Es war der 19. Juni 2016, als einer der größten deutschen Schauspieler für immer die Augen schloss. Götz George starb im Alter von 77 Jahren in Hamburg. Doch die Welt erfuhr davon nichts. Es gab keine Eilmeldungen auf den Bildschirmen, keine schwarzen Titelseiten, keine hastig verfassten Nachrufe in den großen Tageszeitungen. Eine ganze Woche lang blieb die Öffentlichkeit völlig ahnungslos. Erst am 26. Juni, als George längst im absolut engsten Familienkreis beerdigt worden war, trat seine Agentin mit der traurigen Gewissheit an die Öffentlichkeit. Keine Kameras durften seinen letzten Weg dokumentieren, keine fremden Blumen schmückten sein Grab. Selbst in den ersten Medienberichten hieß es fälschlicherweise, er sei in Hamburg beigesetzt worden. Doch die Wahrheit war eine andere, eine zutiefst symbolische: Götz George lag auf dem Friedhof in Berlin-Zehlendorf. Zwei Gräber neben seinem Vater, Heinrich George. Ausgerechnet neben dem Mann, vor dessen übermächtigem Schatten er ein ganzes Leben lang davongelaufen war.

Für Millionen von Deutschen war Götz George ein vertrautes Gesicht, ein Teil der Familie. Ganze 32 Jahre lang flimmerte er in unsere Wohnzimmer. In 29 „Tatort“-Folgen und 19 weiteren Filmen verkörperte er den Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski. Wir kannten den Mann im beigen Parker, der fluchte, der sich prügelte, der Currywurst aß und am Ende des Tages doch immer unbeirrbar auf der richtigen Seite stand. Er machte das Wort „Scheiße“ im deutschen Fernsehen salonfähig. Doch den sensiblen, verletzlichen und zutiefst komplexen Menschen hinter dieser ikonischen Rolle – den kannte im Grunde niemand. Götz George sorgte mit einer fast schon obsessiven Vehemenz dafür, dass das auch so blieb. Doch was trieb diesen Mann an? Warum verbrachte er Jahrzehnte auf der Flucht vor der Öffentlichkeit und suchte Trost in der absoluten Einsamkeit Sardiniens?
Um Götz George wirklich zu begreifen, muss man eine Zeitreise antreten. Zurück in das Jahr 1945, in ein bürgerliches Haus am Kleinen Wannsee in Berlin. Hier wuchs Götz auf, und schon sein Name war kein bloßer Zufall. Benannt wurde er nach „Götz von Berlichingen“, der absoluten Lieblingsrolle seines Vaters auf der Theaterbühne. Dieser Vater, Heinrich George, geboren als Georg Schulz, war nicht irgendwer. Er war einer der massigsten, präsentesten und größten Theaterschauspieler seiner Ära. Ein Star in Meisterwerken wie „Metropolis“ und „Berlin Alexanderplatz“, aber eben auch ein Mitwirkender in den Propagandafilmen des NS-Regimes. Über dem heimischen Wohnzimmer hing ein wuchtiges, breitschultriges Porträt von Heinrich, gemalt von Otto Dix. Für den kleinen Götz war dieses Bild wie ein Mahnmal, ein „patriarchales Über-Ich“, wie er es später nannte. Er erinnerte sich an heftige Schläge des Vaters, die er in späteren Jahrzehnten fast schon verzweifelt als eine Art „Liebesbezeugung“ umzudeuten versuchte. Ein Wort, das tiefe Abgründe zwischen Vater und Sohn erahnen lässt.
Dann kam der Frühling 1945. Sowjetische Soldaten stürmten das Haus am Wannsee. Der kleine Götz, gerade einmal sechs Jahre alt, saß starr vor Angst, überzeugt davon, dass sie alle erschossen werden würden. Doch die Soldaten sangen. Kurz darauf wendete sich das Blatt dramatisch: Heinrich George wurde denunziert, verhaftet und in das berüchtigte Verhörlager Hohenschönhausen des sowjetischen Geheimdienstes gebracht. Seine Frau Berta durfte ihn einmal pro Woche am Tor besuchen – für exakt fünf Minuten. Am 6. Dezember 1945 durfte der kleine Götz mitkommen und seinen Vater ein allerletztes Mal umarmen. Am 25. September 1946 starb der einst so gefeierte, massige Mann im Speziallager Sachsenhausen, abgemagert auf ein Skelett, weil sein Körper versagte. Als die Todesnachricht eintraf, packte der siebenjährige Götz seine völlig verzweifelte Mutter an den Schultern und sprach einen Satz, der viel zu groß für ein Kind war: „Vater steht immer hinter dir.“
Von da an wuchs Götz vaterlos auf. Berta zog ihn und seinen Bruder Jan alleine groß. Die Schule vernachlässigte der Junge, die Bühne zog ihn magisch an. Schon 1950 stand er als Elfjähriger im Berliner Hebbel-Theater auf den Brettern. Er ging regelmäßig mit seiner Mutter ins Kino, um sich die alten Filme seines Vaters anzusehen. „Was ich auf der Leinwand sah, war kein Vater, es war ein Übervater“, erinnerte sich Götz George später. Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit war erdrückend. „Was will denn der Kleene jetzt, der will doch nicht seinem Vater nacheifern?“, ätzte die Presse, als er selbst Schauspieler wurde. Seine Antwort war Trotz: „Da gehört dann ja doppelte Kraft dazu.“ Er wurde berühmt, gefeiert, geliebt. Doch mit jedem Schritt ins Scheinwerferlicht zog er sich innerlich weiter zurück.

Sein Privatleben war geprägt von großen Lieben und bitteren Brüchen. 1962 verliebte er sich bei der Bambi-Verleihung unsterblich in die österreichische Schauspielerin Loni von Friedel. Sie heirateten, bekamen 1967 Tochter Tanja Nicole. Loni opferte für die Familie ihre vielversprechende internationale Karriere. Doch nach zehn Jahren Ehe folgte 1976 die harte Trennung. Loni zog mit Tanja nach Hamburg, Götz blieb in Berlin. Es folgte ein radikales Schweigen: Jahrzehntelang wechselten die einstigen Eheleute nicht ein einziges Wort mehr miteinander. Die Tür war für immer zugeschlagen. Auch seine spätere, zwölfjährige Beziehung zur Regieassistentin Gabi Pauler endete in Schmerz und juristischen Auseinandersetzungen, als die Klatschpresse Wind davon bekam. Götz George reagierte auf solche Einmischungen in sein Leben stets mit schonungsloser Härte. 23 Mal verklagte er Zeitungen und Magazine, 23 Mal gewann er. Er schützte sein Innerstes mit derselben rücksichtslosen Entschlossenheit, mit der sein Alter Ego Schimanski Verbrecher jagte.
Seinen wahren Frieden fand er nur weit weg von Deutschland, das er später bitter als einen Ort beschrieb, an dem er „nur noch zum Arbeiten und Steuernzahlen“ sei. 30 Jahre lang war die Insel Sardinien sein rettendes Refugium. Ohne Festnetz, ohne Handy, ohne Computer. Er schwamm im Meer, fuhr Motorrad, tauchte und schrieb jeden einzelnen Tag Tagebuch. Aufzeichnungen, die er per testamentarischer Verfügung nach seinem Tod verbrennen ließ. Selbst im Tode sollte sein Innerstes unantastbar bleiben. Wie nah er dem Tod bereits im Leben stand, zeigte das Jahr 1996. Beim Schwimmen vor Sardinien wurde er von einem heranrasenden Motorboot überfahren. Nur weil er geistesgegenwärtig 50 Zentimeter tief tauchte, um seinen Kopf zu retten, überlebte er schwer verletzt am Bein.
Doch ein Thema ließ den Einzelgänger trotz aller Fluchtversuche nie los: sein Vater. Jahrzehntelang hatte er eisern geschwiegen. 2013 schließlich, im Alter von 74 Jahren, nahm er die schwerste Rolle seines Lebens an. Im Film „George“ verkörperte Götz seinen eigenen Vater Heinrich. Es war eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Trauma. Gemeinsam mit seinem Bruder Jan reiste er an die düsteren Orte der Vergangenheit, in die Lager Hohenschönhausen und Sachsenhausen. Er erfuhr, wie sein Vater bis zuletzt im Lager Theater spielte, phonetisch russische Texte auswendig lernte, nur um nicht innerlich zu sterben. „Er war immer besser als ich“, gab Götz George später in einem seltenen, berührenden Interview zu. Er räumte ein, dass sein Vater sich körperlich breit gemacht habe, während er selbst immer schmaler geworden sei. Ein Leben im Dialog mit einem Geist.

Sein letzter Lebensabschnitt gehörte der Stille und der Liebe zu der Hamburger Journalistin Marika Ullrich, mit der er 17 Jahre zusammenlebte, bevor sie 2014 heimlich, fernab aller Kameras, heirateten. Seine Tochter Tanja hatte sich indes ein Leben am anderen Ende der Welt aufgebaut. Als Bildhauerin in Australien arbeitete sie mit den Händen, weit weg vom dominierenden Namen George. Doch die Bindung war nie völlig gerissen, sie war nur still. Als Götz George nach kurzer, schwerer Krankheit im Sommer 2016 im Sterben lag, war Tanja an seiner Seite. Sie war 17.000 Kilometer geflogen, um bei ihm zu sein. Zusammen mit Marika begleitete sie den Mann, der sein Leben lang vor der Öffentlichkeit floh, auf seinem letzten Weg.
Heute liegt Götz George dort, wo seine Reise ihren unsichtbaren Ursprung nahm. Auf dem Friedhof Zehlendorf, Feld 1392. Ein schlichter Stein, zwei Gräber neben Heinrich George. Der Sohn ist zum Vater zurückgekehrt. Und während seine Stiftung bis heute unermüdlich ältere, vergessene Schauspieler unterstützt, bleibt uns die Erinnerung an den Mann im Parker, an die Currywurst und an einen unvergleichlichen Künstler, dessen größte Lebensleistung vielleicht gar nicht auf der Leinwand stattfand – sondern darin bestand, sein wahres Ich bis zum letzten Atemzug zu beschützen.
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