Mit 76 spricht Meryl Streep zum ersten Mal und enthüllt den wahren Robert Redford – Ty
Das unausgesprochene Geheimnis zweier Leinwandlegenden: Mit 76 Jahren enthüllt Meryl Streep die Wahrheit über ihre Verbindung zu Robert Redford
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Die Stille hinter der goldenen Krone
Jahrzehnte vermögen ein Geheimnis nicht immer im Nebel des Vergessens zu begraben. Manchmal bewirkt das Verstreichen der Zeit genau das Gegenteil: Es verleiht jenen unausgesprochenen Momenten ein noch schwereres, fast schon schmerzhaftes Gewicht. In einer Filmmetropole wie Hollywood, die seit jeher darauf spezialisiert ist, das Intimste in glitzernde Schlagzeilen zu verwandeln und jedes echte Gefühl auf dem Altar der schnellen Vermarktung zu opfern, galt eine Frau stets als die uneinnehmbare Festung: Meryl Streep. Über ein halbes Jahrhundert hinweg hatte sie gelernt, ihr Gesicht vor den unerbittlichen Zoomobjektiven der Fotografen vollkommen ruhig zu halten. Sie lächelte sanft, wenn Kritiker sie zur größten lebenden Schauspielerin unserer Ära hochstilisierten, und sie schwieg beharrlich, wenn das Privatleben prominenter Kolleginnen in den Klatschspalten zerpflückt wurde. Sie war die unangefochtene Monarchin des Kinos, ausgestattet mit drei Academy Awards, einer Rekordzahl an Nominierungen und einer Aura scheinbar unangreifbarer Perfektion.
Doch wenn ihr Name heute, da sie ihr 76. Lebensjahr erreicht hat, in einem Atemzug mit Robert Redford fällt, verändert sich die Atmosphäre im Raum schlagartig. Es geht dabei nicht um die billige Aufwärmung alter Boulevard-Gerüchte, nicht um das schlüpfrige Zurschaustellen einer heimlichen Romanze und nicht um den Versuch, das Andenken zweier herausragender Künstler durch voyeuristische Spekulationen zu entwerten. Was Meryl Streep in einer bemerkenswerten, späten Offenheit durchblicken lässt, rührt an etwas ungleich Tieferem. Es berührt jene müde, verletzliche Frau, die über Jahrzehnte hinweg hinter der glänzenden Rüstung der Schauspielkönigin ausharren musste.
Robert Redford, der Inbegriff des blonden, blauäugigen Traumbildes des amerikanischen Kinos, war für Meryl Streep am Set jenes legendären Meisterwerks „Jenseits von Afrika“ nicht deshalb eine Herausforderung, weil er ein unverschämt attraktiver Weltstar war. Die Verführung lag keineswegs in seinem blendenden Äußeren. Robert Redford wurde für Meryl Streep zu einer existentiellen Erschütterung, weil er ihr etwas schenkte, das sie in ihrem gesamten, vom Kampf gezeichneten Leben verlernt hatte: vollkommene, bedingungslose Ruhe. Und genau diese Ruhe war für eine Frau, die ihr Herz hinter meterdicken Mauern verbarrikadiert hatte, die gefährlichste aller Empfindungen. Sie drohte, ein Schutzschild zu zertrümmern, das sie sich über viele Jahre des Leidens mühsam aufgebaut hatte.
Summit, New Jersey: Das Fundament eines kompromisslosen Willens
Um zu verstehen, warum Meryl Streep diese defensive Haltung überhaupt einnehmen musste, ist ein Blick auf ihre Anfänge unerlässlich. Sie betrat die Bühnen dieser Welt keineswegs wie eine Auserwählte, auf deren Erscheinen die Traumfabrik sehnsüchtig gewartet hätte. Geboren im Juni 1949 im beschaulichen Summit, New Jersey, wuchs Mary Louise Streep in einer Umgebung auf, die weit entfernt war vom schillernden Glanz der Westküste. Ihr Vater Harry William Streep Jr. war leitender Angestellter in einem Pharmaunternehmen, ihre Mutter Mary Wolf Wilkinson arbeitete als Werbegrafikerin und Kunstredakteurin. Gerade die Mutter sollte jedoch zum entscheidenden Katalysator für Meryls inneres Selbstverständnis werden. Sie pflanzte in das eher schüchterne, nachdenkliche Mädchen die unerschütterliche Überzeugung ein, dass sie zu Großem fähig sei – vorausgesetzt, sie weigere sich, ihr Selbstbild über die flüchtigen Urteile anderer Menschen zu definieren.
Vielleicht nahm dort bereits alles seinen Anfang: in einem bürgerlichen Elternhaus, in dem ein junges Mädchen lernte, auf die eigene innere Stimme zu vertrauen, lange bevor irgendein Fremder ihr ein Mikrofon vorhielt. Mit zwölf Jahren begann Meryl professionellen Gesangsunterricht zu nehmen. Vier Jahre lang feilte sie akribisch an ihrer Stimmführung, trainierte eine saubere Artikulation, erlernte das Halten des Atems und brillierte mit den Tönen einer klassischen Koloratursopranistin. Doch mit sechzehn Jahren warf sie diese vielversprechende musikalische Zukunft abrupt hin. Nicht etwa, weil es ihr an Begabung gemangelt hätte – ihre stimmliche Bandbreite war phänomenal –, sondern weil sie eine fundamentale Entdeckung machte: Sie sang Lieder, deren Inhalt sie nicht im Geringsten fühlte. Sie spürte instinktiv, dass Virtuosität ohne Wahrhaftigkeit eine seelenlose Hülle bleibt. Diese Erkenntnis wurde zum unverrückbaren Fundament ihrer gesamten späteren Kunst. Für Meryl Streep durfte darstellende Kunst niemals bloß gefällig, dekorativ oder hübsch sein; sie musste wahrhaftig sein, sonst war sie wertlos.
Ihr Weg führte sie schließlich an das Vassar College und im Anschluss an die renommierte Yale School of Drama, die härteste Kaderschmiede für den amerikanischen Theaterbetrieb. Meryl arbeitete dort in einem Zustand permanenter physischer und psychischer Überlastung. Um ihre Studiengebühren zu finanzieren, schlug sie sich als Kellnerin die Nächte um die Ohren und verdiente als Schreibkraft ein paar Dollar hinzu. Tagsüber probte sie bis zur totalen Erschöpfung und stand abends in anspruchsvollen Inszenierungen auf der Bühne. Sie mutete ihrem Körper so viel zu, dass sich chronische Magengeschwüre bemerkbar machten. In einer Phase tiefer Verzweiflung stand sie kurz davor, alles hinzuschmeißen und ein pragmatisches Jurastudium zu beginnen. Sie verschlief jedoch die entscheidende Aufnahmeprüfung – ein Wink des Schicksals, der sie im Theater hielt.
Nach ihrem Abschluss zog sie nach New York, in den Schmelztiegel der darstellenden Kunst. Doch statt anerkennender Bewunderung schlug ihr in den Casting-Büros der Stadt jene unbarmherzige Kälte entgegen, die für junge Schauspielerinnen im New York der 1970er Jahre an der Tagesordnung war. Der berüchtigtste Moment dieser Anfangsjahre ereignete sich bei einem Vorsprechen für die weibliche Hauptrolle im Mega-Blockbuster „King Kong“. Der mächtige italienische Filmproduzent Dino De Laurentiis musterte die junge Bewerberin mit geringschätzigem Blick und fragte seinen Sohn Federico auf Italienisch, was man ihm da für ein hässliches Wesen („che brutta“) ins Büro geschleppt habe. Er ahnte nicht, dass Streep der italienischen Sprache mächtig war. Anstatt in Tränen auszubrechen oder kleinlaut den Raum zu verlassen, trat sie vor den Produzenten und antwortete ihm auf makellosem Italienisch, ruhig, distanziert und messerscharf: „Es tut mir sehr leid, dass ich Sie enttäuscht habe.“
Dieser Zwischenfall brannte sich tief in ihr Gedächtnis ein. Es war die zynische Botschaft einer männerdominierten Unterhaltungsindustrie, die jeder Frau unmissverständlich klarmachte: Bevor wir auch nur einen Hauch deines Talents zur Kenntnis nehmen, beurteilen wir dein Gesicht nach unseren Maßstäben. Diese frühe Lektion lehrte Meryl, Männern in der Filmbranche mit einer tief sitzenden Skepsis zu begegnen. Und genau aus diesem Grund sollte ein Mann wie Robert Redford Jahre später eine derart entwaffnende Wirkung auf sie haben: Er blickte sie niemals an, als sei sie eine fehlerhafte Erscheinung auf der Leinwand. Er sah sie an, als sei sie vom ersten Moment an vollkommen genug gewesen.
John Cazale: Die tragische Lektion über den Preis der Liebe
Bevor Meryl Streep jedoch an den Punkt gelangte, an dem sie Redford begegnen konnte, musste sie einen Schicksalsschlag durchleiden, der ihre Seele für immer zeichnete und ihr auf grausamste Weise vor Augen führte, welch furchtbaren Preis wahrhaftige Liebe fordern kann. Dieser Schmerz trug den Namen John Cazale.
Als sie Cazale im Sommer 1976 bei einer Aufführung von Shakespeares „Maß für Maß“ im New Yorker Delacorte Theater kennenlernte, stand ihre eigene Karriere gerade an der Schwelle zum großen Durchbruch. Cazale war kein klassischer Filmstar, kein strahlender Schönling, dessen bloßes Erscheinen die Massen in Verzückung versetzte. Filmkenner verehrten ihn für seine unvergleichlichen Charakterrollen als Fredo Corleone in „Der Pate“ und „Der Pate II“ sowie für seine Darbietungen in „Hundstage“ und „Der Dialog“. Cazale trug eine sanfte, fast melancholische Wärme in seinem hageren Gesicht; seine Augen spiegelten ein Wissen über die menschliche Tragödie wider, das weit über das hinausging, was er in Worte fasste. Meryl verfiel ihm nicht wie in einem kitschigen Roman. Ihre Liebe war erdig, intim, schlicht und tief verwurzelt in jenen stillen Momenten, in denen das laute Getöse der Metropole New York vor der Wohnungstür verstummte.
Doch das junge Glück währte nur kurz. Im Mai 1977 erhielt der damals 41-jährige Schauspieler die vernichtende Diagnose: Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium, Metastasen in den Knochen, unheilbar. Für eine aufstrebende junge Schauspielerin, deren Name gerade in den Notizbüchern sämtlicher Regisseure Hollywoods ganz oben stand, bot sich in diesem Moment die unsichtbare Fluchtmöglichkeit. Niemand hätte ihr einen Vorwurf gemacht, wenn sie sich langsam zurückgezogen hätte – ein Engagement an der Westküste hier, eine Drehpause dort, ein allmähliches Verblassen, während der Partner im fernen New Yorker Krankenhausbett versorgt wird. Doch Meryl Streep floh nicht.
Sie trat an seine Seite und weigerte sich, auch nur einen Millimeter zu weichen. Sie übernahm Rollen in der Miniserie „Holocaust“ – die sie später nur mit Schaudern erwähnte –, einzig und allein, um die horrenden Behandlungskosten und Krankenhausrechnungen für Cazale begleichen zu können. Als Regisseur Michael Cimino für das Antikriegsdrama „Die durch die Hölle gehen“ (The Deer Hunter) besetzte, kämpften Cazale und Streep gemeinsam darum, dass er trotz seiner tödlichen Krankheit engagiert wurde. Die Produzenten wollten Cazale wegen unkalkulierbarer Versicherungskosten feuern, doch Meryl drohte mit dem sofortigen Ausstieg, und Kollegen wie Robert De Niro übernahmen im Stillen die finanzielle Bürgschaft. Streep spielte in dem Film die Figur der Linda, doch ihr eigentliches Drama spielte sich in den Drehpausen ab: Während Cazale vor der Kamera seine letzten Kraftreserven mobilisierte, saß sie am Rand und wärmte seine zitternden Hände.
In den letzten Monaten seines Lebens zog sie vollständig in sein Zimmer im Memorial Sloan Kettering Cancer Center. Sie verließ das Krankenhaus praktisch nicht mehr, las ihm vor, hielt seine Hand, sprach ihm Mut zu und ertrug das langsame Erlöschen seiner Lebenskräfte. Am 12. März 1978 hauchte John Cazale in ihren Armen seinen letzten Atemzug aus. Als der behandelnde Arzt das Zimmer betrat und seinen Tod feststellte, brach Meryl in Tränen aus, schlug ihm auf die Brust und rief seinen Namen – woraufhin Cazale für einen winzigen, übernatürlichen Augenblick noch einmal die Augen aufschlug, flüsterte: „Es ist in Ordnung, Meryl, es ist in Ordnung“, und für immer ging.
Mit diesem Abschied starb auch ein wesentlicher Teil der jungen Meryl Streep. Sie verlor die kindliche Leichtigkeit, die unbeschwerte Illusion, dass das Schicksal gerecht sei, wenn man nur aufrichtig genug liebe. Sie begriff mit 28 Jahren, dass Talent keinen Krebs stoppen kann und dass ein Filmpreis in der Hand ein hohles, lächerliches Blechstück bleibt, wenn der Mensch fehlt, mit dem man diese Freude teilen wollte. Von diesem Tag an legte Meryl Streep eine innere Rüstung an. Sie wurde ruhiger, härter im Verhandeln und verschloss ihr tiefstes Innenleben hinter einer schwer verriegelten Eisentür. Wenn sie Jahre später am Filmset von Robert Redford berührt werden sollte, traf dessen ruhige Art auf eine Frau, die verinnerlicht hatte, dass Ruhe in der Regel nur die trügerische Atempause vor der nächsten existenziellen Katastrophe darstellt.
Dustin Hoffman und die toxische Schule Hollywoods
Die Festung, die sich Meryl um ihre verletzte Seele gebaut hatte, wurde unmittelbar nach Cazales Begräbnis auf eine brutale Bewährungsprobe gestellt. Statt sich eine Auszeit zu gönnen, stürzte sie sich in die Arbeit – nicht aus Karrieregier, sondern um dem ohrenbetäubenden Schweigen in ihrer Wohnung zu entfliehen. Ihr nächstes Projekt war Robert Bentons Scheidungsdrama „Kramer gegen Kramer“ (1979). Auf dem Papier handelte es sich um ein bewegendes Gesellschaftsdrama über eine zerrüttete Ehe, das Sorgerecht für ein Kind und den schmerzhaften Prozess der Emanzipation. Für Meryl Streep verwandelte sich das Set jedoch in ein psychologisches Schlachtfeld.
Ihr Co-Star Dustin Hoffman war damals auf dem Zenit seiner Macht. Er galt als genialer Verfechter des „Method Acting“, jenes Schauspielansatzes, bei dem die Grenze zwischen Realität und Fiktion bis zur Unkenntlichkeit verwischt wird. Hoffman war es gewohnt, dass sich der gesamte Raum seinem Willen und seiner Energie unterwarf. Vor allem aber wusste er ganz genau, an welchen wunden Punkten er ansetzen musste, um eine Reaktion zu provozieren. Meryl hatte gerade erst den Mann beerdigt, den sie über alles geliebt hatte; ihre Trauer lag blank unter der Haut. Anstatt ihr mit professionellem Respekt zu begegnen, nutzte Hoffman diesen unermesslichen Schmerz skrupellos als schauspielerisches Werkzeug aus.
Am Set verhöhnte er sie hinter vorgehaltener Hand mit Anspielungen auf John Cazales Tod, um sie emotional aufzuwühlen. Vor einer Schlüsselszene im Restaurant zerschmetterte er ohne jede Vorwarnung ein Weinglas an der Wand, sodass Glassplitter in ihr Haar flogen, um ihr eine Panikreaktion abzuringen. Und in einer dramatischen Szene im Hotelflur ging Hoffman noch weiter: Er schlug ihr tatsächlich mit voller Wucht ins Gesicht. Eine junge, traumatisierte Schauspielerin hätte an diesem Terror zerbrechen können. Sie hätte den Dreh abbrechen oder sich heulend in ihren Wohnwagen flüchten können. Doch Meryl Streep besaß eine ganz andere Härte. Sie brach nicht zusammen. Sie tat etwas, das im patriarchalen Hollywood jener Tage einer Kriegserklärung gleichkam: Sie widersprach.
Als sie das Drehbuch las, stellte sie fest, dass ihre Figur Joanna Kramer lediglich als kalte, egoistische Rabenmutter gezeichnet war, die ihr Kind im Stich lässt, um sich selbst zu verwirklichen – eine bequeme, von Männern geschriebene Karikatur, um den Vater als edlen Helden erstrahlen zu lassen. Streep verlangte vehement Änderungen. Regisseur Benton erlaubte ihr schließlich, die entscheidende Rede vor Gericht selbst zu verfassen. Meryl schrieb die Zeilen um, verlieh der Frau eine menschliche Tiefe, gab ihr nachvollziehbare seelische Wunden und machte dem Publikum begreiflich, warum eine Mutter in die Verzweiflung getrieben wird, ohne deshalb ihre Mutterliebe einzubüßen. Für diese epochale Leistung wurde sie mit ihrem ersten Oscar als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Doch der wahre Sieg lag woanders: Sie hatte am eigenen Leib erfahren, dass eine Schauspielerin in dieser Industrie ihre Figuren und ihre eigene Würde selbst verteidigen muss, weil Hollywood sie sonst gnadenlos niederschreibt und deformiert.
Der Thron der Einsamkeit: Von Sophie zu Karen Silkwood
Nach dem Triumph von „Kramer gegen Kramer“ folgte ein schauspielerischer Parforceritt, der in der Geschichte des Kinos seinesgleichen sucht, Streep jedoch privat in eine immer tiefere Isolation trieb. 1982 übernahm sie die Hauptrolle in Alan J. Pakulas Verfilmung von William Styrons Meisterwerk „Sophies Entscheidung“ (Sophie’s Choice). Für viele Kolleginnen wäre dies die Rolle ihres Lebens gewesen; für Meryl Streep glich das Projekt einem Abstieg in die tiefsten Abgründe der menschlichen Hölle.
Sie verkörperte eine polnische Katholikin, die das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hatte, aber an der unheilbaren Schuld ihres Überlebens zerbrach. Um diese Rolle mit kompromissloser Wahrhaftigkeit auszufüllen, lernte Streep monatelang Polnisch und Deutsch, bis sie den osteuropäischen Akzent mit einer erschreckenden Perfektion beherrschte. Sie hungerte sich auf ein skelettartiges Maß herunter, verinnerlichte jede Nuance physischer Traumatisierung und lieferte jene legendäre Szene auf der Selektionsrampe ab, in der ein SS-Arzt sie zwingt, zwischen dem Leben ihres Sohnes und dem ihrer Tochter zu wählen. Meryl spielte diesen Moment nicht mit theatralischer Hysterie, sondern mit dem stummen Ersticken eines Menschen, dem in einer einzigen Sekunde das gesamte Lebensrecht aus der Brust gerissen wird. Es ist überliefert, dass sie sich weigerte, diese Szene ein zweites Mal zu drehen. Man kann eine solche Zerstörung der eigenen Psyche nicht wiederholen, ohne einen irreversiblen Schaden davonzutragen.
Der verdiente Lohn war ihr zweiter Oscar, diesmal als Beste Hauptdarstellerin. Ganz Hollywood verneigte sich in Ehrfurcht. Kritiker nannten sie eine Naturgewalt. Doch der Gipfel des Erfolgs ist im Filmgeschäft ein eisiger, zugiger Ort. Meryl weigerte sich beharrlich, das Spiel der Eitelkeiten mitzuspielen. Sie mied die rauschenden Partys in Beverly Hills und wählte Rollen wie die Whistleblowerin in Mike Nichols’ Politdrama „Silkwood“ (1983) – eine unglamouröse, kettenrauchende Arbeiterin in einer Nuklearanlage, die sich mit den Mächtigen anlegt und unter mysteriösen Umständen bei einem Autounfall stirbt. Streep suchte den Dreck unter den Fingernägeln, die seelische und körperliche Erschöpfung des wahren Lebens.
Damit entstand ein Phänomen: Die Filmindustrie bewunderte sie grenzenlos, aber sie fürchtete sie auch. Meryl Streep konnte scheinbar jede Sprache lernen, jeden Akzent imitieren, jeden seelischen Schmerz auf Knopfdruck spürbar machen. Doch eine Frau, die alles kann und niemandem etwas schuldig bleibt, wird in einer patriarchalen Struktur selten geliebt. Sie wird analysiert, seziert, bestaunt und auf ein hohes Podest gehoben – bis die Welt vollkommen übersieht, wie einsam und müde der Mensch dort oben geworden ist. In diesem Zustand seelischer Abschottung erreichte sie 1984 das Rollenangebot für Sydney Pollacks Großproduktion „Jenseits von Afrika“.
Kenia 1984: Das Zusammentreffen zweier Welten
Die Dreharbeiten zu „Jenseits von Afrika“ (Out of Africa) führten Meryl Streep in eine völlig andere Realität. Kenia war kein steriles Studio-Set in Los Angeles. Es war sengende Äquatorsonne, staubige Pisten, wilde Steppe und ein gleißendes Licht, das jede Pore der menschlichen Haut schonungslos ausleuchtete. Streep sollte die dänische Schriftstellerin Karen Blixen verkörpern – eine aristokratische Frau, die auf einer Kaffeefarm in der britischen Kolonie verzweifelt versucht, sich eine Existenz aufzubauen, während ihre Ehe mit dem untreuen Baron Bror von Blixen-Finecke in Trümmern liegt.
Regisseur Sydney Pollack hatte im Vorfeld erhebliche Zweifel gehegt. Er schätzte Streeps beispielloses Talent, war sich jedoch unsicher, ob sie über jene sinnliche, erotische Anziehungskraft verfügte, die das Kinopublikum von einer romantischen Hauptdarstellerin erwartete. Pollack vertrat unbewusst jenen alten, konservativen Hollywood-Blick, der den Wert einer Schauspielerin primär an ihrer sexuellen Begehrlichkeit für das männliche Publikum maß. Meryl, mittlerweile Mitte dreißig, focht diese Skepsis nicht mehr an. Sie musste niemandem mehr etwas beweisen. Sie trat vor die Kamera im festen Bewusstsein ihres Könnens – doch worauf sie nicht vorbereitet war, war ihr Leinwandpartner: Robert Redford.
Redford war zu diesem Zeitpunkt 48 Jahre alt und der wohl strahlendste Star des amerikanischen Kontinents. Filme wie „Zwei Banditen“ (Butch Cassidy and the Sundance Kid), „Der Clou“ (The Sting), „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men) und „So wie wir waren“ (The Way We Were) hatten ihn zur Ikone gemacht. Er besaß jenes klassische, markante Gesicht, das die amerikanische Kinomythologie über Generationen hinweg geprägt hatte. Doch das Entscheidende an Redford war nicht seine Schönheit. Es war seine Haltung.
Am Set von „Jenseits von Afrika“ verkörperte er den aristokratischen Großwildjäger Denys Finch Hatton. Doch anders als Dustin Hoffman oder viele andere prominente Hauptdarsteller seiner Epoche versuchte Redford zu keinem Zeitpunkt, das Rampenlicht an sich zu reißen. Er drängte Meryl Streep nicht in die Enge. Er kämpfte nicht gegen sie an, versuchte sie in den gemeinsamen Szenen nicht an die Wand zu spielen und nutzte keine billigen Dominanzgesten, um seine eigene Männlichkeit größer wirken zu lassen als das Talent seiner Partnerin. Robert Redford trat leise auf. Er ließ ihr schlichtweg Raum.
Für eine Frau wie Meryl Streep, deren berufliche Sozialisation von ständigen Abwehrkämpfen, Demütigungen und seelischen Zumutungen geprägt war, wirkte diese Haltung wie ein Schock. Zwischen den beiden entstand während der monatelangen Dreharbeiten in der ostafrikanischen Wildnis eine eigentümliche, unausgesprochene Stille. Es bedurfte keiner lauten Erklärungen, keiner künstlichen Proben und keiner großen theatralischen Gesten. Wenn die Kamera lief, herrschte zwischen ihren Augen ein blindes, instinktives Einverständnis. Atmete der eine ein, wusste der andere bereits, wohin die Szene führen musste.
Die Haarwaschszene: Wenn Ruhe zur ultimativen Gefahr wird
Dieses intime Einverständnis kulminierte in einem Kinomoment, der in die Annalen der Filmgeschichte eingehen sollte und bis heute von Millionen Menschen nicht vergessen werden kann: die berühmte Haarwaschszene am Flussufer.
Die dramaturgische Anlage der Sequenz ist von betörender Schlichtheit: Karen Blixen sitzt erschöpft von der harten Arbeit auf der Farm im Schatten eines Baumes. Denys Finch Hatton tritt hinter sie, schüttet warmes Wasser aus einem Krug über ihr staubiges Haar, nimmt eine Seife und beginnt mit ruhigen, kreisenden Bewegungen ihren Kopf zu waschen, während er ihr mit sonorer, tiefer Stimme aus Samuel Taylor Coleridges Gedicht „The Rime of the Ancient Mariner“ rezitiert. In dieser Szene wird kein einziges Wort über Liebe, Leidenschaft oder Begehren verloren. Doch was sich auf der Leinwand abspielt, besitzt eine sinnliche Wucht, die jede explizite Bettszene um Lichtjahre übertrifft.
Redfords Hände bewegten sich mit einer absoluten, unerschütterlichen Gelassenheit. In diesem Moment musste Meryl Streep nichts verteidigen. Sie musste nicht schauspielerisch brillieren, musste keinen Akzent perfektionieren, keinen Textaufsager abliefern und nicht darum kämpfen, als ebenbürtige Partnerin wahrgenommen zu werden. Für die Dauer dieser Einstellung durfte sie einfach nur existieren. Sie durfte loslassen.
Und genau darin lag die ungeheure Brisanz. Nach den seelischen Narben, die der Verlust von John Cazale hinterlassen hatte, nach den Demütigungen eines Dino De Laurentiis und den verletzenden Übergriffen eines Dustin Hoffman war Meryl Streep auf Männer vorbereitet, die wehtun, fordern oder urteilen. Doch auf einen Mann wie Robert Redford, der ihr am Set Schutz und absolute seelische Ruhe schenkte, war sie nicht vorbereitet. Ruhe ist für ein zutiefst verwundetes Herz gefährlicher als jede Aggression. Denn Aggression ruft den inneren Krieger auf den Plan und zwingt zur Gegenwehr. Wahre Ruhe hingegen bringt das Schutzschild zum Einsturz und erinnert einen Menschen an all jene Sehnsüchte nach Geborgenheit, die er längst aufgegeben und tief in sich begraben hatte.
Die Festung des Privaten: Don Gummer und das Tabu von Hollywood
Nach der Veröffentlichung von „Jenseits von Afrika“ im Jahr 1985 feierte der Film weltweite Triumphe. Er wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet und spielte an den Kinokassen astronomische Summen ein. Das Publikum war berauscht von der Chemie zwischen Streep und Redford. Es wäre für die Boulevardmedien ein Leichtes gewesen, aus den funkelnden Blicken der beiden eine spektakuläre Affäre zu konstruieren. Zwei der größten Stars des Planeten, eine malerische Kulisse, knisternde Erotik auf der Leinwand – der Markt lechzte nach einem handfesten Skandal.
Doch Meryl Streep wusste sehr genau, wie dieses Geschäft funktioniert. Sie wusste, dass Hollywood dazu neigt, selbst das Reinste mit schmutzigen Händen anzufassen, es in reißerische Schlagzeilen zu verwandeln und restlos zu entwerten. Ihr Privatleben behandelte sie zeitlebens wie eine hermetisch abgeriegelte Festung. Seit September 1978 – nur sechs Monate nach dem qualvollen Tod von John Cazale – war sie mit dem Bildhauer Don Gummer verheiratet. Gummer, der ihr damals in New York Unterschlupf gewährt hatte, als sie es in Cazales alter Wohnung nicht mehr aushielt, wurde zu ihrem Fels in der Brandung. Über 45 Jahre lang galt diese Ehe als das absolute Unikat in einer Branche, die für Scheidungen und Kurzzeitbeziehungen berüchtigt ist. Sie bekamen vier gemeinsame Kinder – Henry, Mamie, Grace und Louisa –, lebten zurückgezogen auf einem Anwesen in Connecticut und hielten die Kameras konsequent von ihrem Familienleben fern.
Umso größer war das weltweite Beben, als im Herbst 2023 eine offizielle Erklärung publik wurde: Meryl Streep und Don Gummer lebten bereits seit mehr als sechs Jahren getrennt voneinander. Sie hatten sich in aller Stille auseinandergelebt, ohne Scheidungskrieg, ohne Schlammschlacht, ohne dass auch nur ein einziges Gerücht an die Öffentlichkeit gedrungen war. Es war wie eine Tür, die ganz leise ins Schloss gefallen war. Niemand hatte das Klicken des Riegels gehört, doch der Raum dahinter war für immer verändert.
Diese späte Offenbarung warf ein neues, differenzierteres Licht auf Meryl Streeps emotionale Biografie. Sie bewies, dass hinter der scheinbar unerschütterlichen Fassade der braven Ehefrau und Mutter ein Mensch lebte, der sein Inneres mit eiserner Disziplin vor der Neugier der Masse geschützt hatte. Wenn Streep in späteren Jahren über Robert Redford sprach, klang das niemals nach dem verspäteten Geständnis eines Ehebruchs oder nach einer verpassten Lebenschance. Es ging um etwas, das sich den primitiven Schablonen von Boulevard-Reportern vollkommen entzieht. Es ging um jene extrem seltenen Seelenverbindungen im Leben zweier Menschen, die man nicht benennen oder besitzen muss, um ihre lebenslange Wirksamkeit zu spüren. Robert Redford war in einem entscheidenden Augenblick ihres Lebens jener Fixstern gewesen, der ihr bewies, dass Stärke und Sanftmut im selben Körper existieren können.
Das späte Geständnis mit 76 Jahren: Was wahrer Respekt bedeutet
Wenn Meryl Streep heute, im Alter von 76 Jahren, mit der Weisheit eines erfüllten Lebens auf jene fernen Tage in Kenia zurückblickt, ist ihre Stimme frei von Eitelkeit. Sie zieht keine Bilanz mehr, um ihr Image aufzupolieren. Ihre Worte über Robert Redford wirken wie ein gereiftes, endgültiges Urteil über einen Mann, den die Glitzerwelt von Los Angeles in seiner wahren Dimension nie ganz erfasst hat.
Hollywood reduzierte Robert Redford zeitlebens gerne auf seine strahlende Optik, auf den sonnengebräunten Sunnyboy mit den markanten Zügen und den charmanten Gesten. Doch Meryl Streep durchschaute diesen Mythos. Redford, der selbst schwere persönliche Tragödien durchlebt hatte – den plötzlichen Tod seines ersten Sohnes Scott am plötzlichen Kindstod und den jahrzehntelangen Kampf seines Sohnes James gegen schwere Lebererkrankungen –, trug eine eigene, tiefe Melancholie in sich. Er brauchte den Lärm der Kameras nicht, um sich seiner Existenz zu versichern. Als Regisseur und Gründer des Sundance Film Festivals schuf er später eine Heimat für jene unabhängigen Stimmen, die sich der Diktatur der großen Studios widersetzten.
Am Ende dieser jahrzehntelangen Reise bleibt nicht die triviale Frage, ob zwischen Meryl Streep und Robert Redford hinter den Kulissen von „Jenseits von Afrika“ eine körperliche Affäre stattfand. Diese Frage ist viel zu klein, zu profan und zu lärmend für das, was sich zwischen ihnen entfaltete. Meryl Streep hatte in ihrer atemberaubenden Laufbahn alles gesehen: Sie hatte mit Regie-Legenden gestritten, hatte Despoten am Filmset die Stirn geboten, hatte Oscars gewonnen, unzählige Sprachen und Akzente gemeistert und seelische Schmerzen auf der Leinwand verkörpert, vor denen die meisten Menschen im realen Leben die Flucht ergreifen würden.
Und doch blieb Robert Redford an einem ganz besonderen, unantastbaren Ort in ihrem Herzen verankert. Nicht, weil er versucht hätte, sie zu besitzen, sie zu dominieren oder ihr Leben umzukrempeln. Sondern ganz einfach deshalb, weil er es zu keinem Zeitpunkt versuchte.
Darin liegt die fundamentale Lektion, die das Kino von heute allzu oft vergisst: Manche Menschen werden für uns nicht deshalb unvergesslich, weil sie uns etwas wegnehmen, uns bedrängen oder uns ein emotionales Versprechen aufzwingen. Sie brennen sich unauslöschlich in unsere Seele ein, weil sie uns einen geschützten Raum schenken – einen Moment des Innehaltens, in dem wir für einen flüchtigen Herzschlag aufhören dürfen, um unser Überleben zu kämpfen. Robert Redford war für Meryl Streep der seltene Mann, der neben einer gigantischen Frau stehen konnte, ohne das Bedürfnis zu verspüren, sie klein zu machen, um selbst größer zu wirken.
Dass Meryl Streep dieses Geheimnis über vierzig Jahre lang hütete, war kein Akt der Verleugnung, sondern die reinste Form des Schutzes. In einer Welt, die alles Reizvolle gnadenlos entzaubert, war ihre Verbindung zu Redford etwas Heilsames, Unberührtes geblieben. War es Liebe? War es Freundschaft? Oder war es jene noch seltenere Form menschlicher Begegnung, für die es in unserer Sprache kein ausreichendes Wort gibt: die vollkommene, schweigende Anerkennung zweier Seelen, die sich im Vorbeigehen kurz berühren durften – und einander danach nie wieder ganz verloren haben.