Diese Talkrunde entlarft auf   eindrucksvolle Weise die dramatischen   Folgen der aktuellen Politik rund um das   Primärztsystem.   Du darfst künftig nur noch einen   Hausarzt haben und wenn du einen   Facharzt brauchst, musst du erst zum   Hausarzt. Der entscheidet dann, ob du   überhaupt überwiesen wirst. Ganz   ehrlich, das klingt jetzt schon unnötig   kompliziert und genau das bestätigt auf   erschreckende Weise auch die Hausärztin   in der Runde.

 

 Sie erstickt bereits heute   in Bürokratie. und es wird noch   schlimmer.   Wir haben ja Primärtssysteme   auch von Kassen, die das schon versucht   haben und das Ergebnis ist und da   wundere ich mich, dass das bis in die   Politik nicht vorgedrungen ist, dass es   keinen Unterschied gibt. Wenn ich dann   einen Primärarzt habe, habe ich genauso   viele Krankenhausaufenthalte   wie als nicht.

 

 Herr Dam, das sind die   Ergebnisse in Badenwürttemberg kennen   wir diese Ergebnisse. Das bitte auch   bitte ich auch von den Ersatzkassen wie   diese Ergebnisse hier zu präsentieren   und darüber hinaus hat es auch nicht   weniger Kontakte zum Krankenhaus oder zu   den Fachaärzten. Es beweist eigentlich,   das System ist eingeführt worden ohne   entscheidende Fragen zu klären, die wir   hier schon von Frau von Lücke gehört   haben.

 

 Was ist mit dem Psych   Entschuldigung, was ist mit dem   Psychotherapeuten und mit den   Psychologen? Es gibt gute Gründe, dass   die Menschen den Weg dort direkt   reinsuchen. Auch das müssen wir   akzeptieren. Ich finde es unglaublich zu   sagen, dass wir zwar in der EPA sagen,   wir haben Entscheidung, wer da rein   striptie, sondern gleich zum Psych   glaube ist auch vernünftig   Modell und wenn 50% die in Deutschland   Chroniker sind, so ist es bei uns.

 

 Was   bringt dann diese Regelung schlecht hin?   Wie wird das bei Ihnen erfolgreich? Sie   haben vorhin gesagt, sie arbeiten eh   schon so viel. Also, wenn bei Ihnen   jemand anruft und sagt, ich habe mir   jetzt beim Kardiologen eigentlich schon   mal einen Termin geben lassen, ich   brauche jetzt eine Überweisung, muss der   dann noch extra kommen oder reicht es,   wenn der bei Ihnen äh vorne bei den   Assistentinnen Assistenten dann äh die   abholt?   Also, ich kenne ja meine Patienten in   der Regel und Beschwerden besprechen die   mit mir, aber wenn jetzt einer schon   Termin hat und äh der ist begründet,   dann kriegt er natürlich die Überweisung   ohne große Diskussion,   selbstverständlich. Also, ich möchte   kritisch anmerken zum Herrn Damen, ich   befürchte einen vermehrten   bürokratischen Aufwand, weil wir müssen,   wenn das ein Einschreibemodell ist, dann   müssen wir die Patienten, warum müssen   wir es eigentlich machen? Warum machen   sie es nicht die bei den Krankenkassen?   Man könnte ja auch dem Patienten sagen,   der kann der Krankenkasse melden, bei   welchem Arzt der gerne versorgt werden   müs möchte. Warum haben wir diese   Verantwortung und müssen die Patienten   wieder darüber aufklären? Wir haben   jetzt übers E-Rezept aufgeklärt, über

 

  die EAU aufgeklärt, klären jetzt über   die E-Paar auf, obwohl das gar nicht   unsere Aufgabe eigentlich wäre. Und dann   werden wir wieder einschreiben und ich   bin z.B. Diabetologin und Hausärztin und   äh behandle viele Patienten auf   Überweisung anderer Hausärzte. Das   heißt, wenn es dieses Einschreibemodell   gibt und der Patient ist beim Hausarzt   eingeschrieben und kommt dann zu mir,   die auch einen hausärztlichen Sitz habe,   den ich auch habe, ähm dann würde ich   quasi leer ausgehen, weil der Patient in   Zukunft ja nur noch einen Hausarzt haben   soll. Mhm.   Und deswegen, das muss man sich genau   überlegen, es gibt Schmerzmediziner, es   gibt Suchtmediziner, die alle   hausärztliche Sitze haben. Das muss man   bitte auch auf dem Schirm haben, dass   unsere Professionen, also Diabetologie,   es gibt auch Hausärzte, die nur   Diabetologie machen, dann sind die die   Verlierer dieser Reform und dann werden   wir aus dem System aus   Aber habe ich jetzt richtig verstanden?   Sie haben den Vorteil, sie können an   sich selbst überweisen.   Nein, nein, nein, nein, nein. Ich nein,   nein, nein. Ich überweiß mir nichts   selber. Nein, nein. Also andere   Hausärzte schicken mir ihre nicht gut   eingestellten Diabetiker zur Schulung   und Behandlung.

 

  Und äh da ich auch einen hausärztlichen   Sitz habe, wäre ich ja praktisch in   Konkurrenz mit dem anderen Hausarzt.   Natürlich schreibt der Hausarzt seinen   Patienten ein, das soll er auch machen,   aber das ist in diesem System ja nicht   vorgesehen. Also, es gibt auch Leute,   die arbeiten in München und äh wohnen   aber in Straßlach oder weiter weg   irgendwo und äh schaffen es nicht immer   am Arbeitsplatz oder am Zuhause zum Arzt   zu gehen und haben deswegen zwei   Hausärzte.

 

 Das ist auch nicht   verwerflich. Ich weiß gar nicht, wie   viel Leute machen denn Ärztehopping?   Gibt’s denn da Zahlen? Ist das wirklich   so dramatisch? Das Primärarztsystem wird   kommen und gesetzlich versicherte werden   sich wohl oder übel damit arrangieren   müssen. Künftig sollen Hausärzte als   Türsteher für den Facharzt dienen.

 

 Ich   persönlich finde, dieses Modell klingt   unnötig kompliziert. Vielleicht steckt   ja genau das dahinter, dass wir am Ende   einfach seltener zum Arzt gehen sollen.   Dieses ganze Wissen und diese   Unterstützung, die brauchen viele   Menschen wirklich ganz ganz dringend,   weil ihn ansonsten der Weg in die   Notaufnahme bleibt und das wollen viele   Menschen ehrlich gesagt nicht freiwillig   dahingehen.

 

 Sie machen es aus Not und   aus dem Grund heraus, weil sie eben   lange warten müssen, sich nicht zu   helfen wissen und eben keinen   Ansprechpartner haben und niemand, den   sie eben auch mal fragen können. und da   eine Anglaufstelle zu haben, auch eine   relativ niederschwellige. Das ist, finde   ich, wirklich eine Sache, die uns helfen   kann und die uns eben auch in der gut   ausgestatteten Praxis helfen sollte in   der Zukunft, damit wir eben genau hier   ein bisschen gucken, sind diese vielen   Facharztbesuche, die in anderen   europäischen Ländern ja auch so nicht an   der Tagesordnung sind.   Gibt ja auch gar nicht vor B, ich meine,   sie haben jetzt, Entschuldigen Sie mal,   es gibt sie gar nicht, es gibt keine   ambulant arbeiten in Fachärzte. Was Sie   hier erzählen, finde ich deswegen so   interessant. Wenn Sie wirklich   formulieren, dass 80% der Fachaztbesuche   eigentlich nicht notwendig sind, dann   haben Sie heute in der Münchner Runde   genau das wiederholt, was der   Hausarzverband, sorry, das haben Sie   auch selbst in der Öffentlichkeit jetzt   auch wiederholt gesagt, wenn sie dann   können Sie auch 80% der   Facharatztstellen abschaffen. Dann   merken Sie, dass das nicht greift, was

 

  Sie da formulieren. Wenn Sie einem   anderen sagen, er redet schmaren, dann   will ich würde ich das gar nicht   wiederholen. Aber es geht um den Punkt,   den wir uns klar machen müssen, wie   sollen die Hausärzte diese Welle   bearbeiten und wie glauben sie, dass   dann, wenn wir auf 80% der Facharzte   verzichten, dieses System zukunftsfähig   ist.

 

 Darüber hinaus wissen wir ja selber   Frau Bentele, dass   da machen die Ärzte nämlich nicht mit,   dass sie dann sagen, wir wollen   grundsätzlich auch eine Termingarantie   geben für die Fachärzte, denn hat schon   die Bundesärztekammer gesagt, wir sind   hier nicht die Grack ruft sicherlich für   ihre Patienten, die sie ja kennt, dass   wir mehr Hausärze brauchen.

 

 Da steht das   habe ich nie behauptet und auch sonst   nicht der Hausärzteverband oder   irgendjemand, dass wir mit der Abdeckung   von Hausärzten im Moment das schaffen   können. Und das genau an dem ganzen   System.   Das ist immer so eine Sache, wenn   sogenannte Experten etwas planen und   umsetzen, ohne die wirklichen Experten,   nämlich die Ärzte, die tagtäglich an der   Front arbeiten, überhaupt einzubeziehen,   dann entsteht Chaos.

 

 Auf dem Papier   wirkt alles hervorragend, doch in der   Realität sieht es ganz anders aus.   Zuschauerinnen und Zuschauer   interessiert Terminggarantie.   So ist das. ist das garantiert, dass es   eine Termingarantie geht, wenn man zum   Hausarzt dann künftig gehen wird und   dann sage ich, ich habe doch jetzt ein   Problem.

 Ich hätte jetzt auch gleich   selber auf die Suche gehen können.   Schön, dass Sie mir die Arbeit abnehmen   nach dem Facharzt, der jetzt gerade frei   hat und die Garantie. Äh sind Sie dann   dafür verantwortlich? Das werden wir   sein. Wir sollen diese Termine   vermitteln. Aber es ist, ich muss aus   München aus einer Großstadt mit einer   hohen Arztdichte berichten, dass es für   mich sehr schwer ist, es oft äh oder für   meine Mitarbeiterin ein Fahrzstermin für   unsere Patienten zu kriegen.

 

 Ähm das hat   einen Hintergrund auch. Das ist dieser   Hausarztvermittlungsfall. Das ist wieder   ein komischer Begriff. Das heißt, der   Hausarzt kriegt mehr Geld fürs   Telefonieren und der Facharzt kriegt   mehr Geld, wenn der Patient schnell   aufgenommen wird. Und das führt zu einer   inflationären   Terminvermittlung.

 

 Also die Fachärzte   vergeben jetzt Termine am liebsten, nur   noch, wenn der Hausarzt anruft. Das   heißt, wir mutieren zu Telefonzentralen   und   auch, weil man dann als Facharzt Geld   noch zus Vermittlungsreise bekommen   Geld, der Fach bekommt Geld, um das mal   ganz auf Deutsch zu sagen, also ich   kriege 17 € einfache Quartalspauschale   für Patienten und 15 € für ein   Telefonat.

 

 Das ist völlig   unverhältnismäßig und ich bin keine   Telefonzentrale. Ich will nicht   telefonieren und zwar wenn es wichtig   ist, haben wir das immer schon gemacht.   Also wenn wenn der Patient akute   Beschwerden hatten, haben wir immer den   Hörer in die da brauche ich kein   Leckerchen dafür. Das mache ich gerne   so. Ja.

 

 Und das führt aber dazu, dieser   Fehlanreiz, der vom letzten   Gesundheitsminister eingeführt wurde,   dieser Hausarztvermittlungsfall,   dass die äh Fachärzte natürlich ein   hohes Interesse daran haben, dass   möglichst viele Patienten vom Hausarzt   vermittelt werden. Und das sind dann   eben nicht das sind eben nicht nur die   äh extremen Fälle, die jetzt wirklich   zeitnah zum Facharzt müssen, sondern das   sind auch Fälle, die routinemäßig   eigentlich in drei Monaten da wieder hin   sollen.

 

 Ja, und die sollen jetzt auch   mit Haus als Vermittlungsfall kommen und   das führt das Systemart Absurdum. Also   meine Mitarbeiterin wird am Telefon   gebunden ähm und das ist verstopft dem   Facharzt die Terminslots, die wir   dringend brauchen für Patienten, die   wirklich krank sind. Und ich bitte   einfach, das System muss man   reformieren, Herr Damen.

 

 Das kann so   nicht bleiben. Das wird Ihnen alle   bestätigen, alle Hausärzte und auch   viele Fachaärzte. Die Vergütung muss so   fair sein, dass wir nicht auf Leckerchen   angewiesen sind. Ja, also ich will nicht   durch telefonieren und der Facharzt soll   nicht durch irgendwelche schnelle   Terminvermittlung sein Geld erringen   müssen.

 

 Das muss äh eine faire   Zahlung sein und dann muss die   Digitalisierung gescheit funktionieren   und dann äh die muss die Bürokratie   abnehmen und dann haben wir auch mehr   Zeit für unsere Patienten und das und   das muss zusammengedacht werden. Immer   mehr deutsche Ärzte geben ihren Beruf   auf und das meiner Meinung nach völlig   zurecht.

 

 Was ihnen heute zugemutet wird,   ist einfach nur noch untragbar. Viele   zieht es ins Ausland, wo sie ihre   Berufung wirklich leben können mit mehr   Zeit für Patienten, weniger Bürokratie   und besseren Arbeitsbedingungen.