Kulturkampf, Panik und der erhobene Zeigefinger: Dieter Hallervordens fragwürdige Einmischung und das drohende politische Beben in Sachsen-Anhalt
Es gibt Momente in der politischen Auseinandersetzung, in denen sich die gesellschaftliche Polarisierung wie in einem Brennglas bündelt. Ein solcher Moment spielt sich gegenwärtig vor unseren Augen ab, ausgelöst durch die überraschenden und überaus scharfen politischen Äußerungen einer Ikone der deutschen Unterhaltungsindustrie. Dieter Hallervorden, den Millionen von Menschen über Jahrzehnte hinweg liebevoll „Didi“ nannten und der mit seinem unverwechselbaren Humor Fernsehgeschichte geschrieben hat, hat sich nun aus der Deckung gewagt. Er positioniert sich mit bemerkenswerter Vehemenz gegen die Alternative für Deutschland (AfD) und warnt die Wähler eindringlich davor, dieser Partei ihre Stimme zu geben. Besonders im Hinblick auf die anstehenden, hochbrisanten Wahlen im Bundesland Sachsen-Anhalt schlägt Hallervorden Alarm. Doch diese Einmischung, die von der etablierten Medienlandschaft erwartungsgemäß wohlwollend aufgenommen wird, birgt eine enorme Sprengkraft und offenbart eine tiefe Kluft zwischen jenen, die auf den Bühnen stehen, und jenen, die im Publikum sitzen. Es ist ein Konflikt, der weit über die Person Hallervorden hinausgeht und die fundamentalen Verwerfungen unserer derzeitigen politischen Kultur schonungslos offenlegt.
Die Reaktionen auf Hallervordens plötzliches politisches Outing ließen nicht lange auf sich warten und sie fallen, gelinde gesagt, verheerend aus. Wer sich heute als prominenter Künstler derart explizit als Gegner einer bestimmten Partei positioniert und dabei den moralischen Zeigefinger erhebt, muss sich nicht wundern, wenn der Gegenwind augenblicklich und mit orkanartiger Stärke zurückschlägt. Viele Beobachter und ehemalige Fans stellen sich eine sehr berechtigte Frage: Warum mischt sich ein Mann, der die neunzig Jahre bereits überschritten hat und dessen große, unbestreitbare Erfolge vor allem in den achtziger Jahren liegen, derart belehrend in den aktuellen demokratischen Willensbildungsprozess ein? Die Zeiten, in denen sich die Bürger von Schauspielern, Sängern oder Kabarettisten vorschreiben ließen, wo sie auf dem Stimmzettel ihr Kreuz zu machen haben, sind endgültig und unwiderruflich vorbei. Die Menschen in diesem Land, und ganz besonders in Sachsen-Anhalt, stehen vor massiven, existenziellen Problemen, die dringend einer realen, politischen Lösung bedürfen. Sie suchen nach Antworten auf die drängenden Fragen des Alltags, nach wirtschaftlicher Sicherheit, nach einer funktionierenden Infrastruktur und nach einer Politik, die ihre Sorgen ernst nimmt. Und genau diese Lösungen erwarten sie offensichtlich nicht mehr von den Parteien, die Hallervorden so verzweifelt zu verteidigen versucht.
Das zentrale Argument, das Dieter Hallervorden für seine dramatische Warnung ins Feld führt, ist die angebliche Sorge um die Kultur. Er malt das düstere Schreckensgespenst an die Wand, dass im Falle eines Wahlsieges der AfD eine völlige Verödung der Kulturlandschaft drohen würde. Wenn man nicht weiterhin Parteien wie die SPD, die Grünen, die FDP oder die Linke wähle, sei das künstlerische und geistige Leben massiv gefährdet. Doch diese Argumentation hält einer kritischen, unvoreingenommenen Überprüfung schlichtweg nicht stand. Im Gegenteil, sie entlarvt eine geradezu erschreckende Blindheit gegenüber den realen Zuständen in unserem Kulturbetrieb. Wenn wir heute von einer Verödung der Kultur sprechen, dann müssen wir den Mut haben, die Dinge klar beim Namen zu nennen: Wir erleben seit vielen Jahren eine beispiellose, systematische linksgrüne Verödung und ideologische Gleichschaltung fast der gesamten kulturellen Infrastruktur. Ob an Theatern, in Museen, bei staatlich geförderten Kunstprojekten oder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk – der Mainstream duldet kaum noch abweichende Meinungen.

Die Ankündigung der AfD, in diesem Bereich endlich einmal einen kritischen Prüfstein anzulegen, ist daher nicht nur absolut legitim, sondern in den Augen vieler Steuerzahler zwingend geboten. Es geht hier nicht um eine Zerstörung der Kultur, wie es Panikmacher gerne behaupten, sondern um die dringend notwendige Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Mittel. Wir sprechen hier von Abermillionen, ja sogar Milliarden an hart und sauer verdienten Steuergeldern, die Jahr für Jahr scheinbar völlig unkontrolliert in fragwürdige Fördervereine, in politisch motivierte Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und in Kunstprojekte gepumpt werden, deren gesellschaftlicher Nutzen zumindest stark infrage gestellt werden darf. Es ist die ureigenste Aufgabe einer starken Opposition, und bald womöglich einer neuen Landesregierung, genau hier den Finger in die Wunde zu legen und schonungslos aufzudecken, wohin diese gigantischen Summen fließen. Dass sich das etablierte System, das sich in dieser komfortablen Förderblase häuslich eingerichtet hat, nun mit Händen und Füßen gegen eine solche Überprüfung wehrt, ist menschlich nachvollziehbar, politisch aber ein Offenbarungseid.
Die Angst vor dem Verlust politischer Pfründe und lukrativer Fördertöpfe treibt in diesen Tagen besonders bei der SPD in Sachsen-Anhalt bizarre, fast schon tragikomische Blüten. Die Sozialdemokraten, einst stolze Volkspartei und prägende Kraft der deutschen Politik, blicken förmlich in den Abgrund der politischen Bedeutungslosigkeit. Umfragen sehen die Partei in dem ostdeutschen Bundesland bei einem historisch katastrophalen Wert, der das reale Risiko birgt, an der verfassungsrechtlich verankerten Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern und damit gänzlich aus dem Parlament zu fliegen. Die nackte Panik vor diesem totalen Absturz ist bis in die letzten Reihen der Genossen spürbar. Der Spitzenkandidat der SPD in Sachsen-Anhalt, dessen Name bezeichnenderweise selbst gut informierten Politikbeobachtern bis vor wenigen Wochen noch völlig unbekannt war und der in der öffentlichen Wahrnehmung als sprichwörtliches unbeschriebenes Blatt gilt, kämpft nicht mehr um politische Gestaltungsmacht, sondern schlicht um das nackte Überleben seines Landtagsmandats. Es geht um gut dotierte Posten, um monatliche Bezüge von mehreren tausend Euro, die im Falle einer Wahlniederlage unwiederbringlich verloren wären. Der Gedanke, nach einer Abwahl möglicherweise einer regulären, anständigen Arbeit nachgehen zu müssen, scheint in manchen politischen Kreisen mittlerweile pure Existenzängste auszulösen.
In dieser verzweifelten Lage greift die SPD zu einem Manöver, das an politischer Durchsichtigkeit und Heuchelei kaum zu überbieten ist. Plötzlich und wie aus dem Nichts wird eine ernsthafte Debatte darüber losgetreten, ob man die Fünf-Prozent-Hürde nicht auf eine Drei-Prozent-Hürde absenken sollte. Man muss sich das Ausmaß dieses Vorschlags auf der Zunge zergehen lassen: Eine Partei, die jahrzehntelang von der strikten Anwendung dieser Sperrklausel profitierte und der es in der Vergangenheit stets völlig gleichgültig war, wenn kleinere Gruppierungen mit innovativen Ideen an genau dieser Hürde scheiterten und aus den Parlamenten gedrängt wurden, entdeckt just in dem Moment, in dem es um den eigenen Machterhalt geht, ihr Herz für kleine Wahlergebnisse. Über Jahrzehnte hinweg wurden alternative politische Strömungen gnadenlos an dieser Grenze zerschellen gelassen. Niemand bei der SPD hat auch nur eine Träne für sie vergossen. Doch jetzt, da das eigene politische Ende droht, sollen die demokratischen Spielregeln hastig umgeschrieben werden, um den eigenen Absturz abzufedern. Das ist ein durchschaubares, moralisch verwerfliches Schauspiel, das förmlich zum Himmel stinkt. Der mündige Wähler in Sachsen-Anhalt wird dieses Manöver sehr wohl durchschauen und solchen Politikern an der Wahlurne die verdiente, unmissverständliche Quittung präsentieren. Wer versucht, sich durch die Hintertür an die Macht zu klammern, gehört schlichtweg nicht in ein Parlament.
Während die etablierten Parteien in Schockstarre auf ihre schwindenden Zustimmungswerte blicken, präsentiert sich die AfD in Sachsen-Anhalt als die unangefochtene dominierende politische Kraft. Die Umfragen sprechen eine derart eindeutige Sprache, dass ein historischer Machtwechsel immer wahrscheinlicher wird. Der Spitzenkandidat der AfD agiert bereits mit der Souveränität eines kommenden Ministerpräsidenten und hat das Heft des Handelns fest in die Hand genommen. Bei jüngsten öffentlichen Auftritten und Podiumsdiskussionen zeigte sich ein Bild, das die tatsächlichen Machtverhältnisse längst widerspiegelt: Der Herausforderer von der etablierten Konkurrenz wirkte oftmals getrieben, defensiv und argumentativ in die Enge gedrängt. In dem verzweifelten Versuch, noch irgendwie Boden gutzumachen, wurden sogar Positionen der AfD hastig kopiert und vor laufender Kamera als die eigenen Errungenschaften präsentiert. Doch dieses durchschaubare Manöver – ein Muster, das man auf Bundesebene auch immer wieder beim Vorsitzenden der CDU, Friedrich Merz, beobachten kann, der vor Wahlen gerne rechts blinkt, um nach Wahlen links abzubiegen – verfängt beim Wähler nicht mehr. Die Menschen haben längst gelernt, zwischen echtem politischem Willen und taktischem Wahlkampfgeplänkel zu unterscheiden.

Die Konsequenz und Geradlinigkeit, die der AfD in diesem Wahlkampf attestiert wird, bildet einen scharfen Kontrast zur Wankelmütigkeit der Altparteien. Die Devise lautet: Was vor der Wahl gesagt wird, gilt ohne Abstriche auch nach der Wahl. Ein Mann, ein Wort. Auf diese politische Verlässlichkeit scheinen die Menschen in Sachsen-Anhalt in diesen krisenhaften Zeiten großen Wert zu legen. Sollte es am Wahlabend, wider Erwarten, doch noch zu einem äußerst knappen Ergebnis kommen und für die absolute Mehrheit ein oder zwei Mandate fehlen, könnte eine weitere politische Bombe platzen. Beobachter gehen fest davon aus, dass in einem solchen Szenario die innere Opposition innerhalb der CDU bereitstünde, um pragmatische Lösungen zu finden und eine Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die kategorische Weigerung, mit Links, Grün, Gelb oder Rot auch nur im Geringsten zu kooperieren, steht für viele bürgerlich-konservative Kräfte als unverrückbares Dogma im Raum.
Werfen wir abschließend einen schonungslosen Blick auf die nackten Zahlen und die sich abzeichnende Sitzverteilung im kommenden Landtag von Sachsen-Anhalt. Die Prognosen sind mehr als eindeutig. Mit stabilen Werten um die vierzig Prozent steuert die AfD zielsicher auf rund vierzig sichere Sitze im Parlament zu. Um die magische Grenze für eine absolute Mehrheit zu erreichen, bräuchte es lediglich 42 von insgesamt 83 Sitzen. Es fehlen also faktisch nur noch zwei winzige Mandate, das entspricht etwa zwei Prozentpunkten bei den Wählerstimmen. Dies ist eine Hürde, die angesichts der anhaltenden Schwäche der politischen Konkurrenz problemlos aus eigener Kraftanstrengung genommen werden kann. Und sollte sich das oben beschriebene Szenario bewahrheiten, in dem die taumelnde SPD tatsächlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert und aus dem Parlament fliegt, würde dies die Sitzverteilung noch einmal massiv zugunsten der stärksten Kraft verschieben. Dann wäre nicht nur die Mehrheit gesichert, sondern eine regelrechte Überfüllung der Mandate die logische Konsequenz.
In diesem historischen Kontext wirken die lautstarken Warnungen eines Dieter Hallervorden nicht nur deplatziert, sondern geradezu hilflos. So sehr er sich auch anstrengt, so sehr auch in den kommenden Wochen noch weitere Prominente aus der C- und B-Riege aus der Versenkung auftauchen werden, um den Versuch einer moralischen Wahlbeeinflussung zu unternehmen – es wird vergebens sein. Diese ritualisierten Empörungswellen des Establishments prallen an einer Wählerschaft ab, die sich längst emanzipiert hat und die die arrogante Bevormundung von oben schlichtweg satt hat. Dieter Hallervorden mag auf die nostalgische Zugkraft seiner Vergangenheit in den achtziger Jahren setzen, doch politische Lösungen für die tiefgreifenden Probleme der Gegenwart und der Zukunft hat er ebenso wenig zu bieten wie die Parteien, die er so verzweifelt verteidigt. Der Wähler in Sachsen-Anhalt wird am Wahltag eine souveräne, freie Entscheidung treffen – ganz ohne den erhobenen Zeigefinger aus der Berliner Kulturblase.