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Alle lachten über seinen 1.000-Mark-FAUN – bis er damit ein Flugzeug zog

Als der Brenner bereits zischte, hob Heinrich Möller die Hand. Warten Sie. Der Arbeiter drehte den Sauerstoff zurück. Vor ihm stand ein niedriger kantiger Faen, dessen graugrüne Farbe so stumpf geworden war, dass man kaum noch erkennen konnte, wo Lack endete und Rost begann. Unter dem Fahrzeug hingen mehrere dicke Stahlplatten, jede einzelne so schwer, dass zwei Männer sie vermutlich nicht einmal hätten verschieben können.

 Was ist? Heinrich ging in die Hocke und strich mit zwei Fingern über einen der Bolzen. Warum wollen Sie die Platten abschneiden? Der Arbeiter zuckte mit den Schultern. Weil sie Gewicht sind. Das sehe ich. Dann wissen Sie doch warum. Hinter ihnen lachte jemand. Der Betrieb am Rand eines kleinen Flugplatzes süglich von Hannover wurde im November 1988 aufgelöst.

Werkbänke, Kompressoren, Generatoren und ausrangierte Fahrzeuge standen seit Tagen in nummerierten Reihen auf dem Hof. [schnauben] Was niemand übernahm, sollte bis Ende der Woche zum Schrotthändler. Der Faun gehörte zu diesen Dingen. Niemand wusste genau, wann er zuletzt gearbeitet hatte. Der Motor war seit Jahren nicht gelaufen. Zwei Reifen verloren Luft.

 Die Kabine roch nach altem Gummi, Diesel und feuchtem Stoff. Auf der Fahrerseite fehlte ein Spiegel. Auf dem Dach saß eine verbogene Rundumleuchte und hinter der Kabine gab es weder Ladefläche noch Kran noch irgendeinen Aufbau, mit dem man auf den ersten Blick etwas anfangen konnte. Nur Stahl, sehr viel Stahl.

 Heinrich war 63 und hatte mehr als 40 Jahre als Nutzfahrzeugmechaniker gearbeitet. Er war eigentlich wegen eines alten Werkstattkompressors gekommen. Den Faun hatte er nur angesehen, weil er wissen wollte, warum jemand ein Fahrzeug gebaut hatte, das offensichtlich fast nichts transportieren konnte und trotzdem aussah, als wäre seine gesamte Konstruktion auf Gewicht ausgelegt.

“Wie schwer ist der?”, fragte er. Der Betriebslater blätterte in einer Mappe. Ohne Gewehr knapp 14 Tonnen. Heinrich [räuspern] sah erneut unter das Fahrzeug. Mit den Platten vermutlich. Und ohne? Der Mann hob die Schultern. Keine Ahnung. Der Arbeiter mit dem Brenner grinzte. Wenn wir fertig sind, deutlich weniger.

Heinrich antwortete nicht. Unter dem Rahmen saßen vier rechteckige Stahlpakete. Zwei zwischen den Achsen, zwei weiter hinten. [räuspern] Jedes bestand aus mehreren übereinanderliegenden Platten. Sie waren nicht angeschweißt, sondern mit langen Bolzen und massiven Haltern befestigt. Das allein machte ihn neugierig.

Schrottgewicht schweißte man irgendwo fest oder warf es auf eine Ladefläche. Das hier konnte man abnehmen und offenbar wieder montieren. Heinrich wischte mit dem Handschuh über einen der Halter. Unter Fett und Schmutz kam eine Reihe sauber gebohrter Löcher zum Vorschein. Nicht eines. Fünf. Die Platte konnte also in verschiedenen Positionen befestigt werden oder durch weitere Platten ergänzt werden.

 Er wechselte auf die andere Seite, dort dasselbe. “Hat er irgendwas schweres gezogen?”, fragte er. Der Betriebsleiter sah zum Faun. “Bestimmt war er schließlich kein Einkaufswagen.” “Was? Anhänger, Geräte?” “Ich war Verwaltung. Wenn Sie jemanden fragen wollen, der damit gearbeitet hat, sind Sie 10 Jahre zu spät.

Heinrich ging zur Rückseite. Die Anhängerkupplung paßte nicht zu dem, was er erwartet hatte. Sie saß ungewöhnlich tief und war fast vollständig in einen gewaltigen Querträger eingebettet. Darunter befand sich eine zweite Aufnahme. Keine provisorische Konstruktion, sondern ein sauber gefertigtes Bauteil, dessen Stahl an manchen Stellen fast so dick war wie seine Hand.

Er ging nach vorn. Dort fand er wieder eine Kupplung. Heinrich blieb stehen vorn und hinten, beide massiv, beide fast auf derselben Höhe. Der Arbeiter rief: “Kann ich jetzt weitermachen?” “Noch nicht.” “Was wollen Sie denn mit dem Ding?” Heinrich richtete sich auf. Das wusste er selbst nicht. Eine halbe Stunde später saß er im Büro des Betriebsleiters.

Der Mann legte ihm ein Blatt hin. Motorzustand unbekannt, Bremsanlage ungeprüft, Fahrzeug nicht zugelassen. Sie übernehmen alles auf eigenes Risiko. Preis: Wenn Sie ihn bis Donnerstag vom Ruf haben, 2000 Mark. Heinrich sah ihn an. Dafür bekomme ich einen Lastwagen. Der fährt. Dann kaufen Sie einen. Heinrich stand auf.

 Der Betriebsleiter nahm das Blatt wieder an sich. Warten Sie. Heinrich blieb an der Tür. 800 Der Mann lachte. Allein der Stahl ist mehr wert. Dann schneiden sie ihn auseinander. Kurze Stille. Draußen begann der Brenner wieder zu zischen. Heinrich zeigte zum Fenster: “Aber dann müssen Sie ihn schneiden, verladen und wegbringen.

 Wenn ich ihn nehme, ist der Donnerstag weg.” Der Betriebsleiter sah auf den Hof. 1000 und sie kümmern sich um den Transport. Heinrich nickte. Zwei Minuten später gehörte ihm ein Fahrzeug, von dem er weder wusste, ob der Motor drehte, noch wozu es gebaut worden war. Am Abend erzählte er seinem ehemaligen Kollegen Klaus Richter davon.

 Klaus war 9 Jahre jünger und führte inzwischen eine kleine Werkstatt für Lastwagen und Baumaschinen. “Fa?”, fragte er am Telefon. Ja, welcher Typ? Heinrich nannte ihm die Nummer vom Typenschild. Am anderen Ende raschelte Papier. Kenne ich nicht. Ich auch nicht. Warum hast du ihn dann gekauft? Heinrich sah durch das Küchenfenster, weil jemand mehrere Tonnen Stahl unter ein Fahrzeug geschraubt hat, das sowieso schon schwer genug war. Klaus schwieg kurz.

 Das ist deine Begründung im Moment. Und Ingrid? Heinrich blickte zur Tür. Seine Frau stand dort und hatte offenbar genug gehört. Die Begründung interessiert Ingrid gerade auch. Zwei Tage später kam ein Tieflader auf den Flugplatz. Schon das Verladen machte deutlich, wie unpraktisch der Faun war. Der erste Versuch scheiterte, weil die Winde des Transporters Schwierigkeiten hatte, die Maschine die Rampen hinaufzuziehen.

 Der Motor des Faunden blieb stumm. Also befestigten sie einen zusätzlichen Greifzug. Zentimeter für Zentimeter kam das Fahrzeug höher. Die Reifen knirschten auf dem Stahl. Eine Rampe bog sich sichtbar durch. Der Fahrer des Tiefladers stieg aus. “Was wiegt er wirklich?” “4 Tonn, hat man mir gesagt.” Der Mann sah auf seine Hinterachse.

“Don hat man ihn freundlich gerechnet.” Als der Faun schließlich festgezurrt war, wirkte er auf dem Tieflader noch seltsamer als auf dem Hof. Zu kurz für sein Gewicht, zu niedrig für einen schweren Lastwagen, fast so, als hätte jemand absichtlich jede unnötige Länge weggelassen und dafür jede freie Stelle mit Stahl gefüllt.

Klaus wartete bereits vor seiner Werkstatt. Er ging einmal um das Fahrzeug, dann noch einmal. Keine Ladefläche? Nein, keine Hydraulikanschlüsse für einen großen Aufbau. Nicht, dass ich sehe. Kein Kran. Nein. Klaus klopfte gegen eine der Platten. Dumpf, massiv. Und das hier sind locker ein paar Tonnen.

 Heinrich holte einen Wagenheber. Dann finden wir heraus, wie viele. Sie begannen nicht mit dem Motor. Zuerst nahm sie eine der hinteren Platten ab. Der Tiefladerfahrer hatte seinen Ladekran noch auf dem Hof. Selbst damit ging es nur langsam. Die Bolzen waren festgerostet, einer mußte erhitzt werden. Als die Platte endlich frei hing, senkte der Kran sie auf eine Waage, die Klaus normalerweise für schwere Maschinenteile benutzte.

Die Anzeige blieb bei 486 kg stehen. Klaus sah auf das Stahlpaket. Eine Heinrich blickte unter den Faunen und davon sind mehrere drin. Sie lösten die zweite, fast dasselbe Gewicht. Die dritte war dünner. Die vierte bestand aus zwei verschraubten Segmenten. Bis zum Abend lagen über zweieinhalb Tonnen Ballast neben der Werkstattwand.

Doch darunter kam etwas zum Vorschein, das Heinrich wichtiger fand als die Zahl. Auf der Innenseite eines Halters war eine kleine Tabelle eingeschlagen. Keine Teilenummer. Drei Zeilen 8,9 Tonnen, 11,4 Tonnen, 13,9 Tonnen. Klaus wischte mit Bremsenreiniger darüber Gewichtsstufen. Heinrich nickte.

 Neben jeder Zahl befand sich eine kleine Kombination aus Buchstaben und Strichen. Der Hersteller hat vorgesehen, dass man Ballast hinzufügt oder herausnimmt. Warum? Heinrich sah auf die Platten am Boden. Das ist die Frage. Klaus lehnte sich gegen den Rahmen. Vielleicht für schwere Anhänger, mehr Gewicht auf den Rädern, mehr Traktion. Möglich.

 Dann wäre es ein Ballastschlepper. Heinrich ging zur hinteren Kupplung. Dann müsste er aber auch irgendwo hinfahren können. Kann er vielleicht mit diesem Radstand, mit dieser Übersetzung. Klaus sah ihn an. Du kennst Übersetzung doch noch gar nicht. noch nicht. Am nächsten Morgen öffneten sie die Kontrollschraube am Verteilergetriebe.

Das Öl war alt, aber nicht voller Metall. Das war besser als erwartet. Dann drehten sie ein Hinterrad und zählten. Klaus markierte die Kadernwelle mit Kreide. Heinrich dreht: “Noch einmal! Noch einmal!” Sie rechneten. Klaus runzelte die Stirn. Das ist kurz, sehr kurz. Sie kontrollierten ein zweites Mal gleiches Ergebnis.

 Selbst ohne genaue Motordrehzahl war klar, dieser Faun war nicht dafür übersetzt, auf einer Landstraße mit einem schweren Anhänger Strecke zu machen. Er sollte Kraft entwickeln bei sehr wenig Geschwindigkeit. Heinrich öffnete die Fahrertür und setzte sich hinein. Die Kabine war erstaunlich eng. Der Sitz stand fast direkt über der Vorderachse.

 Die Windschutzscheibe war groß, aber die lange Haube fehlte, die man bei vielen schweren Zugmaschinen erwartet hätte. Er sah nach hinten, dort war der Blick ungewöhnlich frei. Fast der gesamte Bereich, direkt hinter dem Fahrzeug, ließ sich aus dem Sitz überblicken. Klaus stand außen. Was? Heinrich antwortete nicht sofort.

 Er legte die Hand auf den Schalthebel. Sechs Vorwärtsgänge. Dazu eine Untersetzung. und eine Schaltung, deren Markierungen teilweise abgerieben waren. Neben dem Sitz befand sich ein kleines Metallschild. Heinrich rieben darüber. Ein Teil der Schrift erschien. Rangierbetrieb. Der Rest war nicht mehr lesbar. Klaus beugte sich durch die Tür.

Rangierbetrieb. Sieht so aus. Also doch Industrie vielleicht. Sie gingen wieder nach draußen. Heinrich stellte sich 5 Meter hinter den Faunen. Der niedrige Aufbau, die freie Sicht nach hinten, die Kupplung fast auf Achshöhe. Mehrere Tonnen Ballast, die je nach Einsatz hinzugefügt werden konnten. Kurze Übersetzung.

Alles passte zu einer Maschine, die schwere Dinge langsam bewegen sollte. Aber etwas störte ihn. Wenn der Faun einfach ein Werks oder Schwerlastschlepper gewesen war, warum hatte man vorne fast dieselbe Zugvorrichtung wie hinten eingebaut? Und warum war die Vorderkante des Fahrzeugs so ungewöhnlich flach und frei von Aufbauten? Am Nachmittag versuchten sie den Motor von Hand zu drehen.

 Er bewegte sich schwer, aber gleichmäßig. Klaus grinste. Zumindest fest ist er nicht. Heinrich baute die Einspritzleitungen ab. Das heißt noch nichts. Für dich bedeutet gar nichts jemals etwas. Doch wenn es zweimal funktioniert. Zwei Tage gingen für Kraftstoffleitungen, Filter, Batterie und die Reinigung des Anlassers drauf.

Beim ersten Startversuch drehte der Motor kaum, beim zweiten schneller. Beim dritten kam Rauch. Klaus nahm die Hand vom Startknopf. Er will. Heinrich wartete, bis der Anlasser abgekühlt war. Dann versuchten sie es erneut. Der Motor drehte 4 Sekunden, fünf. Ein einzelner Zylinder zündete, dann ein zweiter.

 Plötzlich schlug schwarzer Rauch aus dem Auspuff. Der ganze Faun vibrierte und der Motor fiel in einen tiefen, unregelmäßigen Leerlauf. Klaus lachte, Heinrich nicht. Er sah auf die Öldruckanzeige, dann auf die Temperatur, dann unter das Fahrzeug. Keine große Leckage. Nach dreig Sekunden stellte er den Motor wieder ab.

 Warum aus? Weil wir noch nicht wissen, ob die Schmierung überall ankommt. Klaus schüttelte den Kopf. Sech Jahre steht das Ding herum, springt an und du begrüßt ihn mit Abschalten. Heinrich stieg aus. Jetzt wissen wir, dass der Motor lebt. Er zeigte auf die Ballastplatten an der Wand, aber wir wissen immer noch nicht, warum jemand zweieinhalb Tonnen an einen funktionierenden Schlepper geschraubt hat.

Am folgenden Tag fanden Sie den nächsten Hinweis. Unter dem Fahrersitz verlief ein Bündel alter Kabel zu einem kleinen, später stillgelegten Schaltkasten. Klaus löste die zwei Schrauben. Dahinter klebte ein gefaltetes Stück Papier. Kein Handbuch, nur ein schmaler Wartungszettel, vermutlich irgendwann hineingeschoben und vergessen.

[räuspern] Die obere Hälfte war vom Öl unleserlich. Unten standen drei Einträge. Bremsdruck geprüft, Kupplung eingestellt, Ballaststufe 3 montiert und dahinter eine handschriftliche Abkürzung. Schleppbetrieb Halle 2. Heinrich las die Zeile zweimal. Klaus auf den Zettel. Halle 2, also Fabrik. Heinrich drehte das Papier um.

 Auf der Rückseite war ein verblasster Stempel. Nur ein Teil davon war noch zu erkennen. Ein Adler war es nicht. Kein Firmenlogo, das Heinrich kannte. Darunter standen jedoch zwei Wörter. Das zweite war klar lesbar. Flugbetrieb. Klaus sagte nichts mehr. Heinrich sah hinaus auf den Faen. Zum ersten Mal passte der alte Flugplatz nicht nur zum Ort, an dem die Maschine zufällig zuletzt gestanden hatte.

 Vielleicht war er der Grund, warum sie überhaupt so gebaut worden war. Wenn dir Geschichten gefallen, bei denen eine scheinbar sinnlose technische Entscheidung plötzlich einen Zweck bekommt, abonniere den Kanal, denn die zweieinhalb Tonnen Stahl unter diesem Faen waren nur der erste Hinweis und Heinrich hatte noch nicht verstanden, was diese Maschine tatsächlich bewegen sollte.

Am selben Abend baute Klaus die hintere Abdeckung des Getriebes ab. Er wollte wissen, welche Untersetzung in der niedrigsten Fahrstufe wirtlich vorhanden war. Heinrich stand daneben und notierte die Zähnzahl. Als Klaus das Ergebnis ausrechnete, schaute er noch einmal hin. Das kann nicht stimmen. Rechne noch einmal.

Er tat es. Dann legte er den Bleistift hin. Bei Nendrezaar läuft er im kleinsten Gang langsamer als ein Mann. Heinrich blickte zum Faunen. Wie langsam? Klaus nannte die Zahl. Heinrich schwieg. Ein 14 Tonnen schweres Fahrzeug, mehrere Tonnen abnehmbarer Ballast, Zugvorrichtungen an beiden Enden und ein erster Gang, mit dem man nebenhergehen konnte.

 Das war kein Lastwagen, der etwas von einem Ort zum anderen bringen sollte. Das war eine Maschine, die etwas anderes Zentimeter für Zentimeter bewegen musste. Und genau das machte die Frage jetzt größer als vorher. Nicht warum war dieser Faun so schwer, sondern was mußte so schwer gewesen sein, daß man einen ganzen Lastwagen absichtlich noch schwerer machte, nur um es bewegen zu können.

Am nächsten Morgen stand der Faun mit abgenommenen Ballastplatten vor der Werkstatt. 14 Tonnen Gesamtgewicht, mehrere Tonnen davon absichtlich hinzugefügt, eine Übersetzung für Schrittgeschwindigkeit und zwei massive Zugpunkte. Wenn die Maschine wirklich auf einem Flugplatz gearbeitet hatte, mußte sich das an ihrem Verhalten zeigen.

 Klaus blieb skeptisch. Wir haben einen alten Stempel mit Flugbetrieb, mehr nicht. Dann testen wir, was die Konstruktion kann. Sie hängten einen beladenen Tieflader an die hintere Kupplung. Heinrich wollte zunächst ohne die ausgebauten Platten fahren. Heinrich legte die Untersetzung ein, ließ die Kupplung kommen und gab vorsichtig Gas.

Der Faun zog an. Langsam, fast lächerlich langsam. An einer leichten Steigung hielt Heinrich an und fuhr erneut an. Klaus erzeugte mit einem zweiten Fahrzeug zusätzlichen Widerstand. Der Motor arbeitete hörbar. Dann rutschten die Hinterräder. Heinrich nahm sofort Gas weg. Klaus sah auf die schwarzen Spuren im Beton.

Der Motor hätte noch gekonnt. Ja, aber die Reifen nicht. Am Nachmittag montierten sie zwei der schweren Platten wieder. Beim nächsten Versuch war der Unterschied deutlich. Die Federung sank ein, doch die Hinterreifen hielten länger. Erst später begann die Haftung nachzulassen. “Also, Traktion”, sagte Klaus.

 Heinrich nickte. “Der Ballast ist kein totes Gewicht, er gehört zur Arbeit.” Zum ersten Mal ergab ein Teil der Maschine Sinn, doch nur ein Teil. Ein gewöhnlicher Schwerlastschlepper brauchte ebenfalls Gewicht auf den angetriebenen Achsen, aber er sollte trotzdem Strecke machen. Dieser Faun war anders.

 Seine extreme Langsamkeit war offenbar gewollt. Heinrich kroch unter die Vorderseite. Dort saß die zweite Kupplung. Der vordere Querträger war genauso massiv verstärkt wie der hintere. Die Bolzen zeigten Verschleißspuren. “Dir hat vorne gearbeitet”, sagte Heinrich. Vielleicht zum Schieben oder zum Ziehen, ohne zu wenden. Klaus setzte sich in die Kabine und sah nach hinten.

 Fast der gesamte Bereich, direkt hinter dem Fahrzeug lag frei im Blick. Keine Ladefläche, kein hoher Aufbau. Wenn du dauernd rangierst, ist das praktisch. Unter einer Gummimatte entdeckte Heinrich ein kleines Pedal. Es gehörte weder zur Bremse noch zur Kupplung. Ein Gestänge führte zu einem Ventilblock hinter dem Sitz. Eine Leitung führte nach hinten zu einem alten Druckluftanschluss.

Anhängerbremse, fragte Heinrich. Klaus schüttelte den Kopf. Neben dem Ventilblock saß ein kleines Manometer. Heinrich hielt die Lampe darüber. Unter dem Glas konnte er noch ein Wort lesen. Schleppdruck. Am Abend rief Klaus einen früheren Kollegen an, der Sonderfahrzeuge gewartet hatte.

 Er beschrieb die Technik ohne den Flugplatz zu erwähnen. “Faun!” Kurz übersetzt ballast Kupplung vorn und hinten?”, fragte der Mann. “Ja, klingt nach einem Rangierschlepper.” “Für was?” “Kommt darauf an, wo er lief.” Klaus blickte zu Heinrich. Und wenn er auf einem Flugplatz lief? Die Antwort kam sofort. Dann würde ich nach Flugzeugschleppern suchen.

Es war noch kein Beweis, aber zum ersten Mal hatten sie eine Bezeichnung, die mehrere Bauteile erklärte. Am nächsten Morgen montierten sie sämtliche Ballastplatten wieder. Mit dem gesamten Gewicht lag die Maschine satt auf dem Boden. Im kleinsten Gang konnte Klaus nebenhergehen. “Jetzt verstehe ich die Geschwindigkeit”, sagte er.

Heinrich öffnete das Fenster. Noch nicht. Was fehlt dir? Wenn du einen Anhänger bewegst, ist langsam gut, aber so langsam, er hielt an. Das hier ist nicht für die Straße gebaut. Heinrich legte den Rückwärtsgang ein. Der Faun setzte sich beinah genauso ruhig zurück wie vorwärts. Klaus ging hinter ihm her und bemerkte, wie genau Heinrich die Kupplung sehen konnte.

Der Fahrer muß wissen, was direkt hinter ihm passiert. Genau. Jetzt fügten sich mehrere Merkmale zu einem Bild. Extreme Langsamkeit, veränderbares Gewicht, Zugpunkte an beiden Enden und freie Sicht nach hinten. Klaus lehnte sich an die Tür. Wenn das wirklich ein Flugzeugschlepper ist, fehlt uns noch etwas. Was? Der Beweis, dass genau dieser hier tatsächlich Flugzeuge bewegt hat.

Heinrich blickte zum verblasten Stempel. Dann suchen wir nicht mehr nach der Maschine. Wonach sonst? Nach den Leuten, die sie gefahren haben. Noch am selben Nachmittag fanden sie hinter dem stillgelegten Schaltkasten einen zweiten Wartungszettel. Auf der Rückseite stand eine handschriftliche Nummer, keine Fahrgestellnummer, kein Ersatzteilcode, nur drei Ziffern, zwei Buchstaben und darunter ein Nachname Stein.

 Daneben eine Telefonnummer, bei der die letzte Ziffer fehlte. Klaus wollte den Zettel zurücklegen. Heinrich hielt ihn fest. Bis jetzt hatte jede Spur zu Stahl, getrieben oder Ballast geführt. Diese Spur führte zum ersten Mal zu einem Menschen und vielleicht zu dem einzigen Mann, der noch wusste, was dieser Faun früher tatsächlich hinter sich hergezogen hatte.

Die Nummer auf dem Zettel führte zunächst nirgendwohin. Heinrich probierte mehrere Kombinationen, bis Klaus im alten Telefonbuch nach dem Nachnamen und dem Ort des Flugplatzes suchte. Beim zweiten passenden Eintrag hob ein Mann ab. Stein. Heinrich erklärte, woher er die Nummer hatte. Am anderen Ende wurde es still.

Welcher Frauen? Heinrich nannte den Typ. Hat er noch die Ballasplatten? Ja, alle. Vier Pakete. Der Mann atmete hörbar aus. Dann kommen sie vorbei. Walter Stein wohnte 40 km entfernt. Er war 70 und hatte noch die Hände eines Mechanikers. Walter zeigte auf die Nummer. Das war unsere interne Fahrzeugnummer. Und der Name? Meiner.

Sie haben ihn gefahren. Gewartet. Gefahren haben ihn viele. Walter wollte die Fahrgestellnummer hören. Danach kam er mit einem dünnen Ordner zurück. Darin lagen Listen und zwei Fotos. Auf dem ersten stand ein niedriger Faun vor einer Halle. Unter dem Rahmen hingen dieselben Ballastpakete. Heinrich zog das Bild näher.

 Ist das unserer? Walter tippte auf die Nummer an der Stoßstange. Wenn ihre Fahrgestellnummer stimmt. Ja, hinter dem Fun war ein riesiges Rad zu sehen. Kein LKW-Rad. Jetzt verstehen Sie, warum der so schwer ist. Der Faun war kein normaler Lastwagen gewesen. Er bewegte Flugzeuge am Boden. Nicht schnell, nicht weit, aber präzise.

Walter schob eine Tasse langsam über den Tisch. Wenn sie 20 oder drei Tonnen bewegen, ist Motorleistung nur ein Teil. Wenn die Reifen durchdrehen, hilft ihnen der stärkste Motor nichts. Deshalb die Platten. So passte es genau. Walter öffnete eine Tabelle. Drei Konfigurationen waren eingezeichnet. Leicht für Werkstattfahrten, mittel für kleinere Schleppaufgaben und schwer für größere Maschinen.

 Heinrich erkannte die Zahlen aus dem Halter 8,9 11,4 13,9 Tonn. Also war Stufe 3 kein Zufall. Wenn alle Platten montiert waren, ist er zuletzt schwer gefahren. Klaus fragte: “Was hat er gezogen?” Walter nahm das zweite Foto. Eine Schleppstange lief hinter dem Faen aus dem Bild. Unterschiedlich. Transportmaschinen, zeitweise größere Jets. Aber ich erzähle ihn nicht.

 Er hätte alles gezogen, was hier gelandet ist. Dafür müsste ich die Einsatzbücher sehen. Beim Rangieren standen Einweiser an Tragflächen und Heck. Ein falscher Meter konnte teurer werden als der ganze Faun. “Darum die Schrittgeschwindigkeit”, sagte Klaus. Walter nickte. Sie wollen nicht schnell sein, sie wollen anhalten können, bevor jemand schreit.

Heinrich fragte nach der Kupplung vorn. Damit mussten wir nicht jedes Mal wenden. Je nach Position wurde vorne oder hinten angeschlagen. Und der freie Blick nach hinten. Absicht. Walter zeichnete die Hinterachse auf einen Zettel. Der Ballast sitzt auch nicht irgendwo. Er belastet die angetriebenen Räder. Zu wenig Gewicht und er schart, zu viel an der falschen Stelle und das Fahrzeug wird schlecht beherrschbar.

Heinrich dachte an den Mann mit dem Brenner. Das scheinbar nutzlose Gewicht entschied darüber, ob die Maschine ihre Kraft auf den Boden bekam. Heinrich fragte nach dem Manometer mit der Aufschrift Schleppdruck. Walter hob den Kopf. Das ist noch drin. Ja, dann prüfen Sie die Druckluftanlage gründlich.

 Beim Schleppen wollen Sie nicht erst merken, dass Druck fehlt, wenn etwas hinter ihnen weiterrollt. Und kann man prüfen, ob der Faun noch arbeiten kann? Walter sehen an. In ihrer Werkstatt nicht. Drei Tage später stand Walter selbst vor der Maschine. An der rechten hinteren Ballastaufnahme blieb er stehen. Die Platte sitzt falsch herum.

 Klaus wollte widersprechen. Walter zeigt auf eine kleine Phase. Die gehört nach innen, sonst scheuert sie bei voller Verschränkung. Sie lösten die Platte. Er hatte recht. Danach prüfte Walter Kupplungen, Leitungen und Bremsanlage. Eine Dichtung war porös. Ein Ventil reagierte verzögert. Damit schleppen Sie nichts.

 Heinrich nickte. Dann reparieren wir es. Zwei Tage später hielt das System den Druck. Das Manometer stieg gleichmäßig an. Klaus verschränkte die Arme. Also fertig. Walter nickte. Technisch sieht es gut aus. Heinrich schüttelte den Kopf. Nein, was fehlt Ihnen noch? Heimrich zeigte auf die hintere Kupplung. Wir haben bewiesen, dass er fährt, nicht, dass er noch das kann, wofür er gebaut wurde.

Walter schwieg, dann nahm er seine Jacke. Auf dem alten Südgelände steht noch eine ausgemusterte Maschine. Die muss ohnehin versetzt werden. Klaus richtete sich auf. Ein Flugzeug? Ja, wie schwer? Walter nannte die Zahl. Heinrich sah automatisch zu den Ballastplatten. Das Flugzeug wog deutlich mehr als alles, was sie bisher an den Faen gehängt hatten.

 Walter ging zur Tür. Wenn Sie verstehen wollen, warum man mehrere Tonnen Stahl unter diesen Schlepper gebaut hat, gibt es nur noch einen Test. Diesmal brauchten sie keine weiteren Ordner. Sie brauchten eine Schleppstange und ein Flugzeug. Am Freitagmorgen stand der Faun wieder auf dem alten Flugplatz. Diesmal nicht zwischen Schrottcontainern, sondern vor einer ehemaligen Wartungshalle.

 Hinter ihm stand die ausgemusterte Maschine, von der er gesprochen hatte. Ein zweistrahliges Flugzeug seit Jahren außer Betrieb, aber noch immer schwer genug, dass Klaus nur fragte: “Damit?” Walter nickte. Damit. Die Schleppstange lag auf dem Boden. Bevor sie irgendetwas verbandten, bestand Walter auf einer vollständigen Kontrolle.

 Kupplung, Bolzen, Druckluft, Bremsen, Reifendruck, Ballast. Heinrich hatte überlegt, zwei der schweren Platten wegzulassen. Der Frauen ließ sich dann leichter bewegen und bei ihren bisherigen Versuchen hatte der Motor genug Kraft gehabt. Walter nickte nicht. Sie testen nicht den Motor, sie testen die Maschine. Er zeigte unter den Rahmen. Die Platten gehören dazu.

Also montierten sie alle wieder. Die Federn sanken tiefer. Als die letzte Platte verschraubt war, stand der Faun wieder in der Konfiguration, die Heinrich am ersten Tag für Absucht gehalten hatte. 13,9 Tonnen. Klaus klopfte gegen den Rahmen. Jetzt ist er wieder schwer genug, um sinnvoll zu sein. Sie schoben die Schleppstange zwischen Faunen und Flugzeug.

 Der erste Bolzen passte, der zweite nicht. Die Aufnahme am Bugfahrwerk war fast 3 cm breiter. Walter holte alte Adapter aus der Halle. Einer kam dem Maß nahl, passte aber ebenfalls nicht. Klaus fuhr zur Werkstatt und fertigte aus einer Stahlbuchse ein Zwischenstück. Zwei Stunden später saß der Bolzen. Heinrich wollte einsteigen, als Walter unter dem rechten Rahmen eine dunkle Stelle bemerkte.

 Stopp! Eine Verbindung im Druckluftsystem zischte. Klaus sah auf die Uhr. Wenn wir das jetzt auseinandernehmen, wird es dunkel. Heinrich legte sich unter den Faen. Dann wird es dunkel. Sie ersetzten die Dichtung und bauten erneut Druck auf. Sechs Bar, sieht. Heinrich stellte den Motor ab. Die Nadel blieb stehen.

 Jetzt Heinrich setzte sich in die Kabine. Durch die Heckscheibe sah er die Schleppstange, das Bugfahrwerk und dahinter einen Rumpf, der viel zu großte, um von diesem kurzen Fahrzeug bewegt zu werden. Klaus stand seitlich und gab Handzeichen. Heinrich startete den Diesel. Untersetzung ein Erster Gang. Kupplung langsam kommen lassen. Zunächst geschah nichts.

 Der Motor nahm Last an. Die Schleppstange spannte sich. Heinrich gab etwas mehr Gas. Noch immer nichts. Dann verformten sich die Hinterreifen auf dem Beton. Der Faun bewegte sich wenige Zentimeter. Klaus hob die Hand. Weiter. Heinrich hielt die Drehzahl. Das Bugrad rollte. Erst kaum sichtbar, dann eine halbe Umdrehung.

 Der Rumpf setzte sich in Bewegung, nicht schnell, nicht spektakulär, aber eindeutig. Der Faun fuhr vorwärts und das Flugzeug folgte. Nach 10 m ließ weiter stoppen. Kein Nachrollen, kein Ruck. Dann zeigte er nach links. Geradeausziehen war nur die halbe Aufgabe. Ein Flugzeug vor einer Halle zu bewegen, bedeutete Winkel und Geschwindigkeit gleichzeitig zu kontrollieren.

 Heinrich fuhr wieder an und lenkte langsam ein. Das Bugfahrwerk folgte. Der Faun blieb so langsam, daß Klaus neben der Kabine gehen konnte und genau dort verstand Heinrich die Maschine vollständig. Der kurze Radstand war kein Nachteil, die geringe Geschwindigkeit, kein Mangel. Die freie Sicht nach hinten kein Zufall.

 Die Kupplung an beiden Enden, keine Übertreibung und die Stahlplatten, die man mit dem Brenner hatte entfernen wollen, waren keine Belastung. Sie presßten die angetriebenen Räder auf den Boden und machten aus Motorkraft Zugkraft. Nach knapp 50 Metern gab Walter das Zeichen zum Anhalten. Das Flugzeug stand dort, wo es hin sollte. Klaus sau auf die Hinterreifen.

 Kein Schlupf. Heinrich stieg aus. Walter zog ein altes Schwarz-Weiß Foto aus seiner Tasche. Darauf stand ein Faun vor derselben Halle. Gleiche Form, gleiche Ballastpakete. An der Stoßstange dieselbe interne Nummer. Hinter ihm ein Flugzeug. Wann war das? Fragte Heinrich. 1976. Heinrich drehte das Foto um. Auf der Rückseite stand eine Fahrgestellnummer.

Sie stimmte. Klaus sah vom Foto zur Maschine. Dann hat er das hier schon einmal gemacht. Walter schüttelte den Kopf. Nicht einmal. Hunderte Male später zurück in der Werkstatt blieb Klaus vor dem Ballastplatten stehen. Was machst du jetzt mit ihm? Er bleibt straßtauglich. Heinrich schüttelte den Kopf. Dafür wurde er nicht gebaut.

 Klaus deutete auf den Stahl unter dem Rahmen. Und die Platten, die könntest du wenigstens herausnehmen, dann ist er leichter. Heinrich sah ihn an. Genau das dachte der Mann mit dem Brenner. Am ersten Tag hatten alle in diesen Stahlpaketen nur unnötiges Gewicht gesehen. Jetzt wusste Heinrich, dass sie das Gegenteil waren.

 Ohne sie wäre der Faun tatsächlich nur ein alter, langsamer und viel zu schwerer Lastwagen gewesen. Mit ihnen war er wieder das, wofür er gebaut worden

 

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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