Der schlafende Riese unter unseren Füßen
Es ist ein Thema, das in der deutschen Politik jahrelang als das absolute, unantastbare Tabu galt. Ein Wort, das ausreichte, um hitzige Proteste auszulösen und Politiker in die Flucht zu schlagen: Fracking. Doch während die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland unter den höchsten Energie- und Strompreisen weltweit ächzen, die Heizkostenabrechnungen für viele Familien existenzbedrohend geworden sind und die Industrie lautstark über Abwanderung nachdenkt, braut sich in Berlin ein handfestes politisches Beben zusammen. Wird das seit 2017 bestehende, strenge Fracking-Verbot in Deutschland tatsächlich wackeln? Wird die Bundesrepublik bald heimisches Gas aus dem eigenen Boden fördern, um die drückende Energiekrise endgültig zu beenden? Die Gerüchteküche in der Hauptstadt brodelt, und was sich hinter den verschlossenen Türen von SPD und Union (CDU/CSU) abspielt, könnte die energiepolitische Landkarte der Republik für immer neu zeichnen.

Das brisante Koalitionspapier: Ein Tabubruch kündigt sich an
Der Auslöser für diese massive Unruhe ist ein unscheinbares, aber inhaltlich hochbrisantes Ergebnispapier des Koalitionsausschusses der schwarz-roten Bundesregierung. In diesem Dokument, das kürzlich an die Öffentlichkeit gelangte, wurde wörtlich festgehalten, dass man die “Erschließung heimischer Gasvorkommen” aktiv in Betracht ziehe. Das Ziel sei es, langfristig das Energieangebot auszuweiten und die bittere Abhängigkeit im Energiebereich drastisch zu reduzieren. Dieser Satz ist eine politische Detonation. Er bedeutet nichts anderes, als dass selbst die etablierten Parteien mittlerweile erkennen: Die rein ideologisch getriebene Energiepolitik der vergangenen Jahre ist vor dem Hintergrund globaler Krisen schlichtweg gescheitert.
Diese bewusst offengehaltene Formulierung rückt unweigerlich das Thema Fracking wieder ins Rampenlicht. Denn unerschlossene Erdgasvorkommen gibt es in Deutschland reichlich. Zum einen unter der Nordsee, zum anderen aber – und das ist der springende Punkt – in tiefen Schiefergesteinsschichten, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. An dieses wertvolle Gas kommt man jedoch nur mit der Fracking-Methode heran. Doch genau diese Methode wurde 2017 per Gesetz kategorisch verboten. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Der deutsche Staat hat gesetzlich verboten, eine gigantische, heimische Energiequelle zu nutzen, die das Land unabhängig machen und die Preise senken könnte.
Ein Reichtum gigantischen Ausmaßes: Was sagen die Experten?
Wie groß ist dieser Schatz, der direkt unter unseren Füßen schlummert, tatsächlich? Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) geht von atemberaubenden Zahlen aus. Die BGR schätzt die technisch förderbaren Schiefergasmengen in Deutschland auf 320 bis unglaubliche 2030 Milliarden Kubikmeter. Hans Kümpel, der ehemalige Präsident der BGR, nannte gegenüber der Zeitung “Die Welt” einen absolut realistischen Mittelwert von rund 800 Milliarden Kubikmetern.
Um diese astronomische Zahl in einen greifbaren Kontext zu setzen: Das entspricht dem 20-Fachen der aktuell noch vorhandenen konventionellen Gasreserven Deutschlands. Laut dem renommierten Experten Kümpel könnten jährlich bis zu 20 Milliarden Kubikmeter aus dem heimischen Boden gefördert werden. Das entspräche auf einen Schlag satten 25 Prozent des gesamten deutschen Gasbedarfs! Ein Viertel unserer Energieversorgung könnte aus sicheren, heimischen Quellen stammen. Unter modernsten Sicherheitsauflagen, unter dem wachsamen Auge deutscher Umweltbehörden. Die Folge wäre nicht nur eine nie dagewesene Versorgungssicherheit, sondern voraussichtlich auch eine massive Entlastung bei den Gaspreisen für jeden einzelnen Haushalt und die strauchelnde Industrie.

Die schreiende Doppelmoral: US-Fracking-Gas und der Atom-Irrsinn
Die politische Absurdität erreicht jedoch ihren absoluten Höhepunkt, wenn man sich die aktuelle Versorgungslage Deutschlands schonungslos ansieht. Da Deutschland sein eigenes Gas nicht fördern will, müssen immense Mengen importiert werden. Laut Bundesnetzagentur kamen im vergangenen Jahr etwa 48 Prozent unseres Gases aus Norwegen, weitere große Teile aus den Niederlanden und Belgien. Besonders pikant: Der Anteil von teurem Flüssigerdgas (LNG) liegt bei etwa zehn Prozent – und der Großteil dieses extrem teuer eingekauften LNGs kommt direkt aus den Vereinigten Staaten von Amerika.
Und wie wird dieses Gas in den USA aus dem Boden geholt? Richtig: mit exakt jener Fracking-Methode, die in Deutschland als Teufelszeug gebrandmarkt und strengstens verboten ist. Wir verbieten die Förderung vor der eigenen Haustür aus vermeintlichen Umweltbedenken, haben aber moralisch keinerlei Problem damit, das auf gleiche Weise geförderte Gas per extrem umweltschädlichem Schiffstransport über den halben Globus zu karren und teuer zu bezahlen. Das ist eine energiepolitische Schizophrenie, die den Bürgern kaum noch zu vermitteln ist.
Diese Doppelmoral erinnert fatal an den deutschen Atomausstieg. Während Nachbarländer munter neue Meiler bauen, schaltete Deutschland mitten in der größten Energiekrise der Nachkriegszeit seine modernsten und sichersten Kernkraftwerke ab, um dann teuren Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus dem Ausland zu importieren. Es ist eine Politik, die sich weigert, pragmatische Lösungen für die realen Probleme des Landes zu finden.
Wissenschaft gegen Panikmache: Sind die Ängste berechtigt?
Doch warum ist die Angst vor Fracking in Deutschland überhaupt so groß? Wer sich an die medialen Berichte der vergangenen Jahre erinnert, hat Bilder von brennenden Wasserhähnen und apokalyptischen Erdbeben im Kopf. Doch die Realität der modernen Technologie sieht völlig anders aus. Fracking ist längst nicht mehr das, was es vor Jahrzehnten einmal war. Die Technologie hat rasante Fortschritte gemacht, ist um ein Vielfaches sicherer und präziser geworden.
Wissenschaftler wie der ehemalige BGR-Präsident Hans Kümpel sprechen Klartext: “Die Schreckensszenarien sind ausgedacht und wurden politisch ausgeschlachtet.” Die Gefahr von Erdbeben sei bei unkonventionellen Lagerstätten absolut vernachlässigbar. Auch das viel zitierte Grundwasser lasse sich unter den ohnehin extrem strengen deutschen Auflagen hervorragend schützen. Kümpel bringt es auf den Punkt: Das Verbot in Deutschland war niemals das Ergebnis objektiver wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern das Resultat hochgradig emotionalisierter Kampagnen und strategischer Interessen, die einer heimischen Gasförderung von Anfang an feindlich gegenüberstanden.

Kanzler Scholz in der Zwickmühle: Der Druck im Kessel steigt
Für Bundeskanzler Olaf Scholz entwickelt sich diese neue Debatte zu einem gefährlichen politischen Minenfeld. In einer kürzlichen Regierungsbefragung im Bundestag versuchte Scholz noch panisch, das Thema abzumoderieren. Er betonte, es gebe auch andere Methoden, Öl und Gas zu fördern, und es sei derzeit “nicht beabsichtigt”, Fracking überhaupt vorzuschlagen. Das Thema sei kein Gegenstand von Erörterungen in der Regierung.
Doch das Kanzler-Dementi wirkt zunehmend hilflos. Die Realität hat Scholz längst überholt. In seiner eigenen Partei, der SPD, und insbesondere beim Koalitionspartner mehren sich die Stimmen jener Realpolitiker, die genau diese Erschließung fordern. Sie sehen die nackten Zahlen, sie sehen die Abwanderung der Industrie und die Wut der Wähler. Das Fracking-Thema eröffnet die nächste große Front für den Kanzler. Wenn der Druck aus der eigenen Fraktion und der Bevölkerung weiter wächst, könnte sich das Blatt schneller wenden, als es Scholz recht ist.
Es steht unendlich viel auf dem Spiel. Werden wir weiterhin astronomische Preise für unsere Ideologie zahlen und uns von ausländischen Energiequellen abhängig machen? Oder wird die Bundesregierung endlich auf die Wissenschaft hören, das ideologische Fracking-Verbot kippen und den Milliarden-Schatz unter unseren Füßen bergen, um Deutschland wieder bezahlbare Energie zu sichern? Die Diskussion ist eröffnet, und sie wird härter geführt werden als je zuvor. Denn wenn es um die finanzielle Existenz der Bürger geht, hört die ideologische Gefälligkeit auf. Die Kacke am Berliner Polit-Himmel dampft gewaltig – und das letzte Wort ist hier noch lange nicht gesprochen.
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