Vier Monate vor den Landtagswahlen in Sachsen Anhalt und Mecklenburg Vorpommern laufen bei CDU und SPD offenbar längst die nächsten Planspiele. Und eines dieser Planspiele könnte politisch brisanter kaum sein. Es geht um nichts geringeres als die mögliche Aufweichung des sogenannten Unvereinbarkeitsbeschlusses der CDUsu.

Und damit herzlich willkommen. Schön, dass ihr wieder mit dabei seid. Wenn man sich die aktuelle politische Lage in Sachsenanhalt anschaut, dann muß man ganz nüchtern sagen, für die CDU sieht es dort alles andere als gut aus. Wirklich alles andere als gut. Der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze steht unter massivem Druck und mit Blick auf die Umfragen wirkt es momentan nicht so, als könnte die CDU dort noch groß aufholen.

Die AfD dagegen zieht in Sachsen Anhalt an den anderen größeren Parteien vorbei. In den Umfragen liegt sie inzwischen bei rund 41%. Das ist ein politisches Erdbeben, noch reicht das nicht für eine absolute Mehrheit. Aber der AfD Spitzenkandidat Ulrich Siemund hat sein Ziel klar formuliert: 45% + X, das heißt, es fehlen derzeit nur wenige Prozentpunkte.

Und genau deshalb beginnt bei der CDU jetzt offenbar die große Nervosität, denn die entscheidende Frage lautet: Was passiert, wenn die AfD stärkste Kraft wird, aber keine absolute Mehrheit erreicht? Dann müsste die CDU entscheiden, welchen Weg sie geht. Eine Koalition mit der AfD wird offiziell ausgeschlossen, aber eine stabile Mehrheit gegen die AfD ist ebenfalls schwer zu bilden.

Wenn die SPD überhaupt wieder in den Landtag einzieht, könnten CDU und SPD zusammen immer noch viel zu schwach sein. Nach aktuellen Zahlen würde das nicht reichen. Und genau an diesem Punkt kommt plötzlich die Linkspartei ins Spiel. Denn aus Sicht der CDU könnte man sich sagen, was in Thüringen funktioniert, könnte doch auch in Sachsen-Anhalt funktionieren.

Eine Minderheitsregierung unter Führung der CDU, vielleicht gemeinsam mit der SPD, könnte sich von der Linkspartei tolerieren lassen. Kein offizielles Bündnis, keine klassische Koalition, aber faktisch eine politische Abhängigkeit. Und hier beginnt der eigentliche Konflikt, denn der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU richtet sich nicht nur gegen die AfD, sondern auch gegen die Linkspartei.

Offiziell soll es mit beiden Parteien keine Zusammenarbeit geben. Doch wenn sich eine CDU geführte Minderheitsregierung von der Linkspartei tolerieren lässt, dann ist das zwar vielleicht formal keine Koalition, politisch aber trotzdem eine massive Dehnung dieses Beschlusses. Für viele CDU-Wähler wäre das ein Schock, denn sie fragen sich zurecht, wofür steht diese Partei eigentlich noch, wenn die CDU vor der Wahl sagt, sie lehne jede Zusammenarbeit mit der Linkspartei ab, nach der Wahl aber genau auf deren Stimmen angewiesen ist. Dann wirkt das

nicht mehr wie Prinzipientreue, dann wirkt es wie Machterhalt um jeden Preis. Und genau deshalb spricht die CDU über solche Szenarien auch nicht besonders offensiv, schon gar nicht mitten im Wahlkampf, denn jeder weiß, wenn die Wähler vor der Wahl den Eindruck bekommen, dass ihre Stimme am Ende indirekt eine linke Tolerierung ermöglicht, dann könnte das viele konservative Wähler endgültig abschrecken.

Man sieht ja bereits in Thüringen, wohin solche Konstruktionen führen können. Dort hat die Linkspartei trotz ihrer eigenen Schwäche weiterhin erheblichen politischen Einfluss. Und auch in Sachsen gibt es eine Minderheitsregierung unter CDU Führung, die auf Unterstützung von außen angewiesen ist. Das zeigt, solche Modelle sind längst keine Theorie mehr.

Sie sind politische Realität und jetzt steht Sachsenanhalt möglicherweise vor genau derselben Frage. Die CDU befindet sich damit in einer dramatischen Lage. Einerseits will sie die AOFD um jeden Preis von der Macht ferhalten. Andererseits verliert sie immer mehr an Glaubwürdigkeit, wenn sie dafür ihre eigenen Beschlüsse immer weiter auslegt, verbiegt oder praktisch ignoriert.

Viele Bürger haben genau dieses Gefühl. Die CDU ist nicht mehr die Partei klarer Linien, sondern eine Partei, die ihre Positionen je nach Machtlage anpasst. Heute wird eine Zusammenarbeit ausgeschlossen, morgen wird sie toleriert, übermorgen nennt man es dann staatspolitische Verantwortung. Und immer wieder lautet das Argument, wenn wir es nicht machen, dann kommt die AfD.

Svenn Schulze hat sinngemäß ebenfalls deutlich gemacht, dass eine AfD Regierung in Sachsen-Aanhalt aus seiner Sicht verheerend wäre. Doch die Frage ist, überzeugt dieses Argument die Menschen noch? Oder empfinden viele Wähler diese Warnungen inzwischen als politischen Druck, als Versuch, jede Alternative moralisch zu delegitimieren? Denn die Realität ist, die AfD ist in Sachsenanhalt extrem stark.

Sie steht bei über 40%. Das kommt nicht aus dem Nichts. Das ist Ausdruck einer tiefen Unzufriedenheit mit der bisherigen Politik. Und wenn die etablierten Parteien darauf nur mit taktischen Manövern reagieren, statt sich ernsthaft zu fragen, warum so viele Menschen anders wählen, dann wird sich an dieser Entwicklung kaum etwas ändern.

Besonders spannend ist auch die Rolle der SPD. Sollte die SPD in Sachsenanhalt weiter verlieren und möglicherweise sogar aus dem Landtag fliegen, dann würden sich die Mehrheitsverhältnisse noch einmal komplett verschieben. Genau das macht diese Wahl so unberechenbar, denn wenn kleinere Parteien scheitern, verändert sich die Sitzverteilung massiv, dann kann aus einer starken AfD plötzlich eine noch stärkere parlamentarische Kraft werden.

Und dann steht die CDU vor einer Entscheidung, die sie bisher immer vermeiden wollte. Entweder hält sie ihre Brandmauer konsequent aufrecht und nimmt in Kauf, dass komplizierte Minderheitsmodelle entstehen. Oder sie muss irgendwann offen darüber sprechen, ob ihre bisherige Strategie überhaupt noch zur politischen Realität passt. Und genau deshalb ist Sachsenanhalt in diesem Jahr so wichtig.

Es geht nicht nur um ein Bundesland, es geht um die Frage, ob der bisherige Kurs der CDU überhaupt noch durchhaltbar ist. Es geht um Macht, Glaubwürdigkeit, Brandmauer, Unvereinbarkeitsbeschluss und um die Zukunft der politischen Mehrheiten in Ostdeutschland. Und das ist erst der Anfang. Aber Sachsenanhalt ist nur die eine Seite, denn auch in Mecklenburg Vorpommern wird gewählt und dort ist die Lage anders, aber nicht weniger brisant.

Schaut man auf die neuesten Umfragen, dann liegt die AfD dort bei etwa 36%. Das ist stark, sehr stark sogar. Aber im Vergleich zu Sachsen-Anhalt fehlen ihr dort einige Prozentpunkte. Die SPD dagegen hat sich wieder nach vorne gearbeitet und liegt inzwischen bei rund 27%. Das bedeutet, der Abstand zwischen AFD und SPD ist zwar noch deutlich, aber nicht uneinholbar.

9%punkte können in einem Wahlkampf viel sein. Sie können aber auch schnell schrumpfen, wenn die Stimmung kippt, wenn Themen dominieren, die einer Partei nutzen oder wenn ein Kandidat plötzlich an Glaubwürdigkeit gewinnt. Derzeit regiert in Mecklenburg Vorpommern noch ein rotrotes Bündnis aus SPD und Linkspartei.

Doch wenn die aktuellen Umfragen am Wahltag tatsächlich Realität werden, dann reicht es für dieses Bündnis wohl nicht mehr allein. PD und Linkspartei kämen zusammen nicht stabil genug über die Ziellinie. Gleichzeitig könnten Grüne, FDP und BSW aus dem Landtag verschwinden. Dann hätten wir möglicherweise ein Parlament mit nur vier Parteien und genau dann würde die CDU trotz ihrer Schwäche plötzlich eine Schlüsselrolle bekommen, denn die CDU liegt dort nur noch bei etwa 10%.

Das ist für eine einstige Volkspartei ein katastrophaler Wert. Aber selbst mit diesen 10 Prozent könnte sie am Ende entscheidend sein. Nicht weil sie stark ist, sondern weil sie gebraucht wird. Und hier beginnt das politische Dilemma. Die CDU könnte ein rotrotes Bündnis tolerieren, also eine Regierung aus SPD und Linkspartei stützen oder zumindest ermöglichen.

Doch auch das wäre wieder eine extreme Ausdehnung des Unvereinbarkeitsbeschlusses, denn offiziell will die CDU weder mit der AfD noch mit der Linkspartei zusammenarbeiten. Die Frage lautet also: Gilt dieser Beschluss wirklich noch oder gilt er nur so lange, wie er der CDU taktisch nützt? Viele CDU-Pitiker auf kommunaler und landespolitischer Ebene haben offenbar keine Lust mehr, diese Brandmauer wie eine Monstranz vor sich herzutragen, denn vor Ort erleben sie, dass Politik oft praktischer ist als Berliner Parteitagsbeschlüsse.

In Kommunen geht es um Straßen, Schulen, Haushalte, Energie, Sicherheit, Migration und Verwaltung. Da stimmen Parteien manchmal gemeinsam ab, weil eine Sache sachlich richtig ist. Und genau dadurch wird die Brandmauer immer löchriger. Nach außen wird sie zwar noch verteidigt, in Talkshows, Pressekonferenzen und Parteitagsreden klingt alles sehr eindeutig, aber in der politischen Praxis ist es längst komplizierter.

Immer wieder entstehen Situationen, in denen CDU, AfD oder Linkspartei bei einzelnen Fragen ähnlich abstimmen. Und je häufiger das passiert, desto schwerer wird es, den Wählern zu erklären, warum auf Landesebene angeblich jede Form von Annäherung ausgeschlossen sein soll. In Mecklenburg-Vorpommern könnte die CDU deshalb vor einer besonders heiklen Entscheidung stehen.

Toleriert sie weiterhin eine linke Regierung oder öffnet sie sich zumindest indirekt für ein anderes Modell? Eine AfD geführte Regierung wäre für die CDU Führung in Berlin natürlich ein politischer Albtraum. Doch wenn die AfD stärkste Kraft wird und die CDU gleichzeitig nur noch bei 10% liegt, dann stellt sich automatisch die demokratische Frage: Wie lange kann man den stärksten Wählerwillen ignorieren, ohne selbst weiter an Vertrauen zu verlieren? Und genau das ist der Punkt, der den Wahlkampf so explosiv macht.

Denn die CDU kann nicht ewig sagen, wir sind gegen die AfD, wir sind gegen die Linkspartei. Aber irgendwie wollen wir trotzdem regieren oder zumindest mitscheiden. Irgendwann muss sie erklären, was ihr wichtiger ist, der eigene Beschluss, die eigene Macht oder der Wille der Wähler. Auch die Basis der CDU wird nervöser.

Viele Mitglieder fragen sich, warum nach links immer wieder Ausnahmen möglich sind, während nach rechts jede Diskussion sofort verboten wird. Sie sehen, dass die Linkspartei offiziell ebenfalls unter den Unvereinbarkeitsbeschluss fällt. Trotzdem werden Tolerierungsmodelle mit der Linkspartei immer wieder diskutiert oder praktiziert.

Das wirkt auf viele Menschen widersprüchlich und genau daraus entsteht politischer Druck. Wenn CDU Verbände in Ostdeutschland merken, dass sie mit einer strickten Brandmauer weiter verlieren, dann wird der Ruf nach Kurskorrektur lauter. Vielleicht nicht sofort öffentlich, vielleicht nicht vor Kameras, aber intern ganz sicher. Deshalb sind Sachsen Anhalt und Mcklenburg Vorpommern mehr als normale Landtagswahlen.

Sie sind ein Testfall für die gesamte Union. Sie zeigen, ob die Bundes CDU ihre Linie den Landesverbänden weiterhin aufzwingen kann und sie zeigen, ob die Brandmauerstrategie in Regionen funktioniert, in denen die AFD längst stärkste Kraft ist. Denn eines ist klar, wenn die AfD in beiden Bundesländern deutlich gewinnt, dann reicht es nicht mehr, einfach nur Warnungen auszusprechen.

Dann muss die CDU erklären, wie sie dauerhaft Politik gegen große Teile der Wählerschaft machen will. Und genau hier liegt die eigentliche Gefahr für die Union. Nicht nur die AfD wird stärker, die CDU wird gleichzeitig schwächer, weil sie zwischen allen Stühlen sitzt. Sie will konservativ wirken, aber linke Tolerierungen nicht ausschließen.

Sie will klar wirken, aber ihre Beschlüsse werden immer flexibler interpretiert. Sie will staatstragend wirken, aber viele Bürger sehen darin nur noch Machttaktik. Mcklenburg Vorpommern könnte also der Ort werden, an dem diese Widersprüche offen ausbrechen. Wenn die CDU dort am Ende entscheiden muss, ob sie eine rotrote Regierung ermöglicht oder eine AfD geführte Regierung toleriert, dann wird sie nicht mehr ausweichen können.

Dann wird aus Theorie politische Realität, dann müssen die Karten auf den Tisch. Und genau deshalb wird dieser Wahlkampf so entscheidend. Und genau deshalb muss man diese Wahlen als Richtungsweisen betrachten. Sachsen-Anhalt und Mcklenburg Vorpommern sind nicht einfach nur zwei regionale Abstimmungen. Sie sind ein politischer Stresstest für die gesamte Bundesrepublik, denn hier entscheidet sich, ob die bisherige Strategie der CDU noch funktioniert oder ob sie endgültig an ihre Grenzen stößt.

Die Brandmauer war lange das zentrale Argument. Sie sollte Klarheit schaffen. Sie sollte zeigen, mit der AfD gibt es keine Zusammenarbeit. Gleichzeitig steht im Unvereinbarkeitsbeschluss aber auch die Linkspartei. Und genau hier beginnt der Widerspruch, den immer mehr Wähler sehen. Denn wenn die CDU nach rechts jede Öffnung ausschließt, nach links aber immer wieder über Tolerierung, Minderheitsregierung oder indirekte Unterstützung spricht, dann wirkt das nicht mehr konsequent, dann wirkt es selektiv. Und genau diese selektive

Moral ist für viele Menschen ein Grund, sich von der CDU abzuwenden. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD stärkste Kraft werden. In Mecklenburg Vorpommern könnte sie ebenfalls deutlich vorne liegen. In Berlin hat sie zwar keine realistische Chance mitzuregieren, aber auch dort könnte sie als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgehen.

Und allein das wäre schon ein politisches Signal, dass man nicht ignorieren kann. Denn wenn eine Partei in mehreren Bundesländern stärkste Kraft wird, dann reicht es nicht mehr, sie einfach nur auszugrenzen. Dann müssen sich die anderen Parteien fragen, warum so viele Bürger genau diese Partei wählen. Diese Frage wird aber viel zu selten ehrlich gestellt.

Stattdessen hört man immer wieder dieselben Erklärungen Protest, Frust, Angst, Desinformation. Natürlich mag davon manches eine Rolle spielen, aber das erklärt nicht, warum die Zahlen über Jahre hinweg steigen. Das erklärt nicht, warum Menschen bewusst sagen, wir wollen einen anderen Kurs. Und hier liegt das Problem der etablierten Parteien.

Sie behandeln den Wähler oft wie ein Risiko, nicht wie den Souveränen. Wenn das Ergebnis nicht passt, wird nicht die eigene Politik hinterfragt, sondern der Wähler. Und genau das treibt die Entfremdung weiter voran. Für die CDU ist diese Entwicklung besonders gefährlich, denn sie war über Jahrzehnte die Partei, die konservative, bürgerliche und staatstragende Wähler gebunden hat.

Doch viele dieser Wähler haben mittlerweile das Gefühl, dass die CDU ihre eigene politische Identität aufgegeben hat. In der Migrationspolitik wirkt sie unentschlossen. In der Energiepolitik trägt sie viele Entscheidungen mit, die ihre eigenen Wähler ablehnen. In der Wirtschafts- und Sozialpolitik erscheint sie oft wie eine Partei, die nur noch verwaltet.

Und beim Thema Brandmauer wirkt sie gefangen in einer Strategie, aus der sie kaum noch darauskommt, denn jede Bewegung in Richtung AfD würde einen Aufschrei in Medien, Speedd, Grünen und Teilen der eigenen Partei auslösen. Jede Bewegung in Richtung Linkspartei kostet aber konservative Glaubwürdigkeit. Genau das ist die Falle und diese Falle wird in Ostdeutschland besonders sichtbar.

Dort sind die Mehrheitsverhältnisse anders als im Westen. Die AfD ist nicht nur eine Protestpartei am Rand, sie ist in vielen Regionen längst eine zentrale politische Kraft. Wer dort Politik machen will, muss mit dieser Realität umgehen. Man kann sie ablehnen, man kann sie kritisieren, aber man kann sie nicht einfach wegdefinieren.

Wenn die CDU trotzdem so tut, als könne man dauerhaft gegen die stärkste Kraft regieren, dann wird sie selbst immer stärker als Teil des Problems wahrgenommen. Viele Bürger sehen dann nicht mehr eine Partei der Stabilität, sondern eine Partei, die demokratische Mehrheitsverhältnisse taktisch umgeht. Natürlich kann man sagen, auch Koalitionen gegen die stärkste Partei sind demokratisch legitim. Das stimmt.

In einem Parlament zählt die Mehrheit der Abgeordneten, aber politisch ist es trotzdem gefährlich, wenn dauerhaft gegen den klar erkennbaren Wählertrend regiert wird, denn dann entsteht das Gefühl, egal was wir wählen, am Ende machen die Parteien untereinander doch wieder alles aus. Und dieses Gefühl ist Gift für Vertrauen.

Deshalb ist der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU heute mehr als ein internes Parteidokument. Er ist zu einer Machtfrage geworden. Er entscheidet darüber, welche Regierungen möglich sind und welche nicht. Er entscheidet darüber, ob die CDU in bestimmten Ländern überhaupt noch eigene Optionen hat. und er entscheidet darüber, ob die Partei bereit ist, ihre Linie an neue Realitäten anzupassen oder weiter an alten Formeln festzuhalten.

In Mecklenburg Vorpommern könnte die Situation besonders absurd werden. Eine CDU mit rund 10% könnte darüber entscheiden, ob eine rotrote Regierung weiter regiert oder ob die AfD erstmals echte Regierungsperspektiven bekommt. Heißt, eine geschwächte Partei könnte plötzlich zum Zünglein an der Waage werden, aber diese Rolle ist gefährlich, denn wenn die CDU mit 10% eine linke Regierung ermöglicht, während die AfD mit deutlich über 30% außen vorbleibt, dann werden viele Wähler das als politische Blockade empfinden. Und die

CDU müsste erklären, warum sie lieber eine Linkspartei indirekt stützt, als über andere Mehrheiten nachzudenken. Genau hier wird die Debatte in der Union eskalieren. Die Bundesc wird versuchen, die Linie hart zu halten. Keine Zusammenarbeit mit der AfD, keine Aufweichung, keine Experimente. Doch die Landesverbände, besonders im Osten, stehen unter einem ganz anderen Druck.

Sie sehen die Umfragen. Sie sprechen mit ihren Mitgliedern. Sie erleben, wie die AfD in Gemeinden und Kreistagen längst Normalität geworden ist. Und irgendwann stellt sich die Frage, kann Berlin den ostdeutschen Landesverbänden dauerhaft vorschreiben, wie sie mit einer völlig anderen politischen Realität umgehen sollen. Das ist die zentrale Spannung.

Wenn die AfD in Sachsenanhalt noch zulegt, wenn die SPD schwächelt, wenn die Grünen und FDP keine Rolle spielen, dann wird das alte Parteiensystem dort praktisch neu sortiert. Und wenn in Mecklenburg Vorpommern ebenfalls nur wenige Parteien im Landtag bleiben, dann werden alle taktischen Spielräume enger. Dann kann die CDU nicht mehr nur sagen, was sie nicht will.

Dann muss sie sagen, was sie will. Will sie regieren, will sie tolerieren, will sie in die Opposition? Will sie mit der Linkspartei leben, will sie die Brandmauer halten, auch wenn sie dadurch politisch immer kleiner wird? Diese Fragen werden kommen und sie werden lauter werden. Und genau an diesem Punkt wird klar, warum diese Wahlen für die AfD, aber auch für die CDU so entscheidend sind.

Wenn es der AfD in Sachsen Anhalt oder Mecklenburg Vorpommern nicht gelingt, aus ihrer Stärke echte Machtoptionen zu machen, dann könnte sie ihre vielleicht größte Chance erst einmal verspielen, denn Umfragewerte allein verändern noch keine Politik. Stärkste Kraft zu werden ist ein Signal, aber regieren zu können ist eine ganz andere Frage.

Und genau hier liegt der große Test. Kann die AfD aus Zustimmung auch politische Gestaltungsmacht machen? Oder bleibt sie am Ende trotz hoher Zahlen isoliert? Für die CDU ist die Lage aber mindestens genauso gefährlich, denn sie kann nicht dauerhaft nur mit dem Argument arbeiten. Wir müssen die AfD verhindern. Irgendwann reicht dieses Argument nicht mehr.

Irgendwann fragen die Menschen und was ist euer eigener Plan? Was ist eure Vision? Was unterscheidet euch noch wirklich von SPD grün oder oder Linkspartei. Wenn ihr am Ende doch jede Konstruktion akzeptiert, solange sie gegen die AfD gerichtet ist, genau hier verliert die CDU ihre alte Stärke. Früher stand sie für Ordnung, Verlässlichkeit, konservative Werte, wirtschaftliche Vernunft und klare staatspolitische Linien.

Heute wirkt sie in vielen Fragen defensiv, taktische und getrieben. Sie reagiert statt zu führen. Sie warnt statt zu überzeugen. Sie grenzt aus statt Vertrauen zurückzugewinnen. Und genau deshalb schauen jetzt so viele Menschen auf Sachsen-Anhalt und Mecklenburg Vorpommern. In Sachsen-Anhalt könnte eine CDU geführte Minderheitsregierung entstehen, die sich von der Linkspartei tolerieren lässt.

In Mecklenburg Vorpommern könnte eine schwache CDU darüber entscheiden, ob eine rotrote Regierung weitermachen darf oder ob sich eine völlig neue Machtkonstellation bildet. Und in beiden Fällen steht derselbe Begriff im Raum, Unvereinbarkeitsbeschluss. Dieser Beschluss war einmal als klare Abgrenzung gedacht, doch jetzt wird er zur Belastungsprobe.

Denn wenn man ihn ernst nimmt, dann darf es weder nach rechts noch nach links politische Abhängigkeiten geben. Wenn man ihn aber nur flexibel interpretiert, dann verliert er seine Glaubwürdigkeit. Und genau das sehen viele Wähler. Sie sehen, dass nach links oft mit Begriffen wie Tolerierung, staatspolitische Verantwortung oder demokratische Stabilität gearbeitet wird.

Nach rechts dagegen wird jede Debatte sofort als Tabubruch dargestellt. Diese doppelte Logik kann man eine Zeit lang vertreten, aber je stärker die AfD wird, desto schwerer wird sie zu erklären. Und auch in Berlin wird man diese Entwicklung nicht ignorieren können. Selbst wenn die AfD dort nicht regiert, könnte sie bei einer Wahl stärkste Kraft werden.

Auch das hätte enorme Symbolkraft. Denn Berlin ist nicht irgendein Bundesland. Berlin ist Hauptstadt, Bühne, Machtzentrum und politisches Schaufenster zugleich. Wenn also in mehreren Ländern die AfD zur stärksten Kraft wird, dann verändert das die gesamte Debatte in Deutschland. Dann geht es nicht mehr nur um einzelne Landesverbände.

Dann geht es um die Frage, wie lange die bisherige Parteienarchitektur noch hält. Die kommenden Monate werden deshalb extrem spannend. Die CDU muss sich entscheiden, ob sie weiter an einer Brandmauer festhält, die in der Praxis immer brüchiger wird. Die SPD muss beweisen, ob sie überhaupt noch stark genug ist, um eigene Mehrheiten zu organisieren.

Die Linkspartei könnte trotz schwacher Werte plötzlich wieder zum Machtfaktor werden und die AfD muss zeigen, ob sie aus Umfrageerfolgen reale politische Optionen entwickeln kann. Das alles macht diese Landtagswahlen so explosiv, denn am Ende geht es nicht nur um Sachsen Anhalt, es geht nicht nur um Mcklenburg Vorpommern, es geht um eine Grundsatzfrage.

Werden Wahlergebnisse noch als Auftrag verstanden oder werden sie solange taktisch umgebaut, bis das Ergebnis politisch wieder in den alten Rahmen passt? Viele Bürger haben längst das Gefühl, dass Politik nicht mehr offen mit ihnen spricht. Sie hören vor der Wahl klare Ausschlüsse, nach der Wahl aber komplizierte Begründungen.

Sie hören Brandmauer, aber sehen Tolerierung. Sie hören Stabilität, aber erleben Stillstand. Und genau daraus entsteht Misstrauen. Wenn die etablierten Parteien dieses Misstrauen nicht ernst nehmen, wird es weiter wachsen. Nicht wegen einzelner Reden, nicht wegen einzelner Umfragen, sondern weil immer mehr Menschen glauben, dass ihre Stimme zwar gezählt, aber politisch nicht respektiert wird.

Und deshalb wird dieses Wahljahr zu einem Wendepunkt. Die CDU kann sich nicht ewig zwischen Brandmauer, Linksparteitolerierung und Machtanspruch hindurchlavieren. Irgendwann muss sie Farbe bekennen und wenn sie das nicht freiwillig tut, dann werden die Wahlergebnisse sie dazu zwingen. Die AfD wiederum steht vor der Frage, ob sie aus ihrer Stärke auch Verantwortung machen kann, denn Protest allein trägt vielleicht bis zur Wahlure.

Aber nach der Wahl beginnt die eigentliche Prüfung. Dann zählen Programme, Personal, Verhandlungen und politische Disziplin. Genau deshalb sollten wir diese Entwicklung sehr genau beobachten. Nicht hysterisch, nicht blind, nicht mit vorgefertigten Schlagworten, sondern nüchtern und aufmerksam.

Denn was in Sachsen Anhalt und Mecklenburg Vorpommern passiert, könnte zum Modell für viele weitere politische Konflikte in Deutschland werden. Und jetzt seid ihr gefragt, wie seht ihr diese Lage? Glaubt ihr, dass die CDU ihren Unvereinbarkeitsbeschluss weiterhalten kann oder wird der Druck in Ostdeutschland irgendwann so groß, dass die Brandmauer fällt? Schreibt eure Meinung unten in die Kommentare.

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