Es ist ein Gefühl der totalen emotionalen und gesellschaftlichen Erschöpfung, das sich derzeit wie ein dunkler Schleier über unser Land legt. Die Hiobsbotschaften scheinen einfach nicht mehr abzureißen. Gerade erst hat die grausame Gewalttat in Leipzig die Republik in Atem gehalten und tiefe Wunden in das kollektive Sicherheitsgefühl geschlagen, da erreicht uns bereits die nächste schockierende Nachricht. Eine Nachricht, die einem förmlich das Blut in den Adern gefrieren lässt, weil sie alle Alpträume von Eltern, Geschwistern und ganz normalen Bürgern auf brutalste Weise wahr werden lässt. Im bayerischen Memmingen hat sich eine Tragödie abgespielt, die in ihrer Sinnlosigkeit und in ihren systemischen Hintergründen kaum zu fassen ist. Ein erst 14-jähriger Junge namens Germain wurde jäh und gewaltsam aus dem Leben gerissen. Was bleibt, ist nicht nur die bodenlose Trauer der Hinterbliebenen, sondern auch ein Land, das fassungslos auf die Trümmer seiner eigenen Asyl- und Sicherheitspolitik blickt.

Die Details dieses Falles, über die unter anderem die „Bild“-Zeitung ausführlich berichtete, lesen sich wie das Drehbuch eines vorhersehbaren und dennoch ungehindert ablaufenden Dramas. Der mutmaßliche Mörder des kleinen Germain ist ein 37-jähriger Mann, dessen Lebensweg in Deutschland ein eklatantes Licht auf die Schwachstellen unseres Rechtssystems wirft. Er war ein abgelehnter Asylbewerber. Sein Antrag auf Schutz in unserem Land wurde nach rechtsstaatlichen Kriterien geprüft und negativ beschieden. Eigentlich hätte dies bedeuten müssen, dass sein Aufenthalt in Deutschland endet. Doch hier greift ein bürokratischer Mechanismus, der sich in der Praxis immer wieder als fatale Schwachstelle erweist: Die sogenannte Duldung. Da die Nationalität und die Identität des Mannes ungeklärt waren, konnte oder wollte der Staat ihn nicht in sein Heimatland zurückführen. Er durfte bleiben – nicht aus einem verbrieften Recht heraus, sondern aus purer verwaltungstechnischer Resignation.

Dieser rechtliche Schwebezustand, die Duldung trotz ungeklärter Herkunft, ist kein neues Phänomen. Es ist ein offenes Geheimnis, das in der politischen Debatte oft verharmlost oder mit Verweis auf komplizierte internationale Abkommen beiseite gewischt wird. Doch in Memmingen hat diese bürokratische Praxis nun einen ultimativen, irreversiblen Preis gefordert. Der 37-Jährige, der eigentlich gar nicht mehr hier sein sollte, nahm laut den Ermittlungen einem Teenager die Zukunft. Die Spirale der Gewalt endete erst, als die Polizei einschreiten musste und der mutmaßliche Täter schließlich selbst von den Beamten erschossen wurde. Zwei Menschen sind tot, eine Familie ist für immer zerstört, und eine ganze Stadt steht unter Schock. Doch das Echo dieser Tat reicht weit über die Grenzen von Memmingen hinaus. Es trifft den Nerv unserer gesamten Gesellschaft.

Wenn man diese Nachrichten liest, stellt sich unweigerlich eine tiefe persönliche Betroffenheit ein. Es ist nicht einfach nur ein abstrakter Kriminalfall in einer weit entfernten Stadt. Für viele Menschen rückt das Grauen bedrohlich nah heran. Stellen Sie sich vor, Sie leben in der unmittelbaren Umgebung eines solchen Tatortes. Die Straßen, auf denen Sie einkaufen gehen, die Wege, auf denen Kinder zur Schule radeln, werden plötzlich zu Orte der Unsicherheit. Wer selbst Geschwister hat, wer vielleicht einen Bruder hat, der wie Germain in wenigen Monaten seinen 14. Geburtstag feiern soll, den trifft diese Nachricht mit voller Wucht ins Herz. Wie soll man da nicht in Panik geraten? Wie soll man abends ruhig einschlafen, wenn man weiß, dass das System Menschen im Land belässt, deren Identität wir nicht kennen, deren Hintergrund im Dunkeln liegt und die im schlimmsten Fall zu tickenden Zeitbomben werden?

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Das Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist die körperliche Unversehrtheit und die Sicherheit seiner Liebsten. Es ist die fundamentalste Aufgabe eines jeden Staates, genau diese Sicherheit zu gewährleisten. Der Gesellschaftsvertrag basiert auf dem Versprechen: Der Bürger gibt einen Teil seiner Freiheiten auf und zahlt Steuern, dafür schützt ihn der Staat und erhält das Gewaltmonopol aufrecht. Doch Fälle wie jener in Memmingen zersetzen dieses elementare Vertrauen wie eine aggressive Säure. Wenn ein geduldeter, abgelehnter Asylbewerber mit ungeklärter Identität jahrelang unbehelligt durch die Maschen des Systems rutscht und diese Nachlässigkeit schließlich in einem Tötungsdelikt an einem Kind mündet, dann hat der Staat seinen Teil des Vertrages gebrochen. Es ist eine harte, bittere Erkenntnis, doch wir dürfen die Augen davor nicht verschließen.

Die Reaktionen auf diese Tat sind geprägt von einer Mischung aus lähmendem Entsetzen und brennender Wut. Es ist die Ohnmacht des einfachen Bürgers, der zusehen muss, wie politische Versäumnisse reale, blutige Konsequenzen haben. Immer wieder hören wir nach solchen Taten dieselben ritualisierten Phrasen aus der Politik. Es wird Betroffenheit geheuchelt, es werden schnelle Aufklärungen versprochen, und es wird davor gewarnt, den Vorfall politisch zu instrumentalisieren. Doch diese hohlen Worte wirken mittlerweile wie ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Die Menschen haben es satt, mit Beschwichtigungen abgespeist zu werden. Sie wollen keine warmen Worte, sie wollen konkrete Taten. Sie wollen Antworten auf die drängenden Fragen: Warum wird es Täuschern so leicht gemacht, ihre Identität zu verschleiern? Warum wird das Fehlen von Papieren de facto mit einem Bleiberecht belohnt? Und wann endlich zieht der Rechtsstaat die notwendigen Konsequenzen, um seine eigenen Bürger zu schützen?

Die Tragödie von Memmingen darf nicht einfach als weitere traurige Randnotiz in den Archiven der Polizeistatistik verschwinden. Sie muss ein unübersehbarer Weckruf sein. Ein Weckruf an eine Politik, die sich allzu oft in ideologischen Wolkenkuckucksheimen verliert, anstatt sich der rauen Realität auf den Straßen zu stellen. Das ständige Tolerieren von Rechtsbrüchen, das Wegschauen bei ungeklärten Identitäten und die fehlende Konsequenz bei Abschiebungen von abgelehnten Bewerbern schaffen einen Nährboden für Kriminalität und Gewalt. Es geht hier nicht um mangelnde Empathie gegenüber echten Flüchtlingen, die Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen. Es geht um die Wahrung des Rechtsstaates und den Schutz der eigenen Bevölkerung vor denen, die unser System ausnutzen und unsere Gastfreundschaft mit Füßen treten.

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Wenn wir nicht wollen, dass die Angst unser ständiger Begleiter wird, müssen wir unbequeme Debatten führen. Wir müssen fordern, dass Gesetze nicht nur auf dem Papier existieren, sondern mit aller Härte und Entschlossenheit durchgesetzt werden. Wer kein Recht auf Asyl hat und wer seine Identität verschleiert, darf nicht durch ein ewiges Duldungs-Karussell belohnt werden. Die Sicherheit unserer Kinder, unserer Geschwister und unserer Freunde muss immer, ohne Wenn und Aber, die absolute Priorität haben. Der 14-jährige Germain hatte sein ganzes Leben noch vor sich. Seine Träume, seine Hoffnungen und seine Zukunft wurden ihm auf grausame Weise genommen. Es ist unsere verdammte Pflicht als Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass sein Tod nicht umsonst war. Wir schulden es ihm und allen anderen Opfern dieses versagenden Systems, dass endlich ein Umdenken stattfindet. Wir brauchen einen Staat, der handelt, der beschützt und der den Mut hat, sich selbst und seine Bürger ernst zu nehmen. Denn nur so können wir das Gefühl der Sicherheit zurückgewinnen, das uns derzeit mehr und mehr abhandenkommt.