Es sind Bilder, die eigentlich eine feierliche Einigkeit und den unerschütterlichen Zusammenhalt Europas demonstrieren sollten, doch hinter den Kulissen offenbarte sich ein politisches Schauspiel, das viele Beobachter fassungslos zurücklässt. Im Europäischen Parlament in Straßburg wurde ein neuer Höhepunkt der politischen Inszenierung erreicht, als der ehemaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hochkarätige EU-Verdienstorden verliehen wurden. Doch die eigentliche Brisanz dieser Veranstaltung lag nicht in der viel kritisierten Frage, ob diese Persönlichkeiten eine solche Ehrung überhaupt verdienen, sondern in der Art und Weise, wie die Europäische Union die eklatanten Proteste gegen diese Preisverleihung vor der breiten Öffentlichkeit systematisch zu vertuschen versuchte. Was sich dort abspielte, weckt bei Kritikern dunkle Erinnerungen an die inszenierte Einstimmigkeit vergangener Diktaturen und wird offen als Rückfall in DDR-Methoden gebrandmarkt.

Der Kern des Skandals liegt in einem massiven, demonstrativen Boykott. Zahlreiche konservative, rechte und patriotische Abgeordnete aus ganz Europa hatten im Vorfeld beschlossen, dieser Zeremonie fernzubleiben. Es war ein klares, starkes politisches Statement: Leere Ränge als Symbol des lautstarken Protests gegen eine Politik, die in den Augen dieser Abgeordneten den Kontinent in eine tiefe Krise gestürzt hat. Die Strategie war offensichtlich – die leeren Sitze sollten den Fernsehzuschauern und der anwesenden Presse schonungslos aufzeigen, wie zerrissen das Parlament und damit die gesamte Europäische Union in Wahrheit ist. Doch das politische Establishment in Brüssel und Straßburg hatte andere Pläne und griff zu einer Maßnahme, die in ihrer Dreistigkeit ihresgleichen sucht.

Um die drohende Blamage vor laufenden Kameras abzuwenden und das perfekte, harmonische Bild für die abendlichen Nachrichtensendungen wie die Tagesschau zu garantieren, wurden die verwaisten Abgeordnetenplätze kurzerhand aufgefüllt. Und zwar nicht mit gewählten Volksvertretern, sondern angeblich mit loyalen Mitarbeitern anderer Politiker und Angestellten des Europäischen Parlaments. Diese “Klatsch-Statisten” sollten die Illusion eines bis auf den letzten Platz gefüllten, ehrfürchtigen Hauses erzeugen.

Dieses Vorgehen stellt nicht nur eine moralische Bankrotterklärung dar, sondern ist auch ein eklatanter Verstoß gegen die strengen Regeln des Hauses. Im Plenarsaal des EU-Parlaments dürfen sich während der offiziellen Sitzungen und Zeremonien ausschließlich die demokratisch legitimierten, gewählten Abgeordneten auf diesen Plätzen aufhalten. Die systematische Besetzung dieser Stühle durch nicht-gewähltes Personal ist eine direkte Einmischung in die politische Debatte und eine bewusste Irreführung der europäischen Wählerinnen und Wähler.

René Aust – Mitglied des Europäischen Parlaments

Die Reaktionen aus den Reihen der protestierenden Politiker ließen nicht lange auf sich warten und fielen erwartungsgemäß vernichtend aus. Die Europaabgeordnete Mary Khan formulierte es auf sozialen Medien treffend: „Bei Merkels Preisverleihung wurden die leeren Plätze auf der rechten Seite offenbar mit Klatschern aufgefüllt. Das ist ganz klar Einmischung in die politische Debatte. Natürlich wollten wir mit leeren Plätzen ein Zeichen setzen. Wer selbst das kaschieren muss, zeigt: Kritik soll unsichtbar gemacht werden.“ Auch ihre Kollegin Irmhild Boßdorf zeigte sich entsetzt darüber, dass die berechtigte Kritik an der Altkanzlerin auf diese plumpe Weise weggedrückt wurde.

Noch deutlichere Worte fand der AfD-Europaabgeordnete Rene Aust, der die Vorgänge in einem emotionalen Statement direkt aus dem Parlamentsgebäude heraus scharf verurteilte. Er sprach von einem “merkwürdigen Schauspiel” und legte den Finger tief in die Wunde der EU-Inszenierung. Aust entlarvte die Strategie hinter den voll besetzten Reihen: Die Plätze seien nur deshalb gefüllt worden, damit das Publikum an den Bildschirmen zu Hause in der Tagesschau sehe, wie Angela Merkel vor vollem Haus einen Orden in Empfang nehme. Dabei ging Aust noch einen Schritt weiter und stellte die Legitimität der Auszeichnung selbst grundsätzlich infrage. Er bezeichnete den verliehenen Orden als “wertlos”, da die Europäische Union kein souveräner Staat sei und auch niemals einer werden dürfe. Dementsprechend besitze sie gar nicht die historische oder staatliche Legitimation, derartige staatstragende Auszeichnungen zu vergeben, schon gar nicht an Personen, deren politisches Erbe derart umstritten ist wie das von Angela Merkel.

Die Empörung beschränkte sich jedoch keineswegs auf das rechte politische Spektrum. Auch der profilierte Politiker Fabio De Masi, der ehemals für die Linke aktiv war, äußerte harsche Kritik an der bizarren Inszenierung. Er verglich die Atmosphäre im Straßburger Parlament mit der Stimmung auf der sinkenden Titanic. Die großen, etablierten Fraktionen würden in einem “schalen Ritual” größtenteils den eigenen Parteigängern Orden umhängen, ein Privileg, das erst im Vorjahr eilig beschlossen worden war. Die Anheuerung von Angestellten als Statisten, um die Illusion der Einigkeit zu wahren, sei ein Armutszeugnis, das er spöttisch als „einen Hauch von DDR oder Monarchie“ bezeichnete.

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Es ist nicht das erste Mal, dass die Europäische Union durch derartige fragwürdige PR-Aktionen negativ auffällt. Beobachter erinnern sich noch gut an Wahlwerbespots der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, bei denen in der technischen Nachbearbeitung der Applaus künstlich lauter gemischt wurde, um eine größere Zustimmung zu simulieren, als tatsächlich vorhanden war. Solche Manipulationen untergraben das ohnehin bröckelnde Vertrauen der Bürger in die europäischen Institutionen massiv. Wenn die Verantwortlichen in Brüssel und Straßburg glauben, sie könnten politische Risse und fundamentale Unzufriedenheit einfach mit falschen Statisten und künstlichem Applaus überdecken, verkennen sie die Realität auf gefährliche Weise.

Die Bürger Europas sind längst nicht mehr bereit, sich von schönen Bildern und inszenierten Zeremonien blenden zu lassen. Die Krisen – von Inflation über ungelöste Migrationsfragen bis hin zur Deindustrialisierung – sind viel zu real, als dass sie durch Orden und glänzende Fassaden ungeschehen gemacht werden könnten. Dieser Eklat um die “Klatsch-Statisten” wird in die Annalen der EU-Geschichte eingehen als ein Paradebeispiel dafür, wie weit sich eine politische Elite von der Lebensrealität und den echten Debatten entfernt hat. Die Wahrheit lässt sich auf Dauer nicht auf leere Stühle verweisen. Sie bricht sich ihre Bahn – notfalls durch die laute Abwesenheit derer, die sich weigern, bei diesem unwürdigen Schauspiel mitzuwirken.