„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand behalten.“ Mit diesem berüchtigten Zitat von Walter Ulbricht aus der Frühzeit der DDR eröffnete eine kürzlich gehaltene Rede im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Debatte, die an Brisanz kaum zu überbieten ist. In einer Zeit, in der sich Deutschland ohnehin in einem Zustand tiefer politischer Spaltung befindet, wirken diese Worte wie ein Brandbeschleuniger. Sie werfen ein grelles Licht auf die aktuellen Ereignisse rund um das viel diskutierte „Potsdam-Treffen“ und die Rolle des Medienhauses Korrektiv. Was vordergründig als investigative Glanzleistung verkauft wurde, entpuppt sich bei näherer Betrachtung für viele Beobachter als ein politisch motivierter Feldzug, der die Grundfesten des demokratischen Miteinanders erschüttert.

Der Kern des Konflikts liegt in der Frage, wie weit der Staat und staatsnahe Organisationen gehen dürfen, um missliebige politische Strömungen zu bekämpfen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein privates Treffen von Unternehmern, CDU-Mitgliedern und AfD-Politikern soll von Aktivisten bespitzelt, abgehört und sogar verwanzt worden sein. Dass solche Methoden, die man sonst eher Geheimdiensten in autoritären Regimen zuschreibt, nun im Rahmen einer journalistischen Recherche in Deutschland Anwendung finden, sorgt für Entsetzen. Ist die Pressefreiheit hier zum Deckmantel für eine staatlich geförderte Bespitzelung der Opposition geworden?

Besonders pikant ist die Finanzierung von Korrektiv. Kritiker weisen darauf hin, dass die Organisation kein unabhängiges Medienhaus im klassischen Sinne ist. Mit Zuwendungen in Millionenhöhe aus dem Bundeshaushalt, unter anderem durch das Ressort von Claudia Roth, sowie Spenden aus dem Umfeld der SPD und von grün-nahen Stiftungen wie Mercator, entsteht der Eindruck eines „Bestelljournalismus“. Wenn die Regierung diejenigen bezahlt, die ihre schärfsten Kritiker überwachen, dann gerät das Prinzip der Gewaltenteilung und der neutralen Berichterstattung ins Wanken. Die Rede im Landtag bezeichnete Korrektiv daher unverblümt als „linke Organisation zur Bekämpfung politischer Gegner“, die von linksextremen Aktivisten wie Jean Peters umgesetzt wird. Peters ist kein Unbekannter; er fiel bereits in der Vergangenheit durch tätliche Angriffe auf Politiker und Verwicklungen in politische Skandale auf.

Doch warum greift das Establishment zu solch drastischen Mitteln? Die Antwort liegt für viele in den nackten Zahlen der Wahlumfragen. Mit Werten zwischen 32 und 36 Prozent in den ostdeutschen Bundesländern und einem stabilen Rückhalt auf Bundesebene ist die AfD zur existenziellen Bedrohung für die etablierten Parteien geworden. Die Angst vor dem Machtverlust scheint so groß zu sein, dass man nun über Parteiverbote und den Entzug von Grundrechten für einzelne Oppositionspolitiker wie Björn Höcke nachdenkt. In der Landtagsdebatte wurde dies scharf kritisiert: Während man Terroristen und Schwerverbrechern ihre Grundrechte lässt, will man sie dem politischen Gegner entziehen, um dessen Wahlsieg zu verhindern. Dies wird als „demokratische Selbstreinigung“ von der einen und als „diktatorischer Selbsterhalt“ von der anderen Seite wahrgenommen.

Ulrich Siegmund: "TikTok-Posterboy" der AfD | MDR.DE

Ein weiterer Punkt der Debatte ist die rhetorische Doppelmoral. Während die AfD für Begriffe wie „Remigration“ medial hingerichtet wird, verwenden Spitzenpolitiker der Altparteien ähnliche Vokabeln, ohne dass ein Aufschrei erfolgt. Bundeskanzler Olaf Scholz forderte im „Spiegel“ Abschiebungen „im großen Stil“ und verwendete in der englischen Ausgabe sogar mehrfach das Wort „deportation“. Innenministerin Nancy Faeser schlug die Abschiebung von Clan-Mitgliedern vor, selbst wenn diese nicht straffällig geworden sind – eine Form der Sippenhaft, die rechtlich höchst umstritten ist. Auch CDU-Politiker wie Jens Spahn brachten die Verbringung von Flüchtlingen nach Ruanda ins Gespräch. Dass diese Forderungen als legitim gelten, während ähnliche Überlegungen der AfD als „Geheimplan gegen Deutschland“ geframt werden, empfinden viele Bürger als unredlich.

Die Rolle der sogenannten „Systempresse“ steht ebenfalls in der Kritik. Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF werden beschuldigt, durch einseitige Berichterstattung und die gezielte Auswahl von Interviewpartnern – teilweise aus den eigenen Reihen auf Demonstrationen – eine künstliche Empörungswelle zu erzeugen. Der Vorwurf der „Zensur, Diffamierung und Fakes“ steht im Raum. Wenn Journalisten des MDR in ihrer Freizeit Kleidung mit der Aufschrift „F*ck AfD“ tragen, fällt es schwer, an die geforderte Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu glauben. Diese Einseitigkeit führt dazu, dass immer mehr Bürger das Vertrauen in die klassischen Medien verlieren und sich alternativen Informationsquellen zuwenden.

Die CDU, die sich unter Friedrich Merz eigentlich als bürgerliches Bollwerk positionieren wollte, wirkt in dieser Gemengelage oft orientierungslos. Anstatt den medienpolitisch instrumentalisierten Angriffen entgegenzutreten, bläst sie oft in dasselbe Horn wie die linksextremen Aktivisten. Dass bei dem besagten Treffen in Potsdam mehr CDU-Mitglieder als AfD-Vertreter anwesend waren, wird dabei geflissentlich ignoriert. Warum wird nur gegen die AfD ein Verbotsverfahren diskutiert, wenn die Teilnehmerliste doch parteiübergreifend war? Die Logik der „Kontaktschuld“ scheint nur in eine Richtung zu funktionieren.

Journalismus selbst gilt nicht als gemeinnützig

Letztendlich wird die Entscheidung nicht in den Redaktionsstuben oder in den Hinterzimmern der Parlamente fallen, sondern an der Wahlurne. Die Bürger lassen sich, so der Tenor der Landtagsrede, nicht für dumm verkaufen. Sie sehen den Widerspruch zwischen einer Regierung, die das eigene Land zunehmend deindustrialisiert und die Sicherheit opfert, und einer Opposition, die genau diese Missstände anspricht. Die Drohung, Abgeordnete der Altparteien mit „vielen großen Umzugskartons“ aus den Parlamenten zu jagen, ist Ausdruck eines tiefen Grolls, der in weiten Teilen der Bevölkerung schwelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kampagne rund um Korrektiv möglicherweise genau das Gegenteil dessen bewirkt, was sie beabsichtigt hat. Anstatt die AfD zu schwächen, hat sie die Gräben vertieft und die Anhänger der Partei in ihrem Misstrauen gegenüber dem Staat und den Medien bestärkt. Die Frage nach der Verfassungskonformität muss auf einer faktenbasierten Ebene geklärt werden, nicht auf der Basis von „Hören-Sagen“ und heimlich aufgezeichneten Gesprächen ohne ordentliche Quellen. Deutschland steht an einem Scheideweg: Kehren wir zurück zu einer fairen, demokratischen Auseinandersetzung, oder lassen wir zu, dass Überwachung und Diffamierung zum neuen Standard der politischen Auseinandersetzung werden? Die kommenden Wahlen werden die Antwort auf diese Schicksalsfrage liefern. Eines ist sicher: Der Kampf um die Deutungshoheit hat gerade erst begonnen, und die „Würde und Moral“, von der im Landtag gesprochen wurde, wird am Ende der Maßstab sein, an dem alle Beteiligten gemessen werden.