Mit 87 Jahren: Die traurige Wahrheit über Terence Hills heutiges Leben T
Mit 87 Jahren: Die traurige Wahrheit über Terence Hills heutiges Leben

Wenn Millionen Menschen an Terence Hill denken, geschieht dies meist mit einem warmen Lächeln im Gesicht. Sie erinnern sich an seine markanten blauen Augen, an den unvergesslichen Bud Spencer und an all jene legendären Filme, in denen selbst eine handfeste Prügelei federleicht wirkte und am Ende niemand wirklich böse sein konnte. Für unzählige Zuschauer gehörte dieses vertraute Gesicht zu einer unbeschwerten Zeit, in der noch ganze Familien gemeinsam vor dem Fernseher saßen und jede Minute genossen. Doch der Tag, der das Leben von Terence Hill am tiefsten und unumkehrbar veränderte, hatte rein gar nichts mit einem Filmset oder einer Hollywood-Produktion zu tun. Es war der 15. Januar 1990, als sein Adoptivsohn Ross Hill bei einem tragischen Autounfall im US-Bundesstaat Massachusetts ums Leben kam. Ross wurde gerade einmal 16 Jahre alt, mehr Zeit war ihm auf dieser Welt nicht vergönnt. Für Terence war Ross nicht einfach nur der Sohn eines berühmten Schauspielers, sondern sein eigenes Kind, ein fester Teil seiner Familie und ein entscheidender Baustein für die Zukunft, die vor ihnen lag. Ross hatte begonnen, sich für die Schauspielerei zu interessieren, und rückte dadurch beruflich näher an seinen Vater heran. Terence konnte voller Stolz miterleben, wie sein Sohn seinen eigenen Weg suchte, bis dieser Weg plötzlich und völlig unerwartet ein jähes Ende fand. Genau an diesem Punkt änderte sich die gesamte Lebensgeschichte von Terence Hill für immer. Der Mann, den das Publikum als unbeschwerten und unbesiegbaren Helden kannte, musste fortan mit einem Schmerz leben, den kein Drehbuch der Welt umschreiben und keine noch so gelungene Filmszene ungeschehen machen konnte.
Um zu verstehen, warum die Familie für Terence Hill immer einen so zentralen Platz in seinem Leben eingenommen hat, muss man weit in der Zeit zurückgehen. Lange bevor es den international gefeierten Namen Terence Hill gab, lange bevor Bud Spencer an seiner Seite stand und bevor irgendjemand ahnen konnte, welch phänomenaler Weltruhm auf diesen Mann wartete, hieß er Mario Girotti. Er wurde in Venedig geboren, als Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters. Als Mario noch ein kleiner Junge war, zog die Familie nach Sachsen, nach Lomatsch bei Dresden. Dort verbrachte er einen Teil seiner frühen Kindheit mitten in den dunklen und furchterregenden Jahren des Zweiten Weltkriegs. Diese prägende Zeit hatte absolut nichts mit dem glamourösen Leben zu tun, das später auf den Leinwänden der Kinos auf ihn warten sollte. Statt Filmsets, Applaus und an der Seite von Kollegen gab es Krieg, ständige Unsicherheit und die verheerenden Luftangriffe auf Dresden, die der junge Mario hautnah miterleben musste. Es waren bleibende Erinnerungen aus einer Welt, in der jegliche Sicherheit ein unerreichbarer Luxus war. Nach dem Ende des Krieges kehrte die Familie schließlich nach Italien zurück. Mario wuchs heran, ging zur Schule und entdeckte schon früh seine große Leidenschaft für den Sport. Besonders das Schwimmen spielte eine wichtige Rolle in seinem Alltag, und genau über diese sportliche Schiene kam etwas ins Rollen, das damals absolut unvorhersehbar war. Mit gerade einmal zwölf Jahren stand Mario Girotti zum ersten Mal vor einer professionellen Filmkamera. Der Streifen trug den Titel Vacanze col gangster. Eine befreundete Familie hatte von einem anstehenden Casting gehört, und über das gemeinsame Schwimmtraining kannte Mario obendrein einen Assistenten des Regisseurs. Er ging zum Vorsprechen und erhielt die Rolle. So begann seine beispiellose Filmkarriere keineswegs durch einen akribischen Masterplan, sondern eher durch einen glücklichen Zufall.
Es folgten weitere kleinere Auftritte, neue schauspielerische Erfahrungen und erste Schritte in einer Branche, in der er noch immer nach seinem festen Platz suchte. Doch schon bald sollte sich nicht nur seine berufliche Laufbahn grundlegend verändern, sondern auch sein Name für immer von den Kinoplakaten verschwinden. Im Jahr 1967 stand er für den Western Gott vergibt… wir nie! vor der Kamera. Um international besser vermarktet werden zu können und auf dem weltweiten Markt zu funktionieren, erhielt er eine Liste mit zwanzig verschiedenen Namensvorschlägen und gerade einmal 24 Stunden Zeit, um sich zu entscheiden. Am Ende wählte er den Namen Terence Hill. Im selben Film stand ein Mann neben ihm, von dem ihn die Welt fortan kaum noch trennen sollte: Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer. Das Bemerkenswerte an ihrem Zusammentreffen war, dass sich ihre Wege bereits in der Vergangenheit gekreuzt hatten. Beide waren leidenschaftliche Schwimmer gewesen, beide hatten sogar schon an demselben Film mitgewirkt, ohne sich damals intensiv näherzukommen. Doch erst jetzt standen sie gemeinsam vor der Kamera, und die Chemie stimmte sofort und ohne jedes Zögern. Terence war schnell, wendig, beweglich und besaß dieses fast freche, gewinnende Lächeln. Bud Spencer war das genaue Gegenteil: breit, schwer, ruhig, gelassen und manchmal reichte es schon aus, dass er einfach nur da stand, um eine Szene urkomisch wirken zu lassen. Die Regisseure merkten im Handumdrehen, dass diese beiden Männer zusammen eine magische Dynamik erzeugten, die keiner von ihnen allein jemals hätte replizieren können. Weitere Welterfolge wie Die rechte und die linke Hand des Teufels und zahlreiche Nachfolger ließen nicht lange auf sich warten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war aus einer zufälligen Besetzung ein absolutes Phänomen geworden, das Generationen prägen sollte.
In Deutschland wurden ihre gemeinsamen Filme weit mehr als nur gewöhnliche Kinoerfolge. Für unzählige Familien wuchsen sie zu einem festen, geliebten Ritual heran. Eltern schauten die Streifen gemeinsam mit ihren Kindern, und Jahre später gaben diese Kinder dieselben Filme an die nächste Generation weiter. Fliegende Fäuste, zu Bruch gehende Tische, ein mürrisch brummender Bud Spencer und ein schelmisch grinsender Terence Hill vermittelten stets das Gefühl, dass das Leben leicht und voller Humor sein konnte. Während draußen auf der Welt sein Ruhm ins Unermessliche wuchs, fand Terence auch privat sein großes Glück in einer eigenen Familie. Sein Sohn Jess wurde geboren, und wenig später kam auch Ross in die Familie. Für den Schauspieler schienen sich auf diese Weise zwei wunderbare Welten perfekt zu ergänzen. Ross wuchs zwischen der glitzernden Welt des Films und einem behüteten Zuhause auf. Irgendwann stand er nicht mehr nur am Rande des Sets, sondern begann selbst vor der Kamera zu stehen. Schon als Kind war er kurz in Don Camillo und Peppone zu sehen gewesen, und einige Jahre später spielte er an der Seite seines Vaters in dem Abenteuerfilm Renegade. Für Terence muss das ein unglaublich stolzer und berührender Moment gewesen sein. Er selbst hatte als junger Mensch ganz unten angefangen und sah nun seinen eigenen Sohn denselben kreativen Raum betreten. Als für die Produktion von Lucky Luke die Rolle des berüchtigten Billy the Kid besetzt werden sollte, war Ross natürlich die erste Wahl. Terence selbst sollte die Titelrolle übernehmen und obendrein Regie führen. Vater und Sohn hätten hierbei ein echtes Herzensprojekt gemeinsam realisiert. Doch das Leben hielt ein grausames Schicksal bereit. Der tragische Verkehrsunfall am 15. Januar 1990 machte alle gemeinsamen Zukunftspläne mit einem Schlag zunichte. Terence musste den schmerzhaftesten Verlust hinnehmen, den ein Vater überhaupt erleiden kann. Die gemeinsame Filmarbeit, das Miterleben des Erwachsenwerdens und alle kommenden Jahre, von denen man fälschlicherweise glaubt, sie lägen noch sicher vor einem, waren plötzlich fort. Später wurde Lucky Luke ohne Ross gedreht. Terence stand zwar wieder vor der Kamera, doch der Junge, der dort an seiner Seite hätte stehen sollen, fehlte schmerzlich. Von diesem Moment an ging es für ihn nicht mehr darum, ob er ein großer Star war, sondern ob er überhaupt noch einen Weg zurück in ein normales Leben finden würde.

Trotz dieses unermesslichen Schicksalsschlags zog sich Terence Hill nicht für immer von der Leinwand zurück. Er arbeitete weiter, drehte neue Filme und versuchte verzweifelt, Halt in dem zu finden, was er seit seiner Jugend am besten beherrschte. Doch die pure Arbeit konnte niemals ersetzen, was zu Hause für immer fehlte. Die Jahre vergingen, und auch die Filmwelt veränderte sich rasant. Die goldene Ära der großen Prügelfilme mit Bud Spencer lag längst hinter ihnen. Im Jahr 2000 übernahm Terence eine Rolle, die auf den ersten Blick so gar nicht zum alten Image passen wollte: Er wurde zu Don Matteo, einem katholischen Priester auf einem schlichten Fahrrad, der den Menschen zuhört, bevor er über sie urteilt. Diese ruhige, besonnene Rolle verlangte weniger körperliche Action und stattdessen umso mehr menschliche Präsenz. Sie wurde zu einem riesigen Erfolg, besonders im italienischen Fernsehen, und begleitete den Schauspieler über zwei Jahrzehnte hinweg. Eine völlig neue Generation lernte ihn kennen, ohne sofort an Western und Schlägereien zu denken. Doch Ross war dadurch natürlich nicht vergessen. Trauer funktioniert anders, man lebt weiter, arbeitet und lacht wieder, aber ein bestimmter Platz bleibt für immer leer. Kaum hatte Terence wieder festen Boden unter den Füssen, rückte ein weiterer wichtiger Weggefährte immer stärker in die Vergangenheit. Am 27. Juni 2016 verstarb Bud Spencer im Alter von 86 Jahren in Rom. Für die Öffentlichkeit war es der Abschied von einer großen Ikone, für Terence Hill jedoch der Verlust eines echten Bruders im Geiste. Fast fünfzig Jahre lang waren ihre Namen untrennbar miteinander verbunden gewesen. Sie waren nie gleichartig, und genau deshalb funktionierten sie als Duo so perfekt. Auf der Leinwand stritten sie sich, provozierten und kämpften gemeinsam gegen ganze Horden von Schurken, doch dahinter stand ein unerschütterliches, tiefes Vertrauen. Nach so vielen gemeinsamen Jahren kannten sie jeden Rhythmus des anderen blind. Mit Bud Spencers Tod verschwand der Mann, der neben ihm stand, als aus Mario Girotti endgültig Terence Hill geworden war. Zwar drehte er zwei Jahre später mit Mein Name ist Somebody noch einmal einen persönlichen, Bud Spencer gewidmeten Film, doch das Duo konnte niemand jemals neu besetzen.
Auch seine erfolgreiche Ära als Don Matteo fand in der 13. Staffel ein emotionales Ende, als er die Serie stiller und leiser verließ, als es seine Fans gewohnt waren. Heute ist Terence Hill 87 Jahre alt. Wenn die Menschen seinen Namen hören, denken sie noch immer an jene unsterblichen Bilder: an die strahlend blauen Augen, das freche Grinsen und an Filme, die man immer wieder einschalten kann. Das ist eine ganz besondere Form von unvergänglichem Erfolg. Auf dem Bildschirm altert ein Held nicht, er steigt immer wieder auf sein Pferd und reitet dem Horizont entgegen. Doch im echten Leben hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Ross wäre heute kein Sechzehnjähriger mehr, Bud Spencer ist von uns gegangen, und Terence blickt auf ein Leben zurück, das mehrere Generationen von Fans zutiefst berührt und geprägt hat. Er behielt seinen Namen, seine wunderbaren Filme und ein Publikum, das ihn bis heute verehrt. Doch Ruhm kann am Ende eben nur Bilder bewahren, keine echten Menschen. Wenn der Fernseher ausgeht, endet die Magie des Kinos, und zurück bleibt die schmerzliche Erkenntnis, dass sich manche Dinge nach einem Sturz im wirklichen Leben nicht mehr zurückdrehen lassen.