Mit 60 Jahren bestätigt Katarina Witt, was wir schon lange vermutet haben – Ty
Endlich Klartext: Mit 60 Jahren bricht Katarina Witt ihr Schweigen über Hollywood-Affären, Donald Trump und den wahren Preis ihrer absoluten Freiheit
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Es gibt Biografien, die scheinen direkt einem hochkarätigen Hollywood-Drehbuch entsprungen zu sein. Katarina Witt ist unbestritten die Protagonistin einer solchen Geschichte. Sie besaß und erreichte fast alles, wovon Millionen andere Menschen auf dieser Welt nur leise träumen konnten: Zwei gigantische Olympiasiege, die sie unsterblich machten, einen Weltruhm, der keine sprachlichen oder kulturellen Grenzen kannte, und eine beispiellose Karriere, die sie aus dem reglementierten Osten der DDR direkt in die glitzernde Traumfabrik Amerikas katapultierte. Weltbekannte Männer wie der umschwärmte Schauspieler Richard Dean Anderson und der Hollywood-Star Danny Huston tauchten in ihrem Leben auf und erlagen ihrem Charme. Selbst der Immobilien-Tycoon und spätere US-Präsident Donald Trump versuchte einst verzweifelt, ihre Aufmerksamkeit zu erregen.
Doch wer heute, anlässlich ihres 60. Lebensjahres, auf diese glanzvolle Liste von Namen blickt, erkennt ein verblüffendes Detail: Keiner dieser mächtigen, berühmten oder charmanten Männer wurde jemals zum dauerhaften Mittelpunkt ihrer Lebensgeschichte. Katarina Witt schritt niemals im weißen Brautkleid vor den Traualtar. Sie gründete keine klassische Familie, sie bekam keine Kinder. Und genau diese Tatsache wurde in der medialen Wahrnehmung oft wie ein ungelöstes Rätsel behandelt. Je älter sie wurde, je tiefer die Falten des Lebens sich in die Gesichter ihrer Generation gruben, desto häufiger und drängender wurde sie mit immer denselben, zudringlichen Fragen konfrontiert: Warum nicht? Hat sie den großen Moment verpasst? Gab es vielleicht doch jenen einen geheimnisvollen Mann im Hintergrund, von dem niemand etwas wusste?
Heute, mit 60 Jahren, wird bei einem ruhigen, ungeschönten Rückblick auf ihr Leben endlich eine Wahrheit sichtbar, die von der auf Sensationen fixierten Öffentlichkeit jahrzehntelang übersehen wurde. Die wirklich entscheidende, tiefgründige Geschichte der Katarina Witt handelt überhaupt nicht davon, wen sie hinter verschlossenen Türen liebte. Sie handelt von einer viel gewaltigeren, faszinierenden Frage: Warum weigerte sie sich ihr Leben lang mit einer beispiellosen Konsequenz, ihre Existenz nach den traditionellen Erwartungen anderer Menschen zu formen? Dieser unsichtbare, aber eiserne Kampf um die absolute Selbstbestimmung begann nicht erst im Blitzlichtgewitter von Hollywood. Er nahm seinen Anfang in einer Zeit, in der das Wort „Freiheit“ für sie noch eine völlig andere, weitaus bedrückendere Bedeutung hatte.
Der goldene Käfig der DDR: Eine Jugend unter ständiger Beobachtung
Um Katarina Witt heute zu verstehen, muss man die Zeitmaschine weit zurückdrehen. Man muss dorthin blicken, wo das Eis hart und die Erwartungen noch härter waren. Katarina war noch ein sehr junges, formbares Mädchen, als ihr Leben bereits in einen unerbittlichen, fast schon militärischen Rhythmus gepresst wurde: Schule, eisiges Training, kurze Erholung, und wieder endloses Training. Auf der Eisfläche des Leistungssports gab es keine gemütlichen Abkürzungen. Wer fiel, der stand auf. Wer vor Erschöpfung weinte, der machte weiter. Exakt in dieser gnadenlosen Kaderschmiede lernte sie die wohl wichtigste Lektion ihres Lebens: Unter unmenschlichem Druck vollkommen ruhig zu bleiben, Haltung zu bewahren und sich innerlich absolut nichts anmerken zu lassen.
In der Deutschen Demokratischen Republik war sportlicher Triumph von dieser Größenordnung jedoch niemals nur eine rein persönliche, private Angelegenheit. Wenn Katarina Witt in den internationalen Arenen siegte, die Arme in die Luft riss und Goldmedaillen sammelte, dann siegte nicht nur das Mädchen aus Karl-Marx-Stadt – es siegte das politische System. Ihr Gesicht wurde zum wertvollsten Aushängeschild einer ganzen Nation. Jeder ihrer Auftritte, jede Pirouette und jedes Lächeln wurde von den Staatsorganen und der Öffentlichkeit minutiös beobachtet und vereinnahmt.
Je größer und strahlender ihr Ruhm wurde, desto mehr Menschen in Machtpositionen hatten eine genaue Vorstellung davon, wie sie sich zu verhalten, was sie zu sagen und wie sie zu sein hatte. Natürlich brachte ihr dieser Sonderstatus Privilegien ein, von denen normale DDR-Bürger nicht einmal zu träumen wagten: Sie durfte die Grenzen überqueren, reiste zu großen internationalen Wettbewerben und genoss weltweite Anerkennung. Doch dieser goldene Käfig forderte einen extrem hohen, stillen Preis. Ihr Leben gehörte de facto immer weniger ihr selbst. Als sie Olympiasiegerin wurde, jubelte die Welt einer wunderschönen, perfekten jungen Frau zu, die makellos sicher und kontrolliert wirkte. Doch hinter diesem künstlich aufrechterhaltenen Bild lagen Jahre voller entbehrungsreicher Disziplin, staatlicher Kontrolle und der erdrückenden Last gigantischer Erwartungen.
Der Fall der Mauer und das neue Haifischbecken Hollywoods
Dann passierte das Historische: Die Mauer fiel. Die Deutsche Demokratische Republik, der Staat, der ihr Leben bis ins kleinste Detail durchgeplant hatte, löste sich in Luft auf. Für Katarina Witt war dies der Startschuss in eine völlig neue, berauschende Zeitrechnung. Plötzlich roch alles nach unbegrenzter Freiheit, nach gigantischen Möglichkeiten und nach der Chance, das eigene Schicksal endlich selbst in die Hand zu nehmen. Doch mit der politischen Freiheit kam auch eine völlig neue, aggressive Form der Öffentlichkeit.
Die westliche Medienmaschinerie tickte anders. Plötzlich interessierte man sich in den Zeitungen und Magazinen nicht mehr nur vordergründig dafür, wie elegant sie den dreifachen Rittberger auf dem Eis stand. Man wollte mit aller Macht wissen, wer der Mann an ihrer Seite war. Das private Schlafzimmer wurde zum neuen Zielgebiet der Paparazzi.
Anfang der 90er Jahre änderte sich für Katarina nahezu alles. Sie bewegte sich nun fließend in einer Welt, die ungleich größer, schneller und unbarmherzig öffentlicher war als alles, was sie im Osten kennengelernt hatte. Genau in dieser wilden Phase des Neuanfangs trat Richard Dean Anderson in ihr Leben. Für Millionen Fernsehzuschauer weltweit war er der absolute Traummann, berühmt als der geniale Problemlöser „MacGyver“. Katarina selbst war zu diesem Zeitpunkt längst ein international umschwärmter Superstar. Für die amerikanische und deutsche Klatschpresse war diese Verbindung ein absolutesgefundenes Fressen, eine perfekte, hochglanzpolierte Hollywood-Romanze: Die wunderschöne, exotische Eisprinzessin aus dem ehemals geschlossenen Deutschland und der charismatische amerikanische Fernsehheld.
Doch die Medienlogik griff viel zu schnell. Aus einer aufregenden, zwischenmenschlichen Begegnung zweier Prominenter wurde in den Schlagzeilen in Windeseile die ganz große, epische Liebesgeschichte herbeigeschrieben, die unweigerlich vor dem Traualtar enden musste. Die Buchstaben auf den Titelseiten waren oft wesentlich größer, lauter und dramatischer als das, was zwischen den beiden Menschen im echten Leben tatsächlich passierte. Genau darin lag der Kern des Problems für Katarina. Sie war durchaus fähig, emotionale Nähe zuzulassen, sie genoss das Zusammensein. Aber sie weigerte sich vehement dagegen, dass die sensationslüsterne Öffentlichkeit aus ein paar romantischen Wochen sofort einen verbindlichen Plan für ihre gesamte restliche Lebenszukunft schmiedete.
Die Beziehung zu Anderson endete schließlich – und zwar ohne jegliches große Drama. Es gab keine Tränen in TV-Interviews, keine öffentliche Schlammschlacht, keine Rosenkriege. Sie ging einfach weiter. Doch diese kurze Liaison zeigte wie unter einem Brennglas ein Muster, das in ihrem Leben von nun an immer wieder extrem sichtbar werden sollte: Sobald ein attraktiver Mann an ihrer Seite auch nur für einen Moment auftauchte, wollte die atemlose Öffentlichkeit sofort wissen, ob er für immer bleiben würde. Katarina jedoch stellte sich selbst innerlich eine völlig andere, viel wichtigere Frage: Wollte sie überhaupt, dass er blieb?
Heiratsanträge, Lachanfälle und ein arroganter Tycoon
Wenig später wurde aus dieser inneren, philosophischen Frage plötzlich bitterer, konkreter Ernst. Der nächste Mann in ihrem Leben brachte nicht nur romantische Gefühle und aufregende Dates mit, er brachte auch die absolute Konvention: einen waschechten Heiratsantrag.
Katarina Witt lernte den aufstrebenden Schauspieler Danny Huston kennen. Auch er war ein Kind des Showbusiness, ein Mann, der aus einer Welt voller Kameras, ständiger Reisen und öffentlicher Begutachtung stammte. Doch diese Begegnung wirkte auf viele Beobachter wesentlich entspannter, geerdeter und weniger wie eine inszenierte PR-Schlagzeile als die Geschichte mit Richard Dean Anderson. Sie war persönlicher, leichter. Zwischen den beiden entstand eine echte, tiefe Nähe.
Und irgendwann kam es zu einem Moment, der in seiner fast schon komödiantischen Leichtigkeit unfassbar viel über Katarinas tiefe innere Haltung zur Liebe und zu gesellschaftlichen Fesseln verrät. Bei einer romantischen, gemeinsamen Bootsfahrt soll Huston ihr völlig unerwartet die Frage aller Fragen gestellt haben. Er machte ihr einen Heiratsantrag – halb im charmanten Spaß, halb im tiefen Ernst. Wie reagierte die Frau, die Millionen Männerherzen auf der ganzen Welt brach? Katarina lachte.
Für einen flüchtigen Augenblick war es einfach nur eine charmante, lustige Szene zwischen zwei Menschen, die sich aufrichtig mochten und das Leben genossen. Doch hinter diesem herzhaften Lachen, hinter diesem scheinbaren Scherz, verbarg sich eine zutiefst ernste, existenzielle Lebensfrage. Wollte sie wirklich heiraten? Für schätzungsweise 99 Prozent aller Menschen wäre das Drehbuch für den nächsten Schritt völlig klar und logisch gewesen: Man verliebt sich in einen tollen Mann, man bleibt zusammen, man heiratet pompös und baut sich irgendwann ein gemeinsames, bürgerliches Leben in einer großen Villa auf.
Katarina Witt sah das offensichtlich völlig anders. Ihre innere Logik war von einer faszinierenden, modernen Klarheit: Ein Mann konnte ihr extrem wichtig sein, sie konnte Momente mit ihm teilen, ohne dass aus dieser Zuneigung automatisch ein bürokratischer Akt, eine Ehe, werden musste. Echte Nähe bedeutete für sie nicht, dass sie das absolute Monopol auf ihre eigene Zukunft an jemand anderen abtreten musste, nur weil die klatschsüchtige Gesellschaft, die Schwiegereltern oder die Medien genau das brav von ihr erwarteten.
Diese stählerne, innerliche Unabhängigkeit machte sie für viele Männer natürlich noch unendlich viel interessanter und begehrenswerter, aber ganz sicher nicht einfach. Sie konnte offen sein, herzhaft lachen, stundenlang flirten und tiefe Gefühle zulassen. Doch in genau der Sekunde, in der aus unbeschwerter Nähe eine besitzergreifende Erwartungshaltung oder ein Anspruch auf ihre Freiheit wurde, zog sie eine dicke, unüberwindbare Grenze.
Eine andere, fast schon groteske Begegnung aus den wilden 90er Jahren demonstriert diese absolute emotionale Autonomie auf geradezu komische Weise. Damals kreuzten sich die Wege von Katarina Witt und einem gewissen Donald Trump. Es war lange, bevor dieser Mann zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde; damals war er “nur” ein milliardenschwerer, extrem lauter Immobilien-Mogul aus New York, der es gewohnt war, alles zu bekommen, worauf er mit dem Finger zeigte. Trump war fasziniert von der Eiskunstläuferin und steckte ihr selbstbewusst seine private Telefonnummer zu.
Was machte Katarina? Sie rief nicht an. Sie ignorierte den Zettel. Als sich ihre Wege später auf einem Event zufällig wieder kreuzten, soll Trump in seiner typischen, verletzten Eitelkeit direkt auf sie zugekommen sein und sie darauf angesprochen haben, warum sie sich nie gemeldet habe. Katarinas Antwort darauf war trocken, kühl und unerschütterlich selbstbewusst. Diese kleine, fast unscheinbare Anekdote ist im Grunde ein gigantisches Statement. Sie beweist etwas Wichtiges: Katarina Witt ließ sich schlichtweg von nichts und niemandem blenden oder beeindrucken. Nicht von unermesslichem Reichtum, nicht von weltweitem Ruhm und erst recht nicht von mächtigen Männern, die es narzisstisch gewohnt waren, die ungeteilte Aufmerksamkeit jeder Frau im Raum zu bekommen.
Der Kampf um die Hoheit über das eigene Leben
Doch wer heute nur auf diese schillernden Begegnungen mit prominenten Männern starrt, versteht noch immer nicht den wahren Kern dieser Frau. Er versteht nicht, warum sie so kompromisslos lebte und liebte. Denn diese massive emotionale Grenze, dieser unzerstörbare Schutzwall um ihre Seele, entstand nicht erst auf den roten Teppichen von Hollywood oder in den Villen von Los Angeles. Diese Grenze ist viel, viel älter.
Um die 60-jährige Katarina Witt in ihrer ganzen Tiefe wirklich zu begreifen, muss man das Glitzerkleid abstreifen und mental noch einmal zurück in die dunklen Eishallen der Deutschen Demokratischen Republik reisen. Nicht zu den glänzenden Goldmedaillen, nicht zu den jubelnden Zuschauern, sondern zu diesem ständigen, beklemmenden Gefühl, 24 Stunden am Tag gesehen, bewertet und überwacht zu werden.
Katarina war schon als Kind berühmt. Dieser frühe Ruhm war ein zweischneidiges Schwert, das messerscharf war. Er brachte ihr die riesigen Chancen, das internationale Reisen und die grenzenlose Anerkennung. Aber er bedeutete eben auch, dass fremde Menschen, Funktionäre und Parteibonzen sehr genau und kritisch darauf achteten, wie sie auftrat, was sie in Interviews sagte, mit wem sie sprach und welches politische Bild sie nach außen vermittelte. Ihr persönlicher, schweißtreibender Erfolg gehörte, solange die Mauer stand, nie ihr allein. Wenn sie siegte, vereinnahmte das Land diesen Sieg für seine ideologische Propaganda.
Das machte sie zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten des Staates, aber es setzte sie auch unter einen unmenschlichen, ständigen psychischen Druck. Schon als sehr junge, heranwachsende Frau musste sie die bittere Lektion lernen, dass massiver Ruhm immer zwei Gesichter hat. Er öffnet dir die Türen zu den schönsten Palästen der Welt, aber er sorgt fast zeitgleich dafür, dass wildfremde Menschen plötzlich felsenfest glauben, sie hätten ein verfassungsmäßiges Recht auf dein innerstes Leben.
Als dann 1989 die Mauer fiel und diese alte, starre Ordnung über Nacht pulverisiert wurde, begann für Katarina die eigentliche, große Zeit der Heilung und Selbstfindung. Sie konnte nun freier reisen, konnte lukrative neue Projekte annehmen, Shows konzipieren und endlich als freier Mensch selbst bestimmen, wie ihre berufliche Karriere weitergehen sollte. Sie hatte die Ketten gesprengt.
Doch eines blieb ihr auch in der neuen, westlichen Welt wie ein treuer Schatten erhalten: Die ständige, bohrende Aufmerksamkeit. Nur die Qualität und der Inhalt der Fragen änderten sich drastisch. Früher, im Osten, wollten die Journalisten wissen, ob sie die russische Konkurrenz schlagen und die Goldmedaille für den Sozialismus holen würde. Später, im Westen, interessierte man sich kaum noch für den Sport. Man wollte nur noch voyeuristisch wissen, wen sie nach Einbruch der Dunkelheit liebte. Man fragte unablässig, ob sie endlich heiraten würde, wann sie gedenke, Kinder zu bekommen, und ob nicht endlich ein starker Mann einen festen, bestimmenden Platz in ihrem Leben einnehmen würde.
Die Rebellion gegen die Erwartungen: Einsamkeit oder Triumph?
Genau hier wird ihre Biografie so unendlich faszinierend und lehrreich. Vielleicht ging es Katarina Witt tief in ihrem Innersten niemals dogmatisch darum, romantische Beziehungen, Männer oder die Liebe an sich pauschal abzulehnen. Vielleicht ging es ihr bei all ihren Entscheidungen viel mehr darum, ein Trauma ihrer Jugend zu heilen und eine heilige Grenze zu verteidigen. Ihre persönliche Lebensregel lautete: Ein Teil meines Lebens – mein Talent, mein Lächeln, meine Kunst auf dem Eis – darf und soll öffentlich sein. Aber der andere Teil, mein Herz, mein Zuhause, meine Seele, gehört ausschließlich mir. Niemandem sonst.
Und diese unsichtbare Grenze wurde mit den verstreichenden Jahren immer wichtiger, ja fast schon zu einer Überlebensstrategie. Denn je weniger Futter sie den Medien über ihr Privatleben gab, desto wilder, absurder und lauter wurde darüber spekuliert. Je weniger sie offizielle Beziehungen bestätigte, desto gigantischer wurden die erfundenen Gerüchte in den Boulevardblättern. Jeder noch so flüchtige männliche Begleiter, jeder Kollege, der neben ihr auf einem Foto auftauchte, wurde von der Presse augenblicklich zum potenziellen Lebenspartner, zum rettenden Ehemann stilisiert.
Aber Katarina blieb eisern. Sie ließ sich nicht beirren. Sie veröffentlichte keine detaillierten Home-Stories aus ihrem Schlafzimmer. Sie behandelte ihr Privatleben völlig anders als ihre Auftritte. Sie machte unmissverständlich klar: Nicht alles, was ich tue, ist für den Konsum der Massen bestimmt. Nicht jede indiskrete Frage von Journalisten muss oder wird von mir beantwortet werden.
Für viele konservative Beobachter mochte diese extreme Zurückhaltung, diese Weigerung, das klassische Familienbild zu bedienen, wie ein trauriger Beweis für innere Einsamkeit wirken. Manche unterstellten ihr sogar heimliche Reue über verpasste Chancen. Aber das war eine fatale Fehleinschätzung. Es war keine Einsamkeit. Es war eine hart erkämpfte, vollkommen bewusste Entscheidung.
Heute, da Katarina Witt 60 Jahre alt ist, wirkt diese mutige Lebensentscheidung vielleicht noch sehr viel klarer, brillanter und inspirierender als in den stürmischen 90er Jahren. Denn heute geht es längst nicht mehr um die atemlose Klatsch-Frage, welcher gutaussehende Hollywood-Mann vielleicht noch in ihrem Leben auftauchen könnte. Es geht um eine viel fundamentalere, philosophische Frage, die wir uns am Ende alle stellen müssen: Wenn Katarina Witt heute auf ihr langes, wildes Leben zurückblickt, würde sie noch einmal exakt genauso entscheiden? Würde sie wieder genauso leben?
Die ultimative Freiheit: Ein Leben, geschrieben von Katarina Witt
Mit 60 Jahren blickt Katarina Witt auf ein Leben zurück, in dem sich fast alles, was einst als in Stein gemeißelt galt, in Luft aufgelöst hat. Die Deutsche Demokratische Republik, die sie einst formte, gibt es nur noch in Geschichtsbüchern. Ihre großen, nervenzerreißenden olympischen Wettkämpfe liegen viele Jahrzehnte in der Vergangenheit. Die berühmten Männer, über die früher so hysterisch geschrieben wurde, sind heute lediglich Randnotizen, die zur Vergangenheit gehören.
Geblieben ist jedoch etwas völlig anderes. Etwas, das von unschätzbarem, ewigem Wert ist. Katarina hat ihr Leben nie, nicht eine einzige Sekunde lang, nach einem Drehbuch geführt, das andere Menschen für sie geschrieben hatten. Sie ließ sich nicht in ein Schema pressen.
Sie heiratete nicht, nur weil die Gesellschaft es von einer Frau in einem bestimmten Alter irgendwann nachdrücklich erwartete. Sie gründete keine klassische Familie mit Kindern, nur damit ihr Lebenslauf auf dem Papier von außen betrachtet für die Bunte-Magazine „vollständiger“ oder „normaler“ wirkte. Und sie öffnete die Türen zu ihrem Privatleben niemals vollständig, nur weil die Öffentlichkeit mit Geldscheinen wedelte und neugierig war.
Das bedeutet nicht im Geringsten, dass zwischenmenschliche Beziehungen, Zärtlichkeit oder Liebe für sie unwichtig waren. Wer so etwas behauptet, hat nichts verstanden. Es bedeutet lediglich, dass sie diesen Beziehungen niemals die toxische Macht gab, ihr gesamtes Leben, ihre hart erkämpfte Identität und ihre Freiheit zu dominieren oder zu bestimmen.
Vielleicht ist genau das die ultimative, befreiende Antwort auf die nervtötende Frage, die sie durch so viele Jahrzehnte begleitet hat. Nicht jeder Mensch braucht exakt dieselben Stationen, um glücklich zu sein. Nicht jeder Lebensweg muss zwingend gleich aussehen, nicht jede Biografie muss mit einer Hochzeit und einem Kinderwagen enden. Man kann ihre extrem autonomen Entscheidungen persönlich mögen oder als unkonventionell ablehnen, aber eines lässt sich beim besten Willen schwer übersehen: Katarina Witt hat sehr früh auf die harte Tour gelernt, was es bedeutet, unter den bewertenden Augen anderer zu existieren. Und vielleicht hat sie genau aus diesem traumatischen Grund später so penibel und kompromisslos darauf geachtet, wer überhaupt noch das Recht bekam, über ihr privates Leben zu bestimmen. Die Antwort darauf war fast immer dieselbe, kurze und kraftvolle: Sie selbst.
Damit verändert sich rückblickend auch die mediale Fragestellung vom Anfang unserer Geschichte grundlegend. Vielleicht ging es in all diesen Jahren niemals wirklich darum, welchen faszinierenden Mann Katarina Witt letztendlich als Ehemann gewählt hätte oder wen sie am meisten liebte. Die wahre Geschichte lautet: Es ging darum, welchen Teil ihres Lebens, welche innere Festung sie niemals, unter keinen Umständen, anderen Menschen zur Verfügung stellen oder überlassen wollte.
Wenn man sich heute alte, verpixelte Videoaufnahmen von Katarina Witt ansieht, scheint vieles aus dieser Ära unendlich weit entfernt. Die nostalgische Musik, die knappen, glitzernden Kostüme, die riesigen, rauchenden Eishallen, die gehissten Fahnen eines Staates, der längst auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist. Doch in dem Moment, sobald sie auf das Eis fährt, sobald die Kufen kratzen, ist dieses alte, elektrisierende Bild sofort wieder da. Tausende Menschen schauen gebannt zu. Jeder Schritt wird mit Argusaugen beobachtet, jeder kleinste technische Fehler wird gnadenlos gesehen, jede noch so flüchtige Bewegung wird von Punktrichtern streng bewertet.
Später, als die Eisprinzessin die Schlittschuhe an den Nagel hängte, geschah mit ihrem realen Leben etwas erschreckend Ähnliches. Nur ging es irgendwann eben nicht mehr um sportliche Punkte, Pflichtfiguren und olympische Medaillen. Die Gesellschaft, die Medien, die Fans – sie alle bewerteten nun ihre privaten Beziehungen. Sie fragten inquisitorisch nach einem fehlenden Ehemann, nach nicht vorhandenen Kindern und nach den Männern, die in ihr Leben kamen und wieder im Schatten verschwanden. Immer wieder wurde in Talkshows und Artikeln hinterfragt, ob in diesem scheinbar so perfekten Leben nicht doch vielleicht etwas Essenzielles „fehlte“.
Katarina Witt musste in ihrem Leben unglaublich viel mit der Öffentlichkeit teilen, mehr als die meisten Menschen ertragen könnten. Sie teilte ihre größten, tränenreichen Siege, ihre bittersten, schmerzhaften Niederlagen und ihre gesamte Jugend. Einen einzigen, heiligen Teil aber behielt sie eisern für sich allein: Die absolute Entscheidungsgewalt darüber, wie sie leben, lieben und sein wollte.
Heute, da sie auf 60 erfüllte Jahre zurückblickt, wirkt genau das bemerkenswert, ja fast schon heroisch. Nicht, weil ihr unkonventioneller, kinderloser Weg für jeden anderen Menschen auf der Welt der richtige sein muss. Sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil es ihr ureigener, selbst gewählter Weg war.
Auf dem kalten Eis der Olympiastadien durften und konnten andere Menschen ihre sportliche Leistung mit Notentafeln bewerten. Außerhalb der Eisbahn, im echten Leben, verweigerte sie ihnen dieses Recht komplett. Und vielleicht war das also nie das große, dunkle Geheimnis hinter der Ikone Katarina Witt. Vielleicht wollten viele Menschen da draußen einfach nur aus eigenen Konventionen heraus nicht akzeptieren, dass diese starke, schöne Frau überhaupt keine Ehe und keine Kinder brauchte, um ihr Leben als absolut vollständig, glücklich und vollkommen zu betrachten.
Am Ende ihres 60. Geburtstages bleibt deshalb weniger die voyeuristische Frage, welchen Mann sie in Hollywood wirklich am meisten liebte. Es bleibt die kraftvolle, inspirierende Geschichte einer Frau, die sich zwar von Millionen Menschen fasziniert beobachten ließ, die aber die wichtigste Entscheidung ihres Daseins nie wieder aus der Hand gab: Die Entscheidung über ihr eigenes Leben. Und das ist der größte Sieg, den Katarina Witt jemals errungen hat.