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Bud Spencer: Was zehn Jahre nach seinem Tod endlich ans Licht kommt – Ty

Das goldene Gefängnis des sanften Riesen: Was zehn Jahre nach dem Tod von Bud Spencer die Seele berührt

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Das Schweigen nach dem Donnerschlag

Es gibt Tage, an denen die kollektive Zeitrechnung einer ganzen Generation für einen kurzen, schmerzhaften Moment innehält. Der 27. Juni 2016 war ein solcher Tag. Als an jenem lauen Frühsommerabend aus Rom die Nachricht um die Welt ging, dass Carlo Pedersoli im Alter von 86 Jahren für immer die Augen geschlossen hatte, war die Erschütterung überall greifbar. In Italien trauerte eine Nation um einen ihrer vielseitigsten Söhne, einen Mann, der als Sportler, Musiker, Erfinder, Pilot und Volksikone die Fahnen des Landes über Jahrzehnte hinweg hochgehalten hatte. Doch nirgendwo hallte dieser Verlust so tief und seltsam intim wider wie in den Wohnzimmern des deutschsprachigen Raums.

Für Millionen von Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz starb an jenem Abend nicht bloß ein verdienter Filmschauspieler aus dem sonnigen Süden. Es fühlte sich an, als sei ein Stück der eigenen Biografie herausgerissen worden. Es war, als hätte ein väterlicher Beschützer, ein massiver, unerschütterlicher Fels aus der eigenen Kindheit, plötzlich den Raum verlassen. Die Nachrufe überschlugen sich mit Zitaten, die beliebtesten Filmszenen flimmerten in Dauerschleife über die Bildschirme, und in den sozialen Netzwerken wurden die legendären Faustschläge und markanten Sprüche gefeiert. Man lachte durch die Tränen hindurch und klammerte sich an die vertraute Nostalgie.

Ein ganzes Jahrzehnt ist seit jenem Tag vergangen. Zehn Jahre, in denen die Welt nicht friedlicher, nicht einfacher und ganz gewiss nicht übersichtlicher geworden ist. Und genau in diesem zeitlichen Abstand beginnt die bequeme Hülle der reinen Nostalgie Risse zu bekommen. Je öfter die alten Zelluloid-Klassiker an verregneten Wochenenden im Fernsehen laufen, je vertrauter uns die Gesichter von Bud Spencer und Terence Hill entgegenschlagen, desto lauter und unerbittlicher drängt sich eine fundamentale, fast unangenehme Frage in das Bewusstsein des Betrachters: Haben wir diesen Mann jemals wirklich gekannt? Oder haben wir über ein halbes Jahrhundert hinweg lediglich jenes comichafte Kunstprodukt geliebt, den scheinbar unverwüstlichen Riesen, der dampfende Bohnenpfannen verschlang, Schurken mit einem einzigen senkrechten Hammerschlag zur Räson brachte und am Ende stets dafür sorgte, dass die moralische Ordnung der Welt wiederhergestellt war?

Hinter den Kulissen des Mythos Bud Spencer verbarg sich eine menschliche Existenz, deren Tiefe, Melancholie und lebenslange Wanderschaft vom schrillen Getöse der Kinolautsprecher übertönt wurden. Bevor der bärtige Koloss zu einem generationenübergreifenden Phänomen wurde, begann seine Reise an einem Ort und unter Bedingungen, die rauer und unerbittlicher waren als jede Westernstadt der Filmgeschichte.

Der Junge aus Santa Lucia: Wurzeln in einer zerbrechlichen Welt

Bevor die Welt den Künstlernamen Bud Spencer ehrfürchtig oder amüsiert über die Lippen brachte, gab es nur Carlo Pedersoli. Geboren am 31. Oktober 1929 im neapolitanischen Stadtteil Santa Lucia, war Carlo keineswegs das Produkt eines privilegierten Schicksals. Neapel, eine Stadt von überbordender Schönheit, aber auch von tief sitzender sozialer Härte, prägte seine ersten Sinneseindrücke. Die Gassen waren laut, das Leben spielte sich unter freiem Himmel ab, und wer nicht lernte, sich den Gegebenheiten blitzschnell anzupassen, ging unweigerlich unter.

Doch das vermeintlich feste Fundament seiner Kindheit geriet früh ins Wanken. Der Zweite Weltkrieg warf seine düsteren Schatten über Europa, die Fabrik seines Vaters wurde durch Bombenangriffe zerstört, und die Familie verlor ihre wirtschaftliche Existenz. Es folgte der unausweichliche Umzug nach Rom – für einen heranwachsenden Jungen ein radikaler Einschnitt. Ein Ortswechsel in jenen Jahren bedeutete nicht nur das Packen von Koffern; es bedeutete den totalen Verlust aller vertrauten Bezugspunkte, das Zurücklassen von Freunden, des heimischen Dialekts und der kindlichen Geborgenheit. Carlo musste sehr früh die schmerzhafte Kunst des Neubeginns erlernen. Man musste sich in einer fremden Umgebung behaupten, neue Regeln verstehen und lernen, die eigenen Empfindungen hinter einer kontrollierten Fassade zu verbergen.

Hinzu kam ein Faktor, der sein gesamtes Leben determinieren sollte: sein eigener Körper. Schon als Jugendlicher überragte Carlo seine Altersgenossen bei Weitem. Er war breit, wuchtig, massiv. In der Psychologie spricht man oft davon, dass außergewöhnliche physische Präsenz Fluch und Segen zugleich ist. Ein junger Mensch von solcher Statur kann sich niemals unsichtbar machen. Er kann sich nicht in der Masse verstecken, er fällt immer auf, jeder seiner Schritte wird beobachtet, jede Ungeschicklichkeit registriert.

Jahrzehnte später sollte die ganze Welt exakt diese körperliche Wucht vergöttern. Sie wurde zu seinem unverkennbaren Markenzeichen, zu jener trägen, majestätischen Masse, die vor der Kamera pure Sicherheit ausstrahlte. Doch bevor diese Physis zu Geld, Ruhm und Unterhaltung umgemünzt werden konnte, war sie für den jungen Carlo Pedersoli zunächst eine schwere Last. Er musste lernen, die immense Kraft, die in ihm schlummerte, zu bändigen, sie zu kontrollieren und gleichzeitig zu ertragen, dass andere in ihm stets nur den physischen Giganten sahen. Die vielschichtige Intelligenz, der wache Geist und die künstlerische Sensibilität, die ihn gleichermaßen auszeichneten, wurden von seiner äußeren Erscheinung schlichtweg in den Schatten gestellt.

Die Schule der Stille: Das Becken als Spiegel der Wahrheit

Auf der Suche nach Orientierung und einem Ventil für seine unbändige Energie stieß Carlo Pedersoli auf ein Element, das zur entscheidenden Schmiede seines Charakters werden sollte: das Wasser. Man kann die Persönlichkeit von Bud Spencer nicht ansatzweise begreifen, wenn man die Jahre ignoriert, in denen er als Carlo Pedersoli durch die Kacheln olympischer Schwimmbecken pflügte.

Das Wasser ist ein gnadenloses Medium. Es kennt keine Ausreden, keine schauspielerischen Kniffe, keine geschliffenen Dialoge und keine wohlwollenden Schnittmeister. Im Wasser existiert kein Platz für Täuschung. Es gibt nur den Körper, den Widerstand der Flüssigkeit, die erbarmungslos tickende Stoppuhr und den nächsten, rettenden Atemzug. Wenn du im Wettkampfbecken einbrichst, sieht es jeder. Wenn deine Kondition versagt, gibt es kein Netz, das dich auffängt. Das Wasser sagt dir in jeder einzelnen Sekunde die ungeschminkte, nackte Wahrheit über deine eigene Verfassung.

Carlo Pedersoli war kein Gelegenheitsschwimmer, der den Sport als hübsches Hobby betrieb. Er war ein Ausnahmeathlet von historischem Format. Als erster Italiener überhaupt schwamm er die 100 Meter Freistil in einer Fabelzeit von unter einer Minute – eine Barriere, die in den 1950er-Jahren als nahezu unüberwindbar galt. Er wurde mehrfacher italienischer Meister im Freistilschwimmen und triumphierte parallel dazu als exzellenter Wasserballer. Er vertrat sein Heimatland bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne.

Dieser Lebensabschnitt verlangte ihm alles ab. Es bedeutete jahrelanges Aufstehen vor dem Morgengrauen, eiskaltes Wasser, endlose Kachelzählungen, brennende Lungen und schmerzende Muskeln. Doch viel wichtiger als die sportlichen Lorbeeren war die psychologische Prägung, die dieser Leistungssport hinterließ. Carlo lernte dort, was es wirklich heißt, Stärke auszuhalten. Er lernte die eiserne Disziplin, das Ertragen von Schmerz und die Fähigkeit, selbst unter extremster körperlicher Belastung nach außen hin absolute Ruhe und Kontrolle zu bewahren.

Wenn die Kinobesucher später auf der Leinwand Bud Spencer sahen, wie er scheinbar ungerührt dastand, während finstere Schurken mit Stühlen und Eisenstangen auf ihn eindroschen, und er lediglich mit einer trägen Handbewegung die Asche von seiner Schulter wischte, dann sahen sie keine Erfindung eines cleveren Drehbuchautors. Sie sahen das sedimentierte Ergebnis von fünfzehn Jahren Hochleistungssport. Diese stoische Ruhe, dieser unerschütterliche Gleichmut vor der unvermeidlichen Gegenwehr war echt. Sie stammte aus den Tiefen des Schwimmbeckens, wo ein Mann gelernt hatte, seinen Herzschlag zu kontrollieren, wenn das Wasser um ihn herum kochte.

Doch der Sport, so glorreich er auch war, gab ihm nicht das, wonach seine rastlose Seele suchte. Er gab ihm Medaillen, Urkunden und einen durchtrainierten Körper, aber er bot ihm keine lebenslange Heimat. Der Ruhm des Athleten verblasst mit dem Alter der Muskulatur, und von Rekorden allein konnte man im Italien der Nachkriegszeit keine Familie ernähren. Carlo Pedersoli beendete seine sportliche Karriere und stand abermals vor dem Nichts. Er wanderte nach Südamerika aus, arbeitete beim Bau der legendären Panamericana im tiefsten Dschungel, schlug sich als Chemiker und Fabrikarbeiter durch. Wieder ein Neuanfang, wieder die Suche nach dem eigenen Platz in einer Welt, die für einen Mann seiner Statur scheinbar keinen passenden Entwurf bereithielt.

Ein Fremdkörper im Scheinwerferlicht: Die Entstehung des Kolosses

Als das Kino schließlich an seine Tür klopfte, war es reiner Zufall, gepaart mit einer Prise finanzieller Notwendigkeit. Der italienische Regisseur Giuseppe Colizzi suchte für einen Spätwestern händeringend nach einem massiven Kerl, einem echten Brocken von Mann, der einem Pferd die Stirn bieten konnte. Jemand erinnerte sich an den ehemaligen Meisterschwimmer. Carlo Pedersoli zögerte zunächst. Er hielt sich selbst für vollkommen ungeeignet. Er hatte die Schauspielerei nie studiert, er besaß kein Interesse an der exaltierten Welt des Theaters, er sprach kein fließendes Englisch und konnte nicht einmal reiten.

Zudem passte er in kein einziges Raster, das die Filmindustrie der ausgehenden 1960er-Jahre definierte. Das europäische Nachkriegskino verlangte nach geschmeidigen, eleganten Liebhabern, nach dramatischen Charakterdarstellern mit brennendem Blick oder nach zynischen, hageren Antihelden im Stile eines Clint Eastwood. Carlo Pedersoli war nichts von alledem. Er war zu schwer für die Romanze, zu warmherzig und geerdet für den eiskalten Schurken und viel zu behäbig für den klassischen Actionhelden. Er stand vor der Kamera wie ein Naturereignis, ein Monolith, den man versehentlich im Studio vergessen hatte.

Doch manchmal ist die Verweigerung aller gängigen Konventionen der Schlüssel zum globalen Triumph. Aus Carlo Pedersoli wurde Bud Spencer – eine spontane Wortschöpfung aus seiner Vorliebe für das amerikanische Budweiser-Bier und den von ihm verehrten Hollywood-Schauspieler Spencer Tracy. Der Name klang international, rau, markant. Doch unter der angloamerikanischen Fassade blieb Carlo genau der, der er immer gewesen war: ein bodenständiger, nachdenklicher Neapolitaner, der das gesamte Filmgeschäft mit einer gesunden Portion Skepsis und Distanz betrachtete.

Er musste sich nicht verstellen. Seine Langsamkeit vor der Kamera war keine Schwäche, sondern wurde zu seiner größten Waffe. Während andere Schauspieler sich mit ausladenden Gesten und theatralischen Monologen abmühten, genügte bei ihm ein minimales Heben der Augenbraue, ein tiefes, genervtes Seufzen oder das spürbare Zögern, bevor die gewaltige Pranke herabfuhr. Er strahlte eine archaische Glaubwürdigkeit aus. Viele Darsteller spielen Stärke; Bud Spencer brachte sie einfach mit in den Raum.

Das wahre Geheimnis seines Erfolges lag jedoch in einer paradoxen emotionalen Wirkung: Seine schiere Übermacht machte das Publikum nicht ängstlich, sondern sie beruhigte es zutiefst. Wenn dieser bärtige Riese die Szenerie betrat, wusste jeder Zuschauer im Saal instinktiv, dass die Welt gleich wieder ins Lot gebracht werden würde. Es würde scheppern, Tische würden zerbersten, Bösewichte würden durch Saloontüren segeln – aber es geschah ohne Sadismus, ohne Blut, ohne jede Grausamkeit. Es war die heilsame Katharsis eines modernen Märchens: Der Starke schützt die Schwachen, die Arroganz der Mächtigen wird gebrochen, und am Ende triumphiert eine unkomplizierte, volksnahe Gerechtigkeit.

Die vollkommene Alchemie: Das Duo für die Ewigkeit

So faszinierend Bud Spencer als Einzelfigur auch war, zu einem unsterblichen Mythos wurde er erst durch die Begegnung mit einem Mann, der in jeder denkbaren Hinsicht sein diametrales Gegenteil darstellte: Mario Girotti, der Welt besser bekannt als Terence Hill.

Als die beiden 1967 bei den Dreharbeiten zu „Gott vergibt… Django nie!“ erstmals gemeinsam vor der Kamera standen, geschah etwas, das man in der Filmgeschichte nur alle paar Jahrzehnte erlebt: eine vollkommene chemische Reaktion. Die beiden Männer mussten nichts erzwingen, sie mussten keine komplizierten Techniken anwenden. Sie ergänzten sich wie Licht und Schatten, wie Feuer und Wasser, wie der Vorschlaghammer und die spitze Nadel.

Auf der einen Seite Bud Spencer: massiv, erdfarben, schwerfällig, mürrisch, stets auf der Suche nach einer Mütze Schlaf oder einem guten Teller Pasta, scheinbar vollkommen unwillig, sich in die Konflikte der Welt hineinziehen zu lassen. Auf der anderen Seite Terence Hill: rank, blitzschnell, mit himmelblauen, schelmischen Augen, ein ewiger Zündler und Freigeist, der den Ärger mit einem Lächeln förmlich heraufbeschwor. Einer kam wie eine unüberwindbare Festungsmauer daher, der andere wie der Wind, der durch jede Ritze pfeift.

Ihre Filme wurden zu weltweiten Kassenschlagern, weil sie ein universelles emotionales Versprechen einlösten. Sie funktionierten nach dem Prinzip einer perfekten Entlastung von den Zumutungen der modernen Welt. Für die Dauer von neunzig Minuten durfte das Leben wieder herrlich simpel sein. Die Schurken waren eindeutig als solche zu erkennen – gierig, arrogant, überheblich. Die Helden waren keine glatten Saubermänner, sie waren Vagabunden, Aussteiger oder kleine Gauner, aber sie trugen das Herz am rechten Fleck. Und wenn die unausweichliche Schlägerei einsetzte, war sie kein Gewaltexzess, sondern ein choreografierter Tanz, ein rasanter Slapstick, bei dem Schläge mit comicartigen Soundeffekten unterlegt wurden. Niemand verlor dabei seine Würde, niemand verblutete im Staub; die Bösewichte schüttelten sich benommen den Kopf und trollten sich geschlagen von dannen.

In Deutschland erreichte diese Begeisterung eine Dimension, die fast schon kultische Züge annahm. Dank der legendären Synchronisationen von Rainer Brandt und Karlheinz Brunnemann, die den Filmen mit dem sogenannten „Schnodderdeutsch“ eine ganz eigene, anarchische Sprachkultur einpflanzten, wurden Zitate wie „Hat dir eigentlich schon mal einer mit ’nem Vorschlaghammer einen Scheitel gezogen?“ zum Allgemeingut.

Bud Spencer und Terence Hill wurden im Nachkriegsdeutschland zu festen Familienmitgliedern. Sie waren das Ritual des Sonntagnachmittags: Der Vater saß auf dem Sofa, die Kinder auf dem Teppich, der Geruch von sonntäglichem Kaffee in der Luft, und auf dem Röhrenfernseher ließen zwei italienische Gentlemen die Welt wieder heil werden. Man spürte die tiefe, unerschütterliche Freundschaft der beiden Protagonisten in jedem Bild. Sie mussten sich ihre Loyalität nicht in langen Dialogen schwören; man sah sie in den winzigen Gesten, im gegenseitigen Vertrauen während der Stunts und in jenem liebevollen Augenrollen, mit dem Bud auf die Provokationen seines Partners reagierte. Es war die Widerspiegelung jener tiefen, bedingungslosen Kameradschaft, nach der sich jeder Mensch in seinem eigenen Leben sehnt.

Der Fluch des Denkmals: Das goldene Gefängnis der Zuneigung

Doch der beispiellose Triumph trug den Keim einer stillen Tragödie in sich. Wenn ein Künstler eine Kunstfigur so vollkommen mit Leben füllt, dass das Publikum die Grenze zwischen Fiktion und Realität nicht mehr wahrhaben will, verwandelt sich die Zuneigung der Massen schleichend in ein unbarmherziges Gefängnis.

Bud Spencer wurde nicht nur verehrt; er wurde festgeschrieben. Die Menschen weigerten sich schlichtweg zu akzeptieren, dass hinter dem mürrischen Riesen aus dem Kino ein realer, komplexer Mensch namens Carlo Pedersoli lebte. Sie wollten nicht sehen, dass dieser Mann älter wurde, dass seine Gelenke nach Jahrzehnten des Leistungssports und der knochenharten Dreharbeiten schmerzten, dass sein Atem kürzer wurde und sein Gesicht die tiefen Furchen eines erfüllten, aber auch unendlich anstrengenden Lebens trug.

Für das kollektive Gedächtnis durfte Bud Spencer niemals altern. Er sollte auf ewig jener Mann bleiben, der mühelos eine Pfanne Bohnen verschlingt, einem Fiesling eine schallende Ohrfeige verpasst und mit einem breiten Grinsen in den Sonnenuntergang reitet. Er sollte die unzerstörbare Festung der eigenen Kindheitserinnerungen bleiben. Denn wenn das Denkmal Risse bekam, wenn der Riese plötzlich müde wirkte, dann bedeutete das für das Publikum eine schmerzhafte Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit: Es bedeutete, dass auch die eigene, unbeschwerte Kindheit unwiederbringlich vorüber war.

Carlo Pedersoli war ein hochgebildeter Geist. Er sprach sechs Sprachen fließend, er hatte ein juristisches Studium absolviert, er komponierte Chansons für namhafte neapolitanische Sänger, er meldete mehrere Patente an – darunter ein spezielles Jagdgewehr und eine neuartige Zahnbürste –, und er gründete eine eigene Fluggesellschaft, die Mistral Air. Er war ein moderner Renaissance-Mensch, angetrieben von einer unstillbaren Neugier auf die Welt und das Leben.

Doch wann immer er versuchte, diese anderen, tiefgründigen Facetten seines Wesens in die Öffentlichkeit zu tragen, stieß er auf eine Wand aus Desinteresse. Das Kinopublikum wollte keine ernsten Rollen von ihm sehen. Versuche, in anspruchsvollen Dramen oder Autorenfilmen Fuß zu fassen, wurden von den Verleihern und den Fans ignoriert oder abgestraft. Man verlangte die Schläge, man verlangte den Bart, man verlangte die vertrauten Sprüche.

Bud Spencer wurde zu einem Gefangenen seiner eigenen Schöpfung. Er liebte seine Fans, er hegte niemals Bitterkeit gegen das Publikum, das ihm Reichtum und weltweite Zuneigung geschenkt hatte. Aber in seinen späteren Interviews schwang stets ein melancholischer Unterton mit – das leise Bedauern eines Mannes, der sein Leben lang ein gewaltiges Buch voller Poesie, Wissen und Abenteuer geschrieben hatte, von dem die Welt jedoch immer nur dieselbe eine, bunte Comicseite aufschlagen wollte.

Zehn Jahre Stille: Das Vermächtnis des wahren Carlo

Zehn Jahre nach seinem Heimgang im Jahr 2016 stehen wir vor den Hinterlassenschaften dieses bemerkenswerten Lebens. Die Bud-Spencer-Museen verzeichnen ungebrochene Besucherrekorde, Denkmäler werden errichtet, Merchandising-Artikel verkaufen sich millionenfach. Doch der Blick auf die alten Filme hat sich unweigerlich gewandelt.

Wer heute einen Streifen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ oder „Banana Joe“ ansieht, der lacht natürlich immer noch über das meisterhafte Timing, die Leichtigkeit und die unvergleichliche Chemie des Duos. Aber unter dem Gelächter liegt heute eine tiefe Schicht aus Wehmut. Wir sehen einen Mann, der nicht mehr da ist, und mit ihm eine Epoche des Kinos, die unwiederbringlich verloren gegangen ist.

Die moderne Unterhaltungsindustrie generiert heute Helden am Fließband: computeranimiert, makellos durchtrainiert, zynisch, übermenschlich schnell und mit einer Härte ausgestattet, die oft an emotionale Kälte grenzt. Diese neuen Helden machen die Welt nicht leichter; sie machen sie oft dunkler, komplizierter und bedrohlicher.

Bud Spencer verkörperte das genaue Gegenmodell. Seine Stärke war niemals kalt. Sie war geerdet, warmherzig, getragen von einem zutiefst humanistischen Grundvertrauen. Er bewies der Welt, dass man ein Hüne sein kann, ohne andere zu erniedrigen; dass man zuschlagen kann, ohne Hass zu säen; und dass wahre Größe darin liegt, die eigene Kraft stets in den Dienst derer zu stellen, die sich selbst nicht helfen können.

Vielleicht ist das die tiefste, berührendste Wahrheit, die zehn Jahre nach seinem Tod ans Licht tritt: Carlo Pedersoli verbarg zeitlebens kein dunkles, skandalöses Geheimnis vor uns. Es gab keine geheimen Leichen im Keller, keine heuchlerischen Doppelleben, die nachträglich enttarnt werden müssten. Das wahre „Geheimnis“, das wir so lange übersehen haben, war schlicht die Tragik der Reduktion. Wir haben einen universal begabten, hochsensiblen und zutiefst philosophischen Menschen auf die Dimension einer lebenden Abrissbirne reduziert, weil wir seine Schläge brauchten, um unsere eigenen Ängste vor einer unübersichtlichen Welt für ein paar Stunden zu betäuben.

Als Carlo Pedersoli am 27. Juni 2016 im Beisein seiner Familie seinen letzten Atemzug tat, lautete sein letztes gesprochenes Wort schlicht: „Danke.“ Es war das Vermächtnis eines Mannes, der mit sich, seinem Schicksal und selbst mit seinem goldenen Käfig vollkommen im Reinen war.

Er hat uns nicht einfach nur Filme hinterlassen. Er hat uns einen Schutzraum geschenkt – einen Ort in unserer Erinnerung, an dem wir jederzeit zurückkehren können, wenn das Leben wieder einmal zu kompliziert, zu ungerecht oder zu bedrohlich wird. Ein Ort, an dem ein gutmütiger Riese mit müdem Lächeln über uns wacht, der uns daran erinnert, dass man vor Schlägen keine Angst haben muss, solange das eigene Herz am rechten Fleck schlägt. Und genau deshalb wird Bud Spencer niemals wirklich sterben. Er ist nicht mehr unter uns, aber die Wärme, die er in Millionen von Seelen gepflanzt hat, wird noch Generationen überdauern.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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