Es ist ein Affront, den sich ein privates Unternehmen kaum erlauben dürfte – doch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk scheint das Versagen zur neuen Normalität zu gehören. Die aktuelle Fußballweltmeisterschaft in Nordamerika, die von vielen als Ablenkung vom politischen Alltag ersehnt wurde, hat sich für Millionen deutscher Zuschauer bereits vor dem ersten Anpfiff in ein Ärgernis verwandelt. Das ZDF, finanziert durch die monatlichen Zwangsabgaben jedes Haushalts, hat bei der Eröffnungsfeier eine beispiellose Bruchlandung hingelegt. Während die Welt auf die spektakulären Bilder im Stadion blickte, bekamen die Zuschauer in Deutschland primär eines zu sehen: Werbung.
Die Empörung in den sozialen Netzwerken war unmittelbar und massiv. „Wie dreist“, „absolut inkompetent“, „ein Schlag ins Gesicht der Zuschauer“ – das sind nur einige der Kommentare, die sich über die Sendeleistung ergossen. Doch es geht um weit mehr als eine verpasste musikalische Einlage. Es geht um das Grundverständnis eines Systems, das sich mit 18,36 Euro monatlich pro Haushalt finanziert, sich jedoch in der Praxis wie ein Monopolist aufführt, der keine Rechenschaft schuldig ist. Im Vergleich dazu bietet Netflix bei einem zahlungspflichtigen Abonnement – das man immerhin selbst kündigen kann – werbefreie Inhalte. Das ZDF hingegen kassiert, liefert jedoch ab wie ein Absteiger.
Die Enttäuschung der Fans ist doppelt bitter. Stundenlange Vorberichte wurden produziert, um dann ausgerechnet zum Höhepunkt der Feierlichkeiten in die Werbepause zu gehen. Wer sich vom politischen Diskurs, der sonst das Programm dominiert, ablenken wollte, wurde eines Besseren belehrt. Denn das „WM-Fiasko“ ist nur ein Symptom für ein tieferliegendes Problem: Die Politisierung selbst jener Bereiche, die eigentlich zur Entspannung und Freude der Bürger dienen sollten.

Man fühlt sich unweigerlich an das „Sommermärchen“ von 2006 erinnert, als „Deutschland zu Gast bei Freunden“ das Motto war. Heute jedoch scheint der Ton ein völlig anderer zu sein. In den Leitmedien wird das aktuelle Turnier teilweise als „Trumps WM-Debakel“ geframed, wo die „Welt zu Gast bei Feinden“ sei. Diese Art der Berichterstattung ist nicht nur abstoßend, sie ist ein klares Indiz dafür, wie weit sich die Redaktionen von einer neutralen Berichterstattung entfernt haben. Man fragt sich ernsthaft: Was bezwecken diese Journalisten damit? Wollen sie jede Form der Freude am Sport, am eigenen Land oder an einer kollektiven Erfahrung mit moralischen Zeigefingern ersticken?
Dass dabei Fakten oftmals ignoriert oder gar verdreht werden, rundet das düstere Bild ab. So wurde beispielsweise behauptet, das Sommermärchen 2006 habe zu „programmähnlichen Zuständen“ geführt – eine Behauptung, für die es seitens der Polizei oder offizieller Stellen keinerlei Belege gibt. Man muss sich fragen, ob es sich hierbei noch um Journalismus handelt oder bereits um gezielte Propaganda, die darauf abzielt, ein bestimmtes Bild der deutschen Geschichte und Gesellschaft zu zeichnen.
Besonders perfide ist die Debatte um Patriotismus und Deutschlandfahnen. Während andere Nationen bei Turnieren stolz ihre Identität feiern – man denke an die Autokorsos mit türkischen Flaggen, bei denen das Herz eines jeden Landsmannes höherschlägt –, wird in Deutschland eine Deutschlandfahne am Auto oder im Garten oft als problematisch, wenn nicht gar als provokant wahrgenommen. Es gibt sogar Berichte über Vorfälle im Bundestag, bei denen Deutschlandfahnen nach Polizeiinsätzen entfernt wurden. Es scheint, als solle dem Bürger systematisch die Freude an der eigenen Herkunft ausgetrieben werden. Der Vorwurf des „Selbsthasses“ ist hart, aber angesichts der täglichen Berichterstattung und der sozialen Dynamik, die versucht, jeden Anflug von Nationalstolz in die rechte Ecke zu stellen, kaum mehr von der Hand zu weisen.
Warum ist das so? Warum wird das deutsche Fußballteam, das bei einer WM eigentlich als Aushängeschild der Nation dienen sollte, in ein Korsett gezwängt, in dem nationale Symbole kaum noch eine Rolle spielen dürfen? Selbst bei der Kleidung des Personals – etwa bei Fluggesellschaften wie der Lufthansa – scheinen nationale Wimpel oder Farben nicht mehr erwünscht zu sein. Es ist eine schleichende Entfremdung, die sich durch alle Ebenen der Gesellschaft zieht.
Die Menschen in Deutschland sehnen sich nach einer echten sportlichen Euphorie, die sie von ihrem Alltag ablenkt. Doch anstatt diese Euphorie zu fördern, wird sie von einer moralisierenden Medienmaschinerie zerredet. Wer heute noch stolz sein Land repräsentiert, muss sich rechtfertigen. Und wer sich über das mangelhafte Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beschwert, dem wird mit der vollen Härte der Zwangsgebühren-Struktur gedroht – bis hin zur Gefängnisstrafe für Zahlungsverweigerer. Ein System, das den Bürger zur Kasse bittet, ihn aber gleichzeitig mit politisch aufgeladenen Kommentaren belehrt und dabei handwerkliche Fehler bei der Sendeleistung begeht, hat seinen Auftrag längst verwirkt.

Es ist eine Stimmung der Ernüchterung, die sich breitmacht. Laut Umfragen von Sendern wie NTV gibt es ein regelrechtes „Desinteresse statt Euphorie“. Das verwundert kaum, wenn das Umfeld, in dem Fußball stattfindet, nicht mehr als gemeinschaftliches Fest, sondern als politisches Minenfeld wahrgenommen wird. Die Freude am Sport wird erstickt von einer Berichterstattung, die meint, den Zuschauer nicht nur informieren, sondern erziehen zu müssen.
Am Ende bleibt die Frage: Wie lange lässt sich die Bevölkerung dieses Spiel noch gefallen? Die Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern ist kein neues Phänomen, doch sie erreicht eine neue Qualität, wenn die Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Sender und der realen Leistung bei einem globalen Großereignis wie der WM so eklatant wird wie in diesem Fall. Die Zuschauer haben ein Recht darauf, dass ihre Gebühren für eine professionelle und vor allem unterhaltende Sportberichterstattung genutzt werden, ohne dass sie sich in jeder Sendeminute politisch verbogen fühlen müssen.
Deutschland braucht keine neuen „Sommermärchen“-Propaganda-Kampagnen, die im Nachhinein umgeschrieben werden. Was es braucht, ist eine Rückbesinnung auf die Freude am Sport und auf ein normales, gesundes Verhältnis zum eigenen Land. Wenn die Sender ihre Pflicht nicht erfüllen können, dann muss die Debatte über das Zwangsgebühren-System endlich grundlegend geführt werden. Bis dahin bleibt das WM-Fiasko des ZDF ein warnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn Ideologie über Qualität gestellt wird. Die Zuschauer haben jedenfalls genug von diesem „Schwachsinn“ – und ihre Meinung ist in den sozialen Medien deutlicher denn je zu hören. Es ist Zeit, dass die Verantwortlichen endlich zuhören, anstatt die Fans weiterhin für dumm zu verkaufen. Das Stadion ist leer, die Euphorie ist verflogen – und das ZDF sendet weiterhin Werbung, während der Ruf nach Reformen lauter wird.
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