Rudi Assauer gestand vor seinem Tod, was Simone Thomalla ihm antat – Ty
Der letzte Kampf der Schalke-Legende: Die ungeschönte Wahrheit über Rudi Assauer, Simone Thomalla und den wahren Feind in seinem Kopf
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Es gab eine Zeit im deutschen Fußball, da reichte das Nennen eines einzigen Vornamens aus, um jedem sofort Respekt einzuflößen: Rudi. Wenn Rudi Assauer den Raum betrat, oft umhüllt von einer dichten Wolke blauen Zigarrenrauchs, dann war klar, wer hier die Fäden zog. Er war der allmächtige Manager des FC Schalke 04, ein Mann, der zehntausende Verträge, unzählige Spielernamen, taktische Probleme und knallharte finanzielle Entscheidungen scheinbar mühelos in seinem Kopf jonglierte. Wenn auf Schalke – oder irgendwo anders im deutschen Fußballgeschäft – etwas gewaltig schiefging, dann war Rudi der Mann, der es lösen sollte. Mit Härte, mit Direktheit und ohne langes Herumgerede.
Doch Jahre später begann genau dieser Mann, dem die absolute mentale Kontrolle über alles und jeden so heilig war, Dinge zu vergessen. Und es waren nicht irgendwelche belanglosen Details, die in der Hektik des Alltags untergingen. Es waren essenzielle Teile seines eigenen, monumentalen Lebens. Zu dem Zeitpunkt, als dieser schleichende geistige Verfall nicht mehr zu übersehen war, war die Frau, die fast neun Jahre lang als starke Partnerin an seiner Seite gestanden hatte, längst nicht mehr da: Die Schauspielerin Simone Thomalla.
Im Januar 2009 bestätigte Rudi Assauer offiziell und erstaunlich ruhig die Trennung des einstigen Promi-Traumpaares. Er sprach nicht mit Wut oder Bitterkeit in die Mikrofone. Sie hätten eine wunderschöne, intensive Zeit gehabt, ließ er verlauten, und er bereue kein einziges Jahr der gemeinsamen Zeit. Am Ende, so sein trockenes Fazit, habe es einfach nicht mehr gepasst. Wenig später kursierten bereits die ersten Bilder von Simone Thomalla mit dem deutlich jüngeren Handball-Nationaltorwart Silvio Heinevetter in der Boulevardpresse.
Für die Medien war das Narrativ sofort glasklar und furchtbar einfach gestrickt: Die jüngere Frau geht, sucht sich einen frischen, sportlichen Liebhaber, und der alternde Fußball-Macho bleibt als gebrochener Mann zurück, der daraufhin prompt schwer krank wird. Doch das echte Leben ist kein billiger Groschenroman. Diese Beziehung zerbrach absolut nicht in einer einzigen, dramatischen Nacht, und Rudi Assauers tragische Krankheit lässt sich nicht mit simplem Liebeskummer erklären. Um zu verstehen, warum die letzten Jahre seines Lebens dennoch so unglaublich schwer und bedrückend wirken, muss man tief in seine Vergangenheit blicken. Man muss den Rudi Assauer sehen, der davor existierte. Den Mann, der jahrzehntelang felsenfest daran glaubte, dass Verlieren ein Schicksal ist, das immer nur die anderen trifft.
Der Junge aus dem Kohlenpott: Eine Lektion in Härte
Rudi Assauer wurde nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren. Er stammte nicht aus einer Welt, in der einem Privilegien, Macht oder Geld einfach so in die Wiege gelegt wurden. Im April 1944, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, erblickte er das Licht der Welt und wuchs tief im Ruhrgebiet auf. Der „Pott“ war damals eine raue, ehrliche Gegend, in der der Himmel oft vom Ruß der Zechen verdunkelt war. Dort, zwischen Kohle, Stahl und dem ständigen Kampf um eine bessere Existenz, lernte Rudi sehr früh die elementaren Lektionen seines Lebens: Arbeit ist hart. Wer etwas erreichen will, muss zupacken. Und vor allem: Für echte Probleme braucht man keine langen, weinerlichen Worte, sondern Taten.
Vielleicht passte genau deshalb der Fußballsport so perfekt zu seinem Naturell. Auf dem Rasen zählte keine Herkunft, da zählten nur Leistung, Durchsetzungsvermögen und Teamgeist. Als talentierter und robuster Spieler schnürte Rudi Assauer die Schuhe für Borussia Dortmund und später für Werder Bremen. Mit den Dortmundern gewann er 1966 sogar den Europapokal der Pokalsieger – ein gigantischer Triumph in einer Zeit, als der Fußball noch nach Schweiß und nassem Leder roch.
Doch so erfolgreich seine aktive Karriere auch war, seine eigentliche, historische Bedeutung für den deutschen Fußball sollte erst viel später kommen. Nicht auf dem Rasen, im Trikot, sondern daneben, im feinen Anzug. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn wechselte Assauer nahtlos ins Management. Und dort, in den Verhandlungszimmern der Vereine, zeigte sich rasend schnell, was für ein Ausnahmetyp dieser Rudi war. Er war brutal direkt, blitzschnell in seinen Analysen und Entscheidungen und vor allem: unglaublich unbequem. Er besaß nicht den Bruchteil einer Sekunde Geduld für Menschen, die um den heißen Brei herumredeten oder sich vor Verantwortung drückten. Ein Handschlag mit Rudi galt mehr als ein 50-seitiger Vertrag von Anwälten.
Der König auf Schalke: Zigarrendampf und Pokalsiege
Und dann kam der FC Schalke 04. Rudi arbeitete dort zunächst in den stürmischen 1980er Jahren und kehrte nach einer Unterbrechung 1993 als Heilsbringer zurück. Es begann eine goldene Ära, die seinen Namen bis in alle Ewigkeit untrennbar mit dem Traditionsverein aus Gelsenkirchen verbinden sollte. Unter Assauers autokratischer, aber genialer Führung feierte Schalke beispiellose Erfolge: 1997 der sensationelle Gewinn des UEFA-Pokals durch die legendären „Eurofighter“, gefolgt von zwei emotionalen DFB-Pokalsiegen in den Jahren 2001 und 2002. Dazu kam als architektonisches Denkmal seines Schaffens die Veltins-Arena – ein hypermodernes Stadion, an dessen Entstehung und Finanzierung Assauer einen massiven, treibenden Anteil hatte.
Für unzählige Fans in Königsblau war Assauer irgendwann längst nicht mehr nur ein angestellter Manager. Er war die fleischgewordene Seele von Schalke selbst. Man sah ihn omnipräsent auf der Ehrentribüne, wie er bei jedem Gegentor litt und bei jedem Sieg triumphierte. Vor den Fernsehkameras, bei zähen Interviews und Talkshows, war er stets souverän – oft mit der obligatorischen, dicken Havanna-Zigarre zwischen den Fingern, die wie ein Zepter der Macht wirkte.
Rudi strahlte in jeder Faser seines Körpers aus, dass er der absolute Herr der Lage war. Wenn ein Trainer nach Niederlagen unter Druck geriet, stellte sich Rudi mit breiter Brust vor die Kameras. Wenn ein teurer Spieler ausgemustert werden musste, traf er die harte Entscheidung ohne mit der Wimper zu zucken. Wenn der Verein vor einem scheinbar unlösbaren finanziellen Problem stand, wälzte er die Nächte durch, bis er die Lösung präsentierte. Dieses markante Bild vom harten Hund, vom direkten Macher aus dem Ruhrgebiet, der sich nur äußerst ungern verletzlich zeigte, verfestigte sich derart, dass es irgendwann fast überlebensgroß war. Es war größer als der Mensch Rudi Assauer selbst.
Und genau dieses in Stein gemeißelte Image ist von existenzieller Bedeutung für den weiteren Verlauf der Tragödie. Denn viele Jahre später sollte Rudi mit inneren Dämonen kämpfen müssen, die sich eben nicht mehr durch ein lautes Machtwort, eine fristlose Kündigung oder ein Telefonat mit dem Bankdirektor lösen ließen.
Zwei Welten prallen aufeinander: Die Liebe zu Simone Thomalla
Doch um die Jahrtausendwende war von diesen dunklen Wolken noch absolut nichts zu sehen. Rudi Assauer stand mitten in einem Leben, das nach dem ultimativen, strahlenden Erfolg aussah. Schalke war zurück auf der ganz großen europäischen Bühne, Rudi war ein bundesweit gefeierter Star, seine Zigarre längst eine Kult-Marke, und er genoss den unantastbaren Respekt der gesamten Liga.
Genau auf diesem Gipfel seiner Macht kam eine Frau in sein Leben, die mit Fußball, Taktiktafeln und schwitzenden Kabinen zunächst rein gar nichts zu tun hatte: Simone Thomalla.
Simone war keine Frau, die sich im Glanz eines berühmten Mannes sonnen musste. Sie war eine hochgeschätzte, etablierte Schauspielerin, wunderschön, absolut selbstbewusst und in Deutschland längst ein Star. Sie brauchte das Geld und den Namen eines Rudi Assauer nicht, um eine eigene Identität zu haben. Und genau dieser Umstand – zwei gigantische Egos auf Augenhöhe – machte diese Verbindung für die Presse und die Öffentlichkeit so unglaublich faszinierend. Aus einem zunächst rein geschäftlichen, gemeinsamen Werbeauftritt für eine Brauerei (der mit dem legendären Slogan “Guck mal, der Rudi. Die alte Pflaume.” in die TV-Geschichte einging) wurde schnell echte Zuneigung, und aus Zuneigung wurde Liebe.
Plötzlich stand neben dem Mann, der auf Schalke alles kontrollieren und dominieren wollte, eine Frau, die sich absolut nichts gefallen ließ. Eine Frau mit eigener Meinung, einer eigenen, anspruchsvollen Karriere und einer völlig eigenen Welt. Am Anfang funktionierte exakt das erstaunlich gut. Es war eine elektrisierende, spannende Mischung. Doch in der Rückschau sollte genau diese tiefe Unterschiedlichkeit einer der entscheidenden Reibungspunkte werden, an denen ihre beiden Welten langsam, aber unaufhaltsam auseinanderliefen.
Die Beziehung wirkte anfangs unfassbar leicht und erfrischend. Rudi, gefangen in der harten, oft verlogenen Welt des Fußballs, voller Druck und ewiger öffentlicher Kritik. Simone, verankert in der kreativen, emotionalen Welt des Fernsehens und des Films. Sie passten zusammen, vielleicht gerade weil sie so unterschiedlich waren. Rudi war direkt, manchmal laut, ungeduldig und sehr bestimmt. Simone war intelligent und selbstbewusst genug, ihm Paroli zu bieten, ihn in die Schranken zu weisen und nicht einfach nur stumm als dekoratives Beiwerk zu nicken. Deutschland sah die beiden fortan immer häufiger zusammen: Auf elitären Galas, bei Preisverleihungen, in Werbekampagnen und auf den Titelseiten. Rudi, der Macho mit der Zigarre, und Simone, die elegante Femme fatale an seiner Seite. Es entstand das perfekte, mediengerechte Bild eines Power-Paares, das genau wusste, was es wollte.
Der schleichende Riss: Wenn der Alltag die Liebe erstickt
Und eine beachtliche Zeit lang schien dieses Bild auch der Realität zu entsprechen. Neun Jahre verbrachten sie miteinander. Wer neun Jahre miteinander teilt, führt keine kurze, oberflächliche Affäre. Dazwischen liegen Tausende von ganz normalen, banalen Tagen. Gemeinsame Sonntagmorgen, geteilte Gewohnheiten, aufreibende Arbeit, Jetlag nach Reisen, laute Streitigkeiten, Müdigkeit und immer wieder die erdrückende Last unzähliger neuer Termine.
Genau in diesem stressigen, hochgetakteten Alltag begann sich das feine Gewebe ihrer Liebe langsam aufzulösen. Rudi brannte nach wie vor förmlich für seinen Fußball. Schalke 04 war nicht einfach nur ein lukrativer Beruf für ihn, bei dem man um 17 Uhr den Stift fallen ließ. Schalke nahm jeden Quadratzentimeter seines Lebens ein – auch dann, wenn er abends erschöpft auf der Couch saß. Ein Millionen-Defizit des Vereins blieb nicht artig im Büro auf dem Schreibtisch liegen. Ein eskalierender Streit mit einem Trainer oder rebellierenden Spielern verschwand nicht, nur weil die Haustür hinter ihm ins Schloss fiel. Rudi war permanent auf Sendung.
Simone Thomalla hatte gleichzeitig ihre eigenen, extrem fordernden Dreharbeiten, wochenlange Aufenthalte in fernen Städten, Textbücher, die gelernt werden mussten, und ihre eigene, florierende Karriere im Blick. Auch sie war verständlicherweise nicht bereit, ihr ambitioniertes Leben einfach auf „Pause“ zu schalten, um dem Schalke-Manager abends das Essen zu kochen. Am Anfang mag diese totale Unabhängigkeit beider Partner noch unglaublich spannend, modern und prickelnd gewirkt haben. Später bedeutete sie in der harten Praxis vor allem eines: Immer weniger exklusive, ungestörte, gemeinsame Zeit.
Das heißt keineswegs, dass die Beziehung damals schon in Trümmern lag. Aber ihre beiden Leben wurden immer randvoller, immer lauter, immer getriebener. Und voller bedeutete in diesem Fall leider nicht automatisch, dass sie sich innerlich näherkamen.
Rudi war ein Mann, der zeitlebens gelernt hatte, fast alles über Härte und Stärke zu regulieren. Wenn es im Job ein Problem gab, suchte und fand er eine Lösung. Wenn jemand gegen ihn intrigierte, hielt er mit doppelter Wucht dagegen. Wenn eine Krise aussichtslos erschien, biss er die Zähne zusammen und machte weiter. Über sanfte Emotionen, über Zweifel, Trauer oder Schwäche zu sprechen, war ihm zutiefst fremd. Das passte perfekt in das in Gips gegossene Image des “letzten Machos der Liga” – eines Mannes, der sich nicht erklären musste und wollte.
Solange im Leben alles rund lief, war diese emotionale Verschlossenheit kein großes Problem. Aber eine intime, romantische Liebesbeziehung funktioniert nach völlig anderen Naturgesetzen als ein börsennotierter Fußballverein. Echte, tiefe Nähe lässt sich nicht vertraglich anordnen. Bedingungsloses Vertrauen lässt sich nicht auf dem Verhandlungstisch mit Zahlen untermauern. Und ein Mensch bleibt auf Dauer nicht einfach nur deshalb an deiner Seite, weil du es in einem Anfall von Besitzanspruch gerne hättest.
Noch lebten Rudi und Simone unter einem Dach. Noch traten sie auf den roten Teppichen strahlend als Paar auf. Noch gab es keinen großen, lauten Bruch, der die Wände wackeln ließ. Doch tief im Hintergrund näherte sich ein anderer, existenziell wichtiger Teil von Rudis Leben unaufhaltsam seinem Ende: Seine glorreiche Zeit, in der er bei Schalke 04 wie ein unantastbarer König geherrscht hatte, lief ab.
Der tiefe Fall: Wenn die Macht zerbröckelt
Im Sommer 2006, dem Jahr des „Sommermärchens“, änderte sich für Rudi Assauer alles. Nach zunehmenden internen Machtkämpfen, finanziellen Diskussionen und Intrigen ging seine Ära bei Schalke 04 nach vielen prägenden Jahren abrupt zu Ende. Er trat als Manager zurück. Es war ein Erdbeben.
Plötzlich war er nicht mehr der mächtige Mann, der jeden Morgen in sein Büro in der Arena marschierte, das Telefon in die Hand nahm und über die unmittelbare Zukunft von Schalke entschied. Für einen unwissenden Außenstehenden mag dies lediglich wie ein ganz normaler beruflicher Abschied ausgesehen haben, wie ihn Tausende Manager erleben. Für Rudi Assauer war es eine seelische Amputation. Schalke 04 hatte seinen Rhythmus, seinen Alltag, seine Gespräche, seine Konflikte, seine Leidenschaft und seine Erfolge diktiert. Er war Schalke. Und von einer Sekunde auf die andere war dieser essenzielle, identitätsstiftende Teil seines Lebens wie weggewischt.
Zum ersten Mal in seiner Karriere verlor Rudi etwas, das er absolut nicht freiwillig hergeben wollte. Er hatte die Kontrolle verloren. Natürlich verschwand er danach nicht gänzlich aus der Öffentlichkeit. Er trat weiterhin in Expertenrunden im Fernsehen auf, drehte Werbespots und sprach kompetent über Fußball. Die Menschen auf der Straße erkannten ihn noch immer, jubelten ihm zu. Aber es war nicht dasselbe. Früher, in der Arena, hatte er selbst die Entscheidungen getroffen, er hatte Geschichte geschrieben. Jetzt, im Fernsehstudio, durfte er nur noch von außen die Entscheidungen der anderen kommentieren. Für einen Alpha-Mannes vom Kaliber eines Rudi Assauer war das ein schmerzhafter, demütigender Abstieg von der aktiven Macht in die passive Beobachterrolle.
Das lautlose Ende der Liebe
Während er im Geheimen verzweifelt versuchte, sich an dieses unfreiwillige, neue Leben als Privatier und Ex-Manager zu gewöhnen, geriet auch die einst so glanzvolle Beziehung zu Simone Thomalla immer mehr in Schieflage. Auch hier gab es keinen großen, plötzlichen Knall, keine fliegenden Vasen in der Nacht. Es war ein Sterben auf Raten.
Simone befand sich auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, sie drehte unermüdlich Filme und Serien, reiste viel. Rudi hingegen hatte plötzlich quälend viel Zeit. Viel mehr Zeit, als er jemals in den Jahrzehnten zuvor gehabt hatte. Das Gleichgewicht der Kräfte hatte sich verschoben. Beide lebten ihr Leben weiter, aber eben immer weniger miteinander. Von außen, für die Paparazzi, sah vieles noch intakt und normal aus. Im kalten Inneren ihrer Wohnung jedoch war die vertraute Nähe längst verflogen.
Rudi war es in seinem Leben gewohnt gewesen, aufziehende Probleme direkt bei den Hörnern zu packen und zu erledigen. Doch in der Liebe gab es für diese Krise keinen Vertrag, den man unterschreiben konnte. Es gab kein klärendes Krisen-Meeting, nach dem wie durch ein Wunder alles wieder harmonisch funktionierte. Eine Beziehung kann erstaunlich lange auf dem reinen Fundament der Gewohnheit weiter existieren, obwohl beide Partner tief im Herzen längst spüren, dass die Flamme erloschen ist. Genau das macht diese späten Ehejahre so unglaublich schwer und zermürbend. Man sitzt noch zusammen am Tisch, man teilt ein Bett, aber emotional ist man längst ausgezogen.
Im Januar 2009 war der point of no return erreicht. Das unausweichliche Ende wurde offiziell verkündet. Wie bereits beschrieben, gab es keinen Hass, keine Schmutzkampagne. Kurze Zeit später stürzte sich die Yellow Press freudig auf die Meldung, dass Simone nun mit dem wesentlich jüngeren, athletischen Handballer Silvio Heinevetter liiert sei. Die Presse hatte ihre perfekte, simple Story gefunden: Die alternde Schauspielerin tauscht den Rentner gegen das junge Sportlermodell. Rudi war nun der einsame, verlassene Mann in der großen Villa.
Aber während die Schlagzeilen noch über Simones neues Liebesglück urteilten, begann sich im Gehirn von Rudi Assauer längst eine Tragödie abzuspielen, die um ein Tausendfaches ernster, dunkler und unbarmherziger war als jeder profane Liebeskummer.
Der Nebel des Vergessens: Der wahre Feind übernimmt
Es fing mit winzigen, scheinbar harmlosen Irritationen an. Ein eigentlich vertrauter Name fiel Rudi mitten im Satz nicht mehr ein. Ein Gesicht, das er seit Jahren aus der Bundesliga kannte, kam ihm zwar bekannt vor, aber er konnte es absolut nicht mehr zuordnen. Ein begonnener Gedankengang war plötzlich wie ausgelöscht und verlor im Gespräch völlig die Richtung.
Solche kleinen Aussetzer, gepaart mit Wortfindungsstörungen, können bei einem Mann, der die 60 längst überschritten hat, in der Hektik des Alltags passieren. Jeder kennt das. Deshalb wirkten diese Vorfälle am Anfang auf niemanden wie der Vorbote eines grausamen Todesurteils. Man schob es auf Stress, auf die Erschöpfung nach der Schalke-Trennung, auf schlechte Tage oder einfach auf den Tribut des natürlichen Alters.
Doch bei Rudi häuften sich diese Aussetzer. Aus flüchtigen Momenten der Irritation wurden regelrechte, beängstigende Blackouts. Und genau das machte die Situation so extrem traumatisch und schwer zu akzeptieren. Dieser Mann, dieser Titan des Fußballs, hatte sein gesamtes Leben von seiner mentalen Schärfe gelebt. Er musste in Millisekunden reagieren, Menschen lesen, taktieren. Er musste immer genau wissen, wer was zu wem gesagt hatte, welcher Manager ihm noch einen Gefallen schuldete und wem er nicht mehr über den Weg trauen durfte. Sein messerscharfer Verstand war seine stärkste Waffe gewesen.
Und jetzt begann eben dieser Verstand, ihn auf die niederträchtigste Art zu verraten. Etwas in ihm verrutschte unwiderruflich. Nicht mit einem lauten Paukenschlag, sondern leise, schleichend und unaufhaltsam wie Nebel. Für Rudi, den stolzen Macho, war dieser Zustand der Hilflosigkeit besonders bitter und unerträglich, weil das Eingestehen von mentaler Schwäche niemals in das stählerne Bild gepasst hatte, das er so akribisch von sich selbst in der Öffentlichkeit aufgebaut hatte.
Doch Alzheimer ist ein Feind, der sich für aufpolierte Images, Respekt oder Bankkonten nicht im Geringsten interessiert. Die Krankheit fragt nicht ehrfürchtig, wie stark oder mächtig jemand in der Vergangenheit gewesen ist. Sie nimmt einfach. Erst stiehlt sie Kleinigkeiten, Namen, Orte. Dann stiehlt sie die Sicherheit, die zeitliche Orientierung. Und irgendwann frisst sie die komplette Identität auf, all die stolzen Erinnerungen, von denen ein Mensch geglaubt hatte, sie seien für immer sicher im Tresor seines Kopfes verschlossen.
Der Gang in die Öffentlichkeit: Das Eingeständnis der Ohnmacht
Im Jahr 2012 bewies Rudi Assauer ein letztes Mal vor der ganzen Nation, welch unglaublicher Mut wirklich in ihm steckte. Er machte seine Alzheimer-Diagnose öffentlich. Dieser Moment, dieses mutige Outing in einer oft so unbarmherzigen Gesellschaft, war weitaus größer und historischer als die bloße Verkündung einer medizinischen Nachricht.
Plötzlich musste exakt der Mann, der stets als der Inbegriff von Macht und Autorität gegolten hatte, vor die Kameras treten und schonungslos über den ultimativen, totalen Kontrollverlust sprechen. Wer Rudi aus den wilden, polternden Jahren bei Schalke kannte, verstand die abgrundtiefe Dramatik dieses Gegensatzes sofort. Früher wusste er immer eine Antwort, ließ keinen Widerspruch zu. Jetzt musste er den Tränen nahe akzeptieren und der Welt gestehen, dass sein eigener Kopf ihm Mauern baute, die er mit keiner Willenskraft der Welt mehr durchbrechen konnte.
Die Krankheit Alzheimer war in seiner Familie leider kein völlig unbekanntes Gespenst. Auch seine Mutter und sein älterer Bruder waren daran erkrankt. Rudi wusste also aus schmerzhafter, eigener Erfahrung ziemlich genau, welch dunkler, grausamer Weg nun unausweichlich vor ihm lag. Und trotzdem verkroch er sich anfangs nicht feige im Keller. Er sprach in Dokumentationen offen über seine wachsende Angst, seine Verzweiflung und ließ zu, dass die Fernsehkameras ungeschönt dokumentierten, wie er immer weiter in den Nebel abglitt.
Das war eine völlig andere, tiefere Art von Stärke als sein früheres Gebrüll am Spielfeldrand. Keine aggressive Geste, kein harter, zynischer Spruch mehr. Nur noch die nackte, verletzliche Bereitschaft einzugestehen, dass dieses eine, finale Problem in seinem Leben niemals gelöst werden würde.
Das langsame Verschwinden einer Legende
Während die betroffene Öffentlichkeit langsam begriff, wie ernst und hoffnungslos die Lage wirklich war, schrumpfte Rudis Alltag radikal zusammen. Die Dinge, die noch vor wenigen Jahren die selbstverständlichsten Automatismen seines Tagesablaufs gewesen waren, bedurften plötzlich pflegerischer Hilfe. Menschen, alte Weggefährten, die er seit Jahrzehnten kannte, standen vor ihm, und er blickte sie aus leeren Augen an, als seien sie völlige Fremde. Lichte Momente der erstaunlichen Klarheit wechselten sich in zermürbendem Rhythmus mit Phasen der totalen Verwirrung ab.
Genau darin, in diesem ständigen Auf und Ab, liegt die unerträgliche psychologische Härte dieser Demenzerkrankung. Rudi wurde nicht durch einen Unfall von einem Tag auf den anderen komplett ausradiert. Er verschwand quälend langsam, Stück für winziges Stück. Die markante, tiefe Stimme war oft noch da. Das vertraute Gesicht war da. Manchmal blitzte für eine Sekunde sogar noch der alte, schelmische Ruhrpott-Humor durch. Aber immer öfter fehlte das Essenzielle. Und irgendwann stellte sich für seine pflegenden Angehörigen nicht mehr die hoffnungsvolle Frage, ob Rudi noch einmal in sein altes, aktives Leben zurückfinden würde. Die bedrückende Frage war nur noch, wie lange er überhaupt noch sicher in seinem eigenen Haus leben konnte.
Der Tag kam, an dem Rudi Assauer sein geliebtes Zuhause verlassen musste. Er wurde in einem Pflegeheim untergebracht, später von seiner Tochter liebevoll betreut. Allein dieser physische Schritt zeigte mit grausamer Deutlichkeit, wie unfassbar weit sich sein Universum verkleinert hatte. Der Weltmann, der jahrzehntelang im Privatjet zu internationalen Verhandlungen geflogen war, der in Stadien mit 60.000 tobenden Menschen stand, lebte nun in einer extrem begrenzten, stillen Welt, in der es ein Kraftakt war, den Löffel zum Mund zu führen.
Der Fußball war vielleicht noch irgendwo ganz tief als rudimentäres Gefühl ein Teil seiner Existenz, aber er war längst nicht mehr sein Alltag. Die dicke Zigarre, die hitzigen TV-Debatten, die großen Gala-Auftritte – all das gehörte zu einem “früheren Rudi”, zu einem Geist aus der Vergangenheit.
Fazit: Die Wahrheit jenseits von Klatsch und Schuld
Am 6. Februar 2019 starb Rudi Assauer im Alter von 74 Jahren. An diesem tristen Wintertag verlor der deutsche Fußball endgültig eine seiner schillerndsten, lautesten und prägendsten Figuren. Millionen Fans erinnerten sich wehmütig an seine unnachahmliche Art, an die Triumphe mit Schalke, an die legendäre Zigarre und an einen Mann, der Ecken und Kanten hatte, der manchmal unangenehm aneckte, aber der definitiv niemals unsichtbar oder langweilig war.
Doch wenn man heute bei dem Gedenken nur auf diesen starken, glorreichen Rudi schaut, dann verpasst man den eigentlich viel wichtigeren, tieferen und lehrreicheren Teil seiner Lebensgeschichte. Sein Ende war kein plötzlicher, heldenhafter Absturz auf dem Schlachtfeld des Fußballs. Es war ein zutiefst menschliches, wehrloses Verlöschen. Erst brach ein fundamentaler Teil seines Lebens weg (Schalke), dann ein weiterer (Simone), und schließlich raubte ihm die Krankheit den eigenen Geist.
Es ist für Außenstehende und die Boulevardpresse oft unfassbar verlockend und einfach, in solchen Dramen einen klaren Schuldigen zu suchen. Es ist so bequem, Simone Thomalla in die Rolle der kaltherzigen Täterin zu drängen, die den alternden Mann verließ, woraufhin dieser jämmerlich erkrankte. Aber diese reißerische Erzählung ist faktisch und moralisch schlichtweg falsch.
Die Alzheimer-Erkrankung brauchte keinen Liebeskummer, um Rudi Assauers Gehirn zu zerstören. Sie ist eine perfide, biologische Krankheit, die sich nicht um Prominenz oder gebrochene Herzen schert. Rudi und Simone waren zwei unglaublich starke Persönlichkeiten, deren Liebe schlichtweg am unbarmherzigen Mühlenrad der Zeit, der Arbeit und der wachsenden Distanz zermahlen wurde.
Die bittere, aber unendlich wahre Essenz aus dem Leben des Rudi Assauer lautet: Stärke, Macht und Reichtum schützen einen Menschen am Ende vor absolut gar nichts. Man kann einen der größten Fußballvereine der Welt wie ein Patriarch führen, man kann gigantische High-Tech-Stadien in die Landschaft bauen, man kann jahrzehntelang felsenfest davon überzeugt sein, dass man die Welt nach seinen eigenen Vorstellungen formen kann. Und trotzdem klopft irgendwann ein Schicksal an die Tür, mit dem sich auf gar keinen Fall verhandeln lässt.
Rudi Assauer war eben nicht nur der „letzte Macho der Liga“. Er war am Ende seines Lebens vor allem ein zutiefst verletzlicher Mensch, der uns allen die absolute Ohnmacht des menschlichen Daseins vor Augen führte. Er lehrte uns, dass selbst der stärkste, lauteste Mann, der nie Schwäche zeigen wollte, am Ende alles verlieren kann. Stück für Stück. Bis nichts mehr übrig bleibt als die Liebe und die Erinnerungen derer, die ihn pflegen, weil er selbst seine eigene, großartige Geschichte nicht mehr festhalten konnte.