Die politische Kultur in Deutschland erlebt in diesen Tagen eine nie dagewesene Zerreißprobe. Wer das Geschehen im Deutschen Bundestag aufmerksam verfolgt, wird zunehmend Zeuge von hitzigen und unkontrollierten Gefechten, die weit über den üblichen parlamentarischen Schlagabtausch hinausgehen. Die Nerven der Volksvertreter liegen spürbar blank, die verbale Abrüstung scheint für viele Abgeordnete ein absolutes Fremdwort geworden zu sein. In einer kürzlich stattgefundenen Sitzung kulminierte diese hochgradig angespannte Atmosphäre in einem beispiellosen Eklat. Dieser Vorfall offenbarte nicht nur die massiven ideologischen Gräben innerhalb der fragmentierten Parteienlandschaft, sondern warf auch grundlegende Fragen zur Debattenkultur, zur demokratischen Repräsentation und zum strategischen Umgang mit der parlamentarischen Opposition auf. Im Zentrum des rhetorischen Sturms standen eine provokante Rede der Alternative für Deutschland, scharfe und deplatzierte Zwischenrufe aus den Reihen der Sozialdemokraten sowie eine Sitzungsleitung, die alle Hände voll zu tun hatte, um einen vollständigen Kontrollverlust im Plenum im allerletzten Moment abzuwenden.
Auslöser der massiven Turbulenzen war der Redebeitrag des AfD-Abgeordneten Martin Reichardt. In einer Zeit, in der Themen wie Feminismus, Gleichstellung und Geschlechterrollen in der Öffentlichkeit hochgradig emotionalisiert und polarisierend diskutiert werden, wählte Reichardt einen bewusst traditionellen, geradezu anachronistisch anmutenden Ansatz, um die gesellschaftspolitische Position seiner Partei zu verdeutlichen. Er bediente sich des klassischen, aus der maritimen Rettungsgeschichte weltweit bekannten Leitsatzes „Frauen und Kinder zuerst“. Reichardt interpretierte diesen Satz jedoch nicht etwa als Ausdruck einer veralteten patriarchalischen Überheblichkeit, sondern versuchte ihn als tief im menschlichen Überlebensinstinkt verankerte, biologische Notwendigkeit zu deklarieren. Seine Argumentation stützte sich maßgeblich darauf, dass Frauen als „Träger des Lebens“ einen unschätzbaren, ja existenziellen Wert für die Erhaltung der Menschheit und der Gesellschaft darstellten und daher eine primäre, uneingeschränkte Schutzbedürftigkeit genössen. Um seiner Argumentation zusätzliches Gewicht zu verleihen und geschickt einen Keil in die Reihen der Christdemokraten zu treiben, zitierte er explizit die konservative CDU-Publizistin Birgit Kelle. Diese hatte in der Vergangenheit eindringlich proklamiert, dass Mütter die wahre Zukunft und die Avantgarde der Gesellschaft seien – ohne sie gäbe es schlichtweg kein Leben.

Reichardt spitzte diese kontroversen Thesen in der Folge noch weiter zu, indem er die traditionelle Rolle des Mannes als alleinigen Beschützer und Versorger stark hervorhob. Er postulierte, dass es die natürliche und historische Aufgabe der Männer sei, die Sicherheit von Frauen und Kindern unter allen Umständen zu gewährleisten. Aus dieser strikten Rollenverteilung leitete er die politische Forderung ab, dass der Staat seine Schutzfunktion für Familien weitaus ernster nehmen und fördern müsse. Gleichzeitig warf er den links-grünen Fraktionen im Haus vor, genau diese männliche Identität systematisch dekonstruieren und den Männern ihre wahre Natur „aberziehen“ zu wollen. Diese frontale und scharfe Kritik am modernen Feminismus und an der aktuellen Gleichstellungspolitik verfehlte ihre aufrüttelnde Wirkung im Plenum erwartungsgemäß nicht. Die ohnehin hitzige Stimmung drohte vollends zu kippen, als Reichardt die linke Seite des Parlaments direkt ansprach und ihr vorwarf, das „Endstadium einer Degeneration“ zu repräsentieren. Solche Vokabeln überschreiten die feine Grenze des legitimen inhaltlichen Diskurses bei Weitem und dringen tief in den roten Bereich der persönlichen Herabwürdigung ein.
Inmitten dieses rhetorischen Trommelfeuers meldete sich schließlich die SPD-Kovorsitzende Saskia Esken mit einer gezielten Zwischenfrage zu Wort. Dieser Moment stellte zweifellos den rhetorischen Höhepunkt der emotionalen Debatte dar. Esken, sichtlich irritiert über das von Reichardt skizzierte Männer- und Frauenbild, zielte darauf ab, den AfD-Politiker argumentativ auf offener Bühne in die Enge zu treiben. Sie stellte eine so simple wie provokante Frage an das Rednerpult: Nachdem Reichardt wiederholt behauptet habe, man wolle den Männern in Deutschland ihre Männlichkeit aberziehen, wolle sie nun ganz konkret wissen, was ihn denn persönlich überhaupt als Mann ausmache. Es war der offensichtliche Versuch, den konservativen Familienpolitiker als realitätsfernen Macho zu entlarven, der hilflos in antiquierten Rollenklischees gefangen ist. Doch anstatt sich in theoretische Erklärungen über toxische oder traditionelle Männlichkeit zu verstricken, wählte Reichardt eine verblüffend persönliche, direkte und strategisch extrem clevere Antwort, die den Saal für einen Moment verblüffte.
Reichardt verwies offensiv auf seine Rolle als Vater von drei Kindern. Er betonte lautstark, dass er sich im Alltag keineswegs vor den Pflichten der modernen Kindererziehung drücke, sondern vom regelmäßigen Windelwechseln bis hin zu allen anderen familiären Aufgaben alles selbst übernehme. Er wies den Vorwurf des „patriarchalen Mumpitz“, den Esken ihm implizit unterstellt habe, entschieden von sich und erklärte kategorisch, dass ein derartiges Verhalten auch in seiner Fraktion keinen Platz habe. Doch er beließ es nicht bei der weichen Darstellung des fürsorglichen Familienvaters. Um den Bogen elegant zurück zu seiner ursprünglichen These der männlichen Schutzpflicht zu spannen, führte er seine berufliche Vergangenheit als hartes Argument ins Feld. Zwölf Jahre lang habe er als Offizier in der Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland treu gedient. In dieser Eigenschaft habe er sich bereit erklärt, im Zweifelsfall sein eigenes Leben für den Schutz des Landes und seiner Bürger – ausdrücklich auch für den persönlichen Schutz von Frau Esken – bedingungslos einzusetzen. Diese unerwartete Kombination aus gelebtem Familienalltag und absoluter militärischer Pflichterfüllung war rhetorisch derart geschickt konstruiert, dass sie die scharfe Kritik der SPD-Politikerin in diesem speziellen Moment weitgehend ins Leere laufen ließ.
Während das inhaltliche Duell zwischen Reichardt und Esken noch eine gewisse argumentative Substanz aufwies, entglitt der Sitzungsleitung in der unmittelbaren Folge zunehmend die Kontrolle über das Geschehen im Plenarsaal. Der Bundestag, der eigentlich als würdiger Ort des respektvollen, wenn auch harten Diskurses dienen sollte, glich zeitweise einem undisziplinierten Klassenzimmer, in dem die Lehrerin völlig die Autorität verloren hat. Ständige Zwischenrufe, lautes Gebrüll und gegenseitige Provokationen machten einen geordneten und zielführenden Ablauf der Sitzung nahezu unmöglich. Besonders negativ fiel in diesem Zusammenhang der erfahrene SPD-Abgeordnete Ralf Stegner auf, der seinem politischen Gegner völlig hemmungslos von den Rängen aus zurief: „Wer hat Ihnen den Verstand aberzogen?“ Eine derart persönliche und ehrverletzende Äußerung ist mit der Würde des Hohen Hauses in keiner Weise vereinbar und zwang die Sitzungsleitung zum sofortigen und resoluten Eingreifen. Die Präsidiumsmitglieder, unter anderem wurde im unmittelbaren Umfeld der Debatte auch auf das strenge Verhalten von CDU-Größen wie Julia Klöckner verwiesen, mussten mehrfach lautstark um absolute Ruhe bitten und schließlich formelle, harte Ordnungsrufe erteilen.
Es ist eine wahre Herkulesaufgabe für die amtierenden Bundestagspräsidenten und deren Stellvertreter, in einer derart fragmentierten, zerstrittenen und ideologisch stark polarisierten Parteienlandschaft die notwendige Contenance zu wahren. Die wiederholten, fast schon flehenden Ermahnungen an die Abgeordneten, sich an die demokratischen Regeln zu halten, das Wort ausschließlich nach Erteilung durch das Präsidium zu ergreifen und persönliche Diffamierungen strikt zu unterlassen, verhallten allzu oft ungehört in der Menge. Es musste mit Nachdruck klargestellt werden: „Nicht Sie sind hier der Sitzungsleiter, sondern ich!“ Solche markanten Sätze zeugen von einem immensen und besorgniserregenden Autoritätsverlust des Parlamentspräsidiums gegenüber den gewählten Volksvertretern. Wenn Abgeordnete derart dreist versuchen, selbst zu bestimmen, wann sie auf Zwischenfragen reagieren oder wann sie andere Redner willkürlich unterbrechen dürfen, untergräbt dies systematisch das Fundament der parlamentarischen Demokratie. Millionen Bürger an den heimischen Bildschirmen beobachten dieses fragwürdige Schauspiel mit einer Mischung aus völliger Fassungslosigkeit, Wut und resignierender Abwendung von der Politik.
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Parallel zu den chaotischen und beschämenden Szenen im Plenarsaal rückt zunehmend die allgemeine Strategie der Union, insbesondere in Person von Oppositionsführer Friedrich Merz und weiteren Führungskräften, in den Fokus der kritischen Betrachtung durch Beobachter und Bürger. Das begleitende Video und die umfangreichen Kommentare der politischen Analysten deuten auf ein weitreichendes, strukturelles Problem hin: Die fehlerhafte Art und Weise, wie die etablierten Parteien mit der AfD umgehen. Es ist in der Gesellschaft unbestritten, dass die Alternative für Deutschland inhaltlich stark polarisiert und immer wieder gezielt rhetorische Tabubrüche begeht, um mediale Aufmerksamkeit zu erzwingen. Dennoch empfinden unzählige Bürger die pauschale Reaktion von Merz und seinem bürgerlichen Lager als unangemessen, arrogant und in Teilen tief undemokratisch. Anstatt die AfD hart in der Sache argumentativ zu stellen und ihre inhaltlichen Widersprüche durch kluge Fakten sachlich zu entlarven, setzen viele CDU-Politiker auf eine sture Strategie der totalen Ausgrenzung und der permanenten moralischen Abwertung. Merz wirkt in seinen pausenlosen Angriffen auf die Opposition oft verbissen, extrem herablassend und von einer tiefen, fast schon blinden persönlichen Abneigung getrieben.
Diese ablehnende und herablassende Haltung stößt keineswegs nur bei den festen Sympathisanten der AfD auf großes Unverständnis. Auch zahlreiche Wähler der politischen Mitte, die mit den teils radikalen Positionen der Rechten absolut nichts anfangen können, erwarten in einer wehrhaften Demokratie einen grundlegenden, professionellen Respekt gegenüber allen demokratisch gewählten Fraktionen. Demokratie bedeutet per Definition, den friedlichen, wenngleich harten Streit der Meinungen auf einer sachlichen Ebene auszuhalten. Wer als potenzieller Kanzlerkandidat den absoluten Anspruch erhebt, eine tief gespaltene Gesellschaft wieder zu vereinen, darf niemals den Eindruck erwecken, politische Konkurrenten aus dem demokratischen Spektrum radikal und mundtot machen zu wollen. Ein echter, respektierter Staatsmann zeichnet sich durch innere Souveränität, rhetorische Schärfe in der Sache und vor allem durch Respekt im alltäglichen Umgang aus. Die ständige, fast reflexartige Abwertung der AfD ohne eine gleichzeitige, überzeugende Präsentation eigener, besserer Konzepte wird von vielen Wählern längst als intellektuelle Schwäche interpretiert. Es entsteht das fatale und demokratieschädigende Bild einer elitären politischen Kaste, die sich schlichtweg weigert, sich mit den realen Sorgen, Ängsten und Nöten der Bevölkerung auf Augenhöhe ernsthaft auseinanderzusetzen.
Betrachtet man die rhetorische Strategie, die hinter Reichardts kontroversem Auftritt steckt, so wird dem aufmerksamen Beobachter schnell klar, dass hier rein gar nichts dem Zufall überlassen wurde. Die gezielte Provokation durch die laute Beschwörung klassischer, konservativer Geschlechterrollen zielt exakt auf die empfindlichsten Nerven der modern geprägten, linksliberalen Gesellschaftsentwürfe. Indem die AfD die etablierten Konzepte von Feminismus und staatlicher Gleichstellung plakativ als “importierte Frauenverachtung” oder “feministische Geschlechterkampfrhetorik” diffamiert, versucht sie geschickt, sich als einzige wahre Beschützerin der Frau in einer vermeintlich gefährlich gewordenen Welt zu inszenieren. Diese durchdachte Argumentationslinie verknüpft unterschwellig integrationskritische Narrative mit der elementaren Frage der inneren Sicherheit und der familiären Stabilität. Für die politischen Gegner im Parlament ist dies ein hochgradig komplexes und gefährliches Minenfeld. Wer hier nur mit lauter Empörung und nicht mit messerscharfen, evidenzbasierten Argumenten reagiert, läuft geradewegs in die Falle und gibt genau das elitäre, abgehobene Bild ab, das die Populisten so gerne für ihre eigene Wählermobilisierung zeichnen. Der Zwischenruf von Saskia Esken war zwar ein tapferer, demokratischer Versuch, Reichardt auf persönlicher Ebene zu entzaubern, doch zeigte seine gut vorbereitete und emotional hoch aufgeladene Antwort überdeutlich, wie unfassbar schwer es ist, gegen ein geschlossenes ideologisches Weltbild im Format eines kurzen parlamentarischen Schlagabtauschs erfolgreich anzukommen.
Der historisch behaftete Satz “Frauen und Kinder zuerst”, den Reichardt so prominent in das Zentrum seiner viel beachteten Rede stellte, ist geschichtlich betrachtet ein eiserner Verhaltenskodex, der insbesondere bei der dramatischen Evakuierung sinkender Schiffe im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert konsequent angewendet wurde. Dass er nun im 21. Jahrhundert im Deutschen Bundestag als ernsthaftes Argument für zeitgemäße Gesellschaftspolitik herangezogen wird, markiert einen eklatanten, rückwärtsgewandten rhetorischen Rückgriff. Für scharfe Kritiker zeigt dies unmissverständlich den klaren Willen der AfD, die hart erkämpfte Emanzipation der letzten Jahrzehnte und die mühevolle Dekonstruktion starrer Geschlechtergrenzen schrittweise wieder rückgängig zu machen. Reichardt argumentiert stattdessen unerbittlich, dass wahre, ehrliche Gleichberechtigung die unumstößlichen biologischen und evolutionären Unterschiede von Mann und Frau nicht ideologisch leugnen dürfe. Das gesellschaftliche Spannungsfeld zwischen diesen beiden völlig konträren Weltsichten ist enorm und reißt tiefe Gräben auf. Während die eine politische Seite die völlige Befreiung von jeglichen Rollenerwartungen als höchsten Freiheitsgewinn der Neuzeit feiert, empfindet die andere Seite genau diese rasante Entwicklung als bedrohlichen gesellschaftlichen Zerfall. Wenn der Bundestag der zentrale Ort sein soll, an dem diese tiefgreifenden, existenziellen Konflikte stellvertretend für die Bevölkerung konstruktiv ausgetragen werden, dann muss jedoch der Rahmen des Anstands zwingend stimmen. Maßlose Beleidigungen wie “Verlust des Verstandes” oder ständiges, undiszipliniertes Dazwischenbrüllen zeugen keinesfalls von einer intellektuellen Überlegenheit des Arguments, sondern spiegeln lediglich die blanke Ohnmacht angesichts einer für viele als unerträglich empfundenen Weltanschauung wider.

Die dramatischen Auswirkungen solcher wiederkehrenden parlamentarischen Ausgleisungen auf die gesamte Gesellschaft dürfen unter keinen Umständen unterschätzt werden. Der Bundestag besitzt als höchstes demokratisches Gremium eine immense, identitätsstiftende Vorbildfunktion für das ganze Land. Wie können engagierte Lehrer in den Schulen von ihren jungen Schülern einen respektvollen Umgang und das strikte Einhalten von Gesprächsregeln einfordern, wenn die höchsten Repräsentanten des Staates vor laufenden Fernsehkameras und Livestreams fast täglich genau das toxische Gegenteil vorleben? Der extrem raue Ton aus dem Plenarsaal sickert schleichend, aber unaufhaltsam in die alltägliche Kommunikation der Bürger ein – ob an den Diskussionen der Stammtische, in den hitzigen Pausenhöfen oder vor allem in den anonymen, oft hasserfüllten Weiten der sozialen Netzwerke. Die politische Sprache verroht zusehends, und mit ihr verroht schleichend auch das gesamte soziale Miteinander. Die Unfähigkeit, dem politischen Gegner auch nur eine Minute zuzuhören, ohne ihn unmittelbar moralisch zu diskreditieren oder niederzuschreien, spaltet langjährige Freundeskreise und zerreißt intakte Familien am Küchentisch. Wenn die nationale Politik nur noch in den radikalen Kategorien „Gut“ und „Böse“ denkt, geht die so wertvolle, ausgleichende Mitte komplett verloren, in der in Deutschland traditionell die besten demokratischen Kompromisse für den Wohlstand geschmiedet wurden. Millionen Bürger fühlen sich zunehmend heimatlos und unverstanden in einem politischen System, das den konstruktiven, lösungsorientierten Dialog zugunsten von lauter, kurzlebiger Effekthascherei scheinbar vollständig aufgegeben hat.
Auch die gewichtige Rolle der modernen Medien bei der rasanten Eskalation solcher Debatten muss zwingend und kritisch hinterfragt werden. In einer schnelllebigen Aufmerksamkeitsökonomie, in der Klickzahlen, Likes und maximale Reichweite die dominierenden, alles entscheidenden Währungen sind, werden genau solche Eklats unverhältnismäßig stark in den medialen Fokus gerückt. Die ruhige, sachliche und oft zähe Ausschussarbeit, die hinter den Kulissen den absoluten Großteil der tatsächlichen politischen Arbeit und Gesetzgebung ausmacht, bleibt für den Bürger völlig im Verborgenen. Stattdessen dominieren die lauten, schrillen und emotionalen Töne die tägliche Berichterstattung. Kurze Videosequenzen, in denen hochbezahlte Abgeordnete sich hemmungslos anbrüllen, werden innerhalb von Minuten millionenfach geteilt, geliked und hitzig kommentiert. Dies schafft auf fatale Weise einen toxischen Anreiz für Politiker aller Couleur, nicht mehr durch inhaltliche Brillanz und kluge Konzepte, sondern ausschließlich durch maximale Provokation und Lautstärke aufzufallen. Jeder gezielte Zwischenruf, jede kalkulierte persönliche Beleidigung wird so zu einer bewussten, bühnenreifen Inszenierung für das abendliche Nachrichtenformat oder das virale TikTok-Video. Um diesen gefährlichen Teufelskreis zu durchbrechen, bedarf es in Zukunft nicht nur einer strikteren Disziplinierung der Abgeordneten durch das Präsidium, sondern auch eines veränderten Medienkonsums der Bürger, der Sachlichkeit honoriert und reinem politischen Krawall die unverdiente Aufmerksamkeit konsequent entzieht. Solange jedoch laute Empörung die einfachste und sicherste Methode ist, um mediale Präsenz zu generieren, wird der Bundestag immer häufiger als billige Bühne für unwürdige Schauspiele missbraucht werden.
Zusammenfassend lässt sich mit großer Sorge festhalten, dass dieser dokumentierte Vorfall ein alarmierendes, trauriges Lehrstück über den desolaten Zustand der politischen Kommunikation in Deutschland ist. Die Sitzungsleitung, die Vertreter der amtierenden Regierungskoalition, die Oppositionsführer und nicht zuletzt die Abgeordneten der AfD selbst tragen jeweils auf ihre ganz eigene, destruktive Weise maßgeblich dazu bei, dass der Bundestag sich in rasendem Tempo zunehmend von der echten Lebensrealität der Menschen auf der Straße entfremdet. Wenn der parlamentarische Austausch nur noch der Produktion von kurzen, maximal polarisierenden Videoclips für die sozialen Netzwerke dient, bleibt die ernsthafte, harte Arbeit an echten Lösungen für die drängenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes unweigerlich auf der Strecke. Die Bürger dieses Landes erwarten völlig zu Recht von ihren gewählten, gut bezahlten Vertretern unbedingte Ernsthaftigkeit, persönliche Würde und einen unerschütterlichen Lösungswillen. Ein durchschaubares politisches Theaterstück, in dem es primär um die persönliche und moralische Diskreditierung des Gegenübers geht, wird auf Dauer die hart erkämpften demokratischen Institutionen unwiderruflich aushöhlen und zerstören. Es bedarf einer sofortigen und radikalen Kurskorrektur in Berlin – hin zu weitaus mehr inhaltlicher Tiefe, einem souveränen und erwachsenen Umgang mit politischem Dissens und einer echten, respektvollen Streitkultur, die den Namen Demokratie auch wirklich verdient.
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