Warum brauchte die Wehrmacht Millionen Pferde?
Panzer, Lastwagen, Blitzkrieg und Millionenpferde. Die Wehrmacht wirkte wie eine motorisierte Kriegsmaschine, doch hinter der Front zogen Pferde Geschütze, Munition und Nachschub. Warum konnte Deutschland auf sie nicht verzichten? Und wann wurde diese Abhängigkeit zum Problem? Die Bilder zeigten Panzerkolonnen, Lastwagen und Motorräder.
Doch hinter dieser modernen Spitze marschierte eine ganz andere Armee. Beim Angriff auf die Sowjetunion 1941 standen mehr als 150 deutsche Divisionen bereit. Nur rund 33 gehörten zu den Panzer oder motorisierten Verbänden. Der große Rest bewegte sich zu Fuß und mit Pferden. General Franz Halder rechnete für eine Infanteriedivision mit etwa 4500 Pferden und rund 2000 Pferde gezogenen Fahrzeugen.
Gleichzeitig hatte Deutschland 1939 nur etwa 102000 Lastwagen produziert. Für eine Armee mit hunderten Verbänden konnte das niemals reichen. So entstand hinter den schnellen Panzerverbänden ein seltsames Bild. Soldaten marschierten Kilometer weit, Pferde zogen Wagen durch Staub und Schlamm, während weiter vorne der Krieg scheinbar im Tempo des Motors geführt wurde.
Die Wehrmacht war also nicht deshalb auf Pferde angewiesen, weil sie auf moderne Technik verzichten wollte. Sie hatte schlicht nicht genug Motorfahrzeuge, um ihre gesamte Armee damit zu bewegen. Doch was zogen und trugen diese Millionen Pferde eigentlich bis an die Front? Die Antwort war fast alles, was eine Division täglich brauchte.
Noch bevor ein Geschütz feuern konnte, musste es überhaupt an seinen Platz kommen. Eine 10,5 cm LEFH18 wurde im Pferdezug typischerweise von sechs Pferden gezogen. Dahinter folgten Munitionswagen, Werkzeug und weiteres Gerät. Für die Soldaten begann diese Arbeit lange vor dem Marsch. Geschirre anlegen, Zugtiere einspannen, Riemen prüfen, Wagen beladen.
Selbst einfache Heresfahrzeuge brachten leer bereits mehrere hundert Kilogramm auf die Waage. Eine große Feldküche, die sogenannte Gulaschkanone, wog je nach Ausführung schon leer rund 850 bis 1000 kg. Dazu kam Wasser, Brennstoff und Lebensmittel. Am selben Weg konnte deshalb am Morgen ein Geschütz vorbeiziehen, später ein Munitionswagen und danach eine Feldküche.
Andere Gespanne transportierten Werkzeug für Reparaturen oder Material für Hufschmiede. Für den Fahrer änderte sich die Aufgabe, nicht aber das Grundproblem. Mehrere Pferde mussten gemeinsam einen schweren Wagen über schlechte Wege bewegen. So trugen diese Tiere nicht nur einzelne Lasten, sie hielten Artillerie, Versorgung und den täglichen Marsch einer ganzen Armee in Bewegung.
Doch damit entstand ein Problem, das auf keinem Propagandabild zu sehen war. Auch jedes dieser Pferde musste jeden Tag selbst versorgt werden. Doch auch ein Pferd musste jeden Tag versorgt werden. Für ein schweres Zugpferd konnten rund 14 kg Futter täglich vorgesehen sein, darunter etwa 6,5 kg Hafer, 5 kg Heu und zusätzlich Futterstroh.

Schon eine einzige Infanteriedivision musste deshalb täglich dutzende Tonnen Pferdefutter bewegen. Für die Soldaten im Tross bedeutete das eine zweite Versorgungskette. Während vorne Munition und Lebensmittel gebraucht wurden, mussten hinten Säcke mit Hafer und Heu auf dieselben Wege. Dazu kamen Wasser, neue Hufeisen und tierärztliche Versorgung.
Ein geschwächtes Pferd konnte schließlich keinen Wagen mehr ziehen. Im gesamten Krieg setzte die deutsche Seite rund 2,8 Millionen Pferde ein. An der Ostfront wurden Verluste durch Erschöpfung und Futtermangel zu einem ständigen Problem. Ein deutscher Stabsoffizier räumte später sinngemäß ein, gerade die Pferde hätten geholfen, den Winter zu überstehen, obwohl tausende unter der Belastung und mangelnder Versorgung ausfielen.
Je weiter die Front von Bahnhöfen und Depots entfernt lag, desto schwieriger wurde also nicht nur die Versorgung der Soldaten. Auch das Transportmittel selbst musste versorgt werden. Wenn Pferde aber so viel Futter, Pflege und Arbeitskraft benötigten, warum setzte Deutschland nicht einfach viel mehr Lastwagen ein? Die Antwort war einfach: Deutschland konnte nicht genug Lastwagen bauen und betreiben.
Schon beim Material begann das Problem. Naturkautch fehlte fast vollständig. Reifen mussten zunehmend mit synthetischem Buna Couch hergestellt werden. Auch Stahl und Fabrikkapazitäten waren begrenzt. 1939 entstanden in Deutschland nur rund 102000 Lastwagen. Viel zu wenig, um eine Armee mit hunderten Divisionen vollständig zu motorisieren.
Hinzu kam der Treibstoff. Rumänien, besonders die Ölfelder von Ploycht, war eine der wichtigsten äußeren Erdölquellen Deutschlands. Gleichzeitig musste synthetischer Treibstoff aufwendig aus Kohle hergestellt werden. Jeder zusätzliche Lastwagen bedeutete deshalb nicht nur Stahl und Reifen, sondern auch einen weiteren Motor, der ständig Kraftstoff brauchte.
Pferde lösten diese Engpässe teilweise. Sie brauchten kein Benzin und keine Reifen. Doch sie waren langsamer. Und genau das wurde dort entscheidend, wo Straßen verschwanden [räuspern] und Entfernungen immer größer wurden. Was geschah mit diesem System im Schlamm, im Schnee und auf den endlosen Wegen der Ostfront.
Im Oktober 1941 bekam dieses System seine härteste Prüfung. Auf dem Vormarsch nach Moskau verwandelten Regen und erster Schnee die unbefestigten Straßen in tiefen Schlamm. Lastwagen sanken bis an die Achsen ein. Zugmaschinen kämpften um jeden Meter, selbst Bergungsfahrzeuge blieben stecken. Für die Soldaten bedeutete das Stunden mit Schaufeln, Seilen und Holzbohlen.
Ein Fahrzeug wurde befreit, nur um wenige hundert Meter weiter wieder festzusitzen. Pferdegespanne waren ebenfalls erschöpft, kamen auf manchen Wegen aber noch voran, wo Motorfahrzeuge kaum weiterkamen. Ausgerechnet die älteste Form des Transports hielt Teile des Nachschubs beweglich.
Der Vormarsch verlor trotzdem immer mehr Tempo. Treibstoff, [musik] Munition und Verpflegung kamen zu spät nach vorn. Am 31. Oktober ließ das deutsche Oberkommando die Offensive auf Moskau vorübergehend anhalten. Die Rasputizza und die wachsenden Versorgungsprobleme gehörten zu den entscheidenden Gründen. Doch damit entstand der nächste Widerspruch.
Was geschah, wenn die Front schneller vorwärts musste, als der Nachschub folgen konnte? Genau hier stieß das System an seine Grenze. In den ersten Tagen von Barbarossa konnten die Panzergruppen 2 und 3 rund 320 km in 5 Tagen zurücklegen, etwa 64 km pro Tag. Hinter ihnen marschierten jedoch Infanterie, Pferdewagen und Versorgungskolonnen in einem völlig anderen Tempo.
Mit jedem Kilometer wurde die Verbindung länger. Vorne warteten Panzer auf Treibstoff und Munition. Hinten kämpften Fahrer und Pferde darum, dieselben Strecken überhaupt zu bewältigen. Bereits Anfang Juli sank das Vormarschtempo mancher Panzerverbände auf etwa 20 bis 30 km pro Tag. Im Oktober wurde aus dem Abstand eine Krise.
Treibstoff blieb zurück, Fahrzeuge fielen aus, Männer marschierten erschöpft weiter. Die Pferde hielten Teile des Nachschubs beweglich, aber sie konnten die Geschwindigkeit eines motorisierten Krieges nicht dauerhaft mitgehen. Bei Moskau mussten deutsche Verbände schließlich immer wieder auf Versorgung warten und 1944, als auch Treibstoff, Fahrzeuge und Verkehrswege immer knapper wurden, sollte aus dieser Notlösung eine noch tiefere Abhängigkeit werden.
1944 wurde aus der Notlösung endgültig eine Abhängigkeit. Im März meldete das Oberkommando West rund 1,1 Millionen Pferde bei etwa 1,6 Millionen Soldaten. Die Wehrmacht war also am Ende nicht weniger, sondern in vielen Bereichen noch immer massiv auf Pferde angewiesen. Während alliierte Angriffe, Treibstoffwerke, Bahnen und Verkehrswege trafen und immer mehr Fahrzeuge ausfielen, blieben Pferde für Artillerie und Nachschub unverzichtbar.
Doch auch dieses System verschliss. Allein im August 1944 verlor deutsche Heer 254225 Pferde. Für die Kolonnen bedeutete das weniger Zugtiere. längere Wege und schwerere Lasten. Genau jene Tiere, die fehlende Lastwagen ersetzt hatten, konnten nun selbst kaum noch ersetzt werden. Damit schloss sich der Kreis. Deutschland konnte auf Pferde nicht verzichten, weil seine Armee nie vollständig motorisiert war.
Zum Problem wurde diese Abhängigkeit, als der Krieg schneller und weiter wurde, als ein pferdegestütztes Versorgungssystem mithalten konnte. Panzer prägten das Bild des Krieges, doch hinter ihnen bewegte sich ein großer Teil der Wehrmacht, bis zuletzt im Tempo eines Pferdes. ist.