Frontalangriff auf Merz: Alice Weidel rechnet mit der „Weiter-so“-Politik ab
Es war eine Pressekonferenz, die man so schnell nicht vergessen wird. Mit einer Mischung aus präziser Analyse und messerscharfer Rhetorik hat die AfD-Fraktions- und Parteivorsitzende Alice Weidel die aktuelle Regierungspolitik unter Bundeskanzler Friedrich Merz zerlegt. Was viele Bürger hinter verschlossenen Türen bereits ahnen, brachte Weidel vor laufenden Kameras auf den Punkt: Die Regierung befinde sich im „Weiter-so“-Modus, während das Land wirtschaftlich auf ein Desaster zusteuere.
Ein wirtschaftliches Kartenhaus
Weidels Kernvorwurf wiegt schwer: Die Regierung Merz führe die Politik der Ära Merkel und der vorangegangenen Ampel-Koalition nahtlos fort. Von einer echten Kurskorrektur, die im Wahlkampf oft angedeutet wurde, sei in der Praxis nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Schuldenlast steige massiv an. Ein Haushalt von 520 Milliarden Euro, von denen fast ein Drittel auf neue Schulden entfällt, spreche eine deutliche Sprache. „Sondervermögen“ seien in Wahrheit nichts anderes als Sonderschulden, die kommende Generationen belasten und die Stabilität des Euros gefährden.
Besonders kritisch bewertet Weidel die Haushaltsführung. Während man den Bürgern Sparsamkeit predige, würden die Beamtenstellen – entgegen gegenteiliger Versprechen – weiter ausgebaut. 89 neue Verwaltungsstellen ab 2026 seien ein Symbol für einen aufgeblähten Staatsapparat, der nicht in den Produktivsektor investiere, sondern Ressourcen binde, die an anderer Stelle dringend gebraucht würden.
Energiepolitik als „Gift für den Wohlstand“

Ein zentraler Punkt ihrer Abrechnung war die CO2-Bepreisung. Was Friedrich Merz als „marktwirtschaftliches Instrument“ verkaufe, bezeichnet Weidel als „plansozialistischen Eingriff“. Die Folge sei eine künstliche Verteuerung der Energie, die den ohnehin angeschlagenen Wirtschaftsstandort Deutschland in den internationalen Wettbewerb zwinge, in dem er nicht mehr bestehen könne. „Die Energie ist viel zu teuer“, so Weidel. Industrieproduktionen würden in Länder wie die USA abwandern, wo die Rahmenbedingungen attraktiver seien. Für sie ist klar: Die CO2-Bepreisung in ihrer jetzigen Form ist „Gift für unseren Wohlstand“. Sie fordert deren sofortige und vollständige Abschaffung, um die heimische Industrie vor dem Ruin zu bewahren.
Vertrauensverlust bei den Wählern
Weidel sieht in den einbrechenden Zustimmungswerten für die Regierung ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen der Bürger in eine nachhaltige Politik verloren gegangen ist. Die „Selbsthilfegruppen“ – so nennt sie die Koalitionsausschüsse – seien ein Indiz dafür, dass man sich innerhalb der Regierung über grundlegende Themen wie Bürgergeld oder Rentenreformen nicht einmal einig werde. Die Themen würden von der Tagesordnung genommen, anstatt sie anzugehen. Dieser Stillstand sei es, der das Land lähme, während die Probleme – von der Verrohung der Städte bis hin zur Abwanderung der Industrie – immer deutlicher sichtbar würden.
Interne Querelen und die Russland-Reise

Auch die interne Situation ihrer eigenen Partei ließ Weidel nicht aus. Auf die Frage zu der umstrittenen Russland-Reise einiger Abgeordneter reagierte sie ungewohnt offen. Sie konstatierte, dass der gesamte Prozess „recht unglücklich“ gelaufen sei. Zwar unterstütze sie das Anliegen, Gesprächskanäle offen zu halten – ein Frieden in Europa sei „nur mit und nicht ohne Russland“ möglich –, doch die Art und Weise, wie diese Reise zustande kam, sei verbesserungswürdig gewesen. Sie betonte, dass der Fraktionsvorstand künftige Reisen strenger reglementieren werde. „Wer sich nicht an die Rahmenbedingungen hält, wird die Konsequenzen tragen“, machte sie unmissverständlich klar. Dies zeigt: Weidel hat ihre Fraktion fest im Griff und scheut sich nicht, klare Grenzen zu ziehen, wenn die öffentliche Außenwirkung der Partei gefährdet ist.
Fazit: Kurskorrektur oder Abgrund?
Alice Weidels Auftritt war ein Weckruf. Sie präsentierte sich als konsequente Opposition, die nicht nur kritisiert, sondern konkrete Alternativen anbietet – wie etwa die Abkehr von der „ideologischen“ Energiepolitik. Während die Regierung Merz versucht, den Eindruck von Stabilität zu vermitteln, zeichnete Weidel das Bild eines Schiffes, das in schwerer See auf die Klippen zusteuert.
Ob ihre Kritik Gehör findet oder ob sie in den Mühlen des politischen Betriebs verhallt, wird die nähere Zukunft zeigen. Doch eines steht fest: Alice Weidel ist derzeit die schärfste Kritikerin des „Weiter-so“ in Berlin. Ihr Auftritt hat erneut bewiesen, dass sie die Mechanismen der politischen Debatte beherrscht und genau weiß, an welchen Stellen sie den Druck erhöhen muss, um die Regierung in die Defensive zu drängen. Die politische Debatte in Deutschland ist nach diesem Auftritt jedenfalls um eine Facette reicher – und für die Regierung Merz deutlich unbequemer geworden.