Todesnacht am Ballermann | Der Fall Andreas Kletzl...

Todesnacht am Ballermann | Der Fall Andreas Kletzl T

Todesnacht am Ballermann | Der Fall Andreas Kletzl  

 Im Sommer 2012 freut sich der 17-jährige Andreas Kletzel auf eine besondere Reise. Gemeinsam mit seinem Bruder Philip und ihrem besten Freund Daniel fliegt er nach Mallorca, ein Geschenk seines Vaters als Dank für ihre harte Arbeit in der Familienfirma. Es soll ein unvergesslicher Kurzurlaub werden, voller Abenteuer und Entspannung.

Doch schon die erste Nacht endet in einer Katastrophe, die nur zwei der drei jungen Männer überleben. Und obwohl auf den ersten Blick einiges auf einen Unfall hindeutet, kommen nach und nach immer mehr Ungereimtheiten ans Licht, die darauf hindeuten, dass sich irgendjemand große Mühe gibt, um die Wahrheit zu vertuschen. M.

Sommer 2012. Die fünfköpfige Familie Kletze lebt in Matzinghofen Oberösterreich. Die Eltern Hanne Lore und Heinrich führen eine erfolgreiche Metalltechnikfirma, in der auch ihre beiden Söhne Philip und Andreas angestellt sind. Ihre Tochter geht noch zur Schule. Philip ist 25 Jahre alt und Andreas 17 und noch mitten in seiner Ausbildung.

 Er liebt seinen Job, ist engagiert und verbringt viel Zeit mit seinem besten Freund Daniel, der ebenfalls in der Firma arbeitet. Der Sommer ist stressig und es gibt viel zu tun, sodass Überstunden an der Tagesordnung sind. Um sich für die harte Arbeit seiner Söhne und Daniels Einsatz zu bedanken, schenkt Heinrich den drei jungen Männern im August eine fünftägige Reise nach Mallorca.

Ursprünglich hatten sie einen Roadtrip nach Italien geplant, doch Heinrich hatte Sorge, dass das zu gefährlich sein könnte. Also bucht er stattdessen einen Urlaub auf der Balearen Entscheidung, die er bis heute zutiefst bereut. Am 16. August 2012 werden Andreas Philip und Daniel von Heinrich und Hanne Lore zum Flughafen in Salzburg gebracht.

 Um 17:55 Uhr startet ihr Airberlinfug nach Palmer de Mallorca. Die drei sind aufgeregt und freuen sich auf die kommenden Tage. Gegen 20 Uhr landen sie pünktlich, fahren mit dem Bus zur Partymale der Insel und checken im Hotel Ri Player Park ein. Ihre Zimmer befinden sich auf verschiedenen Eagen.

 Daniels Zimmer ist im ersten Stock, Andreas im VI und Philips im sechsten. Nach dem gemeinsamen Abendessen entspannen sie an der Poolbar, telefonieren mit ihren Eltern und versichern ihnen, dass sie gut angekommen sind und dass sie auf sich aufpassen werden. Gegen 23 Uhr gehen sie auf ihre Zimmer, um ihre Koffer auszupacken.

 Während Philip kurz darauf schlafen geht, wollen Andreas und Daniel noch die Insel erkunden. Gegen Mitternacht brechen sie auf. Sie landen im Club Paradies, trinken ein Bier und lernen dort einen Urlaub aus Köln kennen. Auf seine Idee hin ziehen sie bald darauf hin weiter in den Bierkönig. Gegen 3 Uhr morgens wollen Andreas und Daniel zurück ins Hotel.

 Sie verlassen den Bierkönig und finden sich mitten auf der beliebten Party Meile im Gedränge der Leute wieder. Es dauert nicht lange, bis sich die beiden der Menschenmasse verlieren. Daniel kehrt alleine Hotel zurück. Er geht davon aus, dass Andreas ebenfalls zurückgefunden hat und bereits im Bett liegt, aber dem ist nicht so.

Während Philip und Daniel friedlich schlafen, wird Andreas am 17. August 2012 um 4:51 Uhr von einer Überwachungskamera aufgezeichnet, wie er das Hotel Obelisco betritt. Er grüßt den Nachtpier und geht die Treppen hinauf. Es scheint als kenne er das Hotel. Warum er sich dort aufhält und was er in den zwei Stunden seitdem Daniel und er sich getrennt haben gemacht hat, bleibt ungeklärt.

 Auch was in den nächsten anderthalb Stunden passiert, weiß man nicht. Um 6:18 Uhr alarmieren drei deutsche Urlauber aus Nürnberg die Hotelrezeption. Sie berichten, dass sie auf ihrem Balkon im zweiten Stock gesessen haben, als sie einen lauten Knall hörten. Als sie hinunter blickten, hätten sie dort einen jungen Mann halb nackt und regungslos in einer Blutlache liegen sehen.

Ungefähr zeitgleich beginnt nur 200 m entfernt auch für Philip und Daniel der Morgen. Philip geht um 9 Uhr ahnungslos zum Frühstück, doch der Hoteldirektor hält ihn auf und bittet ihn in sein Büro. Philip denkt zunächst, dass es um Formalitäten wegen ihrer Dokumente geht. Doch stattdessen erhält er dort die schreckliche Nachricht, dass sein Bruder tot ist.

 Lach dem Hoteldirektor ist Andreas durch einen Sturz über ein Treppengeländer ums Leben gekommen. Fassungslos und Wein droht Philip seine Eltern an. Seine Mutter erinnert sich bis heute an diesem Moment. Philip sagte mit einer verweinten Stimme das Schlimmste, was man als Mutter hören kann. Mama, es ist etwas Schlimmes passiert. Andreas ist tot.

 Ich fragte, wie. Es kam nur schluchzend Gelände. Ich rief noch ins Telefon: “Ich komme und hole euch.” Danach brach die Verbindung ab. Ich erreichte keinen mehr. Das Hotel wusste auch nicht, was los sei. Meine Tochter kam dann auch leicht verschlafen aus ihrem Zimmer, da sie zu dem Zeitpunkt Sommerferien hatte. Sie fragte, was los sei, und wir sagten ihr aufgelöst, dass Andreas tot sei und wir Philip nicht mehr erreichen können.

 Die Familie versucht verzweifelt Klarheit zu bekommen. Andreas Schwester glaubt zunächst an eine Verwechslung und ruft auf Andreas Handy an. Und tatsächlich nimmt jemand ab. Sie hört Stimmen und einen laufenden Fernseher, bevor kurz darauf aufgelegt wird. Ihre Mutter beschrieb das so. Sie hörte einen Fernseher und Essensgeräusche, legte aber gleich wieder auf.

 Sie rief wieder und wieder an in der Hoffnung, dass die Person wieder abhebt. Als jemand abgehoben hat, hörte man jemanden spanisch sprechen und es wurde aufgelegt. Die Familie wird kurz darauf von der spanischen Reisegesellschaft informiert, dass Andreas im alkoholisierten Zustand die Hotels verwechselt habe und von der Feuertreppe im Obelisco gestürzt sei.

Angeblich gebäbe es an der Mauer Spuren, die das Ganze bestätigen würden. Während sich Andreas Eltern noch in einem Schockzustand befinden, werden sie gefragt, ob ihr Sohn in einer Urne oder in einem Sag nach Hause gebracht werden soll. Es ist der Beginn eines Albtraums, der für Andreas Familie bis heute kein Ende gefunden hat.

Andreas Elternreisen umgehend nach Mallorca. Sie haben Zweifel an den Aussagen der Behörden und auch Philip und Daniel glauben nicht an die offizielle Version. Die spanischen Behörden erklären, es würde nicht weiterermittelt werden, da es sich um einen Unfall handel. Jedes Jahr würden Jugendliche im Alkoholrausch vom Balkon stürzen.

Man fragt die Familie, ob sie Andreas persönliche Gegenstände zurückhaben wollen und anschließend wird der Fall als abgeschlossen eingestuft. Andreas Familie gibt eine unabhängige Obduktion in Auftrag. Diese bestätigt das, was auch Daniel bereits zu Protokoll gegeben hat. Die beiden haben nicht viel Alkohol getrunken und Andreas ist zu keinem Zeitpunkt betrunken gewesen.

 Sein Blutalkoholwert beträgt 1,1 Promille, was nicht auf eine starke Trunkenheit hinweist. Als sich seine Familie das Hotel Obelisco genauer anschaut, wird für sie noch deutlicher, dass Andreas Tod kein Unfall gewesen sein kann. Angeblich soll er über die Mauer einer Feuertreppe gestürzt sein, doch die Mauer ist 1,30 m hoch, was einen versehentlichen Sturz eher unwahrscheinlich macht.

Die schwanische Polizei hat inzwischen die Vermutung geäußert, dass Andreas versucht haben könnte von der Mauer in den Pool zu springen. Dieser befindet sich aber so weit weg, dass seine Familie das sofort ausschließt. Andreas Eltern lassen eine Fallwinkelbestimmung durchführen. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass Andreas nicht von der Feuertreppe, sondern vom Balkon des sechsten Stocks gestürzt ist.

Der Aufprallort liegt etwa 4 m von der Feuertreppe entfernt, aber in unmittelbarer Nähe zu den Balkon. Ob er gefallen ist oder gestoßen wurde, lässt sich nicht feststellen. Durch die unabhängige Obduktion ist aber klar, dass nicht alle von seinen Verletzung zu einem Sturz passen. Er hat Schnitt und Schirfwunden, die auf einen vorherigen Kampf hindeuten.

 An seinem Gesicht finden sich Reste von Lippenstift und an seinen Fingern Verletzung, die darauf hindeuten, dass er sich an der scharfkantigen Berüstung des Balkons festgehalten hat. Gegenüber von dem Balkon im sechsten Stock befinden sich Blutspritze an der Mauer der Feuertreppe. Das könnte darauf hindeuten, dass Andreas bereits verletzt gewesen ist, als er vom Balkon fiel.

 Möglicherweise hat er beim Fall mit den Armen gerudert, wodurch das Blut an die Mauer gelangt ist. Der ehemalige Chef der Münchener Mordkommission, Josef Wilfling analysiert auf Wunsch der Familie den Fall und kommt zu einem ähnlichen Urteil. Er sagt, die sowohl durch die spanischen als auch österreichischen Rechtsmediziner festgestellte Todesursache infolge eines Politraumas mit Zerstörung des knöchernen Schädels durch einen Sturz aus großer Höhe ist nicht anzuzweifeln.

 Demzufolge verstarb Andreas Kletzel auf nicht natürliche Weise. Was die äußerlich sichtbaren Verletzung betrifft, so wird in den Obduktionsberichten pauschal davon ausgegangen, dass alle festgestellten inneren und äußeren Verletzung mit einem Sturzgeschehen vereinbar sei. Leider wurde nicht differenziert zwischen den Verletzungen, die durch den Aufprall hervorgerufen wurden und den, die schon vorher entstanden sein müssen.

 Aus hiesiger Sicht und nach intensiver Rücksprache mit den eingangserwähnten Experten ist davon auszugehen, dass die Schürfung an den Schienbeinen und die tiefgreifenden Verletzung an den Fingerinnenseiten, insbesondere am kleinen Finger der linken Hand, nicht durch den Aufprall am Boden entstanden sein können.

 Wie sonst wäre es möglich, dass die Schirfunden erst unterhalb der erhabenen Knie beginnen. Die Verletzung an den Beinen und den Fingern waren definitiv schon vorhanden, bevor der Körper am Boden aufschlug. An den Außenseiten der Notstiegenmauer des sechsten Stockwerkes direkt gegenüber dem Balkon fanden sich feine Blutspritzer, die zwar gesichert, aber nicht ausgewertet wurden.

 Sollten diese Blutspuren von Andreas Kletzelstammen, wäre der Beweis erbracht, dass er im Balkongeländer im sechsten Stockwerk gehangen haben muss, bevor er in die Tiefe stürzte. Nur so lassen sich die Blutspritzer am Mauerwerk erklären, verursacht durch die stark blutende Fingerwunde und die rudernden Armbewegung im Augenblick des Loslassens.

Und es gibt noch mehr Hinweise, die einen Unfall unwahrscheinlich machen. Allen voran die Auffinde Situation von Andreas Kleidung und seinen privaten Gegenständen. Bei seinem Sturz hat Andreas keine Socken, Schuhe und keine Hose getragen. Die Schuhe findet man im Personalgang des Hotels im ersten Stock.

 Sie stehen ordentlich nebeneinander, sind völlig durch Nest und voller Sand. In einem von ihnen befindet sich eine schwarze Socke von Andreas. Die zweite wird nie gefunden. Im sechsten Stock auf der Feuertreppe liegt Andreas Cappy. Im dritten Stock findet man seine Jeans. Sie ist nass bis zu den Knien und in der Hosentasche befindet sich noch Andreas Portemonnaie.

Allerdings enthält das nur noch 4,83 € in Kleingeld und ein 5 € Schein. Mehr als 400 € fehlen. Andreas Fat hatte den jungen Männern jeweils 500 € Taschengeld gegeben. Andreas hat das gesamte Geld im Portemonnaie behalten und davon gemeinsam mit Daniel lediglich ein paar Getränke bezahlt.

 Wo das restliche Geld geblieben ist, weiß man nicht. Dadurch, dass Andreas Kleidung nass und sandig ist, ist davon auszugehen, dass er in den zwei Stunden, nachdem er Daniel verloren hat, noch am Strand gewesen ist und dort mit den Schuhen bis zu den Knien im Wasser gewesen sein muss. Sein Handy bleibt bis heute verschwunden.

 Niemand weiß, wer es bei sich hatte und die Anrufe entgegengenommen hat. Noch Tage nach seinem Tod werden mit seiner Simkarte Anrufe im Wert von 3600 € ins Ausland getätigt, unter anderem nach Spanien und nach Afrika. Die österreichischen Behörden können in diesem Fall nichts ausrichten, denn sie dürfen im Ausland nicht ermittel.

 Die spanischen Behörden hingegen bleiben bei ihrer anfänglichen Theorie. Sie gehen davon aus, Andreas sei betrunken das falsche Hotel gegangen, habe sich in den Gängen verirrt, dabei teilweise seine Kleidung ausgezogen und sich dann bis zum Morgen auf die Feuertreppe zum Schlafen gelegt. Im Anschluss sei er orientierungslos über die Mauer der Feuertreppe gestürzt oder habe versucht von dort aus in den Pool zu springen.

Für Andreas Familie ergibt diese Version weiterhin keinen Sinn. Seine Eltern fahren immer wieder nach Mallorca. Sie hängen Plakate auf, beauftragen unabhängige Gutachter, führen Gespräche mit Einheimischen und geben Interviews. Sie wollen antworten. Ich kann Andreas nicht lebendig machen, aber ich kann aufklären.

 Wenn niemand was machen kann, dann muss ich als Mutter etwas machen, weil irgendetwas nicht stimmt und weil Andreas die Wahrheit verdient hat. 5 Jahre lang gibt es keinerlei Fortschritt in dem Fall. Erst dann sieht sich die spanische Polizei gezwungen, eine Mordkommission mit den Ermittlungen zu beauftragen. Doch bis heute gibt es keine Ermittlungsergebnisse.

 Niemand ist vernommen worden, es wurden keine Spuren verfolgt und es gibt immer noch genauso viele offene Fragen wie zuvor. Wenn es nach Andreas Familie geht, hätte besonders eine Frage von Anfang an geklärt werden müssen. Wer hat in der Nacht von Andreas Todas Zimmer im sechsten Stock bewohnt, von dessen bei Kon Andreas laut dem unabhängigen Bericht gestürzt sein soll? Doch die Polizei geht dieser Frage nie auf den Grund.

Andreas Eltern vermuten, dass ihr Sohn in jener Nacht auf der Schinkenstraße Leute kennengelernt hat, die ihn zu sich ins Hotel eingeladen haben. Vielleicht sind diese Personen die einzigen, die wissen, was wirklich passiert ist. Aber keiner von ihnen hat sich je bei der Polizei gemeldet. Hanne Lore sagt dazu, ich sage ihr nicht, dass Herr Andreas ermordet worden ist.

 Ich möchte einfach nur Gewissheit haben, dass es nicht so war. Und da gibt es einfach so viele Fragen. In einem Interview mit der österreichischen Zeitung News geben die spanischen Ermittler offen zu, dass sie dem Fall stärker nachgegangen wären, wenn Andreas an einem ruhigeren Ort der Insel gestorben wäre. Aber am Ballermann sei der Tod eines Touristen leider nichts Außergewöhnliches.

Diese Aussage macht die Familie fassungslos. Dennoch geben sie nicht auf und hoffen bis heute, dass Andreas Tod irgendwann noch aufgeklärt werden kann. Heinrich sagt, ich bin meinem Sohn einfach schuldig, dass alles getan wird, um die Wahrheit über seinen Tod herauszufinden. Und damit sind wir am Ende des heutigen Videos.

 Ich möchte mit meiner Reichweite so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf den Tod von Andreas Kletzel lenken. Auch wenn ich nicht weiß, wie die Wahrheit aussieht, ist klar, dass es zweifels ohne einige Ungereimtheiten bei diesem Fall gibt. Ich hoffe sehr, dass irgendwann jemand den entscheidenden Hinweis liefert und Andreas Familie auf all ihre Fragen Antworten erhält.

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