januarwoche, gab ich ihm ohne ein Wort die Zügel von Berta in die Hand.

Er sah mich an, als hätte ich ihm einen Orden angesteckt. “Nicht ziehen”, sagte ich, führen. Das ist der Unterschied. Sie weiß, wohin sie will. Du musst ihr nur zuhören. Er lernte schnell, schneller, als ich es bei jedem Menschen gesehen habe. Nach einer Woche arbeitete er neben mir wie ein Geselle. In der Nacht zum 16. Januar bekam Fanny die Kolig.

Ich fand sie kurz nach zwei, als ich noch einmal in den Stall ging. Sie stand nicht, sie lag, den Hals gestreckt und sah sich immer wieder nach dem Bauch um. Ihre Flanken zuckten. Der Schweiß stand ihr in Perlen auf dem Fell. Ich kenne dieses Bild. Eine Kolig kann ein Pferd in wenigen Stunden töten.

Ich rief den Tierarzt an, Dr. Brand, der sagte, er sei in zwei Stunden da und bis dahin dürfe sie sich nicht hinlegen und nicht wälzen. Also zog ich sie hoch. Wir gingen die ganze Nacht im Stallgang auf und ab, Fanny und ich, Schritt für Schritt im gelben Licht der einzigen Birne. Berta ihrer Box und sah uns zu, ohne einmal zu schnauben.

Ich redete mit Fanny, leise, so wie mein Vater mit seinen Pferden redete, in dieser Sprache ohne Wörter. Ich sagte ihr, dass es mir Leid tat wegen der Kette und wegen des Schlamms und wegen der Männer im Hirschen. Ich sagte ihr, dass sie nicht dumm sei, dass sie nur Angst habe und dass das ein Unterschied sei. Das hatte Anneles gesagt damals am Küchenfenster.

Gegen 4 Uhr morgens hob Fanny den Schweif und ließ einen dampfenden Haufen fallen. Ich lachte und weinte gleichzeitig. Mitten im Stallgang ein alter Mann mit einem Pferd am Strick. Als Dr. Brand kam, war alles vorbei. Er stellte nur fest, dass er selten ein Pferd mit einem so guten Gehör gesehen habe und dass sie bestimmt auf etwas im Futter reagiert habe, auf Staub oder Schimmel. Das erklärte alles und nichts.

Am nächsten Morgen spannte ich sie wieder an. Nur leicht, nur die Kette. Sie sah mich lange an, dann senkte sie den Kopf und machte einen Schritt. Und noch einen. Ende Januar kamen wir endlich in den Rhythmus. Berta vorn, Fanny daneben, Jonas am Zügel, ich am Stamm. 10 Tage lang schafften wir 18, 20, einmal sogar 23 Festmeter.

An der Straße wuchs der Haufen stamm um Stamm. Die Leute blieben stehen, wenn sie vorbeifuhren. Einer fotografierte, zwei Frauen vom Frauenbund brachten Kuchen. Und dann am 30. Januar, an einem grauen windstehlen Nachmittag, geschah es. Wir arbeiteten uns gerade an der unteren Kante meiner Parzelle entlang, dort wo der Hang in eine Art Absatz übergeht.

Eine Terrasse, die die Alten die knappen Wiese nannten, obwohl dort nie jemand Gras geschnitten hat. Ich hatte im Notizbuch meines Großvaters den Rückeweg gefunden, der dort entlang führt mit der Notiz: “Nur im Frost. Es war kein Frost mehr, es war Tauwetter. Ich hätte es wissen müssen.

” Berta ging voraus im Schritt, den Stamm hinter sich. Und mitten auf dem Weg ohne Vorwarnung blieb sie stehen. Nicht langsam, nicht zögernd. Sie blieb stehen wie ein Pfahl, alle vier Hufe fest im Schnee. Ich rief: Hü, Berta, nichts. Ich zog an der Leine. Sie rührte sich nicht. Ihr Kopf war gesenkt. Die Ohren star nach vorn gerichtet auf einen Fleck im Schnee, der aussah wie jeder andere.

Sie schnaubte, stampfte und dann zum ersten Mal in 19 Jahren machte sie einen Schritt zurück. Ich bin ihr Besitzer, seit sie ein Fohlen war. Ich kenne jede Laune, jede Stimmung, aber so etwas hatte ich nie gesehen. Ich ging um sie herum, Schritt für Schritt und kniete mich dorthin, wohin sie starrte.

Der Schnee war glatt, unberührt und doch war etwas anders. Ganz leicht, kaum sichtbar, sank die Oberfläche an einer Stelle ein, wie ein Bettlaken, unter dem etwas fehlt. Ich nahm einen Ast und stach in den Schnee. Er glitt hinein, ohne Widerstand, 2 m, 3, bis ich ihn nicht mehr festhalten konnte. Ein kalter Hauch stieg aus dem Loch und ich hörte tief unten ganz fern Wassertropfen.

Ich richtete mich langsam auf. Jonas stand hinter mir, bleich. Was ist das? flüsterte er. Ich sah auf den Kreis in meinem Notizbuch, den ich im Kopf hatte, die Tinte, die das Papier durchstoßen hatte. Hier nicht. Der Berg arbeitet. Und was lag unter diesem Schnee, was Berta schon gewusst hatte, bevor ich es wusste? Ich steckte vier Fichtenäste rund um die Stelle in den Boden, hängte rotes Flatterband daran und führte die Pferde im weiten Bogen davon.

Am Abend rief ich Lena Winterhalter an. Sie kam am nächsten Morgen in Gummistiefeln und mit einem Metallstab. und stach ihn selbst in den Boden. 2 se schwieg sehr lange. “Das ist kein Wasserloch”, sagte sie schließlich. “Das ist ein Hohlraum, ein großer”, Sie sah mich an. “Woher wussten Sie das?” “Meine Stute wusste es und mein Großvater.

” Sie wollte das Notizbuch sehen. Ich zeigte es ihr, den Kreis, den Satz, das Datum. Sie fotografierte jede Seite. Dann ging sie zu Gert Haberstroh und sagte ihm, was sie gefunden hatte. Er wollte es nicht hören. “Ein Carstloch”, sagte er, oder ein Wurzelteller, der weggefault ist. Das gibt es überall im Schwarzwald.

Und dann mit einem Blick, den ich erst viel später verstand, das nehmen wir aus dem Plan. Wir meiden die Stelle. Er sagte nicht, wir müssen nachsehen. Er sagte nicht, wir müssen die Leute warnen. Er sagte, wir meiden die Stelle. Und ich hatte das Gefühl, dass er die Antwort schon kannte. Der Februar kam und mit ihm das Tauwetter früh und türkisch.

Die Bäche schwollen, der Schnee fiel in sich zusammen und der Hang wurde schwer wie ein nasser Schwamm. Bis zum 10. Februar hatten wir 310 Festmet an der Straße. Das war mehr, als jeder im Dorf für möglich gehalten hatte. Aber es fehlten noch 90 und die Zeit lief uns davon. Und Haberstroßleute, die hatten auf der unteren knappen Wiese, der flachen Terrasse am Fuß meiner Parzelle einen kleineren Haarwester angesetzt, 11 Tonnen, um die Lücke aufzuholen und zu zeigen, dass man die Pferde nicht braucht, obwohl Lena es ihnen untersagt hatte. Obwohl ich es

ihnen gesagt hatte. Am 15. Februar, einem Montag, kurz nach 10 Uhr morgens standen Berta, Fanny und ich oben bei der Doppelbuche, als mein Telefon klingelte. Lena sie schrie fast. Konrad, kommen Sie sofort. Die Maschine auf der knappen Wiese rutscht. Jonas sitzt drin. Ich brauchte keine Sekunde.

Ich spannte beide Pferde an, ohne Last, nur mit der langen Kette und dem Flaschenzug, den ich zum Umlenken brauchte. und wir rannten, so schnell man in Schnee und Schlamm rennen kann. Willly kam uns entgegen mit zwei Männern der Wehr, den Gesichtern von Menschen, die genau wissen, dass sie nichts tun können. Ich sah es schon von weitem.

Der Haarwester stand schräg, die hinteren Räder im Leeren, die Stirnseite im Matsch. Direkt unter ihm hatte sich der Boden aufgetan. Ein Loch, schwarz, rund, größer, als ich gedacht hatte, mit nassen, bröckelnden Rändern, aus denen Wasser sickerte. Noch bevor wir ankamen, sagte der Rand zweihandbreit weiter ab.

Der Haarwester neigte sich. Man hörte das Metall ächzen. In der Kabine saß Jonas, die Hände am Steuer, das Gesicht ganz weiß. Er konnte nicht vorwärts, weil die Vorderräder durchdrehten. Er konnte nicht aussteigen, weil jeder Schritt das Gewicht verschieben konnte. Der Seilwagen der Firma stand 50 m entfernt, im Schlamm bis zu den Achsen, ohne Schau heranzukommen.

Kein Fahrzeug der Welt konnte sich dem Loch nähern, ohne selbst abzustürzen. “Konrad”, sagte Willy Heiser, “Es geht nicht.” “Ein Fahrzeug nicht”, sagte ich. “Zwei Pferde schon.” Ich dachte schneller, als ich es je getan habe. Die Doppelbuche oben am Rand der Terrasse stand fest wie ein Turm. Ihre Wurzeln gingen tief in den Fels, wenn ich die Kette um sie schlang, einen Umlenkblock daran befestigte und die Kette von dort in einem weiten Bogen über Boden, den kein Rad tragen konnte, zum Rahmen der Maschine führte, dann würden die Pferde die Last nicht ziehen.

Sie würden sie halten und zusammen mit der Seilwinde der Maschine selbst, die Jonas bedienen konnte, würden sie den Harvester Zentimeter für Zentimeter vom Rand wegholen. Es war kein Plan, es war ein Gebet. Aber es war ein Gebet mit Hufen. Ich führte Berta über den Boden Schritt für Schritt und das Eis an den Rändern knackte.

Fanny kam hinter ihr, das Fell dampfend, die Augen so weit, dass man das Weiße sah. 90 m. Ich trug die Kette über der Schulter und mein Herz schlug so laut, dass ich glaubte, der Boden müsse es hören. Berta ging, als gäbe es keinen Hohlraum, keine Angst, nur den Weg. Fanny zögerte und ich sah ihre Ohren zucken. Das Klirren der Kette mußte für sie wie Kanonendonner sein.

Funny, sagte ich, so leise, dass nur sie es hörte. Nur dieses eine Mal. Komm. Sie kam. Wir haten die Kette am Rahmen ein. Jonas drehte die Winde. Ich rief Hüh und beide Stuten stemmten sich ins Geschier. Die Kette spannte sich, sang und der Haarwester rührte sich nicht. Der Boden unter ihm brach weiter ab.

Ein Stück Rand von der Größe eines Tisches kippte lautlos in die Tiefe. Berter keuchte. Ich sah ihre Flanken beben. Sie war zu alt, zu müde und ich wusste, dass sie nicht mehr lange konnte. Da geschah es. Fanny, die junge wilde, ängstliche Fanny, senkte den Kopf und zog. Nicht panisch, nicht stoßend, gleichmäßig mit allem, was in ihr steckte, wie ein Pferd, das auf einmal begreift, wozu es auf der Welt ist. Berta spürte es.

Ihr Schritt fandnes Schritt und für zwei Atemzüge zogen die beiden im Gleichtakt wie Mutter und Tochter. 1 cm 2. Das Heulen des Motors, die kreischende Kette, das Schreien der Männer. Dann bissen die Vorderräder im Matsch und der Harvester kroch vor ein 2 3 m, bis die Hinterräder den Rand verließen.

In diesem Augenblick brach hinter ihm der Boden ein, ein dumpfer Donner wie ein Berg, der Luft holt, und eine Wolke aus Schnee und Erde stieg in die Höhe. Der Harvester stand auf festem Grund, zitternd. Jonas fiel aus der Kabine, kroch auf allen Vieren durch den Matsch und hielt sich an Fannes Vorderbein fest, als wäre sie der Boden der Welt. Es war sehr still.

Dann fing Willly an zu klatschen, allein und hörte auf, weil er sich schämte. Lena Winterhalter saß im Schnee mit Tränen im Gesicht und merkte es nicht. Die Pflöcke stammelte Jonas noch immer am Boden. Die Vermessungspflöcke. Letzte Woche, mein Onkel hat sie am Rein gesteckt für den Ankerpunkt. Sie sind eingesunken. Ich hab es selbst gesehen.

Alle drei. Er sagte, sie seien weggeschwemmt worden. Ich drehte mich um. Am Rand der Terrasse stand Gert Haberstroh. Ich hatte ihn nicht kommen sehen. Er stand ganz still, die Hände schlaff, das Gesicht aschfall und er sah nicht den Harvester an und nicht seine Neffen, sondern das Loch. Er hatte es gewusst, nicht, dass es so enden würde, aber dass etwas nicht stimmte.

An diesem Abend hat niemand im Dorf gefeiert. Das war kein Tag zum Feiern. Aber ich sah, wie Männer, die mich 40 Jahre lang freundlich übersehen hatten, an meinem Hoftdor stehen blieben und Berta über die Blässe strichen, ohne etwas zu sagen. Lena Winterhalter handelte schneller, als ich erwartet hatte. Noch am selben Abend sperrte sie die gesamte Terrasse und stoppte jede Maschinenarbeit am Hang.

Am nächsten Tag kam ein Gutachter vom Landesamt, am übernächsten zwei Geologen aus Freiburg. Sie fanden, was ich gefunden hatte und mehr. Unter der knappen Wiese verlief ein Netz aus Stollen und Schächten, Rest der mittelalterlichen Silbergbaus, den kein Mensch in den letzten drei Jahrhunderten kartiert hatte. Es war in keiner Karte verzeichnet, in keinem Kataster, in keiner Genehmigung.

Es gab nur eine einzige Quelle, die den Ort exakt bezeichnete. Das Notizbuch ihres Großvaters, sagte Lena, als sie es mir zurückgab. Sie hielt es mit beiden Händen wie etwas zerbrechliches. Es ist die einzige Karte. Die Geologen haben die Zeichnungen mit ihren Messungen verglichen. Sie stimmen auf 10 m genau. Er muss jahrelang jeden Winter dort gewesen sein.

Sie lächelte ein wenig schief. Ich habe gesagt, ich halte nichts von Nostalgie. Ich muss das wohl zurücknehmen. Das war keine Nostalgie, das war Dokumentation. Ich wollte etwas antworten, aber mir fehlten die Worte, also nickte ich nur. Hedwig Meierer bekam ihren ersten Steher Holzende Februar. Wir hatten ihn mit den Pferden bis vor ihr Haus gebracht, sauber geschichtet, noch duftend nach Harz.

Sie stand in der Tür, sah die Scheite an und fing an zu weinen, ganz ruhig, wie jemand, der es lange zurückgehalten hat. Mein Mann hat das so gemacht”, sagte sie. “Genauso.” Sie nahm mich in den Arm und ich spürte, wie leicht sie war und wie fest sie hielt. Wir schafften die 400 Festmeter am 28. Februar um 3:30 Uhr nachmittags. Nicht ein Tag Luft.

Der letzte Stamm kam an der Straße an und Lena maß ihn mit dem Bandmaß und trug ihn in ihre Liste ein. Danach ließ sie den Stift sinken. “Fertig”, sagte sie. Ich mußte mich hinsetzen. In den Wochen danach änderte sich das Dorf leise, ohne dass jemand ein Wort darüber verloren hätte. Der Bäcker legte mir kein Mitleidsbrot mehr in die Tüte, sondern gab mir den Preis, den jeder andere auch zahlte.

Der Pfarrer fragte nicht mehr, ob ich zurecht komme, sondern ob ich im Frühjahr Zeit hätte. Seperenbach, der damals seine Räpen verkauft hatte, kam an einem Sonntag im Anzug und blieb vor Funny stehen. Er sagte nichts. Er legte ihr nur die Hand auf den Hals und stand eine Viertelstunde da. Und Jonas Haberstroh kam am ersten März mit seinem Rucksack, setzte sich in meine Küche und sagte: “Ich will das lernen.

Alles, wenn Sie mich nehmen.” Ich sagte, er müsse erst seine Lehre zu Ende machen. Er sagte, das würde er. Und er sagte: “Sein Onkel wisse es schon.” Gert Haberstroh kam an einem Abend in der 1. Märzwoche, spät nach 9. Ich hörte keinen Wagen, nur Schritte im Hof und ein zögerndes Klopfen an der Stalltür. Ich öffnete.

Er stand im Dunkeln, ohne Mantel, ohne Mppe. Ein großer Mann, der plötzlich zu groß aussah für seine Jacke. “Ich bin nicht gekommen, um mich zu entschuldigen”, sagte er. “Noch nicht. Ich weiß nicht, wie das geht.” “Dan komm rein”, sagte ich. “Es ist kalt.” Wir setzten uns auf die Futterkiste zwischen Berta und Fanny, die beide ruhig kauten.

Eine Weile sagte er nichts. Dann fragte er, ohne mich anzusehen, wie hat dein Großvater das gewusst? Das mit dem Loch. Ich holte das Notizbuch und schlug die Seite auf, die mit dem Kreis und dem Datum. 14. Februar 1949, sagte ich, weißt du, was an diesem Tag passiert ist? Er lachte kurz und bitter. Ich weiß es besser als du.

Und dann erzählte er es mir. Sein Großvater Albin Haberstroh und mein Großvater Johann Riger waren Freunde gewesen in jungen Jahren. So enge, dass man sie nur zu zweit kannte. Sie hatten zusammen ein Vuhrgeschäft gehabt, sechs Pferde, zwei Schlitten. Dann kam der Krieg, dann kam die Not.

Und im Winter 1949 ließ sich Albins jüngerer Bruder Emil, 19 Jahre alt, ohne zu fragen die Pferde meines Großvaters, um Holz zu holen. Er nahm den kürzesten Weg über die knappen Wiese. Die Pferde blieben stehen. Emel schlug sie und sie gingen weiter. Er sprach sehr leise. Emel und eines der Pferde sind nicht zurückgekommen. Man fand sie erst im Frühjahr, als der Schnee schmolz. Ich konnte nicht sagen.

In der Dunkelheit atmeten die Pferde. “Mein Großvater hat deinem Großvater nie verziehen”, sagte Gert. Er sagte, Johann hätte es wissen müssen und hätte es sagen müssen. Er hat nie wieder ein Pferd angefasst. Er hat alles verkauft und sich eine Motorwinde gekauft und er hat der Familie eingeprägt, dass Pferde und Pferdeleute Unglück bringen.

So bin ich aufgewachsen mit diesem Satz. Er rieb sich das Gesicht und als die Pflöcke einsanken, da habe ich es begriffen. Ich dachte, es ist das Loch, das Loch von Emel. Ich hatte immer geglaubt, es sei eine Familienlegende und ich wollte deinen Reihen, damit ich ihn mit Beton auffüllen und endlich das Ganze begraben kann.

Ich hatte Angst, Konrad. Ich hatte Angst, dass es stimmt. Ich schlug die Seite um. Unter dem Kreis, unter dem Datum stand eine Zeile, die ich vorher übersehen hatte, weil sie so klein geschrieben war. Ich lass sie vor, Emil, ich habe es ihm gesagt, aber ich hätte es laut sagen müssen, nicht nur schreiben.

Gert Haberstroh legte das Gesicht in die Hände. “Er hat sich sein Leben lang die Schuld gegeben”, sagte ich. “Dein Großvater auch.” zwei Männer, die sich beide schuldig fühlten und deshalb nie mehr miteinander redeten. Er nickte, ohne aufzusehen. Als er endlich den Kopf hob, waren seine Augen rot und er hielt mir die Hand hin.

Zögernd, ungeschickt, wie jemand, der seit Jahren keine mehr gegeben hat. Ich sah sie an, dann nahm ich sie. Sie war groß und kalt und zitterte. Ich glaube, sie war der Grund, warum ich in dieser Nacht wieder schlafen konnte. Berta schnaubte hinter uns leise, zufrieden. Ich weiß nicht, was sie verstanden hat, aber ich glaube mehr als wir. Zwei Jahre später.

Ich sitze an einem Juli auf der Bank vor dem Hof und sehe über das Tal. Der Hang, der damals aussah wie ein Schlachtfeld, ist grün. nicht mit dem Dunkeln einer Lei aus Fichten, das unsere Großväter pflanzten, sondern bunt, gemischt, lebendig, junge Weisternen, Buchen, Berghorn, dazwischen ein paar Eichen. Lena Winterhalter hat es so geplant.

Sie sagt: “Das nächste Mal falle der Wind nicht mehr so leicht über einen Wald her, der nicht überall dieselben Wurzeln hat. Sie ist nicht mehr nur die Försterin. Sie ist die, die im Dorf morgens an die Tür klopft und fragt, ob man etwas braucht. Die knappenwiese ist eingezäunt mit festem Holzzaun und davor steht ein Granitstein, den Gert Haberstroh selbst bezahlt hat.

Darauf steht ein Name, Emilhaberstroh, dazu zwei Jahreszahlen und darunter einziger Satz. Er hätte zuhören sollen. Gert hat ihn selbst ausgesucht. An manchen Abenden sehe ich ihn dort stehen mit der Mütze in der Hand und ich gehe nicht hin, weil manche Dinge einen Mann allein brauchen.

Aus der einen Waldarbeit ist mehr geworden. Wir haben eine Rückegemeinschaft gegründet, die Hinterbacher Rossrika. So nennt man uns inzwischen, auch wenn Lena sagt, das klinge wie ein Fußballverein. Drei Gespanne arbeiten heute im Tal. Zwei Brüder aus dem Nachbardorf haben sich zwei Kaltblüter gekauft und fragen mich jeden Tag, ob sie alles richtig machen.

Und Jonas, der inzwischen 20 ist, hat sein eigenes Paar. zwei Füchse aus dem Algu Hansel und Moritz, die er so liebt, dass er ihnen abendsmöhren aufs Futter reibt. Er hat die Lehre bei seinem Onkel abgeschlossen. Danach hat er die Maschinen verlassen. Gert hat ihm nicht im Weg gestanden. Er hat sogar zwei Seile gespendet.

Annelies Garten steht noch. Ich habe ihn nicht angerührt. Nur die Johannesbeären schneide ich im Frühjahr, wie sie es mir gezeigt hat. Im Mai blüht dort der Flieder und ich sitze unter ihm und tue so, als lese ich die Zeitung. Im Mai, vor zwei Monaten, ist Fanny niedergekommen. Es war eine Nacht ohne Mond und ich saß im Stall, Jonas neben mir und wir sprachen kein Wort.

Gegen 4 Uhr kam das Fohlen. Ein Stuthlen, nass, zitternd, mit langen dünnen Beinen, die in alle Richtungen zeigten und mit einer Blässe auf der Stirn wie ein Tropfen Milch. Fanny lag erschöpft im Stroh. Sie hob den Kopf und sah ihr Kind an. Und ich schwöre, ich habe in diesem Moment zum ersten Mal in ihren Augen keine Angst gesehen.

Nur Ruhe. Wir nannten es Anne, wie meine Frau. Aber der Sommer hat auch einen Schatten. Berta ist 21. Sie arbeitet nicht mehr. Das habe ich ihr vor einem Jahr gesagt, im Stall mit der Hand an ihrem Hals und sie hat mich angesehen, als würde sie nicken. Seitdem steht sie auf der Wiese hinter dem Haus im hohen Gras und kaut.

Wenn Fanny mit dem Fohlen vorbeikommt, hebt sie den Kopf und schnaubt, so wie eine Großmutter schnaubt, die nicht sagen will, dass sie stolz ist. Aber sie wird dünner. Ihr F ist rauer geworden, ihr Gang vorsichtiger. Ich kenne die Zeichen. Ich habe sie bei meinem Vater gesehen und bei Annelies. Ich weiß, dass ich hier bald gehorchen muss, nicht umgekehrt.

Wer wird die Glocke tragen, wenn Berta nicht mehr ist? Und wird sie jemand leuten, der versteht, was sie bedeutet? Es war ein Morgenend September, golden und klar, ohne Wind. Der Nebel lag noch in den Tälern und die Sonne schob sich langsam über den Bergrücken. Ich kam in den Stall wie immer vor dem Frühstück und Berta nicht auf der Weide.

Sie stand am Tor mit hängendem Kopf und wartete auf mich. Da wusste ich es. Ich holte keine Halfter. Ich ging einfach zu ihr, legte ihr die Hand auf die Stirn, dorthin, wo der weiße Streifen ist, und sagte: “Komm, heute gehen wir spazieren.” Wir gingen langsam, sehr langsam. Ich ging neben ihr, ohne Strick.

Sie folgte mir, Schritt für Schritt den Weg hinauf, den wir im Winter so oft gegangen waren, den Weg meines Großvaters, vorbei an den jungen Tannen, an der Doppelbuche, hinauf zur knappen Wiese. Der Schnee war längst weg, die Wiese mit Gras überwachsen und die Sonne lag auf dem Zaun und auf dem Granitstein. Bei dem Stein blieb Berta stehen, genau an der Stelle, an der sie damals stehen geblieben war.

Ich ließ sie. Wir standen lange. Die Sonne wärmte meinen Rücken. Ein Bussart kreiste über dem Hang und von weit unten aus dem Tal hörte man die Kirchenglocke. Berta atmete tief und ruhig. Dann senkte sie den Kopf, sank langsam auf die Vorderbeine, legte sich hin ins Gras, so vorsichtig, als wollte sie es nicht zerdrücken.

Ich setzte mich neben sie, nahm ihren Kopf auf meinen Schoß und sprach mit ihr. von meinem Vater von Annelis vom ersten Mal, als ich sie im Schnee gesehen habe mit zwei Wochen noch ohne Namen. Ich sagte ihr, dass sie ein gutes Pferd gewesen sei, das Beste, dass ich je gekannt habe und dass sie nichts mehr beweisen müsse, weder mir noch dem Dorf noch dem Berg.

Sie schloss die Augen. Ihr Atem wurde leiser. Irgendwann, ich weiß nicht, wie lange es dauerte, war er gar nicht mehr zu hören. Nur das Gras raschelte ganz leicht im Wind, der sich wieder erhoben hatte. Ich saß noch lange dort. Es war mir egal, wie spät es wurde. Am Nachmittag kamen Jonas und Lena und Gert Haberstroh mit einer Schaufel, mit Brettern, mit dem Mut, den man für solche Gänge braucht.

Wir begrubben Berta dort oben unter einer jungen Eiche am Rand der Wiese, so nah an dem Stein, dass die Wurzeln sich irgendwann berühren werden. Gert hat die erste Schaufel Erde genommen. Er sprach nicht, er stand nur da. Am Abend ging ich in den Stall. Fanny stand in ihrer Box.

das Fohlen an ihrer Seite und beide sahen mich an. Mir war als wüsten sie es schon. Ich nahm die Rossglocke vom Nagel. Sie war nicht mehr staubig. Ich hatte sie in diesen zwei Jahren so oft in der Hand gehabt, dass das Messing wieder glänzte. Ich band sie an Annes kleines Halfter behutsam, damit das Leder nicht scheuerte. Das Fohlen schüttelte den Kopf.

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Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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