Zwei Schicksale – 1 Muster | Die Fälle von Sarah und Mieke T – Part 2
Krankenhaus und den Magen auspumpen, wenn die Person schon weggetreten ist? In dem Buch, was ich dazu gelesen habe, steht darüber jedoch nichts, sondern nur, dass sein Vater ihn abgeholt und mit nach Hause genommen hat, wo Thomas die nächsten drei Tage im Bett verbracht hat. Die Eltern wenden sich erneut an das Krisencenter und fragen, ob zwei Selbstmordversuche innerhalb von 5 Wochen nicht genug Notfall sind, um den gewünschten Therapeuten zu bekommen. Erhalten aber die gleiche Antwort wie zuvor. Er hat einen zugewiesenen
Therapeuten. Hingehen muß er selbst. Irgendwie scheinen die Eltern ohnmächtig. Ihr Sohn müsste ohne wenn und aber in stationäre Behandlung. Stattdessen wachen sie selbst an seinem Bett. Was sie jedoch nicht überwachen, ist sein Handy, sein Tor zu Mieke. Thomas muß jedoch feststellen, dass nicht nur Mie, sondern auch ihr gesamtes Umfeld, Familie, Freunde und Mitbewohner ihn blockiert haben. Aber Thomas ist nach den Tabletten wieder klar im Kopf und weiß, wenn er ihr Geld überweist, kann er eine Nachricht im Feld Verwendungszweck
hinterlassen. Also tippt er den Betrag von 1000 € ein und schreibt dazu Zitat: “Mach etwas Schönes damit. Ich habe dein Leben ruiniert und das hast du nicht verdient. Du warst das Beste, was mir je passiert ist, aber ich habe es vermasselt.” Zitat Ende. Kurz darauf antwortet Mieike, daß sie Geld nicht annimmt und zurückweist und zack ist der Kontakt wiederhergestellt. Und jetzt frag mich bitte nicht, wie das folgende zustande gekommen ist, denn es steht nirgendwo geschrieben und keiner
weiß offiziell, was zwischen dem 10. Dezember bis Silvester 21 geschehen ist. Aber Mike und Thomas sind über den Jahreswechsel2 zusammen für ein verlängertes Wochenende in Prag. Ihre Schwester und ihre Eltern verstehen die Welt nicht mehr, denn wie kann sie ihn nach allem wieder in ihr Leben lassen? Aber Mike sieht keine Gefahr für sich. Ja, er ist aufdränglich, aber nicht bösartig oder gewalttätig. Außerdem hat sie Mitleid mit ihm. Er hat doch sonst keine Freunde, die etwas mit ihm unternehmen.
Da er frei gewählt hat, indem er alle seine Hobbys aufgegeben hat, um Zeit für sie zu haben, weiß sie nicht. Auch er seine Ausbildung als Optiker bei seinen Eltern hingeschmissen hat, ahnt sie nicht. Aber Thomas ist der Meinung, wenn Miike plötzlich in die USA zurückgeht und er selbstverständlich mitgeht, wird seine Ausbildung dort eh nicht anerkannt. Wozu also zu Ende machen? Warum bei seinen Eltern nicht spätestens da alle Alarmglocken angesprungen sind, kann ich euch nicht sagen. Klar, er ist
erwachsen. Er kann machen, was er will, aber sie sind am nächsten an ihm dran und müssten eigentlich merken, wie warn er in kürzester Zeit geworden ist. Mike erzählt Thomas in Prag, dass sie das mit ihrem Exmichael beendet hat. Was sie ihm nicht erzählt, ist, daß sie in den letzten Wochen jemanden Neues kennengelernt hat, nämlich Tim. Und mit dem schreibt sie auch die ganze Zeit über Prag, z.B. dass es total langweilig mit Thomas ist. Der Ausflug nach Prag hat Thomas wieder Hoffnung gegeben. Immerhin hat sie mit ihm ins neue Jahr
gefeiert und sie hat mit Michael Schluss gemacht. Das muß was bedeuten. Mie hingegen distanziert sich wieder und sagt geplante Treffen mit Thomas immer wieder spontan ab. Drei Wochen später platzt die Bombe. Mike hat Streit mit einer Mitbewohnerin. Sie will ja aus dem Weg gehen, bis diese in zwei Tagen sowieso auszieht. Thomas bietet dir an bei ihr zu wohnen, aber Mike will das nicht. “Dan zahle ich dir die Pension”, schlägt er vor. Mike nimmt an. Tim hält das für keine gute Idee, da er
findet, dass Mike Thomas damit wieder Hoffnungen macht. Und genauso soll es kommen. In der Pension ist Thomas das erste Mal seit Prag wieder mit Mike allein und er gesteht ihr seine Liebe. Er will mit ihr zusammen sein, nicht nur Freunde. Er erzählt ihr jetzt auch, daß er seine Ausbildung geschmissen hat, damit er unabhängig ist und ihr jederzeit in die USA folgen kann. Mike traut ihren Ohren nicht. Wie oft hat sie ihm eigentlich schon gesagt, dass sie nicht mit ihm zusammen sein will und dass er sie mit solchen
Aussagen absolut bedrängt? Dass sie keine Lust mehr hat, immer ruhig und freundlich zu bleiben, nur damit er sich nichts antut. Es kommt zum Streit, bei dem auch das Thema Tim auf den Tisch kommt. Thomas verlässt wütend die Pension. Was er jetzt wieder vorhat. Mie wird es gleich erfahren, denn kurze Zeit später meldet sich die besagte Mitbewohnerin bei Mike, genau die, mit der sie streit hat. Sie schreibt: “Thomas ist hier mit knallrotem Kopf aufgetaucht. Er war in deinem Zimmer.” “Lass ihn nicht rein”,
schreibt Mieke. “Zu spät”, antwortet die Mitbewohnerin. “Er ist auch schon wieder weg. Wollte dir nur Bescheid geben. Bitte halte mich da raus.” Mike wendet sich an Tim, der zu ihr Pension fährt. Sie sagt, daß Thomas offensichtlich ihren Schlüssel geklaut hat und sie nun nicht weiß, was sie zu Hause erwartet. Sie hat das erste Mal wirklich Angst vor ihm. Tim überzeugt Mike bei der Polizei anzurufen. Das macht sie auch und will ein Kontaktverbot erwirken. Doch der Polizist tut es als Streit unter
Freunden ab, den sie untereinander klären müssen. Zu wenig, um irgendwelche Schritte einzuleiten. Tim versucht den Polizisten davon zu überzeugen, dass das kein kleiner Streit ist, sondern Thomas Mie seinen Monaten stalkt. Warum trifft sie sich dann freiwillig mit ihm in einer Pension? Will der Polizist wissen? Eine Frage, auf die Mike keine Antwort hat. Da Thomas nun ihren Schlüssel hat, wohnt Mike vorübergehend bei Tim. Und was hat Thomas letztendlich in Miekes Zimmer gemacht? Er hat alles das, was er ihr in
den letzten Monaten geschenkt hat, eingepackt und mitgenommen. Zwei Tage später entschuldigt er sich per E-Mail dafür und legt ihr die Sachen wieder vor die Tür. Er schreibt Zitat: “Hallo Mike, das ist das letzte Mal, dass ich dich belästige. Ich habe deine Geschichte über die Party überprüft und du hast die Wahrheit gesagt. Deshalb bringe ich dir ein paar Sachen zurück. Ich bin ein freundlicher Mensch und war auch immer freundlich, aber in den letzten Monaten, seit ich dich kennengelernt habe, bin ich
unausgeglichen. Du schienst das perfekte Mädchen für mich zu sein, weil du alles magst, was ich mag. und wir immer Spaß haben. Aber ich mache mir jedes Mal solche Gedanken und dann tue ich etwas, dass ich bereue, weil es mir und dir Angst macht. Es wurde immer schlimmer und meine emotionalen Zusammenbrüche verwandelten sich in Wutanfälle. Ich war nur eine Belastung in deinem Leben. Das hast du nicht verdient, denn du hast einen schönen Charakter und bist das schönste Mädchen, das ich je getroffen habe und
wahrscheinlich jemals treffen werde. Ich kann einfach nicht bei dir sein, weil ich dein Leben ruiniert habe. Ja, ich bin besessen von dir. Hier sind also einige Dinge, die ich dir zurückgebe. Ich werde wieder anfangen, das Leben zu genießen und Leute zu treffen. Ich hoffe, du findest den richtigen Menschen, der nicht eifersüchtig wird, so wie ich. Zitat Ende. Klingt ja erstmal halbwegs vernünftig, aber Worte sind halt immer was anderes als Taten. Und hier hat der rationaldenkende Part von Thomas geschrieben. Der obsessive
Part von Thomas trifft sich den Februar 22 über mit anderen Frauen, parkt aber immer in Miekes Nähe, damit sie sich zufällig über den Weg laufen, oder er fährt ihre Straße auf und ab, um einen Blick zu erhaschen, wenn sie das Haus verlässt. Der rationaldenkende Thomas bietet sich bei WhatsApp als ihre beste Freundin an, z.B. mit Hey Mike, ich hoffe, du hattest ein tolles Date gestern. Wie läuft es mit Tim? Ich hoffe gut. Ich erzähle dir im Gegenzug von meinem tollen Date mit der Slowenin. Der obsessive Thomas schreibt in das
zwischendrin: “Du bist alles für mich. Warum bist du schon wieder auf Tinder unterwegs? Ist Tim auch auf der Party?” Außerdem macht er ihr pausenlos Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen. Eislaufen in Amsterdam, Kino, Fitnessstudio, Weinverkostung. Bei irgendwas davon muss sie doch anspringen. Aber Mike will nicht, findet Ausreden, sagt auch gelegentlich zu, um dann kurz vorher zu schreiben, dass sie zu müde, zu gestresst oder anderweitig verhindert ist. So auch am 5. März 2022. Thomas will an diesem Abend unbedingt
etwas mit Mike unternehmen. Er hat sie seit Ende Januar nicht mehr offiziell gesehen. Doch sie schreibt, dass sie krank ist, zu Hause bleibt und heute zeitig ins Bett geht. Eine erneute Absage. Es reicht ihm. Er will sie endlich wieder mal für sich alleine haben. Also steht er nachts 0:45 Uhr vor ihrem Haus. Er sieht Licht und hört laute Musik. Aber Mike hat ja Mitbewohner. Vielleicht liegt sie wirklich im Bett und die anderen feiern. Um das zu überprüfen, kletterte er die Regenrinne zur Terrasse hinter dem Haus
herauf, um einen Blick ins Zimmer zu erhaschen. Kurz darauf wird Mieike mit Nachrichten überfallen. Du lügst. Du bist gar nicht krank. Thomas wird wütend. Nicht nur, daß sie gelogen hat, sondern er hat auch Tim im Wohnzimmer gesehen. Mit ihm will sie sich also nicht treffen, aber für Tim hat sie Zeit. Mie verspricht Thomas, sich am nächsten Tag mit ihm zu treffen, um ihn irgendwie zu beruhigen. Der rationaldenkende Thomas dampft ab. Er fährt die 40 Minuten nach Hause nach Leg. Während der Fahrt übernimmt der
obsessive Thomas aber wieder überhand, der einfach sauer ist und sich immer mehr reinsteigert. Zu Hause angekommen, geht er zielstrebig in sein Zimmer und schnappt sich die beiden Molotof Cocktails, die er zwei Tage zuvor präpariert hat. In der Küche zieht er das größte Messer aus dem Messerblock und in der Garage schnappt er sich einen Hammer. Damit setzt er sich wieder ins Auto und fährt auf direktem Wege zurück in die Innenstadt von Leoparden. Mittlerweile ist es ruhig und dunkel in der Wohnung. Die WG von Mike befindet
sich über einem Tattoo Studio, sodass der Eingang zur Wohnung nicht an der Front, sondern in der Seitengasse neben dem Haus ist. Für alle die zuschauen, habe ich Bilder der Zimmer eingeblendet, denn die Wohnung steht zufällig gerade zum Verkauf und deswegen gibt es online eben Bilder. Für alle, die die nur Audio hören, beim Seitene gibt es erstmal nur eine Treppe, die man rauf muß, wo dann über dem Tattooen die zweistöckige Wohnung beginnt. Innen sieht es aus wie ein Treppenhaus ohne extra Wohnungstüren, also ist alles
offen. In Etage 1 befindet sich rechts von der Treppe ein Zimmer und links von der Treppe das Wohnzimmer mit kleiner offener Wohnküche. Am Wohnzimmer befindet sich nach hinten raus eine große Terrasse. Das sieht aus wie das Dach einer Garage, wenn ihr mich fragt. Wenn man weiter die Treppe hochgeht, sind in Etage 2 zwei weitere Zimmer, eins nach vorn und eins nach hinten raus. Und genau über der Küche ist das Badezimmer. Sprich, es ist ein schmales längliches Haus mit je einem Zimmer nach vorn und hinten raus pro Etage und
mittig übereinander sind Küche und Badezimmer. Die Überwachungskameras der Gegend erfassen das Auto von Thomas um 3:28 nachts. Er parkt und läuft in die Seitengasse. 5 Minuten später sieht man auf den Überwachungskameras in der Reflexion der Scheiben anderer Häuser, dass es in der Seitengasse brennt. Thomas hat ein Molotof Cocktail gegen das Fenster der Küche geworfen, also dem Fenster, was sich in der Gasse befindet. Den zweiten Molotof Cocktail stellt er am Boden ab. Denn den braucht er gar nicht mehr. Der
Holzrahmen des Fensters steht bereits in Flamm und der Feueralarm wurde ausgelöst. Sieben Sekunden vor dem Wurf gegen das Fenster hat er Mike geschrieben, dass sie rauskommen soll. Der Mitbewohner in Etage ist sofort wach und rennt in Etage, um die anderen zu wecken. Mie, Tim und die zwei Mitbewohner laufen wieder runter ins Wohnzimmer mit offener Küche, um den Brand zu löschen und gegebenenfalls über die Terrasse ins Freie zu fliehen. Doch als sie im Wohnzimmer ankommen, steht da eine fünfte Person mit einem
Hammer und einem Messer in der Hand. Es ist Thomas, der kurz zuvor wieder die Regenrinne zur Terrasse hochgeklettert ist und mit dem Hammer das bodentiefe Fenster eingeschlagen hat. Die Bewohner flüchten aus dem Raum. Mitbewohner 1 flüchtet sich geradeaus in sein Zimmer. Mitbewohner 2 rennt die Treppe runter Richtung Haustür, die aber verschlossen ist. Mie, die wie die anderen aus dem Raum rennt, wird von Thomas jedoch bereits auf dem Treppenabsatz eingeholt, also auf dem Verbindungsstück zwischen Etage
1 und 2 genau vor dem Wohnzimmer. Ohne etwas zu sagen, sticht Thomas 15 mal auf ihren Hals und Oberkörper ein, bis sie regslos am Boden liegt. Danach geht er auf Tim los, der sich immer noch im Wohnzimmer befindet. Der Mitbewohner, der unten ohne Schlüssel nicht zur Tür rauskommt, rennt hoch ins Wohnzimmer und versucht Thomas daran zu hindern, zu flüchten. Infolgedessen wird er von ihm ins Bein geschnitten, woraufhin er von Thomas ablässt, denn er musste gerade mit ansehen, was Thomas mit Miike und Tim
gemacht hat. Thomas flüchtet sich über die Dachterrasse nach unten, rennt zu seinem Auto und fährt davon. Der gesamte Angriff vom Werfen des Molotofcocktails bis Thomas von den Kameras beim Wegfahren erfasst wird, hat ganze zwei Minuten gedauert. Umliegende Nachbarn haben die Feuerwehr verständigt, deren Notruf um 3:36 Uhr eingeht. Als die eintreffen, wurde der Brand bereits von anderen Nachbarn gelöscht, die mit ihren eigenen Feuerlöschern losgerannt sind. Schnell muss die Feuerwehr feststellen,
daß es sich hier nicht nur um einen Brand handelt, denn in der Wohnung finden sie die leblose Mieike auf dem Treppenabsatz und neben ihr liegt der Hammer. Als Sie ins Wohnzimmer kommen, sehen Sie in der Küche einen jungen Mann ebenfalls leblos auf dem Bauch liegen. Für Mike kommt jede Hilfe zu spät, doch Tim hat noch einen Puls. Er wird ins Krankenhaus gebracht und notoperiert, denn er hat Stiche in beide Lungenflügel sowie die Herzkammer. Währenddessen ist Thomas mit dem Auto auf der Flucht. Am Steuer schreibt er mit seiner
Schwester hin und her. Erzählt ihr, was er getan hat und warum. Zitat: “Weil sie mich benutzt und belogen hat. Wenn ich mich nicht selbst umbringen kann, dann ebenso. Ich hatte um Hilfe gebeten und darum mich aufzunehmen. Zitat Ende. Die Schwester bittet ihn sich zu stellen, aber er entgegnet, dass sein Leben vorbei ist und er nicht ins Gefängnis gehen wird. Er teilt ihr mit, dass er auf dem Weg in die Ukraine ist, um dort an der Front mitzukämpfen. Dann ruft er seine Eltern an und erzählt
ihnen am Telefon, was er getan hat. Diese verständigen daraufhin die Polizei, geben Kennzeichen und seinen letzten Standort durch. Er hat soeben die Grenze zu Deutschland überquert. Thomas hat anscheinend keine Ahnung davon, wie gut die niederländische und deutsche Polizei vernetzt sind. Ich habe auf YouTube mal ein Verfolgungsvideo gesehen von einem gestohlenen PKW in den Niederlanden und der Fahrer ist auch vor der Polizei geflüchtet und dachte wahrscheinlich, sobald er über die Grenze ist, sind die Polizisten
abgeschüttelt. Aber an der Grenze standen dann direkt mehrere deutsche Polizeistreifen, um ihn abzufangen. Und im Prinzip geschieht das gleiche hier mit Thomas. Die Polizei in den Niederlanden übergibt Kennzeichen, Fahrzeug und Personenbeschreibung an die Polizei in Deutschland und als Thomas durch den Mstunnel in Leer fährt, wird er von den Kameras erfasst, was ein Signal auslöst. Am Ende des Tunnels befindet sich die Wachstation der Autobahnpolizei. Seine Fahrt endet hier. Vor seiner Festnahme schafft er es noch,
Mikes Schwester Danik per Facebook eine Nachricht zu schreiben. Darin steht einfach nur Zitat: “Deine Schwester ist tot.” 48 Stunden später landet die Schwester zusammen mit den Eltern in Amsterdam Sriol. Sie bekommen von den niederländischen Behörden Seelsorger zur Seite gestellt und ihnen wird ein Opferanwalt angeboten. bedeutet, das ist dann nicht der Staatsanwalt, der vor Gericht den Täter hinter Gitter bringen will, sondern ein Anwalt, der sich für die Wünsche und Anliegen der Hinterbliebenen einsetzt, der sich
vorort um alle Informationen kümmert und an die Familie weiterträgt, damit diese sich nicht mit der Polizei, Staatsanwaltschaft und anderen Behörden einzeln auseinandersetzen müssen und das noch in ein anderen Sprache. Der Opferanwalt ist auch das Sprachror zwischen Familie und Presse. Wie eingangs erzählt, ist dieser Opferanwalt Sebastira, der im Nachhinein das Buch über den Fall geschrieben hat. Eine Woche nach dem Mord an Mie ist die Obduktion abgeschlossen. Ihre Familie lässt sie einäschern und
fliegt mit der Urne zurück in die Staaten. Währenddessen ist auch Tim im Krankenhaus erwacht. Er selbst kann sich an nichts erinnern. Seine letzte Erinnerung ist, wie er zu Bett ging und Mike kurze Zeit später dazu kam. Das nächste, was er weiß, ist wie er im Krankenhaus erwacht. Dort erfährt er, dass Mieike nicht mehr lebt. An sich selbst entdeckt er eine große Narbe, die über den gesamten Oberkörper geht. Ein notwendiger Schnitt, um ihn am Herzen operiert haben zu können. Ende März wird Thomas in die Niederlande
überstellt. Wie auch zuvor in Deutschland kommt er in eine Einzelzelle und wird streng bewacht, denn es liegt nahe, dass er sich etwas antun könnte. Er darf keine Medien konsumieren und keinen Besuch empfangen, auch nicht von seiner Familie. Das soll dafür sorgen, daß er seine Aussagen nicht durch äußere Einflüsse und Informationen anpasst. Bis zu seiner Vorverhandlung im Juli 2022 sieht er nur seinen Anwalt. Die Anklagepunkte lauten: Mord, versuchter Mord, schwere Körperverletzung, Brandstiftung und
Sachbeschädigung. Für die Staatsanwaltschaft liegt der Fokus ganz klar darauf, zu beweisen, dass es Mord und kein Totschlag war. bedeutet, es muß bewiesen werden, daß die Tat geplant und nicht im Effekt geschehen ist. Das Thomas der Täter ist, steht außer Frage, denn er ist auf den Kameras zu sehen, wie er zum Wohnhaus kommt und flieht. Seine Fingerabdrücke sind auf dem Messer und dem Hammer, die er beide am Tatort zurückgelassen hat. Und auch wenn Tim sich an nichts mehr erinnert, gibt es ja die anderen beiden
Mitbewohner, die ihn in der Wohnung gesehen haben. Und der verletzte Mitbewohner sogar, wie Thomas auf Mike und Tim einstach. Nicht zuletzt gibt es die Textnachrichten zwischen Thomas und seiner Schwester sowie die Facebooknachricht an Danik. Thomas selbst leugnet die Tat nicht, behauptet aber natürlich in den Verhören, dass er sich an die Tat nur lückenhaft erinnert. Also schon den ganzen Ablauf, aber nicht den Akt selbst. Er wollte niemanden töten, sondern einfach nur mit Miike reden und ihr einen Schrecken einjagen.
Das stimmt allerdings nicht mit den Vorbereitungen überein, die er getroffen hat. Es gibt Videoaufnahmen von zwei Tankstellen, an denen Thomas zum einen Feuerzeug gekauft hat und an der anderen einen Benzinkanister mit Benzin befüllt hat. Diese Aufnahmen stammen vom 3. März, also nur ein zwei Tage vor der Tat. Er hat zwei Molotof Cocktails vorbereitet. Er ist gezielt nach Hause gefahren, um diese in der Tat nachzuholen. Er hätte es sich auf den 40 Minuten nach Hause und den erneuten 40 Minuten zurück nach Learden jederzeit
anders überlegen können. In den Verhören gibt er zu Protokoll, dass es tatsächlich nur einen einzigen Moment gab, an dem er kurz inne gehalten hat. Und das war der Moment, bevor er die Flasche gegen das Fenster geworfen hat. Er dachte, Zitat: “Wenn ich das jetzt mache, ist es vorbei und sie redet nie wieder mit mir.” Besonders auffällig ist, dass er Mike ja geschrieben hat: “Komm raus.” Er hat ja aber gar keine Zeit gegeben, rauszukommen, denn den Molotov Cocktail hat er nur 7 Sekunden nach dieser
Textnachricht geworfen. Dadurch, dass er zuvor schon oft in der Wohnung war, weiß er natürlich auch, wo der Rauchmelder ist. Deswegen hat er die Flasche auch gegen das Küchenfenster geschmissen, um den Alarm auszulösen und alle Bach zu machen. Auf die Frage der Ermittler, ob Mike etwas gesagt hat oder wie sie geschaut hat, antwortet er, dass alles lückenhaft ist. Komischerweise kann er sich an die Tat bei Tim aber genau erinnern und das, obwohl ja nur wenige Sekunden dazwischen lagen. Er demonstrierte in Ermittlern
sogar, wie Tim zu Boden ging. Er sagt immer wieder: “Sein Leben ist vorbei und sie habe ihn in den Wahnsinn getrieben. Es sei also ihre eigene Schuld.” Wie gesagt, die Ermittler haben wolang immer wieder mit Thomas gesprochen, haben auch das typische Goodcop Badcop angewendet, damit sich Thomas dem netteren von beiden öffnet. Im Oktober 2022, ein Jahr nachdem er Mie kennengelernt hat, steht Thomas dann vor Gericht. Der Richter will von ihm wissen, wie es zu dem Mord an Miike kam. Thomas sagt, er und Miike hätten sich in
der Anfangszeit ziemlich oft gesehen. Er erzählt von dem Wochenende in Amsterdam, von den Besuchen im Fitnessstudio, gemeinsame Abende im Kino oder im Restaurant. Sie hatten einfach eine richtig schöne Zeit miteinander und er konnte sich eine Beziehung mit ihr vorstellen, denn er hatte sich in sie verliebt”, sagt er schluchzend auf der Anklagebank. Der Richter fragt nach dem Beziehungsstatus und Thomas antwortet: “Mie habe schon bei einem ihrer ersten Dates gesagt, dass sie kein Interesse an
einer festen Beziehung hat.” Er schildert dem Richter, wie schwer das für ihn gewesen sei. Nicht Mieike hätte gelitten, sondern er. Er sagt auch, er wünschte, er wäre vom Dach in Groningen gesprungen, denn dann wäre das alles nicht passiert. Aha. Sie hat ihm also von Anfang an klar gesagt, was sie will und was sie nicht will. Und selbst wenn es Freundschaft Plus war, ist es ihre freie Entscheidung. Und die Person gegenüber kann ebenso frei entscheiden, ob sie das mitmacht oder nicht. Er hat aber nicht
zu entscheiden, was sie darf und was nicht. Und genau das ist das Problem. Viele Männer akzeptieren die Grenzen einer Frau nicht, denn sie selbst wollen die Grenzen bestimmen. Klarer Fall von Femizid und das mit Ansage. Und genau das erklärt der Opferanwalt der Familie Ort, auch dem Gericht. Mikes Familie ist nicht im Gerichtssaal, sondern per Videokamera aus den Vereinigten Staaten zugeschaltet. Der Opferanwalt darf in ihrem Namen sprechen und er erklärt dem Gericht, daß Pfemizide von Männern begangen werden,
die große Schwierigkeiten mit der Emanzipation der Frau haben. [räuspern] Solche Männer können es nicht ertragen, dass eine Frau z.B. mehr verdient, sich behauptet und auch eine Beziehung beenden kann. Sie glauben, die Frau ist untergeordnet und müsse tun, was er sagt. Genau das ist hier passiert. Sein ständiges Drängen auf Klarheit von Mike war nichts anderes als der Wunsch, sie zu kontrollieren und zu beherrschen. Seine Forderung immer dieselbe, eine exklusive Beziehung mit Mieke. Alles andere war inakzeptabel.
Als Mieike es sogar wagte, sich in einen anderen zu verlieben, erklärte er ihr Leben für beendet. Wenn er sie nicht haben konnte, dann keiner. Und Mord ist die ultimative Form der Kontrolle. Er entscheidet, wie alt sie werden darf. Und somit ist es auch kein Totschlag, kein plötzlicher Impuls, sondern ein geplanter Mord, wie man es auch an den Vorbereitungen zur Tatnacht feststellen kann. Die Staatsanwaltschaft betont, dass er wusste, was er tut, weil er die beiden Mitbewohner ja verschont hat. Er ist
gezielt auf Mike und dann auf Tim losgegangen, obwohl anfangs ja vier Leute im Raum standen. Er hat also nicht wie benommen und wahllos gehandelt, was für einen klaren Verstand spricht. Auch als der Mitbewohner ihn an der Flucht hindern wollte, hat er nicht gezielt auf seinen Oberkörper eingestochen wie bei Miike und Tim, sondern ihn am Bein geschnitten, um sich loszureißen. Ein Zeuge für die Staatsanwaltschaft sagt aus, dass Thomas Tat an der Militäroperation glich. Zuerst der Molotofcocktail als eine Art
Ablenkungsmanöver und dann war er innerhalb von wenigen Sekunden auf dem Terrassenda hinter dem Haus und wiederum Sekunden später war er bereits drin und begann auf Mie einzustechen. Der Staatsanwalt fragt ihn, warum er sofort auf Mike losging, obwohl er ja, wie er selbst sagt eigentlich nur mit ihr reden wollte. Doch seine Antwort ist wenig befriedigend für Mikes Familie, denn er weiß es einfach nicht. Zitat: “Es ist außer Kontrolle geraten, Trauer, Wut, keine Ahnung, was der Rest war. Ich
wollte ihr nie weh tun, das hatte ich ihr versprochen.” Zitat Ende. Der Verteidiger von Thomas plädiert natürlich auf Totschlag. Sein Mandant sei ein psychisch labiler Mensch, der von seinem Gefühlschaos überwältigt worden ist. In ihm wütete ein Kampf von Trauer, Eifersucht und Panik. Und seine Aussage zufolge hatte Thomas nicht die Absicht, Mike zu töten. Die Situation sei nur völlig außer Kontrolle geraten, als Thomas Tim erblickte. In dieser blinden Wut habe er das Messer als Tatwerkzeug benutzt, das er
eigentlich nur dabei hatte, um Mieik zu erschrecken. Die Analyse seiner psychischen Probleme bleibt natürlich nicht aus. Sie haben zu den schrecklichen Ereignissen beigetragen. So assistieren Psychologen und Psychiater in einem Gutchten, das dem Gericht vorliegt, dass Thomas Schwierigkeiten hat, seine eigenen Gefühle und die Gefühle anderer zu verstehen. Sie diagnostizieren eine vermeidende und abhängige Persönlichkeitsstörung. eigentlich zwei konträre Persönlichkeitsstörungen, doch bei Thomas treffen beide Merkmale
zu, weswegen man auch von kombinierter Persönlichkeitsstörung spricht. Dazu kommen ADHS und Autismus. Er erklärt dem Gericht, daß ich schon in seiner frühen Kindheit Probleme zeigten, wie seine Akte belegt. Er besuchte eine Schule für Jugendliche mit Verhaltens und Lernschwierigkeiten. Tess in dieser Zeit ergaben, dass er ADHS und eine Autismuspektrumstörung hat. Seinen eigenen Angaben zufolge war er damals bereits depressiv, was seine späteren Suizidversuche erklärt. Nach dem Schulabschluss bewarb sich
Thomas bei der Marine, wurde aber abgelehnt. Der durchtrainierte junge Mann war eigentlich bestens geeignet, fiel aber im Bewerbungsverfahren bei den psychologischen Tests durch. Der Anwalt nutzt Thomas psychische Probleme bis zum äußersten aus, um auf vermindert schuldfähig zu pläieren. Er fordert 8 bis 10 Jahre Haft wegen Totschlags und eine anschließende Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik, wie wir erst schon gehört haben im anderen Fall, TBS. So soll sichergestellt werden, dass Thomas die notwendige Behandlung erhält,
bevor er in die Gesellschaft zurückkehren kann. Die Entscheidung über beide Argumente liegt natürlich beim Richter. Einen Monat nach Beginn der Verhandlungen am 11.11.2022 fällt der Richter sein Urteil. Thomas ist des Mordes an Mie, des versuchten Totschlags an Tim, der Brandstiftung und der Sachbeschädigung schuldig. Das Gericht ist überzeugt davon, daß er die Wohnung vorsätzlich betreten hat, um Mikes Leben zu beenden, aber nicht mit der Absicht, Tim zu töten. Dass er den Mitbewohner verletzte, wird im Urteil
nicht berücksichtigt und die Brandstiftung und Sachbeschädigung ziehen keine zusätzliche Haftstrafe mit sich, lautet es in der Urteilsbegründung. Er wird zu 15 Jahren Haft mit anschließendem Psychiatrieaufenthalt verurteilt. Bedeutet, vor dem Jahr 2037 wird er das Gefängnis nicht verlassen und darf zwei Jahre zuvor mit der psychiatrischen Behandlung TBS beginnen, denn der Richter sagt, dass Thomas unbehandelt weiterhin eine Gefahr für die Gesellschaft sein wird und für sich selbst, wie wir gleich noch hören
werden. In dem Urteil steht zudem, dass Mikes Vater und Mutter je 17500 € für seelisches Leid erhalten und Mikes Schwester Danik erhält hingegen nichts. Geschwister sind nämlich von dieser Regelung ausgeschlossen, egal wie nahe sie sich standen. Und auch Tim wird nur eine geringe Summe erhalten. Laut der Regelung in den Niederlanden kannten er und Mieike sich nicht lang genug, um von seelischem Leid zu sprechen. Er bekommt quasi nur Schmerzensgeld für den Angriff auf sein eigenes Leben. Die Regierung wird später versuchen, das
Geld von Thomas wiederzubekommen. Miekes Familie ist nicht zufrieden mit dem Urteil. Sie wussten zwar, dass sie nicht mit einem wortwörtlichen lebenslang wie in den USA rechnen können, aber die geforderten 20 Jahre der Staatsanwaltschaft halten sie für ein Minimum, zumal das immer noch weniger Jahre sind, als Miege alt werden durfte. Mikes Eltern wird erlaubt, ein selbst zusammengeschnittenes Video über Mike abzuspielen. Sie wollen, dass jeder sieht, um wen es hier eigentlich geht. Nämlich nicht um
Thomas, sondern um Mieke. Auf dem Video ist Miike als Kleinkind zu sehen, wie sie anhand ihrer Finger die Zahlen aufsagt. Außerdem kennt sie schon das Alphabet, zumindest bis zum Buchstaben H. Danach verliert sie den Faden. Die letzten Bilder des Videos zeigen Sie mit Coronamaske. Wahrscheinlich die letzten Bilder, die Sie von Mike haben. Mikes Eltern haben immer wieder betont, dass sie die Geschichte ihrer Tochter so weit wie möglich bekannt machen wollen, damit andere junge Menschen gewarnt werden vor den Gefahren solcher Apps,
aber auch des Internets generell. Im Nachgang, wenn es zu spät ist, sehen immer alle die Zeichen, die es gab. Dabei ist es wichtig, sie rechtzeitig zu erkennen. Mikes Vater sagt, dass man natürlich mit 18 bzw. Jahren erwachsen ist und eigene Entscheidungen treffen kann, aber er weiß daraufhin, dass medizinisch bewiesen ist, dass der präfrontale Cortex im Gehirn, der für Vernunft, Planung und Risikoeinschätzung zuständig ist, sich noch bis Mitte 20 entwickelt. bedeutet, junge Erwachsene handeln emotionsgesteuerter und weniger vernunft
gesteuert als ältere Erwachsene, was eine höhere Risikobereitschaft mit sich bringt. Ein Problem ist auch die Darstellung von Pemiziden in den Medien. Oft wird von einer Beziehungstat geschrieben, eine Art tödlicher Unfall, an dem beide Parteien eine Teilschuld tragen. Oder der Bericht enthält bereits die Entschuldigung für das Verhalten, denn sie wolle ihn verlassen. Deswegen hat er es getan. In den Niederlanden wurde untersucht, wie Journalisten über Femizide schreiben. Ich zitiere: “Eine der Schlussfolgerungen ist, dass
das Wort Mord in den Berichten oft vermieden wird. Stattdessen lesen wir, wie unerwartet dieser Gewaltausbruch war oder wie nett der Täter eigentlich wirkte. Dadurch übersehen wir die Tatsache, dass wieder einmal eine Frau getötet wurde, nur weil sie eine Frau ist. Ein Muster innerhalb unserer Gesellschaft, in der Frauen von manchen Männern immer noch als untergeordnet und nicht als Wesen mit eigenem Leben und Willen gesehen werden. Solange dieses Muster unbeachtet bleibt, wird sich nichts ändern. Solange die
Verantwortung in den Opfern zugeschoben wird, wird sich nichts ändern. In den Niederlanden passiert alle acht Tage ein Femizid und das muss aufhören. Zitatende. Die Überlebenden werden hingegen bei der Berichterstattung gern vergessen. Sie hatten schließlich Glück. Sie leben noch. Aber wie ist die Frage? Der Opferanwalt, also Sebastira, hat zwei Jahre nach dem Prozess ein Interview mit Tim geführt und das als Podcast aufgenommen, alles auf Niederländisch natürlich. Und darin erzählt Tim, dass er froh ist, sich an
nichts erinnern zu können. Er ist sich jedoch bewusst, dass seine Erinnerung plötzlich zurückkommen kann. Das hat ihm sein Psychologe gesagt, aber er hofft es nicht, denn seine letzte Erinnerung ist, wie er und Mike noch kurz geredet haben und dann eng umschlungen eingeschlafen sind. Tim war zwar im Gericht anwesend, aber nicht im gleichen Gerichtssaal. Er wollte nicht im gleichen Raum sein wie Thomas. Er hat den Prozess von einem Nebenraum aus per Video verfolgt. Er hat Thomas nie persönlich getroffen
und das wollte er auch vor Gericht nicht ändern. Er befürchtet, dass seine Erinnerung wiederkommt, wenn er vor ihm steht. Tim erzählt, dass er seitdem ein sehr gutes Verhältnis zu Danik aufgebaut hat. Beide bezeichnen sich als Schwester und Bruder. Der Kontakt für ihn ist sehr wertvoll, denn sie ist seine Verbindung zu Mike und andersrum wahrscheinlich genauso. Sie besuchen sich auch gegenseitig. Dann es auch diejenige, die Tim erlaubt hat, wieder glücklich zu sein und das Leben zu genießen, denn Mike hätte das
so gewollt. Durch das Trauma musste Tim sein Studium unterbrechen, will es aber zu Ende bringen, also zum Zeitpunkt des Interviews. Ich habe jetzt im Jahr 2026 natürlich nachgeschaut, wie es ihm geht und es scheint, als habe er einen Job gefunden und somit wohl sein Studium abgeschlossen. Um der Erzählung besser folgen zu können, habe ich ihn die ganze Zeit Tim genannt. Eigentlich heißt er Tom. Thomas und Tom waren mir aber zu ähnlich, um direkt immer zu wissen, von wem gerade die Rede ist. Damit sind wir am Ende der heutigen
beiden Fälle angekommen und es gibt einiges zu sagen. Diese beiden Femizide spielen natürlich genau in die Debatte, die seit Wochen öffentlich geführt wird, nämlich die Verantwortung muss die Seite wechseln. Ihr kennt meine Meinung dazu. Ich habe erst am Ende des letzten Videos was dazu gesagt und ich bin froh, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit denn je hat, denn es geht einfach nicht mehr zu sagen, was das Opfer und das schließt natürlich männliche Opfer von Gewalt mit ein, was das Opfer hätte anders machen
müssen, sondern die Täter in die Verantwortung zu nehmen und vor allem nicht durch rechtfertigen des Verhaltens in Schutz zu nehmen, was man automatisch damit tut. Einige Sachen wurden schon durch die Zitate aus den Niederlanden angesprochen und es geht im Endeffekt immer um Machtgefälle und Kontrolle und somit um Kontroll und Machtverlust, die zu solchen Taten führen im Endeffekt. Und wisst ihr was das Schlimme daran ist? Es war ja erst die Rede von verhaltensweisen Vorher zu erkennen. Das Problem ist, selbst wenn du das bei
jemandem siehst, wenn du das erkennst, du kannst das ja nicht einfach jemandem unterstellen. Denn wenn du das machst, also wenn man jetzt namentlich sagen würde, also der der hat schon solche Auffälligkeiten gezeigt, da kann ich mir das hypothetisch vorstellen, also nicht nur hypothetisch. Also, wenn du jetzt sagst mit einem Namen, bei dem kann ich mir das vorstellen, das geht ja nicht. Da bist du ja wegen Rufmord schneller vor Gericht als die Person wegen Mord. Und wenn dann was passiert ist, dann
musst du erstmal handfest beweisen. Also, wenn du noch lebst und die Chance hast, das zu beweisen, dann musst du das erstmal beweisen, dass dir das wirklich passiert ist. Vor Gericht natürlich, weil wenn dir jemand im ins Auto reinfährt, dann siehst du auch, dass es passiert ist, ohne dass es schon vorgericht bewiesen ist. So, ich komme gleich zu einem konkreten Beispiel, aber rein und theoretisch, wenn sich jetzt irgendwas zu Hause abspielt, musst du ja überall versteckte Kameras haben für den
Fall, dass du nachts irgendwas nicht willst und es dann nächsten Morgen sonst heißt Aussage gegen Aussage. Und kannst du nichts beweisen, ist auch nichts passiert. Das haben wir die letzten Jahre so oft gesehen, das ist einfach ekelhaft. Und selbst wenn es etliche Dokumente gibt, ich sag nur Fils, da hatte letztens noch jemand gesagt bei diesem widerlichen Foto, wo so ein alter Knacker über einer bewusstlosen Jungen Frau, vielleicht war sogar ein Kind, hängt und da sagt jemand, ich weiß leider nicht mehr wo, weil ich so viele
Sachen gesehen habe, äh Clips und Videos und tralala. Und da sagt jemand in dem Interview, ja, vielleicht wollte der ja nur erste Hilfe leisten. Schämt er sich gar nicht? Es gibt so viele Dinge, die mich an diesen patriarchalen Strukturen aufregen. Da ist zum einen eben diese Täter Opferumkehr, also Victim Blaming. Dann haben wir Täter, die auf einmal alle samt ganz kleinlaut sind, vor Gerichtern natürlich, fühlt dich aber einer Frau gegenüber mächtig genug in eins zu ein Situation, aber vor Gericht
versuchst du dich dann rauszuwinden und mit einer so geringen Strafe wie möglich davon zu kommen. Ich habe gerade und das ist das Beispiel, ein Prozess auf Kurtv geschaut, der auf Hawaii statt Hawaii stattfand, wo ein Arzt seine Frau an ihrem Geburtstag beim Wandern den Berg runterstoßen wollte. Sie hat es aber irgendwie vorher geahnt, weil er immer gesagt hat, komm mal hier an den Rand der Klippe Fotos machen. Und die fand es halt komisch. Und dann hat er schon so versucht, sie so dahinz drücken und dann
hat sie sich auf den Boden geschmissen und an Sträuchern festgekrallt. Und was macht er? Er kniet sich auf sie drauf, nimmt einen Stein und schlägt mit dem Stein auf ihren Kopf ein. Und dann kommen auf einmal zufällig zwei Wanderinnen vorbei und die sehen das, wie er da auf den Kopf einschlägt und dadurch stoppt dann der ganze Angriff und er flüchtet. Ich muss auch nicht mehr mutmaßlich sagen, denn er wurde mittlerweile verurteilt letzte Woche. Das Strafmaß steht noch aus. Aber was macht der vor
Gericht? Also was hat er gemacht? Der wollte natürlich selber aussagen, weil er dachte, Mensch, ich kann mit meinem Scharm hier die Jury überzeugen. Hat er auch ein bisschen geschafft, leider. Auf jeden Fall dreht er das Ganze um, also er hat’s umgedreht und gesagt, sie wollte ihn runterstoßen. Das hat alles überhaupt keinen Sinn gemacht, was der da erzählt hat, aber ich sag euch, wären die Wanderinnen nicht gekommen und hätten gesehen, dass er den Stein benutzt und auf sie einschlägt, dann hätte wieder einfach
Aussage gegen Aussage gestanden und das macht mich so wütend. Steh als Täter gefälligst zu deiner Tat und nimm die Strafe in Kauf, ohne wenn und aber ohne dich daauszuwinden, weil du hast dich in der Situation ja auch groß und mächtig gefühlt, dann bitte tut das auch vorgericht. Und zweitens macht mich wütend, dass du als Opfer trotz der offensichtlichen Verletzungen beweisen musst, dass dir das passiert ist. Und das ist ja generell so. Das hier ist ja nur ein Beispielfall. Und wie gesagt, er wurde verurteilt,
aber nicht für versuchten Mord. Also, der Strafmaß steht aus, habe ich gerade gesagt, aber die Jury hat sich auf eine geringere Strafe geeinigt, weil offensichtlich nicht alle Jurymitglieder das gleich bewertet haben, seine Aussage. Und da frage ich mich und euch, was will man mit dem Einschlagen auf den Kopf mit einem Stein ansonsten erreichen? Wenn das kein versuchter Mord ist, was soll das sonst sein? Sie sollte kurz ruhig sein oder? Und was mich ebenfalls auf die Palme bringt, sind Anwälte, die solche Leute
verteidigen. Dass es Strafverteidiger geben muss, ist klar, denn zu Unrecht Angeklagte brauchen gute Verteidiger. Aber wenn ich als Anwalt weiß, mein Mandant ist schuldig wegen Beweisen, weil seine Aussagen sonst keinen Sinn machen, weil er es vielleicht zugegeben hat, aber natürlich vorgericht was anderes dann versucht wird rauszuholen, dann kann ich das moralisch überhaupt nicht nachempfinden, da das Beste als Anwalt rausholen zu wollen. Ja, es ist ihr Job. Meine Frage ist aber, warum ist genau das dein Job geworden?
Für diese Leute geht es nämlich nicht darum, ein gerechtes Urteil für alle Beteiligten zu finden, sondern diesen Anwälten geht es einzig und allein ums Gewinn. Und das meine ich damit. Die Verantwortung muss die Seite wechseln. Steht zu dem, was du gemacht hast und nimm deine Strafe ohne, wenn und aber in Kauf und versuch nicht und das zählt eben mit zu den Anwälten, die versuchen dann Fehler bei den Opfern zu finden, die entschuldigen, was der Mann gemacht hat. Und das ist dann das, was die Gesellschaft, also nicht alle, ihr seht
das selber auf den Social Media Plattformen, wer da was schreibt, aber viele, die das dann so übernehmen und die dann sagen, ja stimmt, der Anwalt hat ja das und das gesagt oder in den Medien wurde so und so geschrieben. Ja, stimmt, sie hat Schuld. Am besten heutzutage. Manche wollen ja sogar, dass man als Frau nur noch mit dem Mann rausgeht. Warum gibt es immer Vorschläge, was Frauen anders machen können? Ich möchte echt mal wissen, was los wäre, wenn ich sagen würde, einfach so in dem Video, wie jetzt, Mensch, am
besten Ausgangssperre für Männer am Wochenende. Was denkt den ihr, was dann auf den Straßen los wäre? Es würden alle Frauen sich frei bewegen? Solche Vorschläge macht niemand, aber die Frau soll bitte nur noch mit dem Mann rausgehen, weil es sicherer ist. Und es kommt einem so vor, als ob es ein Sport geworden ist für Anwälte in dem Lebenslauf irgendwelche medizinischen Auffälligkeiten zu suchen, die das Ganze entschuldigen. Das kommt noch dazu. Und deswegen kann ich so gut nachempfinden, dass es für beide Familien, die von
Sarah und die von Mike, ein Unding ist, dass beide Männer innerhalb von wenigen Jahren ihr Leben einfach weiterleben werden. Wobei ich bei Thomas noch ergänzen muss, dass dieser am 23. Februar 2026 leblos in seiner Zelle aufgefunden wurde. Also, das ist jetzt keine zwei Monate her. und ist auch erst am ersten März bekannt geworden, weil seine Schwester sich auf Facebook von ihm verabschiedet hat mit einem Post, also gemeinsamen Kinderfoto von beiden und den Worten: “Dein Kampf ist vorbei, dein Leben war schwer.”
Ich bin übrigens immer wieder überrascht, wie viele Leute einfach ein öffentliches Facebookpil haben, aber das nur am Rande. Die Familie Ort muss also nicht befürchten, dass Thomas noch mal jemandem etwas antut. Tim, also Tom. muß auch nicht mehr befürchten, ihm irgendwann über den Weg zu laufen. Aber was mit Joel ist, wissen wir eben nicht. Ihr kennt bestimmt das Motto, was die Briten nach dem Tod von Sarah Everard in die Welt getragen haben. Das ist die junge Frau, die während der Pandemie in
London auf dem nach Hauseweg war. 21 Uhr war das erst und dann hat ein Polizist in Zivilkleidung sie angehalten und gesagt, ja, es ist ja Ausgangssperre. Stimmte nicht, aber es war kurz vorher noch so. Deswegen hat sie ihm geglaubt und er hat ja dann Handschellen angelegt, sie auf die Rückbank gesetzt, ist in Waldstück gefahren und dann wurde sie, ich glaube am nächsten Tag oder zwei Tage später tot aufgefunden und dann sind ja alle auf die Straße gegangen, Proteste und auf jeden Fall haben sie dann dieses Motto hochgehalten
und zwar Protect your Daughters, das war durchgestrichen: Educate your sons, schützt eure Töchter, das durchgestrichen, erzieht eure Söhne. als Ausruf. Und genau dieses Motto habe ich in der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Thema eben auch wieder gesehen. Und es ist auch einfach Fakt. Bringt euren Kindern allgemein bei, wie man mit Ablehnung umgeht. Und da geht es nicht um materielle Dinge, wenn man mal was nicht bekommt, denn ich glaube, den Kampf erleben Eltern jeden zweiten Tag im Supermarkt oder sonst wo, sondern
wirklich um Ablehnung von anderen Menschen, von anderen Kindern, ausgeschlossen werden von Gruppen. Solche Sachen müssen emotional begleitet werden. Denn zu sagen, na ja, da mussten wir früher alle durch, ist halt so. Dazu kann ich nur sagen, mit einem, das war schon immer so, wurde noch nie Veränderung erreicht. Und um noch mal konkret auf die beiden Fälle heute zu kommen und dass ihr seht, warum ich die beiden Fälle zusammengenommen habe, wir haben zwei Frauen, beide kurz vor ihrem 22. Geburtstag. Beide aus den USA und als
Studentinnen in den Niederlanden. Beide wurden von einer ihr vertrauten Person ermordet mit einem Messer in der eigenen Wohnung. Beide Täter Niederländer. Beide haben aus Wood gehandelt, weil Sarah und Mieike sich distanziert haben und beide Männer das nicht akzeptieren konnten. Beide Familien der Opfer hatten den gleichen Opferanwalt. Der Fall von Mie ist halt viel bekannter, weil man mit der Tindermord natürlich die auffälligere Schlagzeile hat. In beiden Fällen haben übrigens die Eltern ihre
Kinder an die Polizei ausgeliefert, was sicherlich nicht leicht war. Wir hatten ja letztes Mal erst das Thema mit dem Um Hilfe rufen und da schrieb jemand: “Na ja, schreie kann man wohl von schreien unterscheiden. Und also kann ich nur sagen, weder im Fall von Diayana in Shanghai noch bei Sarah in Rotterdam haben die Nachbarn auf die offensichtlichen Todesschreie reagiert.” Und ganz viele von euch haben geschrieben, man soll Feuer rufen, weil man dann unter Umständen ja auch betroffen ist. Logisch. Aber was, wenn
ich rausschaue und nichts sehe und auch keinen Qualm rieche? Und was macht die Feuerwehr eigentlich, wenn sie kommt und kein Brand sieht? Geht sie dann die Wohnungen? Also, man und die Schreier haben aufgehört oder die Hilferufe. Woher weiß man dann, wo man hin soll? Also, ich würde jetzt Feuer nur bei Feuer rufen, aber ich verstehe, was ihr meint. Ich möchte aber noch sagen, dass ich mich gar nicht explizit auf Wohnungen bezogen habe, sondern generell um was ist besser? Schreien, Hilfe rufen oder vielleicht eben was ich
vorgeschlagen habe Polizei. Weil wenn ich im Wald joggen bin und irgendwie überrumpelt werde, dann schrei ich ja auch nicht Feuer. Also ich will mich ja bemerkbar machen. Hey, ich kenne den nicht. Ich habe vielleicht nur eine Chance, bevor ich irgendwo im Kofferraum lande, irgendwas zu rufen. Und ich finde, und ich bleibe dabei, durch das Wort auch von mir aus in Kombination mit Hilfe, Polizei ist klar, die Person braucht Hilfe, die Person kennt die Person neben sich nicht und so weiter. Das wollte ich nur noch mal klarstellen.
Ich danke euch natürlich für eure ganzen Nachrichten dazu. Und nur schreien muss man eben mehrmals hören und einordnen, bis einem klar ist, okay, da ist jetzt wirklich Handlungsbedarf. Siehe Diana und Sarah. Bei Mike finde ich außerdem traurig, daß sie keine Chance hatte, obwohl drei weitere Männer anwesend waren. Und Achtung, ich gebe denen keine Schuld, darum geht’s nicht. Aber wenn man von außen drauf guckt und dann sieht, okay, physisch drei Männer gegen ein, wäre wahrscheinlich möglich gewesen, ihn zu
überwältigen. Aber ich verstehe natürlich total den Fluchtreflex und war ja auch noch nie in einer in so einer Situation und jeder reagiert, wie er reagiert. Ich bin mir sicher, ich werde das Video fertig haben und denken, Mensch, diesen und jenen Gedanken hattest du noch während der Recherche und wolltest du loswerden, aber das soll für heute reichen. Es ist echt schon wieder spät geworden hier, deswegen lasst euch nicht unterkriegen, egal was um euch rum los ist. Und wir hören uns und sehen uns
beim nächsten Mal. Macht’s gut.
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