Es ist ein Szenario, das noch vor wenigen Jahrzehnten als absolut undenkbar galt, doch heute mit erschreckender Präzision und unaufhaltsamer Wucht zur gnadenlosen Realität wird. Eine regelrechte Arbeitslosenbombe steht kurz vor der Detonation, und ihr vernichtender Sprengradius umfasst das absolute Herzstück der deutschen Wirtschaft: die Automobilindustrie. Wir sprechen hier längst nicht mehr über abstrakte Zukunftsvisionen, über milde Konjunkturdellen oder kleine, verschmerzbare Korrekturen an einem ansonsten robusten Arbeitsmarkt. Nein, es geht um die nackte Existenz, um den Wohlstand und die Lebensgrundlage unzähliger Familien. Es geht um über 200.000 Jobs. Menschen, die seit Jahrzehnten stolz darauf sind, den “Motor der Nation” am Laufen zu halten, blicken nun in den Abgrund einer tiefgreifenden und schmerzhaften Ungewissheit.

Das Schockierende und zugleich Tragische an dieser aktuellen Entwicklung ist jedoch nicht allein die schiere Zahl der betroffenen und bedrohten Arbeitsplätze. Es ist vielmehr die Art und Weise, wie und warum dieser beispiellose Verlust vonstattengeht. Diese Arbeitsplätze werden in den kommenden Jahren voraussichtlich komplett wegfallen – doch sie lösen sich nicht einfach in Luft auf. Sie werden nicht etwa wegrationalisiert, weil die Welt keine Autos mehr braucht. Sie werden schlichtweg aus Deutschland abgezogen und in andere Länder verlagert. Es ist eine schleichende, unübersehbare und politisch geduldete Deindustrialisierung, bei der wertvolle Wertschöpfung in Regionen abwandert, in denen wirtschaftlicher Pragmatismus noch Vorrang vor starren politischen Ideologien hat. Es ist geradezu unfassbar, mit welcher Gleichgültigkeit dieser massive Aderlass von den politischen Entscheidern in Kauf genommen wird.
Wie das Magazin “Tichys Einblick” kürzlich sehr eindringlich und fundiert berichtete, verdeutlichen neue Schätzungen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) das ganze Ausmaß der drohenden wirtschaftlichen Katastrophe. Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbandes, musste schonungslos einräumen, dass mit einem schockierenden Verlust von 225.000 Arbeitsplätzen in der Autoindustrie zu rechnen ist – und das bereits bis zum Jahr 2035. Das ist mehr als eine Viertelmillion Menschen, deren berufliche Zukunft systematisch aufs Spiel gesetzt wird. Doch die Rolle des VDA in diesem nationalen Wirtschaftsdrama ist mehr als fragwürdig und steht zu Recht massiv in der Kritik.
Anstatt sich als starkes, unerschütterliches Schutzschild für die heimische Industrie, für die mittelständischen Zulieferer und vor allem für die hart arbeitenden Menschen am Fließband zu positionieren, wird dem Verband eine besorgniserregende, fast schon devote Passivität vorgeworfen. Solange der VDA bedingungslos an dem politisch forcierten Mantra der “klimaneutralen Mobilität” festhält, anstatt gegen diese in ihren wirtschaftlichen Auswirkungen vollkommen falsche und zerstörerische Politik mutig zu opponieren, macht er sich mitverantwortlich. Wer aus politischer Korrektheit oder aufgrund einer Ideologie kompromisslos gehorcht, anstatt für die fundamentalen und lebenswichtigen Interessen seiner Mitglieder einzustehen, trägt eine unbestreitbare Mitschuld an dieser Krise. Er ist Teil dieses ganzen Desasters, das sich Tag für Tag weiter entfaltet. Tichys Einblick bringt es treffend auf den Punkt, und klarer kann man den Zustand unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Debatte kaum zusammenfassen.

Dass diese dramatischen Prognosen keine unbegründete Schwarzmalerei oder Panikmache sind, beweist ein nüchterner Blick auf die aktuellen Bilanzen und Prognosen der großen, weltbekannten deutschen Vorzeigekonzerne. Wir werden – und das ist keine düstere Prophezeiung für eine ferne, abstrakte Zukunft, sondern bereits heute bittere und greifbare Realität – bei Branchenriesen wie Volkswagen (VW) und vielen anderen etablierten Autobauern noch viel größere Gewinneinbrüche erleben. Die goldenen Jahre, in denen die deutsche Automobilindustrie schier unaufhaltsam von Exportrekord zu Exportrekord eilte und als unangefochtener Weltmeister der Ingenieurskunst galt, scheinen endgültig vorbei zu sein. Die Abwärtsspirale dreht sich mit zunehmender Geschwindigkeit.
Es wird nun unweigerlich darauf hinauslaufen, dass die ersten großen und bisher als unverwundbar geltenden Player ins finanzielle Minus kippen. Unternehmen, die über Jahrzehnte hinweg als unerschütterliche Säulen des deutschen Wohlstands, der sozialen Marktwirtschaft und der Steuerfinanzierung galten, werden bald gar keinen nennenswerten Gewinn mehr erwirtschaften. Diesen erschreckenden Trend haben wir bereits bei einigen anderen großen Wirtschaftsriesen, etwa in der Chemie- oder Schwerindustrie, schmerzlich beobachten müssen. Der einst so stolze “Made in Germany”-Stempel verliert im Angesicht horrender Energiekosten, einer geradezu erdrückenden Bürokratie und ideologisch getriebener Restriktionen massiv an Strahlkraft und Wettbewerbsfähigkeit. Die Gewinne brechen weg, die dringend benötigten Investitionen für die Zukunft fließen in attraktivere, renditestärkere und unternehmensfreundlichere Märkte im Ausland. Zurück bleibt eine heimatliche Industrielandschaft, die wie ein ausgetrockneter Flusslauf langsam, aber sicher auszubluten droht. Die Konsequenzen für den Mittelstand, für zahllose Zulieferbetriebe und Handwerker, die direkt oder indirekt am Tropf dieser Giganten hängen, sind noch gar nicht vollständig absehbar.
Die politische Flankierung dieses beispiellosen Niedergangs ist ein weiteres, tief deprimierendes Kapitel in diesem Trauerspiel um den Standort Deutschland. Diese fatale Entwicklung wird durch den fast religiösen Eifer der sogenannten Klimaneutralität nicht etwa gebremst oder sinnvoll moderiert, sondern im Gegenteil weiter beschleunigt und für die Zukunft zementiert. Ein besonders tragisches und warnendes Beispiel hierfür liefert ausgerechnet das Bundesland Baden-Württemberg. Jenes Bundesland, das weltweit als das Autoland schlechthin bekannt ist, die Heimat von Mobilitätspionieren, Tüftlern und stolzen Weltmarktführern. Unter der Führung der grün-schwarzen Landesregierung wird dieser restriktive Kurs unerbittlich und ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Kollateralschäden fortgesetzt.
Es ist eine Politik, die sehenden Auges in eine wirtschaftliche Sackgasse führt. Mit jedem weiteren Schritt auf diesem Irrweg, mit jeder neuen Regulierung und jedem Verbot wird die Situation für die Betriebe nur noch unerträglicher und schlimmer. Dabei gäbe es immer einen anderen Weg. Es gibt stets pragmatische Alternativen, die vernünftigen Umweltschutz, technologische Innovationsoffenheit und wirtschaftliche Stabilität klug in Einklang bringen, ohne dabei das hart erarbeitete Fundament unseres gesellschaftlichen Wohlstands blindwütig einzureißen. Doch stattdessen hält man in den Ministerien krampfhaft und wider jede wirtschaftliche Vernunft an einer Agenda fest, die den Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb zunehmend marginalisiert und zur Randnotiz degradiert.
Die entscheidende Frage, die sich nun jedem besorgten Bürger, jedem hart arbeitenden Arbeitnehmer und jedem verzweifelten Unternehmer stellen muss, lautet: Was denkt ihr, wie es in den kommenden Monaten und Jahren weitergeht? Ist diese schleichende Deindustrialisierung überhaupt noch aufzuhalten, oder haben wir den viel beschworenen “Point of No Return” längst lautlos überschritten? Glaubt wirklich noch jemand allen Ernstes daran, dass sich mit den derzeitigen Entscheidungsträgern, mit den Reichen und Mächtigen in den abgehobenen Chefetagen und den ideologisch verblendeten Regierungsämtern, von allein und aus eigener Einsicht etwas ändern wird?
Die bittere und leider äußerst realistische Einschätzung vieler Experten und Beobachter lautet: Es wird vermutlich genau so weitergehen. Unaufhaltsam. Wir rasen weiter auf den Abgrund zu, während auf der Kommandobrücke noch darüber gestritten wird, wie man den Eisberg am klimaneutralsten rammt. Wenn nicht bald ein radikales Umdenken stattfindet und die Wirtschaftspolitik wieder den Kontakt zur Lebensrealität der arbeitenden Bevölkerung findet, wird die “Arbeitslosenbombe” nicht nur in der Automobilindustrie, sondern im gesamten deutschen Mittelstand verheerende Schäden anrichten.
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