Es gleicht einem beispiellosen Paukenschlag, der die ohnehin schon fragile und viel diskutierte deutsche Bildungslandschaft in ihren absoluten Grundfesten erschüttert. Eine aktuelle Eilmeldung, die gerade über die Nachrichtenticker der großen Medienhäuser wie Focus Online flimmert, offenbart ein Vorhaben, das noch vor wenigen Jahren als völlig undenkbar galt und das nun als eindrücklicher Beweis für den tiefen Fall unseres Bildungssystems dient. Im Zentrum dieses aufziehenden Sturms steht eine offizielle Forderung des bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Diese Forderung hat das Potenzial, die Art und Weise, wie wir in Deutschland Leistung bewerten und einfordern, für immer zu verändern. Der Verband fordert unmissverständlich: Das Sitzenbleiben am Gymnasium muss abgeschafft werden. Wer nun glaubt, dies sei lediglich ein theoretisches Gedankenspiel aus einem universitären Pädagogik-Seminar, der irrt sich gewaltig. Es ist eine ernsthafte, handfeste Initiative, die tief in die Strukturen unserer höchsten Schulform eingreifen soll. Anstelle des klassischen Wiederholens einer gesamten Jahrgangsstufe bei mangelhaften Leistungen, sollen die Schüler künftig lediglich sogenannte Module nachholen. Eine Formulierung, die harmlos und modern klingen mag, in der Realität jedoch eine massive Kapitulation vor dem Leistungsabfall darstellt.

Für scharfe Beobachter der Bildungsszene ist diese Meldung nicht einfach nur eine Randnotiz in der bildungspolitischen Debatte. Es ist vielmehr die endgültige Bestätigung einer erschreckenden Diagnose: Deutschland befindet sich in einer tiefgreifenden, strukturellen Bildungsmisere, aus der es scheinbar keinen einfachen Ausweg mehr gibt. Die Tatsache, dass eine solche Forderung überhaupt öffentlich formuliert und ernsthaft diskutiert wird, zeigt schonungslos auf, wie tief die Ansprüche an unsere Schülerinnen und Schüler mittlerweile gesunken sind. Wenn die Konsequenz aus schlechten Leistungen schlichtweg aus dem System gestrichen wird, verliert das Konzept der schulischen Anstrengung jeden Sinn. Ein Gymnasium, das historisch stets als Ort der intellektuellen Herausforderung und der Vorbereitung auf ein anspruchsvolles akademisches oder berufliches Leben galt, droht dadurch zu einer bloßen Anwesenheitsanstalt zu verkommen, in der das Erreichen des Klassenziels nicht mehr an erbrachte Leistungen, sondern lediglich an abgelaufene Zeit gekoppelt ist.
Doch wie sieht die Lebensrealität an diesen Schulen abseits der hochtrabenden pädagogischen Konzepte eigentlich aus? Die nackte Wahrheit ist oft noch viel dramatischer, als es die nüchternen Schlagzeilen der Nachrichtenportale vermuten lassen. Ein Insider, der selbst sein Abitur an einem bayerischen Gymnasium absolviert hat, bricht nun das Schweigen und gewährt schockierende Einblicke in den schulischen Alltag. Bayern, das Bundesland, das sich seit Jahrzehnten rühmt, das strengste und leistungsstärkste Schulsystem der gesamten Bundesrepublik zu besitzen, bröckelt hinter der glänzenden Fassade gewaltig. Die Berichte aus dem Inneren dieser vermeintlichen Eliteschulen zeichnen ein Bild des systematischen Versagens. Es sind Zustände, die jeden Steuerzahler, jeden Arbeitgeber und vor allem jeden besorgten Elternteil in höchste Alarmbereitschaft versetzen müssten.
Laut den eindrücklichen Schilderungen des ehemaligen Gymnasiasten sitzen heutzutage junge Menschen in den Oberstufenklassen, denen es bereits an den denkbar einfachsten Grundlagen mangelt. Es wird von Schülern berichtet, die nicht in der Lage sind, einen fehlerfreien und zusammenhängenden Satz in angemessenem Deutsch zu formulieren. Die grundlegendsten orthographischen und grammatikalischen Regeln scheinen für einen wachsenden Teil der Schülerschaft ein völliges Mysterium zu sein. Wir sprechen hier nicht von gelegentlichen Flüchtigkeitsfehlern, sondern von einem tiefgreifenden Unvermögen, die eigene Muttersprache auf einem Niveau zu beherrschen, das man von einem angehenden Abiturienten schlichtweg erwarten muss. Wenn selbst simpelste kognitive Transferleistungen nicht mehr erbracht werden können, stellt sich unweigerlich die Frage, wie diese jungen Menschen in einer hochkomplexen, globalisierten Arbeitswelt jemals bestehen sollen.
Noch weitaus erschütternder als die inhaltlichen Defizite ist jedoch die grassierende Resignation und Leistungsverweigerung, die offenbar von weiten Teilen des Lehrkörpers und des Systems nicht nur toleriert, sondern regelrecht ignoriert wird. Der Insider schildert Szenen aus dem Deutschunterricht, die an Absurdität kaum zu überbieten sind. Mitten in regulären Klassenarbeiten, bei denen es um entscheidende Noten geht, lassen manche Schüler nach dem Austeilen der Aufgabenblätter gerade einmal eine halbe Stunde verstreichen, bevor sie aufstehen und ein komplett leeres Blatt beim Lehrer abgeben. Ein leeres Blatt. Keine Notizen, keine Skizzen, nicht einmal der rudimentäre Versuch, sich der Aufgabenstellung zu widmen. Es ist der ultimative Ausdruck vollkommener Gleichgültigkeit gegenüber der schulischen Ausbildung.

Und genau hier greift das eigentliche Drama, das die aktuelle Forderung nach der Abschaffung des Sitzenbleibens so brandgefährlich macht. Denn selbst diese Schüler, die Arbeitsverweigerung in Reinform betreiben und über Monate oder gar Jahre hinweg chronisch schlechte Noten sammeln, bleiben in der Praxis so gut wie niemals sitzen. Das System setzt bereits jetzt alle Hebel in Bewegung, um Schüler unter allen Umständen in die nächste Jahrgangsstufe durchzuwinken. Die inoffizielle Devise scheint zu lauten, dass jeder Irgendwie durch das Gymnasium geschleust werden muss, komme was wolle. Man muss sich das einmal plastisch vor Augen führen: Um an einem heutigen Gymnasium das Klassenziel nicht zu erreichen, reicht es nicht aus, einfach nur schlecht zu sein. Man muss den Unterricht förmlich aktiv boykottieren, um überhaupt in die Gefahr zu geraten, ein Jahr wiederholen zu müssen. Alles andere wird mit Milde, mit Ausgleichsregelungen und nun künftig womöglich mit weichgespülten Nachholmodulen kaschiert.
Die Konsequenzen einer solchen Bildungspolitik sind fatal und weitreichend. Wenn man sich in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und in den Universitäten darüber wundert, warum das Niveau der Schulabgänger kontinuierlich sinkt, warum Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, weil die Bewerber nicht einmal einfachste Dreisatzaufgaben lösen oder einen fehlerfreien Geschäftsbrief verfassen können, dann findet man die Antwort genau in solchen Vorstößen. Wie der Insider treffend formuliert: „Sowas kommt von sowas.“ Ein Bildungssystem, das den Widerstand des Lernens eliminiert und den Weg des geringsten Widerstandes institutionalisiert, erzieht keine starken, resilienten und kompetenten Persönlichkeiten. Es züchtet vielmehr eine Generation heran, die nie gelernt hat, dass Erfolg untrennbar mit Anstrengung, Disziplin und auch mit dem Überwinden von Niederlagen verbunden ist.

Die Forderung des bayerischen Lehrerverbandes ist somit nicht der rettende Anker für überforderte Schüler, sondern der endgültige Sargnagel für das Leistungsprinzip an deutschen Schulen. Wenn wir aufhören, Defizite klar zu benennen und mit spürbaren Konsequenzen – wie eben der Wiederholung eines Schuljahres zur echten Festigung des Stoffes – zu reagieren, belügen wir nicht nur die Gesellschaft, sondern vor allem die Schüler selbst. Wir suggerieren ihnen eine Welt, in der Leistung optional ist und in der Fehler keine Auswirkungen haben. Doch die Realität außerhalb der geschützten Schulmauern wird diese jungen Menschen früher oder später unbarmherzig einholen. Die aktuelle Eilmeldung ist daher weit mehr als eine bildungspolitische Randerscheinung; sie ist ein lauter, schriller Warnruf. Es liegt nun an der Gesellschaft, den Eltern und den verbliebenen leistungsorientierten Pädagogen, diesem gefährlichen Trend zur absoluten Mittelmäßigkeit entschieden entgegenzutreten, bevor die deutsche Bildungsmisere einen Punkt erreicht, an dem sie endgültig unumkehrbar wird.
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