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NICHTS MEHR ZU LEUGNEN, Nino de Angelo gesteht ENDLICH, was wir vermutet haben.

Seit meinem gemeinsamen Auftritt mit Jenny’s in der Giovanni Zarella Show scheint für manche Menschen eine kleine Bewegung auf der Bühne schon auszureichen, um daraus ein ganzes Privatleben zu bauen. Ein Blick wird zur Liebeserklärung, eine Hand auf der Schulter zum Geständnis, ein weiter geschnittenes Kleid plötzlich zum angeblichen Beweis für eine Schwangerschaft.

 Ich kenne dieses Spiel seit mehr als 40 Jahren. Trotzdem staune ich immer wieder darüber, wie schnell aus Musik eine Geschichte entsteht, die mit den Menschen hinter der Musik kaum noch etwas zu tun hat. Genesis und ich verstehen uns musikalisch sehr gut. Mehr ist daraus nicht geworden. Sie ist nicht meine heimliche neue Liebe und die Behauptung, sie erwarte ein Kind von mir, entbehrt jeder bestätigten Grundlage.

 Und das gerade deshalb berührt mich diese Geschichte auf eine seltsame Weise. Sie führt direkt zu der Frage, warum die Öffentlichkeit bei mir offenbar immer noch damit rechnet, dass hinter jeder Nähe sofort ein Drama lauern muss. Auf der Bühne darf Nähe sichtbar sein. Ein Duett lebt davon, dass zwei Menschen einander zuhören, reagieren, sich ansehen und für einige Minuten denselben musikalischen Raum teilen.

 Wenn ich singe, stehe ich nicht neben einer neutralen Figur. Ich brauche Spannung, Vertrauen und eine Verbindung zum Menschen gegenüber. Genesis hat Energie, Selbstbewusstsein und eine moderne Art, sich zu präsentieren. Wenn zwei Stimmen miteinander funktionieren, merkt ein Publikum das. Genau das ist bei unserem gemeinsamen Auftritt passiert.

 Danach wurden aus Bildern und kurzen Videos Interpretation. Wir hätten uns ungewöhnlich lange angesehen. Hände seien zu vertraut gewesen, Berührungen zu selbstverständlich. Später hieß es: “Man habe uns nach Proben oder Auftritten zusammengesehen. Aus jeder vermeintlichen Beobachtung wurde ein weiteres Puzzleteil. nur war das Bild, das dabei entstand, nie unseres.

 Es war das Bild, das andere unbedingt sehen wollten. Besonders absurd wurde es, als aus Jennyesis Kleidung und der Tatsache, dass sie bei Veranstaltungen nicht ständig mit einem Glas Wein in der Hand erschien, eine Schwangerschaft konstruiert wurde. Eine Frau trägt ein locker sitzendes Kleid und plötzlich glauben Menschen über ihren Körper verfügen und ihn deuten zu dürfen.

Sie trinkt Wasser und daraus wird ein weiteres Indiz. Ich habe in meinem Leben genügend echte Krisen erlebt, um den Unterschied zwischen einer Nachricht und einer Erfindung zu kennen. Eine Schwangerschaft ist keine harmlose Porte, die man einem Menschen anhängen sollte, weil eine Kameraperspektive gerade günstig für ein Gerücht ist.

 Um an Werkd reiß das und Dost. Jenice hat selbst erklärt, dass körperliche Veränderungen und ihre Kleiderwahl nichts mit einer Schwangerschaft zu tun hätten und das Wasser für eine Sängerin schlicht eine vernünftige Entscheidung sein kann. Damit wäre eigentlich alles gesagt. Auch die Vorstellung, ich hätte nach Jahren mit Simone Lux plötzlich heimlich ein zweites Leben begonnen, passt zu jener alten Dramaturgie, die mich seit Jahrzehnten verfolgt.

 Nino De Angelo, der Mann, bei dem es nie ruhig sein darf. Ja, ich habe mein Leben oft selbst chaotisch gemacht. Ich habe Beziehungen zerstört, Geld verloren, Entscheidungen getroffen, auf die ich heute nicht stolz bin. Aber gerade deshalb weiß ich, was Loyalität bedeutet, wenn sie mir begegnet. Simone ist seit Jahren an meiner Seite. Okay.

Ja, komm. Musst du vor Sie kennt nicht nur den Sänger auf der Bühne, sondern den Mann, der morgens mit seinen Krankheiten aufsteht, der schlechte Tage hat, der manchmal zu viel denkt und manchmal zu schnell spricht. Dass sie wegen eines Duetts mit einer jüngeren Kollegin automatisch eifersüchtig sein müsste, ist eine Vorstellung von Liebe, die mit unserem Alltag wenig zu tun hat.

Vertrauen entsteht nicht durch Schlagzeilen, sondern durch Jahre, in denen man einander erlebt. Vielleicht reagiert die Öffentlichkeit auf solche Gerüchte bei mir deshalb so bereitwillig, weil meine Biografie genug Stoff für zehn Leben geliefert hat. Lange bevor jemand den Namen Nino de Angelo kannte, war da Domenico Gerhard Gorgolona.

 Schon mein Vorname trug eine Geschichte, die älter war als ich selbst. Vor meiner Geburt hatte meine Familie einen Sohn verloren, ebenfalls Domenico. Als ich denselben Namen bekam, wurde daraus für mich später mehr als eine Familiennotiz. Ach, die Vorstellung als Kind an die Stelle eines Toten gesetzt worden zu sein, kann sich tief in ein Selbstbild eingraben.

 Ein Junge stellt keine psychologischen Diagnosen. Er spürt nur, dass etwas Unsichtbares im Raum steht, dass Trauer vorhanden ist, aber nicht wirklich ausgesprochen wird, dass ein Name nicht nur ihm gehört. Ich habe später oft versucht zu verstehen, was diese frühe Erfahrung mit mir gemacht hat.

 Wenn ein Kind den Eindruck gewinnt, es müsse eine Lücke füllen, fragt es sich irgendwann, ob es um seiner Selbst willen geliebt wird. Diese Frage kann vollkommen irrational sein und trotzdem eine enorme Macht entwickeln. Bei mir kamen sehr früh depressive Phasen und das Gefühl hinzu nicht wirklich zu genügen. Ich lernte mich nach außen zu behaupten und nach innen zu zweifeln.

 Das ist eine schlechte Kombination, wenn später plötzlich Millionen Menschen applaudieren. Stand der den Beifall beantwortet? Die Fragen aus der Kindheit nicht. Im Gegenteil, manchmal macht er sie nur lauter. Je größer die Figur Nino de Angelo wurde, desto schwieriger wurde es zeitweise, den Mann darunter überhaupt noch zu erkennen.

 Mein Künstlername war deshalb mehr als eine hübsche Erfindung. Er wurde zu einem Abstand zwischen der Vergangenheit und dem, was ich selbst gestalten wollte. Ein neuer Name kann natürlich keine Kindheit löschen, aber er kann ein Zeichen sein. Hier beginnt etwas, das mir gehört. Nino de Angelo klang nach Bühne, nach einem anderen Leben, nach einer Identität, die nicht vollständig von einer Familiengeschichte bestimmt war. Heute sehe ich das nüchterner.

 Man entkommt sich nicht, indem man ein anderes Wort auf ein Plakat druckt. Doch damals war dieser Schritt wichtig. Kinettens, ich wollte nicht nur der Sohn einer ausgewanderten italienischen Familie sein, nicht nur der Junge mit einer Last, über die kaum gesprochen wurde. Ich wollte jemand werden, dessen Stimme etwas eigenes erzählt.

 Bevor diese Stimme mein Beruf wurde, gab es eine andere Form von Disziplin. Nach der Trennung meiner Eltern zog ich mit meiner Mutter nach Köln. Dort war Sport für mich nicht bloß Freizeit. Karate gab mir Regeln, die ich verstehen konnte. Entweder man trainierte oder man trainierte nicht. Entweder eine Bewegung saß oder sie saß nicht.

 1979 gewann ich im Allstyle Karate einen westdeutschen Jugendtitel. Rückblickend erscheint mir diese Zeit fast wie eine Vorbereitung auf alles, was später kam. Nicht weil Musik und Kampfsport sich ähneln, sondern weil ich früh gelernt habe, dass man nach einem Treffer wieder aufstehen muss.

 Diesen Reflex habe ich noch oft gebraucht. Zu amen. Meine Karriere hat mir mehr als einmal den Boden unter den Füßen weggezogen. 1983 geschah dann etwas, auf das mich kein Training vorbereitet hatte. Jenseits von Eden wurde ein riesiger Erfolg und ich war gerade einmal Anfang 20. Plötzlich kannte man mein Gesicht. Meine Stimme, meinen Namen.

 Ein junger Mann, der innerlich oft an sich zweifelte, bekam von außen die Botschaft, er sei etwas Besonderes. Das klingt wie ein Geschenk. Es kann aber auch gefährlich werden. Erfolg in diesem Alter ist nicht automatisch Reife. Geld ist nicht automatisch Sicherheit. Bewunderung ist nicht automatisch Liebe. Ich stand auf Bühnen, auf denen mir tausende zujubelten und konnte mich trotzdem leer fühlen, sobald eine Tür hinter mir zufiel.

 Wenn man diese Lehre nicht versteht, sucht man Ersatz. Manche suchen Arbeit, manche Beziehungen. Ich suchte zeitweise alles, was mich schnell betäuben konnte. Ih darf das Alkohol, Kokain, Glücksspiel. Darüber muss ich nichts romantisieren. Es gibt an Selbstzerstörung nichts glamuröses. Sie sieht im Rückblick vielleicht wie ein wilder Teil einer Künstlerbiographie aus, aber in Wirklichkeit besteht sie aus Verlust von Kontrolle, Scham, Geldproblem, kaputten Beziehungen und dem nächsten Morgen.

 Ich habe Summen verspielt und ausgegeben, für die andere Menschen Jahrzehnte arbeiten. Zweimal geriet ich finanziell so tief, dass Insolvenzverfahren mein Leben bestimmten. Irgendwann war Geld nicht mehr Ausdruck von Erfolg. sondern ein Maßstab für das Chaos, das ich angerichtet hatte. Einnahmen aus Auftritten waren nicht einfach mein Verdienst.

 Sie waren mit Schulden, Verpflichtungen und dem langen Weg zurück in ein geordnetes Leben verbunden. Der gefährlichste Irrtum in solchen Phasen ist das Gefühl, die eigene Zerstörung noch zu kontrollieren. Man sagt sich, man könne jederzeit aufhören. Da man hält das Risiko sogar für einen Beweis von Freiheit. Dabei wird man immer unfreier.

 Eine Sucht gibt keine Freiheit. Sie verengt das Leben. Ein Spieltisch, eine Flasche oder eine Substanz kann für kurze Zeit jedes andere Geräusch leiser machen. Danach kommt alles zurück, oft lauter als vorher. Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass Härte gegen sich selbst keine Stärke ist. Vielleicht war das die Kehrseite des Kämpfers in mir.

 Ich konnte sehr viel aushalten und hielt deshalb zu lange Situationen aus, aus denen ich viel früher hätte herausgehen müssen. Auch gesundheitlich blieb irgendwann keine Möglichkeit mehr, mich für unverwundbar zu halten. Eine schwere chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD ist für jeden Menschen eine Belastung.

Für einen Sänger berührt sie unmittelbar das Werkzeug seines Berufs. Atmung ist beim Singen nicht irgendeine technische Nebensache. Ich mache. Sie ist Grundlage jeder Phrase, jedes Tons, jeder Dynamik. Wenn die Lunge nicht mehr so arbeitet wie früher, verändert sich nicht nur der Alltag, sondern auch das Verhältnis zur eigenen Stimme.

 Ärzte machten mir deutlich, dass ich meine Gesundheit ernst nehmen musste. Der vernünftige Weg wäre in vielem strenger gewesen, als ich ihn gegangen bin. Ich habe das Rauchen nicht von einem Tag auf den anderen vollständig aus meinem Leben verbannt. Obwohl gerade das bei COPD nahe liegt, darauf bin ich nicht stolz.

 Gleichzeitig wollte ich nicht akzeptieren, dass Krankheit automatisch das Ende meiner musikalischen Existenz bedeutet. Meine Stimme hatte sich ohnehin verändert. Der junge Mann, der jenseits von Eden sang, hatte einen anderen Klang, eine andere Körperlichkeit, eine andere Unbekümmertheit. Mit den Jahren kamen Brüche hinzu.

 Die Stimme wurde rauer, dunkler, verletzlicher, manchmal fast widerspenstig. Früher hätte ich solche Veränderungen vielleicht als Verlust gesehen. Später wurden sie Teil meiner Wahrheit. Wenn ich heute über Scheitern, Schuld, Angst oder überleben singe, muss ich keine perfekte Oberfläche herstellen. Das Leben hört man mit.

 Jede Einschränkung erinnert mich daran, dass ein Auftritt nicht selbstverständlich ist. Das erklärt auch, warum ich mit Leuten wie Dieter Bohen nicht immer freundlich umgehe. Wir haben Ende der 80er Jahre musikalisch miteinander zu tun gehabt, unter anderem im Umfeld meines Eurovision Auftritts 1999. Dieter ist eine prägende Figur der deutschen Popgeschichte und niemand kann ernsthaft bestreiten, dass er ein außergewöhnliches Gespür für Markt, Hooks und Aufmerksamkeit besitzt.

Gleichzeitig habe ich mich in späteren Jahren sehr deutlich über ihn geäußert, teilweise bewußt provozierend. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die jede Kritik in Watte wickeln. Das schafft Reibung. Manchmal ist diese Direktheit unterhaltsam, manchmal unnötig scharf. Auch das gehört zu mir. Ich habe nie besonders gut darin funktioniert, eine glatte Version meiner selbst zu verkaufen.

 Viel komplizierter als jeder öffentliche Streit waren meine Beziehungen. Vieren sind keine abstrakte Zahl. Hinter jeder stehen Jahre, Erwartungen, Verletzungen und Menschen, die nicht bloß Nebenfiguren in meiner Biografie waren. Besonders meine erste lange Ehe mit Judith gehört zu dem Teil meines Lebens, auf den ich nicht ohne Bedauern zurückblicke.

 Sie erlebte mich in Jahren, in denen Erfolg, Sucht, Unruhe und Selbstüberschätzung eng beieinander lagen. Zwölf Jahre Ehe bedeuten gemeinsame Geschichte. Wenn so etwas zerbricht, kann man später leicht sagen, beide hätten Fehler gemacht. Aber ich muß zuerst auf meinen eigenen Anteil schauen. Ich war nicht immer ein verlässlicher Partner.

 Meine inneren Probleme blieben nicht in meinem Kopf, um zu kommen. Sie hatten Folgen für die Menschen, die mir nahe waren. Spätere Ehen mit Michaela, Ren und Larissa verliefen ebenfalls nicht so, wie man es sich am Anfang einer Beziehung vorstellt. Trennungen wurden öffentlich, Konflikte landeten in Medien, finanzielle Fragen und gegenseitige Vorwürfe entwickelten ein Eigenleben.

 Je bekannter ein Mensch ist, desto leichter wird eine private Auseinandersetzung zu einer Geschichte, an der plötzlich tausende mitdiskutieren. Ich habe mich daran beteiligt, manchmal mit Worten, die besser privat geblieben wären. Andere Beteiligte äußerten sich ebenfalls. Das Ergebnis war selten würde.

 Wenn Beziehungen in Schlagzeilen zerlegt werden, gewinnt niemand. Man kann eine juristische Frage klären oder einen medialen Schlagabtausch für sich entscheiden und trotzdem persönlich verlieren. Aus diesen Erfahrungen stammt meine Skepsis gegenüber der Ehe. Z dann, wenn ich heute sage, dass ich nicht noch einmal heiraten möchte, ist das kein Angriff auf Menschen, für die eine Hochzeit wichtig ist.

 Es ist eine Schlussfolgerung aus meinem eigenen Leben. Bei mir wurde aus dem Versprechen von Sicherheit so oft ein weiterer Schauplatz von Druck. Ich brauche kein keinen Trauschein, um Simone ernst zu nehmen. Vielleicht ist gerade das für manche schwer zu verstehen. Ein Mann mit vier gescheiterten Ehen kann eine Beziehung sehr ernst meinen und trotzdem keine fünfte Ehe anstreben.

 Für mich widerspricht sich das nicht. Im Gegenteil, manchmal schützt man etwas gerade dadurch, dass man es nicht mehr in die Form zwingt, an der man selbst mehrfach gescheitert ist. Simone Lux kam 2017 in eine Lebensphase, in der ich längst nicht mehr der junge Star war, den man nur mit einem einzigen großen Lied verband.

Sie lernte einen Mann kennen, der gesundheitliche Probleme hatte, finanzielle Altlasten kannte, seine Fehler nicht mehr vollständig verstecken konnte und trotzdem weiterarbeiten wollte. Das ist etwas anderes als die Vorstellung, eine Frau verliebe sich in das glänzende Bild eines Popstars. Ich will auch diese Beziehung nicht kitschiger machen, als sie ist.

 Acht Jahre Nähe bedeuten Alltag, Tiere, Reisen, Termine, Krankheit, schlechte Laune, Zukunftsplanung. Genau deshalb ist die Behauptung, ein kurzer Bühnenmoment mit Genesis müsse unsere Beziehung erschüttern, so weit weg von meiner Realität. Ich verstehe allerdings, warum ein Altersunterschied von etwa 25 Jahren zwischen Jenis und mir zusätzlich Fantasie erzeugt.

 Solche Konstellationen liefern sofort Schlagzeilen. Ein älterer Sänger, eine attraktive jüngere Kollegin, sichtbare Chemie auf der Bühne. Das Narrativ schreibt sich fast von selbst. Nur ist ein Narrativ kein Beweis. Äh, ich kann eine Kollegin schätzen, fördern, mit ihr lachen und sie auf einer Bühne ansehen, ohne dass daraus ein sexuelles oder romantisches Verhältnis entsteht.

Vielleicht müsste das selbstverständlich sein. Im Showgeschäft ist es das selten. Jede Nähe wird verwertet, jede Distanz ebenfalls. Wenn zwei Menschen sich nicht ansehen, heißt es, sie hätten Streit. Wenn sie sich ansehen, heißt es, sie seien verliebt. Besonders bei Jenice wurde aus banalen Dingen eine Art Ermittlungsakte.

 Kleidung, Wasser statt Alkohol, angebliche Restaurantbesuche, Bilder aus dem Backstage Bereich. Ich habe gelernt, dass man solche Gerüchte nicht vollständig besiegen kann. Widerspricht man nicht, gilt Schweigen als Bestätigung. Widerspricht man, heißt es, man dementiere besonders heftig. Also müsse etwas dran sein. Deshalb sage ich es so schlicht wie möglich.

 Zwischen Genesis und mir verbindet uns Musik und kollegiale Sympathie. Eine bestätigte Schwangerschaft gibt es nicht. Ich habe Simone nicht für Genis verlassen. Alles weitere gehört in dem Bereich der Spekulation. Dass mich das Thema Vaterschaft trotzdem trifft, hat einen anderen Grund. Ich bin nicht nur Sänger und Partner gewesen, sondern auch Vater.

 Und auch dort ist mein Leben nicht frei von schwierigen Entscheidungen. Besonders die Situation um meinen jüngsten Sohn Dominico ist schmerzhaft. Ich habe öffentlich darüber gesprochen, dass über Jahre kein persönlicher Kontakt bestand, obwohl ich Verantwortung in finanzieller Hinsicht übernahm. Von außen kann das kalt wirken.

 Vielleicht ist es in Teilen auch eine Entscheidung, die andere niemals verstehen werden. Ich habe sie mit meiner eigenen Instabilität begründet und damit, dass sporadische Besuche ohne verlässliche Präsenz einem Kind ebenfalls schaden können. Lass Es ist ein bitterer Gedanke. Ein Mann, der selbst mit der Frage aufwächst, welche Bedeutung er innerhalb seiner Familie hat, wird später zu einem Vater, der einem eigenen Kind keine alltägliche Nähe geben kann.

 Ich kann daraus keine schöne moralische Kurve machen. Das Leben liefert nicht immer Versöhnung im richtigen Moment. Manchmal erkennt man Muster und schafft es trotzdem nicht, sie vollständig zu durchbrechen. Verantwortung bedeutet dann wenigstens sich nicht hinter Ausreden zu verstecken. Finanzielle Unterstützung ersetzt keine Beziehung.

Gleichzeitig wäre es unehrlich, eine Vaterrolle zu spielen, die im Alltag nicht existiert. Diese Spannung bleibt. Vielleicht ist es gerade deshalb so grotesk, wenn heute leichtfertig von einem angeblichen neuen Baby mit Jenis gesprochen wird. Für Außenstehende ist das eine aufregende Schlagzeile. Nino De Angelo werde mit über 60 noch einmal Vater.

Für mich berührt das ein Thema, das viel schwerer ist als ein Klatschtext. Vaterschaft ist kein Accessoire. Ein Kind ist kein überraschender letzter Akt in einer Showbiographie. Wer meine Geschichte kennt, sollte verstehen, dass ich darüber nicht leichtfertig spreche. Deshalb möchte ich aus einem erfundenen Schwangerschaftsgerücht auch keine romantische Fantasie machen.

 Die Geschichte meiner Familie und die Geschichte meiner eigenen Kinder treffen sich an einem unangenehmen Punkt, Schweigen. In meiner Herkunftsfamilie wurde über den Verlust des ersten Domeniko nach meiner Wahrnehmung nicht in einer Weise gesprochen, die mir half, meine Fragen einzuordnen. Der Schmerz der Erwachsenen war real, aber für ein Kind kann unausgesprochene Trauer fast körperlich spürbar werden.

Später versuchte ich diese Geschichte zu verstehen und darüber zu reden, doch Familien haben ihre eigenen Schutzmechanismen. Manche halten Schweigen für Schutz. Warte aus Vordermond. Für denjenigen, der Fragen hat, kann dieses Schweigen wie eine zweite Verletzung wirken. Meine Eltern waren aus Italien nach Deutschland gekommen und ihre Biographie war ohnehin von Aufbruch, Entwurzelung und dem Versuch geprägt, irgendwo neu anzufangen.

 Wenn Menschen einen schweren Verlust erleiden und gleichzeitig ihr Umfeld wechseln, kann die Hoffnung entstehen, man lasse den Schmerz am alten Ort zurück. So funktioniert Trauer nicht. Sie reißt mit. Ich glaube heute, daß vieles, was ich als Kind nicht verstand, mit den Überlebensstrategien meiner Eltern zu tun hatte.

 Das entschuldigt nicht jede Sprachlosigkeit, aber es hilft mir die Geschichte weniger als persönliche Zurückweisung und mehr als Ausdruck einer Generation zu sehen, die über seelische Verletzungen anders sprach oder eben gar nicht. Depressionen waren für mich deshalb nie nur eine Modevokabel. Dunkle Phasen begleiteten mich früh. Jimmel Bossner.

 Ich konnte äußerlich funktionieren, sogar große Auftritte spielen und innerlich trotzdem in einem Loch sitzen. Diese Diskrepanz ist für Außenstehende schwer zu begreifen. Wer Applaus bekommt, soll dankbar sein. Wer Erfolg hat, soll glücklich sein. Wer Geld verdient, darf sich angeblich nicht leer fühlen.

 Genau solche Erwartungen machen psychische Krisen oft noch einsamer. Man schämt sich für den eigenen Schmerz, weil das Leben von außen gut aussieht. Ich habe mit dieser Scham lange gelebt. Mein späterer musikalischer Weg hat mir dabei geholfen. Ich wollte irgendwann nicht mehr so tun, als sei ich derselbe Sänger wie mit 20.

 Die Themen wurden dunkler, die Arrangements härter, meine Stimme rauer. Das passte zu dem Mann, der ich geworden war. Ein Comeback ist für mich deshalb nicht die Rückkehr zu einem früheren Zustand. Es ist eher das Gegenteil. Man hört auf, die Vergangenheit zu imitieren. Das Publikum hat mir diese Veränderung erlaubt.

 Viele Menschen, die Selbstverluste, Krankheit oder Abhängigkeit kennen, erkennen in einer gebrochenen Stimme manchmal mehr Wahrheit als in technischer Perfektion. Diese Verbindung bedeutet mir heute viel. Trotzdem will ich rechtzeitig wissen, wann Schluss ist. Ich habe angekündigt, mich am 18. September 202, meinem 66.

 Geburtstag aus dem aktiven Musikgeschäft zurückziehen zu wollen. Ob ein Mensch jeden Plan exakt einhält, weiß niemand. Ich selbst habe schft genug Realismus behalten, um zu sagen, dass ich bei Geldnot singen müsste. Aber hinter dem Datum steckt ein ernsthafter Wunsch: Ich möchte nicht erst dann aufhören, wenn mein Körper mich zwingt.

Ich möchte einen Punkt setzen, solange ich ihn noch selbst setzen kann. Dieser Gedanke hängt auch mit Italien zusammen. Nachdem ich große finanzielle Lasten hinter mir gelassen hatte, entstand mit Simone die Vorstellung, Deutschland irgendwann weitgehend hinter uns zu lassen, um mit unseren Tieren in Italien zu leben.

 Für mich wäre das kein exotischer Neuanfang, sondern auf gewisse Weise eine Rückkehr zu den Wurzeln meiner Familie. Meine Eltern kamen aus Italien nach Deutschland. Ich könnte mein letztes großes Kapitel in umgekehrter Richtung schreiben. Deutsche Vita klingt wie eine Postkarte, aber ich meine damit etwas viel schlichteres. Weniger Termine, weniger Rechtfertigung, weniger Lärm.

 Vielleicht wünsche ich mir gerade deshalb keine neue Liebesgeschichte, die mir von außen zugeschrieben wird. Mein Leben braucht nicht noch mehr künstliche Dramaturgie. Ich habe genug echte Brüche gehabt. Ich weiß, wie eine Ehe zerfällt. Ich weiß, wie sich Schulden anfühlen. Ich weiß, wie Krankheit einem Sänger die Luft nimmt.

 Ich kenne den Blick auf ein Konto, auf einen Befund, auf eine Beziehung und den Gedanken. Wie bin ich hierhergekommen? Vor diesem Hintergrund wirkt das Gerücht um Genesis beinahe harmlos, aber es zeigt, wie wenig die Öffentlichkeit manchmal zwischen Nähe und Wahrheit unterscheidet. Genitz muß nicht dafür rechtfertigen, wenn sie anders gekleidet ist, als bei einem früheren Auftritt.

 Sie muss niemandem erklären, warum sie Wasser trinkt und Simone muss keine Rolle als betrogene Partnerin spielen, nur damit eine Geschichte spannender wird. Wenn Menschen in unserem Umfeld sich verstehen, ist das kein Beweis für Verrat. Vielleicht ist das die unspektakulärste Erklärung überhaupt und gerade deshalb die glaubwürdigste.

 Ich selbst habe in meinem Leben genug Schaden angerichtet, ohne dass man mir zusätzlichen erfinden müsste. Das ist vielleicht der ehrlichste Satz, den ich zu solchen Gerüchten sagen kann. an. Meine Fehler sind dokumentiert. Ich habe Beziehungen scheitern sehen, mich mit Süchten auseinandersetzen müssen, finanzielle Abstürze erlebt und meine Gesundheit strapaziert.

 Ich habe Dinge gesagt, die andere verletzt haben und Entscheidungen getroffen, die ich heute anders treffen würde. Ich brauche keine erfundene Affäre, um eine komplizierte Biografie zu haben. Wenn ich heute auf den jungen Dominiko zurückblicke, der mit Karate versuchte Kontrolle über seinen Körper zu bekommen, dann auf den 20-jährigen, der plötzlich mit jenseits von Eden berühmt wurde und schließlich auf den Mann, der mit einer kranken Lunge weiter auf die Bühne geht, sehe ich keine gerade Linie.

 Ich sehe jemanden, der oft gefallen ist und häufig selbst dafür verantwortlich war. Aber ich sehe auch jemanden, der immer wieder aufgestanden ist. Vielleicht ist das der einzige Teil meiner frühen Kämpfernatur, den ich ohne Einschränkung behalten möchte. Es gab Zeiten, in denen ich geglaubt habe, ein Neuanfang müsste spektakulär sein, eine neue Liebe, ein großer Vertrag, ein neues Album, eine radikale Entscheidung.

 Heute glaube ich eher an kleinere Formen von Veränderung, einen Abend ohne Selbstzerstörung, einen finanziellen Schritt in die richtige Richtung, eine Beziehung, die nicht durch eine Hochzeit bewiesen werden muss, ein Auftritt, bei dem ich akzeptiere, dass meine Stimme anders klingt als früher. Ein Plan für den Ruhestand, der nicht als Niederlage verstanden wird.

 Vielleicht ist Erwachsenwererden bei mir einfach sehr spät passiert. Darum sehe ich auch die Aufmerksamkeit um Genies mit einer Mischung aus Gelassenheit und Müdigkeit. Ich weiß, dass Menschen Geschichten lieben. Ich habe selbst mein Leben lang davon gelebt, Gefühle in drei oder vier Minuten Musik zu verdichten. Aber ein Lied und ein Menschenleben folgen verschiedenen Regeln.

 Ein Lied darf zuspitzen. Eine Schlagzeile will zuspitzen. Eine Beziehung hingegen besteht aus Tagen, die niemand fotografiert. Vertrauen ist langweilig für Kameras. Genau deshalb ist es wertvoll. Simone kennt diese unsichtbaren Tage. Sie kennt die gesundheitlichen Sorgen, die Zukunftspläne und die Eigenarten, die auf keiner Bühne vorkommen.

 Janis kennt mich vor allem als Kollegen, als Sänger einer anderen Generation und als jemanden, mit dem sie musikalisch arbeiten kann. Daß beide Ebenen öffentlich vermischt wurden, sagt mehr über den Mechanismus von prominenten Gerüchten aus, als über unser Privatleben. Ein Foto braucht keine Beweise, um Fantasie auszulösen.

 Eine Geschichte braucht aber Beweise, wenn sie als Wahrheit gelten soll. Ich habe mir im Laufe meines Lebens angewöhnt, mit manchen Dingen offensiv umzugehen. Über Krankheiten, Schulden, gescheiterte Ehen oder Sucht zu sprechen kann schmerzhaft sein, aber es nimmt ihnen auch einen Teil der Macht. Bei einem Schwangerschaftsgerücht über eine andere Person liegt die Grenze anders.

 Der Körper einer Frau gehört nicht in meine Selbstdarstellung. Deshalb genügt mir die Klarstellung, es gibt keine bestätigte Grundlage für die Behauptung, Genesis sei von mir schwanger. Alles weitere sollte man ihr lassen. Meine Vergangenheit wird trotzdem immer wieder in solche Geschichten hineingezogen werden. Vieren machen aus mir für manche automatisch einen Mann, der nie dauerhaft treu oder ruhig sein kann.

 Frühere Exzesse werden zum Beweis, daß jederzeit der nächste Absturz kommen müsse. Meine Direktheit wird als Zeichen einer neuen Eskalation gelesen, aber Menschen verändern sich, auch wenn ihre Aktenlage gleich bleibt. Ich kann die Vergangenheit nicht löschen. Ich kann nur entscheiden, ob ich sie wiederhole. Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen dem Mann von 1983 und dem Mann, der heute über einen möglichen Rückzug nach Italien nachdenkt.

 Damals hätte ich jede neue Aufmerksamkeit vielleicht noch als Bestätigung gebraucht. Heute kann sie anstrengend sein. Damals war die Bühne der Ort, an dem ich mir selbst beweisen wollte, dass ich existiere. Heute ist sie ein Ort, an dem ich etwas teile, solange mein Körper und meine Stimme es zulassen. Danach darf es leiser werden. Vielleicht werde ich nie völlig frei von dem Jungen sein, der sich fragte, ob sein Name wirklich ihm gehörte.

Vielleicht bleibt auch die Neigung, gegen mich selbst zu kämpfen, ein Teil meiner Persönlichkeit. Aber ich habe gelernt, dass Identität nicht dadurch entsteht, dass man ständig einen neuen Skandal, eine neue Liebe oder ein neues Etikett bekommt. Sie entsteht durch das, was übrig bleibt, wenn der Lärm verschwunden ist.

 Und wenn eines Tages wirklich Ruhe eintritt, stelle ich sie mir nicht als großes Finale vor. Vielleicht sitze ich irgendwo in Italien, Tiere um mich herum, Simone in der Nähe und höre eine alte Aufnahme, ohne darüber nachzudenken, ob sie noch in irgendeiner Hitliste steht. Vielleicht werde ich dann über manche Schlagzeile lachen, über andere den Kopf schütteln. Sicher ist nur eines.

 Das angebliche Liebes und Babydrama um Genesis gehört für mich nicht zu den Wahrheiten meines Lebens. Es ist ein Gerücht entstanden aus Bildern, Gesten und Fantasie. Die echten Geschichten waren schwer genug und gerade deshalb brauche ich keine erfundenen dazu.

 

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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