Es ist ein Erwachen, das vielen Bürgern und Unternehmern in Baden-Württemberg derzeit wie eine eiskalte Dusche vorkommen muss. Über einen Monat nach der mit Spannung erwarteten Landtagswahl schien sich die politische Landschaft im wirtschaftlichen Herzland der Bundesrepublik in einem regelrechten Schockzustand zu befinden. Wochenlang wurde hinter verschlossenen Türen sondiert, taktiert und unerbittlich um lukrative Ministerposten und politische Einflusssphären gefeilscht. Der Wähler, der eigentlich rasche Lösungen für die drängenden Probleme des Landes erwartet hatte, musste ein zähes und oft unwürdiges Postengeschacher mitansehen. Nun aber ist der weiße Rauch in Stuttgart endlich aufgestiegen. Die neue Koalition hat sich geeinigt, das Fundament für die kommende Regierungsarbeit ist gegossen. Doch wer nun auf ein befreiendes Aufatmen oder gar auf wirtschaftliche Aufbruchstimmung gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Noch bevor die neue Regierung überhaupt offiziell ihre Arbeit aufgenommen hat, platzte bereits die erste gigantische politische Bombe – und deren Sprengkraft bedroht die Lebensader des einstigen Vorzeigebundeslandes in ihren Grundfesten.

Der Kern des Anstoßes ist ein Vorhaben, das in Zeiten grassierender Wirtschaftskrisen und täglich neuer Hiobsbotschaften aus der Industrie wie purer Wahnsinn anmutet: Die neue Koalition will ungebremst und noch rücksichtsloser als zuvor an der ideologischen Zielsetzung festhalten, die Wirtschaft des Landes schnellstmöglich in die absolute Klimaneutralität zu zwingen. Im Raum steht dabei eine Forderung, die selbst hartgesottenen Wirtschaftsvertretern den kalten Schweiß auf die Stirn treibt: Baden-Württemberg soll diese gigantische und kostspielige Transformation sage und schreibe fünf Jahre früher abschließen, als es die ohnehin schon überambitionierten Pläne der Bundesregierung vorsehen. Es ist ein politischer Eilmarsch in ein ökonomisches Minenfeld, ein beispielloser Kraftakt, der von den heimischen Unternehmen eine Anpassungsleistung abverlangt, die unter den derzeitigen Rahmenbedingungen faktisch unmöglich zu stemmen ist.

Um die Tragweite dieses Vorhabens wirklich zu begreifen, muss man den Blick auf die nackte Realität im Ländle werfen. Wir erleben derzeit einen rapiden Wohlstandsverlust, der sich in beängstigender Geschwindigkeit durch alle gesellschaftlichen Schichten frisst. Die Schlagzeilen werden längst nicht mehr von technologischen Durchbrüchen oder Exportrekorden dominiert, sondern von Entlassungswellen, Standortschließungen und einer in die Höhe schnellenden Insolvenzstatistik. Und die bittere Ironie an der ganzen Geschichte? Diese verheerende Entwicklung ist den handelnden Akteuren vollkommen bewusst. Sowohl der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir als auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Manuel Hagel haben in unzähligen Wahlkampfauftritten immer wieder die prekäre Lage angesprochen. Sie sprachen mit sorgenvoller Miene von gefährdeten Arbeitsplätzen, sie nickten verständnisvoll, wenn Handwerker und Mittelständler über überbordende Bürokratie und erdrückende Energiekosten klagten. Sie versprachen Entlastung, Pragmatismus und wirtschaftliche Vernunft. Doch kaum sind die Mikrofone ausgeschaltet und die Koalitionsverträge verhandelt, scheint all dieses Wissen wie weggewischt. Man klammert sich weiterhin verbissen an einen politischen Irrweg, der die Deindustrialisierung nicht aufhält, sondern sie sogar noch aktiv befeuert.

Es ist diese offensichtliche Diskrepanz zwischen verbalem Verständnis und tatsächlichem politischen Handeln, die die Menschen im Land so wütend macht. Wie kann man sehenden Auges registrieren, dass die Unternehmen massenhaft abwandern oder aufgeben, und gleichzeitig die regulatorischen Daumenschrauben noch enger anziehen? Die Forderung nach einer beschleunigten Klimaneutralität ist ja kein abstraktes Gedankenspiel, sondern bedeutet in der harten Praxis: noch höhere Steuern auf Energie, drastischere Vorschriften bei Produktionsprozessen, immense Investitionszwänge in Technologien, die oft noch nicht ausgereift oder wirtschaftlich rentabel sind. Baden-Württemberg ist das Land der Tüftler, der Denker und der global agierenden Automobil- und Maschinenbauindustrie. Diese Kernbranchen sind das Rückgrat unseres Wohlstandes, sie finanzieren unser Sozialsystem, unsere Schulen und unsere Infrastruktur. Doch genau diese Schlüsselindustrien sind zwingend auf verlässliche Rahmenbedingungen und vor allem auf bezahlbare und jederzeit verfügbare Energie angewiesen. Wer ihnen diese Basis entzieht, sägt buchstäblich an dem Ast, auf dem das gesamte Land sitzt.

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Der politische Kurs der neuen Stuttgarter Koalition gleicht somit einem gefährlichen Blindflug. Anstatt die drängendsten Probleme – von der lähmenden Bürokratie bis zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit – mit höchster Priorität und pragmatischen Ansätzen zu lösen, verliert man sich in ideologischer Symbolpolitik. Das Beharren auf extremen Klimazielen wirkt nicht wie ein durchdachter Plan zur Rettung des Planeten, sondern vielmehr wie ein elitäres Prestigeprojekt, bei dem man sich gegenseitig auf die Schulter klopft, während der industrielle Mittelstand draußen im Land leise stirbt. Es ist ein fatales Signal an jeden Investor und an jeden jungen Menschen, der in Baden-Württemberg eine Ausbildung in der Industrie beginnen möchte. Das Signal lautet: Ideologie hat in diesem Land Vorrang vor ökonomischer Vernunft und Arbeitsplatzsicherheit.

Die unausweichlichen Konsequenzen dieser Politik werden verheerend sein. Wenn die Landesregierung diesen sturen Kurs der forcierten Klimaneutralität weitergeht, wird der bereits spürbare Wohlstandsverlust noch einmal dramatisch an Fahrt aufnehmen. Unternehmen werden nicht plötzlich auf magische Weise klimaneutral und gleichzeitig hochprofitabel produzieren können, nur weil es in einem Koalitionsvertrag steht. Sie werden stattdessen vor die Wahl gestellt: massive finanzielle Verluste hinnehmen, die Produktion ins günstigere Ausland verlagern oder ganz aufgeben. Jeder dieser Auswege bedeutet den Verlust von wertvollen, gut bezahlten Arbeitsplätzen in Baden-Württemberg. Es bedeutet sinkende Steuereinnahmen für die Kommunen und eine zunehmende Belastung für die Sozialkassen. Es ist eine Negativspirale, die sich immer schneller dreht und an deren Ende ein verarmtes Bundesland steht, das einst der wirtschaftliche Motor Europas war.

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Man kann es nicht oft und nicht deutlich genug sagen: Die Einigung dieser Koalition ist kein Grund zur Freude, sondern ein lautes Warnsignal. Wenn Politiker in Zeiten existenzieller wirtschaftlicher Bedrohung den Kontakt zur Lebensrealität der arbeitenden Bevölkerung derart verlieren, dann steht mehr auf dem Spiel als nur ein paar Prozentpunkte beim nächsten Wirtschaftswachstum. Dann geht es um die Existenzgrundlage von Millionen von Menschen. Es bedarf jetzt einer massiven, lautstarken und demokratischen Gegenwehr aus der Mitte der Gesellschaft. Unternehmer, Gewerkschaften, Handwerker und normale Bürger müssen der neuen Landesregierung unmissverständlich klarmachen, dass ein Politikwechsel zwingend erforderlich ist. Eine zukunftsfähige Politik darf nicht gegen die Wirtschaft gerichtet sein, sie muss gemeinsam mit ihr gestaltet werden. Pragmatismus muss den ideologischen Fanatismus ablösen. Nur wenn wir aufhören, uns durch realitätsfremde Zielvorgaben selbst zu fesseln, hat Baden-Württemberg eine Chance, seinen Wohlstand zu verteidigen und gestärkt aus dieser historischen Krise hervorzugehen. Doch nach den ersten, erschütternden Signalen der neuen Koalition scheint dieser notwendige Weg der Vernunft in weite Ferne gerückt zu sein.